Drei Zeiten

Die Lehre von den drei Zeiten geht auf Joachim von Fiore zurück, im zwölften Jahrhundert, wie uns auch Wikipedia lehrt: "Bedeutend ist Joachim von Fiore vor allem wegen seines Geschichtsbildes und seiner exegetischen Methode, bei der er die allegorischen Schriftauslegungen den typologisch-historischen vorzieht. Den historischen Ablauf des Alten und des Neuen Testaments deutet er in einem heilsgeschichtlichen Sinn. Die Geschichte wird in drei Zeitalter gegliedert, welche er mit der Trinität in Verbindung bringt: Die Zeit des Vaters (Altes Testament), des Sohnes (beginnt mit dem Neuen Testament und endet nach seiner Vorhersage 1260) und die des Heiligen Geistes. Dieses dritte, glückliche Zeitalter werde von der intelligentia spiritualis erleuchtet sein und alle Freuden des Himmlischen Jerusalem (Offenbarung 21) bieten. Das letzte, das Dritte Zeitalter, steht im Zentrum des joachimitischen Geschichtbildes. Dieses Zeitalter wird auch Drittes Reich genannt. Dem Dritten Zeitalter geht die Ankunft des Antichrist voraus, welcher dann von einer kirchlichen Persönlichkeit besiegt wird. So identifizierten einige joachimitische Franziskaner den Heiligen Franziskus auf Grund seiner Stigmata als Alter-Christus. Seine Lehre wird auch mit dem Begriff der „Drei-Zeiten-Lehre“ bezeichnet."

Diese Art von Teleologie, einer zielgerichteten Entwicklung des Menschen in zunehmender Vergeistigung, findet sich auch grundsätzlich im Werk Rudolf Steiners wieder- der Entwicklungsgedanke ist darin ganz essentiell. Es ist bedauerlich, dass er diesen Gedanken an manchen Stellen mit Merkmalen von Rassen und Nationen verbunden hat und dadurch aus heutiger Sicht in ein zeitgenössisch typisches, aber dennoch auch rassistisches Fahrwasser geraten ist.

Vermutlich auch aus diesen Gründen kam Bodo von Plato auf der Jahrestagung der Anthroposophischen Gesellschaft in Deutschland auch selbstkritisch auf das "Muster" des Entwicklungsgedankens:

"Sehr selbstkritisch in Bezug auf die anthroposophische Bewegung äußerte sich Bodo von Plato: Das Spiel zwischen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft sei ein entscheidendes Grundmuster der nationalsozialistischen Ideologie – und zwar im Sinne einer heroischen Vergangenheit, der elenden Gegenwart und der wiederum heroischen Zukunft. Auch in der Anthroposophie sei dies ein wichtiges Muster, wie es überhaupt Parallelen in der „anthropologischen Disposition“, in der Empfänglichkeit für den Faschismus und die Anthroposophie gebe. Der Grund sei eine tiefe Sehnsucht nach dem, was verloren ist und nach einem mythischen Verstehen der Gegenwart – das durch die Rationalität verhindert werde. „Man kann da eine Disposition für alle totalitären Systeme erkennen“, führte er aus. Die Nazi-Ideologie sei in diesem Sinne als Gegenbild zur Anthroposophie zu sehen, „verwandt in der Art, nicht im Wesen“."

So weit Laura Krautkrämer in ihrem kritischen, aber umsichtigen Bericht von der Tagung in Ansgar Martins Waldorfblog.

Man kann das sicherlich so sehen wie Bodo von Plato. Das inkriminierte teleologische "Muster" ist aber uralt und spiegelt die Heilserwartung auch einer Institution wie der katholischen Kirche. Die von von Plato gezogenen "Parallelen" kann man in alle möglichen Richtungen ziehen. Insofern relativiert sich die Bedeutung dieses Bezuges doch erheblich. Das nimmt der fatalen Zuordnung Steiners zum "Entwicklungsstand" bestimmter Völker und Rassen aber nicht die Brisanz.

Kommentare

  1. Deine Einschätzung zum Schluss des Textes teile ich auch. Platos Aussagen sind eigentlich völlig banal.
    Und was die Rassenfrage angeht: Warum macht man nicht selber einmal Forschungen zum Entwicklungsstand der Rassen? Es ist doch alles eine völlig abstrakte Diskussion. Wenn man einmal bei Indianern oder Indios war, dann lernt man, sich ein eigenes Urteil zu bilden. Da wird das Thema erst interessant.

