Helmut Zander fordert eine Anthroposophie- Forschung für die Zeit nach Steiners Tod

"Die Etablierung einer "Steiner-Forschung" steht noch an. In der Nachlassverwaltung der Werke Steiners im schweizerischen Dornach wird fleißig Material gesammelt, aber mit nur geringen Verbindungen zur akademischen Forschung. Was wir unter anderem dringend bräuchten, ist Forschung zur Veränderung der Anthroposophie nach Steiners Tod. Wir wissen kaum etwas darüber, wie Steiner selektiv gelesen wurden, welche Schwerpunkte gesetzt werden und wie sich die Anthroposophie wandelt, wenn sie aus dem deutschsprachigen Raum hinaustritt, nicht nur nach Russland, sondern inzwischen auch nach Indien und in afrikanische Länder. Wie verändert sich ein deutsches und in manchen Teilen sehr österreichisches Phänomen, wenn es plötzlich in die weite Welt hinaus strebt?"

Zander in: Der Standard

Kommentare

  1. muss er mal wieder werbugn machen, damit die von ihm verfasste steiner biographie verkauft bz. gekauft wird?

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  2. Danke für den Hinweis, habe den Artikel gelesen. Der erste Eindruck: Herr Zander versucht mit einem ganz neuen Zungenschlag nur ganz indirekt Steiner niederzumachen. Etwa:
    "Zander: Steiner hoffte, zuerst naiv als Kind, später reflektiert als Esoteriker, dass wir die Dinge unmittelbar erkennen könnten."
    Zander lässt bewußt etwa das Erlebnis Steiners weg, wo er seine verstorbene (Suizid) Tante im Tagesbewußtsein erlebt, sie sich ihm mitteilt. Er erfährt erst später von seinem Vater, die Tante sei verstorben. Steiner war etwa sechs Jahre alt.
    Ist so ein Ereignis "naiv", wie Zander meint, für ein Kind, oder nicht gerade das Hellsehen, wie Steiner es eben als Kind schon erlebte. Ich erinnere mich noch des Interviews von Herrn Zander mit dem Deutschlandfunk, das von innerem Haß geprägt war, spürbar, lesbar, wo er für die Geschichte nur noch eine "Weleda-Salbe" für Steiner gelten lässt. Nun hat der Standard wegen unserer Geschichte seit Jahren Material zu Steiner usw. erhalten. Der "Standard" kennt also Hintergründe zu Steiner und Zander muß vorsichtig sein, in seinem Urteil über Steiner. Wenn er nun eine akademische Forschung anmahnt, für die Zeit nach Steiner, dann bedeutet dies doch nur, sich ganz der Anthroposophie zu ermächtigen, zu bemächtigen, damit das gewohnte christliche Weltbild nicht ins Wanken gerät. Herr Zander erhielt natürlich auch Material, er hat auch geantwortet. Vielleicht versucht er einmal "akademisch" das Jahr 1995 aufzuarbeiten. Er würde wohl aus allen Wolken fallen - er kennt diese Zusammenhänge - wenn allgemein bekannt wird, da gibt es einen Vertreter der Geisteswissenschaft, der sogar mit "Magie" offen gegenüber den Behörden arbeitet-e. Das käme bei seinen Forschungen heraus, die Nachwirkungen Steiners, der seine Schüler dazu aufforderte, die Scheu/Angst vor dem Okkulten zu überwinden...

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  3. Niemand behauptet, dass Forschung Originalität messen könnte. Zander leitet A. von ihren Quellen her ab, und er tut dies, weil nur das Gegenstand der Forschung sein kann. Er sieht nur das, was er herleiten, "messen" kann. Er reduziert auf das, was er sehen kann. Das ist ein wissenschaftliches Prozedere und nichts bösartiges. Ob er dem Gegenstand gerecht wird, ist nun eine ganz andere Frage. Auch wenn sich dem klassischen Anthroposophen dabei die Nackenhaare sträuben: Das intensive Erforschen des Kontextes von A. kann durchaus erhellend sein, auch wenn man den Blickwinkel Zanders nicht teilt. Seid doch mal entspannt, Leute!

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  4. Sehr schön Michael, dass Du das geschrieben hast!
    Ich bin ganz Deiner Meinung und enspanne mich jedesmal mehr, wenn ich den Namen Zander höre ;-)
    Gebacken mag ich ihn am liebsten!

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  5. Und ich möchte bei der Gelegenheit auch noch auf den ausführlichen Artikel "Steiner entsteinern" von Roman Freihsl hinweisen, ebenfalls aus dem heutigen Standard.

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  6. "Zander leitet A. von ihren Quellen her ab."
    Wußte gar nicht, Herr Zander kennt die Geistigen Quellen Rudolf Steiners.....

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  7. dieser aktuelle Artikel berührt die Frage nach der Quelle und hebt Zander als Autorität hervor, die endlich Steiner zurechtrückt?!

    http://www.nzz.ch/nachrichten/hintergrund/wissenschaft/grosser_unbekannter_der_moderne_1.9031952.html

    Wenn nun Texte gefunden werden, welche zeigen, Steiner kannte okkulte Literatur und vielleicht solche Texte verwendete, sagt das nichts darüber aus, inwieweit Steiner eigene geistige Erlebnisse hatte. Hier ist ja der link von Michael zu "Moltke", landwirtschaftlicher Kurs aufschlußreich.
    Mein Eindruck (Gewissheit), Steiner soll als Abschreiber gebrandtmarkt werden, von Zander. Viele werden nun Zander als "Quelle" der Erkenntnis nutzen. Letztlich werden die Persönlichkeiten, welche nachtodlich in der Geistigen Welt sich befinden, ihren Anteil bewirken, um die nun doch fast elendige Kluft des Menschen zum Geiste zu überwinden. Vielleicht haben die "drüben" auch so einen blog wie hier :-)

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  8. Ich mag ihn am liebsten mit Schokosauce.

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  9. „Er reduziert auf das, was er sehen kann. Das ist ein wissenschaftliches Prozedere und nichts bösartiges.“

    Wie arm ist das denn? Und das bei einem dezidierten Katholiken! Das ist entweder vollkommen engstirnig oder Mittel zum Zweck. Ich glaube immer mehr, dass K. Swassjan völlig richtig liegt, wenn er behauptet, dass der Lebensplan von Zander bequem auf die Fläche eines Lehrstuhls passt. Dafür muss er natürlich gewissen Leuten im richtigen Sinne zuarbeiten.

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  10. Lieber Horst,

    also, ich kenne Herrn Zander nicht, habe seine Bücher nicht gelesen (und im Augenblick auch keine große Lust dazu) und kann daher nichts über seine Herangehensweise an Steiner sagen.

    Aber daß man etwas zunächst "reduziert" auf das, was man selbst "sehen" kann, das empfinde ich nicht als "arm" und nur dann als "engstirnig", wenn man fest entschlossen ist, den eigenen Blickwinkel sein ganzes Leben lang niemals mehr auszuweiten, und daher alles, was man "sieht", in fixierter und unabänderlicher Weise so interpretiert, daß es in den begrenzten "Kosmos" dieses eigenen Blickwinkels paßt.
    Und ob man Zander das wirklich unterstellen sollte, das kann ich, ohne ihn gelesen zu haben, nicht sagen.

    Im übrigen lese ich gerade GA 103, "Das Johannes-Evangelium".
    Im ersten Vortrag schildert Steiner sehr schön, wie er selber an die Evangelientexte herangeht:
    "Es könnte jemand sagen: Euklid, der alte Geometer, hat uns zuerst jene Geometrie gegeben, die heute ein jedes Schulkind lernt auf einer gewissen Stufe des Schulunterrichts. Aber ist das Lernen der Geometrie durchaus gebunden an dieses Buch von Euklid? Ich frage Sie, wie viele lernen heute die elementare Geometrie, ohne eine Ahnung zu haben von dem ersten Buch, in das Euklid die elementarsten Dinge über Geometrie hineingelegt hat? Sie lernen die Geometrie unabhängig von dem Buche des Euklid, weil sie einer Fähigkeit des Menschengeistes entspringt. Dann, wenn man Geometrie aus sich gelernt hat und hinterher an das große Geometriebuch des Euklid kommt, weiß man dies in der richtigen Weise zu würdigen; denn erst dann findet man das, was man sich zu eigen gemacht hat, und lernt die Form schätzen, in der die entsprechenden Erkenntnisse zum ersten Male aufgetreten sind. So kann man heute die großen Weltentatsachen des Johannes-Evangeliums durch die im Menschen schlummernden Kräfte finden, ohne von dem Johannes-Evangelium etwas zu wissen, wie der Schüler die Geometrie lernt, ohne von dem ersten Geometriebuche des Euklid etwas zu wissen."

    (OT: Alle, die in letzter Zeit mitgelesen habe, was ich so alles geschrieben habe hier im Blog, werden wohl begreifen können, wie sehr ich mich darüber freue, gerade jetzt zu diesem Vortrag geführt worden zu sein. :-) )

    Wie gesagt, ich habe keine Ahnung, ob Zander etwas Ähnliches auch nur versucht. Aber wenn er es täte, fände ich das durchaus in Ordnung so.

    Natürlich ist mir bewußt: wenn man einmal ein Buch geschrieben hat aus einem gewissermaßen noch "engen Blickwinkel" heraus, ist es schon allein dadurch schwieriger geworden, das später zu re-vidieren. Aber nicht unmöglich. Wenn Zander, ob nun gebacken oder mit Schokosauce (beides gleichzeitig fände ich auch ein wenig pervers ;-) ) es wirklich ehrlich meint (was ich nicht sagen kann!), wird er das wohl dennoch tun, wenn es einmal soweit ist.
    Schließlich: auch wenn ein Buch in gewissem Sinne ein "Endprodukt" darstellt, so sind wir doch alle miteinander noch lange nicht am Ende der Entwickelung angekommen...

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  11. Lieber Ernst,

    ich habe erst jetzt den von Dir verlinkten Artikel gelesen. Nun - immerhin steht darin auch:

    "Zu seinen Erkenntnissen gelangte Steiner nach eigener Aussage durch «geistiges Schauen», «durch die übersinnliche Wahrnehmung», deren «Tatsachen» dann «logisch» dargestellt werden. Diese seine übersinnlichen Wahrnehmungen müssen von überwältigender Evidenz gewesen sein. Nur so erklärt sich der finale, ja autoritäre Ton und die lächelnde Gewissheit, mit der er seine Zeitgenossen und die Zukunft immer wieder aufforderte, seine Aussagen «wissenschaftlich» zu überprüfen."

    Ich habe das mit der "Evidenz" hervorgehoben, weil ich glaube, daß das ganz richtig ausgedrückt ist. Um mich nicht wiederholen zu müssen, verweise ich hier auf meinen eigenen kleinen Aufsatz zum "Evidenzerlebnis" - das meiner Ansicht nach eine WAHR-nehmung darstellt und nicht etwas Illusionäres.

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  12. Liebe Ingrid,

    wenn nur Herr Zander den Inhalt dieses Satzes
    "Diese seine übersinnlichen Wahrnehmungen müssen von überwältigender Evidenz gewesen sein."
    als Grundlage des Werkes von Steiner anerkennen würde. Aber Zander leugnet die objektive Echtheit der Geistigen Grundlagen Steiners, das ist die Crux.... :-)
    Und viele Menschen werden das so hochgelobte Werk von Herrn Zander als Grundlage der Beurteilung der "Anthroposophie" heranziehen.

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  13. Lieber Ernst,

    "Und viele Menschen werden das so hochgelobte Werk von Herrn Zander als Grundlage der Beurteilung der "Anthroposophie" heranziehen."

    Ja - das wird wohl so sein, und das ist mir natürlich auch nicht eben ein behaglicher Gedanke.
    Allerdings kann ich das diesen "vielen Menschen" nicht wirklich verdenken, solange es auf der anderen, ich trau mich jetzt mal zu sagen: auf "unserer" Seite (und ich hoffe, Ihr wißt alle, daß ich damit nicht etwa jedem einzelnen von uns seine je individuelle Einsicht absprechen möchte!!!) --- solange es dazu für die nicht-anthroposophische Öffentlichkeit hauptsächlich, ich sage mal etwas herb: "Gezetere" gegen diesen Zander zu vernehmen gibt.
    Lassen wir doch diesen Fisch im Süßwasser schwimmen, meinetwegen auch im Brackwasser oder sogar (aber das mag ein Zander ja nicht so gern) im Ozean... und versuchen wir, darzustellen, wie wir, und zwar jeder einzelne von uns von seinem ur-eigenen Lebens-Standpunkt aus, die Anthroposophie begreifen und was sie uns bedeutet, statt uns über "Gegnerschaft" zu definieren.

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  14. „... also, ich kenne Herrn Zander nicht, habe seine Bücher nicht gelesen (und im Augenblick auch keine große Lust dazu) und kann daher nichts über seine Herangehensweise an Steiner sagen.“

    Dann möchte ich dir, liebe Ingrid, das Büchlein (so muss man wohl angesichts der 2000 Zander-Seiten sagen) von K. Swassjan mit nur 190 Seiten ans Herz legen:

    http://www.amazon.de/Aufgearbeitete-Anthroposophie-Karen-Swassjan/dp/3723513247

    Dort (bei Amazon) gibt es auch zwei lesenswerte Rezensionen.
    Nach der unbedingt zu empfehlenden Lektüre der 190 Seiten dürftest du die Zander-Problematik um einiges besser verstehen.

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  15. Lieber Horst,

    danke für diese warme Empfehlung und den link zu den Rezensionen. Ich werde mir das Buch bestellen.
    (Und seufz. Auf diese Weise wird es noch seeeeehr lange dauern, bis ich endlich mehr als nur ein paar wenige Bücher von Rudolf Steiner selber gelesen habe... :-)

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  16. "Und viele Menschen werden das so hochgelobte Werk von Herrn Zander als Grundlage der Beurteilung der "Anthroposophie" heranziehen."

    Damit habe ich kein Problem, nachdem es die durch K. Swassjan gegebene nachhaltige zweifache Antwort auf dieses flache Machwerk gibt. Einmal als 190-seitiges Buch (Aufgearbeitete Anthroposophie – Bilanz einer Geisterfahrt) und als Rezension in der renomierten „Historische Zeitschrift“
    Band 287 Heft 3 (Dezember 2008)

    http://www.oldenbourg-verlag.de/wissenschaftsverlag/historische-zeitschrift/00182613

    Wer das nicht bei seinen Urteilen berücksichtigt, der outet sich entweder als unseriöser Ignorant oder als offensichtlicher Gegner der Anthroposophie. Damit wären aber die Verhältnisse klar und man weiß, woran man ist.

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  17. "(Und seufz. Auf diese Weise wird es noch seeeeehr lange dauern, bis ich endlich mehr als nur ein paar wenige Bücher von Rudolf Steiner selber gelesen habe... :-)"

    Liebe Ingrid, Swassjan ist durchaus eine enorme Bereicherung, was die Weite des Blickes auf die Anthroposophie und insbesondere auf Rudolf Steiner angeht. Du wirst es zu schätzen wissen, wenn ich dich richtig sehe.

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  18. Lieber Horst,

    Du wirst es zu schätzen wissen, wenn ich dich richtig sehe.
    Ja - das halte ich, nachdem ich die Rezensionen gelesen habe, auch für sehr wahrscheinlich. Ich glaube, daß Du mich da ganz richtig siehst. :-)

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