Zanders Steiner- Psychogramm

Helmut Zanders Psychogramm von Rudolf Steiner betrachtet letzteren aus einem einzigen Blickwinkel heraus: Dem der Autorität. Dieser rote Faden zieht sich vom Verhältnis zu Steiners Vater bis hin zu seiner Philosophie der "Selbsterlösung". Fragt Zander "Tritt der autoritätsbewusste Sohn in die Fussstapfen des autoritätsbewussten Vaters? – Ist es Küchenpsychologie, diese Linie zu ziehen?"- dann möchte man letzteres bejahen.
Ansosnten reichert Zander seine schlichte Hypothese durch allerlei Klatsch an, um das dröge Material etwas aufzusexen. Steiner war, neben seiner Suche nach Autonomie und seinen Rückfällen in autoritäre Strukturen, in Zanders Augen vor allem ein begnadeter Womanizer:

"Mein Liebling! Meine liebe Maus! Meine liebste Mysa-Ita! Es gibt auch den Mann im Anthroposophen, den Charmeur, der in Liebesbriefen an Marie von Sivers und Ita Wegman ganz zärtlich sein konnte. Es gibt auch die grossen Gefühle, es gibt Erotik und Sexualität in Steiners Leben. Der Mensch Steiner war nicht nur der Kopffüssler, zu dem ihn manche Verehrer gemacht haben. Rudolf Steiner hatte eine unerreichbare Jugendliebe, Radegunde Fehr; er war zweimal verheiratet, mit der acht Jahre älteren Anna Eunike, einer Mutter von fünf Kindern, und mit der sechs Jahre jüngeren Schauspielerin Marie von Sivers. Aber er hat in seinen wilden Zeiten vor 1900 auch mit käuflicher Liebe zu tun gehabt, wie seine Freundin, die Wiener Schriftstellerin Rosa Mayreder (die sich wohl eine enge Beziehung zu Steiner hatte vorstellen können), dezent andeutete – und er hat immer wieder innige Zuneigung zu «anderen» Frauen gefasst. Die Beziehung zu seiner letzten grossen Liebe, zu der Ärztin Ita Wegman, hat Marie Steiner als das empfunden, was sie war: als Ehebruch."

Offenbar sollen diese Tratschgeschichten den an anderer Stelle ironisierten "gottgleiche(n) Eingeweihte(n)" auf den Teppich holen. Das wirkt in der Machart schon als recht preiswertes Propagandamaterial, was Zander hier bietet.

Kommentare

  1. Der steht offenbar unter dem Druck, sich als intimer Steiner-Kenner profilieren zu wollen und landet damit im Boulevardjournalismus. Kann seiner Karriere im Zweifelsfall nicht schaden. Jedenfalls muss er selbst etwas ahnen, wenn er von Küchenpsychologie spricht.

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  2. Zander fährt offenbar vor allem eine Strategie der Selbstvermarktung.

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  3. :-) Und angesichts des doch immer wieder ziemlich apodiktischen Tonfalls (der sich ja auch im Titel "DIE BIOGRAPHIE" ausdrückt) ist man versucht, zu fragen, wie es denn in Zanders Kindheit und bisherigen Leben mit dem Thema "Autorität" aussehen mag... ob Küchenpsychologie ansteckend ist? :-)

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  4. Immerhin wird Rudolf Steiner mit den drei Biographien, die momentan herumgereicht werden, wieder ins Gespräch gebracht;das alleine - ich kann nur für mich sprechen - ist schon einmal sehr erfreulich....

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  5. Oja, oja, eine Zander-Biographie!
    Zanders Kindheit, her damit! Heraus damit!
    Sein Verhältnis zu käuflichen Liebe, seine Abgewiesenheits-Erlebnisse, seine..
    ..mmh, eigentlich.. ist Steiner dahingehend, aber sicher nur kurzfristig, interessanter.
    (Heidegger schrieb mal etwas über das Wörtchen "interessant". Sinngemäß: "Interessant" sei immer das, was für das endgültige Vergessenwerden noch einmal aufbereitet werde, um dann ad acta zu gehen..)
    Ich habe Heimweh nach etwas Anderem als, sei es wissenschaftlicher, halb- oder unwissenschaftlicher, Journalismus. Ich möchte mal wieder Kind sein, und einfach Bücher lesen, über großartige Männer und Frauen der Weltgeschichte.. ;-) Es kann ja ein geläutertes Pathos sein.. ob es das mal irgendwie gibt?
    butty

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  6. An den Taten werdet ihr sie erkennen und eben nicht an den Vorbedingungen. Und Karriere ist in meinen Augen eines der schändlichsten Begriffe die ich kenne, wenn man eine solche im Sinne des Sprachgebrauchs anstrebt. Zander scheint auch so ein Kandidat zu sein, wie man an seinen Taten erkennt.

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  7. Wenn Herr Zander aber in einer solchen Welt lebt, in der es legitim ist, zu promovieren, was zu "leisten" (klar, da muß ich immer denken: "Die Leiste sprach, ich krieg Besuch, morgen kommt der Leistenbruch"..Hoch- und Höchstleistung, vierzig Jahre jetzt höre ich das, lese ich's..).
    Wenn jemand in dieser Welt lebt, und möchte im Karrierespiel gewisse Normen erfüllen, weil er/sie es kann, dann schadet er ja niemandem.
    Zander ist, das wurde ja hier auch erwähnt, ein Nicht-Anthroposoph, der in mühsamer Detailarbeit Steiners Biographie und Werk gesichtet hat.
    Um in der Kirche der Amts-Wissenschaft zu promovieren, was soviel heißt, wie eine Art Bischofsweihe zu erlangen. Die Amts-Wissenschaften haben immerhin die Deutungshoheit über Welt und Dasein, oder?
    Auch Guttenberg von und zu wollte ein "Bischof" der "Kirche" der "Amts"-Wissenschaften werden..
    Deutungshoheit von Welt und Dasein.
    Da sitzt die Frage. Darf Rudolf Steiner nur den Anthroposophen helfen, die Welt zu erklären?
    Oder darf "man" ihn allgemein mal zu Rate ziehen? Oder ist er nur wichtig, weil er längst Geschichte ist, alles, alles an ihm. Auch die "Anthros".. das sind in etwa die Fragen.
    m.butty

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  8. Hallo manroe, was ist denn am Begriff Karriere so schändlich?

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  9. Tja, Robert, es kommt ja immer darauf an, immer und in diesem Falle hier, die Beweggründe des Herrn Zander, butty oben hat ja kurz was angerissen, scheinen mir von dem gezeichnet, was man so Karriere nennt. "Wo sehen Sie sich in zwei Jahren...?" wäre ein ähnlicher Schwachsinn.

    ALSO, bei der Anthroposophie und seinem Schöpfer, den Werten, dem Inhalt der Anthroposophie, da geht es doch um möglichst wahre Erkenntnisse, um möglichst wahre "Wahrheiten"... und, wenn man genau hinschaut, kann es doch für einen Menschen nur darum gehen, wenn er sich wirklich entfaltend entwickeln will. Will man das wirklich, von möglichst ganzem Herzen, dann wäre das, was einem aus dem Karriereziel entgegentickert, die Äuglein, die einem zuzwinkern und mir auf die astralische Schulter klopfen so ziemlich genau das, was obiges verhindert, strebt man die Karriere an, bzw. lässt sie anstreben durch die Schmeichler in mir.

    Und, schaue ich mal auf Steiner, wirklich unbefangen, war das eine Karriere, die er da angestrebt hat? Was hat er angestrebt und vor allem wie und wodurch? Durch Karrieregedanken und -empfindungen etwa?

    Befasst man sich z.B. mit der Anthroposophie oder Ähnlichem, dann höre ich denen, in denen Karriere pulst nicht mehr zu, ich lösche sie. Und der Zander, was den so antreibt, vielleicht wäre es besser man nähme ihn mal ganz lieb in den Arm und liesse ihn mal was Aufrichtiges spüren.

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