Ironisch

Der reife Zeitgenosse steht sich selbst ironisch gegenüber.

Kommentare

  1. Hallo Michael, mein "Kommentar", der wird etwas länger. Aber, das erklärt sich in seinem Abschluss.

    Teil I

    MAGIE DER MODERNE

    Der nachfolgende Text, er trägt den Titel: Magie der Moderne. Damit ist gesagt, heute, hier, jetzt, indem Text gelesen wird. Mancher mag mit dem Lesen begonnen haben, in der Erwartung, dass es im folgenden um Zauberei gehen wird. Nein, wird es nicht. Dann wird`s wohl langweilig? Ja! Denn, Goethe, er erwähnte einmal, es sei die Langweile, wodurch sich der Mensch von allem anderen Weltgeschehen unterscheiden könne. Unterscheiden, auch das jetzt noch! Kennt man doch Magie eher als das Eingehen können in ursprünglichste, elementare Daseinskräfte. In meinem Wörterbuch der philosophischen Begriffe findet sich unter dem Begriff Magie, neben Anderem, das hier: „...ein Elementares im Lebensprozess der Gottheit: ...Sie ist die Mutter der Ewigkeit, des Wesens aller Wesen und in ihr liegen die Gestalten derselben.“ Zur Wiederholung. Oben steht: Magie der Moderne. Damit ist gesagt, Lesen, das sei also ein Vorgang im Willen des Wesens aller Wesen, dem jegliche auftretende Gestalten, hier, in Gedankengestalt, zugrunde liegen. Wie das?

    Nun, ich gestehe, die von mir gewählte Deutung des Wortes Magie, sie ist eine moderne. Die Deutung des Wortes modern wiederum, die entlehne ich meiner Erfahrung mit der modernen Malerei. Also, kurz und bündig, Autonomie der bildnerischen Mittel und Themen. Der moderne Maler stellt sich der Tradition gegenüber. Daher ist er ganz auf sich selbst gestellt. So ist er freier Künstler. Gleiches gilt für die Magie der Moderne. Auf sich selbst gestellt unterscheidet sich der moderne Mensch von allem übrigen Weltgeschehen. Das Unterscheiden macht ihn zum Beobachter. Zu so einem Beobachter, dem es frei gestellt ist, ob er es beim Beobachten belassen, oder ob er frei handeln will.

    Der Darsteller der Hauptrolle nun, die Magie, sie trat, hier im Text, bisher nicht als Gegenstand für das Beobachten auf. Ganz einfach von daher, da sie, hier lesend, denkend die geschriebenen Worte deutet, nachdenkend Gedankengänge wandelt, weiterdenkend Zusammenhang erfragt, bedenkend Gedankengestalt bildet. Also sich stets neu als Realität erschafft. Denn, hier gegeben, für das Beobachten, sind lediglich schwarze Zeichen auf weißem Untergrund. In meinem philosophischen Wörterbuch steht auch noch: „Magie....ein Elementares im Lebensprozess der Gottheit, das Vermögen, Ideales in Realität übergehen zu lassen.“ Letzter Satz bietet mir die Gelegenheit, einen meiner Lieblingssätze von Schiller, dem die Magie selbst die Feder führte, einzugliedern. „Jeder individuelle Mensch, kann man sagen, trägt, der Anlage und Bestimmung nach, einen reinen, idealischen Menschen in sich, mit dessen unveränderlicher Einheit in allen seinen Abwechselungen
    überein zu stimmen, die große Aufgabe seines Daseins ist.“ Abwechselungen, das soll besagen, als Realität. Das besagt, die Magie, sie ist, im Hier und Jetzt denkend, stets in Übereinstimmung mit sich selbst. Das wiederum bezeugt, sie ist selbstbestimmt, also autonom, mithin das Kriterium jeglicher Moderne.

    Es gibt mannigfaltigste Weisen der Magie. Möge jeder Leser sich selbst kundig machen. Es gibt sie ebenso, wie es mannigfaltigste Weisen der Kunst gibt. Aber, wer heute, welche traditionelle Weise einer Kunst auch immer es sei, für sein gegenwärtiges Handeln anwendet, also lediglich nachahmt, er rauscht an jeglicher Möglichkeit, anhand der die Magie sich ereignet, vorbei. Warum? Magie ist
    Kunst. Früher sagte man, eine. Das stimmt so nicht. Magie ist diejenige künstlerische Urhandlung, der jede weitere besondere Weise einer Kunst entspringt. Wer also heute meint, mit irgend einer tradierten Weise der Magie aufwarten zu können, er irrt sich. Das spricht nicht gegen die Tradition, da folgender Spruch in Ewigkeit gilt. >Tradition, sie reicht nicht die Asche weiter, sondern die Glut.<

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  2. Teil II

    Der weiter oben angeführte Satz von Schiller, der findet sich in seinen Briefen über die ästhetische Erziehung des Menschen. Erziehung ist Arbeit! Außer Art und Armut fällt mir unmittelbar kein weiteres deutsches Wort ein, das mit „Ar“ beginnt. Ich stehe mal eben auf und schaue in mein Lexikon. Dabei fällt mir ein, ich habe null Ahnung, was Lexikon eigentlich bedeutet. Na gut, dann schaue ich bei dieser Gelegenheit auch das gleich nach. Schon wunderbar, ein Lexikon scheint ein Buch zu sein, das sich selbst erklärt. Also: Lexikon bedeutet, Wörter auflesen, sammeln, reden. Wörter lesen, schau an! So, meiner Erinnerung nach ist Ar die Sonne. Art > Lage, Fügung, Schicksal. Ar = fügen, passen. Also, passt doch! Meine Annahme trifft zu. Lage, Fügung, Schicksal zu erkunden, das war das Hauptanliegen ehemaliger Magie. Zudem ist Art das Angeborene. Und von Ägypter weiß ich, die Sonne ist die große Mutter. Ihr entstammt jegliche Geburt. Sie selbst ist also die Ungeborene. Oder die Selbstgeburt. Stell die Sonne ab, jegliche Geburt verschwindet. Auch dieser Text hier.

    So, ich bringe jetzt Ordnung in eben angeführte Sachverhalte und erhebe sie dadurch zu einem Wesen, genauer, Lebewesen. Hier die Ordnung: Art-Armut-Arbeit. Art, das Angeborene. Dem gegenüber gilt Bescheidenheit. Eben Armut. Mut bedarf es, will man seine Angeborenheit sausen lassen. Will sagen, nicht darauf abzufahren wie mit einem Auto. Denn Angeborenheit ist noch keine Autonomie. So eröffnet Bescheidenheit denjenigen Raum, in dem die Arbeit der Magie auftreten kann. Tritt sie auf, tritt sie ebenso in etwas ein. In die Seelensubstanz desjenigen, der ihr in Armut diese Substanz darreicht. Sie gleicht dabei einer Leier. Die Magie, sie stimmt die Saiten neu. Dadurch sind sie von der Magie bestimmt. Also selbstbestimmt.

    Eingangs steht, es sei die Langweile, wodurch sich der Mensch von allem anderen Weltgeschehen unterscheiden könne. Mithin auch von der Art seiner Angeborenheiten. Dadurch tritt nicht irgendwer ein in den Strom des Weltgeschehens, sondern die Magie, die große Mutter selbst, sie tritt in die Seele ein und richtet dort ihre Arbeit aus. So schwebt der Geist nicht mehr über den Wassern sondern bewerkstelligt die Umgestaltung noch nicht befreiter Vorgänge in freie Kunstwerke. Jetzt ist es zwei Tage später. Ja, lieber Leser, das ist Geschwindigkeit. Für Dich war es lediglich der Augenblick auf den nächsten Satzanfang. Der Text fand seinen Abschluss nicht und schlief ein. Indem er schlief, stieß ich auf den neuesten Post von Michael Eggert, den er jüngst in seinen Blog stellte. (http://egoistenblog.blogspot.com/) Indem ich seinen Post jetzt erneut veröffentliche, bildet er zugleich den Abschluss dieses Textes hier. Es ist ein Satz! „Der reife Zeitgenosse steht sich selbst ironisch gegenüber.“ Michael, schönen Dank für Deine Mitarbeit! Burghard

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  3. Der obige Blogbeitrag ist schlichter Unsinn, wenn man davon ausgeht, dass die Reife eines Menschen sich einzig an dem Grad seiner Individuation im Sinne eines seelisch-geistigen Entwicklungsprozesses festmachen lassen dürfte.
    Ein reifer Mensch dürfte demnach nur jemand sein, der diese Individuation vollzogen und zu einem gewissen Endpunkt gebracht hat. Das macht aber jede verallgemeinernde Aussage über reife Menschen unsinnig und wird wohl auch nur von unreifen Zeitgenossen vorgenommen.

    hr

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  4. „Der reife Zeitgenosse steht sich selbst ironisch gegenüber.“

    Würde ich in dieser Beobachtung den Begriff Ironie durch Humor ersetzen, hätte ich ein lebensvolleres und umfassenderes Erleben. Ironie entstammt meinem Empfinden nach doch eher dem zu sehr am Gehirn hängenden Intellekt. Und als Humor hätte man sich noch freier im Blick.

