"Die Landschaft denkt sich in mir"

"Paul Cezanne, dieser Meister der tiefen, kontemplativen Aufmerksamkeit, bemerkt einmal, er könne auch den Duft der Dinge sehen. Diese Visualisierung der Düfte erfordert eine tiefe Aufmerksamkeit.
Im kontemplativen Zustand tritt man gleichsam aus sich heraus und versenkt sich in die Dinge.

Merleau-Ponty beschreibt Cezannes kontemplative Betrachtung der Landschaft als eine Entäußerung oder Entinnerlichung: "Zunächst versuchte er sich Klarheit über die geologischen Schichten zu verschaffen. Dann bewegte er sich nicht mehr von der Stelle und schaute nur noch, bis ihm die Augen, wie Madame Cezanne sagte, aus dem Kopf heraustraten (..) Die Landschaft, sagte er, denkt sich in mir, ich bin ihr Bewusstsein."
Allein die tiefe Aufmerksamkeit unterbindet die "Unstetigkeit der Augen" und erzeugt die Sammlung, die in der Lage ist, "die umherirrenden Hände der Natur zu verschränken."

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aus: Byung- Chul Han, "Müdigkeitsgesellschaft"

Kommentare

  1. Das Bewusstsein vorausgesetzt,
    dass auch zwischen den nächsten Menschen
    unendliche Fernen bestehen bleiben,
    kann zwischen ihnen ein wundervolles Nebeneinanderwohnen erwachsen,
    wenn es ihnen gelingt,
    die Weite zwischen sich zu lieben,
    die ihnen die Möglichkeit gibt, einander in großer Gestalt
    vor einem großen Himmel zu sehen.

    Rainer Maria Rilke

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  2. Hey liebe ZuL,
    du bist ja lieb!!! Nachbarschaft geht immer!!! Mit Licht Materie Raum & Zeit
    Hauptsache Wirklichkeit, gell.

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  3. Wenn der Sturm sich legt
    tritt Stille ein.
    Eine Stille, die wiegt.

    Die neue Blog-landschaft ist wunderschön!
    Bringt Leichtes, Lichtes
    in Betroffenes.

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  4. „Die Landschaft, sagte er, denkt sich in mir, ich bin ihr Bewusstsein."
    Ich erlebe das andersherum: die Natur ist die große AUFBEWAHRERIN meines Bewusstseins. Ich muss es mir immer wieder neu holen. Wenn ich mir selbst verloren gegangen bin, kann ich mich in der Natur wieder finden, mich wieder entzünden. Dann gehe ich hinaus, am liebsten zum See oder zum Berg und atme, oder wenn es warm ist, lege ich mich auf die Wiese eines bestimmten Hügels und schlafe. Ich gehe nach Hause und spüre - es ist irgendwie anders. Wenn mein Denken klar und stark ist, besuche ich sie und bedanke mich, weil sie so UNENDLICH schön ist. Wenn ich nämlich wirklich erschöpft bin, bedanke ich mich nicht, da nehme ich nur.
    Manchmal reicht der Blick aus dem Fenster.

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  5. Ich denke, Bewusstsein und Lebenskräfte sind zwei Seiten einer Medaille. Der Erholungseffekt von Natur und Mediation ist daher derselbe. Hier treffen sich Bewusstsein und Leben. Man kann das von zwei Seiten her erleben, und man kann es von zwei Seiten her betreten.

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  6. Ich schau auf das Feuer im Kamin und denke - das Leben ist schön!

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