Mittwoch, 15. Mai 2013

Pfingsten und der drohende Stellungskrieg

Ich pinne meine persönliche Meinung zu den zur Zeit überbordenden internen Konflikten innerhalb der anthroposophischen Gesellschaft aus einem Kommentar noch einmal hier in die Timeline des Blogs- sicherlich auch deshalb, weil dieses zersetzende Gift nun gerade in die pfingstliche Zeit fällt. Man kann ja gar nicht aufgreifen, was alles wo darüber geschrieben und gesagt wird- daher nur ein kleiner Verweis auf einen Blogbeitrag bei Junko Althaus, einer der vernünftigen und besonnenen Stimmen, die vor allem Respekt einfordert- auch Respekt vor der scharfen und verletzten Reaktion von Sergej Prokofieff, mit dem auch ich keinesfalls in jeder Hinsicht einer Meinung bin.

Sicherlich hätte -meiner Meinung nach- Frau von Halle eine Nische (und mehr nicht) in der anthroposophischen Gesellschaft gefunden. Aber nun macht es keinen Sinn mehr, sich von dieser Seite als Opfer zu geben. Der Druck der - sagen wir mal- enthusiastischen Anhänger auch auf den Vorstand war schon groß, aber jetzt ist der Vorstand darüber zerbrochen. Nicht genug damit, wird in einer Weise hinterher gekartet, die einen sehr unangenehmen Beigeschmack hat. Dieser Offene Brief mit seinen Forderungen, Herrn Prokofieffs zugegeben überaus scharfe Kritik faktisch aus dem Weg zu räumen ("Die Verfasser fordern eine Entschuldigung bei Judith von Halle und ein Zurückziehen des Buches") und immer weiter Salz in die Wunden zu streuen, hat etwas von sektiererischem Verhalten. Da kann man noch so viel von Christus sprechen, die Art des Handelns ist eine andere. Ich stimme auch Junko Althaus zu, dass sich Frau von Halle nun mal klar positionieren müsste. Sie müsste Initiative zeigen, die in irgend einer Weise konstruktiv ist. Wir wollen nicht die Verhältnisse wie in den 30er Jahren- also einen zerstörerischen internen Kriegszustand. Ich finde, der Bogen ist überspannt.

Es wäre höchste Zeit, sich an das Pfingstfest und die Idee einer zukünftigen gemeinsamen Arbeit zu erinnern, anstatt immer weiter aggressiv in einen Stellungskrieg zu treiben.

Dienstag, 14. Mai 2013

Anthroposophisches Mantram

Ich mache das ja selten, von einem Teil des Blogs auf einen anderen zu verweisen, aber der so außergewöhnliche Text, den Adam Michaelis für die Egoisten geschrieben hat, enthält so viele dichte und vielleicht rätselhaft oder befremdlich erscheinende Textstellen, dass ich hier einmal einen einzigen Satz heraus greifen möchte, als Mantram für Jeden, der sich mit Anthroposophie intensiver beschäftigt:

"The existential deficit, when you can not add anything to Rudolf Steiner, and then add him to yourself without realizing, that this is in fact a subtraction."

Hier das ganze Essay mit dem Titel Prokofieff versus von Halle - the fight over a (non- protected) title

Samstag, 11. Mai 2013

Vogelruf

"Späterhin meinte er sich gewisser Momente zu erinnern, in denen die Kraft dieses einen schon, wie im Samen, enthalten war. Er gedachte der Stunde in jenem anderen südlichen Garten (Capri), da ein Vogelruf draußen und in seinem Innern übereinstimmend da war, indem er sich gewissermaßen an der Grenze des Körpers nicht brach, beides zu einem ununterbrochenen Raum zusammennahm, in welchem, geheimnisvoll geschützt, nur eine einzige Stelle reinsten, tiefsten Bewußtseins blieb. Damals schloß er die Augen, um in einer so großmütigen Erfahrung durch den Kontur seines Leibes nicht beirrt zu sein, und es ging das Unendliche von allen Seiten so vertraulich in ihn über, daß er glauben durfte, das leichte Aufruhn der inzwischen eingetretenen Sterne in seiner Brust zu fühlen."

Rainer Maria Rilke, Erlebnis, Briefe aus Muzot, 1. Februar 1913
Dank an Ingrid für den Hinweis

Bodo von Plato über seine schwierige Beziehung zu Sergej Prokofieff

In erfreulicher Offenheit hat Bodo von Plato auf Nachfrage während der Generalversammlung bekannt, dass es in dieser Beziehung - entgegen seinen eigenen Erwartungen- keine einvernehmliche Lösung gegeben habe, und dass er zu ertragen gelernt habe, Gegensätze stehen lassen zu müssen:

"Bodo von Plato: I mentioned yesterday that I am convinced that it will no longier be possible in The future to bring opposites together and create a whole out of complementary parts. When I began to speak yesterday I was not sure yet whether I would dare to address this. Because I was convinced for a long time that one has to bring opposites together, even though my experiences of the recent decades have taught me differently. In joining opposites one takes away the strength of the individual while one hardly achieves strong unity. In my Executive Council work with Sergei Prokofieff I have always seen something that extends beyond the two of us and that we can both relate to. I therefore think that the question concerning our oppositional relationship only applies on a certain level."

Gemeinsamkeiten sieht er also sehr wohl. Im weiteren Text begründet er die Unüberwindbarkeit des Temperaments und der Standpunkte mit der sehr unterschiedlichen Sozialisation beider ehemaliger Kontrahenten. Ich empfinde das als einen sehr reifen Standpunkt gegenüber dem offenbar nicht selten zur Ereiferung neigenden Prokofieff. Andererseits mag man an der Antwort doch auch sehen, dass die Kooperation mit Prokofieff äußerst mühsam gewesen sein muss. 

Obiges Zitat im deutschen Original

Freitag, 10. Mai 2013

Stellungnahme des Vorstands der Anthroposophischen Gesellschaft zum Konflikt zwischen Sergej Prokofieff und Judith von Halle

Hier ein kleiner Ausschnitt zur Positionierung des Vorstands aus Anthroposophy Worldwide:

"It is in our opinion not the task of the Executive Council of the General Anthroposophical Society, as a body or organ, to pass judgement on research results, spiritual-scientific presentations or expressions of opinions. We do, however, feel co-responsible for the “spiritual climate” within the Anthroposophical Society and regret when the inevitable spiritual discourse leads to the disparagement of individuals and to polarization. It is our endeavour to ensure that spiritual-scientific matters and questions of spiritual orientation within the Anthroposophical Society can be explored and made fruitful in accordance with their nature. | Dornach 17 April 2013: Virginia Sease, Paul Mackay, Bodo von Plato, Seija Zimmermann, Justus Wittich, Joan Sleigh"

Diese neutrale Haltung wird dadurch relativiert, dass der Offene Brief von Kritikern am kritischen Buch Sergej Prokofieffs "Zeitreisen" nach dieser Stellungsnahme umfänglich abgedruckt wird. Zugleich wird vorher Prokofieff gewürdigt und aus seiner Vorstandsarbeit verabschiedet. Außerdem fühlt sich Bodo von Plato veranlaßt, seine nicht konfliktfreie frühere Haltung gegenüber Prokofieff zu erklären. Die "spirituellen" Konflikte nehmen gegenüber den sachbezogenen Themen, den personellen Erneuerungen und weltweiten Initiativen trotz der angestrebten Neutralität doch einen erheblichen Raum innerhalb der diesjährigen Generalversammlung ein. 

Obiges Zitat im deutschen Original 

Mittwoch, 8. Mai 2013

Frisch wie am ersten Tag

"Geisterinnern" ist auch ein so schöner Begriff, weil er so Vieles impliziert- etwa, dass man es, wenn man es erinnern kann, ja schon einmal gewusst haben muss. Natürlich handelt es sich nicht um eine einzelne Kenntnis, sondern um etwas aktiv Geistvolles. Tatsächlich gab es eine Zeit, in der wir geistvoll, aktiv, aber ohne Ehrgeiz gewesen sind; die Zeit, als wir uns z.B. die Grundzüge einer Grammatik angeeignet haben - etwas, was uns niemand erklären konnte, da wir Erklärungen gar nicht verstanden hätten. Wir haben uns Grammatik auch nicht nur nachahmend angeeignet, sondern sie so in uns integriert, dass sie die Matrix für das sich entwickelnde Denken sein konnte- ein komplexer Begriffsorganismus.

Tatsächlich muss das Reden, Assoziieren, ja jede Willkürlichkeit des Verstandes zumindest für einen Moment zum Schweigen kommen, damit die Tastbewegung, die hier "Erinnerung" genannt wurde, wahrnehmbar wird. Aber eigentlich geht die suchende Bewegung nirgend wohin, wenn sie sich recht bewährt. Eigentlich muss auch sie zum Schweigen kommen, noch nicht einmal lauschend, ohne jede Erwartung.

Als Junge habe ich das gern gespielt - so in einer Landschaft, einem Wald, einer Lichtung still zu stehen, dass man damit verwuchs (ihrem Duft, ihrem Licht, ihrem Rascheln, ihren Luftzügen, ihren Höhen) und in ihr unsichtbar wurde. Wenn es gelang, nahmen Einen viele Tiere nicht mehr als Fremdkörper wahr. Mäuse liefen über den Schuh, Eichhörnchen begannen zu erscheinen, und ein Vogel landete in direkter Nähe. Für ein paar Minuten war ich selbst nur Natur.
Es war übrigens dabei wichtig, die Aufmerksamkeit zu "deckeln"- nicht zu fokussieren, sondern einfach nur im Augenblick zu sein- mehr in den Augenwinkeln; peripher.

Ich erinnere mich daran: Es war ein Spiel. Nie danach war ich wieder so "ganz", so unzerteilt, so in völliger Hingabe wie in diesem und anderen Spielen. Beim Märchenhören war es auch so. Im Verstehen, wie Zahlen organisiert sind oder was eine Fläche ist, ergaben sich Glücksmomente des Entdeckens und Verstehens. Das alles findet man wieder beim Geisterinnern, und es ist frisch wie am ersten Tag.

Montag, 6. Mai 2013

Lenz

"Nur manchmal, wenn der Sturm das Gewölk in die Täler warf, und es den Wald herauf dampfte, und die Stimmen an den Felsen wach wurden, bald wie fern verhallende Donner, und dann gewaltig heran brausten, in Tönen, als wollten sie in ihrem wilden Jubel die Erde besingen, und die Wolken wie wilde wiehernde Rosse heransprengten, und der Sonnenschein dazwischen durchging und kam und sein blitzendes Schwert an den Schneeflächen zog, so daß ein helles, blendendes Licht über die Gipfel in die Täler schnitt; oder wenn der Sturm das Gewölk abwärts trieb und einen lichtblauen See hineinriß, und dann der Wind verhallte und tief unten aus den Schluchten, aus den Wipfeln der Tannen wie ein Wiegenlied und Glockengeläute heraufsummte, und am tiefen Blau ein leises Rot hinaufklomm, und kleine Wölkchen auf silbernen Flügeln durchzogen und alle Berggipfel scharf und fest, weit über das Land hin glänzten und blitzten, riß es ihm in der Brust, er stand, keuchend, den Leib vorwärts gebogen, Augen und Mund weit offen, er meinte, er müsse den Sturm in sich ziehen, Alles in sich fassen, er dehnte sich aus und lag über der Erde, er wühlte sich in das All hinein, es war eine Lust, die ihm wehe tat; oder er stand still und legte das Haupt in's Moos und schloß die Augen halb, und dann zog es weit von ihm, die Erde wich unter ihm, sie wurde klein wie ein wandelnder Stern und tauchte sich in einen brausenden Strom, der seine klare Flut unter ihm zog."

(Georg Büchner, Lenz) Als digitales Kindle- Buch kostenlos.

Donnerstag, 2. Mai 2013

Saturns Nordpol


Rätselhafte Beobachtungen an Saturns Pol; ein sich bildendes Hexagon, d.h. über längere Zeit bestehende sechseckige Strukturen. Und dann, neuerdings nach dem Saturnwinter entdeckt: Ein riesiger Sturm in der Tiefe des Pols, der allerdings nicht erdähnlich ist, nicht über einem Meer gebildet. Die Beobachtungen durch die Nähe der Satelliten überraschen nicht nur- sie vermitteln auch eine monumentale Schönheit.

Montag, 29. April 2013

Heilsversprechen & Rudolf Steiners Ausbruch

Heilsversprechen und Trost sind die Marschverpflegung der Religion - und in diesem Sinne gläubige Menschen sind die wahrhaft Bedürftigen. Es ist unmöglich, ewig voran zu gehen, und dabei nicht unvermittelt an den schmerzhaften Punkt zu stoßen, an dem man sich so einen Restbestand an Glauben wünschen würde. Denn ohne eine Faser von religiösem Getragensein kommt man nur schwer durch die ernsthaften Krisen hindurch. Aber letztlich ist das Wissen doch da, dass man ohne Schutz da hindurch muss.

Die scheinbar Ungläubigen glauben aber doch wenigstens an ihre eigenen Missionen. Ein absoluter Nihilist mit Lebenserfahrung sagte mir in hohem Alter ohne jede Ironie, was für ein Verlust es doch für die Welt sei, in absehbarer Zeit einen Geist wie ihn zu verlieren. Er meinte quasi, der Vorhang müsse zerreißen, die Erde sich auf tun. Ich sah ihn völlig entgeistert an. Aber es hat mich bewegt. Er hat eben an das Geniale in sich geglaubt.

Heilsversprechen allerorten. Werbung, Politik, Psychologie. Irgendeinen Glauben braucht der Mensch.

Initiation- oder Schritte darauf zu - bedeuten eben auch, diesen Irrtum aufzuklären.

Heilsversprechen oder Trost, die Krücken des bereits angekränkelten Selbstes, beschreibt Rudolf Steiner als "Mystik aus Egoismus" und drückt damit das aus, was Ausgang dieser Überlegung war: "Sie waren Menschen, die nur aus Egoismus heraus fromme, vielleicht sogar mystische Naturen waren, wie ja sehr häufig Mystik aus Egoismus zustande kommt, in der Weise, dass der Mensch sagt: Ich suche in meinem Innern, um in meinem Innern den Gott zu erkennen.- Und wenn man dem nachgeht, was er dort sucht, so ist es nur das eigene Selbst, das er zum Gott macht."

Und weil er gerade am Ende dieses Vortragszyklus ziemlich in Fahrt war, ergänzte Rudolf Steiner noch: "Bei vielen frommen Seelen findet man es, dass sie nur deshalb fromm sind, damit ihnen nach dem Tod diese oder jene Stimmung blühe. Egoistische Seelenstimmung ist es, was sie sich auf diese Weise zubereitet haben."

Der bigotte Glauben, das Hängen an sensationellen "Ergebnissen der Geistesforschung" oder das Alles absorbierende innere Drängen hin auf Erleuchtung, ist eine Art des Verhaftetseins, das eine ebenso "egoistische Seelenstimmung" produziert wie der Glaube an technologische oder wirtschaftliche Teleologien. Die Selbstvergötterung kleidet sich gern in idealistische Verkleidungen. Das ist heute, hundert Jahre nach Steiner, nicht anders als damals. Selbstverständlich wird auch Anthroposophie dazu benutzt, sich die konkrete Realität vom Leib zu halten. Man sieht das aber immer nur ganz gut bei Anderen. Es ist schwer, diese Art von Bedürftigkeit zu überwinden, ganz und gar, radikal. Denn es ist die Quelle einer schweren Selbsttäuschung. Die Suche selbst ist zu einer Art Selbstdefinition geworden; man romantisiert "den Suchenden", z.B., sieht sich als Vertreter einer bedeutenden spirituellen Macht, blickt unbemerkt verächtlich auf all die Nichtsahnenden herab.

Ich persönlich denke, dass Rudolf Steiner das ganz konkret meinte in Bezug auf einige Vertreter, die vor ihm im Saal saßen.


Donnerstag, 18. April 2013

Die wirkliche Gestalt des magnetischen Erdschildes






Source: nasa.gov via Michael on Pinterest

So weit ich das Geschehen verstehe, ist eine Art Gegenreaktion des magnetischen Schutzschirms der Erde auf die unterschiedlich stark einströmenden Sonnenwinde bemerkt worden, ein in den umgebenden Raum abstrahlender Teil, der aber wieder vom Sonnenwind abgefangen und umgebogen wird. Dadurch entsteht ein fluktuierender Gestalttyp, in ununterbrochener Wandlung begriffen. Dennoch eine Gestalt, deren ungefährer Fluchtpunkt das ist, was wir Erde zu nennen gewohnt sind. Tatsächlich ist diese aber doch nur dieser Punkt innerhalb eines magnetischen Organismus.

Samstag, 13. April 2013

Licht und Schatten

"Once you’ve mentally adjusted to shooting only in black-and-white, you start to see shadows everywhere" schreibt ein Fotograf bei einem Test von Leica- Kameras.

So geht es uns selbst auch, wenn wir, uns an der Kante des Selbstbewusstseins haltend, beginnen, uns selbst als rein moralisches Wesen zu erleben. Es ist einfach der Übergang in eine andere Schicht des Selbsterlebens, wenn wir beginnen, in Wärme zu denken. Wenn man in Wärme denkt, dann gibt es keinen Raum mehr. Aber es gibt alle Abstufungen der Wärme, individuelle Cluster davon, aber auch das Fehlen der Wärme. Diese Wärme ist nur ein anderer Begriff für Moral - nicht als Muster, Norm und Besserwisserei aufgefasst, sondern als Substanz des Seins selbst, das aufscheint am Grund des aufgeklärten Willens.

In Licht und Schatten, an der Kante des eigenen Wesens, die Linien des eigenen Erscheinens anschauend, ist das Erschrecken doch erst einmal groß. Objektiv betrachtet, wenn man die Intentionen anschaut, die wirklich im eigenen Leben stecken, dann sieht man jetzt, wie dilettantisch man sich letztlich bei dem Versuch angestellt hat, die eigenen großen Intentionen
zu erfüllen. Aber die Momente des Lebens in der Wärme entschädigen für das ramponierte Selbstbild, das am Ende auf seine Art doch gestrandet ist. Vor den Augen der Wärme haben wir uns nicht selten wie ein Fremder aufgeführt, ein der Wärme Entfallener, ein ins eigene Spiegelbild Verlorener. Aber dreht man sich um und blickt in den Sternenhimmel, entpuppt sich Wärme als Fülle, in der die Person sich als real und präsent erlebt- aber frei von Konzepten und Konventionen seiner Denkgewohnheiten.

Über den sinkenden Schatten der Landschaft erhebt sich die Sichel des Mondes.

Donnerstag, 4. April 2013

Der Schwan

"Wir sehen die geistigen Dinge nicht, weil kein geistiges Licht sie bescheint. Wer es aber dahin gebracht hat, daß ihm erstrahlt das sogenannte Kundalinilicht, der steht auf der zweiten Stufe des Erkenntnispfades.

Auf der dritten Stufe ist derjenige angelangt, welcher es dahin gebracht hat, sein Ich ohne Bevorzugung zu empfinden, der sich nicht höher achtet wie andere Menschen, der in Liebe zu allen Wesen sein höheres Ich findet.

Wer nicht mehr auf sein eigenes egoistisches Ich hofft, sondern aus den Wesen ihre Eigenart sprechen hört und vernimmt, von dem sagen wir, daß er auf der dritten Stufe des Erkenntnispfades angelangt ist. Wir nennen ihn in der Geheimlehre einen Schwan, und das ist ein Ausdruck, der in der ganzen Welt üblich ist, wo es geistige Forschung gibt."

Rudolf Steiner, GA 54, S.442

Montag, 1. April 2013

Sonntag, 31. März 2013

Auferstehung im Denken

Ich möchte gerne auf ein vor zehn Jahren erschienenes Interview, das Jens Heisterkamp mit Sekem Gründer Ibrahim Abouleish führte, hinweisen, und das ist so interessant und tiefgründig, wie die hier zitierte Antwort von Abouleish:


"Info3 :Nicht wenige Nachfolger auf den Spuren Rudolf Steiners haben ein Verständnis von Anthroposophie, in dem der Islam nicht vorkommen kann, weil sie ihn für nicht vereinbar mit dem Christentum halten. Wie sehen Sie dies persönlich? 

Abouleish: Das ist für mich eine der verwunderlichsten Fragen. Denn Sie wissen ja, dass man verschiedene Bewusstseinsstufen unterscheiden kann. Wenn jemand von der Ebene der Empfindungsseele aus urteilt, dann ist es für ihn ganz klar: es besteht ein riesiger Unterschied zwischen Anthroposophie und Islam. Dort hat man ein völlig anderes Bild vom Menschen als hier, das sind divergierende Bilder. Anders ist es bei Menschen, die ihre Bewusstseinsseele ausbilden, das heißt, bei Menschen, die nach der Wahrheit streben, sich bemühen, sie überall zu entdecken, in allen Religionen beispielsweise - das ist doch gerade die Aufgabe der Anthroposophen. Wenn man sich überhaupt Anthroposoph nennen will, dann liegt die Haupteigenschaft doch wohl in diesem suchenden Denken. Anthroposophie ist hauptsächlich eine Denkschulung, sie hat keine festen Formen, es gibt in ihr keinen Stempel: "das ist anthroposophisch". Ein Anthroposoph ist jemand, der durch die Anthroposophie merkt, dass er dieses Neue: die Auferstehung im Denken lernt. Würde man das tun, würde man also nicht irgendetwas als fertiges Produkt annehmen - auch nicht, wenn es von Rudolf Steiner geschrieben ist -, sondern würden wir uns selbst respektieren und unser Denken achten und alles untersuchen, was uns angeboten wird an geistigem Inhalt, dann würden wir anders denken, auch über den Islam. Man würde wahrscheinlich die Frage entdecken: was ist eigentlich das Christentum? Und die gleiche Haltung ergibt sich auch bei der Frage: was ist eigentlich der Islam?"




