"Er denkt über diesen Ausdruck nach: den Verstand verlieren. Was bleibe übrig, wenn man den Verstand gleichsam verlegte? Er erinnert sich an die Parabel, weiß, dass zur Erkenntnis des Ich ein anderes Ich notwendig ist, ein Auge, das die Vögel des Selbst betrachtet, während sie sich am Nektar der Welt gütlich tun. Aber gibt es noch einen Betrachter, wenn man die Strukturen des Verstandes wegnimmt, die Fassaden der Sprache, die Grundmauern der Logik, den Zusammenhang von Ursache und Wirkung? Was bleibt, wenn das alles in sich zusammenfällt? Glückseligkeit oder Betäubung? Präsenz oder Abwesenheit?"
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Vikram Chandra, Der Gott von Bombay, S. 445
ich denke, ohne verstand is mix mehr.
AntwortenLöschenGlückseligkeit und Präsenz weil man dann wirklich sieht und erst dann den Verstand richtig und präzise einzusetzen weiß, ohne verlenkende "Scheuklappen".
AntwortenLöschenManfred,
AntwortenLöschenJA genau so
und Mitgefühl möchte ich gerne noch hinzufügen. Ansonsten möchte man sich gerne aus dem Staub machen ...
@Anonym,
AntwortenLöschen... die Gefahr ist sicherlich da. aber nur wenn man noch ein falsches Bild in sich trägt...
Der Erzähler im oberen Textteil ist übrigens ein alter indischer Geheimdienstchef, der über seinen einsetzenden Alzheimer nachdenkt- in den hellen Momenten, die ihm bleiben.
AntwortenLöschenNaja Michael, bei Alzheimer wird es sicherlich anders aussehen, würde ich sagen, aber seine Frage in eine andere Richtung...?
AntwortenLöschenWieso sollte es bei Alzheimer anders aussehen? wenn man mit den irdischen Verhältnissen nicht mehr klar kommt, kann man dennoch "ein Bewusstsein" haben. Es kann nur nicht mehr richtig steuern, nicht einmal die Folge der Gedanken und Empfindungen. Aber es "ist".
AntwortenLöschenNa insofern, daß er es nicht mehr richtig in den Körper bekommt und es dort spiegeln kann, gleichsam als Kontrolle für und vor sich selbst. Darin liegt ja auch der Sinn einer Inkarnation, um es (sich) klarer im Bewusstsein zu "versenken". Also im Sinne vom Geheimnis des/eines Leibes. Für sein wahres Sein natürlich nicht. ES IST, klar!
AntwortenLöschenwie kann ich denn den verstand richtig und präzise einsetzen, wenn ich ihn verloren habe?
AntwortenLöschendu meinst wohl, wenn ich vom verstand nicht mehr beherrscht werde, kann ich ihn beherrschen? ja aber das ist etwas ganz anderes.
Robert, es wurde ja nicht davon gesprochen, dass man den Verstand verloren hat ...
AntwortenLöschenIm zitierten Roman wird ein möglicher Zustand hervorragend beschrieben. Durch gewisse Ausfälle im Gehirn kommen Halluzinationen und überaus präzise Erinnerungsstürme zur Wahrnehmung hinzu; es findet keine Dürre, sondern eine Überschwemmung des Bewusstseins statt. Das deckt sich übrigens auch mit Ergebnissen der Hirnforschung, die von einer Hyperaktivität der Synapsen ausgeht. Es gibt dazwischen aber auch Inseln der Stille, des plötzlichen Gegenwärtigseins. Im Roman verbunden mit schonungslosen Selbsteinsichten.
AntwortenLöschen...so als würden dann gewisse Hindernisse zumindest transparent sein, wie ein halbdurchlässiger Spiegel(?) Irgendwie beschreibt man ja sein Gehirn selbst mit und durch seine Biografie und das findet ja statt in einem Umraum und der scheint dann wie durch ein geöffnetes Fenster dazuzukommen. Einer Art "Zwangsmeditation" mit anschliessender Inspiration durch das geöffnete "Fenster".
AntwortenLöschenMichael, ich verabschiede mich jetzt bis morgen, der Schlaf sitzt grade neben mir und möchte sich meines Körpers bemächtigen, ich denke ich gestatte es ihm. War sehr anregend, dank Dir.
AntwortenLöschenMir scheint, dass diese so genannte Hyperaktivität der Synapsen eher etwas damit zu tun hat, dass diese Inseln nicht mehr «festgemacht» werden können. Es ist wie eine permanente, hochgradige Präsenz/Gegenwärtigkeit da, die nicht mehr festgemacht werden kann. Es ist ein Trugschluss zu meinen, dass das Bewusstsein nicht mehr da ist. Die Verankerung zum Körper ist nicht da, weil er sozusagen keine «Stopper» mehr hat. Bewusstsein ist mehr als der Körper und damit mehr als Verstand.
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