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  2. "Es ist bedauerlich, dass er diesen Gedanken an manchen Stellen mit Merkmalen von Rassen und Nationen verbunden hat und dadurch aus heutiger Sicht in ein zeitgenössisch typisches, aber dennoch auch rassistisches Fahrwasser geraten ist."

    Wirklich bedauerlich ist es, dass der an das physische Gehirn gebundene Verstand mit seinem Oberguru, der Kritik - durch die er glaubt der Freiheit und Wahrheit nahe zu kommen oder sie gar fundamentieren zu können - immer noch nicht begreifen (will) oder besser kann, dass diese elende Rassismus-Diskussion sich nicht in wirklichem Verständnis auflöst. Nur weil die Nazis sich so schlimm vertan haben und unschuldige Begriffe in den Dreck gezogen haben darf man nicht mehr klar denken? Rasse ist Rasse und es gibt sie und Individuum ist Individuum und die gibt es auch und hier dieses elende wischiwaschi kritisiernde, dem Verstande verhaftetseiende Gefasel nervt allmählich wirklich bis ins Mark. Das mit den Rassen hat was mit Metamorphosen zu tun und DIE hat Steiner beschrieben und es auch so gemeint. Wenn ein Fehler bei ihm vorgelegen haben sollte dann wohl der, dass er den Menschen ein wenig zu viel zugemutet hat und dieses elende untergeistige Kritisieren zu positiv eingeschätzt hat.

    "...und dadurch aus heutiger Sicht..." HIER liegt der Pferdefuss begraben. Aus heutiger Sicht!! Und die ist natürlich weiter fortgeschritten?!? Wirklich? Nur weil das ansonsten gut funktionierende analytische Kritkbewusstsein hier plötzlich nicht mehr bemerken will, dass ein inneres Erleben sich kettet an einen Lieblingsgedankenpfad der was mit angeblicher Aufklärung zu tun hat? Wirklicher Geist wird hier vom Scheingeist des Verstandes nach unten gezogen. Das ist das eigentliche Übel!

    Steiner hätte rassistisch gedacht, wird behauptet und ihm unterstellt. Er hat es VOR den Nazis gesagt. Wie wäre es gelaufen in heutigen Gehirnen, hätte es die Nazis nicht gegeben? Wie ist das mit dem Balken im eigenen Auge? Ist es nicht eher wahr, dass rassistisch an sich eher in den Köpfen derer aufzusuchen wäre, die darin ein Problem sehen und es überwinden wollen? Ja dann tut es doch und zieht euch den Schuh selber an, statt einen Sündenbock zu suchen, den es gar nicht gibt und gab. Denn das Gute ist doch so nah...---

    Und bitte nicht wieder diese Zitate als Beleg aus GA sowieso, ein wirklicher Denkversuch wäre angebrachter statt dieser schnüffelnden Journalistennase.

    Manfred sobjektiv
    Ich möchte hiermit bezeugen, dass ich kein "rechtes" !!!! (wieder so ein in den Dreck gezogenes Wörtchen) Gedankengut in mir trage, sondern ein freies, das sich zu unterscheiden bemüht und Gedankenschmutz zu entlarven trachtet.

    Nintendo hat gerade Probleme am Hals, weil die im Zusammenhang mit einem Spiel gesagt haben: "Arbeit macht frei". Ja, DAS STIMMT doch, wenn es die richtige ist. Darf man Wahrheiten nicht mehr aussprechen? Wahrscheinlich hat man keinen Zugang mehr zu dem, was wahre Gesinnung ist. Man traut sich selbst nicht mehr, wie auch, wenn man sich in sich selbst selbst verfolgt und das auch noch zulässt und sich womöglich noch als aufgeklärt erlebt, aufgeklärt, geklärt!

    Und nun warte ich darauf, dass man über mich herfällt, aufklärend natürlich, zeitnah ---

    http://www.dradio.de/kulturnachrichten/2011062118/21/

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  3. ... und dass Nintendo aus Marketinggründen diesen Spruch genutzt hat (womöglich/sicherlich auch) ist mir natürlich klar. Mir geht es um den reinen Satz.

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  4. Das ist eine gute Idee: Die heutigen Indianer einfach mal besuchen, denn das wurde von bestimmten Kreisen wohl schon in früheren Zeiten nicht gemacht ;-)

    Es gab allerdings im 19. Jahrhundert viele deutsche Auswanderer (darunter sicher "solche und solche") bzw. Idealisten, Freigeister und politisch Verfolgte, die ihre Ideen sogar politisch umsetzten in Nordamerika und somit auch gefragte Berater und Politiker wurden.. Sie verabscheuten nicht nur den Indianerhass, sondern setzten sich auch für die Befreiung der afrikanischen Sklaven ein.
    Für mich sind das sehr mutige, tatkräftige Leute, die demokratisch-friedliche Strukturen schufen, gemeinsam MIT den Indianern..

    Z.B. dieser Herr hier (einer von vielen):
    Otfried Hans Freiherr von Meusebach(der später seinen Adelstitel ablegte): http://de.wikipedia.org/wiki/Otfried_Hans_von_Meusebach

    Noch heute werden an seinen Wirkungs -und Gründungsorten deutsch-indianische Gedenktage gefeiert und Freundschaften gepflegt. Die Comanchen freuen sich sicher darüber, wenn man sie mal besucht - besonders über freundliche und tolerante Deutsche :-)

    Hier noch schnell ein Zitat aus Wikipedia über Mäusebach:

    Von Meusebach war von William Penns (1644–1718) Indianerpolitik in Pennsylvanien inspiriert und die Voraussetzungen seiner Verhandlungserfolge mit den Indianern waren sicher seine positive Einstellung und sein freundliches Verhalten ihnen gegenüber. Meusebach sagte nach den Friedensverhandlungen mit den Comanchen: „Wenn mein Volk für eine Zeitlang mit Euch gelebt hat und wenn wir uns gegenseitig besser kennen, dann mag es vorkommen, dass einige heiraten möchten. Bald werden unsere Krieger Eure Sprache lernen. Wenn sie dann wünschen, ein Mädchen aus Eurem Stamm zu heiraten, sehe ich darin überhaupt kein Hindernis, und unsere Völker werden so viel bessere Freunde ... mein Bruder spricht von einer Barriere zwischen den roten Männern und den Bleichgesichtern. Ich schätze meine roten Brüder nicht geringer, weil ihre Haut dunkler ist, und ich halte nicht mehr vom Volk der Weißen, nur weil ihre Hauptfarbe heller ist.“ - 1936 wurde bei San Saba (San Saba County) ein Gedenkstein mit folgendem Text aufgestellt: „On this site a treaty of peace was agreed upon, March 1–2, 1847, between twenty Comanche chiefs and the German colonists represented by Otfried Hans Freiherr von Meusebach (1812–1897), who became a citizen of Texas under the name of John O. Meusebach…this treaty was never broken.“

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  5. Zuallererst drücke ich meine Freude über einen Mann wie Bodo von Plato aus. Das ist für mich lebendig kommunizierter anthroposophischer Geist. Auf fundierter anthroposophischer Basis stehend, hat er den Mut, das Ideal Steiner etwas abzustauben, wo Rassistisches und manchmal auch sehr persönliche Sichtweisen hängengeblieben sind. Man möge sich nur mal vor Augen halten, was an persönlichen Ressentiments bei z.B. den „okkulten“ Beschreibungen des französischen Volkes mitschwingt. Das ist ziemlich banale Irreführung.
    Nun glaube ich, dass dieses Abstauben ein großer Dienst an der Anthroposophie ist, und ich bin ganz überzeugt davon, dass dies im Sinne Steiners ist. Der Mensch Steiner, der sich menschlicherweise und karmischerweise bei manchen, wenigen Darstellungen vergriffen hat, wäre ganz sicherlich dankbar für diese Richtigstellung.
    Es ist schon verwunderlich, wie schwer sich Manche tun - trotz des essenziellen Evolutionsgedankens, der die ganze Anthroposophie durchzieht –Anthroposophisches weiterzuentwickeln oder sie zumindest von Nicht-Anthroposophischem zu befreien. So als wäre das, was Steiner hinterlassen hat ein „fertiges“, „wahres“, „unantastbares“ Produkt.
    Dem ist aber nicht so- das großartige Werk Steiners, das er von Anderen übernommen und weiterentwickelt hat, kann man/frau sehr wohl antasten, Unwahres entfernen und in aller Bescheidenheit, vielleicht sogar weiter entwickeln.
    Das verringert keinesfalls meinen Dank Steiner gegenüber, der bedeutender und würdevoller Vertreter einer Tradition ist, die Menschheitsgut ist.