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  5. PS

    Ganz allgemein zum Gebrauch der Ironie und zur Charakterisierung derselben möchte ich mich durchaus Nietzsche anschließen, der da gesagt hat in „Menschliches, Allzumenschliches“:

    „... Alle ironischen Schriftsteller rechnen auf die alberne Gattung von Menschen, welche sich gerne allen Anderen mit dem Autor zusammen überlegen fühlen wollen, als welchen sie für das Mundstück ihrer Anmaßung ansehen. — Die Gewöhnung an Ironie, ebenso wie die an Sarkasmus, verdirbt übrigens den Charakter, sie verleiht allmählich die Eigenschaft einer schadenfrohen Überlegenheit: man ist zuletzt einem bissigen Hunde gleich, der noch das Lachen gelernt hat, außer dem Beißen.“

    hr

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  6. Sich sich selbst gegenüber überlegen zu fühlen macht nicht so recht Sinn. Sehr wohl aber, in innerer Distanz zum eigenen "Gewordenen" zu stehen, im Sinne einer inneren geistigen Zeugenschaft. Das ist der Beginn geistiger Autonomie.

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  7. Michael, das ist jetzt aber entschärft dargestellt, was die Ironie betrifft. Und ist eine innere Distanz "installiert", entsteht doch fast zwangsläufig die Frage nach der Haltung, mit sich selbst gegenüber (ich meine diese Formulierung genau so), mit der man diese Distanz dann nährt. Und Ironie??

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  8. „Sich sich selbst gegenüber überlegen zu fühlen macht nicht so recht Sinn.“

    Das macht durchaus Sinn, je nach dem, welchen Eingebungen man zu folgen gedenkt.
    Z. B. seinem Gewissen/seinen moralischen Eingebungen ironisch „gegenüberzutreten“, macht es einem sehr viel leichter, es/sie zu ignorieren.

    hr

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  9. Es kann nicht darum gehen, Begriffe, hier im besonderen den der Ironie, so zu deuten, wie es einem in den Sinn kommt, ohne sich über den begrifflichen Horizont hinaus zu begeben, in dem er "vorläufig" auftaucht.

    Hier aus Wiki:

    "Die romantische Ironie ist eine ästhetische Theorie zur Erstellung von Kunstwerken, die von den Theoretikern der Romantik eigens unter dieser Bezeichnung verhandelt wurde. Sie beschreibt ein ästhetisches Verfahren, das darin besteht, die Produktionsbedingungen von Kunst im Kunstwerk selbst zu reflektieren, (oder mit den Worten Friedrich Schlegels) das Produzierende mit dem Produkt darzustellen. Das Kunstwerk soll dabei in der Schwebe aus einem steten Wechsel aus Selbstschöpfung und Selbstvernichtung gehalten werden, und im Bezug sowohl auf inhaltliche als auch auf formale Elemente."

    Aus meinem philo. Lex: .."als Ausdruck der inneren "Überlegenheit" s.o., des genialen Menschen, der sich im freien Spiel mit den Dingen und Menschen über alles erhebt, auch über die eigene Kunst, Tugend, und Genialität."

    Weiter wird die Hebammenmethode v. Sokrates als Ironie bezeichnet. Gruß B.

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  10. "Der reife Zeitgenosse steht sich selbst ironisch gegenüber."

    Das ist ein in sich geschlossener Satz, der um einer ganz spezifischen Aussage so gefasst wurde und für diese genau jener Worte bedarf. Lasse ich "ironisch" weg, entsteht ein völlig anderer Sinn. Deshalb liegt genau hier der "Kernpunkt". Der Rest in Deinem ersten Absatz wären demnach Unterstellungen, warum nur?

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  11. @ Burghard

    „Es kann nicht darum gehen, Begriffe, hier im besonderen den der Ironie, so zu deuten, wie es einem in den Sinn kommt, ohne sich über den begrifflichen Horizont hinaus zu begeben, in dem er "vorläufig" auftaucht.“

    Diese Aussage ist zumindest mir ganz und gar unverständlich. Was meinst du damit?

    Einen Begriff hat man entweder seinem wesenhaften Inhalt nach begriffen/erkannt/verstanden oder eben nicht. Ist Ersteres der Fall, kann man diesen Begriff auch seinem Wesen nach angemessen charakterisieren. Das hat Nietzsche m. E. ganz ausgezeichnet getan. Wo ist also das Problem?

    Der pädagogische Sinn von Ironie (zwischen Lehrer und Schüler) wird übrigens in dem von mir weggelassenen Teil des Nietzsche-Zitates behandelt.

    Aber abgesehen von Begriffserklärungen, sollte es hier doch hauptsächlich darum gehen, ob die ganz oben am Ausgangspunkt gemachte Behauptung hinsichtlich Ironie und reifer Zeitgenosse überhaupt in irgendeiner Weise sinnvoll ist, was ich bezweifelt habe.

    hr

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  12. Burghard, Deinen Beitrag würde ich gern in den nächsten Tagen bei den Egoisten einstellen. Wäre der Titel "Selbstgeburt" passend?

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  13. Lieber Horst, "Z. B. seinem Gewissen/seinen moralischen Eingebungen ironisch „gegenüberzutreten“, macht es einem sehr viel leichter, es/sie zu ignorieren." Da hast Du recht, das kann man machen, daran habe ich nicht gedacht und es nicht gemeint. Überhaupt war der zynische Positivist nicht das Bild, das ich entwerfen wollte.

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  14. Lieber Michael, es freut mich, dass du dieses Missverständnis ausgeräumt hast.

    hr

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  15. Und wer von der truppe hier oben ist jetzt am selbst-ironischten?

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  16. "Die Gewöhnung an Ironie, ebenso wie die an Sarkasmus, verdirbt übrigens den Charakter, sie verleiht allmählich die Eigenschaft einer schadenfrohen Überlegenheit: man ist zuletzt einem bissigen Hunde gleich, der noch das Lachen gelernt hat, außer dem Beißen.“

    Ein schönes Zitat von Nietzsche, welches in meinen Augen allerdings nicht ganz stimmig ist, da der Autor (zumindest in seinen Texten) selbst ein äußerst ironischer und sarkastischer Mensch gewesen war.

    Es gibt m.E. vor allem eine Tiefe und Schönheit der Ironie in der Literatur; man nehme z.Bsp. Musils "Mann ohne Eigenschaften" und lese nur ein Kapitel, egal welches, oder ein Werk von Thomas Mann, oder auch einen modernen Autoren wie Max Goldt.

    Loriot war außerdem ein Vertreter par excellence des ironischen Humors; ein völlig ironiefreier Humor hingegen findet man eher in der Mario Barth Abteilung.

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  17. ich mag ironie. die anthro-szene könnte ruhig etwas mehr davon vertragen.

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  18. ...aber man sollte vielleicht auch darauf achten, daß man bei der Vergabe eines passenden Begriffs nicht zu sehr einer gewissen Leichtfertigkeit das Wort läßt oder ins Wischiwaschi abgleitet, insbesondere dann - und so habe ich Michael verstanden - wenn es um Beschreibungen auf dem Wege geht. Und was ich mag und was nicht ist da doch völlig uninteressant. Wenn man da nicht unterscheiden will gerät man ins Labern.

    Und bei Mario Barth erlebe ich gar keinen Humor, sondern nur Flachheit. Humor setzt klaren Geist voraus.

    Und der reife Zeitgenosse steht sich selbst verständig und sichtbar gegenüber, aufrichtig und gnadenlos ehrlich mit einer großen Portion Humor ob seiner Schwäche(n), aber niemals ironisch, das hätte was von Wehrkraftzersetzung. Man möge sich vorstellen wie es wirkt, wenn ich bei der Erziehung meiner Kinder diesen in Ironie begegnen würde, ein Kind spürt das sofort und das Kind in uns ebenfalls und um das geht es doch.

    Humor schätzt richtig ein, Ironie schießt Löcher rein.

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  19. Diese Sorat-Hölle hier ...

    http://www.gralsmacht.com/wp-content/uploads/2011/05/589-artikel.pdf

    ... dürfte schon noch ein bißchen heisser sein, oder?!

    Faust IV :-)

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  20. Lieber Herr Manroe,
    manchmal muss man nach Worten suchen, manchmal nach Luft schnappen. Ironie ist für mich die Mutter aller Luft-Wort-Schnäppchen. Das Wort "Wehrkraftzersetzung" in Zusammenhang mit Kinder- oder Selbsterziehung allerdings finde ich übel. Es sei denn, sie meinen es ironisch.
    mit humorvollen Grüßen
    dr. sumbolle

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  21. Sehr geehrter Herr Dr. Sumbolle (das ist jetzt etwas ironisch gemeint, nicht humorvoll) --

    das mit der "Wehrkraftzersetzung" meine ich durchaus so, denn die "Instanz" in mir, oder selbige Kindern stellvertretend verliehen, in Ironie zu tauchen, das finde ich nun wirklich übel. Und nur weil es z.B. in der Literatur brillante Ironesken gibt, daraus abzuleiten, daß sie in der Erziehung ebenso gut eingesetzt wären ist doch wirklich etwas daneben empfunden, völlig egal ob ich es auf entstandene Werke jener Instanz oder den, der in der Lage ist "Werke" hervorzubringen anwende.

    In die Erziehung, wenn ich sie wirklich ernst nehme - und man sollte es tun - dies amüsante intellektuelle Gift der Ironie beizumischen, ist schon ziemlich daneben, oder wir haben eine stark differierende Auffassung von Erziehung.

    Ich sags ja, dem Intellekt fehlt die Moral, aber er kann ja nicht anders, deshalb muss ihm jemand zur Seite stehen und ihm mal auf die brillante vielleicht auch selbstverzückte Schulter klopfen.


    WIKIPEDIA
    Ironie (griechisch εἰρωνεία eironeía, wörtlich „Verstellung, Vortäuschung“) bezeichnet zum einen eine rhetorische Figur (Rhetorische Ironie), bei der sich der Sprecher verstellt und damit dennoch die Erwartung verbindet, dass der wahre Sinn seiner Äußerung verstanden wird, wenn auch vielleicht nicht von jedem oder von jedem in vollem Umfang,...

    (fett hervorgehoben von mir)

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  22. Humor = für die lieben
    Ironie = für die arschlöcher

    Man darf aber selbst aussuchen wo was angewendet wird:

    die diskussion hier oben zum beispiel ist streckenweise stinklangweilig.

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  23. Im sinne des obigen: selbstironie wäre dann, das arschloch in einem selbst zu erkennen.

    Dass heißt: ironie hat etwas mit dem kopf zu tun (auch wenn man das arschloch in sichselbst erkennt), humor dagegen, mehr mit dem bauch (der bauch wackelt).
    Übergänge zwischen humor und ironie sind fließend.
    Bei beiden sollte man aber die bezugspunkte kennen (wie bei allem), sonst geht die ironie und der humor flöten.

    Behauptung: Ironie hat eine längere halbwertzeit als humor.

    Gruß, JC

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  24. Zuerst einmal ein paar kleine Einwürfe:

    @ terra canaillo:
    :-) - und damit wäre auch klar, daß in Ihrem Lexikon doch noch mehr Wörter mit "Ar" stehen als Arbeit, Armut und Art... :-)

    Und lieber manroe,
    in Schillers Briefen zur ästhetischen Erziehung des Menschen geht es nicht um die Erziehung von Kindern. Ich glaube auch nicht, daß Burghard von Kindererziehung spricht.
    Und auch in Michaels Satz von der Ironie geht es nicht um Kinder, sondern, wie er ja sehr deutlich sagt, um den reifen Zeitgenossen.


    Ich möchte an folgende Sätze aus Burghards Text anknüpfen:
    "Stell die Sonne ab, jegliche Geburt verschwindet. Auch dieser Text hier."

    Leider erlebe ich beim Lesen dieser Diskussion ziemlich viel "Abstellen der Sonne".
    Vielleicht wirken ja auch die auf facebook so selbstverständlich gewordenen Aufforderungen, zu jedem Beitrag sofort eine "Bewertung" abzugeben, entweder Zustimmung oder Ablehnung... vielleicht wirkt so etwas ja irgendwie ansteckend.
    Auch hier bei den Egoisten gab es ja früher solche Buttons "Gefällt mir" etc... ich bin froh, daß sie (bis auf den ironischen ;-) "typisch anthro"-Button) inzwischen wieder weg sind, denn ich finde, das ist eine sehr betrübliche Entwicklung.
    Als ob nichts sonst aus einem Text zu gewinnen wäre als das Ergebnis "JA" oder "NEIN"!