Dank an Ingrid für den Hinweis

Zwei zu Eins

"Jesus sprach zu ihnen: „Wenn ihr die zwei zu eins macht und wenn ihr das Innere wie das Äußere macht und das Äußere wie das Innere und das Obere wie das Untere und wenn ihr das Männliche und das Weibliche zu einem einzigen macht, so daß das Männliche nicht männlich und das Weibliche nicht weiblich ist, und wenn ihr Augen macht anstelle eines Auges und eine Hand anstelle einer Hand und einen Fuß anstelle eines Fußes, ein Bild [ει̉κών] anstelle eines Bildes, dann werdet ihr in [das Königreich] eingehen.“"

Im Evangelium nach Thomas 

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"Das Thomasevangelium war lange Zeit verschollen; man kannte bloß Notizen einigerKirchenväter, die es einhellig und von Anfang an[1] zu den Apokryphen rechneten und alsgnostisch oder manichäisch ablehnten." Wikipedia

Donnerstag, 28. März 2013

Patti Smith liest Virginia Woolf


 Ergänzendes dazu in Maria Popovas sehr geschätztem Blog Brainpickings.

Was ist ein Ätherleib?


Auf der Grundlage der Erfahrung, »dass das Denken dasjenige ist, das uns zusammenführen kann«, hat ein neuer Teilnehmer hier (herzlich willkommen, ich hoffe, Du bleibst uns erhalten) uns eine Frage geschenkt:

»Ich würde gerne mal mit Euch versuchen, ein bestimmtes Thema zu bedenken, in der Hoffnung, dass 
im gemeinsamen Austausch darüber eine Idee erlebbar wird, die uns eint. 
Das Thema, das ich vorschlage, ist ein anthroposophischer Begriff.
Jeder, der daran teilnehmen möchte, stellt sich in aller Ruhe die Frage:

Was ist ein Ätherleib? 

Wenn wir mit unserem Denken eine Antwort gefunden haben, können wir versuchen, sie mit eigenen Worten zu formulieren.
Es geht dabei nicht um eine wörtliche Wiederholung Steiners und auch nicht um eine Interpretation im Sinne von: Für mich bedeutet... oder ich glaube, Steiner meint ...
Es geht darum, sich einen lebendigen Begriff zu bilden und dann eine klare Antwort zu formulieren in ganzen Sätzen: Ein Ätherleib ist... «

Aus eigenem füge ich hinzu - weil ich (insbesondere, nachdem ich Steffens Antwort gelesen habe) den Eindruck habe, daß es anderen ähnlich gehen wird:

Ganz ohne Rudolf Steiner komme ich nicht aus in meiner Antwort, denn „Ätherleib“ ist nunmal kein Begriff des gewöhnlichen Sprachgebrauches – die meisten Menschen, die ich kenne, haben dieses Wort noch niemals gehört. Und ohne das, was Steiner darüber sagt, würde auch ich es nicht kennen.
Alle Gedanken, Vorstellungen und Assoziationen zu diesem Begriff knüpfen sich also zunächst an das, was ich bei Rudolf Steiner über den „Ätherleib“ gelesen habe.