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  6. Wäre vielleicht auch ein gutes Motto:

    Evolution = Mensch werden :)

    und sonst vielleicht - erstmal ... - gar nichts? ;-))) manchmal habe ich das Gefühl, wir Menschen stecken noch fest und tief in den allerersten Kinderschuhen...Kommen in dieser Situation dann auch noch diverse Esoteriken und Okkultes hinzu, dann kanns schnell mal ganz vorbei sein ...

    Und so scheint man wohl in regelmäßigen Abständen über so selbstverständliche und doch erstrebenswerte Dinge sprechen zu müssen, wie - Toleranz, Brüderlichkeit / Schwesterlichkeit, Natürlichkeit, Freiheit, Respekt, Leben und Leben lassen usw. usf. (letzteres dann auch noch buchstäblich gemeint) ..

    LG

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  7. Ich möchte noch einmal an Steffens ersten Beitrag anschließen: Ich meine wirklich das Wesen der Völker menschenkundlich erforschen, mit dem anhtroposophischen Wissen im Hintergrund und einem gesunden Menschenverstand im Vordergrund. Vieles was, man für oder gegen Steiners Äußerungen in diesem Zusammenhang liest, hat eigentlich mit eigener Erkenntnis nichts zu tun. Man reproduziert immer nur altbekannte Urteile oder Vorurteile, ob man nun für oder gegen Steiners Äußerungen ist. Und man kann wirklich eigene Forschungen treiben, jeder kann das, wenn er nur will und sich eigene Erkenntnisse mutig heranbilden will. Wir müssen uns weder Steiner noch sonst jemandem in unserem Urteil anschließen, sondern aufgrund eigener Erlebnisse und Erfahrungen Erkenntnisse bilden. Dann können wir das mit Steiners Äußerungen oder denen anderer Wissenschaftler vergleichen. Das ist meiner Meinung nach der moderne Weg.

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  8. Das klingt gut Dieter :-)
    Ich 'betreibe' allerdings am allerliebsten Menschenkunde durch einfaches, persönliches Kennenlernen und Erleben .. so auch geschehen bei meinen afrikanischen Freunden, die ich als warmherzige und nette Menschen schätzen gelernt habe :-)

    Schönen Abend!

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  9. Danke, Dieter!

    Ja. Auch ich habe den Eindruck, daß sowohl die „Apologeten“ als auch die „Kritiker“ mit immer gleichen Argumenten arbeiten, die eines gemeinsam haben: sie haben nicht besonders viel mit eigener Erkenntnis zu tun. Entweder darf Steiner nichts „Falsches“ gesagt haben, weil er eben Steiner ist --- oder die „political correctness“ der „heutigen Sicht“ darf nicht in Frage gestellt werden, ebenfalls weil "nicht sein kann, was nicht sein darf“.
    Beides eignet sich nicht als Prämisse einer ehrlichen Urteilsfindung.
    Fort also mit dem sacrificium intellectus, in welche Richtung auch immer, und her mit Unterscheidungsfähigkeit und gesundem Menschenverstand!

    Herzlichen Gruß,
    Ingrid

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  10. Ich mache das etwa so: Ich stelle mir einen asiatischen Menschen vor und daneben einen US-amerikanischen Vertreter; dann vergleiche ich (Gestalt, Wesen, Sprrache). Da gibt es doch viele interessante Gesichtspunkte, was schon mal die Polarität Ost-West angeht;dann kann man ja noch einen Europäer in die Mitte stellen.
    Oder ich stelle einen indianischen Menschen innerlich neben einen afrikanischen. Und dann kann man polare Fragen stellen: Wo empfinde ich eher Jugendlichkeit, wo eher Alter; wo Wärme, wo Kälte; wo Wille, wo Weisheit...Das sind doch dann keine Vorurteile, die sich ergeben, sondern richtige Erlebnisse. Tschüs, ein schönes Wochenende!

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  11. Danke Dieter und ebenfalls ein schönes Wochenende!

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  12. ob eure steiner-krankheit als mildernder umstand zählt ?

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  13. von m.butty
    Kürzlich hab ich einer Art "Wiegenlied" von Neil Young gelauscht, um mich zu erfrischen.
    Da mußte ich was dazu schreiben, was ich jetzt hergeben möchte, wenn ich darf.
    Es ist für Ernst Seler, und für Rudolf Steiner, und für .. manche/n Anthroposophen/in, der/die "da draußen" :-) jetzt herumspringt,auch.. es heißt "Anders sein":

    http://www.youtube.com/watch?v=-Y1IF8A9XN4
    (Das ist der Link zur Musik, ähm... )

    Gemessen an anderen vielfältigen Lebensformen, steht uns der Seestern, so sagt die Biologie zumindest, sehr sehr nahe.
    Und überhaupt…
    Wir wissen, wie dünn sie ist, dieser Zarte Reif, der die Gesteine und darunter das Magma.. überzieht.., darüber das eiskalte All, und so weiter..
    die Feuchte, das salzige Meer, in dem die Moleküle .auszuflippen begannen..
    und all das “Süß”wasser, was die Gebirge hinabrieselt..innerhalb der “Erdatmosphäre”, die sich da staut, wo wir herumschnaufen.. Gezeitenlang, “wir”?
    Das Mammut ist erst seit 10 000 Jahren ausgestorben, aber die Fliegen im Bernstein sind Millionen Jahre, …, alt..

    Was ist denn überhaupt alt? Schau, kaum hast Du, Mensch, Dich ein wenig zurechtgefunden, gehen Dir Haare und Zähne aus, oft tut es nicht einmal weh, nicht einmal weh, wenn Du nicht zu sehr daran rührst, wie kurz Du lebst.. du siehst deine Haare ausgehen, jeden Tag im Wind, und manchmal Gerippe, Schädel, mal aus Gräbern gerissen, mal von Kriegen her übriggeblieben und in Beinhäusern präpariert, mal leere Krebsschalen am Strand, Hülsen allerlei Getiers von Möwen übriggelassen, und so sind dir auch mal deine Milchzähne ausgefallen!, genauso, wie die Schnecken- und Muschelschalen im Stand lagen sie da, oder so, wie der Schädel deines Onkels, der jetzt in Deinem Schoß ruht.. (es ist bei Völkern auf Inseln Brauch, den Gebeinen der Vorfahren Stunden frommer Betrachtung zu schenken), und ewig geht die See..

    Und sieh nur, wie im Säugling nach und nach der kieselige Gallert das Kalzium in die kleinen Knöchlein einlagert und der kleine zarte Kopf anfängt, "schädelig" zu werden. Das ist einfach so.

    und dazu schlägt dir, Mensch, dein Herz, und kennst Du niemals das viele Meer, dort, wo die Welt aufhört, so hast Du es immerdar bei Dir, im Sturm, der die Wälder und Wiesen durchkämmt, und dir beim jäten und pflügen zuspricht, bis du es... dir zuweilen zuviel wird, daß Du Ruhe und Wärme suchst. Und mancher kommt bis ans Meer, dort baut sich ihnen unter ihren Händen und Gedanken das Schiff, hinaus in die See!

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  14. weiter (von butty, "Anders sein")
    Ist daran etwas anders geworden, an all dem, seit auch Fernseher, verfeinerte Schußwaffen und schnelle Autos, Schiffs-Schrauben und Flugapparate, Kühlschränke und Kochmaschinen- und Haarföhns die Werkzeugkammer Deines Gehirns füllen?

    Ja. Du lebst inmitten derer, die Dir noch viel näher als der Seestern sind. Einmal zu deiner Lust und Freude, andermal zu deiner Qual bis zum Tode..vor dem Sterben.
    Dabei ist sie so dünn. Diejenige, die wir wahrhaft Die Erde nennen, unsre “Scheibe”, die durch den Fluch uns fremder Wesen (“Götter”) einst so rund wurde, daß wir mit unsern Schiffen -nicht- hinaus zur Wende der Horizonte fahren dürfen, um von dort aus dann hinaus zu den Gestirnen der Himmelwelten -über - zu gelangen..
    An den Stränden sehen wir von ferne die glühenden Abgründe zu Paradiesen hin, zu denen hin das Meer gekrümmt ist, und die See führt unsere Schiffe allein zu Kontinenten hin, weil die Welt jetzt eine Kugel ist, - unentrinnbar.

    Denn deine Welt, Mensch, war in einer konkaven Meer-Linse, die hinauf zu Sternen führte, einmal eingebettet. Das ist nicht mehr wahr. Und seitdem das nicht mehr wahr war, war es niemals so gewesen.

    Auch mit unseren Unarten sind wir nicht mehr allein: Wir treffen unentwegt auf dieselben.
    Unsere Mitmenschen sind keine Seesterne, und selbst diese .. so die Biologie.. stehen uns evolutionär unmittelbar nahe, freilich im großzügigen Zeitmaß der Schöpfung.

    Es tickt noch eine andere Uhr in uns ..
    Sie reicht weit hinaus über das befristete Leben, was einst aus Eizelle und Sperma hervorpulste, hinaus.
    Wir sind so alt wie das Leben selbst. Zumindest scheint es uns manchmal so.
    Wenn wir darüber etwas konkretes "wissen" wollen, entzieht sich die Schöpfung. Entzieht sich der "Stein", die "Pflanze", das "Tier".. und wir ahnen ohne dieses "wissen", oft zuviel..
    zuviel auf einmal, und wir ..schlafen ein.

    Oder wir kriegen Langweile. Werden -wieder- vereinzeltes Geschöpf. Kehren in unsere kurze "individuelle" Lebenszeit "zurück", und treffen oft "uns selbst", ob wir gleichgültig sein möchten, "Frieden schließen" oder uns "Durchsetzen" wollen.
    Bei all unserer uns bewußten Intelligenz bleibt das Leben, genau genommen, zu oft ein wirres Schauspiel. Vielleicht ist es die dem Menschen typische Hoffung, die uns glauben läßt, wir wären anders, als unsere Mitmenschen..

    Sicher sind manche wachsam, auch gegenüber sich Selber, andere gar nicht...

    Sicher haben manche die unbändige (auch viehische) Freude, andere sterben daran, daß sie gestern erfahrene Bitternis nimmermehr auflösen können.. am Leben..

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  15. ..uns..seltsam.. der Gedanke: Lebendig und Freudig zu sein, ohne ..der Erde zu schaden.. der Seestern aber schläft wonniglich im Element, .. uns aber ist unser ..Gedenken.. der Erde..., als sei sie "unser", nicht zu schaden..

    seltsam..

    ..denn dieses Gedenken an den zarten Reif "Leben", als sei die Erde "unser", entfremdet uns dem Leben, wie auch der Gedanke andersherum, der davon spricht,

    daß wir "ich" seien, uns selber uns selbst..

    und damit sind wir Hüter und Diebe und Medizin dessen, was unser ist..

    ..aber der Seestern..

    ob es ihn schmerzt? - wenn die Möwe ihn dereinst frißt?

    ;-)

    mischa butty

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  16. Lieber Dieter,

    naja - also, wenn ich mir jeweils einen einzigen „Vertreter“ vorstelle und daraus dann versuche, meine Schlüsse zu ziehen auf „Alter, Wille, Weisheit“ und dergleichen ---
    Also, das wäre mir viel zuwenig, viel zu beliebig, viel zu „fehleranfällig“.

    Erstens kann ich mir ja allerlei „vorstellen“, das mit der Wirklichkeit eines konkreten Menschen nicht viel zu tun hat.

    Zweitens - selbst wenn ich meiner „Vorstellung“ konkrete Menschen zugrundlege, denen ich im „real life“ persönlich begegnet bin: dabei würde es sich jeweils um Individuen handeln. Um einzelne Menschen, die zwar in ihrer Entwicklung von der Grundlage ihrer „Rasse“ ausgegangen sein mögen, aber sich von dieser „Grundlage“ längst mehr oder weniger weit entfernt haben.

    Nein.
    So wird es wohl nicht gehen.

    Eigene Erkenntnisse über die Unterschiede oder Gleichheiten der einzelnen „Völker“ kann ich mir wohl nur erwerben durch längerdauernde anthropologische Studien oder (wie Steffen es vorschlägt) sonstige persönliche Erfahrungen im Umgang mit den Menschen eines anderen Volkes als meines eigenen...

    Wenn das nicht möglich ist, kann ich nur versuchen, aufmerksam zu sein für das, was andere von ihren Erfahrungen und Erkenntnissen vermitteln.
    Nicht nur Rudolf Steiner, nicht nur Anthropologen, sondern vor allem auch die Menschen der verschiedenen Völker selbst, Künstler, Schriftsteller, Musiker...
    Auf diese Weise werde ich allmählich zu eigenen Eindrücken kommen.
    Und wenn es mir auch noch gelingt, das heute „Vermittelte“ mit dem Blick in die Vergangenheit zu vergleichen (beispielsweise bei der "Volksmusik" oder sonstiger "Folklore"), dann werde ich hoffentlich zu einer noch „weiteren" Sichtweise gelangen, die Entwicklung mit einbezieht, statt um jeden Preis ein fixes, unveränderliches Bild der - gleich, ob nun unterschiedlichen oder gleichen - „Rassen und Völker“ erkennen zu wollen und die einzelnen Menschen dann auf dieses „Bild“ festzulegen...

    Herzlichen Gruß,
    Ingrid

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  17. Wäre Steiner mir nicht so wichtig, würde ich mich nicht aufregen. Hätte ich nicht entschieden, mich in einer gewissen Offenheit und Empfänglichkeit, dem zu öffnen, was er mitteilt, ich würde es mir gar nicht antun, soviel Zeit und Gedanken in dieses Thema zu investieren.
    Das was der historische Steiner einmal wollte, nämlich dass nichteuropäische Rassen aus Europa fernblieben, hat sich natürlicher- und sinnvollerweise nicht bewahrheitet. Das Thema Rasse denke ich, regt uns so auf, weil wir noch zu einer Generation gehören, in der Rassenunterschiede, die es natürlicherweise gibt, noch von Bedeutung sind. Bei der Generation unserer Eltern war diese Bedeutung noch größer und auch mit einer größeren Klassifizierung und den daraus resultierenden, fatalen Folgen verbunden. Unsere Eltern waren Teil eines kollektiven Rassentraumas und wir sind die Kinder dieser Eltern und natürlicherweise braucht dies eine Aufarbeitung. Das Thema wird sich auflösen, weil die Rassen sich untereinander vermischen. Das ist wunderbar und das sehe ich als großen Gewinn.
    Ich habe mich sehr viel in SüdostAsien aufgehalten und jedesmal wenn ich nach Europa zurückkam, mußte ich mich erst einmal an diese schlappen Gesichter gewöhnen. Der Haut- und Muskeltonus eines Südostasiaten ist für mich viel lebendiger, frischer, ästhetischer. Nichtsdestotrotz ist die europäische Kultur einzigartig in ihrer Vielfältigkeit und Schönheit und es war auch jedemal wieder eine Freude, in diese hineinzugehen.
    Ich habe mich noch in anderen Kontinenten und Kulturen aufgehalten und habe mich über die Beschränktheit gewißer Bemerkungen Steiners in Bezug auf Rassen aufgeregt, bevor ich das memorandum gelesen habe. Das habe ich dann erhalten, nachdem ich bei der anthroposophischen Gesellschaft angerufen hatte, um mich zu erkundigen, was es mit gewissen „okkulten“ Bermerkungen Steiners auf sich hätte.
    Dass das memorandum sehr intellektuell geschrieben ist, ist auch mir aufgefallen.
    Ingrid, Du wiederholst auch immer wieder dieselbe Stellungsnahme und ich habe von Dir noch nie eine gesunde Hausverstandsbemerkung in Bezug auf einige wirklich dumme Aussagen von Steiner gehört.

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  18. Liebe Ingrid, hab jetzt erst Deinen obigen Beitrag gelesen und nehme das "mit wieder dieselbe Stellungsnahme" zurück.

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  19. Mir ist es wichtig, mit Menschen Freundschaft zu schließen, wenn das nicht gelingt, ist es menschlich, und nichts anderes. Wenn dann, lange innert der Freundschaft auch einmal die Volkszugehörigkeit, die Haar-oder Hautfarbe Thema würde, dann sollte es eines von anderen Themen bleiben. Sollte die Freundschaft von ethnologischen Themen geprägt sein, oder gar mit ihnen gesegnet, wow, wunderbar!
    Allerdings wird all dies mich nicht retten vor meinen ganzen Fehlerhaftigkeiten, die mir permanent in Beziehungen und Bekanntschaften passieren und unterlaufen, wenn es "ernst" wird, und man nicht "Urlaub" macht, sondern was zusammen arbeitet oder schafft :-(
    :-) :-), dann kann ich nur hoffen, daß mein Mitmensch Mensch ist, und ich ihm/ihr gleiches zu bieten weiß, das andere ist doch belanglos, Dünkel usw., sollte es auch sein.
    Die Zeiten, wo ich glaubte, eine Art "Pflicht" zu haben, Andren zu erklären zu müssen...
    ist vorbei, endgültig!
    Äääh! Also lieber erklär ich denen dann ihr Tierkreiszeichen, das stiftet sogar Zwanglosigkeit, was man von all den andern Sachen, die der "Anthro", im Extrem, auf Lager hätte, nimmer behaupten kann, also.., ..
    m.butty

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  20. Differenzierte kleine "Schubladen" und Artikulation von Ängsten, sprich "Vor-Urteilen" sind in einer sich anbahnenden Vertrauens-Phase fast unerläßlich, das schafft vor! Bringt das Denken in eine Ordnung, um es, das Denken, ich möchte fast sagen: Zu bändigen.. :-)
    So erlebe -ich- das.
    Aber das ist ja, etwa wie beim Schach, bildlich gesprochen alles, alles ANFANG..
    Wenn das miteinander Schaffen beginnt, auch ein Kleines (im "Urlaub" ;-) ) bleibt nichts mehr so, wie es war, dann kommt lebendige Auseinandersetzung, produktiver Frust, und zuweilen, so Gott will, da und dort nicht nur eine Heiterkeit, sondern sowas von .. Stolz und Freunde. Egal, woher der Gegner, Partner, Mitarbeiter, Freund, Geliebte stammt. Das ist ganz gewiß, und wesentlich, bumm, punkt!
    m.butty

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  21. Lieber Micha, ja, Freundschaft das ist es doch, mal ganz einfach auf den Punkt gebracht...und danke u.a. auch für Poet N. Young - das ist ja von meiner Scheibe!! ;-))

    LG

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  22. Ja, Steffen, jaja, ...und wer so manchen Shicedreck durchschaut, und darüber zu sagen weiß, und zu "singen", - was alles so geschah, ist ja nicht davor gefeit..
    Das "Wiegenlied" von Opa Young is' angenehm, nich?
    ;-)
    m. butty

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  23. So, jetzt habe ich mich ausgeredet,
    lieber Steffen und lieber Micha,
    let`s be friends and make a universal party
    to the musik of poet young!

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  24. Ja, so ist das Micha, und bei allem ist wohl etwas Vorsicht geboten; dem Ideal oder dem Traum von der Freundschaft, sollte wohl immer mindestens ein Phlegmatiker angehören ;-))

    Liebe ZuL, universal party :-) ich sag mal,
    cosmopolitical gesehen, waren deine 'Reden' hier auch eine schöne und erfrischende party :-)
    Und ich hoffe du verwelkst jetzt nicht in den etwas eintönigen Vorgärten Mitteleuropas, nach so einer belebenden Asienreise ;-)

    LG

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  25. ouw, Asienreise?
    Donnerwetter :-) :-) :-)
    m.butty

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  26. Monsunwetter :-o :-o :-)

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  27. Keine Ahnung; du! Ich war da noch nie..
    ..klar, kann mir versuchen, was drunter vorzustellen..:-)
    lieben gruß
    m.butty

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  28. Man kann da eine Disposition für alle totalitären Systeme erkennen“, führte er aus. Die Nazi-Ideologie sei in diesem Sinne als Gegenbild zur Anthroposophie zu sehen, „verwandt in der Art, nicht im Wesen“
    Finde ich eine zutreffende Analyse. Anthroposophische Institutionen haben einen unerklärlichen Hang zu totalitären (Fr. Glasl nennt das theokratische) Sozialstrukturen.

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