Mittwoch, 28. September 2011

Die neuen Fähigkeiten

Ich habe mal meine Vorstellungen von dem aufgeschrieben, was ich mir unter einer rationalen Spiritualität, die in der Lage sein sollte, auch die Schranken zwischen unterschiedlichen Schulen und Ausrichtungen ansatzweise zu überwinden, vorstelle. Der Titel des Aufsatzes: Die Zeit anhalten:

"Man muss vielmehr heute davon ausgehen, dass die Fähigkeiten, von denen die Rede ist, universell sind und nur eines Anstosses bedürfen, um geweckt und entfaltet zu werden. Moderne spirituelle Rationalität versteigt sich auch nicht in Visionärem und ertrinkt nicht in Bilderfluten. Es wird kein „Ego“ überwunden, sondern es tritt - zart- ein konzentriertes Loslassen auf, das sich in die Verhältnisse - auch die persönlichen Schicksale - einfügt, sie akzeptiert und sie ganz allmählich von innen und von außen durchleuchtet, durchglänzt und befruchtet."

Montag, 26. September 2011

Gerald Häfners gelungene Situationsbeschreibung

Häfners beeindruckender Vortrag über "Freie Märkte- Freie Menschen" von der GLOBArt Academy - sehr hörenswert.













Dank an Ingrid für den Hinweis.

Sonntag, 25. September 2011

Das war wohl nichts, Eckhart!

Eckhart Tolle hat - ich glaube seit Anfang dieses Jahres- seine bisherigen Internetauftritte, in denen er häufig direkt als spiritueller Lehrer öffentlich auf Fragen Einzelner antwortete- umgestellt auf ein kostenpflichtiges Abo- Programm. Einmal im Monat will er die breite Öffentlichkeit aber doch an seinem Wort teilhaben lassen. Man muss sich für das September- Ereignis vorher anmelden, wobei die Frist Wochen lang bestand. Heute also endlich das lange erwartete Live- Ereignis. Das Ergebnis: Server- Zusammenbruch, und zu sehen gibt es gar nichts. Liebe Gurus, liebe Lehrer: wenn schon Schulungen im Internet, dann auch technisch realisieren.

"Die Ideen in ihrer Lebenskraft erfahren"- Michaeli

"Im Zusammenhang seiner Ausführungen zu einem künftigen Michaeli- Fest zentrierte Rudolf Steiner seine Darstellungen dann auf die herbstlichen Sterbe- und Todesprozesse in der Natur und die innere Widerstandskraft des Menschen. Es ergehe, so Steiner, zu dieser Zeit die Aufforderung an den Menschen, die eigenen Schaffenskräfte dem Sterben in der Außenwelt entgegenzustellen, schöpferisches Selbstbewusstsein statt Naturbewusstsein zu entwickeln und im Innern zu verankern. Es gehe darum, die innere Lebenskraft zu aktivieren und eine reale "Auferstehung des Menschen innerhalb der totwerdenden Natur" zu vollziehen (...)

Die klaren Ideen des Menschen- und nicht eine diffuse, übersinnliche Wahrnehmungswelt im Sinne verzerrter Esoterik- müssen verstärkt und als solche in ihrer Lebenskraft erfahren werden; der Mensch muss die Fähigkeit entwickeln, von den Gedanken über das Geistige so erfasst zu werden wie durch physische Gegebenheiten; Ideelles muss in seine Geistrealität, Lebens- und Wirkenskraft in den Bereich der menschlichen Erfahrung treten."

Peter Selg, Der Wille zur Zukunft, Arlesheim 2011, S. 69ff 

Die TAZ will noch mehr Religionsführer im Bundestag!

via Twitter:


Samstag, 24. September 2011

Ätherisation des Blutes

In ihrem Blog "Die Philosophie der Freiheit" hat Junko Althaus neue, zeitgenössisch-mystische Texte veröffentlicht, in denen sie sich mit ihrem Erleben der "Ätherisation des Blutes" und einer damit verbundenen Christus- Begegnung beschäftigt und den Leser daran teilhaben lässt:

"Was vorher in der Seele als schwere, dunkle und belastende Astralität vorhanden war, erfährt augenblicklich eine intensive Umwandlung wie ein geheimnisvoller Alchemie-Prozess. Und das kann man in meinem Fall wirklich wie eine seelische Zuwendung von einem unendlich lieben Freund erleben. Die belastende und schwere Astralität, welche die Seele wegen einer mit der Egoität gemischten menschlichen Eigenschaft des Blutes in sich erleben muss, kann in diesem Prozess zu reinen, hellen und warmen, wohltuenden Astral-Substanzen umgewandelt werden. Als Resultat bekommt man eine tief erfüllende friedliche Empfindung der unmittelbaren Verbindung zu allen Wesen."