    Wenn der Begriff "Ironie" hier von den einen "aufgespießt" wird, von den anderen im Rechtfertigungsversuch lexikalisch definiert - dann vermisse ich die Deutung des Begriffes aus dem Zusammenhang, in dem er steht.

    Wenn ich Michaels Satz als Ganzes lese, denke ich bei "Ironie" an das ursprüngliche griechische Wort, das "sich verstellen" bedeutet, und auch: "sich den Anschein von Unwissenheit geben". Und natürlich geht es dabei auch um so etwas wie "Leichtigkeit, Schalkhaftigkeit"...

    Der "reife Zeitgenosse" (sagt, so verstanden, Michael) ist dazu in der Lage, sich zu ver-stellen, sich zumindest probeweise auf einen anderen Standpunkt zu stellen. Und er ist auch dazu in der Lage, zumindest probeweise, sich den Anschein von Unwissenheit zu geben. Dies alles mit der Leichtigkeit des Schalkhaften... und vor allem: dies alles nicht etwa anderen gegenüber, sondern sich selbst gegenüber.
    Daß diese Art der Einstellung sich selbst gegenüber nicht etwa dazu dienen soll, das eigene Gewissen leichter ignorieren zu können (auf diesen Gedanken wäre ich bei seinem Satz gar nicht gekommen), hat Michael ja dann nochmal ausdrücklich betont.

    Und ich erkenne: ja, tatsächlich. Eine in dieser Weise verstandene "Ironie sich selbst gegenüber" ist auch für mich ein Kriterium eines "reifen Zeitgenossen".

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  25. Liebe Ingrid, und jetzt vielleicht das Ganze nochmal über den Humor(?)

    Ich habe Burghard gar nicht gemeint, sondern lediglich die Beobachtung von Michael einen "reifen" Zeitgenossen betreffend.

    Und ich beziehe mich auch nicht auf Schiller. Ich vrsuche selbst zu denken.

    Und unter "Kinder"erziehung, da hatte ich das "Werdet wie die Kindlein im Auge", denn darum geht es schliesslich letztlich als wirklich reifer Mensch, was ich oben auch andeutete. Und in einem solchen Sinne können die Kinder da draussen schon als ein Pendant gesehen werden können.

    Ich habe nicht ansatzweise von dieser "realen" Erziehungskunst gesprochen, wenngleich selbst da in meinen Augen eine Ironie ebenfalls nicht angebracht erscheint. Ausserdem erlebe ich die Deutung von Ironie hier doch als ziemlich schön geredet, zumindest in diesem Zusammenhgang hier und der lautet lediglich: "Der reife Zeitgenosse..."

    Und ansonsten kann ich durchaus den Wert guter Ironie (auch) als gut anerkennen, Sekt statt Selter halt. Ich kann (leider) nicht erkennen, daß ich hier das Tema verfehlt habe.
    --------------

    Liebe Ingrid, "Der "reife Zeitgenosse" (sagt, so verstanden, Michael) ist dazu in der Lage, sich zu ver-stellen, sich zumindest probeweise auf einen anderen Standpunkt zu stellen." --- dieses ver-stellen in diesem Zusammenhang, erlebst Du das nicht als grenzwertig definiert, ein wenig hingebogen, ich erlebe da ein anderes verstellen, das die Ironie nutzt.

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  26. Lieber manroe,

    :-) - nun, ob ich das, was Michael sagt, "schöngeredet" habe oder ob Du es "schlechtgeredet" hast, das kann wohl nur Michael beurteilen. Denn schließlich ist er der einzige, der mit Sicherheit wissen kann, welches "Urbild" seinem Satz zugrundeliegt.

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  27. Liebe Ingrid, ich meine die Ausdeutung der Ironie, in der von Michael beschriebenen Beobachtung, aber ob Du vielleicht Michael ebenfalls schöngeredet haben könntest, darüber werde ich nochmal nachsinnen :-) - , Michael habe ich schon verstanden und stimme dem, was ich von ihm verstanden habe durchaus zu, mir ging es um in meinen Augen doch nötige Feinheiten in der Wahl eines Begriffs, mehr nicht. Und, wenn es um diese "Dinge" geht, kann es nie fein genug sein.

    Wenn man versteht, dann stehen "Urbilder" durchaus genau so strahlend vor einem, wie dem jeweiligen "Schöpfer" durch Beschreibung eines solchen. Das ist ja das Schöne an Erkenntnissen. ;-)

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  28. Nunja terra...

    "Behauptung: Ironie hat eine längere halbwertzeit als humor."

    Das ist Ansichtssache und bleibt jedem freigestellt es so zu sehen --

    Humor allerdings halte ich für erheblich überlebensfähiger, schon allein deshalb, weil er die Weisheit erheblich besser kennengelernt hat. Der Intellekt bedient sich vorzugsweise dem ans physische Gehirn gebundenen Verstand - echter Humor hat andere Quellen - und der hat eine sehr kleine Halbwertszeit, Gott sei Dank! ;-)

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  29. Für mich hat Ironie auch etwas Leichtes, Humorvolles. Es hat einen Schuss Intellekt und einen Schuss Kreativität. Ich möchte sie von zerstörerischem Zynismus abgrenzen und ich glaube, es liegt am Einzelnen, ob er sie im Sinne eines humorvollen Denkanstoßes oder im Sinne eines überheblichen, angesäuerten „Stichelns“anwendet.
    Sicherlich möchte ich nicht einem Kind mit Ironie begegnen. (...ab der Pubertät hab ich bemerkt, ironiesieren die Jungen auch schon gerne).
    Ironie ist wie oben schon gesagt eher eine Qualität des reifen Menschen. Wenn man mit seinem inneren Kind eine gute Beziehung hat, also ihm gegenübersteht, für es sorgen kann, und dadurch nicht mit ihm identifiziert ist, so kann der Erwachsene auch leichter mit Ironie umgehen und auch mal über sich selbst und seine Eigenheiten lachen.

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  30. Liebe ZuL, ich sehe es ähnlich wie Du, glaube aber auch, dass es eine offene Grenze zwischen der "leichten" Ironie und dem zerstörerischen Zynismus gibt (Zwischen beiden bewegt sich der Sarkasmus).

    M.E. besteht bei allzu ironischen Menschen die Gefahr, dass sie mehr und mehr Beobachter des Lebens sind und grundsätzlich Schwierigkeiten haben, sich ganz auf das Leben einzulassen. Das Leben wird heiter und geistreich kommentiert aber in seiner Fülle nicht erfahren und gelebt.

    Ich schätze die Ironie deshalb vor allem als Fähigkeit, um mit meiner eigenen neurotischen Gemütlichkeitsseele in Kontakt zu treten, oder eben, wie oben schon gesagt, in der Literatur.

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  31. Richtig anstrengend allerdings sind für mich vor allem Menschen, die sich ebenfalls in einer Beobachter-des-Lebens-Rolle eingerichtet haben und aus irgendeinem Grund überhaupt keinen Zugang zur Ironie haben; aus dieser Ecke gibt es häufig humorfreie Belehrungen, da geht dann richtig die Post ab.

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  32. humorfreie Belehrungen...nett :-) und Rainer, schau nicht zu viel Simpsons, sonst kommste schwer wieder aus der Ironierolle raus ;-)) - ich sprech aus Erfahrung :-))

    dies nun hoffentlich eine humor-volle Belehrung ;-)))

    ironische Grüße :-)

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  33. Hallo Steffen, schön mal wieder von Dir zu hören (Ich mache ja auch gerne mal längere Egoisten-Pausen...).

    Simpsons gucke ich nur noch gelegentlich und finde die dann immer wieder sehr nett, vor allem Marge mit ihren blauen aufgetürmten Locken.

    Habe letztens entdeckt, dass sogar George W. Bush sich einmal über die Simpsons beschwert hat, 92, auf einem Kongress der Republikaner: "We need a nation closer to the waltons than to the simpsons"

    Grüße aus Hamburg :-)

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  34. Hallo Rainer :-) danke gleichfalls...ja ich bin gerade mehr auf facebook, kriege aber hier alles schön mit!!

    Naja, die Simpsons, macht doch nix...klar da laufen auch grenzwertige Sachen, habs auch schon mal ausgemacht, wegen der Kinder....aber dann wieder geschaut paar Tage später...völlig inkonsequent also ;-))

    Schöne Tage dann noch in HH-wie Lachen! soll ja gesund sein :-)

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Egoistisch am meisten gelesen: