Wiki Rebels

Achtung, eine Stunde lang!



Eine umfangreiche (englischsprachige) Dokumentation. Inmitten dieser beispiellosen Ereignisse, in denen die westlichen Nationen in Sachen Pressefreiheit nicht gerade eine gute Figur machen, sondern primitive Attacken gegen Assange starten und damit eine Art Cyberwar auslösen, muss man auch den Preis beachten, der für diese Transparanz zu zahlen ist. Denn die Arbeit der Diplomaten - beispielsweise in Ost-Timor- ist akut bedroht, weil ihre Informanten durch solche Indiskretionen um ihr Leben fürchten müssen. Hier ein Artikel zu diesem Thema, der die Schattenseite von Wikileaks beleuchtet: „Allow me to illustrate with an example. Every few months, I would visit a little whitewashed school in the hills of Indonesian-occupied East Timor. The young teacher who ran the school would cheerfully bring me into her office, and we would chat about small things while her uniformed students would serve us homemade buns and strong coffee in chipped porcelain. Once the students left and the office door closed, the teacher would open her desk drawer and with a shaking hand give me horrifying photos of disinterred bodies. The Timorese resistance would dig up the fresh graves of torture victims, take photos for evidence, and pass them through their underground networks to this teacher, who would then get them out of the country through me and other diplomats. With that information we knew what the Indonesian military was doing in secret. We could better confront Jakarta, and we could assert more pressure on them to stop.“

Assange ist der Robin Hood unserer Tage. Er verteilt nicht Geld, sondern Informationen. Die Folgen des politischen Vertrauensverlusts, der durch diese Diebstähle angerichtet wird, zeigen sich in der Provinz, in Jakarta und anderswo- eben dort, wo wir es kaum wahrnehmen.


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auch bei den Egoisten

Kommentare

  1. Lieber Michael,
    warum ich an Deiner wikileaks-Umfrage nicht teilnehme:
    Ich mag keine "Kreuzerltests" (übrigens auch dann nicht, wenn sie aus PISA kommen...) - die Antwortmöglichkeiten sind mir nicht komplex genug. Nicht alles läßt sich auf eine griffige Formulierung reduzieren.

    Meine Antwort:
    In seinem Vortrag "Die Ätherisation des Blutes" (1.10.1911,in GA 130) sagte Rudolf Steiner, nachdem er über die Elektrizität und den Magnetismus gesprochen hatte:

    "Und noch eine dritte Kraft wird auftreten. Und wenn den Menschen heute schon Wunder wirkend die Elektrizität erscheint, so wird diese dritte Kraft in noch viel wunderbarerer Weise die Kultur beeinflussen."
    Und in der Fragenbeantwortung am Ende dieses Vortrags:
    "Man muß nur wünschen, daß wenn diese Kraft kommt, die wir uns viel, viel stärker vorstellen müssen als die stärksten elektrischen Entladungen, und die jedenfalls kommen wird - dann muß man wünschen, daß, bevor diese Kraft der Menschheit durch einen Erfinder gegeben wird, die Menschen nichts Unmoralisches mehr an sich haben werden!"

    Nun - falls er damit tatsächlich die Atomkraft gemeint haben sollte, so wissen wir heute: in diesem Sinne kam sie wohl "zu früh".

    Meinem Empfinden nach verhält es sich ähnlich mit Wikileaks. Es mag an sich eine gute Sache sein, die "in wunderbarer Weise die Kultur beeinflussen" kann - aber es kommt zu früh. Die Menschen haben noch zuviel "Unmoralisches" an sich. Und zwar sowohl die "Enthüllten" als auch die "Enthüller" - und natürlich erst recht diejenigen, die das alles lesen und darauf reagieren.

    Herzlichen Gruß,
    Ingrid

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  2. @ Ingrid
    Wieso kommt Wikileaks zu früh? Was wäre der richtige Zeitpunkt; wenn das "Unmoralische" überwunden ist? Da kann man natürlich lange warten. Ich bewundere solch einen Menschen wie Assange, dass es nach solchen Enthüllungen viel Remmidemmi gibt, war abzusehen.

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  3. Der Impuls, Wikileaks zu betreiben, ist - den Interviews in dem schwedischen Film nach zu urteilen- absolut "moralisch". Der Sinn ist doch, eine verlogene politische Kaste, die problemlos Stellvertreterkriege führt, um den eigenen Konzernen Ölvorkommen zu sichern und dabei 100000 tote Zivilisten als Kollateralschaden hinnimmt, zu entlarven. Die Reaktion der Entlarvten spricht jedenfalls dafür, dass Wikileaks richtig liegt. Dass durch die Enthüllungen wiederum neuer Schaden angerichtet wird, ist typisch für die Konflikte, in denen wir heute stehen.

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  4. Wikileaks gefällt mir weil informativ, aufregend, spannend, schafft Transparenz, deckt Verlogenes auf, ich freue mich, dass die arroganten US eines auf den Kopf bekommen. Es braucht keinen star-war mehr um virtuelle Kämpfen in scheinbar sicherem Abstand zu verfolgen - es reicht computer-schauen.
    Aber irgendwie, finde ich, hat das Ganze auch einen unangenehmen Beigeschmack...

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  5. @ Rainer:

    Es ist natürlich müßig, darüber zu streiten, was der "richtige Zeitpunkt" wäre bzw gewesen wäre... von einem "höheren Standpunkt" aus gesehen, ist ja offenbar immer genau dann der "richtige" Zeitpunkt, wenn ein Ereignis tatsächlich eintritt.

    Auch ich "bewundere" Menschen wie Assange. Ebenso wie ich Menschen wie Otto Hahn oder Lise Meitler bewundere...

    Ich wollte mit "zu früh" nur mein persönliches Empfinden ausdrücken. Wenn es nach mir gegangen wäre, hätte man (ebenso wie mit der Atomkraft) damit gewartet, bis es einerseits weniger "Schwarzweißdenken" und mehr "wirk-lichkeitsgemäßes Denken" gibt unter den Menschen, und andererseits eben weniger von einer Stimmung, wie zuhörerundleser (vormals Schwuhu, den Namen fand ich wirklich nett) sie beschreibt: "ich freue mich, dass [irgendwelche anderen] eines auf den Kopf bekommen"...

    Inwiefern wikileaks im Hinblick auf die Entwicklung von "wirklichkeitsgemäßem Denken" in Zukunft als "Motor" oder im Gegenteil als "Bremse" wirken wird, das hängt natürlich davon ab, wie wir damit umgehen - dazu wird jeder einzelne seinen Beitrag leisten. Das Ergebnis bleibt abzuwarten...

    So. Und jetzt schau ich mir endlich dieses Video an...

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  6. Dieser Kommentar wurde vom Autor entfernt.

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  7. Ich habe vorhin im ORF-Mittagsjournal eine Besprechung des anscheinend gut recherchierten und um umfassende Darstellung bemühten neuen Spiegel-Buches Staatsfeind Wikileaks von Marcel Rosenbach und Holger Stark gehört.

    Hier noch ein Artikel dazu.

    Herzlichen Gruß,
    Ingrid

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