Man darf wohl davon ausgehen, dass der übliche langwierige und mühsame Weg, die "Ätherisation des Blutes" als ein In-den-Strom-Treten zu erleben, bei Frau Althaus durch ein besonders reines und feines Empfinden wie abgekürzt ist. Denn "normalerweise" wird der Strom erst im frei werdenden Adlerbereich (der Stirn) erlebt, um sich dann auf die Stierkräfte (um den Kehlkopf) zu erweitern und schließlich den weiten, freien Blick im Löwen (Herzbereich, Gliedmaßen) zu finden- vielleicht. Hier, im freien, ruhigen Atembereich, lebt dann in manchen Praktizierenden die reine Emotion auf. In ihr erlebt man ein "Anderes", denn diese Gefühlsebenen sind - so erlebt man- "weiter" als das, was man selbst zu empfinden in der Lage wäre. Es ist die reine moralische Kraft. In ihr darf man vielleicht etwas wie ein begleitendes, liebevoll- zugewandtes Ich entdecken- oder es als sonnenhafte Kraft erleben.

Das Gnadenvolle hält sich allerdings nicht an die "üblichen Wege". Vielleicht kommt es uns auf halbem Wege entgegen, vielleicht sogar, wenn wir uns kaum gerührt haben, denn dies ist keine Prüfung von "Kompetenzen", sondern eine des Herzens.

Freitag, 23. September 2011

Eine Anregung

Man kann diese Diagramme mit Distanz und Befremden registrieren, zumal sie auch die augenblickliche Krise der Anthroposophie reflektieren: Man akzeptiert Anthroposophie, nimmt sie wohl wahr, aber stellt an sie keine Fragen. Das mag der Preis einer gewissen gesellschaftlichen Akzeptanz sein, auch wenn schrille Zwischenstimmen immer wieder das Gegenteil behaupten.

Die Anregung besteht darin, diese Charts gedanklich- meditativ zu verfolgen und darin z.B. die Geschichte der anthroposophischen Bewegung mit zu denken:

Das sanfte, aber stete Anwachsen an öffentlichem Interesse in Steiners letzten Lebensjahren und danach, insgesamt einsetzend überhaupt mit dem Anfang des 1. Weltkrieges. Der Absturz 1935 läßt sich mit der sich zuspitzenden politischen Eskalation erklären, aber auch mit schwersten internen Auseinandersetzungen. Gegen Ende des zweiten Weltkrieges schnellt das Interesse an Anthroposophie nach oben- sicherlich auch, weil sich Menschen an ihr wärmten, weil sie Trost in ihr fanden. Viele Menschen aus dieser Zeit haben ein tiefes inneres Beziehungsfeld zur Anthroposophie aufgebaut, was man später auch im Gespräch spürte.

Mit dem Einsetzen des Wirtschaftswunders hatte Anthroposophie offenbar weniger zu sagen. Man war beschäftigt mit dem Aufbau einer Wirtschaftsmacht und sicherlich oft getrieben von den Traumata einer kriegerischen Kindheit und Jugend. Ich habe als Kind bei Wirtschaftsmenschen dieser Zeit doch manchmal - Anfang der 60er- einen Steiner- Band im Bücherregal gesehen, mal war es auch die "Chymische Hochzeit". Das gehörte schon zur Bildung der Zeit dazu. Man war kein Steinerianer, aber ein wenig kennen wollte man ihn doch.

Und dann, in den späten 60ern, als die Beats kamen, die Flowers und die (auch mal chemischen) Powers, als Zen im Westen ein und aus ging und Hare- Krishna sich im Vondelpark in Amsterdam in Ekstase tanzte und sang, war auch Anthroposophie wieder ganz da, mehr denn je, 30mal mehr als zu Steiners Lebzeiten. Das ging aber nur ein paar Sommer lang. In dieser Zeit fragten die Leute nach neuen Geschlechts- und Gesellschaftsrollen, aber auch nach sich selbst. Daher war es eine gute Zeit für Fragen, auch für solche an Anthroposophie.

