Am Nektar der Welt

"Er denkt über diesen Ausdruck nach: den Verstand verlieren. Was bleibe übrig, wenn man den Verstand gleichsam verlegte? Er erinnert sich an die Parabel, weiß, dass zur Erkenntnis des Ich ein anderes Ich notwendig ist, ein Auge, das die Vögel des Selbst betrachtet, während sie sich am Nektar der Welt gütlich tun. Aber gibt es noch einen Betrachter, wenn man die Strukturen des Verstandes wegnimmt, die Fassaden der Sprache, die Grundmauern der Logik, den Zusammenhang von Ursache und Wirkung? Was bleibt, wenn das alles in sich zusammenfällt? Glückseligkeit oder Betäubung? Präsenz oder Abwesenheit?"

__________
Vikram Chandra, Der Gott von Bombay, S. 445

Kommentare

  1. ich denke, ohne verstand is mix mehr.

    AntwortenLöschen
  2. Glückseligkeit und Präsenz weil man dann wirklich sieht und erst dann den Verstand richtig und präzise einzusetzen weiß, ohne verlenkende "Scheuklappen".

    AntwortenLöschen
  3. Manfred,
    JA genau so
    und Mitgefühl möchte ich gerne noch hinzufügen. Ansonsten möchte man sich gerne aus dem Staub machen ...

    AntwortenLöschen
  4. @Anonym,

    ... die Gefahr ist sicherlich da. aber nur wenn man noch ein falsches Bild in sich trägt...

    AntwortenLöschen
  5. Der Erzähler im oberen Textteil ist übrigens ein alter indischer Geheimdienstchef, der über seinen einsetzenden Alzheimer nachdenkt- in den hellen Momenten, die ihm bleiben.

    AntwortenLöschen
  6. Naja Michael, bei Alzheimer wird es sicherlich anders aussehen, würde ich sagen, aber seine Frage in eine andere Richtung...?

    AntwortenLöschen
  7. Wieso sollte es bei Alzheimer anders aussehen? wenn man mit den irdischen Verhältnissen nicht mehr klar kommt, kann man dennoch "ein Bewusstsein" haben. Es kann nur nicht mehr richtig steuern, nicht einmal die Folge der Gedanken und Empfindungen. Aber es "ist".

    AntwortenLöschen
  8. Na insofern, daß er es nicht mehr richtig in den Körper bekommt und es dort spiegeln kann, gleichsam als Kontrolle für und vor sich selbst. Darin liegt ja auch der Sinn einer Inkarnation, um es (sich) klarer im Bewusstsein zu "versenken". Also im Sinne vom Geheimnis des/eines Leibes. Für sein wahres Sein natürlich nicht. ES IST, klar!

    AntwortenLöschen
  9. wie kann ich denn den verstand richtig und präzise einsetzen, wenn ich ihn verloren habe?
    du meinst wohl, wenn ich vom verstand nicht mehr beherrscht werde, kann ich ihn beherrschen? ja aber das ist etwas ganz anderes.

    AntwortenLöschen
  10. Robert, es wurde ja nicht davon gesprochen, dass man den Verstand verloren hat ...

    AntwortenLöschen
  11. Im zitierten Roman wird ein möglicher Zustand hervorragend beschrieben. Durch gewisse Ausfälle im Gehirn kommen Halluzinationen und überaus präzise Erinnerungsstürme zur Wahrnehmung hinzu; es findet keine Dürre, sondern eine Überschwemmung des Bewusstseins statt. Das deckt sich übrigens auch mit Ergebnissen der Hirnforschung, die von einer Hyperaktivität der Synapsen ausgeht. Es gibt dazwischen aber auch Inseln der Stille, des plötzlichen Gegenwärtigseins. Im Roman verbunden mit schonungslosen Selbsteinsichten.

    AntwortenLöschen
  12. ...so als würden dann gewisse Hindernisse zumindest transparent sein, wie ein halbdurchlässiger Spiegel(?) Irgendwie beschreibt man ja sein Gehirn selbst mit und durch seine Biografie und das findet ja statt in einem Umraum und der scheint dann wie durch ein geöffnetes Fenster dazuzukommen. Einer Art "Zwangsmeditation" mit anschliessender Inspiration durch das geöffnete "Fenster".

    AntwortenLöschen
  13. Michael, ich verabschiede mich jetzt bis morgen, der Schlaf sitzt grade neben mir und möchte sich meines Körpers bemächtigen, ich denke ich gestatte es ihm. War sehr anregend, dank Dir.

    AntwortenLöschen
  14. Mir scheint, dass diese so genannte Hyperaktivität der Synapsen eher etwas damit zu tun hat, dass diese Inseln nicht mehr «festgemacht» werden können. Es ist wie eine permanente, hochgradige Präsenz/Gegenwärtigkeit da, die nicht mehr festgemacht werden kann. Es ist ein Trugschluss zu meinen, dass das Bewusstsein nicht mehr da ist. Die Verankerung zum Körper ist nicht da, weil er sozusagen keine «Stopper» mehr hat. Bewusstsein ist mehr als der Körper und damit mehr als Verstand.

    AntwortenLöschen

Kommentar veröffentlichen

Danke für Ihre Mitarbeit im Blog.

Egoistisch am meisten gelesen: