Zen-Kochen, Zen-Unkrautjäten, usw

Dass man alt wird, merkt man vermutlich daran, dass man geräuschempfindlicher wird, aber auch dass Dinge, für die man einst geschwärmt hat, plötzlich belanglos und ziemlich hohl erscheinen. Ich habe schon vor zwei Jahren versucht, Doris Dörries (sehr langen) Film über die Tassajara- Zen- Kochgemeinde anzuschauen- eine Anknüpfung an das berühmte Brot- Backbuch aus meiner Jugend. Nun ja, es war nervig und langweilig.
Hier ein kurzer Trailer:



Dieses ambitionierte, gezierte Getue ("Nirvana starts in the kitchen") entlockt mir nur noch Seufzer. Ich wäre gar nicht mehr darauf gekommen, wenn ich heute nicht angefangen hätte, endlose Ritzen zwischen den Steinen unserer Terrasse von Unkraut zu befreien. Man kratzt tagelang und kann am Ende eigentlich sofort von vorne beginnen, weil es am anderen Ende schon wieder grün schimmert. Da träumte ich kurz daran, so etwas zur Zen- Übung zu verklären. Mir ist meditierendes Unkraut jäten nur sehr bedingt gegeben. Aber im Grunde bleibt nicht viel anderes übrig, denn weder Abflämmen noch Gift sind wirkliche Alternativen. Man könnte es eventuell auch zubetonieren oder erklären, ein wilder Geist bräuchte eine wuchernde Terrasse. Aber nein, dann lieber jäten. So wild ist mein Geist dann wohl doch nicht.

Wer sich dennoch für Zen und Kochen interessiert, kann ja mal beim Kochblogger herein schauen.

Kommentare

  1. also schneller geht es mit einem hochdruckreiniger, daran kostet die meiste zeit, das ding ausleihen holen und wieder bringen, das teil bekommt auch die wurzeln heraus, dieman beim jäten immer abreisst.

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  2. Habe ich natürlich schon probiert. Es handelt sich bei mir um eine Mischung von Natursteinen mit dicken Bürgersteigplatten, also ziemlich dick. Daher kommt eine Unmenge Dreck beim Fräsen mit einem Hochdruckreiniger raus. Selbst wenn ich danach mit Sand neu verfuge, ist das Unkraut doch nach zwei Wochen wieder da. Dann doch lieber Jäten mit Zen- Touch.

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  3. Essig etwas verdünnt, soll auch helfen gegen Unkraut ;-)

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  4. Hallo Steffen, schön, dass Du Dich wieder mal meldest.
    Michael, wenn Dir also nichts anderes übrig bleibt, als zu jäten dann rate ich Dir, das Zupfen nicht zu einr Zen-Übung zu ver-klären, sondern es zu einer Zen-Übung zu ER-KLÄREN - und dann das ZEN weg zu lassen.
    Soferne es noch zu verstehen ist, was ich meine.

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  5. Ich war letztes Jahr sogar mal bei einer Tee- Zeremonie. Fand es ziemlich zeremoniell, aber durchaus anregend. Allerdings schätze ich die Hierarchie nicht besonders und benutze "Zen" nur, um mich verständlich zu machen. Eigentlich ist mir die Tradition, aus der so etwas stammt, ziemlich egal. Auch Meditationshaltungen, -orte und -zeiten habe ich nicht. Es ist aber schön, dort - in den Traditionen- immer wieder einzelne Leute zu treffen, mit denen man wortlos im Einvernehmen ist.

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  6. Die Meditations-Praxis und das stark Ritualisierte im Zen-Alltag haben eine Auswirkung auf den Ätherleib. Da passiert etwas, etwas verändert sich. Dann kann man das ganze "Getue" Zen weglassen, weil inzwischen etwas zu einer inneren Haltung/Ordnung geworden ist. Da hat sich etwas umstrukturiert.

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  7. Ja, so ähnlich funktioniert wohl jede solide Schulung. Dazu gehört auch immer, dass man "Getue" erst subsumiert und dann überwinden muss, um sich frei zu schwimmen.

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  8. Eigentlich könntest Du jeweils morgens um 4 Uhr auf die Terasse gehen, Dich vor jedem Halm Umkraut verbeugen und ihn dann auszupfen.
    Viele, viele Verneigungen. Du sparst eine Menge Geld an Seminaren, die Du dann nicht mehr brauchst.
    Zum Schluss trinkst Du eine Tasse Tee und gehst zur Arbeit. Zen ist auch hart.

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  9. Das Praktizieren ist schon deshalb hart, weil das, was man sich aneignet, stets überprüft wird. Es wird immer gemessen, ob die Hosen, die man sich anzieht, passen. Falls nicht, fällt man schwer auf den Bauch.

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  10. .... oder auf den Rücken.
    buona notte

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