Und dann kamen die unsäglichen 70er. Schlaghosen, aber dafür Flachbauten und Schachteln über Schachteln. Gern in Beton wie das Goetheanum, aber möglichst ohne Bewegung drin.
Was soll man in einer solchen Zeit erwarten. Hier wurden Zahnärzte reich, und Fertigmenüfabrikanten.

Erst Ende der 80er ein kleiner Aufschwung in Sicht, aber der verpufft. Warum? Ich bin damals in hochinteressanten freien anthroposophischen Arbeitsgruppen beteiligt gewesen, in denen sichAnthroposophen, Künstler, Studenten und angehende Politiker befanden. Was da politisch gärte, ging auch stark von Beuys aus und verstand sich als eine Anthroposophie-in-der-Tat. So sind Viele dieser Richtung später zu den Grünen geworden. Die Verbindung zu mancher anthroposophischer Seite riss dann aber schnell ab, weil die AAG damals mindestens so träge war wie heute. Man nahm noch nicht einmal die Kinder von Beuys in die Waldorfschule auf und distanzierte sich intern wie in jedem anderen bürgerlich- verblasenen CDU-Ortsverein. Vielleicht ist wegen dieses Bruchs die eigentlich fällige thematische Welle in dieser Zeit nicht aufgekommen- und in den Jahren danach auch nicht.

Man kann das nur konstatieren, oder auch fragen, wie eine Anthroposophische Gesellschaft denn aussehen müsste, damit sie die Fragen ihrer Zeit aufzugreifen in der Lage wäre. Denn daran mangelt es offenbar.

<Das als eine Forschungsaufgabe>

Donnerstag, 22. September 2011

Erwähnung des Themas Anthroposophie in den Büchern der letzten 100 Jahre

In "ngrams" von Google sind die Millionen von Büchern, die Google seit Jahren einscannt, vom Internet aus auszuwerten. Das hat mich interessiert. Ich habe den Begriff Anthroposophie eingegeben, um die Häufigkeit der Erwähnung in Büchern nachzuvollziehen. Dies ist das Ergebnis:

Man sieht gewisse Höhepunkte um 1925, 1945 (!) und 1965. Auch nach 1985 sieht man noch eine kleine Welle, aber doch auf sehr viel niedrigerem Niveau. Im neuen Jahrtausend beginnt das Interesse erst sehr zaghaft wieder zu erwachen- ob das nachhaltig sein wird, bleibt abzuwarten. Nun muss man allerdings auch einbeziehen, dass das Medium Internet in den letzten 20 Jahren ein Rolle gespielt haben mag.

Machen wir noch die Gegenprobe, indem wir das Thema "Rudolf Steiner in Büchern" visualisieren (1910- 2008). Da sieht es ähnlich aus:













Ein ganz anderes Bild ergibt sich, wenn man von deutschen Blickwinkel abrückt und sich in die englischsprachige Welt wendet (Begriff "Rudolf Steiner"):

Da ergibt sich eine Häufung von Erwähnungen in Büchern zwischen 1980 und 1995. Seitdem sinkt das Interesse allerdings auch international rapide.

Mittwoch, 21. September 2011

Die Mutter des Yogis

"Die Ehefrau eines bekannten Raja-Yoga- Lehrers stellte scherzhaft fest: Mein Mann kam von seinem letzten Indienaufenthalt in wunderbarer Verfassung zurück. Er war sechs Monate lang erleuchtet, bis er seine Mutter wieder traf."

Diese und andere wunderbare Geschichten stammen aus Jack Kornfields Buch "Nach der Erleuchtung Wäsche waschen und Kartoffeln schälen", das ich gerade bei den alten Egoisten besprochen habe.

Dienstag, 20. September 2011

"Man kann Europa nicht einfach beschließen"

Kurt Scheel, ehemaliger Redakteur und Herausgeber des "Merkur" in einem Interview bei der TAZ:
"Die offizielle Politik aller Bundesregierungen war immer: Wir brauchen mehr Europa. Ich halte das für totalen Quatsch. Der Merkur hat in dieser Hinsicht eine sehr kluge Position vertreten. Wir waren ja nie Fahnenschwenker für irgendeine Sache, auch nicht für die der EU. Unser großer Helfer und Berater war Ralf Dahrendorf, der zu Zeiten, als europakritische Töne von Linken, auch von unserem früheren Autor Jürgen Habermas, als nationalistisch denunziert werden konnten, genau diese vertrat.
(...)
Das zentrale intellektuelle Monitum von Dahrendorf war: Die EU ist keine demokratische Institution. Brüssel ist hauptsächlich ein Verwaltungsapparat. Das könnte man nur ändern, wenn man die Vereinigten Staaten von Europa herstellt.
(...)
Wenn in einem Nationalstaat wie Deutschland der Länderfinanzausgleich zwischen Baden-Württemberg und Bremen nicht funktioniert, sozusagen kriegerische Emotionen hervorruft - wie kann das dann zwischen Finnland und Portugal funktionieren? Die Rhetorik zu Europa serviert dauernd Sollens-, keine Seinsvorstellungen. Diese verzweifelte, unpolitische Rede im Stil von Seien-wir-alle-lieb-rücken-wir-alle-enger-zusammen, ist Unfug. Man kann Europa nicht einfach beschließen."

Montag, 19. September 2011

Wait and see No 7


Gardinenpredigt von Doktor Steiner

"Und das eigentliche Übel unserer Zeit liegt nicht darin, dass die Menschen nicht übersinnliche Erfahrungen haben. Übersinnliche Erfahrungen könnten die Menschen genug haben, wenn sie sie nur haben wollten; die sind da.

Man wendet nur den gesunden Menschenverstand nicht an, um zu ihnen zu kommen. Was heute fehlt, das ist gerade die Anwendung des gesunden Menschenverstandes. Womit es am schlechtesten bestellt ist in der Gegenwart, das ist nicht etwa die übersinnliche Erfahrung, womit es am schlechtesten in der Gegenwart bestellt ist, das ist die gesunde Logik, das ist wirklich gesundes Denken, das ist vor allen Dingen auch die Kraft der Wahrhaftigkeit.

In dem Augenblick, wo Unwahrhaftigkeit sich geltend macht, schmelzen die übersinnlichen Erfahrungen ab, da kommen die Menschen nicht zu einem Verständnis der übersinnlichen Erfahrungen. Das wollen die Menschen nur immer nicht glauben. Es ist aber doch so.

Die erste Anforderung, um überhaupt mit der übersinnlichen Welt zurecht zu kommen, ist die, daß man die peinlichste Wahrhaftigkeit mit Bezug auf die sinnlichen Erfahrungen anwendet. Wer es mit den sinnlichen Erfahrungen nicht genau nimmt, der kann nie zur richtigen Erfassung der übersinnlichen Welt kommen. Wer aber die Menschheit heute beobachtet, wie sie umgeht mit der sinnenfälligen Wahrheit, der wird natürlich zu dem allertrübsten Bilde kommen.

Denn eigentlich handelt es sich den meisten Menschen heute gar nicht darum, irgend etwas, was sie erlebt haben, so zu formulieren, daß die Formulierung ein Abbild desjenigen ist, was sie erlebt haben, sondern es handelt sich für die Menschen darum, die Dinge so zu formulieren, wie sie sie haben wollen, wie es ihnen bequem ist. Man kann nicht auf der einen Seite die Wahrheit «frisieren» und auf der anderen Seite übersinnliche Angelegenheiten verstehen wollen."

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Rudolf Steiner, GA 196, S.92f

Sonntag, 18. September 2011

Immer wieder Blut

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Gewidmet der geschätzten X., die keine despektierlichen Comics mag und deshalb nie, nie für die Egoisten schreiben wird.

Freitag, 16. September 2011

Fledermäuse der Nacht


Diese Fledermäuse hatte ich um mich in in der letzten Nacht- zumindest im Gefühl, das sich bei durchwachten Nächten einstellen kann. Es gelingt nicht immer, was und wie man sich das vorgestellt hat. Schon gar nicht in der spirituellen Schulung.

Man muss Schale für Schale hindurch, die Schichten, die Eckhart Tolle Schmerzkörper genannt hat. Es ist egal, wie man es nennt. Aber das ist unsere Aufgabe, daran zu arbeiten. Wir rutschen eine Ebene tiefer, und das ganze obere Stockwerk bröckelt, verfällt zu Staub. Es ist einfach eine Seelenschicht nach der anderen, mit der wir es zu tun bekommen. Du gräbst es aus wie eine Römeranlage, die 45 Überbauten der eigenen Stadt erlebt hat und nun zwölf Meter über der untersten steht. Archäologie der seelischen Krusten, der Muster und Reflexe.

Vieles hängt mit Gedankenclustern - verschmierten Selbstbildern zusanmen. Sie werden immer dichter und auch "satt" mit Erinnerungen angefüllt, je weiter man kommt. Aber vor allem arbeiten unsere Persona dabei heraus, die wir so lange und mit so viel Mühe getragen und aufrecht erhalten haben. So unglaublich viel Kraft. Das macht uns aus, dass wir so zusammen gerissen die oder der sind, diese Bestimmten, Einzigartigen, Hervorragenden oder aus was für Zuschreibungen sich das Personabild auch zusammensetzen mag.

Wenn der innere Freiheitspunkt einmal gefunden ist, schmilzt allmählich diese Kaskade von falschen seelischen und geistigen illusorischen Selbstbildern ab wie bröseliger Sandstein. Der innere Freiheitspunkt ist sonnenhafter Natur. Eine Kraft entspringt seiner Mitte, aber seine eigentliche Besonderheit ist, dass er eine Essenz darstellt, sie ausleben, entflammen kann, die aus Aufmerksamkeit, liebender Zuwendung, reiner Moralität besteht. Je mehr man die illusionären Selbstbilder und Erwartungen überwindet, desto mehr ruht man in der Kraftseite des moralischen Kernbereichs.

Ich wäre gern netter zu dir gewesen. Von hier aus, weißt du, hat man einen gewissen Überblick. Die eigene Zeit ist stehengeblieben, und auf ihrer Spur baut sich eine Landschaft dessen auf, die du bist.

Weißt du, die Aufräumarbeiten haben nicht einmal begonnen.

Donnerstag, 15. September 2011

Fühlendes Götterbewusstsein und moderne Doppelnatur des Menschen

Georg Kühlewind führt dazu aus, dass im Gegensatz zu den buddhistischen Methoden - er nennt sie "fühlendes Götterbewusstsein - heute das Denken "der natürliche Ausgangspunkt eines Übungsweges für den Menschen der Gegenwart ist. Die menschliche Seelenstruktur habe sich verändert - in einem Sinne, den Rudolf Steiner als "Bewusstseinsseelenentwicklung" bezeichnete. Waren früher besondere Vorbereitungen, geistige Lehrer und das Erreichen höherer Bewusstseinszustände nötig, um z.B. seelische Vorgänge und Prozesse oder gedankliche Verläufe zu beobachten, so ist es heute selbstverständlich jedermann jederzeit möglich, "in seinem Alltagsbewusstsein Ideen von Bewusstseinserscheinungen und von dem Bewusstsein selbst zu fassen"

Es gibt also eine Instanz in jedem Menschen, die auch sich selbst bis ins Seelisch und Geistige hinein zu beobachten in der Lage ist- ein Zeuge. Mit dieser Instanz ist im Alltagsbewusstsein "der höhere Mensch als Intuitionsquelle wenigstens potentiell anwesend." Damit kann es aber auch nicht mehr um blosses Loslassen, Ausschalten oder Überwinden der festgestelltem persönlichen Konstruktionen und haftenden seelischen Selbstbilder gehen, sondern um aktive Erkenntnis und Stärkung der eigenen geistigen autonomen Kraftquelle. Es geht dabei nicht um "Ausschaltung des Alltags- Ich, sondern um seine Wandlung."

Die ungesunden, haftenden Selbstbilder erscheinen dabei als seelische Reflexe, wobei erlebbar werden kann, dass das eigene Gefühlsleben "vorwiegend aus einem Sich- Fühlen besteht, d.h. dass der Mensch im Gefühl nur sich selbst erlebt." "Haben -Wollen, Besitz- Ergreifen - die grosse Leidenschaft des modernen Menschen - bedeutet auf dem Erkenntnisweg die vollständige Verhinderung". Die notwenige Überwindung und Wandlung aber kann nicht nur durch Loslassen erreicht werden, sondern im Nutzen der modernen Doppelnatur des Menschen, die darin besteht, dass "ein erkennendes Wesen in ihm auf sein natürliches Wesen schauen kann. Denn diese Emanzipation des Erkennenden bedeutet doch, dass sich "der Erkennende im Menschen wenigstens teilweise von dem Nicht- Erkennenden in ihm gelöst hat."

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aus: Michael Eggert, Die Kunst des Loslassens

Montag, 12. September 2011

Verortung der Schwelle


Diese Schwelle ist nicht *vor* mir, da sie kein Vorher-Nachher, kein Hier-Dort kennt.
Diese Schwelle gedeiht in der Zeit- und Ortlosigkeit, dort, wo der Mensch zu sich selbst erwacht oder besser gesagt: Sich an sich erinnert.

Die individualisierte Geistgestalt begann die Unmöglichkeit, sich selber vergessen zu haben und gewann genau daraus ihr individuelles Sein.

Der, der sagt: Ich bin die Tür, ist sich gewahr, dass die Schwelle quer durch ihn selber geht.
Es bedarf nur eines Innehaltens, um zu erkennen, dass man selbst die Schwelle ist, dass man auf ihr steht und dass sie immer da war.

Das Ich-bin ist die Tür. Ich gehe nicht von Hier nach Dort und nicht von Dort nach Hier, weil ich nicht durch die Türe gehe. Das Ich-bin ist die Tür.

Diese Schwelle ist eine Verhüllung, aber auch das tragende Element für die innere Freiheit.

In meiner Hose

"Einmal machten sich Abgeordnete eines konfuzianischen Tempels zu dem Eremiten auf, um seinen Rat einzuholen. Als sie unangekündigt in seine Hütte eintraten, fanden sie ihn zu ihrem großen Entsetzen splitternackt vor. "Was fällt dir ein, dass du hier in deiner Hütte ohne Hosen meditierst?", fragten sie ihn vorwurfsvoll. "Die Welt ist meine Hütte", antwortete er, und dieser kleine Raum ist meine Hose. Ich würde gern wissen, was ihr in meiner Hose sucht?""

Jack Kornfield, Nach der Erleuchtung Wäsche waschen und Kartoffeln schälen, München 2010, S. 118

Freitag, 9. September 2011

Manager-Magazin über Järna

Nun berichtet das Manager-Magazin über das anthroposophische Zentrum Järna bei Stockholm, und zwar in der Rubrik "Lifestyle-Reise": "Im Lauf der Jahre entstanden so über hundert verschiedene Kleinunternehmen: Bauernhof, Mühle, Bioladen, Restaurant, Café, Instrumentenbauer, Behindertenwerkstätten, Glaskünstler, Spielzeughersteller. Alle zusammen sind der drittgrößte Arbeitgeber der Region und beschäftigen rund 2000 Menschen. Viele von ihnen leben rund um das Kulturzentrum, aber viele kommen auch täglich aus dem nahegelegenen Södertälje oder Stockholm hierher zur Arbeit."

Man nennt das ganze ein "idyllisches Anthroposophennest". Attraktiv und ein echter Coup sei die aktuelle Turrell- Installation: "Im Frühjahr landete Geschäftsführer Rembert Biemond einen echten Coup: Er gewann den Lichtkünstler James Turrell, um den sich viele namhafte Museen schon vergebens bemüht haben, für eine auch technisch äußerst anspruchsvolle Ausstellung. Unter dem Titel "See! Colour!" läuft sie noch bis zum 2. Oktober."

Auch in Järna ist das Idyll allerdings gebrochen, die Besucherzahlen und Kursteilnehmer stagnieren. Dennoch ist das Kulturzentrum nach wie vor eine Reise wert: "So kommen in Ytterjärna heute Tradition und Moderne zusammen: in Kunst, Kultur und Business. Eine gelungene Mischung."

Foto aus dem oben verlinkten Artikel



Donnerstag, 8. September 2011

"Stühlerücken" im Rudolf Steiner Archiv

Ich bin schockiert darüber, dass ausgerechnet Walter Kugler und Vera Koppehel auf brüske Art und Weise vor der Tür gesetzt worden sind. Die Zeitschrift Die Drei berichtet im letzten Heft. Ich kann aus technischen Gründen nicht aus dem Artikel zitieren. Stephan Stockmar berichtet mit Betroffenheit über den Fortgang dieser allseits hoch geschätzten Mitarbeiter, Archivare und Ausstellungsmacher, die voll in der Öffentlichkeit standen. Stockmar hält den Vorgang für einen internen Machtkampf:

Bildschirmfoto aus dem Artikel

"Bankenbanditismus"

Dienstag, 6. September 2011

"Spektrum der Wissenschaft" über Zanders Steiner- Biografie

Die Rezension in Spektrum der Wissenschaft startet gleich mit der Feststellung, dass Zander "die Anthroposophen heraus (fordere)"- alleine schon deshalb, weil Steiners Autobiografie in Zanders Augen "eine rückblickende, große Spiritualitätserzählung, (..) eine kunstvoll arrangierte Partitur" sei, wogegen man in Zanders Biografie lesen könne, "wie es wirklich war".

Wie war es denn nun, dieses Leben Steiners?
"Bis dahin zeichnet Zander das Bild eines Mannes, der den Mund gerne zu voll nimmt und sich selbst überschätzt. Anscheinend ist Steiner unglücklich, raucht viel, trinkt und bekommt seinen Alltag nicht in den Griff. Zeitgenossen beschreiben ihn als unnahbar, sogar etwas unheimlich. Immer wieder weist Zander darauf hin, dass Steiner ein fachlicher Stümper sei, der polemische Halbwahrheiten verbreite. Bei seinen ständigen Geldsorgen kommt ihm das Angebot, Vorträge für die Theosophische Gesellschaft zu halten, gerade recht. Nach einer eher atheistischen und materialistischen Phase findet er nun zu einer spirituellen Weltanschauung. "

Das klingt nicht gerade nach einer fairen Einschätzung, noch nicht einmal nach wissenschaftlicher Redlichkeit. Aber auch die Zuhörer(innen) Steiners kommen bei Zander nicht gut weg: "Man erhält den Eindruck, dass Steiner seinen plötzlichen Aufstieg einer Schar gelangweilter Millionärsgattinnen verdanke, die das Geld ihrer Männer für Spinnereien verprassten."
Am Ende sei Steiner ein von den Erwartungen seiner Anhänger Getriebener gewesen. Selbst seine Todesursache sei verschleiert worden, um einen "Heiligen" zu konstituieren. Im Resümee stellt sich Steiner in Zanders Augen so dar: "Steiner habe von nichts eine Ahnung, stelle ohne fundiertes Wissen Behauptungen auf, die er als höhere Einsichten deklariere, und wische jegliche Diskussion mit der Autorität des Sehers als unerleuchtete Kleingeisterei vom Tisch. Seine Erkenntnisse habe er weder durch intensives Studium noch durch intuitive Versenkung gefunden, sondern häufig unvorbereitet aus dem Stegreif erfunden oder von anderen abgekupfert. Einige seiner Thesen habe er nachträglich ins Gegenteil verkehrt, womit er sich flexibler gezeigt habe als einige seiner heutigen Anhänger. Zanders hier und da eingestreute Anerkennung von Steiners Werk wirkt eher ironisch, seine mehrfach vorgetragene Erklärung, er wolle lediglich Steiners Leben aus wissenschaftlicher Sicht im Umfeld der damaligen Zeit analysieren, wie ein Beschwichtigungsversuch."

Der Versuch Zanders, Steiner zu diskreditieren und zu demontieren, sei im Grunde eine theologische Hetzschrift, "womit der Historiker Zander sich in den Dienst des Theologen Zander stellt". Damit diskreditiert sich Zander jedoch vor allem selbst: "Es will allerdings nicht zum historisch- wissenschaftlichen Anspruch des Autors passen, dass er ausgesprochen tendenziös schreibt und ein wenig objektives Bild liefert."

Montag, 5. September 2011

Ein versauter Tag mit Powells "Mayakalender"

Natürlich kann man sich seinen Tag mit verschiedenen Mitteln versauen. Schade drum, wenn es ein so schöner, lichter Tag ist: Frühherbstlich, mit den besonderen Farben, die entstehen, wenn der Sommer (der sich dieses Jahr kaum je hat entfalten können) schon gebrochen ist. Die Früchte sind reif und hätten geerntet werden können, die Hecken sind geschnitten, das Holz sollte gestapelt werden. Womöglich blüht auf der Insel schon die Herbstzeitlose. Ja, man hätte viel sehen und erleben können.
Stattdessen habe ich mich aus unerfindlichen Gründen - es hat ja auch noch etwas gekostet - stundenlang mit Robert Powells "Christus und der Mayakalender. 2012 und das Erscheinen des Antichrist" herum geschlagen, mit wachsendem Entsetzen. Diese geistigen Dünnbrettbohrer mit ihren ausufernden Exkrementen sind immer mehr ein Schrecken, je älter ich werde. Früher fand ich geistigen Wildwuchs schwer, heute unerträglich. Mein Resümee nach diesem verkorksten Lesetag kann man bei den Egoisten nachlesen: Kiffen ist gesünder.