Vera Koppehel: Steiner heute begegnen

"Auch hier begegne ich Rudolf Steiner. Oft. Er predigt nicht vom Opfer. Es ist einverwoben in seine Biographie. Man kann es lesen, herauslesen und etwas daraus lernen. Ich meine nichts im alten Sinne Moralisches oder die Mär vom »einfach Weitermachen«, sondern etwas »Über«lebenswichtiges: Zu sich stehen zu können. Im Irrsinn, im Absurden, im Unfassbaren, im Gnadenlosen, aber auch vor und in einer wesenhaften, substanziellen Welt – bestehen können. Das Kostbarste in sich bewahren lernen. Seine Einsichten nicht mit dem Wind zu drehen, sein Konsumverhalten nicht am »must have« und seine Taten nicht nach Lob und Tadel der anderen auszurichten. Die Steigerung: keine Angst mehr vor dem Sterben zu haben. Keine Furcht davor, etwas oder jemanden zu verlassen, Mut, das Liebste loslassen zu können."

aus: Die Alchemie des Alltags als Kunst der Gegenwart 
Erwähnt auch im Newsletter des Rudolf-Steiner-Archivs

Kommentare

  1. Wenige Sätze. Aber die haben es in sich! Da ist Musik drin. Gerade dann, wenn der Name "Rudolf Steiner" mit dieser Musik zum mit-klingen gebracht wird. Und die eigene Zuneigung zum Werk Rudolf Steiners damit auch. Umfassend alles Problematische und alles Konstruktive darin.
    m.butty

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  2. "Keine Furcht davor, etwas oder jemanden zu verlassen" Treue zum anderen Menschen ist heute eben nicht mehr gefragt,in Verantwortung zu einer Beziehung stehen zu können auch nicht, "etwas oder jemanden zu verlassen" ist meist nicht "Mut" sondern Flucht: vor dem anderen und vor sich selbst, wenn es schwierig wird mit dem "schwarzen,karmischen Knoten". Aber auch das Gegenteil ist möglich: das sich einspinnen in die eigene Welt,in die "Kugel des Homunculus", die innnen mit Spiegeln verkleidet ist...Auch zwischen "verlassen" und "loslassen" ist ein gewaltiger Unterschied. - In diesem plakativen Text werden Lebens-Ebenen undurchdacht durcheinandergeworfen. R.

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  3. "Keine Furcht davor, etwas oder jemanden zu verlassen"
    Rudolf Steiner in einem Brief über Treue:
    "Schaffen Sie sich eine neue starkmütige Anschauung von Treue! Was die Menschen sonst Treue nennen, verweht so schnell. Das aber machen Sie sich zu Ihrer Treue: an dem anderen Menschen werden Sie Augenblicke erleben, schnell dahingehende, da wird er Ihnen erscheinen wie erfüllt, wie durchleuchtet von dem Urbild seines Geistes. Und dann können ja werden andere Augenblicke, lang andauernde Zeiten kommen, da verdüstern sich die Menschen. Sie aber sollen lernen, in solch Zeiten zu sagen: Der Geist macht mich stark, ich denke an das Urbild, ich sah es doch einmal! Kein Trug, kein Schein raubt es mir! - Ringen Sie immer wieder um das Bild, das Sie sahen. Dies Ringen ist "Treue". Und so nach Treue strebend wird der Mensch dem Menschen mit Engel-Hüter-Kräften nahe sein."
    R.

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  4. "..an dem anderen Menschen werden Sie Augenblicke erleben, schnell dahingehende, da wird er Ihnen erscheinen wie erfüllt, wie durchleuchtet von dem Urbild seines Geistes.."
    Liebe/r R.! In diesem Sinne habe ich obiges Zitat verstanden. Man kann doch nicht behaupten, eine Text währe gleich oberflächlich, weil zu seiner Position, die er bezieht, nicht die Antithese aufgezählt wird, nicht "gewissenhaft" das "einerseits"/"andererseits" notiert wird.
    In diesem Fall wären viele Liebesbriefe und viel Poesie "oberflächlich", weil "emphatisch einseitig"...
    Nicht wahr: Der letzte Satz des Zitates macht Dir Mühe, "Keine Furcht davor, etwas oder jemanden zu verlassen, Mut, das Liebste loslassen zu können."
    Kann ich aber verstehen, weil es ist schon zweischneidig. Das poetische Wort: "Liebe heißt loslassen (können)!" wurde oft als Euphemismus für "Mach disch endlich vom Acker!" verwandt.. :-), dennoch, nach solcher Destillation ist in diesem Wort trotzdem was Wahres.
    Man muß sich ja nicht einmal von etwas oder jemand wirklich "trennen", um loszulassen (zu üben). LG, m.butty

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  5. ..und kann etwas oder jemand verlassen, ..manchmal leider unumgänglich, weil die ganze Welt ein strömen und sich verwandeln ist.., ohne das wesentliche zu vergessen..
    Das ist selten schmerzfrei.
    Es gibt Zeiten, da haben wir keinen Garten. Sondern nur einen kleinen Beutel Saatgut übrig.
    m.butty

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  6. Jelle hat diese Woche einen schönen Artikel über Freundschaft und Treue!
    R.

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  7. Und wohl nicht nur diese Woche! Herzlichen Dank, liebe/r R. für Deinen Hinweis! Ich hatte eh fast vergessen, dort mal hin und wieder hinzuschauen, und wenn man Jelle von der Meulens Seite vergißt, verpaßt man was. Ich mußte mich zudem sehr beherrschen, den Artikel über Wahrhaftigkeit und Treue nicht sofort zehn Menschen, die ich sehr mag, gleich zu zu schicken, .. :-)
    Er schreibt oft so echt und human und poetisch-direkt, daß ich seine Seite weitersagen möchte, - dann krieg ich mich erst mal wieder ein, und lese erstmal selber.
    Dank!
    m.butty

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