Dennoch kann es bei der Beantwortung dieser Frage nicht darum gehen, jetzt schnell alles nachzulesen, was Rudolf Steiner dazu mitteilt, sondern wir sind aufgerufen, Eigenes zum Thema zu formulieren - für mich ist das ein Begriff, der sich einerseits daraus ergeben hat, daß ich in meinem Leben kurz innehalte: „Ah. Das also ist wohl der Ätherleib, von dem ich bei Rudolf Steiner gelesen habe!“ –
andererseits aber auch daraus, daß ich während meiner Lektüre eines Steiner-Textes kurz innehalte: „Ah. Das kenne ich aus meinem Leben. Das also nennt Rudolf Steiner den Ätherleib!“

Und nun wieder der Initiator dieses threads:
»Unsere Antworten werden alle unvollkommen sein. Aber zusammen können wir uns ergänzen

(Ingrid)

Die Welle, die man macht


Natürlich geschieht - gewissermaßen als Nebeneffekt oder auch als Wachstumsschmerzen- bei meditativer Arbeit auch etwas, was man als Phrase gern als Schattenarbeit bezeichnet. Oder, wie Tolle es auch nennt, die Arbeit am Schmerzkörper. Bei ihm ist es sicher keine Phrase. Es ist der Bereich, den ich meine.

Damit ist überhaupt nichts Dramatisches gemeint. Es ist auch eigentlich keine Phase, sondern mehr ein aufkommendes, stetig mitwachsendes Phänomen. Es ist eine Art von Erinnerung, die nicht die üblichen, schattenhaften, sondern deutliche und multisensorische Eigenschaften hat- aber doch so ganz von Außen betrachtet vor Augen steht, dass es eine Art filmischen Charakter bekommt.

Gezeigt werden scheinbar willkürlich Szenen aus meinem Leben. Ich weiß genau, wie ich gefühlt, was ich gedacht hatte, aber auch, was die anderen Beteiligten betrifft. Und so, von dieser Warte aus betrachtet - nämlich der eines Außenstehenden und zugleich Miterlebenden- ist die so lebendig wiedererlangte Szene vor allem von einer Peinlichkeit für mich, die deshalb noch bestürzender wird, je mehr mir klar wird, wie sehr ich diese - und viele andere- Szenen bislang doch in der Erinnerung umgedeutet, geglättet, mich als Opfer geriert hatte. In der Sicht eines Fremden sieht sie doch ganz anders, nämlich unangenehm für mich, aus.

Der Kern des Problems, das bin zweifellos ich selbst. Die Alltagsszenerien, wie ich sie jetzt, in der Gegenwärtigkeit, erlebe, enthüllen schamlos meine so lange beschützte Illusion über mich selbst- das gehätschelte Selbstbild, das, was rennen und tun und machen muss, was die Rastlosigkeit hervor ruft.

Die Welle, die man wieder und wieder macht, die Identität schaffende Gebetsmühle der eigenen Befindlichkeiten, jetzt sieht man sie klar und nüchtern wie mit den Augen der Ewigkeit; bestürzt.

Gleichzeitig befreit sich in der Scham dasjenige in mir, das schaut, fühlt, was seine Biografie nun neu deutet; dasjenige in mir, das nicht verwickelt ist in das Geschehen. Es ist das "kleine Kamaloka" dessen, der meditativ arbeitet, aber dem sich eben deshalb die inneren Widersprüche enthüllen.

Freitag, 22. März 2013

Bloggen Sie doch mal mit!

Sagen Sie frei heraus, was Ihnen an diesem Blog ge- und mißfällt, was in Ihren Augen unbedingt fehlt. Und was bedeutet so ein Blog für Sie? Sind Sie es mal satt? Was würden Sie für ein Blog machen wollen, wenn überhaupt... Was für Bloggertypen kennen Sie? Fände ich interessant.

So please.

Sergej Prokofieff schlägt zurück

Mit einem Büchlein, das sich nach Verlagstext so anhört: 

"In unserer Zeit existieren in der Welt verschiedene okkulte, religiöse und mystische Strömungen. Einige davon sind schon längst, andere erst vor kurzem auch in die Anthroposophische Gesellschaft eingedrungen. Das bringt eine wesentliche, vielleicht sogar für die Zukunft der anthroposophischen Bewegung entscheidende Frage mit sich: Wie stehen solche Strömungen zur Geisteswissenschaft Rudolf Steiners, und wie weit ist ihre Vermischung mit der Anthroposophie berechtigt? Eine dieser Strömungen, die nicht wenige Anhänger unter Anthroposophen hat, wird hier im Lichte der gestellten Frage analysiert. Die angeführten Tatsachen können Grundlage für ein eigenständiges Urteil des Lesers sein."

Wenn er das sagt - Grundlage für ein eigenständiges Urteil des Lesers -, dann weiß man immer, was das Stündlein geschlagen hat, High Noon. Wenn Herr Prokofieff dieses sich herab läßt zu sagen - "solche Strömungen", dann gefriert ja schon die Milch im Topf. Die Stunde der edlen Ritter, die Stunde des Tournamentes. 

Ich werde es wohl auch lesen. 

Donnerstag, 21. März 2013

Gut gebrüllt & gebloggt

Jetzt möchte ich auf ein neues Blog eines alten Hasen aufmerksam machen, nämlich Ramon Brülls "Gut gebrüllt". Gut gelaunt, heiter und kenntnisreich wird allerlei aus dem anthroposophischen Raum an- und ausgesprochen. Ramon Brüll schreibt aus der Perspektive von Jemandem, der jahre- und jahrzehntealte Diskussionen in der anthroposophischen Szene sehr gut kennt und nicht vor hat, sich darüber aufzuregen. Die Position, nicht verwickelt, aber schon tangiert zu sein, ist für eine Berichterstattung denkbar günstig. Die Gelassenheit geht allerdings -verständlicherweise- bei Brüll nicht selten über in eine milde Ironie.

Schön z.B. der Beitrag über inner- anthroposophische Querelen in "STRÖMUNGEN IN DER ANTHROPOSOPHIE ODER: WORAN MAN DEN FISCHVERKÄUFER ERKENNT": "So bildeten sich die Fraktionen der „Marianer“ (nach Marie Steiner; pardon: nach „Frau Doktor“, damals bekam man den Titel nicht durch Plagiat, sondern durch Heirat), der „Wegmanianer“ (nach Ita Wegman) und der „Steffioten“ (nach Albert Steffen). Wobei die verwendeten Bezeichnungen eine gewisse Subjektivität in der Angelegenheit verraten. Die Fraktionsbildung spaltete die Bewegung, ein normales Funktionieren des Vorstandes der Allgemeinen Anthroposophischen Gesellschaft war nicht mehr möglich, ganze Landesgesellschaften klinkten sich aus (und fanden sich, teilweise, sehr viel später nach mühsamen Verhandlungen erst wieder zusammen). Von der Spaltung war auch meine eigene Verwandtschaft betroffen  in der Generation meiner Großeltern und Eltern lief die Bruchlinie teilweise quer durch die Familien."

Im Vergleich zu den damaligen Querelen erscheinen Brüll die heutigen Bruchlinien eher harmlos: "Ich kenne keine „Prokofieffianer“, „Bodoisten“ oder „Michaela-iten“, deren geistige oder „gesellschafts“-politische Zugehörigkeit man ihnen an der Nasenspitze ablesen könnte. Dafür gibt es bis heute handfeste Relikte aus der Zeit des Streites zwischen Marie Steiner und Albert Steffen, die nur mühsam überwunden werden. Jens Heisterkamp berichtet in der Märzausgabe von Info3 von neueren Entwicklungen bezüglich der Finanzierung des Rudolf Steiner Archivs, bei der diese alte Geschichte eine deutlich erkennbare Rolle spielt."

Freitag, 15. März 2013

Christiane Feuerstack: Vertrocknete Mitte, blühender Umkreis

Im Gespräch mit Monica Neve (ehemals Zeitschrift Lazarus) äußert sich Christiane Feuerstack konkret und unprätentiös über Karma, verpasste Chancen und schmerzliche Aufarbeitungen auch von Fehlentwicklungen innerhalb der Anthroposophischen Bewegung.

"Heute kann man sagen, dass die Fähigkeiten, von denen Rudolf Steiner gesprochen hat, da sind, dass Methoden zur Bewusstwerdung und Aufarbeitung früherer Leben entwickelt worden sind, überall auf der Welt – am wenigsten aber bei Anthroposophen…
Die geistige Welt sucht sich eben andere Wege, wenn einer verschüttet wurde.
Auch andere Dinge, die Steiner vorhergesagt hatte, sind da: spirituelle Impulse in allen Lebensbereichen bis hin zur technischen Entwicklung. Da ist doch in den letzten Jahren ungeheuer viel passiert! Anthroposophen scheinen diese Entwicklung zu verschlafen oder arrogant zu belächeln oder einfach nur abzuwerten… Bei mir stellt sich hinsichtlich der Überreste der Anthroposophischen Gesellschaft das Bild einer Pflanze ein, die zum vertrockneten Stengel einer Pusteblume geworden ist. Aber im Umkreis sind viele andere Löwenzahnpflanzen aufgegangen!"

Rund um dieses (schon geradezu historische) Interview ist eine Website mit einem integrierten Blog entstanden.