Endstation Dornach

Ja, endlich ist "Endstation Dornach" da- oder vielmehr in Aussicht, das heitere Gemeinschaftsprojekt von Felix Hau, Ansgar Martins, Christoph Kühn und Christian Grauer. In Aussicht deshalb, weil sich erst ein paar Hundert Subskribenten finden müssen, bevor die In-Druck-Legung finanziell möglich ist.

Das Buch beschäftigt sich laut Website damit: "Was kommt heraus, wenn sich vier in ganz unterschiedlicher Weise mit der Anthroposophie verbundene Menschen auf eine Reise begeben, die nur einem Zweck dient: persönlich und gleichermaßen distanziert, so leidenschaftlich wie abgebrüht, aber immer mit großem Spaß und tiefem Ernst über Rudolf Steiner und die von ihm begründete Weltanschauung zu reflektieren und zu streiten?". Da es hier auch eine Leseprobe gibt, - zum Thema Klischee vom typisch anthroposophischen Wohnambiente- kann man einigermaßen abschätzen, was einen erwartet bezüglich des Buches.

Ich finde es witzig, aber nun nicht gerade in der dreckigen englischen Art. Hier herrscht kein anarchischer Monty-Python- Humor, kein Pinscher, der einem ans Bein pinkelt, hier ist der Witz wohl portioniert und meist ein wenig vorhersehbar. Es ist eher so, wie man sich wohl als Sohn milde über sein anthroposophisches Elternhaus mokiert, einschließlich der Schrullen von Mutti. Die Anthroposophie erscheint hier gewissermaßen im Gewande einer neurotischen Anthromutti. Auch die Illustrationen zum Buch sind milde, in sanftem Stil. Vielleicht wird das das eine Problem des Buches sein: Es ist zu brav, um wirklich zu ärgern. Aber erst wenns juckt, kratzt man sich.

Aber warten wirs ab. Es ist ehrenwert, einen ernsthaften Beitrag zum anthroposophischen Humor beigetragen zu haben, denn der ist echt rar gesät. Wir wünschen dem Projekt alles Gute!

Kommentare

  1. Hört sich auf jeden Fall interessant an. In der letzten Info3 war ein längerer Beitrag von F.Hau und A.Martins zu dem Thema, den ich etwas lustiger fand als diese Leseprobe

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  2. Dornach-Arlesheim ist aber gar keine Endstation! Eher wie ein Taubenschlag, wo jeder kommt und geht wie das Leben spielt. Und ne Menge Besuch auch und Durchflug... Hab selten einen unruhigeren Ort erlebt.

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  3. Warum bin ich bloß so wenig überrascht und so überaus gelangweilt von dieser Ankündigung und der Leseprobe? Vielleicht gibt es ja trotzdem 250 sehr anspruchslose Leser, die den fünfen das Geld und damit das Gefühl geben, dass man sich für ihre planlose Sicht der Dinge (sprich Anthroposophie) interessiert. Immerhin hätten wir dann vier Paare glänzender Augen mehr in dieser Welt ☺

    hr

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  4. Sorry, es sind ja nur vier, der Fünfte war sicherlich eine Einbildung :-)

    hr

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  5. Lieber Horst, vermutlich werden mit solchen Büchern auch persönliche Traumata als Kind anthroposophischer Eltern aufgearbeitet. Das gibts in jeder Szene- von Punkerkindern bis hin zu Erben grosser Vermögen, am schlimmsten aber sicherlich in Psychologen- und Lehrerfamilien. Bei Anthros und Ökos liegt es meist an dem Problem, vor lauter korrekten, wohlmeinenden und dennoch einengenden Verhältnissen zu viel zu kriegen.

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  6. "... vermutlich werden mit solchen Büchern auch persönliche Traumata als Kind anthroposophischer Eltern aufgearbeitet."
    Damit dürftest du sicher nicht so falsch liegen, und ich hab' auch volles Verständnis dafür, wenn sich dann ein gewisser Frust Bahn bricht. Vielleicht ist ja mit den - wie ich vermute - 300 Seiten umfassenden Plattitüden all denjenigen tatsächlich ein wenig geholfen, die in eben solchen Familien groß geworden sind, in denen sich Anthroposophie allein in diesen Merkwürdigkeiten erschöpfte, wie sie (zumindest in der Leseprobe) in künstlerisch recht anspruchsloser Weise (wahrscheinlich ebensolchen anspruchslosen und schlichten Gemütern entsprungen) aneinandergereiht wurden.

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  7. Das mit den "anspruchslosen .. Gemütern" ist sicherlich eine falsche und überflüssige Einschätzung. Ich teile sie überhaupt nicht. Das Buch behauptet auch nicht, tiefsinnige Neueinschätzungen der Anthroposophie vorzunehmen; es ist Satire.

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  8. "Das mit den "anspruchslosen .. Gemütern" ist sicherlich eine falsche und überflüssige Einschätzung."

    Das kommt darauf an, Michael, worauf man das "anspruchslos" bezieht. Insofern ist es eine Sache des Standpunktes, inwiefern das eine falsche oder richtige Einschätzung ist. Es gibt übrigens auch recht anspruchslose, für schlichte Gemüter gestrickte Satire.

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  9. Sich belustigen über anthroposophische Schrullen, das finde ich gut. Die Ankündigung aber, dass es um Menschen geht, die sich über die anthroposophische Lehre streiten......sollte das so sein, die zeugt von Kleingeistigkeit. Es gibt nämlich nur eine Wahrheit und über die kann man nicht streiten, wenn auch noch so nett. Es handelt sich dann eher um Egomanismus im Sinne von wer hat Recht. In diesem Fall also ein Buch zu viel.

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  10. "über die anthroposophische Lehre streiten" - das ist schlecht möglich, da es keine anthroposophische Lehre im Sinne eines Katechismus gibt. Es gibt nicht einmal fest definierte Begriffe bei Steiner. Selbst ein Begriff wie das "Ich" wird von Steiner in immer neuen, verwirrenden Zusammenhängen benutzt. Er gibt Anregungen für einen individuellen Schulungsweg, mehr nicht. Allerdings hat es in den sozialen Zusammenhängen die seltsamsten Traditionen und Dogmen gegeben, die allzu menschlich sind, die man aber ruhig auf die Schippe nehmen kann.

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  11. Sagt einmal: gibt es das Buch eigentlich wirklich?

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  12. Noch nicht, AUI. Geplanter Erscheinungstermin ist Frühsommer 2011. Wir brauchen noch einige Subskribenten, um die Druckkosten vorfinanzieren zu können.

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  13. " ‚über die anthroposophische Lehre streiten’ - das ist schlecht möglich, da es keine anthroposophische Lehre im Sinne eines Katechismus gibt.“

    Das kommt darauf an, streiten kann man schließlich sehr wohl über das, was jemand z. B. von einem bestimmten Standpunkt aus behauptet zu sehen, und wenn dann jemand anderes behaupten würde, er sähe vom gleichen Standpunkt aus etwas völlig anderes, so liegt doch mindestens einer von beiden falsch. Schließlich es ist doch selbstverständlich, dass zwei Menschen vom gleichen Standpunkt aus, mit dem jeweils gleichen (intakten) Wahrnehmungsorgan, die gleiche Wahrnehmung haben müssen. Insofern gilt es schon, herauszufinden, wo die Ursache für sich diesbezüglich widersprechende Aussagen liegt.

    „Es gibt nicht einmal fest definierte Begriffe bei Steiner. Selbst ein Begriff wie das "Ich" wird von Steiner in immer neuen, verwirrenden Zusammenhängen benutzt.“

    Das, was Steiner in seiner Anthroposophie beschrieben hat, das hat er nun einmal (und sicher nicht grundlos) von den unterschiedlichsten Gesichtspunkten/Standpunkten aus beschrieben bzw. charakterisiert (Definitionen hielt er ja für eher hinderlich, weil zu starr). Demzufolge braucht es nicht sonderlich zu verwundern, dass seine Aussagen zum „Ich“ variieren.  Selbst im Physischen ist das bekanntlich so, unterschiedliche Standpunkte bringen immer unterschiedliche Ansichten ein und desselben Dinges mit sich, einzige Ausnahme ist die Kugelform.

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  14. PS: das mit der Kugel stimmt übrigens nicht. Je näher man dran geht, desto weniger sieht man von ihr!

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  15. Huiii, es wimmelt hier ja nur so von "Autoren" :-))

    "Je näher man dran geht, desto weniger sieht man von ihr!"

    Stimmt, das ist wie mit dem Brett vorm Kopf, das sieht man meistens auch nicht, weil es so dicht dran ist.

    Nur, lieber Herr Grauer, darum ging es hier nicht, es ging mir um die Kugel-FORM, die kann man eben nur in einem angemessenen Abstand von einer Kugel wahrnehmen und diese FORM verändert sich dann eben nicht, egal aus welcher Perspektive man sie anschaut. Jetzt verstanden?

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  16. Doch, Horsti, wenn man drauf steht sieht sie aus wie 'ne Scheibe!

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  17. Lieber Horst, das Interesse liegt wohl daran, dass diese meine Besprechung bei der Autorenseite auf Facebook verlinkt ist. "Das kommt darauf an, streiten kann man schließlich sehr wohl über das, was jemand z. B. von einem bestimmten Standpunkt aus behauptet zu sehen, und wenn dann jemand anderes behaupten würde, er sähe vom gleichen Standpunkt aus etwas völlig anderes, so liegt doch mindestens einer von beiden falsch."

    Das Problem entsteht aber eher wegen verschiedener Standpunkte. Nicht jeder ist geschult in der hohen Kunst (von Steiner empfohlen), Sachverhalte möglichst von 12 verschiedenen Standpunkten anzuschauen, um die ganze Potenz eines Begriffs zu erfassen. Um es kurz zu machen: Eine breite Diskussions- Basis zu anthroposophischen Themen ist heute eine Tatsache. Es gelingt der AAG nicht, die Diskutanten einzubinden - sie versucht es auch kaum- wodurch sie des Diskurses auch entwöhnt erscheint. Stattdessen herrschen eher Ausgrenzung, Ignoranz und Selbstbezüglichkeit vor- auf erschreckend dünner personeller und finanzieller Basis.

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  18. ein.zig.artig an einer kugel ist nur die idee der kugel!

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  19. Lieber Herr Grauer, bitte, bitte, so schwer ist das doch gar nicht. Es geht darum, dass Sie, wenn Sie, egal aus welcher Perspektive, auf eine Kugel schauen, immer die gleiche Form sehen, die gleiche Wahrnehmung haben. Nun sollte es aber klappen, mit dem Verstehen, geben Sie sich mal etwas Mühe.

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  20. „Es gelingt der AAG nicht, die Diskutanten einzubinden - sie versucht es auch kaum-“

    Es kann auch nicht gelingen (bei den Leuten zumindest, die ich vor Augen habe) und wenn man das klar sieht, dann sollte man auch keine unnütze Mühe darauf verwenden, es zu versuchen.
    Ich weiß jetzt nicht, wen du alles im Blick hast. Ich jedenfalls habe als exemplarisches Beispiel den Zander vor Augen. Sag mir doch einmal, wie es gelingen soll, so eine (sorry, wenn das jetzt despektierlich klingt) Oberpfeife, die von Tuten und Blasen im Hinblick auf die Anthroposophie keine Ahnung hat, in irgendeine vernünftige Diskussion einzubinden. Der Mann hat sich doch anscheinend nie die geringste Mühe gemacht, sich mit den Inhalten der Anthroposophie irgendwie ernsthaft auseinanderzusetzen. So ist es aber meiner Erfahrung nach mit allen Oberschreihälsen. Ich sage nur ein Wort: Lichte! Welch ein Widerspruch, sobald der irgendwo auftauchte, wurde es richtig finster. Oder nehmen wir sogar unser Autorenquartet. Die sind offensichtlich und tragischerweise an ihrer anthroposophischen Endstation angekommen. Wenn deren Beschäftigung mit Steiner und seiner Anthroposophie in so etwas wie dem geplanten Buch gipfelt, dann müssen einem doch die Tränen des Mitleids kommen. Worüber soll man da denn diskutieren. Du siehst, so kann man die Dinge auch sehen.

    Wenn ich mich jetzt auf den Standpunkt besagter Diskutanten stelle und ihre Äußerungen betrachte, was sehe ich dann von der Anthroposophie? Nichts, absolut nichts, denn diesen Leuten spricht Steiner genau von nichts, weil sie nur Vokabeln lesen, die sie nicht mit Leben füllen können, die für sie keinerlei Bedeutung haben. Du siehst, wie sich die Angelegenheit für mich darstellt. Ich würde ganz wie die AAG auch keinen Finger krumm machen, um solche Leute ins Boot zu bitten. So ein Boot kann auf Dauer nur absaufen ob der geballten, selbstgefälligen Ignoranz solcher Zeitgenossen.

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  21. @ Horst
    "Ich würde ganz wie die AAG auch keinen Finger krumm machen, um solche Leute ins Boot zu bitten".
    Nein, das würde ich auch nicht tun. Stattdessen könnte man aber, wie ich es jetzt getan habe, das Buch vorbestellen um dann letztendlich definitiv entscheiden zu können: Wer hat recht? Was ist Wahrheit? Was hat es mit der Kugelform auf sich?

    In der anthroposophischen Szene mehren sich jedenfalls die Gerüchte, dass mit dem geplanten und umstrittenen Buch nicht nur diese, sondern auch fast alle (!!) anderen wichtigen Fragen bezüglich der Erkenntnis höherer Welten, Wesen, Wandtafelzeichnungen (einschließlich der karmischen Hintergründe von Wibke Reinstein) für immer beantwortet werden.

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  22. Wenn man nicht richtig wach ist, dann projiziert der eigene Intellekt eine FataMorgana an den eigenen geistigen Horizont und läuft ihr hinterher, befeuert vom eigenen Wissen, das man glaubt durchdrungen zu haben.
    Wer angesichts der Anthroposophie in Satire verfällt, hat da in meinen Augen etwas nicht erfasst und wer spottet schon gar nicht. Wirklich auseinanderhalten sollte man allerdings auch Werke von "Anthroposophen" und die bildende Substanz der Anthroposophie.
    -------------------

    @ Rainer

    "In der anthroposophischen Szene mehren sich jedenfalls die Gerüchte, dass mit dem geplanten und umstrittenen Buch nicht nur diese, sondern auch fast alle (!!) anderen wichtigen Fragen bezüglich der Erkenntnis höherer Welten, Wesen, Wandtafelzeichnungen (einschließlich der karmischen Hintergründe von Wibke Reinstein) für immer beantwortet werden."

    Glaubst Du das wirklich? Was sind Gerüchte? Oder meinst Du das ironisch?

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  23. Ich glaube, wir nehmen die Debatte hier noch ins Buch auf. Dann kann jeder sofort nachvollziehen, wie wir auf die Idee gekommen sind, es zu schreiben ;-).

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  24. ... es wankt das Steiner-Bild,
    es wankt das Gottes-Bild:

    "Die Wut auf einen ungerechten Gott"

    http://www.focus.de/wissen/bildung/theologie/religion-die-wut-auf-einen-ungerechten-gott_aid_584402.html

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  25. @ Manroe

    Ich glaube fast alles, was ich lese.

    Ob es sich nur um Gerüchte oder um geisteswissenschaftlich relevante Erkenntnisse (wovon ich ausgehe) handelt, wird man sehen, wenn das Buch endlich erscheint.

    Immerhin hat schon die bloße Ankündigung des Buches Holger Niederhausen zu einem spontanen und heiter-gefühlvollen Mini-Mysterien-Drama inspiriert ("Endstation Ironie" auf seiner Website) wo es (endlich) die ERSTE UND EINZIGE SEXSZENE gibt, die HN in seinen zahllosen (etwas anstrengenden) Aufsätzen publiziert hat ("...und natürlich das Vögeln auf der Waschmaschine nicht zu vergessen...", weiter unten im Text). Danke, Holger Niederhausen! Alleine diese Geschichte rechtfertigt m.E. das umstrittene Buchprojekt.

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  26. @ Rainer Herzog
    „Stattdessen könnte man aber, wie ich es jetzt getan habe, das Buch vorbestellen …“

    In jedem Fall eine gute Tat. Ich erinnere an die glücklich glänzenden Augen, zu denen man beiträgt. Ich für meinen Teil schwanke noch, denn die Autoren haben alle ihre Perlen der Weisheit bereits in ihrer langjährigen Internet- und Info3-Laufbahn verschwenderisch unter das Volk gebracht, so dass das Buch für mich nicht wirklich Neues zu bieten hätte.

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  27. @ Volker

    "ein.zig.artig an einer kugel ist nur die idee der kugel!"

    Und wie kommt man wohl auf diese Idee?

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  28. Dank Rainer Herzog habe ich mir gerade "der Tragödie zweiter Teil" von Holger Niederhausen durchgelesen. Ich sage nur: gekonnt!
    Wenn dieser Text mit in das Buch, sozusagen als Abspann übernommen würde, das würde die Verkaufszahlen sicher nach oben treiben.

    http://www.holger-niederhausen.de/index.php?id=646

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  29. Meine Lieben,
    ich habe eure obigen Kommentare gelesen und weiss jetzt: im nächsten Leben werde ich mindestens eine Klinik gründen. Weil:
    a) Das kann ja eigentlich jeder
    b) Der Mensch geht erst ab dem Kreativen los
    c) Der Horst sollte sich schwer überlegen, ob er sich bei mir bewerben will. Wenn es dann soweit ist, werde ich ihn hinsichtlich meiner Wertvorstellungen und allem anderen ausbilden, indem ich ihn links liegen lasse, bis er alles von selbst kapiert hat. Das ist sicher die kostengünstigste Variante, oder seine katholischen Eltern finanzieren ihn, dann brauch ich das nicht mehr tun. Wahrhaft unternehmerisches Denken!!! Die kostenpflichtigen Kurse kann er ja an meinem Institut nehmen.

    Was ist eigentlich Satire? Mit mir redet ohnehin jeder so, überall. Früher zumindest.

    Sexszene find ich gut, solang die Leute darin Masken tragen, damit ich nicht weiss, wer es ist. Oder ich übertrage das Ganze dann auf meine Personalabteilung, weil das mit Sicherheit die dort oft herrschende Stimmung etwas lockern wird. Schliesslich will man sich dort wohlfühlen.

    Und ausserdem glaub ich euch das nicht, dass ihr das Buch wirklich veröffentlichen wollt. Ihr wollt mich blos wiedermal herauslocken, damit ich ich preisgebe, und dann wird wieder nix. Zum Davonlaufen ist das!

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  30. Warum macht eigentlich der Gronbach nicht mit bei der Lästerrunde?

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  31. "Sexszene find ich gut, solang die Leute darin Masken tragen.." Was genau hat das jetzt mit Dornach zu tun?

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  32. :-) Was für eine "erhellende" Diskussion zum Jahresanfang!
    Fehlt nur noch mein Senf:

    Ich stimme Volker zu:
    "ein.zig.artig an einer kugel ist nur die idee der kugel!"

    Und zu Horsts Frage
    "Und wie kommt man wohl auf diese Idee?":

    Nun - sehen wir uns erst einmal einen Würfel an. Da gibt es sechs grundverschiedene Standpunkte, von denen aus wir den Eindruck eines Quadrates haben, acht ebenso verschiedene Standpunkte, von denen aus wir auf die Spitze eines Tetraeders, acht andere, von denen aus wir auf die Kante eines dreieckigen Prismas zu blicken meinen… auf die Idee des Würfels kommen wir erst durch eine "Zusammenschau" all dieser Aus- und Ansichten, und zwar gerade wegen ihrer Verschiedenheit.

    Mit einer Kugel haben wir es da nicht etwa leichter, sondern noch schwerer - denn da gibt es unendlich viele Standpunkte, von denen aus sie sich uns als Kreis präsentiert. Und dennoch würden wir uns täuschen, wenn wir nun sagen wollten, eine Kugel ist ein Kreis…

    Daraus schließe ich einerseits: mit den normalen Wahrnehmungsorganen, wie "intakt" auch immer sie sein mögen, wird es wohl nicht gelingen, das Wesen einer Sache vollständig zu erfassen.
    Und andererseits: die Unterschiedlichkeit der Ansichten sollte kein Hindernis sein, sie ist im Gegenteil ein Hilfsmittel auf dem Weg der Erkenntnis.

    @ Felix: komme ich jetzt etwa auch ins Buch? :-)

    Herzlichen Gruß rundum!
    Ingrid

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  33. "... aber nun nicht gerade in der dreckigen englischen Art. Hier herrscht kein anarchischer Monty-Python- Humor, kein Pinscher, der einem ans Bein pinkelt,..."

    Wie schade!

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  34. Liebe Ingrid,
    „Und andererseits: die Unterschiedlichkeit der Ansichten sollte kein Hindernis sein, sie ist im Gegenteil ein Hilfsmittel auf dem Weg der Erkenntnis.“
    Wenn es auf dieser aufgeschlagenen Seite einen Lichtblick gibt, dann bist Du das für mich (auch wenn wir nicht immer derselben Meinung sind).
    Zum Buch: ich finde das alles unendlich langweilig. Das lay-out des Buches, die Leseprobe - vielleicht war das eine unglückliche Wahl – ich höre nur nichtssagendes Gerede. Das Aneinanderfügen dieser Überfülle an belanglosen, blutleeren Worten und Begriffen. Man spürt das Bemühen komisch wirken zu wollen, Steiner wird zu einem schrulligen Onkelchen. Außer peinlich fällt mir dazu nichts ein. Irgendwie kommt es mir wie ein Kindergartenbuch vor und erinnert mich an Gartenzwerge. Ich finde so etwas schlichtweg traurig. Erst Gronach und dann das.

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  35. In den Zeiten, als ich mich begann, mit der Anthroposophie zu beschäftigen, und gleichzeitig dazu auch in anthroposophischen Einrichtungen mitarbeitend dem äußeren Habitus "des Anthroposophischen" :-) zwangsläufig begegnete, war ich fasziniert vom Arbeitsklima. Es war das, was man heutzutage als "harmoniesüchtig" im Extremfall bezeichen würde. Aber es tat mir wohl, nachdem ich zuvor lange Zeit den derberen Ton der "konventionellen" Arbeitswelt kennen und fürchten gelernt hatte. Ich war noch jung und für alles offen. Wollte nicht gleich nörgeln.
    Es blieb nicht aus, daß ich -manchmal- ein wenig neidisch wurde auf Menschen, die -etwa- ein anthroposophisches Elternhaus biographisch "ihr Eigen" nennen durften. Da ein bißchen 'Neid' den Blick schärft, als Vorstufe tiefergehenden Interesses, schaute ich damals zwangsläufig genau hin. So sah als so "die richtige" und menschengerechte Inneneinrichtung und Wohnstubenkultur aus? Da begann eine innere Unruhe in mir. Gesund war das ja bestimmt, um halb zehn abends zu Bett zu gehn... Mir wurde mit den Jahren klar, daß ich in diese Äußerlichkeiten nicht hineinschlüpfen konnte, und das auch nicht brauchte. Sich etwas überstülpen behindert. Innerlich und äußerlich.
    Es muß alles aus einem selbst heraus wachsen. Sonst wird der Mensch krank, sogar gespalten.
    Man könnte ein Wachsfigurenzimmer anfertigen, mit diesem Buch als Vorlage, bei Madame Tussauds. :-)
    Das ist es, worauf es hinausläuft. Das Buch hat sicherlich etwas mit dem Ablegen einer alten Haut zu tun. Die Auflistung des Zubehörs eines Modells.
    In einer Vorlesung hörte ich mal, lang nach meiner Zeit in "Anthroposophistan", einen Soziologieprofessor sagen: "Und hüten Sie sich vor Leuten mit Zwergenfiguren im Garten! Die tendieren zur Verniedlichung und Verharmlosung ihres Umfeldes, sind aber selber nicht so harmlos, tiefenpsychologisch besehen." Nun, der "Homo Anthroposophistanicus" hat die Zwerglein nicht im Garten..
    Lieben Gruß :-)
    mischa butty

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  36. Meine Vermutung ist, dass in der anthrop.Welt Praxis und Selbsterfahrung einfachen fehlen. Ich habe den Eindruck, dass unendliche Mengen an Information angehäuft werden, man streitet höchstens darüber, ob man sie auch „richtig“ abgestellt hat und merkt gar nicht, dass man sich mit dem Gerümpel den Zugang zum Leben versperrt. Es ist dadurch kein Raum mehr zum Atmen da.
    Ich weiß, das viele den Gartenzwerg nicht im Garten stehen haben, er ist gut verinnerlicht.
    Glücklicherweise gibt es Ausnahmen,
    ums mit Rilke zu sagen:
    …….die Möglichkeit gibt, einander in großer Gestalt vor einem großen Himmel zu sehen.

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  37. Ich brauch das anthroposophische Umfeld, um harmonisch arbeiten zu können. Gesundes Essen, Rhythmen u.Ä. sind anderswo nicht durchzuhalten, der innere Schweinehund kommt dann durch. Ohne gelebte Anthroposophie wollte ich zu keiner Zeit leben, niemals.
    Es ärgert mich sogar ziemlich in Dornach zu wohnen, aber gleichzeitig nur mit einem Hobbyjob, der das Bedürfnis nach allgegenwärtiger Nähe doch nicht ausfüllt, und darüber hinaus auch in finanzieller Hinsicht vollkommen unzureichend ist. Das sieht für den oberflächlichen Beobachter aus als wäre alles da, was ich bräuchte.
    Bis auf den heutigen Tag komme ich mir nicht vor, einen Platz im Leben gefunden zu haben.

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  38. @ZuL: "Meine Vermutung ist, dass in der anthrop.Welt Praxis und Selbsterfahrung einfachen fehlen." Mir scheint, Du schwächelst. "Anthrop.Welt" ist doch nur ein Pseudonym für ein generelles Urteil, um sich irgend wie positionieren zu können- also auch ein Generalplatz. Wenn man auf den Marktplatz geht, hört man die Marktschreier. In den stilleren Gassen hört und sieht man anderes.

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  39. Liebe ZuL,

    :-) danke für den "Blumengruß", den ich hiemit erwidere… und da bin ich aber froh, daß Du nicht in allem meiner Meinung bist!
    Vor allem den Tetraeder und das dreieckige Prisma würde ich gern zurücknehmen, da ist meine Phantasie ein wenig übers Ziel geschossen… was ich meinte: es gibt jeweils acht verschiedene Standpunkte, von denen ein Würfel "gleich" aussieht, und dennoch sieht man von keinem dieser Standpunkte den ganzen Würfel und auch nicht einmal dasselbe Eck/dieselbe Kante wie von einem der anderen Standpunkte.

    Und ja, Du hast natürlich recht: da ist vieles traurig. Ich glaube, ich begreife Dich gut. Denn erst vor ein paar Jahren war ich wohl in einer ähnlichen Lage wie Du - vor kurzem mit der Anthroposophie in Berührung gekommen, und dann beim Versuch, mir ein Bild zu machen, nicht nur auf "Gold", sondern auch auf diverse Fundamentalisten, streitbare Mißversteher, Verwässerer und natürlich auch noch auf etliche "Gartenzwerge" gestoßen... es ist ein seeeehr weites Feld. Und Versuche, "Saalschlachten" wie diese hier mit Humor zu nehmen, gab es offenbar immer wieder.

    Wie Michael weiter oben gesagt hat: vermutlich werden mit solchen Büchern auch persönliche Traumata als Kind anthroposophischer Eltern aufgearbeitet.
    Ja, das ist auch mein Eindruck. Ich kenne selber einen derart "Traumatisierten", und gerade die Bekanntschaft mit ihm hat mich viele Jahre lang abgeschreckt, mich überhaupt mit Rudolf Steiner zu befassen.

    Aber weder Gartenzwerge noch wachsfigurenkabinettartige Wohnzimmer (die ich allerdings bisher noch nie selber gesehen habe) noch sonstige traurige oder unfreiwillig komische Mißverständnisse können mich inzwischen davon abhalten, Rudolf Steiner zu lesen und meine Freude daran zu haben, mich immer wieder auch mit anderen darüber auszutauschen.

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  40. (Zweiter Teil)
    Liebe ZuL,
    Du hast "den Eindruck, dass unendliche Mengen an Information angehäuft werden, man streitet höchstens darüber, ob man sie auch „richtig“ abgestellt hat und merkt gar nicht, dass man sich mit dem Gerümpel den Zugang zum Leben versperrt." Ich gebe Michael recht, das ist eine unzutreffende Verallgemeinerung. In "stilleren Gassen" findet man auch ganz anderes.
    Dennoch: in etlichen Fällen, vor allem in solchen auf dem "Marktplatz", wird es wohl so sein, wie Du sagst.
    Aber das ist meiner Ansicht nach nicht in erster Linie ein Problem der Anthroposophie, sondern ganz allgemein eine leider weitverbreitete üb-liche Art und Weise, wie Menschen mit den sie beeindruckenden Erkenntnissen anderer Menschen umgehen: "Ah, wie schön, da ist ein "Weiser" - ich brauche mich nun nur noch nach jedem einzelnen seiner Worte zu richten, und schon lebe ich richtig und brauche mir nicht die Mühe machen, irgendetwas selbst herauszufinden…" --- naja, und so geht es heutzutage nunmal nicht, in keinem "System". Wie Mischa sagt: "Es muß alles aus einem selbst heraus wachsen. Sonst wird der Mensch krank, sogar gespalten."

    Man könnte sicherlich einiges von Rudolf Steiner dazu zitieren - aber ich enthalte mich und schreibe lieber eine Passage ab aus einem Buch, das nicht aus der "anthroposophischen Ecke" kommt und das ich allen wärmstens empfehle (selbst denjenigen, die ihre Brille auch in Zukunft gern auf der Nase behalten möchten):

    Mein Lehrer hat mir oftmals wiederholt: "Füttere mich nicht mit Gift, indem du fremde Aussagen wiederholst." In Europa ist es üblich, "unter dem Schutz großer Weiser" zu sprechen, das heißt, sie zu zitieren.
    Im Osten gilt das als unfein, weil ein Zitat, das durch das Bewusstsein des Sprechers geschleust wurde, eine Second-Hand-Information ist. Jede Speise, die durch den Magen verdaut wird, hat die Tendenz, ihr Wesen zu verändern.
    Sollten Sie nicht meiner Meinung sein, essen Sie ein Stück einer köstlichen Torte, warten Sie, bis sie verdaut ist, und versuchen Sie, das Stück nochmals zu essen. Genau das ist ein Zitat.
    Und, haben Ihnen Geruch und Geschmack zugesagt?
    Mein Guter! Der Seelenflug in den Vierzeilern Omar Chaj-jams über die Liebe und Ewigkeit und seine Gefühle sind nur wahr, wenn sie aus seinem eigenen Mund stammen.
    Ist das klar?

    Mirsakarim Norbekow, Eselsweisheit

    :-) Auch wenn das natürlich doch wieder ein Zitat ist - ich hoffe, Geruch und Geschmack haben Euch allen dennoch zugesagt!

    Lieben Gruß,
    Ingrid

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  41. ..'Anthrop.Welt' ist doch nur ein Pseudonym für ein generelles Urteil, um sich irgend wie positionieren zu können- also auch ein Generalplatz. Wenn man auf den Marktplatz geht, hört man die Marktschreier."
    Sowas ähnliches wollte ich auch posten, aber ich fand die Worte nicht, und ließ es dann..
    Aber Norbekows "Eselsweisheit" werde ich in meinen Gedächtniskanon aufnehmen. Danke Ingrid!
    Auf solche Weise "darf man" gewiß zitieren, oder? :-)

    Die Vereinnahmung eines Zitates, innerhalb des noch unfertigen Gedanken, der eine Öffentlichkeit miteinbezieht, auch reglementierend, ist da wohl gemeint, wenn das Unverarbeitete zum Halse heraus..?
    Ich habe immer versucht, manches mit Gelesenem im Erlebnis übereinstimmendes dann in eigenen Worten darzustellen. Hier besteht dann widerrum die Gefahr, sich selbst zum Beispiel zu machen, statt die destillierte Einsicht zu vermitteln..:-)
    LG
    mischa butty

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  42. Wenn ich die stilleren Gassen nicht kennen würde, wäre ich mit der Anthroposophie nicht weitergegangen.
    Da Du kein Marktschreier bist, sondern in diesen Gassen zu finden bist, bin ich hier auf diesem blog.
    Klar versuche ich das, was mir begegnet zu beurteilen, einzuordnen. Ich möchte mich umsehen, mir anhören, möchte anfühlen, was mir begegnet und möchte schrittweise herausfinden, wem ich mich annähere, worauf ich mich einlasse. In meinen Grenzen versuche ich plakatives Urteilen zu vermeiden, deshalb habe ich „ich habe die Vermutung“ verwendet. Diese ist nicht unbegründet.
    Ich lasse in Zukunft den Begriff „anthrop.Welt“ weg.
    „glücklicherweise gibt es Ausnahmen“ – kann sein, dass diese häufiger gesät sind, als mir bekannt ist.

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  43. Liebe Ingrid, lieber Michael

    "vermutlich werden mit solchen Büchern auch persönliche Traumata als Kind anthroposophischer Eltern aufgearbeitet."

    Das ist auch in meinen Augen sicherlich richtig. Aber keineswegs mehr, wenn ich mir gestatte, es tiefer anzuschauen. In meinen Augen hat es absout überhaupt nichts mehr mit Aufarbeitungen von welchen Traumata auch immer zu tun, sondern da spricht höchst bewußt und präzise gezielt eine Geisteshaltung, die ich hier nicht genauer beschreiben möchte. Der gute Herr Niederhausen hat es in seiner Betrachtung ja hinreichend künstlerisch!!!! bereits getan. Und man sollte dies auch nicht schönreden, sondern durchaus benennen was es ist, was sich da kundtut. Die beste und menschlichste Variante die mir dazu entgegenkommt wäre aufrichtiges Mitleid, da sie die Tücken ihres benutzten Intellekts offenbar nicht mitbekommen (wollen), bei dieser "Auftragsarbeit" einer noch höherer Intelligenz.

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  44. Ach ja, die Dämonen Anderer! Nichts für ungut, aber derlei Ver- Urteilungen Anderer zementieren stets den eigenen, überlegen vorgestellten eigenen Standpunkt. Das ist - ob gerechtfertigt oder nicht- überheblich und entspricht der Beschreibung dessen, was R. Steiner als "luziferisch" beschrieb. Dämonen, die man zu sehen meint, verdecken oft die eigene Schwäche. Ich finde, man sollte bei sich selbst anfangen und das Sturmgewehr lieber zurück halten.

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  45. Das "Dornach/Waldorf"-Kabinett at Madame Toussauds, das ginge in etwa so:
    Auf dem Naturlack-Parkettboden gewebte Stoffteppiche, darauf die spielenden Kleinkinder mit den gesichtlosen Waldorfpuppen unter einem Mobile aus Wollwatteschäfchen, der Hausherr dabei am Schreibtisch am runden Fenster mit halbgeschlossen Augen Nebenübung machend, er trägt weißen Wollkragenpullover und darüber noch sein Schurwolljackett, weil er gerade von einem Vortrag nachhause kam, im Nebenzimmer eine AuPair-Eurythmie-Studentin, als Hausmädchen fungierend, die zur Wäsche der Hausherrin sich zwischendurch mit dem Wasserspritzer ihr seidenes weinrotes Eurythmiekleid schnell bügelt, mit dem auf dem Hinterkopf gerafften "eurythmischen Haardutt", in der Küche die beschürzte Hausherrin, das haferne Nachtmahl bereitend, den Reformhaus-Speisezettel schreibend für den morgigen Tag, im Kinderzimmer ein älterer Knabe samt Schwester auf Leiern musizierend, vor dem Notenständer sitzend, die Wände alle in unaufdringlich bunten Pastellfarben, zart ineinander übergehendes Farbenspiel, matt aquarelliert, usw. ihr wißt schon..
    Man könnte das weiter detallieren, und ich komme mir dabei eher schäbig als heiter vor, wenn ich das beschreibe. Denn erstens hatte ich keine Waldorfkindheit innert einer Anthrodynastie, zweitens eben wegen der Pauschalisierung in solcher Aufzählung.
    So könnte man bei Madame Toussauds auch den typischen "Müslimän" der 80er mit gemustertem Schurpullover und dem damals üblichen Hirtenbombel-Zipfelmützchen, Vollbart selbstverständlich, mit langem Haar, ein Liebes-Zöpfchen darin eingeflochten, hinsetzen..
    Oder eine Punk-WG, mit Bierkasten und Rattenterrarium und SprayGrafittiKunst an den Wänden usw.
    Es drücken sich in alledem erst im Nachhinein die Merkmale einer in sich abgegrenzten Randgruppe gegen die etablierte Norm aus. Zuerst war der Versuch, etwas anders, neues zu leben, sich etwa mit alternativen Produkten zu kleiden, zuerst war auch Freude dabei, soviel anders zu machen..
    Wer in einer solchen Familie aufwuchs, der darf m.E. auch feixen darüber! :-) Es ist, wie die typischen "Anthrowitze", über die keiner lachen muß, außer eben denjenigen, die schon mal in der Dornacher Klassik lebten oder in Camphill mithalfen, eben ein Insiderbuch.
    Ja, vielleicht wird einmal dieser Lebens-Stil ganz neutral als Dornacher Klassik bezeichnet werden können. ;-)
    LG, m.butty

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  46. Kann ich durchaus verstehen, Michael, aber wo beginnen dann Deiner Ansicht nach Aussagen, die man machen können "dürfen" sollte, und welcher Art sollten sie sein und wo sollten sie enden und warum? Oder sollte ich nur auf meinen Stil achten, um mich selbst zu betrügen, weil ich nicht mitbekommen möchte, dass ich dann nur verpacke?

    Und wenn ich mein Sturmgewehr bereits begraben habe, was mache ich dann? Ich erlebe mich diesbezüglich hier nicht als überheblich, sondern ich habe noch Werte und die möchte ich nicht beschmutzen lassen, im ziemlich genau entgegengesetzten Sinne wie in jenem Buch beschrieben, wenngleich ich sehr gut nacherleben kann, was in denen so vorgeht, deshalb ja.

    "die man zu sehen meint,..." Und was sagst und meinst Du dazu? Wäre das nicht auch irgendwie, ein wenig zumindest, überheblich? Lassen wir unsere Aussagen doch nebeneinander stehen. Ich verstehe Dich durchaus und ich denke Du mich auch. Aber ich sags trotzdem.

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  47. Ich habe mal versucht zu Ende zu denken diesen bekannten Ratschlag: "...man sollte bei sich selbst anfangen ---" Und alle täten es, alle. Was siehst Du dann? Wie geht es weiter?

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  48. Meine "Werte" bestehen vor allem darin, dialogfähig zu bleiben. Ich bin selbst ausgesprochen jähzornig und versuche, damit umzugehen. Andererseits besteht meine "Schulung" berufsbedingt darin, die Entwicklungs- und Entfaltungschancen junger Menschen zu sehen- und nicht die Defizite bei z.B. delinquenten oder sonst wie auffälligen Schülern aufzulisten. Es geht um Bewegung, nicht um Zement, den man sich selbst an die Füße gießt. Das ist eine Bemühung und eine Haltung. Es gelingt mir überhaupt nicht durchgängig, das durchzuhalten.

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  49. "ch habe mal versucht zu Ende zu denken diesen bekannten Ratschlag: "...man sollte bei sich selbst anfangen ---" Und alle täten es, alle. Was siehst Du dann? Wie geht es weiter?" Man kann überhaupt nichts von Anderen verlangen. Man fängt einfach an. Auf das Urteilen möglichst zu verzichten, ist aber keine schwache Position, ganz im Gegenteil. Das Anfangen ist die Stärke des Ich.

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  50. Indem wir uns ausdrücken können wir uns auch wieder selbst betrachten und dadurch die eigenen Filter besser kennenlernen.

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  51. Liebe Ingrid,
    danke für links zu dem Brillenbuch und zu Terra Canaillo/Saalschlachten, hat mir viel Spaß gemacht, das zu lesen.
    Lieber Michael,
    es ist ein Glück, finde ich, dass wir Dich als Gesprächspartner haben.



    Lieber Michael,
    es ist ein Glück, findeh ich, dass wir Dic

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  52. Liebe ZuL, andersherum wird ein Schuh daraus: Ich bin glücklich und zufrieden, dass ich auch nach dem Umzug auf neue Adresse noch Leser finde; die alte Adresse ist über Jahre bei den Suchmaschine gut platziert gewesen und fand dadurch fast von selbst ihre Leser. Das ist nun anders- nun ist für Google kaum etwas zu finden, da hier keine etablierten Artikel mehr vorhanden sind, nur das Blog. So 300 bis 400 Leser finden sich dennoch täglich ein, mit steigender Tendenz. Damit habe ich nicht gerechnet, und es ist nur einer Community zu verdanken, die das Ganze eben trägt.

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  53. Es freut mich sehr, dass Du glücklich und zufrieden bist – ich dachte schon Du könntest heute bereits etwas genervt sein. Da ist nämlich noch etwas, das ich sagen möchte:
    ich finde es interessant, welche Aggressionen die Präsentation dieses Buch ausgelöst hat. Irgendwie erinnert mich die Dynamik an die Weihnachtsmannseite. Es beginnt mit der “ lieben“ Verpackung und dann kracht jemand herein, schlägt mit einem Rundumschlag sämtliches Geschirr in Trümmer und geht dann wieder. Der Eine verabschiedet sich freundlich, der Andere gar nicht.
    Mein Kommentar war auch nicht gerade freundlich, etwas bedaure ich mein „wie“, denn vielleicht sind das ja ein paar junge Leute, die etwas neues ausprobieren und ich war vielleicht wieder einmal zu voreilig. Was mir noch nie passiert ist seit ich hier mitblogge ist, dass ich bei dieser ganzen Diskussion eine starke Empfindung von traurig hatte – nicht aggressiv, sondern traurig. Seltsam das.

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  54. Ja, natürlich sind wir da! (Hier meine ich.) Eine neue Adresse verlinke ich selbstverständlich auch. Wir werden Dich immer zu finden wissen! Das Elementare wechselt nicht.

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  55. Es ist beachtlich, welche unterschiedlichen Reaktionen das geplante Buchprojekt hervorgerufen hat. Immerhin kann man aber sagen, dass fast alle Kommentatoren auf dieser Seite (wenn man zwischen den Zeilen liest) mehr oder weniger, ziemlich begeistert, wenn nicht euphorisch sind. Es bleibt spannend, ob die hohen Erwartungen erfüllt werden können.

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  56. "Das Elementare wechselt nicht.

    Mensch, was war Heraklit bloß für ein Dummerchen :)

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  57. Lieber Michael,
    ich schließe mich ZuL an - auch ich bin froh, Dich als Gesprächspartner und "Gastgeber" zu haben. Danke.

    Und lieber Rainer,
    Du hast eine seltsame Art, zwischen den Zeilen zu lesen... falls Du das von der Begeisterung bzw gar Euphorie für dieses Buch auch zwischen meinen Zeilen gelesen haben solltest, möchte ich das hiemit korrigieren:
    Ich werde mir dieses Buch einstweilen nicht bestellen, nicht nur, weil ich die Leseprobe langweilig finde (das mag natürlich daran liegen, daß ich halt nicht "anthroposophisch" aufgewachsen bin und daher auch keine Gelegenheit hatte, "Filzzwergerlallergien" oder sonstige Idiosynkrasien zu entwickeln), sondern auch, weil die Autoren, wie Horst es so schön ausgedrückt hat, "alle ihre Perlen der Weisheit bereits in ihrer langjährigen Internet- und Info3-Laufbahn verschwenderisch unter das Volk gebracht" haben - ich zweifle daher, ob ich darin Neues, für mich Interessantes finden würde. Sollte ich später erfahren, daß es "hohe Erwartungen" erfüllen konnte, kann ich's mir ja nochmal überlegen.

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  58. Burghard Schildt, Teil I / 4.1. 2o11

    ENDSTATION DORNACH, DU DORN ACH; IM DRITTEN AUGE

    Prolog: Es geht hier nicht um Worte. Sonst ginge es hier ganz und gar um gar nichts mehr, denn um nichts. Ganz. Wo bist du? Wo wird die Welt ganz? Ich bin kein Saftsack! Also gebe ich hier meine Äpfel ab. So kannst Du, lieber Leser, Dir deinen Saft ganz allein auspressen. Dann wirkt sich die Welt so aus, dass das Auswirken selbst wiederum Vorgang der ganzen Welt ist.

    Es liegt nun einige Wochen zurück, dass ich mit der Anfrage auf Michael zuging, wie ich die Kommentarfunktion in seinem Urblog handhaben kann. Und dann? Ich Idiot, ich begab mich ins „Wartezimmer“. Wartend worauf? Wie Michael sein angekündigtes Vorhaben, aus Authentizität, so benannte er das, also von da heraus, den Blog weiterhin umgestalten wird.

    Bei Umgestaltung aus Authentizität, dabei schaute ich nicht auf das Erscheinungsbild in graphischer Ausgestaltung. Auch schaute ich nicht auf die, von Michael, in den Blog gestellten Beiträge. Hatte ich doch, ach, ausschließlich den Kommentarbereich und dessen zwei Seelen, im Blick.

    Jetzt mache ich meine. Seele? Nein! Authentizität. Ohne meine gibt’s auch seine nicht. Mal schauen, ob meine in seiner sich auch gut aufführen wird. Meine? Seine? Eine! (Stimme: „Herr Schildt, nehmen sie Burghard an die Leine!“)

    Michael ist Blogwirt. Seine Wirtschaft ist ein Gasthaus. Darum wissend, schaut man vorbei. Setzt sich an den Tresen. Wirft einen Blick auf das aktuelle Angebot des Tages. Derweil schaut man, wer noch so kommt. Zum Stammessen an den Stammtischen.

    Grüppchen bilden sich. Man begibt sich an die Tische. Sind die Teller leer, schlendert man mal an einen anderen Tisch. Schlendert, damit nicht der Eindruck entstehen könnte, man hätte im eigenen „Hause“ bloß einen leeren Kühlschrank.

    Falls sich so ein Bild dennoch einstellt, erklärt man seine Einstellung der Leere gegenüber, genau, gegenüber, mal eben damit, Leere, ja, die birgt die Fülle, oder, der wahre Lehrer ist die Leere.

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  59. Burghard Schildt, Teil II / 4.1. 2o11

    Dann geht’s an den Tresen. Der jedenfalls, zum Glück aller, ist nie leer. Den Gaumen anfeuchten. Damit das Flussbett nicht austrocknet. Sonst würden Assoziationsflüsse womöglich noch im Sande versickern. Und, statt im „Erdinnern“, fände man sich, vom Winde verweht, in den Netzen eigenster Versponnenheiten.

    Doch, statt an die Motivsphäre, ja doch, so was gibt’s wirklich! Also statt an die Motivsphäre des Wirtes anzuknüpfen, also seine Authentizität, zerflust man den bereits von ihm vorgelegten „Stoff“, beraubt ihm dabei seiner Form und bastelt aus der Wolle dann Wolkenkuckucksheime.

    So vor sich hinfilzend begibt man sich wieder an die Stammtische und legt sich gegenseitig Eier ins Nest. In das Nest, das jeweils die Aufmerksamkeit eines jeden ist. Statt Eigenwärme zu erzeugen, wird Fernwärme angezapft. So brütend, breitet man andere in sich aus. Manch anderer wurde so bereits zum Herrn im Haus. Und dort ist er dann vor Ort. Der große Energieversorger. Kriecht bis in die Gewohnheiten der Bewohner. Jüngst a la Dornach. Endstation Dornach, du Dorn, ach, im dritten Auge.

    Wenn die Erde Mond wird. Der Satz kam aus einer meiner Gewohnheiten! Das muss heißen: Wenn ein Kuckuck Mensch wird. Stimmt so immer noch nicht ganz. Wenn man Kuckuck statt Mensch wird. Was dann? Ach! Dornach! Gronbach! Ruft’s aus dem Wald.

    Gestern schrieb Michael, dass er sich seine Dialogfähigkeit erhalten will. Das erscheine ihm als fruchtbarer, denn vermeintliche, an anderen gewahrte Defizite, in Beton zu gießen.

    Dialog? Mein Ding ist das nicht. Ich bin ein Monolog. Jeder Monolog findet sich im Anfang wieder. Im Anfang schrieb ich: Wo wird die Welt ganz? Jeweils in einem einzelnen Menschen. Lieber einzelner Leser, falls Du, gar als Einziger, bis hier gelesen hast, dann mach was draus! Wie wär’s mit Apfelkorn?

    Epilog: Das Geschriebene, das ist nicht einem Traumata entsprungen. Es ist Traum – Ata. Sobald man es auf ein feuchtes Tuch gibt, erhält das Scheuer-Pulver seine charakteristische grüngelbe Farbe. Die hohe Fettlösekraft wirkt selbst gegen starke Verunreinigungen. Durch die besondere Kombination der Inhaltsstoffe bleibt der Schmutz im Putzwasser – und nicht auf dem Tuch!

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  60. Lieber Michel, "Wir werden Dich immer zu finden wissen! Das Elementare wechselt nicht." Es dauert seine Zeit, bis man seine Form findet, sich auszudrücken. Die Umstände ändern sich, das technische Equipment, der soziale Kontext, die Art der Auseinandersetzungen, aber es geht weiter. Manchmal ist so eine Häutung im Nachhinein angenehm, ich fühle mich in vieler Hinsicht wieder befreiter. Das alte Blog war auch einfach zu "fett", zu schwer und zu sperrig geworden. Ich werde es aber weiter laufen lassen, hauptsächlich als Archiv- weniger für die Community als für die Leute von Google, die etwas suchen und dort im Archiv finden.

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  61. Lieber Burghard, "Michael ist Blogwirt. Seine Wirtschaft ist ein Gasthaus." Ja, das ist wahr. Eine alte holländische Kneipe, mit nur 8 Sitzplätzen, eine Art erweitertes Wohnzimmer. In Venlo habe ich früher mit einem Freund gern in so etwas den späten Abend verbracht. Dünnes Bier und selbst gedrehte Kippen. Etwas nostalgische Rockmusik. Die Tische mit Scheuerpulver so viele Jahre geputzt, dass die Holzplatten fast weiß sind. Ein gemütlicher Abend.

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  62. Lieber Michael,
    Es hat mich überrascht, wie Du als schwere Apple-Adept so schnell hast überwechseln können zum Google-Bloggerei. Das hatte ich nicht erwartet und spricht sehr für Dich. Wandelbarkeit etwa? – Deine Argumente verstehe ich sonst gut, sind nachvollziehbar. Für mich wenigstens.

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  63. Lieber Michel,
    Blogspot ist einfach praktisch, schnell und flexibel. Da bin ich pragmatisch.

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  64. Warum legst Du Deine Domain (egoisten.de) nicht auf den Blog und das "Archiv" auf eine Subdomain o.ä.? Dann hast Du Befreiung und Kontinuität...

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  65. Lieber Christian, habe ich auch überlegt. Aber ich bin noch nicht sicher, was ich will. Vielleicht entwickelt sich noch etwas in der Richtung, dass die alten Egoisten eher längere Arbeiten und Arbeiten Anderer veröffentlichen, während das hier bei Blogspot die Tagesmeldungen aufnimmt.

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  66. Dearest fränds!
    Your blogspot becomes The Daily Michael eggert. A sister paper of the Uribistan Daily and Info 3 will be Happy Beaters Daily. And then we create bigga Hallbattles to attracta a lot ofa readers we willa hava court battles scandalous pics of each other made public and so on. Anda maka lot a of muney!
    His Holine$$
    Murat Joy Tchundyk

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  67. Hallo Burghard!

    Na, das war wieder typisch ;-)))...die Suppe die du uns mit verschmitztem Lächeln serviert und 'eingebrockt' hast, haben wir nun auch auszulöffeln :-)))

    Nein, ist schon ok, die Brocken in der Suppe find ich recht gut verdaulich...und interessant, da du Fragen aufwirfst (bzw. kleine Rätsel, 'ist ja auch irgendwie eine Buchstabensuppe, die u.a. bei Kindern so beliebt ist).

    Ja, Fragen des Ganz-Seins (und der Leere-Lehre) sind Fragen, die man oft nur selber beantworten oder stellen kann, ist klar. Aber gerade in Momenten der Leere, der Stille, aber auch in oder nach Krisen bzw. Ohne-Macht-Erlebnissen, tauchen Fragen auf, ein Frageraum entsteht, Ideale und Sehnsüchte brechen hervor, man gut...

    Ja, und die geistig-seelische Seite schläft nicht, und auch Freunde sind sehr hilfreich in diesen besonderen Momenten(auch hier in dieser Kneipe)...Glücklich der, der dann zu hantieren weiss, sich vertraut, ein wenig anderen, und trotz allem das Staunen nicht verlernt :-))

    Ja, die Fragenkultur...sie ist natürlich auch ein Dialog...(auf unterschiedlichen Ebenen) - und auch das Miteinander-Fragen und Be-sprechen kann sehr interessant und dynamisch sein.
    Zudem - Fragen kostet nichts! - ein kleines Wunder, sehr menschlich, sehr sozial, hochgeistig, ganz umsonst...

    Also, du warst/bist hier Gast-Wirt in dieser netten Kneipe und der Dialog ist entstanden, im Inneren und vielleicht auch anders...
    Auf's Assoziieren verstehe ich mich nicht so gut...das geschieht höchstens, wenn ich vielleicht ZU lange am Tresen gestanden - und etwas zu viel vom guten Wein gekostet habe ;-) (oder zu wenig, wie mans sieht)...das kann auch richtig Spass machen..

    Folgende Liebe-Erfahrung bzw. Meditation von R. Steiner, ist so ein Lichtblick für mich, wenn es um Leere und Fülle geht..(wobei diese Gedanken und Worte ebensogut aus einem selbst, aus Erfahrung oder einem Schiller, Khalil Gibran etc. stammen können...und es ist die Einfachheit, die mich berührt)...

    Also dann - ich citare (heißt, ich rufe herbei):

    "Man stelle sich zwei Gläser vor; das eine ist leer, das andere ist zur Hälfte mit Wasser gefüllt. Indem man nun Wasser aus diesem Glas in das leere Glas gießt, wird es nicht leerer, sondern es erfüllt sich selbst immer mehr mit Wasser, je mehr man aus ihm ausgießt. So ist auch die Liebe - je mehr man sich selbstlos verschenkt, desto reicher, desto erfüllter wird man innerlich." (R.Steiner GA 136, S 58ff)

    http://wiki.anthroposophie.net/Liebe

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  68. Hallo Steffen,

    Kann auch noch so sein. Das hier ist ein Blog. Von Haus aus male ich Bilder, daher ist ein Blog mir ein Skizzenblock. Da kann ich reinmalen, reinschreiben, zeichnen, mal schnell eine Erinnerungsnotiz für den nächsten Einkauf bei Aldi machen.

    Weiterhin ist das hier ne Bloghütte. Also ne kernige Angelegenheit. Mit gescheuerten Tischplatten, 5cm dick, deren Maserung sich bis in manche Fingerkuppen prägen kann und in denen, da hocken ja die Engel. Wo denn sonst!

    Ich hock gern in irgend ner Ecke und kritzle vor mich hin. Da es Gepflogenheit ist, in der Hütte zu schweigen und alles zu Sagende auf Zetteln zu verschriftlichen, die man dann sich gegenseitig zuschiebt, oder einfach auf dem Tisch liegen lässt, lesbar für jeden, der kommt oder geht, mach ich das gelegentlich ebenso……….

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  69. Hallo Burghard,

    Dein langer Monolog ist recht unterhaltsam - für mich gar nicht so kernig, sondern eher wie eine Hollywoodschaukel. Für mich hat die Hütte auch eine Terrasse mit einer Pergola. Da schaukelt Dein Text und ich würd Dich einladen weiterzureden und ich schaukle mit. Auch wenn ich kurz einschlafe - dann sicherlich nicht aus Langeweile - sondern weil ich gern an einem Bächlein liege das plätschert. Ich muss ja gar nichts sagen, Du redest einfach weiter.
    Vielleicht bringt Steffen dann ein Glas Wasser vorbei, was könnte es schöneres geben für einen Augenblick?

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  70. Lieber Burghard, das ist ne nette Idee mit dem Block..."Ich hock gern in irgend ner Ecke und kritzle vor mich hin. Da es Gepflogenheit ist, in der Hütte zu schweigen und alles zu Sagende auf Zetteln zu verschriftlichen, die man dann sich gegenseitig zuschiebt, oder einfach auf dem Tisch liegen lässt, lesbar für jeden, der kommt oder geht, mach ich das gelegentlich ebenso………."

    Klingt so leicht, wie ein Pinselstrich an einem Frühlingstag, wunderbar :-)

    Somit stimme ich dir zu liebe ZUL - und gern bringe ich dir auch ein Glas Wasser, während der Burghard so 'malt'..Ich war immer gerne Kellner und auch Wirt, schon als Junge, im Gasthaus meines Vaters :-)

    Und nein, die 'Brocken' in der Suppe waren natürlich nicht aus schwerem Sauerteig! Es waren ja die kleinen, tanzenden Buchstaben - und man durfte sinnen, rätseln und zusammensetzen :-)

    LGR

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  71. Hallo Zuhörer, zugehörig dem Schönsten meiner Kindheit, ist das Spielen an Bächen,
    ebenso wie heute die Cellosonaten v. Johann Sebastian Bach, in denen ich mich bade.
    Geboren bin ich einem Bäderdorf mit Moorvorkommen, Bad Bramstedt. Das Bramsegel an Schiffen, es soll nicht mehr und nicht weniger, als das Schiff in Schönheit erscheinen lassen. Durch Bad Bramstedt fließt die Bramau, daher der Ortsname. Das Moor findet sich heute wieder in einem meiner Lieblingshelden, Franz Moor, in dem Drama: „Die Räuber“.

    Franz: „Schlaf und Tod sind nur Zwillinge. Wir wollen einmal die Namen wechseln!
    Wackerer willkommener Schlaf! Wir wollen dich Tod heißen.“

    Der Räuber in mir ist der da, der sich alles zusammenklaut, danach zusammenbraut, dann zur
    Braut erhebt, und so zur Schönheit strebt. Ich glaub, ich mach man en Punkt, sonst schläfst Du mir noch ein.

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  72. Hallo!
    Ich bloge zum erstenmal. Das ist ja Wahnsinn hier und so vile Leute hier und mein alter Klassenkamerad Burgard der HNO Arzt geworden ist. Ist ja irre!
    Alles so schön bunt hier! Ick freu mich riesig!
    Friedwart

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  73. Lieber Burghard, das waren doch nette, biografische Einblicke. Was das mit HNO zu tun hat, weiss ich allerdings nicht. Hört sich eher nach einer Verwechslung an..

    HGR

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  74. Lieber Burghard,
    es lebe maestro Bach, der in unserem Blog-Bächlein zelebriert! Auch ich spielte als Kind – und auch heute noch – an Bächen. Siehst Du was Dein Traum–ata alles ausgelöst hat: das Ata war`s, das mich zu Dir geführt hat, denn meine Mutter putzte alles blank – mit Ata, selbst die Schnecken vor dem Haus ……
    Das geliebte Bächlein war`s, das mich gerettet hat, und die Vögel stürmten hoch zu Vivaldi.

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  75. Ach, nicht weit von deiner Heimat, hab auch ich in Mooren sehr viel Zeit verbracht..
    zig Butterblumensträuße und Hirtentäschel gepflückt und Muttern mitgebracht (auch sie hatte viel zu scheuern in unserm Gasthaus); später dann geangelt dort und gebadet und Kiebitzeier gesucht...Schön wars in der Dithmarscher Geest, dort wo einst Klaus Groth seine Lieder fand...und ich sie später nachsingen durfte, so nach Hannes Wader Art..

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  76. Steffen komm, jetzt es an der Zeit, dass wir uns hier aus dem Staub machen, denn sonst kommt noch der böse Wolf.....

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  77. Liebe ZuL,

    ja, den bösen Wolf vergißt man schnell, beim Blumenpflücken und bei Selbstvergessenheit..
    Nun denn, ich bin bereit zu gehen...

    Doch, irgendwie ist mir auch zum Trotz'zumute.
    G e r a d e wenn er lauert und zum Absprung steht bereit...Für jeden Spott dann eine Blume, vielleicht sogar die seltne Blaue...für den Hunger dann ein Kiebitzei..

    Ach, lieber nicht...denn steht nicht irgendwo geschrieben - werft nicht die Perlen vor d......? Nun gut, so wirds wohl sein...

    Doch schadlos bleibt man nie im Leben...der Staub, von dem du sprachest, legt sich auch auf Blumen, wenn auch fein..

    and so on..

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  78. Fenrir und Tyr
    (mögen die Ge-schicke des Arztes gut ausgehen ;-))

    http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/7/75/John_Bauer-Tyr_and_Fenrir.jpg

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  79. Hi. Hier ist immer was los, wie schön! Hab nur ganz wenig Zeit, dennoch vielen Dank an den Blogwirt für alles!

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  80. Lieber Steffen,
    wenn Du noch bei den Dotterblumen bleiben willst, solls mir recht sein. Solange Du nicht veröffentlichen willst, wird Dir schon nichts passieren...
    Ich gehe jetzt mal Richtung Erwachsenen-landia.

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  81. Ja, gute Idee mit dem Erwachsenenland. Doch gib acht, dort lauert der Wolf auch gern als Rotkäppchen verkleidet ;-)

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  82. Habe soeben entdeckt, dass H.Niederhausen einen längeren Mecker-Artikel über die Egoisten- Kommentare zu "Endstation Dornach" verfasst hat. Typisch: Mal wieder ein "moralisch-strenger Monolog", er traut sich möglicherweise nicht so recht, an den Dialog mit den Egoisten anzuknüpfen.

    http://www.holger-niederhausen.de/index.php?id=647

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  83. Danke, Rainer.
    Seufz.
    Ich hatte ja gedacht, dieses Thema hätten wir bereits zur Genüge diskutiert.
    Aber nun scheint es mir doch nicht so zu sein. also steige ich halt nochmal ein.
    Ich wende mich dabei direkt an Holger, der ja offensichtlich hier mitliest, auch wenn er es vorzieht, seine Antworten an anderer Stelle zu geben.

    Lieber Holger,
    Sie wissen, daß ich Ihnen immer wieder in vielem recht gebe.
    Hier nicht. Sie schreiben:
    "Eggerts Fehlschluss ist der Folgende. Aus dem Grundsatz „Fange bei dir an, wenn es um das moralische Handeln geht“ macht er: „Du darfst das Unmoralische im Handeln anderer nicht erkennen“. Und er sieht dies nicht nur als falsch an, sondern behauptet – direkt oder indirekt – geradezu, dass man auf diese Weise zu Illusionen kommt."
    Ich wenigstens begreife Michael hier ganz anders. Für mich sagt er (allerdings erst dort, wo die Anführungszeichen beginnen, ist es wörtliches Zitat):
    Selbstverständlich darfst Du im Handeln anderer alles erkennen, was es für Dich zu erkennen gibt. Aber wenn Du in dem, was Du schließlich äußerst, immer wieder ausschließlich die Fehler und Schwächen dieser anderen aufs Korn nimmst, wirst Du nicht nur nicht weiterkommen, sondern schließlich auch der Illusion erliegen, Fehler und Schwächen hätten nur die anderen. "Man kann überhaupt nichts von Anderen verlangen. Man fängt einfach an. … Das Anfangen ist die Stärke des Ich."

    Der Satz, den ich hier ausgelassen habe, spricht freilich vom Verzichten auf das Urteilen: "Auf das Urteilen möglichst zu verzichten, ist aber keine schwache Position, ganz im Gegenteil."
    Aber bevor man einen solchen Satz als einen Aufruf versteht, sich "urteilsblind" zu machen, sollte man sich erstmal überlegen, was hier mit "Urteil" gemeint ist (auch bei Rudolf Steiner meine ich schon des öfteren gelesen zu haben, wie wichtig es ist, die Begriffe nicht erstarren zu lassen, sondern flexibel zu halten - auch wenn ich mich jetzt nicht an den genauen Wortlaut erinnern kann).
    Ich verstehe in diesem Satz Michaels den Begriff "Urteil" als die endgültige Verfestigung einer "Erkenntnis", als etwas endgültig Fixiertes, das sich niemals wieder verändern kann… und ein solches "Urteilen" finde nicht nur ich wenig hilfreich, sondern es scheint mir auch der Haltung zu widersprechen, die Rudolf Steiner dem "Geistesschüler" in GA 245 ans Herz legt:

    [Der Geistesschüler] "muß bereit sein, jeden Augenblick eine völlig neue Erfahrung entgegenzunehmen. Was er bisher als gesetzmäßig erkannt hat, was ihm als möglich erschienen ist, darf keine Fessel sein für die Aufnahme einer neuen Wahrheit. Es ist zwar radikal ausgesprochen, aber durchaus richtig, daß wenn jemand zu dem esoterischen Schüler kommt und ihm sagt: «Du, der Kirchturm der X-Kirche steht seit dieser Nacht völlig schief», so soll der Esoteriker sich eine Hintertür offen lassen für den möglichen Glauben, daß seine bisherige Kenntnis der Naturgesetze doch noch eine Erweiterung erfahren könne durch eine solche scheinbar unerhörte Tatsache."

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  84. Wenn es um die "Dämonen anderer" geht, denke ich im übrigen auch noch an das, was Rudolf Steiner in den Vorträgen, die unter dem Titel "Das fünfte Evangelium" in GA 148 zusammengefaßt sind, über die Begegnung Jesu mit den Essäern sagt, die sich so zu schützen wissen, "daß Ahriman und Luzifer vor ihren Toren fliehen müssen. Aber sie schicken dadurch Ahriman und Luzifer weg von sich zu den anderen Menschen hin. Die Essäer werden glücklich in ihren Seelen auf Kosten der anderen Menschen; sie werden glücklich, weil sie sich selber vor Luzifer und Ahriman retten!"

    Auch für mich ist "Dialogfähigkeit" ein hoher Wert. Man sollte das nicht mit "Harmoniesucht" verwechseln (:-) obwohl ich Michael nur virutell kenne, bin ich doch ziemlich sicher, daß man gerade ihn nicht als "harmoniesüchtig" bezeichnen kann). Das Aufrechterhalten der Dialogfähigkeit kann durchaus auch eine Erkenntnishaltung sein.

    Herzlichen Gruß in die Runde,
    Ingrid

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  85. Liebe Ingrid,

    "daß Ahriman und Luzifer vor ihren Toren fliehen müssen. Aber sie schicken dadurch Ahriman und Luzifer weg von sich zu den anderen Menschen hin. Die Essäer werden glücklich in ihren Seelen auf Kosten der anderen Menschen; sie werden glücklich, weil sie sich selber vor Luzifer und Ahriman retten!"

    Danke, dieser Satz ist ein wichtiger Schlüssel für mich. Für Herrn Niederhausen wird er zunächst nicht viel bringen...er wird ihn zerpflücken und zurechtstutzen, solange bis er schließlich in sein Schema passt. Hier helfen also wenig Worte und Überzeugungsarbeit, sondern nur eigene Erfahrungen und Selbsterkenntnisse..und die werden kommen, auch bei ihm.

    LG
    Steffen

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  86. Liebe Ingrid,

    da Du mich direkt ansprichst, antworte ich Dir auch – und ebenso auf die anderen Beiträge.

    Dass Rainer Herzog mir und meinen Aufsätzen nur voller Spott und Geringschätzung gegenübersteht, wird aus seinen Beiträgen ja unmittelbar deutlich (für ihn ist nur erwähnenswert, dass endlich auch auf meiner Seite die erste und einzige Sexszene erwähnt wird, übrigens auch dies ein Zitat aus „Endstation Dornach“).

    Auch sein Kommentar steckt doch voller Urteile („Typisch: Mal wieder... usw.). Warum ich an den „Dialog mit den Egoisten“ eigentlich nicht mehr anknüpfen will, habe ich in meinen Aufsätzen vom Januar 2010 deutlich gemacht: Für mich ist dies kein Dialog. Mit Menschen wie Dir, Horst und Manroe könnte ich mich ganz sicher sehr lange sehr gut unterhalten, selbst wenn wir in mehreren Dingen unterschiedliche Standpunkte haben sollten.

    Dass Rainer Herzog nicht nur voller Urteile ist, sondern dass diese Vor-Urteile auch zu Fehlurteilen führen, zeigt seine Bemerkung von einem „längeren Mecker-Artikel über die Egoisten-Kommentare“. In meinem Aufsatz „Verurteilung anderer?“ erwähne ich eben nur die beiden absolut positiven Kommentare von Horst und Manroe – für Rainer wird es ein „Mecker-Artikel“...

    Dass ich Michael Eggerts Kommentar aufgegriffen habe, kann doch niemanden verwundern. Wenn er dem Buchprojekt „alles Gute“ wünscht und der undifferenzierte Spott dieser vier Herren für ihn nichts Problematisches beinhaltet, kann ich mich nur dagegen stellen. Ich habe selbst betont, dass der Humor gegen erstarrte äußere Formen durchaus auch als geistreich empfunden werden kann – aber die Vier sehen die Grenzen nicht und überschreiten sie, und damit überschreiten sie auch für mich absolute Grenzen, wo ganz deutlich wird: Das sind keine Anthroposophen, können es nicht sein, man spürt und erkennt es unmittelbar. Nichts anderes sage ich. Für wen das „Meckern“ ist, nun, mit dem ist dann eben auch kein Dialog möglich.

    Hier in den Blogs ist alles (scheinbar) so einfach: Man schreibt seine kurzen Statements und alles wirkt wie ein Dialog. Dabei ist es wenig mehr als „Rührei“. Das mag hart klingen, aber es antwortet doch wirklich jeder nur auf das, was er will, man selektiert, muss aber trotzdem alles kurz überfliegen usw. – Und man muss sich doch auch klar darüber sein, dass auch Menschen wie Horst und Manroe den Standpunkten von Rainer sehr, sehr fern stehen und mit ihnen nichts anfangen können oder wollen. Ich weiß nicht, inwiefern sie in dieser Aneinanderreihung von Statements wirklich einen Dialog sehen oder nicht. Ich sehe darin jedenfalls keinen wirklichen Dialog, und so hat es für mich auch keinen Wert. Ich gebe auf solche Statements von Rainer nichts, wirklich nichts. Sie sind für mich wertlos und weniger als wertlos. Ich sage damit nichts über den Menschen Rainer, aber seine Statements machen mich einfach nur traurig.

    Es bringt in meinen Augen auch nichts, stunden-, tage- oder wochenlang über so etwas wie „Endstation Dornach“ zu diskutieren oder zu dialogisieren. Ich sehe nicht, wo sich überhaupt irgendein Standpunkt ändert, jeder behält seinen doch – und wenn alle das ihre zusammenwerfen, kommt eben dieses „Rührei“ heraus. Für den einen oder anderen ist vielleicht irgendwo ein klitzekleiner Aspekt dabei, den er noch nicht beachtet hat, aber unterm Strich kommt doch nichts weiter heraus als das Gefühl, wieder einmal einen netten Dialog gehabt zu haben. Dieses Gefühl kann ich aber nicht teilen, für mich bleibt da noch immer eine große Leere, eine Schein-Begegnung ohne echte Substanz. Nur in der direkten Begegnung könnte das anders werden. Oder in manchen längeren Blog-Beiträgen, wo es dann wirklich einmal intensiv und persönlich wird. Und auch hier sage ich nicht, dass nicht jeder kleinste Beitrag persönlich ist, aber in seiner Gesamtheit bleibt es in dieser Form für mich ein substanzloses Hin und Her.

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  87. Also: Die vier Herren des „sechsten Evangeliums“ (!) erweisen sich für mich als unmittelbare Gegner der Anthroposophie, weil sie ihre Substanz absolut nicht erkennen und empfinden, sondern das Kind mit dem Bade ausschütten. Wenn Michael Eggert einem solchen Buch „alles Gute“ wünscht, kann ich mich ebenfalls nur dagegenstellen. Ich stelle mich damit nicht absolut gegen ihn, schon gar nicht gegen ihn als Mensch, aber ganz klar gegen das, was er da sagt. Übrigens ist er es doch, der mir Dialogunfähigkeit vorwirft, wenn er sagt, ich sähe nur Dämonen anderer, er aber wolle dialogfähig bleiben.

    Unsere Standpunkte sind einfach unvereinbar, wenn er meint, ich sähe nur die Dämonen anderer, wenn ich finde, dass „Endstation Dornach“ einfach nur Anti-Anthroposophie ist. Es ist weiß Gott nicht so, dass ich nur die Fehler anderer sehe und erst recht nicht, dass ich jeden Fehler sofort zu einem Aufsatz mache. Wie die Dinge wirklich liegen, kann man von außen überhaupt nicht sehen, und hier verbitte ich mir einfach solche Vor- und Fehlurteile. Aber die entscheidende Frage ist (und genau die stelle ich immer wieder): Was ist wirklich Anthroposophie? Und wo beginnt man, in einen echten Gegensatz zu ihrer Substanz zu kommen? Ich empfinde da sehr klarer Grenzen und sehe mich wie erwähnt auch in enger Übereinstimmung mit anderen Menschen, die sich in diesem Blog bewegen. Wieder andere Menschen ziehen die Grenzen offenbar anders und haben demnach offenbar ein anderes Verständnis.

    Das ist dann eben so. Man wird hier im Dialog kaum wirklich weiterkommen – ich sehe das jedenfalls nicht. Und wenn man dann sogar noch den Dialog mit Grauer & Co für möglich hält, dann kann ich mir nicht helfen. Dialogisieren kann man natürlich bis an sein Lebensende, aber mit welcher Frucht? Sollen diese Herren bei ihren Vorstellungen bleiben, mir ist meine Zeit zu kostbar, um auch noch mit ihnen über diese Vorstellungen zu reden! Mir reicht die Vorabversion des fünften Kapitels, und an meinen Gedanken sind sie ohnehin nicht interessiert.

    Dialog ist nur möglich mit echten Fragen und echtem Suchen und echtem Willen, einander zu verstehen. All dies finde ich bei diesen vier Herren nicht. Ich frage mich durchaus immer wieder: Wie kann man zu solchen Gedanken kommen? Zu einem solchen Mangel an Empfindung und hoher Gesinnung? Und hier zeigt sich noch eine weitere Voraussetzung für Dialog: Eine ansatzweise gemeinsame Basis an innerer Gesinnung. Wenn man diese nicht empfindet und auch keinerlei Bereitschaft erkennen kann, dass der Andere sich auf diese gemeinsame Basis einlassen kann, dann ist ein Dialog unmöglich. Ich habe mich in meiner „Endstation Ironie“ auf ihre Basis eingelassen, habe sozusagen die innere hohe Gesinnung verlassen und mich auf den Boden der Ironie begeben – aber herausgekommen ist dabei eben „der Tragödie zweiter Teil“. Ich kann mich in diese Denkart hineinbegeben, aber für mich zeigt sich auch dann, wohin diese Denkart führt. Sie kann nicht das Lebenselement des Geistes sein.

    Diese Urteile, auch in öffentlicher Form, sind notwendig, weil so unendlich viele Menschen auf der Suche nach dem Geist sind – und weil es so viele Irrwege, falsche Wegweiser und Sackgassen gibt. Ich habe keine „fixierten Urteile“. Wenn Grauer und Hau morgen anders denken würden („Kirchturm der X-Kirche“ usw.), dann würde ich das sofort für möglich halten und voller Freude begrüßen. Heute aber denken sie so, wie sie es tun, und darum empfinde ich heute das als notwendig, was ich dazu geschrieben habe.

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  88. „Man kann überhaupt nichts von anderen verlangen“. Das tue ich auch nicht. Ich verlange von den Vieren nicht, dass sie anders denken – sollen sie bis in alle Ewigkeit so weitermachen, auch das habe ich in meinem Aufsatz geschrieben. Was ich in meinen Aufsätzen versuche, ist, zu zeigen, wie die Dinge liegen – damit es für manche Menschen in ihrem eigenen Erkenntnisprozess vielleicht hilfreich sein kann. Natürlich kann auch jeder andere Mensch die Dinge sehen, wie er sie sieht. Wer mir vorwirft, ich würde glauben, ich hätte als Einziger Recht, der übersieht, dass zunächst jeder glaubt, dass seine Ansicht richtig ist. Die meisten äußern ihre Erkenntnisse nur nicht öffentlich – und so mag ein „überheblicher“ Eindruck entstehen. Aber wir befinden uns in einer Zeit des Geisteskampfes. Jeder verkündet heute seine Weisheiten, die Vier verkünden ihre spottende, ehrfurchtlose Sicht auf die Anthroposophie und verdunkeln damit alles – und dem trete ich entgegen, nichts weiter. Und wie gesagt: Ich empfinde mich da ganz in Übereinstimmung mit anderen Menschen, auch hier in diesem Blog. Dass ich mich im übrigen von einem solchen Blog fernhalte, kann man mir nicht vorwerfen.

    So, nun weiß ich nicht, auf welche Fragen ich noch nicht eingegangen sein sollte.

    Ich bin gespannt, wie nun (statt meine Aufsätze zu kommentieren) auf diese Gedanken eingegangen wird – und wie substanziell der daraus entstehende Dialog sein wird...

    Alles Gute und einen herzlichen Gruß an alle (!) Leser dieser Zeilen,
    Holger Niederhausen

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  89. Und noch etwas zu den Essäern. Sollte man mich mit ihnen vergleichen wollen, so sage ich: Ich sondere mich gerade nicht von der Welt ab – aber gerade das macht man mir ja zum Vorwurf... Letztlich sind meine Aufsätze sogar ein Dialog-Angebot an Menschen wir Grauer oder Hau. Ich glaube nur nicht, dass es angenommen wird. Mag Michael Eggert auf seine Art den Dialog mit diesen Menschen suchen. Indem er ihrem Projekt „alles Gute“ wünscht, tut er das in meinen Augen nicht. Denn noch sind sie mit ihrem Projekt ganz in den Fängen von Luzifer und Ahriman. Ich sondere mich nicht still ab, sondern sage ausdrücklich, dass es so ist – und sie haben es ja sogar gehört und meinen Aufsatz auf ihre Buch-Webseite verlinkt. Mehr kann ich nicht tun. Selbsterkenntnis muss man selbst betreiben. Übrigens schreibe ich nie über Schwächen anderer Menschen – ich schreibe über das, was andere Menschen (ebenfalls öffentlich) sagen, und ich tue es nur, wenn ich meine, dass es wirklich notwendig ist.

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  90. Lieber Holger,

    danke für Deine ausführliche Antwort.
    Für jetzt nur kurz (denn ich muß gleich zu einer Probe):

    "So, nun weiß ich nicht, auf welche Fragen ich noch nicht eingegangen sein sollte."
    Meiner Ansicht nach: auf die Frage nach dem "Essäertum".

    Und noch:
    "Alles Gute und einen herzlichen Gruß an alle (!) Leser dieser Zeilen"
    Ich freue mich, daß Du nun doch allen Lesern hier "alles Gute" wünschst. Wie Dir sicherlich bewußt ist, sind aller Wahrscheinlichkeit nach die Autoren von "Endstation Dornach" unter ebendiesen Lesern…
    Meinst Du, daß Du ihnen persönlich zwar "alles Gute" wünschst, ihrem Buch aber nicht?
    Würde "alles Gute" für dieses Buch denn aber nicht bedeuten, daß es den ihm angemessenen Platz findet in dieser Welt? Oder könnte es etwas Besseres geben für irgendjemand/irgendetwas, als den ihm angemessenen Platz in der Welt zu finden?

    Herzlichen Gruß,
    Ingrid

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  91. Unsere postings haben sich gekreuzt, ich sehe, Du hast inzwischen etwas zum "Essäertum" nachgetragen.
    Ich werde dazu wohl später noch etwas sagen.
    Für jetzt aber: ade.

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  92. @ Holger Niederhausen
    Ich finde fast jeder Artikel auf Deiner Website ist ein "Mecker-Artikel". Es geht grundsätzlich immer nur um die "wahre Anthroposophie" und das ist eben (ganz zufällig) die Anthroposophie von H.Niederhausen und M.Mosmuller. Kaum etwas anderes zählt. Die Deutungshoheit der "wahren Anthroposophie" wird mit einem rechthaberischen Groll vorgetragen, den Du selbst vielleicht lieber als "heiligen, michaelischen Zorn" bezeichnen würdest. Für mich ist so etwas Gemecker.

    Ich kann so etwas nicht ansatzweise ernst nehmen, ebenso wenig die Kritik an dem Buchprojekt. Glaubst Du im Ernst, etwas so Großes wie die Anthroposophie würde irgendeinen Schaden nehmen durch eine ironische Betrachtung der Dornacher Szene? Ich bin sicher, dass sich auch Steiner darüber amüsieren würde, er würde sich heute über ganz andere Dinge seiner eifrigen Jünger ärgern. Es gab zu Steiners Lebzeiten auch durchaus viel Spott: Der Okkultist Gustav Meyrink etwa hat in einem fiktiven grotesken Essay Steiner mit seinen weiblichen Verehrern ins Jenseits versetzt - daraufhin haben sich einige seiner Anhängerinnen darüber empört, sind mit dem Text bei Steiner erschienen, der sich darüber aber nur amüsiert zeigte.

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  93. Liebe Ingrid

    "Aber wenn Du in dem, was Du schließlich äußerst, immer wieder ausschließlich die Fehler und Schwächen dieser anderen aufs Korn nimmst, wirst Du nicht nur nicht weiterkommen,..."

    Wenn Du im Gedächtnis hast zu welchen Äusserungen von mir das ursprünglich geäussert wurde, kann ich durchaus vernehmen wie Michael es gemeint hat und was er mir damit sagen wollte, ABER kannst Du auch sehen, dass man darin eine Unterstellung herauslesen kann, ein gewisses Urteil über mich? Auch wenn obige Zeilen von Dir jetzt eine Interpretation dessen ist worum es ging, so zeigst Du dennoch, wo und wie Du hinschaust. Ich kann beide Seiten sehen, aber sie sind Beschreibungen von zwei unterschiedlichen Ebenen aus.

    Was mir wirklich und zutiefst ehrlich wirklich merkwürdig erscheint, dass man in jenem Buch der "glorreichen Vier" deren Absicht und Verhalten nicht zu erkennen vermag. Wenn man derlei Stammtischhohn und -spott in einem BUCH veröffentlicht, warum wohl? Denn intellektuell unterbelichtet sind sie doch nicht!!(??)

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  94. Lieber Herr Nierderhausen, ich glaube nicht, dass man sie mit den Essäern vergleichen kann. Aus den entdeckten Schriftrollen und anderen Schriften bzw. Überlieferungen, ist zu entnehmen, dass die Essäer offene Türen hatten, regelmäßig Menschen einluden um z.B. in musikalischen, landwirschaftlichen oder naturheil-medizinischen Angelegenheiten zu informieren, sich darzubringen. Überliefert ist auch, dass sie eine große barmherzige Kraft und großes okkultes Wissen in sich trugen. Unter anderem sogar dem Jesus, nach der Taufe am Jordan, der immensen Verbindung mit dem Christusgeist, physisch immermal wieder auf die Beine gebracht bzw. medizinisch betreut haben u.v.m.

    Ich glaube eher, dass sie eine Art Mönch sind, mit leicht fundamentalistischen Zügen und Predigermentalität (plus einem Schuss grauer Eminenz). Und ich zitiere hier jetzt gern und nochmals für sie den netten Anthroposophen - Mathias Wais - seine Mitteilungen aus jahrelanger Erfahrungen in seiner Biografieberatungs- und Arztpraxis. Betreut wurden bei ihm nicht nur ganz normale Leut bzw. Jugendliche und Erwachsene aus der Bronx, sondern auch speziell anthroposophische Menschen mit ihren Leiden und Extremen.
    Also, Citare - aus dem Buch - "Ich bin was ich werden könnte":

    "So stößt jemand als junger Erwachsener aufgrund eines Gespräches auf die anthroposophischen Ideale und Ideen. Fasziniert steigert er sich sogleich in die Schriften Rudolf Steiners hinein, in denen er nun findet, was er doch so lange schon gesucht hatte: ein geistiges Menschen- und Weltbild. Was nun aber zunächst real wird, das ist - in diesem Fall - ein zunehmender Fanatismus und ein Missionsbedürfnis bis hin zu Neigung, Freunde und Bekannte einer Zwangsbekehrung zu unterwerfen. Diese lassen sich das aber nicht gefallen und wenden sich ab. Das soziale Leben des jungen Mannes beschränkt sich bald auf den mit großem Ernst durchgeführten Einkauf im Bio- Laden und auf das giftige Gespräch mit einigen Eltern des Waldorfkindergartens (wo er Praktikum macht),weil sie nicht hundertprozentig dem Waldorfideal entsprechen. - Diese Phase zog sich in diesem Fall acht Jahre hin.
    Man sieht, wie zunächst nur ein Teil des anthroposophischen Impulses aufgegriffen wird, nämlich der erkenntnisgesättigte, und dann auf unsoziale Weise "durchgedrückt" wird. Dem Betreffenden - und seinen bedauernswerten Freunden - erschien Anthroposophie als ein durch Erkenntnisse Rudolf Steiners begründetes Regelwerk, "wie man's richtig macht". Erst nach acht Jahren, in der Begegnung mit einer Curry-Wurst mampfenden Zweigleiterin, wurde dem jungen Mann deutlich, daß er sich jetzt um das genaue Gegenteil bemühen sollte: um einen herzenswarmen und freilassenden Umgang mit seinen Mitmenschen. Er erkannte, daß ein geistiges Menschenbild, ein urbildliches Ideal, sich nicht realisiert, indem man dogmatische Normen durchsetzt und Menschen verachtet, die sich dem nicht beugen wollen. Es realisiert sich durch das herzliche Interesse am Fremden." (ebd. S.101)

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  95. Selbstverständlich darfst Du im Handeln anderer alles erkennen, was es für Dich zu erkennen gibt. Aber wenn Du in dem, was Du schließlich äußerst, immer wieder ausschließlich die Fehler und Schwächen dieser anderen aufs Korn nimmst, wirst Du nicht nur nicht weiterkommen, sondern schließlich auch der Illusion erliegen, Fehler und Schwächen hätten nur die anderen. "Man kann überhaupt nichts von Anderen verlangen. Man fängt einfach an. … Das Anfangen ist die Stärke des Ich.“

    So wie Ingrid das interpretiert sehe ich das auch und ich habe bei diesem Austausch ganz sicherlich etwas gelernt.
    Kritik dialogfähig zu machen, und nicht den Anderen in einem Rundumschlag zu vernichten (was die einfachste und primitivste Reaktion ist, auch wenn sie intellektuell gut verpackt ist), sollte eine Grundhaltung im menschlichen Umgang sein.
    Kritik zu äußern und dabei dialogfähig zu bleiben hat nichts mit Harmonisieren zu tun, sondern ist, wie Michael das auf den Punkt bringt, der Anfang des Ich, welches über die Fähigkeit verfügt differenziert zu denken. Ein Ich, das sich die Freiheit erworben hat, eine eigene unterentwickelte Seite, die sich in einer automatischen Reaktion ausdrücken möchte, NICHT zu wählen, sondern dem Anderen in dessen Verschiedenheit gegenübertritt.

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  96. Und ich füge hinzu: Ich sage das nicht, weil ich draufhauen will, sondern weil ich es, ansatzweise, auch an mir selber kennengelernt habe..

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  97. Hallo meine Lieben,
    ich komme zwar bei euerem Gespräch nicht mehr mit, stimme aber vollkommen zu. Jeder hat irgendwas geast, was ich annehmen kann.

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  98. Grundsätzlich muss ich hinzufügen, ist doch das Wichtigste,den anderen einfach mal mitmachen zu lassen, im ausreichenden Mass, wenn es das ist was er selbst äussert, das fehlt.. Was fehlen sollte ist die Furcht gleich wieder aussortiert zu werden weil man mal piep gesagt hat.

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  99. @ Rainer:
    von „meiner“ Anthroposophie spreche ich überhaupt nirgendwo! Und wenn ich auf Mieke Mosmuller verweise, ist das eben ganz und gar nicht zufällig. Wenn Du in ihren Büchern nicht die wirkliche Substanz der Anthroposophie entdecken kannst – ich weiß nicht, ob Du etwas gelesen hast –, dann eben nicht. Was soll ich dazu sagen? Wenn Dich die Art stört, wie ich diesen oder jenen Veröffentlichungen entgegentrete – bitte, dann ärgere Dich daran und empfinde es als „Gemecker“. Wie gesagt: Ich erwidere auf meiner Webseite eigentlich nur auf das, wo ich wirklich eine große Notwendigkeit der Erwiderung sehe. Und ich tue das immer inhaltlich. Wenn Dich die Art stört, die Du als „rechthaberischer Groll“ empfindest, würde mich einmal interessieren, was Du inhaltlich zu diesem oder jenem Artikel zu sagen hättest. Nur von „Deutungshoheit“ zu sprechen, ist mir zu einfach. Mich würde interessieren, was Du als wahr und was als unwahr empfindest, denn um diese Fragen geht es doch. Ich schreibe Erwiderungen absolut nicht, um zu „schimpfen“, sondern weil ich Dinge als tief unwahr empfinde – und weil ich aufzeigen möchte, warum sie unwahr sind. Die Schärfe vieler Aufsätze bildet nur das Gegengewicht zu der Selbstverständlichkeit, Sorglosigkeit, Überheblichkeit, Auflagenstärke usw., mit der solche Gedanken geäußert werden, denen gegenüber ich dann die Notwendigkeit einer Erwiderung empfinde. Wenn man meine Erkenntnisse nicht teilt – bitte, dann eben nicht. Dann wird man sich ganz sicher auch an dem Stil ärgern, das ist natürlich klar. Was soll ich dazu noch sagen?

    Dass sich Steiner über einen grotesken Essay amüsiert, kann ich unmittelbar nachvollziehen – vielleicht hat er auch gesehen, dass die Verehrung durch weibliche Anhänger als Problem sehr gut getroffen war. Falls die Anthroposophie selbst Gegenstand des Essays war, gibt es durchaus auch eine Möglichkeit, sich zu amüsieren: über ein geistreich dargestelltes Unverständnis. Wenn aber ein Unverständnis vorliegt, braucht man sich nicht weiter damit zu befassen. Man amüsiert sich darüber – und das war es. Streng war Steiner dort, wo diejenigen, die sich selbst als Anthroposophen verstanden, die Anthroposophie nicht verstanden und sich ausdrücklich mit Gegnern einließen – etwa, um „in einen Dialog zu kommen“... Steiner wusste sehr gut, dass das zu nichts führte, sondern höchstens die Unwahrhaftigkeit gegenüber der Anthroposophie selbst steigern konnte. Die Gegner haben es an sich, dass sie die Essenz der Anthroposophie nicht verstehen; in den allermeisten Fällen wird man das auch schlicht und einfach nicht ändern können. Wenn aber nicht einmal der Wille da ist, sie (die Anthroposophie) verstehen zu wollen, dann hat ein Dialog absolut keinen Sinn. Wer die Anthroposophie aber verstehen will, ist bereits kein Gegner mehr – solange, bis er doch wieder meint, etwas verstanden zu haben, die Dinge aber in ihr Gegenteil verkehrt.

    Also: Sobald Grauer & Co deutlich machen, dass sie keine Anthroposophen sind und sein wollen, kann man sich über ihre Bücher amüsieren oder was auch immer – dann besteht kein Problem mehr. Wenn sie aber irgendeinen derartigen Anspruch erheben, dann ist die Situation sehr ernst: Dann sind es Menschen, die glauben, das Wesen der Anthroposophie zu erfassen, durch ihre Denkart aber nicht das Geringste erfassen, sondern dieses Wesen gerade töten und für andere unsichtbar machen. „Ironische Betrachtungen der Dornacher Szene“ wären nicht das Problem. Das Problem entsteht da, wo man die Karikatur mit dem Eigentlichen gleichzusetzen beginnt, ohne die Grenze scharf zu ziehen. Grauers Betrachtungen über „das gewohnte christliche Moralverständnis“ sind so ein Beispiel. Die Grenzen verwischen. Es wird immer unklarer, was Grauer selbst unter Anthroposophie versteht – und ob überhaupt etwas. Immer klarer wird sein Herabsehen auf „Steiners Dilettantismus“, sein Aufschauen zu irgendetwas an dieser entscheidenden spirituellen Strömung der Moderne ist nirgendwo zu erkennen. Und so kann ich darin nur eine echte Gegnerschaft sehen.

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  100. Die Ironie in Bezug auf die toten Formen ist heilsam, um das Tote dieser Formen zu erkennen. Wenn man einen Zugang zur Anthroposophie finden will, muss man aber die Ironie und alle ähnlichen Denkweisen ganz und gar ablegen und verlassen können. Kann man das nicht, weil sie einem in vielerlei Hinsicht zur (zweiten) Natur geworden sind, wird man diesen Zugang einfach niemals finden.

    Zum Schluss will ich aber auch zu den toten Formen noch etwas sagen: Man kann Jahreszeitentische, Naturprodukte und Weleda-Artikel sehr wohl zutiefst schätzen, ohne sich an etwas Totes zu klammern, „weil man das eben so macht“. Auch hier kann man eine Unterscheidung von außen kaum treffen. Es geht immer um die Frage des innersten Motivs. Es geht nicht darum, was jemand sagt, sondern wie es gesagt wird. Es geht nicht darum, was jemand tut, sondern wie und warum... Die vier Autoren machen sich über etwas lustig, was oft zur Karikatur verkommen sein mag, was aber auch vielfach zutiefst berechtigt und auch lebendig ist – sie selbst aber schreiben aus einer Sichtweise heraus, die absolut nicht berechtigt, irgendwelche Urteile zu fällen, weil sie sich auch über das Wesen der Sache noch lustig machen und voller Unverständnis blind daran vorübergehen. Ihnen ist nichts heilig – außer vielleicht wirklich ihre Frühstückscroissants...

    @ Ingrid: „Alles Gute“ habe ich Dir gewünscht, an alle Leser ging vor allem der herzliche Gruß... Natürlich kann ich auch den vier Autoren alles Gute wünschen, dem Buch aber nicht. „Das Gute“ wäre in Bezug auf manche Passagen, wo besagte Grenzen sich verwischen, schlicht und einfach, dass sie nie erscheinen würden. Wenn sie aber erschienen sind, wäre das Gute die Erkenntnis in jeder einzelnen Menschenseele, was hier wirklich vorliegt. Dann sind solche Passagen sozusagen eine Prüfung – und das Gute bestünde darin, dass sie bestanden wird...

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  101. @ Steffen: Sie sind ja auch voller Vorurteile, wenn Sie zuvor schreiben: „Danke, dieser Satz ist ein wichtiger Schlüssel für mich. Für Herrn Niederhausen wird er zunächst nicht viel bringen...er wird ihn zerpflücken und zurechtstutzen, solange bis er schließlich in sein Schema passt.“

    Ich sage nochmals, dass es mir nicht um fanatische Zwangsbekehrungen geht! Was soll der Vergleich mit diesem jungen Erwachsenen aus dem Buch von Mathias Wais? Ich habe gesagt, dass ich demjenigen entgegentrete, was ich selbst als schwerwiegende Irrtümer und Entstellungen ansehe. Das bedeutet nicht, dass man auf menschlicher Ebene und in der direkten Begegnung in irgendeiner Weise fanatisch oder missionarisch wäre. Um dies zu beurteilen, wird man mich schon wirklich persönlich kennenlernen müssen. Immerhin aber stehen ja nicht nur kritische und scharfe Aufsätze auf meiner Webseite, sondern auch ganz, ganz andere. Wenn diese den Eindruck nicht relativieren, dann tut es mir leid – wahrscheinlich wurden sie dann einfach (noch) nicht gelesen. Also: Die kritischen Aufsätze auf der Webseite bewegen sich ganz auf der Erkenntnisebene. Wenn man immer nur geltend macht, Schärfe sei unangebracht, dann bewegt man sich eben doch noch innerhalb des „Harmonie-Dogmas“. Auf der Ebene der Erkenntnis ist Schärfe sehr wohl nicht selten angebracht (ich habe oben auch gesagt warum). Ich missioniere niemanden, nicht einmal Grauer & Co. Aber ich gebe Gedanken zu bedenken, die ich für außerordentlich wichtig halte. Wer diesen Gedankengängen nicht folgen will, muss das nicht tun. Man kann sie links liegen lassen, oder sich sogar allein über den Stil aufregen, ohne sich um den Inhalt zu kümmern, oder auch beides.

    Das „Herzliche Interesse am Fremden“ (Wais) würde ich diesen vier Autoren wünschen, wobei ich für das „Fremde“ einmal die wesenhafte Anthroposophie setzen möchte. Wenn man über etwas schreibt, nimmt man eine Verantwortung auf sich. Ich nehme auch die volle Verantwortung auf mich, wenn ich den Worten von jemandem entgegentrete. Aber dieser hat zuvor die volle Verantwortung für das gehabt, was er gesagt hat. Es geht nicht immer nur um „herzliches Interesse“, es geht manchmal auch um das, was an Entstellungen in die Welt tritt. Da bräuchte es viel öfter, als es heute üblich ist, ein herzliches Interesse für die Wahrheit. Erst ein immer reineres Erkenntnisstreben kann auch ein wirkliches Interesse am Mitmenschen entwickeln. Sonst bleibt es bei den Weltanschauungskämpfen – oder allenfalls bei einer beliebigen Herzlichkeit ohne jedes Erkenntnisstreben. Mir persönlich ist die Wahrheit der Anthroposophie wichtiger als ein herzliches Verhältnis mit den vier Autoren, was sich ohnehin nie einstellen würde.

    Dass diese vier einen mindestens ebensogroßen Wahrheitsanspruch haben, wie er mir vorgeworfen wird, ist nur deshalb so schwer zu sehen, weil sie so salopp und unverbindlich daherkommen. Strenge und Ernst sind immer unbequem, Ironie und mangelnder Ernst sind heute ungeheuer sympathisch, jedenfalls leicht zu nehmen... Aber wie gesagt: Jedem das seine Verständnis. Wem meine Gedanken nicht bedenkenswert sind, der lasse sie links liegen. Wenn man mir meine Art und Schärfe, die Gedanken zu formulieren, vorwirft, tut man eben nichts anderes als das, was man mir vorwirft, nämlich „Vorwürfe machen“. Die Frage ist immer, warum. Wenn man sich an meiner Schärfe stößt, ohne wirklich auf den Inhalt einzugehen, kann man sie vielleicht einfach nicht ertragen? Bevor man aber von einer „Deutungshoheit“ spricht, sollte man sich doch mit den Inhalten auseinanderzusetzen und sie widerlegen.

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  102. Was ich nicht verstehen kann ist, warum um dieses Buch soviel Wirbel entsteht. Ich finde es nicht gut und werde es deshalb nicht lesen. Warum klammern sich da so viele Menschen fest?
    Herr Niederhausen, ich habe einige Artikel von Ihnen gelesen und kann manchem auch zustimmen z.b. was die Ernsthaftigkeit in manchen Bereichen anbelangt, u.a. Und gleichzeitig wünsche ich Ihnen mehr Spaß in Ihrem Leben. Wissen Sie was sich in unseren teilweise albernen Blog-Dialogen ausdrückt? Spielerische Sympathie und malerische HNO-Poesie.
    Sie möchten gerne banalen Alltag und „hohe“ Anthroposophie trennen, dazu meine ganz kurze Meinung:
    wenn der Alltag nicht lebendig von der Anthroposophie durchdrungen wird und Anthroposophie sich nicht - sich immer wieder neu-erprobend - im Alltag ausdrückt, wird alles (idealisierte) Wissen zu nutzlosem Nonsense.

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  103. Lieber Zuhörerundleser,
    danke für Ihre Wünsche. Vielleicht ist genau das das Hauptverständnisproblem: Wenn es so erscheint, als würde ich keine Freude und Leichtigkeit im Leben kennen, ist das eigentlich das entscheidende Vorurteil. Dafür bin ich aber nun wirklich nicht verantwortlich. Warum sollte ich mein Privatleben zum Gegenstand von Aufsätzen machen?
    Dass man manche Blog-Dialoge auch aus Spaß an der Albernheit führt – warum nicht? Das habe ich auch nie gemeint, sondern nur die mir aus Erfahrung sehr fraglich erscheinende Möglichkeit zu echten Dialogen und Annäherungen in weniger einfachen Fragen...

    Ja, ich möchte den banalen Alltag und die hohe Anthroposophie trennen – hier liegen Sie genau richtig. Aber dennoch sehe ich es ganz anders: Wenn der Alltag lebendig von der Anthroposophie durchdrungen wird, verliert er seine Banalität, und zwar vollkommen.
    Wenn wir da nicht einer Meinung sind, dann haben wir eben ein wirklich verschiedenes Verständnis von Anthroposophie. Der Alltag verliert seine Banalität vollkommen. Er verliert NICHT seine Freude, seinen Humor. Wahrer Ernst und wahrer Humor bilden ein Gleichgewicht (und beide verfallen nicht in die Extreme, nämlich den sauren Ernst oder die banale Albernheit). Und die tiefe Lebensfreude bildet die goldene Mitte, die alles durchdringt...

    Dennoch gilt für unsere heutige Zeit der Konsum- und Spaßkultur, dass der Ernst und die hohe Gesinnung, mit denen die reale Anthroposophie allein aufgenommen werden kann, ungeheuer unbekannt und unbeliebt geworden sind. Der Ernst, der hier „normal“ sein müsste, wird eigentlich der ganzen Welt, die ihn nicht aufzubringen bereit ist, als „saurer Ernst“ erscheinen. Es ist ein wenig wie in der Fabel: Die Trauben, die zu hoch hängen, sind sauer...
    Und schon die Haltung, das Wesentliche der Anthroposophie mal eben verstanden zu haben oder sich wie bei einem Steinbruch einfach nur das nehmen zu können, was einem gefällt, zeugt von einem mangelnden Ernst – dieser Anthroposophie gegenüber. Jedem das Seine. Aber der gegenüber der Anthroposophie notwendige Ernst ist doch sehr, sehr groß. Letztlich ist es nichts anderes als der notwendige Ernst gegenüber dem Menschenwesen selbst. Nun, man kann alles so leicht nehmen, wie man will. Wie gesagt, ich missioniere niemanden. Nur, wenn man mir vorwirft, ich nehme die Dinge zu ernst, sollte man sich („bei sich anfangen“!) selbst fragen, ob man sie ernst genug nimmt; ob man sich wirklich sicher ist, dass man sie tief genug verstanden hat...

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  104. Oh.
    Bevor es in Vergessenheit gerät:

    Lieber Manfred,
    also: das, was Du zitierst ("Aber wenn Du …, wirst Du nicht nur nicht weiterkommen,…"), hat ja nicht Michael gesagt, sondern es ist meine Interpretation seiner Worte.
    Und Michael selber schreibt gar nicht "Du", sondern "Man":
    "Man kann überhaupt nichts von Anderen verlangen. Man fängt einfach an."
    Holger greift diese Aussage in seinem Aufsatz auf, schreibt dabei aber "du": "Aus dem Grundsatz „Fange bei dir an,…“ macht er: „Du darfst … nicht erkennen“. Er meint mit diesem "du" (jedenfalls lese ich es so!) nicht Dich, Manfred, sondern das allgemeine "Menschheits-Du", für das man genausogut "man" oder auch "ich" setzen könnte.
    Und dieses "Du" habe ich aufgegriffen - in dem von Dir zitierten Satz meint mein "Du" also ebenfalls keineswegs Dich, Manfred, im besonderen, sondern Dich, Michael, Holger, Rainer, mich… uns alle, deren "Bretter vorm Kopf" mit der Zeit immer kleiner werden und schließlich ganz verschwinden mögen…

    Genug der Exegese - ich hoffe, das Mißverständnis ist damit bereinigt, und Du liest nun keine "Unterstellung" Dir gegenüber mehr aus meinen Worten.

    Und liebe ZuL,
    ich freu mich immer, wenn ich etwas von Dir lese - das möchte ich bei der Gelegenheit doch einmal ausdrücklich sagen.
    "Warum klammern sich da so viele Menschen fest?" - ja, das ist eine sehr gute Frage, die ich auch immer wieder habe.

    Herzlichen Gruß,
    Ingrid

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  105. Und nun noch zum "Essäertum":

    Ich habe auf die Essäer hingewiesen nicht etwa wegen der (natürlich immer wünschenswerten!) Offenheit gegenüber anderen Menschen und damit gegenüber der ganzen Welt, sondern wegen der Offenheit gerade gegenüber den beiden "Widersachern", die in der Anthroposophie Ahriman und Luzifer genannt werden.
    Wenn ich diese beiden "Widersacher" von mir selber wegweise, schicke ich sie damit zu anderen Menschen. Es muß dann daher zu meinem Heil immer irgendwelche "anderen" geben, bei denen Ahriman und Luzifer offene Türen finden, was ich dann wieder verurteilen kann.
    Davon ist die Rede in Rudolf Steiners "Fünftem Evangelium", wenn er schreibt, daß Jesus wußte: "… auf Essäerweise war der allgemeinen Menschheit der Zusammenhang mit der göttlich-geistigen Welt" nicht zu bringen."
    Ich stimme ihm darin zu.

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  106. "...Wenn es so erscheint, als würde ich keine Freude und Leichtigkeit im Leben kennen, ist das eigentlich das entscheidende Vorurteil.....Warum siollte ich mein Privatleben zum Gegenstand von Aufsätzen machen?"
    Ich schließe aus dem Gesagten, dass Sie zu den Glücklichen zählen, die im Privatleben tiefe Lebensfreude und ihre goldene Mitte gefunden haben.
    Möchten Sie damit sagen, dass Ihr Alltag beruflich "banal" geblieben ist?

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  107. Liebe Ingrid,
    die Folgerung, die Du ziehst, stimmt so aber nicht. Das Fünfte Evangelium schildert doch die Verhältnisse, die Jesus erlebte und an denen er bis zur inneren Ohnmacht diese Frage empfand. Die Folge davon war, dass sein Ich ihn verließ und er den Christus in sich aufnehmen konnte. Seitdem der Christus selbst durch Tod und Auferstehung ging und sich mit der Erde verbunden hat, muss man sich nicht mehr in Essäerweise auf Kosten von allen anderen in die geistige Welt hinaufheben, sondern seitdem ist für alle Menschen „der Himmel wieder offen“! Das ist doch das Geheimnis der Anthroposophie: Die geistigen Welten sind wieder zugänglich, wenn man sich auf den Weg begibt!
    Heute kann man durch die Kraft desjenigen, der „die Welt überwunden hat“, die Widersacher in sich selbst in berechtigter Weise ins Gleichgewicht bringen, ohne dass anderen dieselbe Möglichkeit genommen wird. Es geht nicht mehr um ein Wegschicken, um ein Sich-Absondern, sondern um das heilige Gleichgewicht in jedem Einzelnen.

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  108. Nein, mit der Frage, warum ich mein Privatleben zum Gegenstand von Aufsätzen machen sollte, meinte ich mein privates Empfinden und habe da überhaupt nicht in „Privatleben“ oder „Berufsleben“ getrennt. Sondern ich meinte: Wenn ich in meinen Aufsätzen Erkenntnisfragen behandle, geht es mir nicht darum, wie glücklich ich persönlich bin oder nicht bin. Die Frage war doch: Wieso klingen meine Artikel so ernst (und in vielen Ohren: so freudlos)? Spiegelt dies meine Persönlichkeit? Die Antwort ist: Ernst sind sie, weil es um ernste Fragen geht, auf die tiefe Antworten zu finden sind. Sie sagen nichts über die Freude und den Humor usw. aus, die ich in meinem privaten (nicht in die Öffentlichkeit gestellten) Leben ebenso kenne. Aber auch Humor und Freude werden um so tiefer, je tiefer die Lebensfragen sind und je größer der Ernst, mit dem Antworten gesucht werden. Ich denke, auch das ist eine Erkenntnisfrucht, die uns nicht zuletzt die Anthroposophie schenken kann.

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  109. Lieber Holger,
    "die Folgerung, die Du ziehst, stimmt so aber nicht."
    Welche Folgerung meinst Du? Ich habe gar keine Folgerung gezogen, ich wollte nur darauf aufmerksam machen, wovon im "Fünften Evangelium" die Rede ist, wenn es um das "Essäertum" geht.
    Daß man sich, wie Du sagst, heut nicht mehr "in Essäerweise auf Kosten von anderen in die geistige Welt hinaufheben" muß, ist mir sehr klar - genau darauf wollte ich hinaus.

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  110. Liebe Ingrid,
    wenn Du auch darauf hinauswolltest, freue ich mich. Dennoch steht natürlich die Frage im Raum, ob ich mich wie die Essäer verhalte – denn Michaels Vorwurf an mich war ja ausdrücklich, ich würde Dämonen (bei anderen) sehen. Aber ich will mit meinen Aufsätzen gerade klare Urteilsgrundlagen schaffen, versuche auch alles, was ich schreibe, zu begründen und so weiter. Bei der Frage nach dem Wesen der Anthroposophie sind die Dämonen vielleicht in der Tat am aktivsten – um so viel wie möglich zu verschleiern und zu verführen. Was ich als Schleier und Entstellungen empfinde, versuche ich zu durchdringen. Mir geht es nicht darum, einen einzigen Menschen – auch nicht diejenigen, deren Worte ich als schlimmes Gegnertum in Bezug auf die Anthroposophie ansehen muss –, in die Hände der Dämonen zu stoßen, im Gegenteil.

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  111. @Ingrid
    Dein: "Davon ist die Rede in Rudolf Steiners "Fünftem Evangelium", wenn er schreibt, daß Jesus wußte: "… auf Essäerweise war der allgemeinen Menschheit der Zusammenhang mit der göttlich-geistigen Welt" nicht zu bringen."
    Ich stimme ihm darin zu."

    Du, das ist bzw. war mir schon klar, damit setze ich mich schon mindestens 15 Jahre auseinander, wahrscheinlich länger als du und das schenkt auch ein wenig Lebenserfahrung und vor allem Weltoffenheit, Madame Ingrid ;-)

    Meine Essäer bzw. Esseneräußerungen waren auch mehr auf H. Niederhausen bezogen, das musst dir doch klar geworden sein und diesmal, sorry, auch nicht mit Zitaten untermauert unseres lieben
    D o k t o r Steiner.
    Ich teile eben nicht diese Art der grauen Eminenz und sein "verschlossenes Haus" nebst Predigertum und Steiner-Pur, das kann im übrigen jeder...Grundsätzlich ist mir das viel, viel zu eng. Anthroposophie ist etwas lebendiges und wenn es nur kalte Erkenntnis sein soll, am Leben vorbei, elitenmäßig womöglich noch, dann ohne mich, ein Horror ist das.

    Das Leben IST und auch da draußen und wir hier, sind doch nicht doof, als dass wir nicht erkennen könnten, dass Niederhausen starke, fundamentalistische Tendenzen hat, wobei ne Menge "Einseitigkeiten aus den Fugen geraten" - seines Elfenbeinturmes. Das ist Mönchstum, Steinermönchstum, meinetwegen auch etwas Essenermäßig..(die Einseitigkeiten muss er selber rausfinden).

    Mathias Wais hatte für mich Recht, vor allem aus Erfahrung geboren, dort draußen in der bösen Welt...Und ich akzeptiere Ihre, Herr Niederhausen, Umdeutungsversuche bezügl. Wais auf keinen Fall für mich.

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  112. Herr Niederhausen, ich verabschiede mich jetzt von Ihnen, weil andere Dinge auf mich warten.
    Bitte vergessen Sie nicht für die großzügige Gastfreundschaft unseres Blog-Wirtes auch ein Trinkgeld zu hinterlassen. Dieses kommt uns allen zugute, wir veranstalten damit ein freudiges fest, oder machen vielleicht eine Reise... oder wer weiß

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  113. Ich sage auch Tschüß, zum Kuscheln ist mir heut nicht zumute gewesen, das können dann gerne andere machen. Denn, wir sind trotzallem tolerant. Eine sehr nette Kneipe eben, mit einem netten Wirt Namens Michael, der die Kneipe immer offen hat, Herr Niederhausen: OFFEN. Aber wir sind auch ehrlich, wie das manchmal so ist beim groben Volke, am Stammtisch. Da hilft dann kein Gesäusel und kein Zitat, da muss es nur raus (Steiner liebte ja die groben Arbeiter...was ihm bis heute angekreidet wird von einer vermeintlichen Oberschicht...hab ich mal gehört..).

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  114. :-)
    Also lieber Steffen, fühlst Dich jetzt etwa Du von mir "auf den Schlips getreten"? Das lag nicht in meiner Absicht.
    Es ging mir nicht darum, was Du längst erkannt hast oder auch nicht, oder wer von uns beiden das "besser" oder auch nur "schon länger" weiß - ich wollte nur einfach hier in dieser Diskussion wirklich das zum Thema machen, daß es nicht darum gehen kann, Ahriman und Luzifer von sich fortzuweisen (und sie damit anderen zuzutreiben), sondern vielmehr darum gehen sollte, wie Holger ja auch gerade gesagt hat, die beiden "Widersachermächte" in sich selbst ins Gleichgewicht zu bringen.
    Das ist im übrigen, zumindest meiner Meinung nach, genau das, was Michael ausdrückt, wenn er sagt "Man kann überhaupt nichts von Anderen verlangen. Man fängt einfach an."
    Man wird damit, da bin ich sicher, zu dem gelangen, was ZuL so schön in Worte gekleidet hat und was ich hier noch einmal wiederholen möchte, damit es nicht in Vergessenheit gerät:
    "Ein Ich, das sich die Freiheit erworben hat, eine eigene unterentwickelte Seite, die sich in einer automatischen Reaktion ausdrücken möchte, NICHT zu wählen, sondern dem Anderen in dessen Verschiedenheit gegenübertritt".

    Und das Zitat vom Herrn Doktor wollte ich nicht etwa Dir, Steffen, "um die Ohren schlagen" (ich versuche wirklich, überhaupt niemandem etwas "um die Ohren zu schlagen"), sondern ich habe es zitiert in der Hoffnung, nein, in der Gewißheit, daß der Inhalt dieser Sätze von Holger akzeptiert werden und ihn nicht zum Widerspruch reizen würde.

    So, und nun genug für heute. Noch einen schönen Abend, und gute Nacht!
    Ingrid

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  115. Liebe Ingrid, "die beiden "Widersachermächte" in sich selbst ins Gleichgewicht zu bringen.
    Das ist im übrigen, zumindest meiner Meinung nach, genau das, was Michael ausdrückt, wenn er sagt "Man kann überhaupt nichts von Anderen verlangen. Man fängt einfach an.""
    Da ich bemüht bin, nur über Dinge zu sprechen, die ich aus eigener Anschauung kenne ("Widersacher" gehören nicht dazu), kann ich dazu nichts sagen.

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  116. @ Steffen: Ich deute die Erfahrung von Herrn Wais auf keinen Fall um, und für Sie schon gar nicht. Ich habe mich nur geweigert, sie auf mich übertragen zu lassen.
    Ich glaube nicht, dass Sie weiterkommen, wenn Sie nun auf ein merkwürdiges „Wir“ verweisen und nun dieses „Wir“ erkennen soll, dass ich fundamentalistische Tendenzen hätte.
    Eine Anthroposophie, die kalte Erkenntnis sein soll, wäre auch für mich ein Horror. Zum Glück ist sie das nicht, aber das muss jeder selbst erfahren. Mich graust es nur, wenn ich sehe, was Menschen heute alles unter Anthroposophie verstehen, zur Anthroposophie erklären und aus der Anthroposophie machen. Auf diese Unsäglichkeiten weise ich hin.
    Ich glaube eben, dass man es sich heute so ungeheuer oft viel zu einfach macht. Wie ist es denn mit der Antwort auf die Frage, ob sich nicht Rudolf Steiner sehr oft sehr einsam gefühlt habe? Bei wie vielen hat er wohl erlebt, dass die Anthroposophie wirklich verstanden wurde? Eine Handvoll? Etwas mehr?
    Und zu dem Wirt: Du meine Güte! Nehmen Sie es mir etwa übel, dass ich keine Kneipe aufgemacht habe!? Schlagen Sie mir jetzt dieses „OFFEN“ um die Ohren? Dann kommen wir wohl wieder keinen Schritt weiter. Ich habe gesagt, was ich von Stammtisch-Diskussionen halte. Nichts gegen die Ehrlichkeit des einfachen Volkes, die doch wunderbar ist! Aber ich bin eben auch ehrlich...
    Mir fällt auf, dass zu der Frage, ob die Vier Verkünder des „Sechsten Evangeliums“ irgendetwas mit Anthroposophie zu tun haben, nichts gesagt wurde. Stattdessen wurden bisher nur die Einwände gegenüber meinem Stil wiederholt – und die Tatsache, dass ich keine Kneipe aufgemacht habe. Können wir (!) davon nicht einmal wegkommen und inhaltlich auf die Frage eingehen, die ich in meinen letzten drei Artikeln aufgeworfen habe?

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  117. Lieber Herr Niederhausen, "Mir fällt auf, dass zu der Frage, ob die Vier Verkünder des „Sechsten Evangeliums“ irgendetwas mit Anthroposophie zu tun haben, nichts gesagt wurde." Kein Wunder, ist die Frage doch nicht nur irrelevant, sondern auch vollkommen sinnentleert. Es gibt keine Kommission, die feststellen könnte, ob ein Mensch "anthroposophisch genug" wäre oder nicht. Das konstruieren nur Hohlköpfe, um sich wichtig zu machen- eine Sache des aufgeblasenen, wichtigtuerischen Anthro- Egos. Die katholische Kirche hat es diesbezüglich mit der Glaubenskongregation versucht. Ich denke, Sie sind mit ihren doktrinären Forderungen anmassend und hinterwäldlerisch. Sie vertreten nicht die "wahre Anthroposophie", denn die gibt es gar nicht. Freie Menschen definieren ihre Beziehung zur anthroposophischen Bewegung selbst und aus freien Stücken. Es sind keine Inquisitoren nötig.

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  118. Aha, das war nun einmal ein sehr, sehr klares Eggert-Statement, vielen Dank. Ich bin gespannt, wie das andere Besucher Ihrer Kneipe sehen. Natürlich definieren die Menschen ihre Beziehung zur Anthroposophie selbst, das war schon immer so und wird auch immer so sein. Inwieweit sie der Anthroposophie durch diese Definition nahe kommen, bleibt die offene Frage, die weniger von ihnen als von der geistigen Welt beantwortet wird. Ich glaube, auch das habe ich auf meiner Webseite des öfteren deutlich gesagt. Von der Freiheit will ich hier lieber gar nicht reden, denn auch diese ist immer erst die Frucht eines langen Weges.

    Nun – sollte die Gretchen-Frage in Bezug auf diese vier Autoren tatsächlich so irrelevant und sinnentleert sein, wie Sie meinen, weil eben jeder sein Verhältnis zur Anthroposophie selbst definiert und es das Wesen der Anthroposophie (Rudolf Steiner sprach von einem Wesen!) gar nicht gibt ... ja dann habe ich mich hier in diesem Blog wohl wieder völlig verirrt und beeile mich, ihn wieder zu verlassen. Bleiben Sie ruhig im Dialog mit allen möglichen Leuten, die ihre Beziehung zur Anthroposophie wie auch immer definieren und die welche Evangelien auch immer verkünden. Ich bleibe dabei, dass die Wahrheit nicht so beliebig ist und dass es Unwahrheiten und Entstellungen gibt, die schlimmer sind als andere.

    Wenn mich künftig wieder Menschen als „Hohlkopf“ und „aufgeblasenes Anthro-Ego“ beschimpfen, weiß ich, dass ich auch darauf nichts geben brauche, weil diesen Menschen die Frage der Wahrheit ja teilweise so beliebig ist, dass sie ihre Definition jedem selbst überlassen.

    Ich zitiere nur zwei von ganz vielen Worten Rudolf Steiners zu dieser Frage:
    „Wer geisteswissenschaftliche Resultate ... gewinnen will, der muß vor allen Dingen mit einer heiligen Scheu, mit einer unbegrenzten Ehrfurcht dem gegenüber stehen, was Wahrheit, was Erkenntnis genannt werden kann.“
    „Denn wenn man kein Gefühl davon hat, wie weit die Urteile, die heute herumschwirren und herumsausen, von Objektivität entfernt sind, dann wird man nicht einmal den Antrieb in sich erleben, zu einer Klarheit, zu einer innerlichen Wahrhaftigkeit des Denkens zu kommen.“

    Es ist sehr merkwürdig: Obwohl sie selbst auch eindeutig Stellung z.B. zu Gronbach, von Halle usw. beziehen, werfen Sie nun mir alle diese Worte an den Kopf? Wo liegt denn der Unterschied? Sie beziehen Stellung, ich beziehe Stellung. Mir gegenüber sagen Sie, jeder definiert sein „Anthroposophentum“ selbst. Doch selbst sagen Sie doch teilweise ebenfalls sehr deutlich, dass dies oder jenes mit Anthroposophie nichts zu tun habe? Sehen Sie das dann etwa trotzdem nur als ihre „eigene Meinung“ an? Woher dann diese Meinung? Gibt es für Sie denn überhaupt keine Erkenntnis? Und wozu diese Meinung dann überhaupt äußern? Damit man erfährt, was ihre Meinung ist?

    Ihr heftiger astralischer Ausbruch zeigt mir, dass die Frage nach der Wahrheit große Antipathien auslösen kann. Ich frage mich, wie Menschen ihre Beziehung zur Anthroposophie definieren können sollen, wenn es das Bezugszentrum gar nicht geben soll? Beim Christentum ist es so, dass man sehr wohl sagen kann, in welchem Maße jemand ein Christ ist – das hat nichts mit Inquisition zu tun, sondern mit Erkenntnis. Glauben Sie etwa, ich wolle Grauer & Co an den Kragen? Ich will nur, dass erkannt wird, wer in einer solchen Denkweise „das Völkchen am Kragen hat“. Erkenntnis hat übrigens nichts mit Abstimmung, Konsens oder Glaubenskongregationen zu tun...

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  119. Herr Niederhausen, "weil eben jeder sein Verhältnis zur Anthroposophie selbst definiert und es das Wesen der Anthroposophie (Rudolf Steiner sprach von einem Wesen!) gar nicht gibt ..." Letzteres habe ich nicht gesagt. Ich habe nur gesagt, dass weder Sie noch Herr Rapp darüber zu befinden haben, wie Jemand seine Beziehung zur Anthroposophie gestaltet. Man kann sich aber in meinen Augen berechtigt dagegen wehren, dass z.B. ein Herr Gronbach behauptete, er vertrete die legitime Fortentwicklung der gesamten Bewegung. Die exklusive Inanspruchnahme betreiben Sie aber auch, sonst könnten Sie ja nicht behaupten, dieser oder jener verfehle die Beziehung zur "wahren Anthroposophie". Sie sind also in dieser Hinsicht nur eine andere exklusive Abart des Gronbachismus. Das meinte ich mit "aufgeblasenes Anthro- Ego". Das "Bezugszentrum" zur Wahrheit gibt es- nur muss es jeder für sich und in sich entdecken. "Die Wahrheit", die jemand im Namen Aller für sich pachtet, gibt es nicht. Dann wird sie zur Ideologie und zur Anmaßung. Im übrigen ist das "6. Evangelium" ja nur geschrieben worden, um Leute wie Sie in Rage zu bringen. Es ist ein Katz-und-Maus"-Spiel, und Sie sitzen schon in der Falle.,

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  120. @H. Niederhausen
    Tut mir ja Leid, wenn Worte wie "Kneipe" - "Stammtisch" usw. - evtl. ganz spezielle, As(s)oziationen bei ihnen weckten. Hier sind es nur harmlose und liebvolle Bezeichnungen, Gleichnisse für ein Häuschen, ein Zusammenkommen von Suchenden, Fragenden und ganz pfiffigen Menschlein, auch mit all ihren kleinen Schwächen und lustigen Eigenarten.

    Natürlich brauchen, sollen Sie keine "Kneipe" aufmachen. Aber es hat was von Denunziantentum, eigentümlicher Widersprüchlichkeit und vielleicht sogar Neid, wenn Sie aus Ihrem doch eher verschlossenen Häuschen auf andere zeigen und außerdem - sicher auch hier "in der Kneipe" regelmäßig lesen!! (was ich nicht verstehen würde, denn man könnte sich ja beschmutzen oder ist es insgeheim doch die Lust? Das erinnerte mich dann an den wunderbaren Film "Das Geisterhaus")...

    Sie scheinen sich durch ihre selbstgebackene, geschliffenen Anthromoral und im Vergleichen mit anderen, überhöhen zu wollen, das kommt rüber.

    Klar war Steiner auch mal einsam, auch übermüdet sicher...genau wie wir alle mal einsam sind, aber daraus kann man auch gestärkt hervorgehen, auch mittels Anthroposophie und Steiner...ich habe ihm da einiges zu verdanken...

    Gibt es DIE Wahrheit? (oder doch zumindest 12 Ansichten der Wahrheit mit dem 13 ten in der Mitte?)

    Er hat immer gefordert seine Worte, seine Wahrheiten zu prüfen und nicht nur zu glauben. Haben Sie das gemacht? Irgendwie? Es gibt Anthrop. die das sehr gewissenhaft machen (z.B. in der Atlantisfrage, bezügl. Völker und Rassen etc)..da kommen die unterschiedlichsten Dinge bei heraus und durchaus auch moderate Zweifel hier und da..

    Aber, ist es nun wirklich diese ganz spezielle Steiner-Einsamkeit, die auch Sie jetzt für sich in Anspruch nehmen, um Ihre Arbeit, besser Kritik, zu schützen und zu rechtfertigen? Da bin ich mir erstens gar nicht so sicher und zweitens wäre das ein merkwürdiges Argument, denn dann wären Sie ja gar nicht Sie selbst! - was Steiner aber immer wollte! Im übrigen war Steiner sicher nicht immer einsam, er hatte auch Freunde in herzlicher Verbundenheit z.B. Morgenstern, Rittelmeyer, Wegmann, Marie etc. - und sicher hatte er auch fröhliche Zeiten z.B. wenn er Karikaturen zeichnete und sich dabei insgeheim ins Fäustchen lachte ;-)
    Sagen Sie jetzt nicht, das seien nur Zerstreuungen gewesen...Und sein ganzes Kunstschaffen war bestimmt auch sehr beglückend für ihn, denn Kunst war sein Ding.

    Nein, nochmal - Steiner wollte bestimmt keine EINSZUEINS Menschen oder gar Automaten, das hätte ihn gelangweilt...sondern er liebte die freie Individualität, richtige Persönlichkeiten, wie er sagte, die mit ihren Talenten wuchern und mitten im Leben stehen.

    Denn, was wären denn Automaten geisteswissenschaftlich gesehen?

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  121. Tja, also man sieht es oder man sieht es nicht --

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  122. @ Michael Eggert: Mit dieser Antwort kann ich noch nicht viel anfangen. Ich verweise auf einige schlimme Entstellungen, die im Namen der Anthroposophie geschehen, und Sie werfen mir Deutungshoheit vor und vergleichen mich mit Gronbach, der Beispiele solcher Entstellungen gibt? Es würde Sie also an Gronbach nichts weiter stören, wenn er keine Exklusivität beanspruchen, sondern sich nur Anthroposoph nennen und für sich Werbung machen würde? Ist Gronbachs „Anthroposophie“ für Sie keine vollkommene Entstellung? Wer spricht denn von „Wahrheit pachten“? Du meine Güte! Nochmals: Jeder kann sich zu jedem meiner Aufsätze jederzeit ein differenziertes eigenes Urteil bilden. Es gibt aber einen Geisteskampf um das Wesen der Anthroposophie – wahrscheinlich ist dies genau das, was Sie abstreiten. Offenbar sagen Sie: Jeder muss für sich selbst zur Wahrheit kommen, man soll weder Hinweise geben, noch Entstellungen aufzeigen. Gibt es für Sie Entstellungen? Oder glauben Sie, der Hinweis auf eine solche macht die Menschen unfrei? Oder so etwas sei immer Anzeichen dafür, dass man „die Wahrheit gepachtet“ habe? Oder was sonst?
    Das „Sechste Evangelium“ ist nicht nur geschrieben worden, um Leute wie mich in Rage zu bringen. Es ist geschrieben worden, weil die Vier teilweise selbst glauben, was sie da schreiben – und da sage ich: Von der wirklichen Anthroposophie haben Sie keine Ahnung, und spätestens da, wo sie die Grenzen überschreiten, zerstören sie sie geradezu, stellen sich ihrem Wesen zumindest ganz eindeutig entgegen. Das muss Ihnen doch auch ihr eigenes Bezugszentrum sagen? Ja oder nein?

    @ Steffen: Sehen Sie, da gehen die Missverständnisse schon weiter. Ich will mich absolut nicht mit Steiner vergleichen, sondern zum Ausdruck bringen, dass man sich der Anthroposophie nur mit einem großen Bemühen um eine tiefe Verwandlung der Seele (wozu ein ebenso tiefer Ernst in Bezug auf die Notwendigkeit dieser inneren Arbeit und die damit verbundenen Erkenntnisse) annähern können wird – und dass sich die meisten Menschen nicht wirklich auf diesen anstrengenden und ernsten Weg machen.
    Ich will mich auch absolut nicht überhöhen, auf irgendeinen Sockel stellen oder was auch immer. Mir geht es um Erkenntnisfragen. Entweder man kann das, was ich schreibe, nachvollziehen oder nicht. Aber dieses ewige Gerede von „Deutungshoheit“ oder Schlimmerem macht mich einfach nur ratlos. Keinerlei Eingehen auf die aufgeworfenen Fragen! (Eggert gibt wenigstens eine deutliche Antwort darauf, auch wenn sie wieder neue Fragen hervorbringt). – Und: Werfen Sie mir etwa vor, ich wolle ein Automat oder eine Steiner-Kopie sein?
    Ich stelle nochmals die Frage: Von wie vielen Menschen fühlte Steiner sich und die Anthroposophie wohl wirklich verstanden?

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  123. Lieber Herr Niederhausen, wenn Sie auf der Ebene "Diskussionsbeitrag" argumentieren und nicht einen "Geisteskampf" postulieren, ist doch alles in Ordnung. Niemand als Sie selbst hat Sie berufen, als Gralshüter Richtung Jerusalem zu ziehen- dies hier ist nicht die Zeit für Kreuzzüge. Auch nicht die für verstiegene "Missionen". Was Herr Gronbach ansonsten treibt, geht mich gar nichts an und ist mir vollkommen egal. Eine "Entstellung" finde ich das, was er von sich gibt, ja schon. Aber ich finde es eher unfreiwillig komisch.

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  124. Alternativer Titelvorschlag: "Endstation Pubertät." Außer zartem und schwarzen Humor gibts noch den unfreiwilligen oder überhaupt-nicht-Humor, das mitleiderweckende Gegacker der Pubertierenden.

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  125. Lieber Herr Eggert,
    nehmen Sie mir meine folgende Ironie und meine Wieder-Gabe Ihrer Formulierungen nicht übel. Ich meine es nicht so, aber ich kann Ihnen das, was ich sagen möchte, diesmal vielleicht nur so verdeutlichen: Wie schön, dass Sie nun die Deutungshoheit beanspruchen, wann etwas in Ordnung sei und wann nicht; welche Zeit heute sei und welche nicht! Woher wissen Sie das alles? Sind das vielleicht die deutungshoheitlichen Gedanken eines aufgeblasenen, selbsternannten Toleranzlers, der sich durch sein allumfassendes Freilassen selbst überhöht?
    Wenn Sie mich als Gralshüter empfinden und/oder damit ein Problem haben, dann ist das doch Ihre Sache. Warum soll ich mich auf die Ebene „Diskussionsbeitrag“ begeben, die Sie als allein wirklich ansehen? Niemand als Sie selbst hat Sie berufen, das „Diskurs-Zeitalter“ auszurufen!

    Dass Sie Gronbach nur unfreiwillig komisch finden (und mich natürlich auch), ist ebenfalls Ihre Sache und Ihre Weltsicht. In meiner Welt gibt es den Gral noch... Machen Sie daraus jetzt bitte nicht wie Gronbach einen Wesenszoo! Aber Sie werden es sicher doch tun, denn auch für Sie scheint es die Widersacher ja nicht zu geben, und so sind Sie Gronbach und seiner Umdeutung („Steiner meinte es alles gar nicht so“) vielleicht innerlich doch näher als man denkt?

    Wenn es die Widersachermächte aber gibt, warum sollte es heute weniger als vor einhundert Jahren die Zeit der Geisteskämpfe sein? So wie Sie es „unfreiwillig komisch“ finden, was Gronbach tut, und auch, was ich schreibe, so finde ich es tragisch, dass Sie die Dinge so leicht nehmen. Wenn es jedem überlassen sein sollte, was er aus der Anthroposophie macht, warum hatte Rudolf Steiner immer wieder dazu aufgerufen, die Anthroposophie mit vollem Ernst zu vertreten und zu verteidigen?

    Ich gebe noch zwei Zitate, die ganz in unseren Zusammenhang passen:
    „Als ich nach Stuttgart gekommen hin, wurde mir mitgeteilt, daß aus unseren Kreisen heraus allerlei Urteile registriert worden sind darüber, wie es doch scharf sei, einem alten Herrn, der ja sogar Schriften von mir gelesen hat, in einer solchen Weise entgegenzutreten. Man müsse doch Rücksicht nehmen auf erstens – zweitens – drittens ... Das ist leider auch in unseren Reihen noch vielfach verbreitet, daß einem gerade dann, wenn es sich darum handelt, an irgendeinem Punkte Ernst zu entwickeln ... in den Rücken gefallen wird.“
    „In der Anthroposophischen Gesellschaft ist leider immer die Sehnsucht vorhanden, viel mehr dasjenige anzuklagen, was aus der Wahrheit heraus spricht, als solche Gegner anzuklagen, die aus ihren Seelenuntergründen heraus alle Wahrheit in den Kot treten möchten. Solange es noch in der Anthroposophischen Gesellschaft selber Usus ist, immer wieder Mitleid zu haben mit der Lüge, so lange kommen wir nicht vorwärts.“

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  126. Lieber Herr Niederhausen, "Wenn Sie mich als Gralshüter empfinden und/oder damit ein Problem haben, dann ist das doch Ihre Sache. Warum soll ich mich auf die Ebene „Diskussionsbeitrag“ begeben, die Sie als allein wirklich ansehen? Niemand als Sie selbst hat Sie berufen, das „Diskurs-Zeitalter“ auszurufen!"
    Stimmt, das ist wirklich meine Sache und meine Sicht der Dinge, niemand hat mich berufen, schon gar nicht Sie. Ich sehe es so, dass Sie sich in eine Ecke gedrängt haben, aus der Sie schwer heraus kommen, aber Sie sehen sich weder bedrängt noch beschnitten. Lassen wir es vorerst dabei bewenden. "Leicht" nehme ich das übrigens nicht, aber ich sehe das eben als Diskussion und nicht mehr.

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  127. @Herrn Niederhausen - Zu:

    "Ich stelle nochmals die Frage: Von wie vielen Menschen fühlte Steiner sich und die Anthroposophie wohl wirklich verstanden?"

    Weiss ich nicht. Es sind heute auf jeden Fall sehr, sehr viele Menschen, auch weil aus wunderbar unterschiedlichen Blickwinkeln und Charakteren heraus Anthroposophie gesehen und gelebt wird, was für ein Glück. Denn das kann gar nicht anders sein!

    Gegenfrage: Was halten sie von Christian Morgenstern, Jean Paul, Kant,Ita Wegmann und der anthr. Initiative Sekem?
    Es sind die unterschiedlichsten Menschen und sind für die unterschiedlichsten Menschen Freunde, Inspiration und 'Heimat', jeder wie er möchte und soll. Sie finden Jean Paul vielleicht uninteressant, vielleicht weil er Bier trank? - ich finde ihn gut weil er mir etwas zu sagen hat...Warum? Weil er eben just nur mir was geben kann, was er ihnen nicht geben kann. Oder - Sie finden Sekem gut und ich auch, da haben wir was gemeinsam usw. usf.
    Ita Wegmann finden einige suspekt oder gar doof, denn einige meinen, sie hätte Steiner umgebracht...bewiesen? Nö. Sie hat aber Wunderbares geleistet, Dinge die bis heute Bestand haben und Leben retten! Ich finde sie gut, in einigen Dingen, andere gar nichts..ist ok..so ist das Leben wohl..

    Oft, viel zu oft, ist das Leben der Menschen hartherzig und engstirnig...ich glaube daran hat Steiner gelitten..

    Es gibt also keine Gleichschaltung, es gibt bestenfalls ein Orchester, eine wunderbare Symphonie, wenn die Menschen dazu fähig wären...aber das dauert wohl noch etwas..

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  128. Liebe Ingrid :-)
    Entschuldigung, ich hatte im Eifer des Gefechtes da etwas missverstanden. Nämlich - als hättest du meine Darstellungen dieser Offenheit (der Essener) als 'beliebig'und meinen Bezug zu Herrn Niederhausen, gar nicht gesehen. Sorry!

    LGR-Steffen

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  129. Hier mal etwas zu Sekem, falls es noch nicht bekannt ist. Netter Artikel und mit durchaus guten Fragen und Hinterfragungen..

    http://www.info3.de/c5/index.php/projekte/stichwort-anthroposophie/sekem/

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  130. @ Holger Niederhausen

    "Wahrheit ist nichts an und für sich selbst. Sie entwickelt sich im Menschen wenn dieser die Welt auf seine Sinne und auf seinen Geist einwirken lässt. Je nach seiner Organisation hat jeder Mensch seine eigene Wahrheit, die nur er in seinen intimen Zügen verstehen kann. Wer eine allgemeingültige Wahrheit verlangt versteht sich selbst nicht" R.Steiner, Anmerkungen zu Goethes "Sprüche in Prosa".

    Ist eigentlich nicht mein Stil, mit Steiner-Zitaten um mich zu werfen, (weil das jeder kann) aber vielleicht ist das die Sprache, die Sie verstehen.

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  131. @Herrn Niederhausen abschließend.

    Guten Morgen,
    ich möchte noch kurz etwas zu dem Titel des Buches sagen - "Das sechste Evangelium".
    Ich kann schon verstehen, dass sich dieser Titel für Sie befremdend anhört, auch mir ist das 5. Evangelium von Steiner etwas Besonderes.

    Nur, ich habe das Buch noch nicht gelesen und weiss somit nicht, wie die Autoren auf diesen satirischen Titel gekommen sind. Ich hörte nur, hier im Blog, dass die Autoren etwas aufzuarbeiten hätten -Traumatas- da sie in einem anthrop. Elternhaus großgeworden sind und wahrscheinlich nicht die gesündesten Erfahrungen gemacht haben in dieser anthroposophischen Welt.

    Also, eine Unmutsäußerung bedeutet dieser Titel, irgendwie. Sind die Herren nun sauer auf ihre Eltern oder geben sie insgeheim auch Steiner die Schuld für ihre negativen Erlebnisse? Das weiss ich nicht...
    Dass es aber hier und da in der Welt der Anthroposophie zu Merkwürigkeiten kommen kann, das ist Fakt. Ich selbst habe das in Einrichtungen erlebt in meiner Jugend und im jungen Erwachsenenalter. Aktuell will ich mal ein Beispiel geben aus meinem Bekanntenkreis:

    Da ist eine anthr. Mutter, die ihrer zwölfjährigen Tochter die Barbiepuppe wegnimmt. Das Mädel liebte die Puppe sehr, sie war etwas besonderes auch deswegen, weil es ein Geschenkt ihrer besten Freundin war. Sie hatten sehr oft gemeinsam bei ihrer Freundin mit Barbiepuppen gespielt...Anziehen, ausziehen, Haarekämmen, Puppenhäuschen usw. usf..
    Nein, diese Puppe musste nun weg, sie wurde einfach in die Mülltonne geschmissen, ihr liebstes Spielzeug und Geschenk war sie nun los...
    Die Puppe entsprach eben nicht den anthr. Normen, nämlich - sie hatte ja Augen, einen Mund, eine Nase, hatte Haar, es war nicht aus Wolle bzw. gewebtem Stoff vom Schäfer eines Demeterhofes usw usf.
    Auch wurde überlegt, das Spielen bei ihrer besten Freundin ganz zu verbieten, wegen all der anstößigen Spielsachen (denn Lego gab es dort auch!).

    Das Mädel ist seitdem in eine Art Schockzustand, ist bis heute in Behandlung und obendrein lernbehindert...die Mutter kam auch nicht weiter, wird nun ebenfalls betreut.

    Sind das nur bedauerliche Einzelfälle? Vielleicht..(müsste man mal Mathias Wais fragen).

    Meine Frau hat in der Jugenpsychatrie gearbeitet und hatte dort drei anthr. Kinder in Betreuung, auch sie waren der Welt völlig entfremdet worden, völlig unglücklich, antriebslos, kamen gar nicht mehr klar, bekamen sogar Medikamente.

    Also, könnte DAS auch eine Wahrheit sein? Anthroposophische Dogmen durchdrücken um jeden Preis? Z.B.: Puppen aus Demeterwolle und ohne Augen regen die Phantasie an?
    Gott sei Dank kennen wir auch Familien, wo es wesentlich lockerer, menschlicher (fast ich möchte sagen - intelligenter) und freier zugeht..

    Dann - Ähnliches habe ich von der Eurythmie gehört, dass sie nicht von allen Kindern und vor allem Jugendlichen, gewollt wird (meist Jungs). Übrigens, schon zu Steiners Zeiten gabs da Probleme. Doch die Sorgen der Eltern und auch der Lehrer wurden nicht ernst genommen. Selbst Steiner wollte das um jeden Preis durchziehen und ließ Fragen und Nöte der Betroffenen abblitzen (z.B. ob man es nicht erst ab einem bestimmten Alter einführen sollte und dann auch freiwillig, das wäre ja freilassend auch).

    Wie gesagt, ich habe das Buch nicht gelesen und kenne die Motive der Jungs nicht...habe aber so meine Ahnungen..

    So, nun gehts raus ans Meer, die Temperaturen sind milder geworden und die Kinder wollen gern etwas unternehmen. Schaue erst am späten abend wieder rein..

    LGR

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  132. Lieber Steffen, ich kann mir nicht vorstellen, dass die vier Autoren durch ihre jeweilige anthroposophische Sozialisation "traumatisiert" wären, das ist ein wenig sehr spekulativ. Ein Traumata bezeichnet grundsätzlich einen äußerst krankhaften Zustand und auf mich machen die 4 eher einen relativ gesunden Eindruck.

    Warum ich mich über das Buchprojekt freue: Es gibt einige tausende anthroposophische Bücher, ca 370 von Steiner und ein paar Tausend von diversen anderen Autoren. Alle Bücher befassen sich mehr oder weniger durchgehend mit ernsten, bedeutungsschweren und tiefen "hochgeistigen" Themen. Wenn dann gerade mal ein Buch angekündigt wird, wo es möglicherweise etwas lustiger zugeht, wird ein Aufstand gemacht, als würde der Untergang des Abendlandes bevorstehen. M.E. bezeichnend und typisch für die (extrem humorlose) anthroposophische Szene.

    Georg Kühlewind sagte einmal, Anthroposophen sind Menschen, die immer sagen "Humor ist wichtig"...(Vielleicht gibt es ja auch irgendwo eine Übung von Steiner, die den Humor erweckt, oder so)

    (Nebenbei: So wild ist der Humor von "Endtstion Dornach" wahrscheinlich eh nicht, wenn man die Leseprobe als Beispiel nimmt; als Vergleich dazu bitte einmal den Film "Borat" auf DVD oder im TV schauen oder "Fleckenteufel" von Heinz Strunk lesen...).

    Zum Titel "Das sechste Evangelium". Stört man sich daran, weil einem Steiners "5 Evangelium" etwas bedeutet? Na ja, ich kenne Christen, die sich gerade über diesen Titel von Steiner sehr aufregen.

    Dir einen schönen Restsonntag und einen guten Wochenstart!

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  133. Hallo Rainer,

    so, wir sind nicht losgekommen, zu windig, deshalb bin ich wieder hier im Gasthaus zur Linde (vielleicht ja auch Roswitha-Pub genannt ;-)))

    Ja klar, Traumata ist natürlich übertrieben...ich hatte es aber mal zum Anlass genommen, über Fast-Traumatas zu sprechen.

    Die Bezeichnung - fünftes Evangelium - ist sicher für viele Leut schwer zu verdauen, er wirkt für manche anmaßend...Da muss man schon sehr überzeugt sein von sich und seiner übersinnlichen Schau und das war Steiner sicherlich...Abgesehen vom Titel über den man vielleicht streiten kann, ich finde das Buch sehr interessant und man glaubt, vertraut und hofft dann ja auch, dass es stimmt, was Steiner dort mitteilt..

    Humor ist natürlich sehr wichtig, schenkt Abstand und bricht auf. Und lachen soll auch sehr gesund sein, auch für unseren Nächsten, der gern ein freundliches Gesicht sieht.
    Vor allem finde ich es gut, wenn man auch mal über sich selbst schmunzeln kann und mag ;-)))

    LGr

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  134. „Ich habe nur gesagt, dass weder Sie noch Herr Rapp darüber zu befinden haben, wie Jemand seine Beziehung zur Anthroposophie gestaltet.“

    Das ist eine Selbstverständlichkeit, solange dieser Jemand das nicht öffentlichkeitswirksam in Szene setzt, und das tun eben Leute wie Gronbach, Hau, Grauer und Co, und sie tun es sicherlich nicht nur aus so einem läppischen Grund, um jemanden zu ärgern.
    In solchen Fällen ist es aber doch selbstverständlich, alles, was man selber für problematisch an solchen Auftritten hält, klar und deutlich in Worte zu fassen und es möglichst in gleicher Weise öffentlich zu machen, um den rezipierenden Menschen (die es interessiert) eine entsprechend andere Sichtweise an die Hand zu geben, was für die Urteilsbildung ja ganz hilfreich sein soll. Nichts anderes tut Holger Niederhausen und er tut es ganz ausgezeichnet, indem er in vollkommen aufrichtiger Weise und in ausgesprochen klaren, schnörkellosen Sätzen auf die jeweiligen Probleme dessen hinweist, was da unters Volk gebracht werden soll. Im Gegensatz zu den genannten Leuten betreibt Holger Niederhausen keine Selbstdarstellung und Selbstvermarktung.

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  135. Lieber Horst, ich danke Dir herzlich für Deine Worte von eben!

    Das Fazit vieler Statements von gestern und heute (Steffen, Rainer, Michael) ist: Es gibt nur individuelle Wahrheiten. Manche sehen in Gronbachs Verkündigungen oder in „Endstation Sehnsucht“ Entstellungen der Anthroposophie, andere sind sich da nicht so sicher, wieder andere sagen: unfreiwillige Komik, aber nicht weiter wichtig. Und immer wieder: jedem das seine. – Nun, für mich ist das „Anthroposophie light“, von der Sache her nicht unähnlich dem, wie Info3 es sieht.

    Steffen zitierte Steiner: „Wahrheit ... entwickelt sich im Menschen, wenn dieser die Welt auf seine Sinne und auf seinen Geist einwirken lässt.“ – Das bedeutet aber nicht, dass alles Wahrheit ist, was jemand individuell als Wahrheit erklärt! Denn mindestens so individuell wie das, was sich zunächst als Wahrheit gestalten kann, sind auch die Irrtümer!

    Rudolf Steiner sprach von Geisteswissenschaft. Wer sich wirklich auf den Geistesweg macht und hier voran kommt, wird das Reich des Geistes und der Wahrheit nach und nach erforschen und kennenlernen, von ganz unterschiedlichen Standpunkten kommend. Das macht die Wahrheit individuell – nämlich den Ausschnitt des Ganzen, die individuelle Färbung der Erkenntnis und so weiter. Aber zur Wahrheit zu kommen (auf diese individuelle Weise), ist viel schwerer, als man gewöhnlich denkt. Ein Gefühl dafür bekommt man, wenn man Rudolf Steiners zahlreiche Worte zum „Wahrheitsernst“ tief auf sich wirken lässt. Zwei Zitate hatte ich erwähnt.

    Die Fragen sind: Wie kommt man zum Geist? Was muss die Seele dafür tun? Wie rein ist die Geist-Erkenntnis? Wo liegen die Irrtümer? Und so weiter – es sind viele Fragen und viele Klippen. Deswegen kann man es sich damit nicht leicht machen. Man kann es natürlich, aber dann wird man die Wahrheit mit Sicherheit weit umschiffen.

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  136. Zu den individuellen und kollektiven Irrtümern gehört natürlich auch das, was Steffen mit Recht anführt: Die Verbrechen an den Kindern, die man aus bestem Willen (?) verübt, weil Wahrheit zum Dogma geworden ist und man über der Wahrheit die Liebe vergessen hat. Kinder, die das durchgemacht haben, werden um das, was ihre Eltern „verwirklichen“ wollten, und um alles, was damit im weiteren Sinne „zu tun hat“, erst recht einen großen Bogen machen.

    Das alles sind Stufen auf dem Weg zur Wahrheit: Zu erkennen, wo überall sie entstellt wird. Dazu gehören ungeheure Irrtümer ebenso wie Ideologien, tote Formen, abstrakte Gedanken, Spott, Beliebigkeit und ein Zu-leicht-Nehmen der Dinge. Für die Wahrheit (und ihre individuelle Erkenntnis) muss man sich bereit machen – man denke auch an die Hochzeits-Gleichnisse in den Evangelien. Die Verwandlung der Seele, die Erkraftung des Denkens, ein moralischer Schulungsweg, sie machen die Seele bereit für wahre Erkenntnis. Dann entwickelt sich ein reines Erkenntnisorgan für die Wahrheit – und für die Irrtümer. Beides wird wesenhaft, die Wahrheit wird gesundend, die Irrtümer werden krankmachend.

    Dann geht man mit Wahrheitsfragen nicht mehr leichtfertig um, und sie sind einem auch nicht egal. Man erlebt dann doch immer mehr die Realität der Geisteskämpfe – es sind Kämpfe um die Wahrheit und um ihre Erkenntnis in Menschenseelen. Und eine der wichtigsten Wahrheiten ist unter anderem, dass für reine Geist-Erkenntnis ein durchaus schwerer Entwicklungsweg notwendig ist. Diese Wahrheit vor allem ist es, die nicht erkannt werden soll, und die Geister des Irrtums und der Verführung triumphieren, wenn Menschenseelen sich sagen: „So schwer kann es doch nicht sein, jeder hat und findet seine individuelle Wahrheit, wichtig ist doch nur das Verständnis füreinander und so weiter...“

    Nun, mehr kann ich nicht sagen. War das nun ein Austausch? Oder werden die betreffenden Menschen auch weiterhin denken, ich sei ein fanatischer, irregeleiteter Prediger usw.? Michael Eggert meint, ich hätte mich selbst in eine Ecke gedrängt. Mag er das weiter denken und mir auch weiterhin Dialogunfähigkeit bescheinigen. Jeder Mensch hat so seine Urteile. Über die Wahrheit (!) dieser Urteile wird wiederum die geistige Welt urteilen – und wir selbst, spätestens nach dem Tod...

    Jedem wünsche ich nun weiterhin alles Gute auf seinem Weg zur Wahrheit. Der von Steffen zitierte Christian Morgenstern dichtete ja dieses wunderbare Gedicht:

    Die zur Wahrheit wandern, wandern allein, keiner kann dem andern Wegbruder sein. Eine Spanne gehn wir, scheint es, im Chor... bis zuletzt sich, sehn wir, jeder verlor. Selbst der Liebste ringet irgendwo fern; doch wer's ganz vollbringet, siegt sich zum Stern, schafft, sein selbst Durchchrister, Neugottesgrund - und ihn grüßt Geschwister Ewiger Bund.

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  137. @ Holger Niederhausen
    Mich hätte ja nun doch einmal interessiert, wie Sie, als Kenner von Steiner-Zitaten das oben von mir angeführte Zitat ("Wahrheit ist nichts an und für sich selbst...Wer eine allgemeingültige Wahrheit verlangt, versteht sich selbst nicht") auf dem Hintergrund Ihrer Ausführungen interpretieren. Hat sich Steiner geirrt?

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  138. Rainer, genau das habe ich oben doch getan. Siehe Absatz „Rudolf Steiner sprach von Geisteswissenschaft...“, aber auch alles andere.

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  139. Nachtrag: Wenn es um die individualisierte Wahrheit geht, geht es um mein gelebtes und konkretes Sein und um meine sehr eigene Fähigkeit moralische Intuitionen in diesem Sein zu verwirklichen. Das ist der alleinige Maßstab für meine "Wahrheit", Tag für Tag neu, anders und selten vorhersehbar.

    Eine "Wahrheit" auf die man sich berufen kann, sei sie geisteswissenschaftlich oder religiös oder sonstwie, kümmert sich eher am Rande um mein gelebtes Sein, hier ist die "Wahrheit" Weltanschauung, man kann sie anderen absprechen (und sich dabei besser fühlen), man kann über sie debattieren, sie verteidigen, usw. Das ist der Unterschied.

    "Weil die Wahrheit dessen, was man redet, das ist was man tut, kann man das Reden auch lassen" Bernhard Schlink "Der Vorleser"

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  140. Lieber Holger, ich möchte Dir ganz ausdrücklich für Deine klaren Worte danken.

    In meinen Augen wird immer noch zu wenig unterschieden die Taten von "Anthroposophen" in ihrem Bemühen und der Anthroposophie selbst, die solche Taten zu reinigen imstande ist/wäre. Und wenn man aus (vielleicht) falsch verstandener Freiheit den heilenden Kern verhöhnt, dann schadet man nicht nur sich selbst, sondern auch denen, die nach Klärung suchen. Ich erlebe darin die Tücken des Intellekts, der einem vorgaukelt durch das Lenken von Wissensobjekten bereits ein Freier zu sein. Klare Sicht und klare Sicht sind schon zweierlei.

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  141. „War das nun ein Austausch? Oder werden die betreffenden Menschen auch weiterhin denken, ich sei ein fanatischer, irregeleiteter Prediger usw.?“

    Nun, lieber Holger, das dürfte leicht zu beantworten sein. Du hast dir jedenfalls redliche Mühe gegeben, den hier im Blog Anwesenden zu vermitteln, was dich veranlasst zu den Beiträgen auf deiner Homepage. Viel klarer konnte man das eigentlich nicht machen. Der Erfolg war allerdings meinem Eindruck nach dürftig. Man hat das Gefühl, als dringt all das von dir Gesagte gar nicht bis ins Bewusstsein zumindest der meisten, die auf deine Beiträge hier (man kann ja nicht sagen geantwortet) reagiert haben. Insofern kann von einem Austausch kaum die Rede sein.

    Dass man dich auch weiterhin mit obigen Adjektiven belegen wird, ist anzunehmen, aber damit wirst du hoffentlich problemlos leben können. Als ich noch vor etwa 9-10 Jahren auf dem damaligen Forum der Info3, was dann irgendwann dicht gemacht wurde, mich mit Hau, Grauer, Gronbach und anderen auseinandersetzte, da musste ich mir Ähnliches gefallen lassen. Es hat mich aber wenig interessiert, was da so als Polemik durch das Netz in meine Richtung schwappte. Ich hatte dem Hau schon damals klar nachgewiesen, anhand seiner damaligen Texte, dass er alles Mögliche sei, nur eben kein Anthroposoph im Sinne dessen, was einem Steiner als wesentlich und bedeutsam an seiner durch ihn vertretenen Geisteshaltung und Weltanschauung gewesen sein dürfte. Zeter und Mordio hat der geschrien und Grauer und Co. natürlich auch und daraufhin haben die, wie gesagt, mit nicht sehr feinen Adjektiven nach mir geworfen, die obigen von dir genannten waren noch die harmlosesten :-).

    Insofern kann ich nur sagen: da muss man eben durch. Jedenfalls wünsche ich dir weiterhin ein ungebrochenes Selbstvertrauen und ein ebensolches Durchhaltevermögen.

    Herzliche Grüße und alles Gute für die Zukunft,
    Horst Rapp

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  142. Lieber Manroe, "Ich erlebe darin die Tücken des Intellekts.."
    Dann darf sich ja glücklich schätzen, wer davon frei ist.

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  143. Lieber Herr Niederhausen, es ist okay, dass Sie zwischen "Anthroposophie light" und dem, was Sie und die Ihren vertreten, unterscheiden. Sie glauben, dass Sie- wenn Sie ganz rein und gut sind- in den Himmel kommen. Ein Engel mit scharfem Schwert wird kommen und alle Unreinen und Fluchbeladenen, auch die Lauen und zu leicht Befundenen in die Hölle schicken. Hosianna! So soll es sein. In der Hölle ist es bestimmt lustiger.

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  144. Lieber Michael, du weißt sicherlich selber am besten, dass es Kappes ist, was du da zuletzt an Holger Niederhausen geschrieben hast. Wenn man seine Beiträge hier wirklich gelesen hat, dann weiß man eben, dass diese polemische Ironie völlig ins Leere geht, weil sie nicht den Kern der Sache trifft.

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  145. Lieber Manroe und lieber Horst,
    auch für diese Worte möchte ich Euch herzlich danken! Sie bedeuten mir wirklich sehr viel hier am Ende der Diskussion.
    „Weil die Wahrheit dessen, was man redet, das ist was man tut, kann man das Reden auch lassen“ – diesem von Rainer zitierten Wort aus „Der Vorleser“ möchte ich antworten: Auch Worte und Gedanken können Taten sein. Wenn das, was ich äußere, keine Tat wäre, könnte ich es tatsächlich lassen. Aber genau das ist es, was ich versucht habe, deutlich zu machen.
    Ich habe das Gefühl, dass sich selbst mit Steffen ein gewisser Dialog entwickelt hat. Das Thema des „gut gemeinten Missbrauchs“ von Eltern, die bei aller „Wahrheit“ die Liebe vergessen, ist z.B. ein sehr Wichtiges. Im übrigen mag auch Steffen weiter von mir denken, was er will – auch wenn ich hoffe, dass er z.B. meine Dialogfähigkeit erlebt hat.
    Michael Eggert – ich glaube sein Bild von mir verdüstert sich immer weiter. Nun ja, auf diese Weise gibt es wenigstens auch jemanden, über den ER schimpfen kann... Ich schimpfe ja nicht, mir geht es um Wahrheitsfragen, aber das bringt gerade ihn nun in Rage. Aber vielleicht ist das alles nur ein Katz-und-Maus-Spiel, in dem er längst in die Falle gegangen ist?
    Nein, lieber Herr Eggert: Der Engel mit dem scharfen Schwert wird niemanden in die Hölle schicken, die Lauen schon gar nicht (auch wenn Dante gerade von ihnen am wenigsten hielt...). Aber dem Fegefeuer oder der Läuterungszeit werden wir wohl alle nicht entgehen. Wie könnten wir auch? Die Dauer dieser Zeit, die wird sich nach der Reinheit und Verwandlung unserer Seelen bemessen, da beißt die (gefangene) Maus keinen Faden ab... Und der Engel mit dem scharfen Schwert sind letztlich teilweise auch wir selbst – wenn wir nach dem Tod wieder in aller Klarheit sehen lernen.
    Aber ... wenn Sie es in der Hölle wirklich lustiger finden, dann willkommen in „der Tragödie zweiter Teil“! Vielleicht habe ich Sie ja so in Rage gebracht, dass Sie „die glorreichen Vier“ bitten, das Buchprojekt noch einmal umzuschreiben, um noch mit einsteigen zu können?
    Nein, das alles war nicht böse gemeinter Humor. Machen Sie, was Sie für richtig halten. Und machen Sie sich ruhig auch mal einen lustigen Tag auf meine Kosten.
    Herzliche Grüße,
    Holger Niederhausen

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  146. Lieber Horst, ich habe natürlich polemisch zugespitzt. Aber es läuft eben auf eine frömmelnde, moralisierende und theoretische Esoterik hinaus: "Für die Wahrheit (und ihre individuelle Erkenntnis) muss man sich bereit machen – man denke auch an die Hochzeits-Gleichnisse in den Evangelien. Die Verwandlung der Seele, die Erkraftung des Denkens, ein moralischer Schulungsweg, sie machen die Seele bereit für wahre Erkenntnis. Dann entwickelt sich ein reines Erkenntnisorgan für die Wahrheit – und für die Irrtümer. Beides wird wesenhaft, die Wahrheit wird gesundend, die Irrtümer werden krankmachend."
    Moderne Esoterik ist konkret, gegenwärtig, gegenwartsbezogen, praktisch und prall von Leben. Sie bewährt sich im Alltag. Sie wartet nicht auf ein jenseitiges "Irgendwann" und berauscht sich bis dahin an ihren theoretischen Qualitäten. Mein Ding ist das nicht.

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  147. Lieber Herr Niederhausen, "Vielleicht habe ich Sie ja so in Rage gebracht.." Nein, überhaupt nicht. Ich denke, wir müssen uns nichts nachtragen, auch wenn wir uns nicht näher gekommen sind. Ich bedaure das. Es handelt sich ja nicht einfach um verschiedene Standpunkte, sondern um ganz unterschiedliche Arten des Lebens und Denkens, die nur im Rahmen des gemeinsamen Themas Anthroposophie aufeinander stossen. Man kann sich respektieren, muss aber auch sehen, dass das völlig unterschiedliche Kulturen sind, die "Anthroposophie" eben auch unterschiedlich auffassen.

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  148. Hallo an alle.

    Rainer, der Satz von Steiner sagt ja alles..

    "Wahrheit ist nichts an und für sich selbst. Sie entwickelt sich im Menschen wenn dieser die Welt auf seine Sinne und auf seinen Geist einwirken lässt. Je nach seiner Organisation hat jeder Mensch seine eigene Wahrheit, die nur er in seinen intimen Zügen verstehen kann. Wer eine allgemeingültige Wahrheit verlangt versteht sich selbst nicht"

    Kann man einrahmen und übern Schreibtisch hängen. Ist mir auch egal, ob er es später wieder anders gesehen hat o.ä....dann ist das wohl so...da bin ich dann ganz 'Räuber' wie Burghard es hier mal nett gedichtet hat..

    Ok, dann allen einen schönen Abend noch und nochmals Entschuldigung für einige Temperamentsausbrüche, vor allem Ingrid gegenüber, war völlig überflüssig und peinlich..Aber gut, an anderer Stelle musste wohl einiges raus, vielleicht habe ja auch ich noch so kleine "Traumatas" bzw. ENT-Täuschungen irgendwo sitzen und reagiere dann auf so manches etwas allergisch :-(( :-))

    LG

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  149. Lieber Herr Eggert, dass Sie es bedauern, dass wir uns nicht nähergekommen sind, hat mich berührt, denn das hätte ich wirklich nicht mehr erwartet. Aber was nicht ist (das Näherkommen), kann ja noch werden.
    Ja, die Esoterik bewährt sich im Alltag. Aber über meinen Alltag bzw. mein Privatleben spreche ich nicht und Sie kennen es nicht. Was Sie wahrscheinlich kennen und wissen, ist, dass ich wegen meiner Webseite entlassen wurde. Auch das ist „anthroposophischer“ Alltag... Freies Geistesleben gibt es da nicht. Und auch dieser Blog und das Ringen um Erkenntnis ist doch realer Alltag? Wenn Sie in alledem nur Theorie erleben, dann tut es mir leid. Hier im Blog sind es natürlich nur Worte. Sie müssen mit Leben gefüllt werden. Ob und wie ich das tue, sehen Sie nicht. Ich weiß ja mittlerweile sehr deutlich, was Sie an meinen Aufsätzen zu sehen meinen. Aber das ist Ihre Sache.
    Ich weiß gar nicht, ob unsere Art des Lebens so unterschiedlich ist, wie Sie das nach den Unterschieden des Denkens vermuten – Ihr Leben kenne ich schließlich auch nicht. Was ich öffentlich schreibe, gibt wirklich nur einen Ausschnitt meines Lebens. Glauben Sie etwa, dass ich im Leben ein solcher Dogmatiker bin, wie Sie nach meinen Aufsätzen den Eindruck haben? Das ist doch gerade das Geheimnis: In meinen Aufsätzen geht es um Erkenntnisfragen. Im Leben geht es nicht nur um Erkenntnis... Aber das Leben kann man nicht auf eine Webseite stellen. Sie versuchen das in gewisser Hinsicht, und das gelingt in dieser Form auch schön, aber das ist nicht mein Ding.
    Unsere Differenz besteht zunächst eigentlich nur darin, dass Ihnen diese Erkenntnisfragen nicht so wesentlich erscheinen, weil Sie sagen „...muss und kann nur jeder selbst definieren“ und ich in dieser Form da nicht mitgehen kann. Und weil wir auf diese Weise offenbar verschiedene Auffassungen von der Wahrheit und dem Wesen der Anthroposophie haben, halten Sie mich für einen Dogmatiker. Gut, daran kann ich nichts ändern. Über das Leben und die gelebte Esoterik aber sagt das alles noch sehr, sehr wenig aus. Alles Gute nun.

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  150. Jetzt muss ich noch schnell mal etwas sagen bezügl. Fegefeuer:
    Liebe, Milde und Mitgefühl im Leben, dann kann nichts schiefgehen ;-))

    Und vieles ist auch eine Erfindung der frühen Kirchenfürsten, die Richtschnur haben wir aber in uns. Aber Höllenqualen und Jenseitsstrafen, Angstmacherei, sind dabei sehr schlechte Ratgeber.

    Kamaloka,Karma etc. - Es ist für uns kaum zu ermessen...aber man wird schon das Richtige tun und auch zum Ausgleich beitragen...Gott ist Liebe heißt es.

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  151. Lieber Herr Niederhausen, es ist eine gemeinsame Niederlage, wenn es uns nicht gelingt, wenigstens die Basis für eine Verständigung zu finden. Ich rechne es Ihnen hoch an, dass Sie an der Sache dran bleiben. Ich will das mit der "Dogmatik" nicht zu hoch hängen- wichtiger ist mir die Sache mit der 2Reinheit", die Sie in meinen Augen suchen. Anthroposophisch gesprochen ist unser Gegensatz geradezu biblisch: der Kain und Abel Mythos. Ich bin ein Pragmatiker, der eine Willensschulung im Alltag sucht- der Wille, der hell wird (Erkenntnis). Sie sind Priesterlich gestimmt, Abel eben, die Reinheit und die Klarheit der Lehre verkündend- das Umsetzen kommt dann in mancher Hinsicht später. Im Vordergrund steht bei Ihnen die "Erkenntnis". Steiner beschrieb ähnliche Gegensätze in Platonikern und Aristotelikern. Es ist eben eine Tatsache, dass dieser Gegensatz innerhalb und außerhalb der "Gesellschaft" selten aufgelöst worden ist. Die ständigen Ausgrenzungen zerreissen aber auch den anthroposophischen Impuls. Es entstehen im Umkreis ständig Gräben. Das ist, unabhängig von unseren privaten Erfahrungen, sehr bedauerlich.

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  152. Dankeschön aus Rotterdam, für diese schöne Diskussion!

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  153. Herr Rapp, "und das tun eben Leute wie Gronbach, Hau, Grauer und Co, und sie tun es sicherlich nicht nur aus so einem läppischen Grund, um jemanden zu ärgern." Ja, was ist der Grund? Felix beschäftigt sich Jahren und Jahrzehnten aktiv mit der Anthroposophie, nicht als Mitglied, sondern als etwas, woran er sich reibt. Aber er kann auch wirklich nicht aufhören, sich daran zu reiben. Er ist genauso mit ihr verbunden, wie der, der glücklich und zufrieden im Inneren der AAG sitzt und an ihren Brüsten nuckelt. Höchstwahrscheinlich sogar mehr, denn er wirft ständig Fragen auf und bewegt andere Menschen auch mit. Menschen, die sich reiben, arbeiten auch an dieser Bewegung- vielleicht in der Funktion, auf innere Unwahrhaftigkeiten, auf Geheuchel usw stossen. Eine Satire über Dornach ist auch dann ein anthroposophisches Buch, wenn es Ihnen nicht gefallen sollte, ja sogar wenn das den Autoren selbst so gar nicht recht wäre.

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  154. @Herrn Niederhausen

    Vorweg ich sehe Sie nicht als Hassprediger.

    Ja, das was ich beschrieben habe mit dem Mädel und ihrer Puppe - das ist wirklich schlimm (sie war übrigens 6 Jahre alt als das passierte, ist heute 12 Jahre, sorry, das muss ich korrigieren), aber leider noch nicht alles...aber nun lass ich's genug sein, denn es könnte der Eindruck entstehen, als wolle ich nachtreten oder Anthroposophie schlecht machen o.ä. - was ganz und gar nicht der Fall ist.
    Es geht mir um Teile der selbsterlebten Realität und die einiger Anderer und letztlich auch um Wahrheit, vielleicht nur meine Wahrheit, wer weiss...Und verallgemeinern kann man das schon gar nicht..

    Diese meine Wahrheit habe ich auf jeden Fall im All-Tag erlebt, ja auch erleiden müssen. Genauso wie Michael seine Erfahrungen mit der Anthroposophie gemacht hat, die sicher sehr intensiv und ganz anders waren - und weswegen er sich wohl auch mehr Liberalität und Toleranz und Menschlichkeit wünscht(u.a.).

    Es ist schon dieser All-Tag der mich interessiert (ein nettes Wörtchen) an/in dem ich Erfahrungen machen kann (und mit-nach-Hause-bringe)...und deswegen bin ich auch gern ein Alltagsmensch, manchmal auch ein etwas Grober...das muss ich dann allein ver-antworten und das werde ich auch. Im Alltag erkenne ich das, was wirklich um mich herum passiert, was nicht heißt, dass ich Kontemplation und Ernsthaftigkeit vernachlässige.

    Wenn ich Steiner (und auch Paracelsus) richtig verstanden habe, dann ist Christus nicht außerhalb der Planeten-Wochentage, sondern mittendrin und das inspiriert mich immens - zu wissen diese Nähe in ALLEM. Das ist für mich Steiners großer Verdienst, seine Christusmitteilungen, die jedoch für mich im All-Tag ihre Bestätigung finden, ja, draußen "auf den Gassen oder am Rindstein" oder in einem schönen Park, wo auch immer...man wird bescheiden mit der Zeit..

    Ihnen dann auch einen schönen Abend.

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  155. Lieber Steffen, vielen Dank. Wenn Sie wollen: fahren Sie ruhig fort mit dem, was „noch nicht alles“ ist. Ganz im Sinne dessen, was Manroe sagte – dass man die Anthroposophie nicht mit dem, was heutige Realität ist, verwechseln darf –, wird mit Sicherheit nicht der Eindruck entstehen, sie wollten nachtreten oder die Anthroposophie schlecht machen. Mit dem, was heute auch in negativem Sinne Realität ist, muss man sich schon auseinandersetzen (in anderer Weise ist das ja auch mein Anliegen, auch wenn dieses nun wieder für Sie ja teilweise gerade zu den negativen Aspekten zählt, aber das können wir ja einfach mal kurz vergessen...).

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  156. Lieber Herr Eggert,
    vielen Dank für Ihre Antwort. Ich habe ja ausführlich versucht, mich verständlich zu machen, aber was ich sagte, wurde von Ihnen bisher doch immer wieder im wesentlichen abgelehnt und verspottet. Jetzt in diesem Moment gehen Sie darauf ein – und was Sie sagen, ist außerordentlich interessant und scheint mir eine breite Basis für eine Verständigung zu bilden.

    Aber: Meinen Alltag kennen Sie doch gar nicht? Ich würde der Erkenntnis wirklich keinen Wert beimessen, wenn ich nicht auch den hellen Willen suchen würde. Er bedeutet für mich zum einen durchaus genau dieses: das als wahr Erkannte in den eigenen Willen hineintragen (innerlich wahrmachen). Und zum anderen auch: Verständnis in der Begegnung. Den anderen mit all seinen Unvollkommenheiten annehmen. Vielleicht glauben Sie das noch immer nicht – aber ich sage nochmals: Im Leben geht es nicht nur um Erkenntnis, sondern darum, wie die anderen Menschen eben zunächst sind oder vielleicht auch bleiben wollen.

    Auf der Erkenntnisebene kann man auf Unwahrhaftigkeiten oder Unwahrheiten ganz klar und scharf hinweisen – und eben auf Erkenntnis hoffen. Im Leben in seiner Gesamtheit muss man es oft hinnehmen, wenn konkrete Menschen z.B. unwahrhaftig usw. bleiben wollen, und man muss dann oft mit all diesen Gegebenheiten mitleben, die Folgen mitleiden usw. – Oder nehmen Sie uns beide: Ich habe in Bezug auf Ihre Äußerungen auch schon einiges scharf kritisiert, was ich für notwendig hielt – aber in dem Moment, wo wir um Verständigung ringen, ist alle Kritik vergessen.

    Noch einmal zu Felix: Satire, wem Satire gebührt. Ich habe selbst gesagt, dass viele tote Formen diese Ironie durchaus verdienen. Aber Felix reibt sich ja an weit mehr – und er hat keinen Sinn für die hohe Essenz dieser Geistes-Wissenschaft. Aber da geraten ja selbst wir in Diskussionen...

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  157. Noch einmal zum Willen: Ich würde es so formulieren, dass der Wille dann hell wird, wenn er selbstlos wird und eine moralische Intuition in sich aufnimmt. Wenn man im therapeutischen Bereich arbeitet, ist diese Selbstlosigkeit „relativ“ einfach, denn da sind Menschen, die in intensiver Weise Hilfe brauchen. Aber auch hier ist die Erkenntnis sehr, sehr wesentlich – denn, bevor ich dem Menschen helfen kann (Wille), muss ich doch erkennen, was er braucht. Diese Erkenntnis, wenn sie wahr ist, ist noch nicht der helle Wille, sondern umgekehrt der Wille im Denken (auch wenn Sie dieses Denken vielleicht mit Recht nicht im „Kopf“ bzw. im Frontalhirn empfinden, sondern wirklich draußen bei dem anderen Menschen).

    Wenn man intensiv therapeutisch arbeitet, ist es von diesem Moment der Erkenntnis natürlich nur ein winziger Augenblick zum nächsten Schritt: Der Erkenntnis im Willen. Aber das wollte ich sagen: Wenn Sie mit Ihrem ganzen Willen innerlich danach fragen, was einem anderen Menschen fehlt bzw. was ihm helfen kann, dann sind sie mit Ihrem ganzen Willen im Denken – und erst im Augenblick der Erkenntnis (bzw. im nächsten Augenblick) kann dieser ganze, nun „erleuchtete“ Wille zusammen mit dem Denken (der Erkenntnis) wieder „hinunter“ in den Willen, d.h. in die äußere Tat.

    Der Wille wird hier also gerade deshalb selbstlos, weil er sich der Erkenntnis zur Verfügung stellt, nach der Erkenntnis sucht – und zwar nach der Wahrheit, nach dem, was dem anderen Menschen wirklich fehlt (nicht was ich glaube, dass ihm fehle). Erkenntnis ist doch die Schule der Selbstlosigkeit. Zur Wahrheit findet das Denken (nicht das abstrakte, sondern das wirkliche, lebendige Denken) nur, wenn es mir persönlich „egal“ ist, was ich als Wahrheit finden werde – wenn es nur die Wahrheit ist. Dann spricht sich die Wahrheit aus. Dann leuchtet im Denken die Erkenntnis dessen auf, was der andere wirklich braucht. Aber auch das ist nur möglich, wenn sich das Denken rein machen kann von allen Vorstellungen, Urteilen usw. – und wenn sich der Wille diesem Denken ganz zur Verfügung stellen kann, so dass es stark genug ist, die reale Wahrheit in sich aufleuchten zu lassen.

    Außerhalb von therapeutischen Zusammenhängen liegt die Sache etwas anders. Dort geht es nicht immer darum, dem anderen Menschen unmittelbar in irgendeiner Not zu helfen. Dort kann es z.B. um die Erkenntnis als solche gehen – und diese kann auch etwas ganz Wesentliches sein. Anthroposophie als Geisteswissenschaft z.B. ist zunächst ein Erkenntnisweg. Es geht doch ganz wesentlich um die Frage, wie man überhaupt zur Geist-Erkenntnis kommt, ja, was das überhaupt ist. Und hier geht es mir darum, deutlich zu machen, dass es wirklich großer Anstrengungen bedarf, um überhaupt die ersten Schritte zu dieser Geist-Erkenntnis hinter sich zu bringen, das Denken rein und selbstlos zu machen usw.

    Und ich möchte noch einmal sagen: Ironie, Spott, Sarkasmus usw. sind absolute Gegenkräfte auf dem Weg zu einem solchen reinen Denken, denn sie verstricken den Menschen gerade in seiner (unverwandelten) Persönlichkeit.

    Ich weiß nicht, was Sie von diesen Absätzen auch so sehen (können) – ich hoffe nur, dass es sich für Sie nicht wieder nur wie Theorie anhört. Ich meine die Dinge sehr ernst und real.

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  158. Lieber Michael, mit dem neuen Schwarz-weiß Hintergrund lässt sich nun kaum noch etwas lesen!

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  159. Lieber Herr Niederhausen, dennoch kann ich Ihre Aussagen, Ihr Anliegen jetzt so stehenlassen und versuche es auch zu verstehen (auch im Sinne Michaels, m.d. versch. Strömungen etc).
    Jeder hat eben seine Herangehensweisen und Motive, so soll es denn gut sein :-)

    v. Grüße

    P.S.: Ich erkenne die Schrift auch nicht mehr, das Hintergrundblau ist fast weiss :-)

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  160. Es freut mich sehr hier jetzt versöhnliche Töne erleben zu können und ich denke, dass dies die Sohneskräfte sind, jenseits intellektueller Tücken :), wenn alles dann in diesem Licht erscheint, von Einsichten zu Ansichten (ganz wörtlich), von Angesicht zu Angesicht dann und der Anerkennung unterschiedlicher Herangehensweisen. Was wäre denn der Priester ohne den Pragmatiker -- und umgekehrt! Der Mensch steht und geht auf zwei Beinen, das Eine (wenn man steht) ermöglicht das Kommende, wenn man aufeinander zu geht. Macht allerdings auch nur Sinn, wenn man sich zuvor auseinandersetzt und so das Urbild der Erkenntnisgeste betritt.
    ------------------

    ...und die Tageszeiten sind auch verschwunden...

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  161. Lieber Herr Niederhausen
    "meinen Alltag kennen Sie doch gar nicht"...Das stimmt, aber man kann sich schon anhand von Texten, Beiträgen und Kommentaren ein gewisses und vorläufiges Bild von einem anderen machen. Das Geschriebene ist, ähnlich wie das Gesprochene sehr eng mit dem Denken und mit dem Ich verbunden. Die Texte Ihrer Website sind für mich auch keine "Hassprediger-Texte" aber vermitteln mir eben den Eindruck von einer andauernden, etwas anstrengenden und verurteilenden Erkenntnisschwere. Dass mit Ihren Texten nicht "der ganze Holger Niederhausen" erfasst ist, hat auch keiner gesagt, aber der obige Eindruck drängt sich mir auf.

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  162. Ich erlebe in den Texten von HN Erkenntnispräzision - und wie sollte es auch anders sein als so präzise wie möglich, andernfalls wäre es kein Erkenntnisbemühen. Und es liegt nun einmal im Wesen der Erkenntnis, das sie auch (ver)urteilt. Und eine lebendigere Leichtigkeit gehört hier doch gar nicht hin! Humor könnte die Grenzen ein wenig weicher erscheinen lassen, aber warum? Wenn man Erkenntnisstreben nicht wirklich ernst nimmt, wird es für mich zumindest ein wenig schlüpfrig. Alles eine Frage von Gesinnung und auch einer Verantwortung dem Kern gegenüber. Und das Bedürfnis präzise Erkenntnis ins Leben zu integrieren ist doch ein ganz anderer Vorgang --"meinen Alltag kennen Sie doch gar nicht" -- eben deshalb!

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  163. Ja, genauso sehe ich es. Von dem notwendigen Ernst gegenüber der Erkenntnis gerade auch gegenüber unangenehmen Wahrheiten, hat Rudolf Steiner oft gesprochen – und er hat auch gesagt, dass die meisten Menschen dies eben zu anstrengend finden. Da ich gerade auf diesen Punkt immer wieder eingehe, kann natürlich sehr schnell ein sehr einseitiges Bild entstehen. Aber es gibt auf meiner Webseite eben auch andere Aufsätze. Und wie gesagt: Man sollte es sich mit diesen Dingen nicht einfach machen, sie nicht leicht nehmen.
    Natürlich ist das Geschriebene eng mit dem Denken verbunden. Aber in mir entsteht natürlich auch ein gewisser Eindruck, wenn ich erlebe, wie andere Menschen die Dinge viel leichter nehmen, wie dann auch immer wieder Ironie aufkommt, ein Sich-Lustig-Machen oder ein Sich-Ärgern an dieser „Erkenntnisschwere“, die dann mit „Deutungshoheit“ in Verbindung gebracht wird usw. – Der Mensch ist zur Erkenntnis berufen! Und das ist nicht immer angenehm, es gehören auch unangenehme Erkenntnisse dazu. Natürlich kann man auch „alles so stehen lassen“ und nach dem Motto „jedem das Seine“ leben. Aber dann empfindet man noch nicht die rechte, die starke Verantwortung oder auch Beziehung gegenüber dem inneren Kern, wie Manroe sagt.
    Die Anthroposophie hat eine innere moralische Substanz, eine hohe Essenz, jenseits alles Moralisierens. Und der Mensch ist eigentlich dazu berufen, diese Substanz in sich lebendig zu machen, denn es ist eigentlich seine ureigenste Substanz. Anthropo-Sophia! Warum nur wagen wir es nicht, das ganz ernst zu nehmen? Es ist eine Lebensaufgabe, diesen Ernst und diese hohe Gesinnung in sich lebendig zu machen.
    Dass dabei Humor und Freude nicht verlorengehen, habe ich bereits gesagt – sie vertiefen sich. Der Humor gewinnt sein eigenes Gewicht und seinen Platz. Nicht alles wird immer wieder leicht genommen, sondern der hohe (nicht bleischwere oder saure!) Ernst wird von Zeit zu Zeit immer wieder vom Humor durchstrahlt. Und die Freude – nun, sie durchdringt immer mehr alles, genährt von einer wachsenden Liebe, die auch immer wieder die Harmonie sucht, aber nie um den Preis der Aufgabe jener Essenz. Und so kann sie, wenn es um diese Essenz geht, auch sehr streitbar werden und doch im Herzen den Frieden und die Liebe zum anderen Menschen bewahren.

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  164. Jetzt sehe ich, dass der zweite Teil von dem, was ich gestern Nacht noch an Michael schreiben wollte, nicht online gestellt wurde. Hier also noch ein Versuch:

    Noch einmal zum Willen: Ich würde es so formulieren, dass der Wille dann hell wird, wenn er selbstlos wird und eine moralische Intuition in sich aufnimmt. Wenn man im therapeutischen Bereich arbeitet, ist diese Selbstlosigkeit „relativ“ einfach, denn da sind Menschen, die in intensiver Weise Hilfe brauchen. Aber auch hier ist die Erkenntnis sehr, sehr wesentlich – denn, bevor ich dem Menschen helfen kann (Wille), muss ich doch erkennen, was er braucht. Diese Erkenntnis, wenn sie wahr ist, ist noch nicht der helle Wille, sondern umgekehrt der Wille im Denken (auch wenn Sie dieses Denken vielleicht mit Recht nicht im „Kopf“ bzw. im Frontalhirn empfinden, sondern wirklich draußen bei dem anderen Menschen).

    Wenn man intensiv therapeutisch arbeitet, ist es von diesem Moment der Erkenntnis natürlich nur ein winziger Augenblick zum nächsten Schritt: Der Erkenntnis im Willen. Aber das wollte ich sagen: Wenn Sie mit Ihrem ganzen Willen innerlich danach fragen, was einem anderen Menschen fehlt bzw. was ihm helfen kann, dann sind sie mit Ihrem ganzen Willen im Denken – und erst im Augenblick der Erkenntnis (bzw. im nächsten Augenblick) kann dieser ganze, nun „erleuchtete“ Wille zusammen mit dem Denken (der Erkenntnis) wieder „hinunter“ in den Willen, d.h. in die äußere Tat.

    Der Wille wird hier also gerade deshalb selbstlos, weil er sich der Erkenntnis zur Verfügung stellt, nach der Erkenntnis sucht – und zwar nach der Wahrheit, nach dem, was dem anderen Menschen wirklich fehlt (nicht was ich glaube, dass ihm fehle). Erkenntnis ist doch die Schule der Selbstlosigkeit. Zur Wahrheit findet das Denken (nicht das abstrakte, sondern das wirkliche, lebendige Denken) nur, wenn es mir persönlich „egal“ ist, was ich als Wahrheit finden werde – wenn es nur die Wahrheit ist. Dann spricht sich die Wahrheit aus. Dann leuchtet im Denken die Erkenntnis dessen auf, was der andere wirklich braucht. Aber auch das ist nur möglich, wenn sich das Denken rein machen kann von allen Vorstellungen, Urteilen usw. – und wenn sich der Wille diesem Denken ganz zur Verfügung stellen kann, so dass es stark genug ist, die reale Wahrheit in sich aufleuchten zu lassen.

    Außerhalb von therapeutischen Zusammenhängen liegt die Sache etwas anders. Dort geht es nicht immer darum, dem anderen Menschen unmittelbar in irgendeiner Not zu helfen. Dort kann es z.B. um die Erkenntnis als solche gehen – und diese kann auch etwas ganz Wesentliches sein. Anthroposophie als Geisteswissenschaft z.B. ist zunächst ein Erkenntnisweg. Es geht doch ganz wesentlich um die Frage, wie man überhaupt zur Geist-Erkenntnis kommt, ja, was das überhaupt ist. Und hier geht es mir darum, deutlich zu machen, dass es wirklich großer Anstrengungen bedarf, um überhaupt die ersten Schritte zu dieser Geist-Erkenntnis hinter sich zu bringen, das Denken rein und selbstlos zu machen usw.

    Und ich möchte noch einmal sagen: Ironie, Spott, Sarkasmus usw. sind absolute Gegenkräfte auf dem Weg zu einem solchen reinen Denken, denn sie verstricken den Menschen gerade in seiner (unverwandelten) Persönlichkeit.

    Ich weiß nicht, was Sie von diesen Absätzen auch so sehen (können) – ich hoffe nur, dass es sich für Sie nicht wieder nur wie Theorie anhört. Ich meine die Dinge sehr ernst und real.

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  165. Nun ist schon zweimal der 2. Teil von dem wieder verschwunden, was ich gestern Nacht noch an Michael schrieb – wie kommt das? Hier noch ein Versuch:

    Noch einmal zum Willen: Ich würde es so formulieren, dass der Wille dann hell wird, wenn er selbstlos wird und eine moralische Intuition in sich aufnimmt. Wenn man im therapeutischen Bereich arbeitet, ist diese Selbstlosigkeit „relativ“ einfach, denn da sind Menschen, die in intensiver Weise Hilfe brauchen. Aber auch hier ist die Erkenntnis sehr, sehr wesentlich – denn, bevor ich dem Menschen helfen kann (Wille), muss ich doch erkennen, was er braucht. Diese Erkenntnis, wenn sie wahr ist, ist noch nicht der helle Wille, sondern umgekehrt der Wille im Denken (auch wenn Sie dieses Denken vielleicht mit Recht nicht im „Kopf“ bzw. im Frontalhirn empfinden, sondern wirklich draußen bei dem anderen Menschen).

    Wenn man intensiv therapeutisch arbeitet, ist es von diesem Moment der Erkenntnis natürlich nur ein winziger Augenblick zum nächsten Schritt: Der Erkenntnis im Willen. Aber das wollte ich sagen: Wenn Sie mit Ihrem ganzen Willen innerlich danach fragen, was einem anderen Menschen fehlt bzw. was ihm helfen kann, dann sind sie mit Ihrem ganzen Willen im Denken – und erst im Augenblick der Erkenntnis (bzw. im nächsten Augenblick) kann dieser ganze, nun „erleuchtete“ Wille zusammen mit dem Denken (der Erkenntnis) wieder „hinunter“ in den Willen, d.h. in die äußere Tat.

    Der Wille wird hier also gerade deshalb selbstlos, weil er sich der Erkenntnis zur Verfügung stellt, nach der Erkenntnis sucht – und zwar nach der Wahrheit, nach dem, was dem anderen Menschen wirklich fehlt (nicht was ich glaube, dass ihm fehle). Erkenntnis ist doch die Schule der Selbstlosigkeit. Zur Wahrheit findet das Denken (nicht das abstrakte, sondern das wirkliche, lebendige Denken) nur, wenn es mir persönlich „egal“ ist, was ich als Wahrheit finden werde – wenn es nur die Wahrheit ist. Dann spricht sich die Wahrheit aus. Dann leuchtet im Denken die Erkenntnis dessen auf, was der andere wirklich braucht. Aber auch das ist nur möglich, wenn sich das Denken rein machen kann von allen Vorstellungen, Urteilen usw. – und wenn sich der Wille diesem Denken ganz zur Verfügung stellen kann, so dass es stark genug ist, die reale Wahrheit in sich aufleuchten zu lassen.

    Außerhalb von therapeutischen Zusammenhängen liegt die Sache etwas anders. Dort geht es nicht immer darum, dem anderen Menschen unmittelbar in irgendeiner Not zu helfen. Dort kann es z.B. um die Erkenntnis als solche gehen – und diese kann auch etwas ganz Wesentliches sein. Anthroposophie als Geisteswissenschaft z.B. ist zunächst ein Erkenntnisweg. Es geht doch ganz wesentlich um die Frage, wie man überhaupt zur Geist-Erkenntnis kommt, ja, was das überhaupt ist. Und hier geht es mir darum, deutlich zu machen, dass es wirklich großer Anstrengungen bedarf, um überhaupt die ersten Schritte zu dieser Geist-Erkenntnis hinter sich zu bringen, das Denken rein und selbstlos zu machen usw.

    Und ich möchte noch einmal sagen: Ironie, Spott, Sarkasmus usw. sind absolute Gegenkräfte auf dem Weg zu einem solchen reinen Denken, denn sie verstricken den Menschen gerade in seiner (unverwandelten) Persönlichkeit.

    Ich weiß nicht, was Sie von diesen Absätzen auch so sehen (können) – ich hoffe nur, dass es sich für Sie nicht wieder nur wie Theorie anhört. Ich meine die Dinge sehr ernst und real.

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  166. Irgendetwas stimmt nicht - es erscheint "Kommentar veröffentlicht", aber der Kommentar (zweiter Teil an Michael Eggert) erscheint auch bei neu geladener Seite nicht. Ich warte nun erstmal ab, ob ein technischer Fehler vorliegt, der behoben werden kann.

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  167. Das ging - also doch noch ein Versuch...
    @ Michael Eggert, zweiter Teil.
    Noch einmal zum Willen: Ich würde es so formulieren, dass der Wille dann hell wird, wenn er selbstlos wird und eine moralische Intuition in sich aufnimmt. Wenn man im therapeutischen Bereich arbeitet, ist diese Selbstlosigkeit „relativ“ einfach, denn da sind Menschen, die in intensiver Weise Hilfe brauchen. Aber auch hier ist die Erkenntnis sehr, sehr wesentlich – denn, bevor ich dem Menschen helfen kann (Wille), muss ich doch erkennen, was er braucht. Diese Erkenntnis, wenn sie wahr ist, ist noch nicht der helle Wille, sondern umgekehrt der Wille im Denken (auch wenn Sie dieses Denken vielleicht mit Recht nicht im „Kopf“ bzw. im Frontalhirn empfinden, sondern wirklich draußen bei dem anderen Menschen).
    Wenn man intensiv therapeutisch arbeitet, ist es von diesem Moment der Erkenntnis natürlich nur ein winziger Augenblick zum nächsten Schritt: Der Erkenntnis im Willen. Aber das wollte ich sagen: Wenn Sie mit Ihrem ganzen Willen innerlich danach fragen, was einem anderen Menschen fehlt bzw. was ihm helfen kann, dann sind sie mit Ihrem ganzen Willen im Denken – und erst im Augenblick der Erkenntnis (bzw. im nächsten Augenblick) kann dieser ganze, nun „erleuchtete“ Wille zusammen mit dem Denken (der Erkenntnis) wieder „hinunter“ in den Willen, d.h. in die äußere Tat.
    Der Wille wird hier also gerade deshalb selbstlos, weil er sich der Erkenntnis zur Verfügung stellt, nach der Erkenntnis sucht – und zwar nach der Wahrheit, nach dem, was dem anderen Menschen wirklich fehlt (nicht was ich glaube, dass ihm fehle). Erkenntnis ist doch die Schule der Selbstlosigkeit. Zur Wahrheit findet das Denken (nicht das abstrakte, sondern das wirkliche, lebendige Denken) nur, wenn es mir persönlich „egal“ ist, was ich als Wahrheit finden werde – wenn es nur die Wahrheit ist. Dann spricht sich die Wahrheit aus. Dann leuchtet im Denken die Erkenntnis dessen auf, was der andere wirklich braucht. Aber auch das ist nur möglich, wenn sich das Denken rein machen kann von allen Vorstellungen, Urteilen usw. – und wenn sich der Wille diesem Denken ganz zur Verfügung stellen kann, so dass es stark genug ist, die reale Wahrheit in sich aufleuchten zu lassen.
    Außerhalb von therapeutischen Zusammenhängen liegt die Sache etwas anders. Dort geht es nicht immer darum, dem anderen Menschen unmittelbar in irgendeiner Not zu helfen. Dort kann es z.B. um die Erkenntnis als solche gehen – und diese kann auch etwas ganz Wesentliches sein. Anthroposophie als Geisteswissenschaft z.B. ist zunächst ein Erkenntnisweg. Es geht doch ganz wesentlich um die Frage, wie man überhaupt zur Geist-Erkenntnis kommt, ja, was das überhaupt ist. Und hier geht es mir darum, deutlich zu machen, dass es wirklich großer Anstrengungen bedarf, um überhaupt die ersten Schritte zu dieser Geist-Erkenntnis hinter sich zu bringen, das Denken rein und selbstlos zu machen usw.
    Und ich möchte noch einmal sagen: Ironie, Spott, Sarkasmus usw. sind absolute Gegenkräfte auf dem Weg zu einem solchen reinen Denken, denn sie verstricken den Menschen gerade in seiner (unverwandelten) Persönlichkeit.
    Ich weiß nicht, was Sie von diesen Absätzen auch so sehen (können) – ich hoffe nur, dass es sich für Sie nicht wieder nur wie Theorie anhört. Ich meine die Dinge sehr ernst und real.

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  168. Sehr interessant Herr Niederhausen!
    Danke für Ihre Ausführungen!
    Herzlichst Herrmann Finkelsteen

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  169. "Aber auch das ist nur möglich, wenn sich das Denken rein machen kann von allen Vorstellungen, Urteilen usw. – und wenn sich der Wille diesem Denken ganz zur Verfügung stellen kann, so dass es stark genug ist, die reale Wahrheit in sich aufleuchten zu lassen."

    Als Spervisionsvorgang in mir selbst.(?) Ich lege es mir selbst vor, bevor ich es "entlasse".

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  170. @Herrn Niederhausen

    Hallo - Eine Frage noch:

    Sie sprachen von dem Körper Anthroposophie, der gebildet werden kann, soll, wie auch immer.
    Wie soll, kann man sich das nun vorstellen?
    Ich denke jetzt insbesondere an Michaels Worte, dass es nach Steiner doch zwei Hauptströmungen bzw. Gruppierungen gibt (Kain und Abel)und diese kaum zueinander finden können?

    Wenn dem so ist, wäre es dann nicht wünschenswert, sich hierüber vertiefende Gedanken zu machen, ja, sich desöfteren "zusammenzusetzen" bzw. auszutauschen, um Klarheit und etwas mehr Einigung zu schaffen? (vielleicht auch mal außerhalb der Öffentlichkeit?).
    Jeder "Körper", jedes Organ bzw. Wesen, auch in anderer Hinsicht z.B. in der Familie oder am Arbeitsplatz, bedarf doch einer regelmäßigen Besprechung und eines Austausches, um Klarheit zu schaffen, um evtl. auch auf einen gemeinsamen oder lebendigen Nenner zu kommen?

    Wiederum kann dieses Wesen ja nicht bedeuten, dass es ein einengendes Gruppenwesen wird (eine Art "Stammes-Gruppenseele").
    Es sollte dieses Wesen doch die Schöpfer, die Menschen nicht wie an Marionettenfäden halten, wie eine Art Golem. Ich stelle mir das sehr schwierig vor...(obwohl Manfred das sehr schön formuliert hat bezügl. Kain und Abel).

    Teilen Sie denn Michaels bzw. Steiners Gedanken bezügl. dieser zwei Gruppierungen? - und wenn ja, wie würde das dann in der Realität für Sie aussehen können, im Zusammenhang mit dem Wesen - Anthroposophie?

    Dann - Steiner hat mal erwähnt (ich durfte das u.a. im Steinerarchiv lesen), dass wir sogar das Chrituswesen noch "heranbilden" - ja sogar daran mitwirken IHN sichtbar zu machen. Und zwar u.a. durch diese drei Eigenschaften: Staunen (im weitesten,auch spirituellen Sinne), Gewissen und Liebe. Und man könnte doch jetzt durchaus zu dem Schluss kommen: Das Christuswesen steht noch über dem
    - Wesen Anthroposophie - (bestenfalls durchdringt es Anthrop.).
    Zudem - dieses Wesen Christus, zutiefst mit unserem Ich verbunden, könnte doch auch viel unabhängiger, fast gefahrloser "bedacht" werden. Unabhängiger eben von manchmal schwieriger Wesensdynamik und- zugehörigkeit, gerade in heutiger Zeit, wo es doch immermehr auf Individualität, Einzelgängertum und Wahlverwandtschaften sowie Grüppchen-Bildungen hinauszulaufen scheint...Aber mit Chistus kann man immer in Verbindung treten, eben mit unserem ICH oder dem Ich Bin, völlig frei und freilassend.

    OK - Das sind halt so Gedanken und Fragen ...

    Wollte dann auch noch kurz erwähnen, dass mein Satz "da draußen in den Gassen und am Rinnstein" für mich nicht bedeutet, mich nun in jede nur erdenkliche. unschöne Situation zu begeben. Es sollte bedeuten, dass es mir wichtig ist, nah am Puls des Leben zu bleiben, weil ich eben Mensch bin.

    HGR

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  171. Hallo Herr Niderhausen, dann sei noch schnell hinzugefügt, gefragt: Wieviele Menschen gibt es eigentlich, die ganz still und unauffällig ihren Beitrag leisten zu einem evtuellen Anthroposophie-Wesen? Das heißt - ES in-sich-tragen und leben und schöpfen, ebenso Christus?

    LG

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  172. Herr Niederhausen,
    ich finde die Auseinandersetzung interessant, informativ und fruchtbar. Ich positioniere mich eindeutig auf der liberalen, erlebensbezogenen Seite von Michael Eggert und stimme Ihrem Wunsch nach mehr Ernsthaftigkeit zu. Diese finde ich sehr klar bei Michael Eggert. Das eine schließt das andere nicht aus. Ich bin jemand, die sich der Anthroposophie annähert und über viele Hintergrundinformationen im anthrop.Ambiente nicht verfügt. Ich mache die Erfahrung: je mehr ich mich mit R. Steiner auseinandersetze, umso mehr respektiere ich ihn und empfinde große Wertschätzung seinem Werk gegenüber. Es erwächst ganz natürlich Achtung, Würde, große Dankbarkeit und Lebensfreude aus dieser Begegnung.
    Ihren Aufruf nach seriösem Erkenntnisstreben kann ich zustimmen, weil es meiner inneren Haltung entgegenkommt, über das „wie“ bin ich unterschiedlicher Meinung.
    Ein Buch, wie es die Vier geschrieben haben gefällt mir nicht, weil ich es seicht, literarisch schwach, humorlos und traurig finde. Traurig wohl deshalb, weil ich den Eindruck habe, dass entleerte Begriffe von anth.Eltern an deren Kinder weitergegeben wurden, die sich jetzt davon befreien möchten, indem sie sich über diese entleerten Begriffe lustig machen. Begriffe, Worte, die ursprünglich bedeutungsvoll aufgeladen waren. Ich sehe in dem „sich lustig machen wollen“ keine Entwicklung, sondern ein im-Kreis- bleiben. Pubertieren bedeutet für mich, das warme, seicht gewordene Elternhaus zu verlassen und zu einem neuen Ausdruck zu finden.
    Da Sie beruflich in einem anthrop.Umfeld verankert sind, kann ich verstehen, warum dies für Sie eine öffentliche Angelegenheit ist.

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  173. Fortsetzung
    Wenn Sie den Begriff Wahrheit verwenden, so nehme ich an, dass Sie sich damit auf die Essenz der von Steiner vermittelten Geisteswissenschaft beziehen. Nun handelt es sich für mich bei dem Begriff Wahrheit nicht um einen Begriff, den nur die Anthroposophie für sich in Anspruch nehmen kann. Damit ergibt sich für mich die eine Schwierigkeit in der Festlegung einer Wahrheit. Die zweite Schwierigkeit in der Definition von Wahrheit sehe ich in der Tatsache, dass sich in Steiners geisteswissenschaftlichen Mitteilungen Aussagen finden, die nicht universell, sondern persönlich konditioniert und korrekturbedürftig sind.
    An diesem Punkt beginnt mein mich mit der Anthroposophie in Beziehung-setzen, das nicht beliebig ist, sondern
    ansetzt an einem großen Erbe, mit dem ich versuche respektvoll umzugehen. Ein von mir sehr geschätzter Anthroposoph meinte: die Anthroposophie ist kein fertiges Bauwerk, Steiner hat uns Pläne, Richtlinien, Indikationen für ein großartiges Gebäude hinterlassen, erbauen müssen wir es. Heute.

    „Wahrheit ist nicht an und für sich selbst. Sie entwickelt sich im Menschen wenn dieser die Welt auf seine Sinne und auf seinen Geist einwirken lässt. Je nach seiner Organisation hat jeder Mensch seine eigene Wahrheit, die nur er in seinen intimen Zügen verstehen kann. Wer eine allgemeingültige Wahrheit verlangt versteht sich selbst nicht.“ R.Steiner

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  174. Liebe ZuL, tolle Gedanken...ähnliches schwirrte mir heute auch noch im Kopf herum (neben der obigen Wesens-Frage)...

    Und ja, man muss es sich wirklich "auf der Zunge zergehen lassen":

    „Wahrheit ist nicht an und für sich selbst. Sie entwickelt sich im Menschen wenn dieser die Welt auf seine Sinne und auf seinen Geist einwirken lässt. Je nach seiner Organisation hat jeder Mensch seine eigene Wahrheit, die nur er in seinen intimen Zügen verstehen kann. Wer eine allgemeingültige Wahrheit verlangt versteht sich selbst nicht.“ R.Steiner

    LG

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  175. Lieber Steffen,
    nein, von einem „Körper Anthroposophie“ oder irgendetwas ähnlichem sprach ich ganz sicher nicht!
    Bevor wir uns jetzt in eine eher theoretische Diskussion über Strömungen verlieren, würde diesmal ich gerne dazu aufrufen, bei der unmittelbaren Erfahrung zu bleiben. Ich habe in meinen letzten ausführlichen Beiträgen das Gespräch mit Michael begonnen – es wäre nun wichtig zu sehen, was er oder auch andere darauf antworten.
    Sicher gibt es die scheinbaren Theoretiker und die scheinbaren Praktiker, aber wie ich versuchte anzudeuten, sind sie doch oft näher an einer gemeinsamen Basis, als man denkt. Rudolf Steiners „Philosophie der Freiheit“ läuft darauf hinaus, dass man sich in der Wahrheit immer begegnen kann und auch wird – und darauf vertraue ich auch. Allerdings braucht es wie gesagt einige Anstrengungen, um sich einander verständlich zu machen und den anderen auch wirklich zu verstehen.

    Das Wesen des Christus und seine Beziehung zum Wesen Anthroposophie – auch dieses beides möchte ich wirklich nicht leicht nehmen und mal eben dies oder das dazu sagen. Wenn es nur so leicht wäre, mit dem Christus oder auch nur unserem höheren Ich in Verbindung zu treten! Dann hätten wir doch schon hier auf Erden das Paradies. Rudolf Steiner sagte einmal, dass die meisten Menschen, die glauben, zum Vatergott zu beten, allenfalls mit ihrem Engel in Berührung kommen. Und er sagte auch, dass fast alles, was man für Liebe hält (und Christus ist ja das Wesen der Liebe!), eigentlich nur Selbstliebe ist. Es ist also wirklich nicht so einfach!
    Ja, Staunen, Gewissen und Liebe. Aber all diese Dinge sagen sich so leicht – und sind es wirklich nicht. Die ersten Schritte kann man ja machen – und dann schnell glauben, schon vieles verwirklicht zu haben. Aber das Ganze kann schnell auf der Stufe „Wassermann-Zeitalter“, Flower Power, New Age, „wir lieben uns alle“ usw. stehenbleiben. Ich schätze das nicht gering. Aber wie weit ist es doch noch zu einem vollen Christentum! Denn wie schnell passiert es, dass man sich im nächsten Moment doch wieder beschimpft, verspottet, anschreit und, und, und. Oder man zieht sich wirklich sehr erfolgreich auf einen friedvollen All-Liebe-Standpunkt zurück, liebt sich in dieser All-Liebe aber doch auch ganz gehörig wohlig selbst.

    Ich meine, das wirkliche Christentum, das wirkliche Sich-Verbinden mit Christus geht noch viel, viel weiter. Dazu gehört dann auch wieder jene Selbstlosigkeit, die man gerade im Erkennen und im Wahrheitsstreben erringen kann. Und der Christus ist nun einmal zugleich auch der Logos. Anthroposophie ist eigentlich die Sprache des Christus, so hat Rudolf Steiner es gesagt. Und Michael, der Kämpfer für die Wahrheit und der Hüter der kosmischen Intelligenz, die nun die menschliche werden soll, ist das Antlitz Christi. Und Sophia, die Weisheit, die Geist-Erkenntnis, sie zeigt heute wieder den Weg zu Christus, nachdem der Mensch ihn verloren hat. Das alles sind Worte, die Rudolf Steiner betonte und aus denen man empfinden kann, dass es kein leichter Weg zu Christus ist, der mal eben gegangen werden kann. Das Denken muss sich vollkommen verwandeln, wenn der Mensch die Anthroposophie lebendig aufnehmen und wahrmachen will.
    Liebe und Weisheit müssen sich vermählen, gegenseitig befruchten – dann vertieft sich das Christentum, dann findet der Mensch immer mehr zu dessen wahrem Wesen. Und wenn wir Menschen mit möglichst großem Erkenntnisernst (!) nach einer wahren, tiefen Christuserkenntnis ringen, dann werden wir auch die Kraft haben, dieses starke Erkenntnisstreben darauf zu richten, uns gegenseitig zu verstehen – und dann wird dies auch gelingen, immer tiefer.

    Ich möchte später auch noch einmal Ihre kurzen Erwähnungen in Bezug auf schwere seelische Verbrechen an Kindern im Namen der „Anthroposophie“ aufgreifen: Hieran kann man wirklich sehr viel über das Verhältnis von Wahrheit und Liebe lernen.

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  176. Ich muss gelegentlich schlafen und arbeiten, habe daher nicht ununterbrochen Kontrolle über die Kommentarfunktion. Wiederholte Beiträge vom selben Autor wertet das Google- System als Spam und löscht diese. Ich habe die Beiträge wieder aus dem Spamordner geholt.

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  177. Lieber Steffen,
    es gibt doch immer wieder neue Sätze von Steiner, die man/frau noch nicht gelesen hat. Das mit der "Wahrheit" ist so einer, danke. Interessant ist dann die Frage zur "Lüge", ob die objektiv ist oder nicht.
    Benedikt XVI jedenfalls hat die Wahrheit der Katholischen Kirche aktuell verkündet:

    http://kath.net/detail.php?id=29663

    Vielleicht geht es darum, den eigenen Standpunkt zu bewahren, unabhängig von Wahrheit und Lüge. Wer die Schreie von Tunis hört, spürt das Ringen des Individuums...... .

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  178. Lieber Zuhörerundleser bzw. liebe ZuL (was ist besser?), mit Ihren Gedanken zu dem Buch der Vier sprechen Sie auch mir aus dem Herzen. Ja, in Bezug auf die Wahrheit meine ich die Essenz der Geisteswissenschaft. Das ist nicht das, was Rudolf Steiner dann in Worte fassen konnte, sondern das ist die Quelle, aus der er schöpfte. Das Reich des Geistes, das Reich der Wahrheit und des Logos (siehe oben). Der von Ihnen geschätzte Anthroposoph sagte: Erbauen müssen wir heute. Und das würde ich auch sagen – aber was müssen wir erbauen? Unsere Erkenntniskraft und Erkenntnisfähigkeit, unser Organ für wesenhaft Geistiges.
    Es reicht nicht, aus Rudolf Steiners Plänen Papierflieger zu basteln, wir müssen die von ihm gewiesenen Wege gehen – und nicht aufhören und entweder glauben, wir seien doch schon recht weit gekommen, oder aber Angst vor unserer eigenen Courage (oder Berufung) bekommen! Der Mensch ist zur (Geist-)Erkenntnis berufen – und Rudolf Steiner wollte vor allem anderen in dieser Hinsicht nicht einsam bleiben, blieb es aber doch...
    Michael ist durchaus ernsthaft, in vielem, in manchem bis vielem anderem nimmt er die Dinge für mein Empfinden zu leicht, aber das ist eben ein Punkt, der uns trennt... Ein spannender Punkt wären z.B. die Widersacher. Michael sagt einfach: „kenne ich nicht aus eigener Anschauung.“ Und weiter? Da lassen sich unzählige Subtexte denken... Das ist mir zu salopp, ganz abgesehen von den Schimpfereien, die ich um so weniger verstehen kann, als er sagt, ich bringe ihn gar nicht wirklich in Rage, aber darüber sind wir ja jetzt erstmal hinweg. Auch hat er sich ja in Cartoons auch über Steiner selbst lustig gemacht. Das sind Dinge, die ich absolut nicht verstehen kann. Ich verstehe nicht, warum er das nötig hat oder warum er Spaß daran hat – und das sind eben Dinge, die uns wirklich trennen, da ist wieder der andere Ernst, der in meinen Augen absolut notwendig ist, um in essentiell wichtiger Hinsicht innerlich weiterzukommen.

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  179. @Nerrn Niederhausen

    Ja, das können wir später gerne machen.

    Aber noch zu dem Wesen - ich habe die Stelle mit dem "Wesen-Athroposophie" wiedergefunden. Sie schrieben recht am Anfang folgendes an Michael (es ging um die Selbstdefinition, eine eigenständige Haltung bzügl. Anthroposophie usw):

    "Nun – sollte die Gretchen-Frage in Bezug auf diese vier Autoren tatsächlich so irrelevant und sinnentleert sein, wie Sie meinen, weil eben jeder sein Verhältnis zur Anthroposophie selbst definiert und es das Wesen der Anthroposophie (Rudolf Steiner sprach von einem Wesen!) gar nicht gibt ... ja dann habe ich mich hier in diesem Blog wohl wieder völlig verirrt und beeile mich, ihn wieder zu verlassen."

    Also, jetzt mal ganz unabhängig von dem obigen Dialog-Thema - ich picke mal heraus:

    "...Es das Wesen der Anthroposophie gar nicht gibt.."

    Dannin Klammern mit Ausrufungszeichen versehen, also als bedeutend eingestuft:

    ("Rudolf Steiner sprach von einem Wesen!")

    Deshalb fragte ich: Was Sie denn nun unter diesem Wesen verstehen, vor allem wie ES unter dem Gesichtspunkt "Kain und Abel" von Menschen gebildet werden kann - wie gesagt, Sie haben es ja sehr deutlich als Steinermitteilung, als Wesen herausgestellt. Was ich ja nachempfinden kann, dass eben hinter allem Wesent-Liches steckt, aber auch Wesent-Liches geschaffen werden kann, im Sinne einer Schöpfung des Menschen, durch Gedanken und Gefühle.

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  180. Lieber Ernst, den Satz hat Rainer gefunden und hier reingebracht. Ich weiss gar nicht wie er das gestern so auf die Schnelle, themenbezogen, geschafft hat :-)) ;-)

    Ja, sehr interessant das mit der Lüge.
    Die größte Lüge ist wohl, wenn man sich selbst belügt und dann noch objektiv !! ;-)))) nein...war nur so ein Wortgeplänkel..

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  181. Ich kann nicht sagen, an welcher Stelle Steiner ausdrücklich von einem Wesen sprach. Einmal sagte er auch ungefähr: Anthroposophie ist eigentlich ein übersinnlicher Mensch. Alle Erkenntnis – auch die Anthroposophie – ist ja eine menschliche. Der Mensch Rudolf Steiner konnte sich zu dieser ungeheuer weitreichenden und tiefgehenden Erkenntnis erheben. Zugleich ist es die ursprünglich kosmische Intelligenz, Weisheit, nun in einem Menschen erschienen und verwirklicht. Dadurch wird die Wissenschaft durchchristet, der Mensch erkennt die Welt in ihrer wahren seelisch-geistigen Wesenhaftigkeit. Wenn Du fragst, wie die Anthroposophie nun von Menschen „gebildet“ werden kann, dann würde ich genau dies sagen: Die wesenhafte Geist-Erkenntnis wahrmachen. Und in einer Vorstufe dessen: Sie vollkommen ernst nehmen, ja überhaupt für möglich halten. Rudolf Steiners Lebenswerk vor sich haben und sich sagen: Das ist reale Erkenntnis. All das, von dem er da in diesen ganzen Jahrzehnten gesprochen hat, ist Realität! Eine Realität, die wir zunächst nicht mehr wahrnehmen, zu deren Erkenntnis wir jedoch aufgerufen sind. Man sagt immer: „Das konnte nur Rudolf Steiner“. Aber wenn das so wäre, hätte die ganze Anthroposophie gar keinen Sinn. Die vollkommene Verwandlung des Denkens und der ganzen Seele zu einem übersinnlichen Organ der „Geist-Empfängnis“ ist möglich. Anthroposophie in diesem Sinne ist wiederum: ein Erkenntnisweg, aber man muss sich natürlich mit aller Kraft auf den Weg machen, wenn man auf diesen Weg vorankommen will. Vor allem aber: Man muss ihn durch und durch ernst nehmen.

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  182. Ich möchte noch einmal Steffens kurze Erwähnungen in Bezug auf schwere seelische Verbrechen an Kindern im Namen der „Anthroposophie“ aufgreifen: Hieran kann man wirklich sehr viel über das Verhältnis von Wahrheit und Liebe lernen.
    Man kann zu der reinen Erkenntnis kommen, dass es eine Wahrheit ist, dass Barbiepuppen ein schlechtes Spielzeug sind – dass sie viele Phantasiekräfte abtöten, die Vorstellung in eine gewisse Richtung lenken, das ästhetische Empfinden beleidigen (bzw. zerstören) und so weiter. Wir wissen das alle. Hier bewegen wir uns auf der Ebene der Erkenntnis: Es ist eine Erkenntnisfrage, und sie ist sehr klar und immer differenzierter zu beantworten, wenn wir uns im Wahrnehmen, im Empfinden und natürlich im Denken schulen. Schon die Wahrnehmung des ästhetisch-moralisch-sittlichen (im Sinne von Goethe) Unterschiedes zwischen Stoff und Plastik ebenso wie alle anderen Wahrnehmungen sind bereits DENKEN in der Wahrnehmung.
    Man kann also im Denken und im denkend-fühlend-erkennenden Wahrnehmen zu Wahrheiten kommen. Wenn es diese Wahrheiten nicht gäbe, wäre Erkenntnis gar nicht möglich.

    Nun aber kommt das übrige Leben hinzu. Das „reale Leben“. Die Erkenntnis ist ebenso real, aber das Leben bringt oft Geschehnisse, die der (wahren) Erkenntnis widersprechen. Also: Das Kind bekommt eine Barbiepuppe geschenkt. Wir konnten es nicht verhindern, indem wir vorher mit der Oma gesprochen haben – nun hat das Kind die Barbiepuppe, und, das ist entscheidend, sie liegt nach einigen Tagen nicht herum, sondern es hat sie in sein Herz geschlossen...
    Ja, da hat also das Leben eine andere Antwort gegeben. An der Erkenntnis vorbei. Die Oma hat dem Kind diese Puppe aus Unkenntnis geschenkt. Hätte sie sich vorher dieselben Fragen gestellt, wäre sie sicher auch zu einer anderen Puppe gekommen. Sie hat es aber nicht getan, und so ist dieser Verkaufshit der US-Spielzeugindustrie in die Hände des Kindes gelangt, und es hat die Barbiepuppe in sein Herz geschlossen...
    Unsere Erkenntnis ist also eine ganz reale Wirklichkeit – und das Geschehen im Leben ebenfalls. Würden wir dem Kind die Puppe nun wegnehmen, so würden wir ihm das Herz aus dem Leibe reißen und gegen das Leben handeln.

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  183. Wie hängen Erkenntnis und Liebe hier zusammen? In unserer eigenen Erkenntnisfrage galt unsere ganze Liebe der Wahrheit – und wir fanden sie in der sehr differenzierten Erkenntnis, was in einer Barbiepuppe eigentlich vorliegt und welche Wirkungen sie hat. Nun, wo das äußere Leben mitgesprochen hat, muss der Erkenntnisprozess weitergehen. Unsere Liebe gilt doch unserem Kind. Geleitet von dieser Liebe dehnt sich die Erkenntnis nun auch auf das aus, was sich ereignet hat: Wir erkennen die Liebe, mit der das Kind diese Puppe ins Herz geschlossen hat. Wir empfinden auf der einen Seite die Wahrheit, die wir fanden, und wir empfinden auf der anderen Seite das, was das Kind empfindet. Und wir wägen ab: Was beeinträchtigt die Puppe in den Seelenfähigkeiten des Kindes? Und was richten wir an, wenn wir sie ihm wegnehmen? Die Antwort (und damit die richtige Erkenntnis, die Wahrheit) kommt unmittelbar, wenn man sich ihr nicht verschließt...
    Das ist der Zusammenhang zwischen Erkenntnis und Liebe. Die Liebe zur Wahrheit führt auch wirklich zur Wahrheit. Dennoch muss die Erkenntnis, wenn es nicht nur um das reine Erkenntnisleben, sondern um das ganze Leben geht, auch dieses ganze Leben in sich aufnehmen. Die reine Erkenntnis bewegt sich im Reich der Wahrheit. Im Leben ist das Wichtigste die Liebe – man betritt das Reich des Guten. Die Wahrheit wird zum Dogma, wenn die Liebe vergessen wird – sie verliert die Verbindung mit dem Leben.
    Wenn die Wahrheit mit dem Leben verbunden bleibt, dann wandelt sie sich fortwährend. Es ist eine Wahrheit, dass eine Barbiepuppe mit den Seelenkräften etwas macht – aber es ist auch eine Wahrheit, dass das Kind diese Puppe ins Herz geschlossen hat...

    Dennoch sind reine Erkenntnisse sehr wichtig, denn ohne sie kann sich nie etwas ändern. Ohne sie wird man gar nicht wissen, wie Barbiepuppen unter der Oberfläche auf das feinere seelische Empfinden wirken; ohne sie wissen das weder die Mütter, noch werden je die Omas etwas davon erfahren und so weiter. Das reine Erkenntnisstreben ist von außerordentlicher Wichtigkeit, dieses Erkennen muss geübt werden, sonst hat man es nicht, entwickelt es sich nicht weiter. Und es gibt nicht nur die seelischen Verbrechen, die man verübt, wenn man die Wahrheit zum toten Dogma werden lässt und hartherzig durchsetzt, sondern es gibt die noch viel zahlreicheren seelischen Verbrechen, die wir alle täglich begehen, weil wir überhaupt aus völliger Unkenntnis an der Wahrheit vorbeihandeln.
    Gerade das macht die Anthroposophie doch so fruchtbar – konkret in der Medizin, der Landwirtschaft und so weiter: Dass es immer mehr möglich werden kann, aus echter Wesenserkenntnis heraus zu handeln. Darum ist es so wichtig, die (eigenen!) Erkenntniskräfte zu üben und zu stärken. Und eben auch die moralischen Kräfte. Denn je tiefer man in die Wirklichkeit eindringt, um so stärker erweist sich jede Erkenntnis als moralisch.

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  184. Und hier - um mal wieder zum Thema zurück zu kommen- sind ein paar Zuschriften an die "Vier Jungs" zu ihrem Buchprojekt: http://endstation-dornach.de/c5/index.php?cID=85

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  185. Ihr Lieben,
    mit Staunen und Freude lese ich die vielen Kommentare, die sich gestern und heute hier ergeben haben - vielen herzlichen Dank an alle.
    Ein extra Danke an Manfred - für alles, was Du zum Ver-söhn-lichen und den Sohneskräften gesagt hast.
    Und noch eines an Holger für die Formulierung "Es reicht nicht, aus Rudolf Steiners Plänen Papierflieger zu basteln…"

    Ich will etwas zu den "Widersachern" sagen:
    (Viel) weiter oben habe ich Michael sozusagen "unterstellt", er habe mit seinem "Man kann überhaupt nichts von Anderen verlangen. Man fängt einfach an." gemeint, es gehe darum, daß jeder einzelne die beiden "Widersachermächte" in sich selbst ins Gleichgewicht zu bringen sucht…
    Lieber Michael, Du hast Dich zwar nicht gegen meine Kernaussage ("in sich selbst"), aber doch gegen mein Sprechen von den "Widersachermächten" gewehrt:
    "Da ich bemüht bin, nur über Dinge zu sprechen, die ich aus eigener Anschauung kenne ("Widersacher" gehören nicht dazu), kann ich dazu nichts sagen."

    Ich möchte präzisieren: ich meine nicht irgendwelche "Gespenster", und es geht mir auch gar nicht in erster Linie um "anthroposophische Terminologie" - auch wenn ich diese bei näherer Betrachtung ganz treffend finde.
    Ich nehme es jetzt einmal ganz wörtlich: Wider-sache-r.

    Darunter verstehe ich alle Kräfte, die "wider die Sache" wirken:
    also weg vom Thema, weg von klaren und "freien" Gedanken, weg vom Licht der Erkenntnis und damit von der "Wahrheit" (im Griechischen spricht man von "a-letheia", Unverborgenheit, das begreife ich als all das, was dem Lethe, dem Fluß des Vergessens, entrissen werden kann), weg auch von der sachlichen Ausdrucksweise ---
    und hin zu allem, was uns grad so durch den Kopf geht, hin zu automatischem Reagieren, hin zu Schwarz-Weiß-Denken, hin zum Faulbett des guten Glaubens oder sogar zur Lüge (und damit zur Verschleierung der "Unverborgenheit"), hin zu persönlichen Be- und auch Empfindlichkeiten, hin auch zu einer Ausdrucksweise voll von "Rundumschlägen" und "Spitzen", hin zum streitlustigen Verletzen um des Verletzens willen (mittels Ironie, Sarkasmus, Zynismus, Hohn, Spott und was dergleichen mehr ist) - oder auch hin zu einer "harmoniesüchtigen" Ausdrucksweise voll von oberflächlichen Küßchen und Umarmungen und sonstigen rosaroten Streicheleinheiten…

    Es gibt immer und überall solche "Mächte", die uns jederzeit von der Sache ablenken können - wenn wir das mit uns geschehen lassen.
    Und ich freue mich jetzt einfach, daß es hier in dieser Diskussion zu gelingen scheint, allem "wider-sacherlichen Wirken" zum Trotz immer wieder zum Thema*) zurückzukehren, ja, daß die Beteiligten sich sogar dann nicht ablenken ließen, als plötzlich wieder "Verdunkelung" herrschte - ich habe das heut früh gesehen und hatte große Mühe, die Kommentare überhaupt noch zu lesen; dennoch ist UHU ;-) nicht wieder aufgetaucht, und Steffen hat nur in einem PS schmunzelnd darauf hingewiesen - und auch ich würde es nicht erwähnen, wenn ich es nicht als eben zu diesem "Wider-sache-r"-Thema gehörig empfände.

    Ich würde schon sagen, das liegt daran, daß jeder einzelne der Diskussionsteilnehmer sich um "Gleichgewicht in sich selbst" bemüht hat.

    Ein herzliches Danke nochmal!
    Ingrid

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  186. *) Najaaa: ich gebe zu, das Thema hat sich inzwischen ein wenig ausgeweitet und bezieht sich nun nicht mehr ausschließlich auf den Ursprungsartikel. Allerdings empfinde ich diese Ausweitung nicht als Abschweifung, sondern als Bereicherung.
    :-) Aber oh - kaum hab ich das geschrieben, sehe ich: Michael kehrt tatsächlich zum Thema im engeren Sinne zurück! :-)

    Und danke, Holger, für Deine Ausführungen zur Barbiepuppe. Ja. Eine Barbiepuppe, die ein Kind von einer geliebten Person als Geschenk erhält, ist allein schon dadurch etwas ganz anderes geworden als ein Stück Plastik. Wer das nicht mit einbezieht und dem Kind die Puppe aus vermeintlichen "Erkenntnisgründen" wegnimmt, handelt in schädlicher Weise dogmatisch - und es ist wirklich sehr bedauerlich, daß solch ein dogmatisches Handeln wohl immer wieder geschieht.

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  187. Hallo Herr Niederhauser, ja dann ist es 'nur' der Anthropos und die Sophia...dann soll es erstmal gut sein. Danke auch für die interessante Erklärung zu Erkenntnis und Liebe bezogen auf d. Barbiepuppe. Und ich stimme Ingrid zu - das Geschenk war aus Liebe geschenkt (Omas meinen es meistens gut und manchmal auch ZU gut ;-) Schön, dass du wieder hier bist, trotz aller vergangenen Wider-Sachen ;-)

    Die Wildwest-Kneipe ist einigermaßen hergestellt, die zerbrochenen Wiskyflaschen, Spiegel und Stühle zusammengefegt und entsorgt..

    Dank auch an den Chefwirt!
    Bis dann..

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  188. Wenn das man kein christliches Ereignis ist, was hier in den letzten Tagen stattgefunden hat. Von üblen Beschimpfungen bis hin zu fast Umarmungen und im Zentrum beginnt der Stammtisch zu leuchten. Und dieses Licht ist von uns hier geschaffen worden. Und das meine ich nicht als: "harmoniesüchtigen" Ausdrucksweise..." sondern als schlichte Tat-Sache.

    Lieber Holger, in einem ähnlichen Sinne wünsche ich Dir für Deinen Prozess einen positiven Ausgang! Möge das wahre Licht erhellen, was man aus Furcht unterdrückt.

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  189. Herr Niederhausen,
    ich empfinde Übereinstimmung mit Ihrer Aussage“....die Essenz der Geisteswissenschaft. Das ist nicht das, was R.Steiner dann in Worte fassen konnte, sondern das ist die Quelle, aus der er schöpfte.“
    Wenn ich diesen Gedanken weiterführe so ist die Quelle größer als die Worte, die sie transportieren und die Quelle existiert auch ohne die Worte. Man kann Zugang zu ihr finden, ohne auch nur einen einzigen anthroposophischen Begriff zu verwenden oder auch nur zu kennen. Die Quelle ist universell und jenseits jeglicher kultureller/sprachlicher Prägung.

    „Ein spannender Punkt wären z.B. die Widersacher. Michael sagt einfach „kenne ich nicht aus eigener Anschauung“
    meine Antwort darauf ist: – diese Haltung ist verständlich, wenn er sich an die Quelle anzubinden vermag, ohne anthroposophische Begriffe bemühen zu müssen.
    Diese Anbindung nehme ich wahr - genauso wie einen gelegentlichen Wutausbruch – ich schätze beides.
    Dies ist meine Interpretation – was Michael dazu meint überlasse ich ihm.

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  190. Herr Niederhausen,
    ich verabschiede mich nochmals von Ihnen,
    wir haben jetzt wirklich Sperrstunde.
    Es war nett Sie kennengelernt zu haben.

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  191. Liebe ZuL, ja, ich denke auch, dass es auf anthroposophische "Inhalte" wenig ankommt- wesentlich ist die Methodik, die Faktizität und Konkretheit. Die "Inhalte" stellen lediglich Hinweise dar- ein Medium, ähnlich wie etwa das Werk von Beuys. Zu dem "Eigentlichen" hat jeder Mensch Bezug, weil es sein eigenes Eigentliches ist. Es gibt sicherlich viele Wege "dorthin", nicht zuletzt über erlittenes Leid oder praktizierte Kunst, über Zen und über einen Spaziergang unter Weiden am Rhein.

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  192. Lieber manroe, vielen Dank für Deine guten Wünsche!
    Leider muss ich aus meiner Anschauung sagen, dass zur Sperrstunde dann doch wieder alles relativiert wurde. Und das ist etwas, was ich nicht fassen kann... Es tut mir leid, ZuL, ich kann mich noch nicht verabschieden. Ich sagte: Die Essenz der Geisteswissenschaft ist die Quelle, aus der Rudolf Steiner schöpfte. Und Sie machen daraus: Man kann Zugang zu ihr finden, ohne auch nur einen einzigen anthroposophischen Begriff zu kennen.
    Das stimmt nicht! Man braucht alle diese Begriffe, und sie müssen in einem lebendig werden, um zur Quelle zu kommen! Rudolf Steiners Worte sind nicht die Quelle, aber seine Begriffe strömen aus dieser Quelle – und deswegen weisen sie den Weg dorthin. Anthroposophie ist ein Erkenntnisweg, sie ist die Sprache des Christus, und sie brauchte zu ihrer Offenbarung das ganze jahrzehntelange Lebenswerk Rudolf Steiners. Sie ist nicht wortlos wie Zen! Sie ist der Weg zu dem Weltenwort in all seiner Differenziertheit. Und man glaube doch nur nicht, dass man „Anschluss“ daran findet, wenn man den modernen Schulungsweg nicht geht und die geisteswissenschaftlichen Begriffe nicht zu Hilfe hat!
    Und Michael geht dann noch weiter und sagt: Zu dem „Eigentlichen“ (also zur Quelle der Geisteswissenschaft?) findet jeder Mensch schon durch Leid oder Zen oder einen Spaziergang. Nein, lieber Michael. Wozu dann überhaupt Anthroposophie? Wenn Leid oder ein Spaziergang schon reichen? Dass Du die Widersacher aus eigener Anschauung nicht kennst, zeigt gerade, dass das nicht reicht.
    Das ist eben gerade dieser Relativismus, den ich meine: Wahlweise „Wir haben uns alle lieb“ oder „Wir haben doch alle Anbindung an das Eigentliche.“ Wo ist denn die differenzierte Menschenerkenntnis, spirituell bis in den Leib hinein, die Erkenntnis der Hierarchien und Widersacher, die Erkenntnis der Erlebnisse der Seele nach dem Tode und, und, und? Ein Spaziergang am Rhein und alles da? Nichts da!
    Glaubt irgendjemand, Steiner hätte gesagt: Macht meinetwegen auch Zen, dann habt ihr’s auch?
    Ratlos...

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  193. Guten Morgen, Herr Niederhausen. Was mich so ganz persönlich noch einmal interessieren würde: Gibt es eigentlich auch nicht-anthroposophische spirituelle Autoren, die Sie, vielleicht ansatzweise, anerkennen oder sogar schätzen?

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