Wikileaks: Ein Aufstand fällt nicht vom Himmel

Wie man in den Wikileaks- Dokumenten der US- Botschaft in Kairo nachlesen kann, betreibt Mubarak seit Monaten eine infame Unterdrückungskampagne auch gegen unbedeutende Blogger und Dichter. Wer es wagte, Mubaraks Ruf auch nur ansatzweise zu beschädigen, durfte mit erheblichen Konsequenzen rechnen: "..and an amateur poet was imprisoned for three months for allegedly defaming* President  Mubarak."
Man kann sich vorstellen, dass dazu ein Heer von Spitzeln notwendig ist. Die im Westen vorgebrachte Vorstellung, Mubarak unterdrücke lediglich extreme islamistische Kreise, ist nichts als eine Schutzbehauptung- eine propagandistische Verschleierung. Den Botschaften und Politikern jedenfalls war das schon lange klar, wie die Dokumente zeigen.

*Die "angebliche Diffamierung" (in englischer Sprache) vor allem gegenüber Patriarchen und Diktatoren ist übrigens eine überaus beliebte Phrase, um Verfolgung von Opposition und Dissidenten jeder Art zu betreiben. Der Google- Link oben bringt etwa 2,5 Millionen Hits. Ganz vorne aber stehen vor allem afrikanische Potentaten. 

Kommentare

  1. Bemerkenswert ist für mich immer "das Heer der Spitzel", denn sein zu schlußfolgerndes Vorhandensein gibt Aufschluß über die deprimierende Atmosphäre dieses dortigen Alltags.

    Auch "bei uns" gilt dies, wenn alle hiesigen Videoüberwachungen und Datenspeicherungen, Internetverhalten, Bewegungsprofile (Handy), Kassen-Daten über GesundheitsChecks und und und.. wirklich soo ausgewertet werden sollen, daß alles zu einem ordentlichen Überwachungsstaat eskalierte, dann bräuchte es viel, viel mehr Personal. Einlesen um sie zu verwenden müssen es immer Menschen, die allein haben die Möglichkeit zu gut und bös, zu "ja, tu ich" und "nein, laß ich"..

    Allein: Eine Bevölkerung, die sich selbst als Komplize der eigenen Unterdrückung erlebt hat, wird auf irgendeine Art und Weise abgebrüht, der Unschuld beraubt, ganz anders verzweifelt sein, und quasi verbandelt.. auf lange Zeit. In ambivalenter Solidarität, noch lange nach einem eventuellen Wechsel des "Systems"..
    m.butty

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  2. Wenn eine Bevölkerung anfängt, innert eines politischen Systems gezwungen zu sein, quasi sich selbst mitzuhelfen, zu bespitzeln, es immer öfter vorkommt, daß Einer des Andern Spitzel wird, dann entsteht eine Art Nähe, eine Art Intimität. Und zwar nicht nur über die Inhalte des Erschnüffelten, das ist sekundär. Man fühlt sich eh bar der Haut, die eine intensivere Intimität gewährleisten würde.
    Es entsteht eine Art Inzest-Situation, eine "dämonische" Form, eine bedrückende passive Erleidensform von Intimität. Auch der polizeiliche Übergriff wird immer stärker dann von Neugier nach Intimitäten begleitet, die längst die politische Dimension sprengen.
    Ist eine politische Ordnung nicht auch der oberflächlich sichtbare Fruchtkörper eines verborgenen Mycels kollektivierter Neurosen und Zwangs-Verhaltensweisen, uralter "Ehren"-Codices einer kulturellen Welt? Nämlich diese Gedanken machen (für mich) eine Frage nach dem "Nachher"? so schwierig. Die Spitze des unterirdischen Mycels zahlloser überkommener Impulse und Gedankengebäude läßt sich revolutionär ja manchmal kippen und kappen, ...
    m.butty

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