Die "Katholischen Nachrichten" über Steiner

Auch "kath.net" widmet sich dem Thema Anthroposophie und Rudolf Steiner- selbstverständlich mit der Absicht, seiner Leserschaft die Unvereinbarkeit mit dem katholischen Glauben ans Herz zu legen:

"Die Anthroposophie will einen Weg zum wahren Lebensziel bahnen. Steiner bezeichnet sie als einen Erkenntnisweg, „der das Geistige im Menschenwesen zum Geistigen im Weltenall führen möchte“. Er erhebt dafür den Anspruch der Wissenschaftlichkeit, da die Forschung in der übersinnlichen Welt in methodischer Weise durchgeführt werde. Daher nennt er die Anthroposophie auch „Geisteswissenschaft“: die Wissenschaft von der (übersinnlichen) „geistigen Welt“, die über die Grenzen bisherigen Erkennens hinausführen soll, oder auch „Geheimwissenschaft“. Sie ist für Außenstehende geheim, verborgen – „okkult“. 
Damit wendet sich Steiner klar vom christlichen Glauben ab. Aus seinem Buch „Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?“ lässt sich ableiten:
es geht Steiner um Erkenntnisse – nicht um Glauben;
es gibt für ihn einen Weg, sie zu erlangen – sie sind kein Geschenk;
es geht ihm um höhere Welten – und nicht um die äußere Welt, die auch von anderen erforscht werden kann."

Insbesondere die Vorstellungen von der prinzipiellen Erkennbarkeit der geistigen Welt, von Reinkarnation und Karma, aber auch der Christusbegriff Steiners sind aus katholischer Sicht völlig unannehmbar: "Vom Karma erlöst kein vergebender Gott, jeder muss es selbst reinigen und damit seine Schuld tilgen. Reinkarnation und Selbsterlösung mittels des Karma widersprechen eindeutig den biblischen Grundwahrheiten."

Dennoch bemüht sich der Artikel, doch umfassender und differenzierter über Anthroposophie zu berichten; es handelt sich nicht um ein reines Pamphlet. Mit Erstaunen wird auch berichtet, dass Steiner zeitlebens Katholik geblieben sei. Auch die segensreichen Auswirkungen der "Selbsterlösungslehre" Steiners werden referiert. Man schwingt nicht die Keule, sondern bemüht sich um eine gewisse faire Auseinandersetzung.

Von den dort aufgelaufenen Kommentaren der katholischen Leserschaft kann man das nun ganz und gar nicht behaupten- dort wird wieder munter das Sektenbeil geschwungen. Allerdings ist der Tonfall nicht differenzierter als in manchen anthroposophischen Urteilen gegenüber den "Jesuiten" oder dem Katholizismus generell gegenüber. Die einen wie die anderen Scharfmacher unterscheiden sich da kaum. Schade drum, der Artikel selbst spricht eine andere Sprache.

Kommentare

  1. Der Artikel im kath.net ist mäßig, doch die Kommentare haben einen hohen Unterhaltungswert.

    AntwortenLöschen
  2. guten morgen, aus hannover, kath.net ist ne koservative eher rechte vereinigung. keine röm.kath. von Weitsicht getragene Initiative,...Schnee von gestern, Frau Holle läßt Grüßen. ade
    nach NRW
    Raphael Ohlms

    AntwortenLöschen
  3. "• es geht Steiner um Erkenntnisse – nicht um Glauben;
    • es gibt für ihn einen Weg, sie zu erlangen – sie sind kein Geschenk;
    • es geht ihm um höhere Welten – und nicht um die äußere Welt, die auch von anderen erforscht werden kann."

    Tja, so lange man das so sieht und seinen geistigen Kern fesselt und nicht selbst agieren lässt oder es zumindest mal versucht, haben sie ja recht, diese mit der Abhängigkeit kokettierenden Glaubensdiktatoren.

    AntwortenLöschen
  4. Dabei sind, gerade auch an der sog. "Basis" der Amtskirchen so tolle und wunderbare Menschen tätig, die gar nicht merken, woher die subtilen Erkenntnisse ihrer Empathie sich ihren Weg in deren Handeln und Begreifen suchen, nämlich aus bewußt/unterbewußtem Erkenntnis-Streben. Darum sind diese wertvollen Kirchen-Leute menschlich so fit, so "in Ordnung".
    Mit dem "Geschenk" ist das wirklich so eine Sache: Man müht sich "auf dem Weg", klar.
    Dennoch, wenn dieser Weg dann Früchte trägt, fühlen diese Früchte (und Erfolgserlebnisse) sich doch immer an, wie Geschenke.. - und werden das irgendwie.. auch immer bleiben!
    Den "Katholen" geht es auch um höhere Welten, und nicht um die äußere Welt, wenn ich da nur um das pauschale Abstrafen der intensiven sozialen Impulse der Befreiungstheologie denk! Mit dem Argument, das Kirche nicht nur für Arme, sondern auch für Reiche, und Gott nicht nur für das Rechtschaffene, sondern auch für die großen Sünder da sei, weshalb sich Kirche nicht zu tief in die Politik hinein verlieren dürfe.. hmmmm :-) :-) ;-)
    Viele?, jawohl!, viele Leute der katholischen "Basis", die sich also -irgendwie- menschlich und sozial oder spirituell/therapeutisch engagieren, lesen oder hören obige Gedanken über "die Anthroposophie", ist das "was gutes" oder doch "was bedenkliches", und glauben sich zu orientieren an solchen Artikeln. Und sind dann wohlwollend skeptisch bis ablehnend.. oder tatsächlich etwas ängstlich beim Einkauf von Demeterprodukten, oder gar feinen Weleda-Sachen.., und wissen nicht, daß sie eigentlich permanent ein Leben führen, und einer Gesinnung und innerer Haltung pflegen, wie sie in "Wie erlangt man Erkenntnis.." auf den ersten dreissig Seiten empfohlen wird.
    Es ist nun einmal vieles so, wie es ist.
    LG, m.butty

    AntwortenLöschen
  5. Ja...ich kann mich erinnrn, an einen promovierten Philosophen, ein Theologe, heute in St.Pölten tätig, zu dem ich viele Jahre freundschaftlichen Kontakt hatte. Er weigerte sich, Weleda-Artikel zu verwenden; und das mit der Begründung: "Da könnten ja anthroposophische Segenssprüche drüber gesprochen sein!" ....

    AntwortenLöschen
  6. Ob ich sage: "Herr, hilf mir, - die Klugheit meiner Mitmenschen und auch eventueller Gegner nie zu unterschätzen, und vor allem nicht ihre Offenheit zu Liebe, Freundlichkeit, Mitmenschlichkeit nicht zu verschlafen in dumpfen Groll..!"
    Oder ob ich mir sage: "I c h will wach sein für die Klugheit anderer, und Sinn entwickeln für deren Offenheit bezüglich Empathie, Menschlichkeit usw. ..!"
    ..ist im Effekt am End' doch gleich. Ob ich mich da ein Stück weit "selbst" erlöse, oder ob ich die Quelle aller Liebe anrufe, sei es "in" mir, oder "draußen" in den Himmeln des Himmels..
    um achtsamer zu werden..und all solches..
    Als "Selbsterlöser" bevorzuge ich sehr oft die Anrufung "Oh Herr..", statt die Selbst-Affirmation "Ich will..".
    Das artet ja sonst noch in Glaubenskrieg und Religions-Streit aus.. Juden, Muslime, und jetzt muß die Kirche auch noch überlegen, ob die Anthroposophen "verkehrt" und "noch nicht ganz auf dem rechten Weg" sind.
    Manchmal.. verstehe ich -
    Atheisten!
    LG, m.butty

    AntwortenLöschen

Kommentar veröffentlichen

Danke für Ihre Mitarbeit im Blog.

Egoistisch am meisten gelesen: