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Montag, 30. Januar 2012
Eckhart Tolle: Alchemist
"Werde zu einem Alchemisten. Wandle niederes Metall in Gold, Leiden in Bewusstsein, Unglück in Erleuchtung um."
Eckhart Tolle: Jetzt! Bielefeld 2006, S. 225
Eckhart Tolle: Jetzt! Bielefeld 2006, S. 225
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Samstag, 28. Januar 2012
Die "Reglosigkeit" bei Sri Aurobindo
Ja, nach der "Unbewegtheit" Scaligeros und der "Unbewegtheit in der Leere" von Kühlewind kommen wir jetzt zu Sri Aurobindo bzw. zu dessen genialem und berühmtem Interpreten und Biografen Satprem, dessen "Sri Aurobindo oder Das Abenteuer des Bewusstseins" ich tatsächlich seit September 1976 immer wieder lese, und zwar mit Gewinn. Bei Satprem handelt es sich um den Begriff "Reglosigkeit":
"Der Sucher dagegen, der ein gewisses Maß an Reglosigkeit in sich erzeugt hat, wird sehen, dass diese Reglosigkeit die Erschütterungen zunichte macht, weil sie Weite besitzt; weil er nicht mehr ein kleines Einzelwesen ist, das sich vornüber krümmt und zusammen zieht wie mit Leibschmerzen, sondern ein Bewusstsein, das über die Grenzen des Körpers hinaus ragt - das Vitale, in das die Ruhe eingekehrt ist, erfährt wie der schweigende Geist spontan die Verallung:
In der Yoga- Erfahrung erweitert sich das Bewusstsein in allen Richtungen - in die Umwelt, nach unten, nach oben - und erstreckt sich nach jeder Richtung bis ins Unendliche.
Wenn das Bewusstsein des Yogi die Befreiung erlangt hat, ist es nicht der Körper, in dem er lebt, sondern immer diese unendliche Höhe, Tiefe und Weite. Die Grundlage ist ein unendliches Leersein oder Schweigen, aber alles kann sich darin offenbaren - Friede, Freiheit, Macht, Licht, Erkenntnis, Freude- Ananda. (Sri Aurobindo, Letters on Yoga II) Sobald ein Leid auftritt, von welcher Art es auch sei, ist es augenblicklich das Zeichen einer Verengung des Wesens und eines Verlustes an Bewusstsein. (...)
In der praktischen Durchführung ist es so, dass die große Barmherzigkeit von oben stets über uns wacht, um uns daran zu hindern, zu jenen Erfahrungen zu gelangen, für die wir nicht reif sind; wer weiss, wir sind vielleicht nur so lange klein und beschränkt, wie wir es nötig haben, klein und beschränkt zu sein."
"Verallung" ist ein vielleicht etwas blumiger Begriff, der aber das Gefühl der inneren Weite schön beschreibt. Die Ebene des "Vitalen" darf man ohne Abstriche mit dem "Ätherischen" identifizieren, wenn man möchte. Die innere "Barmherzigkeit von oben" ist das Gefühl, ab einem bestimmten Stadium des Schulungsweges begleitet zu werden. Man bemerkt etwas wie eine didaktische Führung, die zwar eine innere, selbstbestimmte Führung ist, aber doch etwas, was wir uns nicht ausdenken, sondern was uns eben zum richtigen Zeitpunkt das Richtige abfordert. Es ist kein Rat von außen notwendig, auch keine Abhängigkeit von einem bestimmten Schulungsweg oder einer Kultur; die Schritte ergeben sich von innen heraus. Die Entdeckung dieses Autodidaktischen ist ein großer Schritt in Richtung Autonomie und absolut notwendig. Im Grunde ist ab diesem Punkt auch der Begriff der "Schulung" obsolet. Passender wäre vielleicht "organisches Wachstum", wobei Innen und Außen, Individualität und Schicksal letztlich immer weniger geschieden sind.
"Der Sucher dagegen, der ein gewisses Maß an Reglosigkeit in sich erzeugt hat, wird sehen, dass diese Reglosigkeit die Erschütterungen zunichte macht, weil sie Weite besitzt; weil er nicht mehr ein kleines Einzelwesen ist, das sich vornüber krümmt und zusammen zieht wie mit Leibschmerzen, sondern ein Bewusstsein, das über die Grenzen des Körpers hinaus ragt - das Vitale, in das die Ruhe eingekehrt ist, erfährt wie der schweigende Geist spontan die Verallung:
In der Yoga- Erfahrung erweitert sich das Bewusstsein in allen Richtungen - in die Umwelt, nach unten, nach oben - und erstreckt sich nach jeder Richtung bis ins Unendliche.
Wenn das Bewusstsein des Yogi die Befreiung erlangt hat, ist es nicht der Körper, in dem er lebt, sondern immer diese unendliche Höhe, Tiefe und Weite. Die Grundlage ist ein unendliches Leersein oder Schweigen, aber alles kann sich darin offenbaren - Friede, Freiheit, Macht, Licht, Erkenntnis, Freude- Ananda. (Sri Aurobindo, Letters on Yoga II) Sobald ein Leid auftritt, von welcher Art es auch sei, ist es augenblicklich das Zeichen einer Verengung des Wesens und eines Verlustes an Bewusstsein. (...)
In der praktischen Durchführung ist es so, dass die große Barmherzigkeit von oben stets über uns wacht, um uns daran zu hindern, zu jenen Erfahrungen zu gelangen, für die wir nicht reif sind; wer weiss, wir sind vielleicht nur so lange klein und beschränkt, wie wir es nötig haben, klein und beschränkt zu sein."
"Verallung" ist ein vielleicht etwas blumiger Begriff, der aber das Gefühl der inneren Weite schön beschreibt. Die Ebene des "Vitalen" darf man ohne Abstriche mit dem "Ätherischen" identifizieren, wenn man möchte. Die innere "Barmherzigkeit von oben" ist das Gefühl, ab einem bestimmten Stadium des Schulungsweges begleitet zu werden. Man bemerkt etwas wie eine didaktische Führung, die zwar eine innere, selbstbestimmte Führung ist, aber doch etwas, was wir uns nicht ausdenken, sondern was uns eben zum richtigen Zeitpunkt das Richtige abfordert. Es ist kein Rat von außen notwendig, auch keine Abhängigkeit von einem bestimmten Schulungsweg oder einer Kultur; die Schritte ergeben sich von innen heraus. Die Entdeckung dieses Autodidaktischen ist ein großer Schritt in Richtung Autonomie und absolut notwendig. Im Grunde ist ab diesem Punkt auch der Begriff der "Schulung" obsolet. Passender wäre vielleicht "organisches Wachstum", wobei Innen und Außen, Individualität und Schicksal letztlich immer weniger geschieden sind.
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Mittwoch, 25. Januar 2012
Peter Selg zur "geisteswissenschaftlichen" Methodik
"Doch die in sich bewegliche und variable spirituelle Welt, deren genaue Erkenntnis Ziel bzw. Inhalt der anthroposophischen Geisteswissenschaft war, setzte dem Wunsch nach präziser und definitiver Darstellbarkeit in nicht nur sprachlicher Hinsicht Grenzen- so betonte Steiner selbst wiederholt, dass die Erkenntnisse immer weiter zu gehen haben, dass sie keine Grenze haben, dass die Dinge so kompliziert sind, dass, wenn wir einen Gesichtspunkt erfasst zu haben glauben, wir gleich genötigt sind, zu einem anderen überzugehen, der uns die Sache wieder von einer anderen Seite beleuchtet erscheinen lässt (121, 105).
Er verneinte damit in diesem Sinne denn auch die Möglichkeit einer formal widerspruchsfreien Darstellung des in geistiger Anschauung Gewonnenen und sah sich genötigt, die beschreibende Charakterisierung anstelle der gültigen Definition zu setzen, die Annäherung aus verschiedenen Bedeutungsrichtungen einer monoperspektivischen Orientierung vorzuziehen, die - als eine bestimmte und damit festgelegte- immer nur in einer von der Totalität des geistig Wirklichen reduzierenden Abstraktion erreicht werden kann.
Dennoch blieb die möglichste Genauigkeit, die höchste Präzision Ziel einer Geisteswissenschaft, die sich selbst als eine zu entwickelnde verstand- Entwicklung und Ausbildung einer spirituellen Forschungsart, die zu immer konkreteren Ergebnissen zu kommen suchte: Geisteswissenschaft gleicht dem, was wächst und sich entwickelt (109, 125). Man muss geduldig Stück für Stück verfolgen (98, 138)."
Peter Selg, Vom Logos menschlicher Physis. Die Entfaltung einer anthroposophischen Humanphysiologie im Werk Rudolf Steiners. Band I, Dornach 2000, S. 90
Er verneinte damit in diesem Sinne denn auch die Möglichkeit einer formal widerspruchsfreien Darstellung des in geistiger Anschauung Gewonnenen und sah sich genötigt, die beschreibende Charakterisierung anstelle der gültigen Definition zu setzen, die Annäherung aus verschiedenen Bedeutungsrichtungen einer monoperspektivischen Orientierung vorzuziehen, die - als eine bestimmte und damit festgelegte- immer nur in einer von der Totalität des geistig Wirklichen reduzierenden Abstraktion erreicht werden kann.
Dennoch blieb die möglichste Genauigkeit, die höchste Präzision Ziel einer Geisteswissenschaft, die sich selbst als eine zu entwickelnde verstand- Entwicklung und Ausbildung einer spirituellen Forschungsart, die zu immer konkreteren Ergebnissen zu kommen suchte: Geisteswissenschaft gleicht dem, was wächst und sich entwickelt (109, 125). Man muss geduldig Stück für Stück verfolgen (98, 138)."
Peter Selg, Vom Logos menschlicher Physis. Die Entfaltung einer anthroposophischen Humanphysiologie im Werk Rudolf Steiners. Band I, Dornach 2000, S. 90
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Dienstag, 24. Januar 2012
Roland Benedikter und Jae-Seung Lee über China
Genau genommen handelt der sehr differenzierte, ja sensible Artikel vom Verhältnis Chinas zu Europa, den USA- und umgekehrt. Es wird, wenn man so will, ein Beziehungsdrama gezeigt, und nebenbei ein Herd der Missverständnisse nach dem anderen aufgerollt. Konkret geht es um das Verhältnis Chinas zur Schuldenkrise in Europa und den USA. Dass China nicht unbedingt in die Bresche springt, die die Finanzkrise den westlichen Staaten und Staatengemeinschaften beschert hat, ist aus deren Sicht auch dadurch begründet, dass man trotz aller wirtschaftlicher Verflechtungen eine gewisse Eigenständigkeit bewahren möchte: "Die heutigen chinesischen Eliten sind überzeugt: Sich mit größeren Finanzspritzen in die westliche Schuldenkrise hinzubegeben, hieße, in eine (weitere) Anpassungs- und Vereinnahmungs-Falle des Westens zu tappen – also sich in ein Feld zu verstricken, wo eine kapitalistische Zukunftsvision das Spiel bestimmt, die nicht die Chinas ist."
China sucht einen eigenen asiatischen Weg und daher auch Verbündete in der Region. Womöglich, nebenbei bemerkt, ergibt such daraus auch eine neue Positionierung gegenüber Birma und -später- auch Nordkorea. Die Zeit der auszubeutenden Vasallenstaaten geht zu Ende und damit eine Politik, die eher dem Kolonialismus ähnelte. Die sich zerfleischenden Europäer und die innenpolitisch gelähmten USA sind so mit sich selbst beschäftigt, dass China im Grunde nur warten muss: "China muss nur stabil bleiben, Kontinuität haben, seinen Weg ruhig weitergehen und noch eine Generation warten, um neben den USA und Europa zur neuen "G-3" Supermacht des 21. Jahrhunderts zu werden – wenn nicht gar zur einzig führenden Weltmacht."
In der Zwischenzeit saugt China das gesamte technologische Know-How des Westens in aller Ruhe auf und liefert im Gegenzug Billigprodukte: "Faktisch kauft China mit seinen Handelsüberschüssen aus den USA, die es großteils für den Export von einfach gestrickten Billigwaren, Handarbeit und Low-Technology erhält, das amerikanische Hochtechnologie-Know-how auf. Es tauscht also über den Umweg seiner bilateralen Handels- und Devisenüberschüsse Billigpuppen für High-Tech, ohne dass die USA das bisher wirklich realisiert haben."
Ob die optimistischen Prognosen, dass China damit langfristig auch politisch Grundsätze des Westens importieren wird, stimmen, steht dahin. Bislang ist davon nicht nur nichts zu sehen, China rüstet stattdessen massiv auf. Es bestehen aber innenpolitisch Widersprüche, die die Stabilität Chinas in Zukunft in Frage stellen könnten: "Die chinesischen Eliten sind ausgezeichnet ausgebildet, besser als die meisten westlichen; und zwischen ihnen und dem Rest der Bürokratie und der Bevölkerung klafft ein viel größerer Abgrund."
Bislang sind die inneren Probleme (außer der galoppierenden Inflation und einer wachsenden Immobilienblase) nicht so drängend, dass die grundsätzliche Positionierung Chinas in Frage gestellt wäre: "Nicht Usurpierung Europas (und des Westens) und seiner Konzeptionen von einer guten Modernisierung ist Chinas Anliegen, nicht "Eroberung" von Sphären - sondern Sicherstellung des eigenen "chinesischen Wegs" in die Moderne, einschliesslich seiner langfristig stabilen Festsetzung in ressourcenstrategisch wichtigen Zonen wie Afrika und Gewinnung der Hochtechnologie-Führung."
Die weiteren, sorgfältig beobachteten und umsichtig formulierten Betrachtungen sind bei "Die Welt" nachzulesen.
China sucht einen eigenen asiatischen Weg und daher auch Verbündete in der Region. Womöglich, nebenbei bemerkt, ergibt such daraus auch eine neue Positionierung gegenüber Birma und -später- auch Nordkorea. Die Zeit der auszubeutenden Vasallenstaaten geht zu Ende und damit eine Politik, die eher dem Kolonialismus ähnelte. Die sich zerfleischenden Europäer und die innenpolitisch gelähmten USA sind so mit sich selbst beschäftigt, dass China im Grunde nur warten muss: "China muss nur stabil bleiben, Kontinuität haben, seinen Weg ruhig weitergehen und noch eine Generation warten, um neben den USA und Europa zur neuen "G-3" Supermacht des 21. Jahrhunderts zu werden – wenn nicht gar zur einzig führenden Weltmacht."
In der Zwischenzeit saugt China das gesamte technologische Know-How des Westens in aller Ruhe auf und liefert im Gegenzug Billigprodukte: "Faktisch kauft China mit seinen Handelsüberschüssen aus den USA, die es großteils für den Export von einfach gestrickten Billigwaren, Handarbeit und Low-Technology erhält, das amerikanische Hochtechnologie-Know-how auf. Es tauscht also über den Umweg seiner bilateralen Handels- und Devisenüberschüsse Billigpuppen für High-Tech, ohne dass die USA das bisher wirklich realisiert haben."
Ob die optimistischen Prognosen, dass China damit langfristig auch politisch Grundsätze des Westens importieren wird, stimmen, steht dahin. Bislang ist davon nicht nur nichts zu sehen, China rüstet stattdessen massiv auf. Es bestehen aber innenpolitisch Widersprüche, die die Stabilität Chinas in Zukunft in Frage stellen könnten: "Die chinesischen Eliten sind ausgezeichnet ausgebildet, besser als die meisten westlichen; und zwischen ihnen und dem Rest der Bürokratie und der Bevölkerung klafft ein viel größerer Abgrund."
Bislang sind die inneren Probleme (außer der galoppierenden Inflation und einer wachsenden Immobilienblase) nicht so drängend, dass die grundsätzliche Positionierung Chinas in Frage gestellt wäre: "Nicht Usurpierung Europas (und des Westens) und seiner Konzeptionen von einer guten Modernisierung ist Chinas Anliegen, nicht "Eroberung" von Sphären - sondern Sicherstellung des eigenen "chinesischen Wegs" in die Moderne, einschliesslich seiner langfristig stabilen Festsetzung in ressourcenstrategisch wichtigen Zonen wie Afrika und Gewinnung der Hochtechnologie-Führung."
Die weiteren, sorgfältig beobachteten und umsichtig formulierten Betrachtungen sind bei "Die Welt" nachzulesen.
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Montag, 23. Januar 2012
Rosenkreuz- Meditation
Im Andenken an Hans-Peter Dieckmann, der am 6. Januar verstorben ist, nachdem er über ein Jahr mit einer Art von Blutkrebs gekämpft hatte, komme ich besonders auf die Rosenkreuzmeditation Rudolf Steiners. Dies deshalb, weil mir Hans-Peter geschrieben hatte, insbesondere die Beschäftigung damit trage ihn durch die Krankheit hindurch, gebe ihm einen inneren Schutzraum und auch konkrete Hilfe, wenn er sich von den niederschmetternden Schüben seiner Krankheit angegriffen fühlte. Diese Angriffe empfand er imaginativ konkret als eine lebensfeindliche Kraft. Er erlebte das sehr intensiv. Ich habe nun in einem frühen Text Rudolf Steiners ("Anweisungen für eine esoterische Schulung", etwa 1906) eine solche Meditation gefunden, die dieser (nach einer handschriftlichen Notiz Marie Steiners) "einem Russen, der nach Helsingfors zum Kurse reiste" persönlich gegeben hatte. Es existiert nur die Niederschrift Marie Steiners, mit der Bemerkung, diese Übung sei für den Abend gedacht. Es ist eine Übung für einen Menschen in tiefer Bedrängnis:
Es weiset dieses Zeichen mir
Lebenssieg über Todesmacht.
In mir fühlen will ich
Dieses Zeichens Sinn.
Es wird mich aufrichten
Und aufgerichtet tragen
In allen Lebenssphären.
Es weiset dieses Zeichen mir
Lebenssieg über Todesmacht.
In mir fühlen will ich
Dieses Zeichens Sinn.
Es wird mich aufrichten
Und aufgerichtet tragen
In allen Lebenssphären.
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Unabhängigkeitserklärung
Der Grösste Fehler, ist, ihm, dem Namen, Formen, Gestalten zu geben, weil man sich Vorstellungen daran bildet. Und Vorstellungen führen nicht mehr weiter. Irgendwo im Gebüsch schlägt ein Nachtvogel an, er wird die Träume weben, aus einem Gespinst aus Mondlicht und unseren wabernden Erinnerungen.
Es kommt am Ende nicht darauf an, was du dir vorstellst. Du machst ein Feuer aus dem trockenen Untergehölz und verbrennst sie. Der Größte Fehler ist, es irgendwo zu suchen, irgendwo um uns, über uns, vor uns, hinter uns. Es handelt sich nicht um irgendwas irgendwo, sondern um das, aus dem wir leben. Wir sind mit dieser Intention gekommen, das ist unser Entschluss, wir haben Gestalt angenommen, das ist es, was wir den Begleitern im Mondlicht in die Ohren flüsterten. Sie flüsterten es weiter und flochten einen Leib aus dem Licht von Venus und Jupiter.
Er, es ist der satte, starke, reine Strom, der wir sind. Es ist der Strom vor aller Form, aber in unaufhörlichem Sich- Verschenken. Die Konstitution als geistiges Wesen, die Selbsterklärung, meine Unabhängigkeit der Vereinigten Staaten meine ganz persönliche...
Meine Damen, meine Herren, meine Unabhängigkeitserklärung. Tusch. Tara. Und Abgang.
Es kommt am Ende nicht darauf an, was du dir vorstellst. Du machst ein Feuer aus dem trockenen Untergehölz und verbrennst sie. Der Größte Fehler ist, es irgendwo zu suchen, irgendwo um uns, über uns, vor uns, hinter uns. Es handelt sich nicht um irgendwas irgendwo, sondern um das, aus dem wir leben. Wir sind mit dieser Intention gekommen, das ist unser Entschluss, wir haben Gestalt angenommen, das ist es, was wir den Begleitern im Mondlicht in die Ohren flüsterten. Sie flüsterten es weiter und flochten einen Leib aus dem Licht von Venus und Jupiter.
Er, es ist der satte, starke, reine Strom, der wir sind. Es ist der Strom vor aller Form, aber in unaufhörlichem Sich- Verschenken. Die Konstitution als geistiges Wesen, die Selbsterklärung, meine Unabhängigkeit der Vereinigten Staaten meine ganz persönliche...
Meine Damen, meine Herren, meine Unabhängigkeitserklärung. Tusch. Tara. Und Abgang.
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Samstag, 21. Januar 2012
Die Welt aus dem Nullpunkt erfahren
Nachdem vor ein paar Tagen ein Textfragment Massimo Scaligeros über die Qualitäten innerer "Unbewegtheit" hier im Blog kontrovers diskutiert worden ist, habe ich heute endlich in Georg Kühlewinds postum erschienenem letzten Notizheft geblättert und eine ganz ähnliche Textstelle gefunden. Kühlewinds Buch heißt "Licht und Leere", und es handelt sich tatsächlich um ein fragmentarisches "inneres" Tagebuch, d.h. es geht nicht um persönliche Erlebnisse, sondern um meditative Notierungen mitsamt einer ganzen Reihe von Zitaten aus der Weltliteratur, vor allem aber aus dem Rahmen des Zen. Mir liegt dieses Fragmentarische sehr; im Grunde sind Textfluss, didaktischer Aufbau und Komposition bei Kühlewind nicht so wichtig, da er hoch konzentriert aus dem inneren Erleben heraus schreibt. Die Anstösse, die er damit zu geben vermag, sind im Fragment ebenso deutlich wie im ausformulierten Aufsatz oder Buch. Auf Seite 35 notiert er
"Leere = nicht dies, nicht das = Ich:
Die Welt aus dem Nullpunkt erfahren, unverändert werden und bleiben, wie ein Spiegel. Die wirkliche Aktivität ist unendliche Ruhe, ungerührt; mag sich alles andere bewegen, die Bewegung sei der Anderheit überlassen. (..)"
Die Erfahrung, um die es geht, ist jenseits dessen, was man als Übungsweg bezeichnen mag, denn solch ein weg kann immer nur an einen Punkt führen, indem man sich sammelt, das Störende aussondert, sich fokussiert: Das alles ist Übung, Vorbereitung, Wegebnung. Aber an dem Punkt der Unbewegtheit oder des Nullpunktes gibt es kein Dorthin und Dann mehr, keine Reifung mehr von etwas zu etwas. Die ganze Rhetorik des Weghaften hat keinen Sinn mehr, obwohl einem sehr wohl klar ist, wie unreif und unfertig man selbst sein mag. Aber Fertigkeiten, Bemühtheit und Strebsamkeit sind an diesem Platz nicht nur deplaciert; sie führen auch in die Irre. Es gibt nur ein Ruhen in der Ruhe, ein Zulassen- Können.
Ein im selben Zusammenhang von Kühlewind notiertes Steiner- Zitat ("Ein wirkliches Bewusstsein existiert nur, wenn es sich selbst verwirklicht") könnte auch dahin gehend missverstanden werden, dass man denkt, man könne das hervor bringen, man könne das erreichen, wenn man nur genügend wolle. Aber es geht eben mehr um Zulassen als um Entwickeln- Wollen.
Der liebe Himmel weiß, wie sehr ich mir an diesem Punkt die Zähne ausgebissen habe. Es liegt sicher auch an persönlichen Determinanten. Ich kann mich leicht und gut fokussieren, aber die Ruhe, die bis in die Untergründe geht, fällt mir sehr, sehr schwer. Dagegen opponiert ein seelischer Drang und Wind, mein ungestümer Wille und ein explizit lebhaftes seelisches Leben. Das Drängen und Wollen so zur Stille zu bringen, dass sie von innen her aufleuchten kann, ist für mein Temperament eine besondere Schwierigkeit. Es ist mehr so, dass ich manchmal, unverhofft, mit meinem Boot und dem winzigen Segel in günstigen Wind gerate und plötzlich bemerke: Ja, es bewegt sich doch. Aber hier gilt das Bewegen und Drängen nicht mehr, die Suche nach Überwinden von Flauten ist hier nicht mehr wichtig, ja sogar hinderlich. Erst wenn man ganz still steht, bemerkt man die Strömungen in Wasser und Luft; sie sind nicht mehr die treibenden Kräfte, sondern werden, da man nicht mehr angestossen und getrieben ist, durchsichtig, spürbar in den ihnen eigenen Kräften. Erst wenn die Sorge um das Fortkommen ganz und gar beendet ist, erwacht die Aufmerksamkeit für die quellenden, lebendigen Kräfte, die uns nicht nur umgeben, sondern auch umhüllen und durchleuchten. Das ist der Nullpunkt, an dem erfahren werden kann, was Kühlewind knapp notierte:
"-Licht im Denken = Verstehen
-Licht im Fühlen = Freude
-Licht im Wollen = Schaffen = Liebe"
"Leere = nicht dies, nicht das = Ich:
Die Welt aus dem Nullpunkt erfahren, unverändert werden und bleiben, wie ein Spiegel. Die wirkliche Aktivität ist unendliche Ruhe, ungerührt; mag sich alles andere bewegen, die Bewegung sei der Anderheit überlassen. (..)"
Die Erfahrung, um die es geht, ist jenseits dessen, was man als Übungsweg bezeichnen mag, denn solch ein weg kann immer nur an einen Punkt führen, indem man sich sammelt, das Störende aussondert, sich fokussiert: Das alles ist Übung, Vorbereitung, Wegebnung. Aber an dem Punkt der Unbewegtheit oder des Nullpunktes gibt es kein Dorthin und Dann mehr, keine Reifung mehr von etwas zu etwas. Die ganze Rhetorik des Weghaften hat keinen Sinn mehr, obwohl einem sehr wohl klar ist, wie unreif und unfertig man selbst sein mag. Aber Fertigkeiten, Bemühtheit und Strebsamkeit sind an diesem Platz nicht nur deplaciert; sie führen auch in die Irre. Es gibt nur ein Ruhen in der Ruhe, ein Zulassen- Können.
Ein im selben Zusammenhang von Kühlewind notiertes Steiner- Zitat ("Ein wirkliches Bewusstsein existiert nur, wenn es sich selbst verwirklicht") könnte auch dahin gehend missverstanden werden, dass man denkt, man könne das hervor bringen, man könne das erreichen, wenn man nur genügend wolle. Aber es geht eben mehr um Zulassen als um Entwickeln- Wollen.
Der liebe Himmel weiß, wie sehr ich mir an diesem Punkt die Zähne ausgebissen habe. Es liegt sicher auch an persönlichen Determinanten. Ich kann mich leicht und gut fokussieren, aber die Ruhe, die bis in die Untergründe geht, fällt mir sehr, sehr schwer. Dagegen opponiert ein seelischer Drang und Wind, mein ungestümer Wille und ein explizit lebhaftes seelisches Leben. Das Drängen und Wollen so zur Stille zu bringen, dass sie von innen her aufleuchten kann, ist für mein Temperament eine besondere Schwierigkeit. Es ist mehr so, dass ich manchmal, unverhofft, mit meinem Boot und dem winzigen Segel in günstigen Wind gerate und plötzlich bemerke: Ja, es bewegt sich doch. Aber hier gilt das Bewegen und Drängen nicht mehr, die Suche nach Überwinden von Flauten ist hier nicht mehr wichtig, ja sogar hinderlich. Erst wenn man ganz still steht, bemerkt man die Strömungen in Wasser und Luft; sie sind nicht mehr die treibenden Kräfte, sondern werden, da man nicht mehr angestossen und getrieben ist, durchsichtig, spürbar in den ihnen eigenen Kräften. Erst wenn die Sorge um das Fortkommen ganz und gar beendet ist, erwacht die Aufmerksamkeit für die quellenden, lebendigen Kräfte, die uns nicht nur umgeben, sondern auch umhüllen und durchleuchten. Das ist der Nullpunkt, an dem erfahren werden kann, was Kühlewind knapp notierte:
"-Licht im Denken = Verstehen
-Licht im Fühlen = Freude
-Licht im Wollen = Schaffen = Liebe"
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Grandiosität
Während ich zur Nacht noch Monteverdi höre (Duette mit Christina Pluhar und Philippe Jaroussky), mache ich mir noch ein paar Gedanken zum Begriff der Grandiosität. Ich habe ihn als (falsches) Selbstgefühl mancher Okkultisten bezeichnet, die damit im Schnellzug auf dem toten Gleis ins Nirgendwo unterwegs sind. Wenn man sich vom Gegenstand seines Interesse so beleuchten lässt, dass man sich darin spiegelt, dann verwandelt dieser Gegenstand sein Erscheinungsbild und seine Eigenart; er wird bockbeinig einem selbst gegenüber. Das Selbstbild, mit Grandiosität unterfüttert, ist sich eigentlich genug- etwas wie Entwicklung kann nicht mehr statt finden.
Ich habe mal einen Psychiater im Internet konsultiert, der Grandiosität als eine Art der Borderline- Störung führt und näher beschreibt:
"Die Ergebnisse meiner psychiatrischen Behandlung von 864 Patienten mit 35 165 Träumen zeigen, dass die Patienten mehrheitlich an einer persistierenden, pathologischen Symbiose zu einem ihrer Elternteile leiden und infantile, symbiotische Verhaltensweisen aufweisen. Diese Symptome, die im unterschiedlich ausgeprägten Maß bei einer pathologischen Symbiose auftreten, gleichen weitgehend der Symptomatik des Borderline-Syndroms, in ihrer Psychodynamik weisen sie jedoch erhebliche Abweichungen auf.
(..)
Folgende symbiotische Verhaltensweisen sind zu nennen:
-Angst
-Passivität
-Identifikationsstörung und Überanpassung
-Innere Unruhe und Anspannung
-Ungeduld
-Kränkbarkeit und Wut
-Grandiosität
-Abwertungen
-Depressivität
-Sucht
-Sexuelle Störungen
-Destruktivität
Das Haftenbleiben in der Infantilität, in der Welt der kindlichen Vorstellungen und Reaktionsweisen, die Spannungszustände, die durch den Gegensatz zwischen dem erreichten Lebensalter und den infantilen, regressiven Persönlichkeitsanteilen hervorgerufen werden, manifestieren sich im symbiotischen Verhalten. Auch psychosomatische Symptome treten als Zeichen einer ungelösten, persistierenden Symbiose auf."
Die symbiotische Beziehung zur übermächtigen Mutter, der unreife, regressive Charakter: Das mag im psychiatrischen Sinne zur Grandiosität führen. Aber sie ist, in integrierter, eventuell instrumenteller Form auch ein Aspekt unseres Tuns, unserer Selbstgefühle und Definitionen von Freundschaft und Liebe. Das "Leuchten", die Wirksamkeit, das Sichbarsein, das Bedürfnis, irgendwo, wenigstens irgendwo ein Publikum zu haben, das die eigene Bedeutsamkeit anerkennt, der Charme und die Attraktivität; Krücken des Ego, das überall nach Möglichkeiten der Selbstbespiegelung sucht. Sicher, das Grandiose hat immer seine Halbwertzeit. Jeden Tag beginnt eine neue Zeit, und irgendwann wird sich der Esprit, der Glanz umsonst versprühen, denn niemand wird ihn mehr verstehen. Irgendwann sind wir ein abgeschminkter Clown nach der letzten Vorstellung, nachdem der Vorhang gefallen ist. Irgendwann tauchen wir alle in einem Fellini- Film auf, Freaks und (eventuell) Relikte ihrer Zeit.
Ich habe mal einen Psychiater im Internet konsultiert, der Grandiosität als eine Art der Borderline- Störung führt und näher beschreibt:
"Die Ergebnisse meiner psychiatrischen Behandlung von 864 Patienten mit 35 165 Träumen zeigen, dass die Patienten mehrheitlich an einer persistierenden, pathologischen Symbiose zu einem ihrer Elternteile leiden und infantile, symbiotische Verhaltensweisen aufweisen. Diese Symptome, die im unterschiedlich ausgeprägten Maß bei einer pathologischen Symbiose auftreten, gleichen weitgehend der Symptomatik des Borderline-Syndroms, in ihrer Psychodynamik weisen sie jedoch erhebliche Abweichungen auf.
(..)
Folgende symbiotische Verhaltensweisen sind zu nennen:
-Angst
-Passivität
-Identifikationsstörung und Überanpassung
-Innere Unruhe und Anspannung
-Ungeduld
-Kränkbarkeit und Wut
-Grandiosität
-Abwertungen
-Depressivität
-Sucht
-Sexuelle Störungen
-Destruktivität
Das Haftenbleiben in der Infantilität, in der Welt der kindlichen Vorstellungen und Reaktionsweisen, die Spannungszustände, die durch den Gegensatz zwischen dem erreichten Lebensalter und den infantilen, regressiven Persönlichkeitsanteilen hervorgerufen werden, manifestieren sich im symbiotischen Verhalten. Auch psychosomatische Symptome treten als Zeichen einer ungelösten, persistierenden Symbiose auf."
Die symbiotische Beziehung zur übermächtigen Mutter, der unreife, regressive Charakter: Das mag im psychiatrischen Sinne zur Grandiosität führen. Aber sie ist, in integrierter, eventuell instrumenteller Form auch ein Aspekt unseres Tuns, unserer Selbstgefühle und Definitionen von Freundschaft und Liebe. Das "Leuchten", die Wirksamkeit, das Sichbarsein, das Bedürfnis, irgendwo, wenigstens irgendwo ein Publikum zu haben, das die eigene Bedeutsamkeit anerkennt, der Charme und die Attraktivität; Krücken des Ego, das überall nach Möglichkeiten der Selbstbespiegelung sucht. Sicher, das Grandiose hat immer seine Halbwertzeit. Jeden Tag beginnt eine neue Zeit, und irgendwann wird sich der Esprit, der Glanz umsonst versprühen, denn niemand wird ihn mehr verstehen. Irgendwann sind wir ein abgeschminkter Clown nach der letzten Vorstellung, nachdem der Vorhang gefallen ist. Irgendwann tauchen wir alle in einem Fellini- Film auf, Freaks und (eventuell) Relikte ihrer Zeit.
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Freitag, 20. Januar 2012
Dienstag, 17. Januar 2012
Gaukelspiel
"Ein alter Eingeweihter schärfte es immer wieder und wieder seinen Schülern ein: Ihr werdet von der Unsterblichkeit der Seele erst wissen, wenn ihr ebenso gern hinnehmt, diese Seele werde nach dem Tode vernichtet, wie sie werde ewig leben. Solange ihr wünscht, ewig zu leben, werdet ihr keine Vorstellung von dem Leben nach dem Tode gewinnen.-
Wie in diesem wichtigen Fall ist es mit allen Wahrheiten. Solange der Mensch noch den leisesten Wunsch in sich hat, die Sache möge so oder so sein, kann ihm das helle Licht der Wahrheit nicht leuchten.
Wer zum Beispiel bei seiner Selbstschau den wenn auch noch so verborgenen Wunsch hat, es mögen die guten Eigenschaften bei ihm überwiegen, dem wird dieser Wunsch ein Gaukelspiel vormachen und keine wirkliche Selbsterkenntnis erlauben."
Rudolf Steiner, Anweisungen für eine esoterische Schulung, Dornach 1979, GA 245, S. 24f
Wie in diesem wichtigen Fall ist es mit allen Wahrheiten. Solange der Mensch noch den leisesten Wunsch in sich hat, die Sache möge so oder so sein, kann ihm das helle Licht der Wahrheit nicht leuchten.
Wer zum Beispiel bei seiner Selbstschau den wenn auch noch so verborgenen Wunsch hat, es mögen die guten Eigenschaften bei ihm überwiegen, dem wird dieser Wunsch ein Gaukelspiel vormachen und keine wirkliche Selbsterkenntnis erlauben."
Rudolf Steiner, Anweisungen für eine esoterische Schulung, Dornach 1979, GA 245, S. 24f
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Montag, 16. Januar 2012
Es gibt kein Ich, aber das ist Gott
Wie lange haben die guten Vorsätze für das Jahr gehalten? So lange wie immer. Meiner war natürlich (wie jedes Jahr), endlich brav zu werden, ausgeglichen und entspannt. Vorbei.Ich habe ja sehr gern das Buch "Endstation Dornach" gelesen- auch vom offenen stilistischen Aufbau her, der wie ein Gespräch erscheint.
Jetzt habe ich Christian Grauers letztes Buch gelesen, der ja auch in "Endstation Dornach" mit wirkt, und war - gelangweilt. Die Schuldzuschreibung in Richtung Anthroposophie wegen eines selbst gezimmerten missionsüberfrachteten Weltbilds und ein nach außen getragener Hedonismus, der sich aber im Buch selbst nicht im geringsten wieder findet, sind noch die kleineren Übel. Die persönliche Misere mit einem Weltbild, einer Religion oder eben der Anthroposophie zu verbinden, hat eben immer etwas von Nachkarten. So etwas ist nie eine ganz angenehme Lektüre.
Aber lesen Sie selbst (als PDF).
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Freitag, 13. Januar 2012
Unbewegt
"Anfangen wird der Mensch, unbewegt vor der Bewegung seines Denkens zu stehen. Daraus wird die Fähigkeit erwachsen, auch dem Fluss des Fühlens, dem Fluss des Wollens in Unbewegtheit zu begegnen, unbewegt zu bleiben vor dem Sicherregen der Leidenschaften und Instinkte.
Der Mensch irrt, wenn er sich mit dem abstrakten, leblosen Denken identifiziert. Unbewegt zu bleiben, um das Denken in seiner Bewegung sehen zu können, heißt, sich mit ihm in Tiefen zu verbinden, in denen es das Licht des Lebens ist. Kommende Zeiten werden dieses Geheimnis entdecken."
Massimo Scaligero, Raum und Zeit, o.J. S. 81
Der Mensch irrt, wenn er sich mit dem abstrakten, leblosen Denken identifiziert. Unbewegt zu bleiben, um das Denken in seiner Bewegung sehen zu können, heißt, sich mit ihm in Tiefen zu verbinden, in denen es das Licht des Lebens ist. Kommende Zeiten werden dieses Geheimnis entdecken."
Massimo Scaligero, Raum und Zeit, o.J. S. 81
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Dienstag, 10. Januar 2012
Jost Schieren: Die Verunwissenschaftlichung der Anthroposophie
"Die Kulturprobleme, auf die die Anthroposophie immer wieder stößt, sind gar nicht immer originär mit dem Werk Steiners verbunden, sie sind hausgemacht. Es sind Probleme mit den Anthroposophen und nicht mit der Anthroposophie.
Als gravierendes Problem ist die unkritische Übernahme von Steiners Aussagen ohne eigenständige Überprüfung, ohne eigenständige Beobachtungfähigkeit zu nennen. Hier zählt der Glaube an die Aussagen Rudolf Steiners mehr als die eigene Erkenntnisbemühung. Wenn sich daran noch Kompilationen aus Steiners Werk und darauf aufbauende Spekulationen anschließen, hat man den Boden wissenschaftlicher Gründlichkeit vollständig verlassen. Ein Großteil der Veröffentlichungen anthroposophischer Autoren behandelt die Aussagen Rudolf Steiners als unbezweifelbare Tatsachen. Es wird beispielsweise über Reinkarnationsfolgen und Verhältnisse in der sogenannten geistigen Welt sinniert, ohne sich von dem Mangel eigenständiger Erkenntnisleistungen beirren zu lassen. Schlimmer noch: Die Gewohnheit eines jahrzehntelangen Steiner-Studiums führt zu dem Glauben, man wisse über die von Steiner dargestellten Sachverhalte Bescheid und könne (und solle) Dritte darüber belehren. Der individuelle Erkenntnisabstand zum Werk Rudolf Steiners wird durch ausdauernde Lektüre gewohnheitsmäßig unterschlagen. Das ist in etwa so, als befände man sich nach einem ausdauernden Besuch von Gemäldegalerien in der Illusion, nun auch wie Raffael malen zu können. Das mangelnde Bewusstsein des realen Erkenntnisabstandes zu den Aussagen Rudolf Steiners ist eine Quelle nicht der Unwissenschaftlichkeit, aber der Verunwissenschaftlichung der Anthroposophie."
Quelle & ganzer Text Alanus Hochschule für Kunst und Gesellschaft, Deutschland
Fachbereich Bildungswissenschaft
Als gravierendes Problem ist die unkritische Übernahme von Steiners Aussagen ohne eigenständige Überprüfung, ohne eigenständige Beobachtungfähigkeit zu nennen. Hier zählt der Glaube an die Aussagen Rudolf Steiners mehr als die eigene Erkenntnisbemühung. Wenn sich daran noch Kompilationen aus Steiners Werk und darauf aufbauende Spekulationen anschließen, hat man den Boden wissenschaftlicher Gründlichkeit vollständig verlassen. Ein Großteil der Veröffentlichungen anthroposophischer Autoren behandelt die Aussagen Rudolf Steiners als unbezweifelbare Tatsachen. Es wird beispielsweise über Reinkarnationsfolgen und Verhältnisse in der sogenannten geistigen Welt sinniert, ohne sich von dem Mangel eigenständiger Erkenntnisleistungen beirren zu lassen. Schlimmer noch: Die Gewohnheit eines jahrzehntelangen Steiner-Studiums führt zu dem Glauben, man wisse über die von Steiner dargestellten Sachverhalte Bescheid und könne (und solle) Dritte darüber belehren. Der individuelle Erkenntnisabstand zum Werk Rudolf Steiners wird durch ausdauernde Lektüre gewohnheitsmäßig unterschlagen. Das ist in etwa so, als befände man sich nach einem ausdauernden Besuch von Gemäldegalerien in der Illusion, nun auch wie Raffael malen zu können. Das mangelnde Bewusstsein des realen Erkenntnisabstandes zu den Aussagen Rudolf Steiners ist eine Quelle nicht der Unwissenschaftlichkeit, aber der Verunwissenschaftlichung der Anthroposophie."
Quelle & ganzer Text Alanus Hochschule für Kunst und Gesellschaft, Deutschland
Fachbereich Bildungswissenschaft
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Sonntag, 8. Januar 2012
Aphorismen vom Herrn Doktor
Ja, man kann jetzt auch auf Websites, die für feierliche Anlässe, langweilige Ansprachen und Reden vor dem Betriebsrat bei Bedarf jede Menge von Zitaten Rudolf Steiners bereit stellen, Zitate finden und somit nutzen. Der "deutsch- kroatische Philosoph, Anthropologe.." (?) wird so zum Lieferanten von hübschen Aphorismen, etwa so wie eben ein Geschenk gern in Papier und Schleifchen verpackt wird.
Der berühmte "Anthropologe" hat offenbar auch kein ganz leichtes Karma, denn wer will schon so enden?
Das "göttliche Walten" verkommt eben zuerst zur Phrase und wird dann zum abrufbaren, beliebigen Aphorismus.
Der berühmte "Anthropologe" hat offenbar auch kein ganz leichtes Karma, denn wer will schon so enden?
Das "göttliche Walten" verkommt eben zuerst zur Phrase und wird dann zum abrufbaren, beliebigen Aphorismus.
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Nostalgisch
Nein, ich rege mich nicht auf, wenn unser "Little Green River" Sebastian Gronbach auf seiner Website für seine Seminare mit Männern so wirbt: "Du wirst langsam lahm. Im Kopf, im Herz, in den Muskeln, im Schwanz und in Deinem Willen vollkommen frei zu sein und Deiner Mission die Treue zu halten.
Beziehungen zu Frauen glücken, wenn Du an Deiner Befreiung und Deiner Mission mehr Interesse hast, als an Beziehungen zu Frauen. Wenn Du Dich vollkommen demütig vor der Wahrheit des Göttlichen zeigst und in dieser Demut zu Deiner Frau kommst, wirst Du sie als eben diese Göttlichkeit auf Erden erkennen. Du gehst in die Knie und Deine eigene göttliche Potenz erwacht in genau diesem Augenblick."
Ich kann mir persönlich nicht vorstellen, den Penis als eine Art Wünschelrute für die "Wahrheit des Göttlichen" zu benutzen, sondern würde ein anderes Organ wie das lebendige Denken vorziehen. Mein Leben ist auch nicht die "Mission" von mir, Gott, Gronbach oder den Sieben Zwergen, sondern einfach mein Leben, sonst nichts. Aber die Sprüche erregen doch nostalgische Erinnerungen in mir- das ist wie 1975 in der Männergruppe, die ich leitete, in einer Universitätsstadt. Die meisten Frauen waren Feministinnen, und ich fuhr für das Frauenhaus Frauen, die in Deutschland damals nicht abtreiben durfte, in eine Klinik nach Amsterdam. Die Männergruppe erschien mir irgendwie verdruckst. Wir sprachen viel über "Befreiung", aber die meisten Männer gestanden doch nach ein paar Sitzungen, dass sie nur kamen, weil ihre feministischen Freundinnen und Frauen sie nötigten. Sie hatten eigentlich keinerlei Bock auf weitere Befreiungen, sondern wollten lediglich ihre Beziehung retten. Im Gegensatz zu unserem Turbo- Befreier Gronbach sprach allerdings niemand über das Göttliche in diesem Zusammenhang. Aber wer weiß, vielleicht ist das ja heute ein Trend, den man vermarkten kann. Da kann man nur gute Fortschritte bei der Befreiung der Wünschelruten wünschen.
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Prosaisch
Nun wird es prosaisch. Die Heiligen Nächte sind vorbei, und Manchem, der sie miterlebt hat, ist es nun, als seien die umgebenden Dinge wie frisch gewaschen, in neuem Licht; ihr Zauber ist verflogen. Der Höhepunkt dieses innigen Erlebens liegt nach meinem Empfinden in der Silvesternacht- die Tage und Nächte davor und danach umgeben die Dichte dieser besonderen Zeit, in der man sich geborgen und getragen fühlen durfte.
Wir waren in der Silvesternacht in einem an sich ziemlich schrecklichen Orgelkonzert im Münster der Stadt. Die Musik war bemüht erheiternd, daher brachte man vor allem die unsägliche Nußknackersuite mit drei antiken und ziemlich quäkenden Orgelinstrumenten. Aber dennoch war die Dichte dieser Zeit wie mit Händen zu greifen- die Erinnerungen so nah, Menschen, die mir nahe gestanden hatten und jetzt tot waren, schimmerten am Grund einer transparent gewordenen Seele auf. In dieser Zeit ist es, als sei mein Inneres nach außen gestülpt, so dass sich die Sterne darin spiegeln können.
Nun aber: Vorbei. Nach Steiner hat man, wie in der orthodoxen Kirche, ursprünglich Weihnachten immer am 6. Januar gefeiert- die Verschiebung entspricht dem Verlust des Verständnisses der Epiphanie zugunsten der "Geburt des Kindleins": "Aber gerade in der Zeit, in der der Materialismus sich des Erdenwesens des Menschen bemächtigte, da konnte man auch nicht mehr verstehen, wie die Einwirkung des Außerirdischen, des Himmlischen, im Symbolum der Johannestaufe im Jordan sich vor die Menschheit hingestellt hat. Da verlor man sozusagen das Verständnis für den Sinn des Festes vom 6. Januar, des Festes der Erscheinung Christi, und man nahm zu anderem seine Zuflucht. Alles dasjenige, was man hatte an Empfindung, an Gefühlstiefe, die sich bezogen auf das Mysterium von Golgatha, das bezog man nun nicht auf den überirdischen Christus, das fing man an zu beziehen auf den irdischen Jesus von Nazareth. Und aus dem Feste der Erscheinung Christi wurde das Fest der Erscheinung des Kindes Jesus. (R. Steiner, GA 209, S. 154)
Es gibt darüber keinen Grund zu Gefühligkeiten- warum auch. Der Fluss hat Hochwasser, es regnet aus Kübeln, es ist allerlei zu erledigen, das Jahr ist erwacht, los.
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Donnerstag, 5. Januar 2012
Anthroposophische Blogger: Nicht im luftleeren Raum
Ein neuer Artikel zum genannten Thema von mir ist heute bei "Themen der Zeit" erschienen. Hier ein kurzer Ausschnitt:
"Die Wucht mancher öffentlichen Auseinandersetzungen erschreckt manchen Blogger, bringt sogar manche ganz zum Verstummen. In der anthroposophischen Szene liegt diese Wucht sicherlich auch an der Zersplitterung der anthroposophischen Bewegung selbst. Es finden sich Gruppierungen und partikulare Interessen- und Ketzergruppen wie Sand am Meer. Unaufgearbeitete Konflikte und jahrzehntelanges Verschweigen von Konflikten und Widersprüchen kochen heute in aktuellen Blogs hoch, obwohl manche dieser Problemfelder ein oder zwei Generationen früher begründet sind. Nehmen wir als Beispiel die nationalsozialistische Vergangenheit des längst verstorbenen Priesters der Christengemeinschaft, Friedrich Benesch oder die gesellschaftsinternen Konflikte zwischen Marie Steiner und Ita Wegman. Heute mit dem Thema Anthroposophie zu bloggen bedeutet, mit den chronisch unaufgearbeiteten Problemfelder neu konfrontiert zu werden."
zum ganzen Artikel bitte dem oberen Link folgen..
"Die Wucht mancher öffentlichen Auseinandersetzungen erschreckt manchen Blogger, bringt sogar manche ganz zum Verstummen. In der anthroposophischen Szene liegt diese Wucht sicherlich auch an der Zersplitterung der anthroposophischen Bewegung selbst. Es finden sich Gruppierungen und partikulare Interessen- und Ketzergruppen wie Sand am Meer. Unaufgearbeitete Konflikte und jahrzehntelanges Verschweigen von Konflikten und Widersprüchen kochen heute in aktuellen Blogs hoch, obwohl manche dieser Problemfelder ein oder zwei Generationen früher begründet sind. Nehmen wir als Beispiel die nationalsozialistische Vergangenheit des längst verstorbenen Priesters der Christengemeinschaft, Friedrich Benesch oder die gesellschaftsinternen Konflikte zwischen Marie Steiner und Ita Wegman. Heute mit dem Thema Anthroposophie zu bloggen bedeutet, mit den chronisch unaufgearbeiteten Problemfelder neu konfrontiert zu werden."
zum ganzen Artikel bitte dem oberen Link folgen..
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Sonntag, 1. Januar 2012
"Was muss ich vom Ich aus tun, wenn ich eine Meditation mache?"
Der Titel dieses Posts ist eine Frage von Ilse Knauer an Rudolf Steiner. Antwort:
"Nun, nicht wahr, die Meditation besteht aus folgendem: Als moderner Mensch haben Sie jedem Satz gegenüber das Gefühl, Sie müssen ihn verstehen. Das ist eine ausgesprochene Tätigkeit des Ich. Der Intellekt ist nun in der gegenwärtigen Inkarnation (vorherrschend) und alles übrige ist vom Ich zugedeckt, wirkt höchstens traumhaft hinauf und ist unbewusst.
Dagegen heißt nun meditieren: ausschalten dieses intellektuelle Streben und den Meditationsinhalt zunächst so nehmen, wie er gegeben ist, rein, ich möchte sagen, zunächst dem Wortlaute nach. So dass, wenn Sie intellektuell an den Meditationsinhalt heran gehen, Sie, bevor Sie den Meditationsinhalt in sich aufnehmen, ihr Ich in Bewegung bringen, denn Sie denken nach über den Meditationsinhalt, Sie haben ihn außer sich.
Wenn Sie den Meditationsinhalt, einfach wie er gegeben ist, in Ihrem Bewusstsein anwesend sein lassen, dann arbeitet in ihnen nicht Ihr Ich aus der gegenwärtigen Inkarnation, sondern das aus der vergangenen. Sie halten stille den Intellekt; Sie versetzen sich einfach in den Wortinhalt, den Sie innerlich, nicht äußerlich hören, als Wortinhalt hören, in das versetzen Sie sich, und indem Sie sich in das versetzen, arbeitet im Meditationsinhalt Ihr innerer Mensch, der nicht derjenige ist in der gegenwärtigen Inkarnation.
Dadurch aber wird der Meditationsinhalt nicht zu etwas, was Sie verstehen sollen, sondern das real in ihnen wirkt und so real in Ihnen arbeitet, dass Sie zuletzt gewahr werden, jetzt habe ich etwas erlebt, was ich früher nicht erleben konnte: Nehmen Sie einen einfachen Meditationsinhalt, den ich oftmals gegeben habe, "Weisheit lebt im Licht". Nun, nicht wahr, wenn man darüber nachdenkt, kann man darüber furchtbar viel Gescheites, aber ebenso viel furchtbar Törichtes heraus bekommen.
Er ist da, um innerlich gehört zu werden: "Weisheit lebt im Licht". Da passt in Ihnen auf, wenn Sie ihn so innerlich hören, dasjenige, was da ist, nicht aus der gegenwärtigen Inkarnation, sondern dasjenige, was Sie sich mitgebracht haben aus früheren Erdenleben.
Und das denkt und das empfindet, und es leuchtet auf nach einiger Zeit in Ihnen etwas, was Sie früher nicht gewusst haben, was Sie auch nicht aus Ihrem eigenen Intellekt heraus denken können.
Sie sind viel weiter als Ihr Intellekt. Der enthält nur einen kleinen Ausschnitt dessen, was da ist."
___________
Rudolf Steiner, Meditative Betrachtungen und Anleitungen zu einer Vertiefung der Heilkunst, S. 145f.
____________
Ach, Herr Doktor. Was haben Sie jetzt wieder angestellt? Manchmal sieht es aus, als wollten Sie die Leute vorsätzlich verwirren. Nun hatten sich alle wenigstens auf eine relativ klare Vorstellung dessen geeinigt, was Karma sein mag- im Bild eines Zeitstrahls, im Bild einer Determination, im Bild eines logischen und zeitlichen Zusammenhangs eben. Eigentlich ist das, was karmisch sein mag, doch das an uns, was unfrei ist, was an uns klebt wie bei Glücksmarie und Pechmarie. Aber nein, nun sprechen Sie im Begriff gerade das an, was von Determination frei ist und damit ganz gegenwärtig, was den nackten Intellekt übersteigt und was leuchtet. Nebenbei stiften Sie auch wieder Verwirrung mit dem Begriff des Ich. Das Ich ist hier das, was zudeckt. Immer, wenn man Steiner gerade meint, an einem Zipfel erwischt zu haben, schöpft er die Begriffe neu und ungewohnt und zwingt dazu, ihn nicht aus dem, wie man ihn zu verstehen meinte, zu erfassen, sondern frisch, aktuell, aus der Situation heraus. Dann macht das Sinn, was er sagte, nur dann.
"Nun, nicht wahr, die Meditation besteht aus folgendem: Als moderner Mensch haben Sie jedem Satz gegenüber das Gefühl, Sie müssen ihn verstehen. Das ist eine ausgesprochene Tätigkeit des Ich. Der Intellekt ist nun in der gegenwärtigen Inkarnation (vorherrschend) und alles übrige ist vom Ich zugedeckt, wirkt höchstens traumhaft hinauf und ist unbewusst.
Dagegen heißt nun meditieren: ausschalten dieses intellektuelle Streben und den Meditationsinhalt zunächst so nehmen, wie er gegeben ist, rein, ich möchte sagen, zunächst dem Wortlaute nach. So dass, wenn Sie intellektuell an den Meditationsinhalt heran gehen, Sie, bevor Sie den Meditationsinhalt in sich aufnehmen, ihr Ich in Bewegung bringen, denn Sie denken nach über den Meditationsinhalt, Sie haben ihn außer sich.
Wenn Sie den Meditationsinhalt, einfach wie er gegeben ist, in Ihrem Bewusstsein anwesend sein lassen, dann arbeitet in ihnen nicht Ihr Ich aus der gegenwärtigen Inkarnation, sondern das aus der vergangenen. Sie halten stille den Intellekt; Sie versetzen sich einfach in den Wortinhalt, den Sie innerlich, nicht äußerlich hören, als Wortinhalt hören, in das versetzen Sie sich, und indem Sie sich in das versetzen, arbeitet im Meditationsinhalt Ihr innerer Mensch, der nicht derjenige ist in der gegenwärtigen Inkarnation.
Dadurch aber wird der Meditationsinhalt nicht zu etwas, was Sie verstehen sollen, sondern das real in ihnen wirkt und so real in Ihnen arbeitet, dass Sie zuletzt gewahr werden, jetzt habe ich etwas erlebt, was ich früher nicht erleben konnte: Nehmen Sie einen einfachen Meditationsinhalt, den ich oftmals gegeben habe, "Weisheit lebt im Licht". Nun, nicht wahr, wenn man darüber nachdenkt, kann man darüber furchtbar viel Gescheites, aber ebenso viel furchtbar Törichtes heraus bekommen.
Er ist da, um innerlich gehört zu werden: "Weisheit lebt im Licht". Da passt in Ihnen auf, wenn Sie ihn so innerlich hören, dasjenige, was da ist, nicht aus der gegenwärtigen Inkarnation, sondern dasjenige, was Sie sich mitgebracht haben aus früheren Erdenleben.
Und das denkt und das empfindet, und es leuchtet auf nach einiger Zeit in Ihnen etwas, was Sie früher nicht gewusst haben, was Sie auch nicht aus Ihrem eigenen Intellekt heraus denken können.
Sie sind viel weiter als Ihr Intellekt. Der enthält nur einen kleinen Ausschnitt dessen, was da ist."
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Rudolf Steiner, Meditative Betrachtungen und Anleitungen zu einer Vertiefung der Heilkunst, S. 145f.
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Ach, Herr Doktor. Was haben Sie jetzt wieder angestellt? Manchmal sieht es aus, als wollten Sie die Leute vorsätzlich verwirren. Nun hatten sich alle wenigstens auf eine relativ klare Vorstellung dessen geeinigt, was Karma sein mag- im Bild eines Zeitstrahls, im Bild einer Determination, im Bild eines logischen und zeitlichen Zusammenhangs eben. Eigentlich ist das, was karmisch sein mag, doch das an uns, was unfrei ist, was an uns klebt wie bei Glücksmarie und Pechmarie. Aber nein, nun sprechen Sie im Begriff gerade das an, was von Determination frei ist und damit ganz gegenwärtig, was den nackten Intellekt übersteigt und was leuchtet. Nebenbei stiften Sie auch wieder Verwirrung mit dem Begriff des Ich. Das Ich ist hier das, was zudeckt. Immer, wenn man Steiner gerade meint, an einem Zipfel erwischt zu haben, schöpft er die Begriffe neu und ungewohnt und zwingt dazu, ihn nicht aus dem, wie man ihn zu verstehen meinte, zu erfassen, sondern frisch, aktuell, aus der Situation heraus. Dann macht das Sinn, was er sagte, nur dann.
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