Jens Heisterkamp (Info3) kritisiert die neue Steiner-Biografie von Helmut Zander

"Ganz fehlt diese Polemik allerdings immer noch nicht, und das bekommt gerade seinem Anspruch als Wissenschaftler nicht immer gut. Dass der Autor beispielsweise Steiners biographische Selbstaussagen kritisch hinterfragt ist nicht nur sein gutes Recht, sondern auch seine Pflicht als Historiker. In seinem Buch finde ich jedoch seine Tendenz zur „Überführung“ Steiners manchmal recht penetrant. Deshalb scheint mir sein Verdikt, das er zum ersten Wort seines Buches macht, auf ihn selbst zurückzufallen: „Halbwahr“ ist für mich so manches, was der „nüchterne Wissenschaftler“ Zander an persönlich gefärbten Urteilen in sein Buch einträufelt: Hier habe Steiner falsche Angaben gemacht, da etwas beschönigt, dort sei er schon in seiner Kindheit „nationalistisch imprägniert worden“; mit seinen spirituellen Kindheitserfahrungen habe Steiner sich lediglich später selbst legitimieren wollen. Immer wieder mutmaßt Zander, ob denn die „große Autorität“ des spirituellen Lehrers Tatsachen über das eigene Leben erzählt oder nicht vielmehr die Nachkommen auf falsche Fährten locken wollte. Kaum ein Blatt des 500 Seiten schweren Opus kommt ohne solche Oberlehrertöne aus und man fragt sich, welchen Schattenkampf der Wissenschaftler Zander eigentlich verfolgt."

Quasi nebenbei bespricht Heisterkamp noch zwei weitere neue Biografien in Info3.
Demgegenüber leistet sich Andreas Neider, Herausgeber und Lektor beim Verlag Freies Geistesleben eine emotionale und unsachliche Kritik des Buches bei Amazon, mit der er lediglich die Vorurteile vieler Steiner- und Anthroposophiekritiker bestätigt.

Kommentare

  1. „Demgegenüber leistet sich Andreas Neider, Herausgeber und Lektor beim Verlag Freies Geistesleben eine emotionale und unsachliche Kritik des Buches bei Amazon, ...“

    Tut mir leid, das kann ich nicht so sehen, denn auf einen groben Klotz gehört nun einmal ein grober Keil.

    „... mit der er lediglich die Vorurteile vieler Steiner- und Anthroposophiekritiker bestätigt.“

    Ach, und deswegen soll man die Dinge nicht deutlich beim Namen nennen? Gut, dass Neider nicht so denkt.

    AntwortenLöschen
  2. Ja, natürlich kann man Kritikern mit dem Knüppel auf den Kopf hauen. Das ist eine denkbare Strategie. Nicht sehr intelligent und auch nicht sehr überzeugend. Jens Heisterkamp zeigt ja, wie man es anders machen kann, daher ist er halt auch überzeugend und professionell.

    AntwortenLöschen
  3. Herr Heisterkamp sollte auch einmal aufpassen, dass in seiner "Freien" Waldorfschule nicht etwa doch nur Ole Schröder und seine Bundesfamilienministerin regieren - und dort von Geist zu 100% nicht nur palavert wird ...

    ... oder!?

    Er schwätzt von Anthroposophie wie Zander eben auch.

    AntwortenLöschen
  4. Ja, der Herr Neider ist schon peinlich. Irgendiwie scheint er auf Zanders Niveaulosigkiet abzurutschen. Ich kapier sowieso nicht, wieso er zigfach Steiner-Schriften "herausgeben" muss. Bereichert sich da einer mit Steiners Schriften? Diese Neider-Bücher sind zudem in derartig modisch-hässlichem Einband, dass sie in ein paar Jahren nur wieder eingestampft werden können...

    Die Anthroposophie schafft sich selbst ab.

    AntwortenLöschen
  5. „Ja, natürlich kann man Kritikern mit dem Knüppel auf den Kopf hauen.Das ist eine denkbare Strategie. ...“

    Die „Strategie“ von Neider ist mir allemal lieber, als die von Heisterkamp. Neider sagt eben unumwunden, was er von diesem Zander-Machwerk wirklich hält und wes Geistes Kind diese 500 Seiten umfassende (in rufschädigender Absicht geschriebene) Verleumdung ist. Insofern ist Zander ja kein Kritiker, der auf einer sachlichen Ebene argumentiert, dem hätte Neider dann ganz sicher ebenso sachlich geantwortet.

    AntwortenLöschen
  6. Also, ich habe mich über Heisterkamps differenzierte Rezension gefreut.

    Gerade auch deswegen, weil Zanders Buch hier nicht für sich allein besprochen wird, als sei es ein besonders hervorragendes oder gar allein maßgebendes "Zeugnis", sondern eben als eine von mehreren gerade erschienenen Biographien.
    Das rückt das Bild, das Zander selber mit seinem Titel "Die Biographie" wohl erzeugen wollte, etwas zurecht.
    Ich halte nicht besonders viel davon, sich von Zander die Themen vorgeben zu lassen, über die man zu diskutieren hat, und freue mich daher über solche "Zurechtrückungen".

    Und ich hab mich auch wegen Heisterkamps in die Zukunft weisenden Schlusses gefreut:
    "Eines aber schaffen alle drei neuen Biographien nicht: Sie öffnen das Herz nicht für den Geist, sie wirken nicht als Transmissionskraft, die schon beim Lesen durch eine spirituelle Gestimmtheit die inneren Organe ansprechen, geschweige denn öffnen würde. Das ist aber auch nicht ihre Aufgabe. Dafür wird es auch in Zukunft und verstärkt eine anthroposophische, öffentlichkeitsfähige Publizistik brauchen. Und die freut sich auf die von den drei Biographen neu eröffneten Räume."

    Was von zukünftigen anthroposophischen "Publizisten" als "öffentlichkeitswirksam" angesehen werden wird, das bleibt natürlich abzuwarten. ;-)

    AntwortenLöschen
  7. P.S.: "öffentlichkeitsfähig", meinte ich.

    AntwortenLöschen
  8. Ich finde grosse Übereinstimmung mit allem, was Ingrid weiter oben gesagt hat.

    AntwortenLöschen
  9. "Also, ich habe mich über Heisterkamps differenzierte Rezension gefreut."

    Da staune ich aber. Wenn ein Rezensent, einem Bigraphen nachweisen kann (wie Heisterkamp es bei Zander getan hat), dass selbiger ganz BEWUSST rufschädigende Unwahrheiten in seiner Biographie platziert hat, dann kann er doch nur zu einem vernichtenden Urteil über die Qualität der Biographie und dessen Schreiber kommen, eben genau so, wie es bei Neider ganz richtig der Fall ist. Und der abschließende Satz der Heisterkampschen Rezension, in dem alle drei Biographien sozusagen gleichberechtigt nebeneinander stehen: „... Und die freut sich auf die von den drei Biographen neu eröffneten Räume.“, ist doch eine Unding. Welche Räume hat denn ein Zander eröffnet, wenn er an Steiner gezielt einen Rufmord vorzunehmen gedenkt? Da wird sich die „öffentlichkeitsfähige Publizistik“ bestenfalls in einem Hinrichtungsraum mit diversen Folterinstrumenten tummeln dürfen.

    AntwortenLöschen
  10. Rudolf Steiner bezeichnete einen Kritiker als "Lump", weil er diese Lumperei nachwies.

    Da Steiner sich von körperlicher Gewalt distanzierte, Waldorflehrer darauf hinwies, welche Probleme dadurch entstehen, ist des natürlich eine "Lumperei", wenn Jemand Steiner Befürwortung von Gewalt in der Waldorfpädagogik unterstellt. Mit solcher Bewertung ist dann alles Übrige letztlich zu bewerten, weil Ziel ist die "Lumperei", die haften bleiben soll.

    Hier kommt die Problematik, ein "Akademiker" (Herr "Dr." Heisterkamp) wird einen "Kollegen" nicht gänzlich als "Lump" bezeichnen wollen, man/frau schont sich kollegial. Herr Zander disqualifiziert sich selbst und wie früher festgestellt und nachprüfbar durch ein Interview im Deutschlandfunk: Ziel von Herrn Zander ist es, Steiners Weltbild als individuellen Wahn hinzustellen, auch wenn dies nur indirekt formuliert wird, gemeint ist es von ihm, geschickt verpackt.
    Natürlich wird Herr Zander schon merken, er hat sich in der Welt der Akademiker geschadet, denn etwas zu behaupten, was nicht zu belegen ist, wie das mit den Ohrfeigen, verletzt die strengen Regeln der Wissenschaft, auch im Sinne der Geisteswissenschaft. Freuen wir uns über die objektive Fehlleistung von Herrn Zander, er hat sich selbst demaskiert :-)

    AntwortenLöschen
  11. Was Ernst Seler anmerkt, das ist ja noch nicht das Ende der Fahnenstange. Wenn man bedenkt, dass Zander als Theologe den Katholizismus repräsentiert, dann wundert es auch nicht weiter, welche unsauberen Mittel er anwendet, um Steiner zu diskreditieren. "Leider" kann man heutzutage nicht mal soeben jemanden zum Häretiker stempeln und kurzerhand auf einem Scheiterhaufen entsorgen, da versucht man es eben mit einer nachträglichen virtuellen Hinrichtung mittels einer nunmehr in 2500 Seiten verpackten übelsten Nachrede.

    AntwortenLöschen
  12. Es sei noch auf die Rezension von Wolfgang G. Vögele verwiesen, auf www.nna-news.org/news/de/, die wesentlich differenzierter und entspannter vorgeht als Andreas Neider, und die den Leser durch Beispiele teilhaben lässt.
    Vögele hat sich durch das wunderbare Buch "Der andere Rudolf Steiner" als jemand ausgewiesen, der von Sektiererei unbelastet ist: das Buch vermittelt die Freude an farbenfrohen Schilderungen über einen besonderen Mann. Diese Freude wird mitnichten getrübt durch die dunkleren Farbtöne aus "externen" Schilderungen. Im Gegenteil, diese Blicke von "außen", auch wo sie vielleicht "bös gemeint" sind, geben dem Steinerbild eine schöne Tiefe und Nähe, die man in anthroposophischen Darstellungen nicht leicht findet. Das liegt einfach daran, dass es treu wiedergegebene Wahrnehmungen sind. Den Rest (Rückschlüsse auf das "Werk", "Erkenntnis", "Anthroposophie") muss und darf man sich als Leser selbst zusammenreimen.
    Anders bei Zander, der dem Leser nicht Bilder oder quasi einen zusammenhängenden Bilderstrom (Biographie) geben will, sondern offensichtlich irgendwas ungenanntes (vielleicht katholisches) beweisen will. Dabei ist er trotz der Elaboriertheit seiner Künste ein trüber (jedoch wissenschaftlich abgesegneter) Vertreter der ganz stinknormalen Intelligenzbehinderung, mit der wir alle zu kämpfen haben: siehe der deformierte "Milchtopf" aus dem 2. Vortrag des "Heilpädagogischen Kurses", der die Gedanken (sagen wir mal: Steiners) nicht richtig in sich hereinlassen kann. So dass Zander eben seine eigenen "Gedanken" anfängt zu köcheln...
    Wir als an Steiner Interessierte können ganz ruhig prüfen, was uns das eine oder das andere bringen kann.
    Was Zander persönlich für Ziele verfolgt, kann einem schnuppe sein. Gut und böse, so hab ich bei Karl Ballmer gelernt, ist heute eine Intelligenzfrage, keine Frage des Meinens und Strebens.

    AntwortenLöschen
  13. Lieber Martin,

    vielen herzlichen Dank!
    Auch ich habe "Der andere Rudolf Steiner" mit großer Freude gelesen - und nun freue ich mich über diese ausführliche Rezension.
    Danke auch für die Gedanken zum "Freilassen des Lesers"- das ist etwas, das in Vögeles Buch absolut verwirklicht ist, für Zander aber wohl von nicht so großem Wert zu sein scheint.

    AntwortenLöschen

Kommentar veröffentlichen

Danke für Ihre Mitarbeit im Blog.

Egoistisch am meisten gelesen: