Der Agrarier

Manche Dinge haben sich nun wirklich überlebt, und Äußerungen von Rudolf Steiner und aus seiner Zeit fühlen sich manchmal an wie etwas aus einer sehr, sehr fernen Vergangenheit. Es ist übrigens da auch sehr interessant, einmal die Perspektive von Schülern zu hinterfragen, die noch keinerlei geschichtliches Bewusstsein haben, ja noch nicht einmal eine zeitliche Staffelung, wie sie uns selbstverständlich ist. Für die Schüler so im zehnten Lebensjahr liegen daher die Hippies, das Mittelalter und die Römerzeit ungefähr auf dergleichen Ebene, falls sie nicht gerade aus einem der Elternhäuser stammen, die noch viel gemeinsam lesen und besprechen und nicht im medialen Alles-und-nichts-Wissen angelangt sind. Denn das Alles-und-nichts-Wissen vermittelt nur Punkte und Inseln der Information und weniger die Zusammenhänge und systematischen Entwicklungen.

Aber zurück zu Steiners Zeit. Heute ist der Bauer ein Informatiker, Technokrat, Investor, Chemiker und ein Kenner der internationalen Märkte. Zu Steiners Zeit dagegen gab es zumindest noch Rudimente einer anderen Ära, vor der er ausdrücklich warnte. Ein letztes, tödliches Aufflackern des alten Agrariertums, von dem Steiner spricht, erschien in den Artamanen des Nationalsozialismus. Einen der letzten Vertreter dieses autokratischen und quasi- religiösen Bauern- Mystizismus kennen wir auch in der Person von Friedrich Benesch, der mit Hilfe des nationalsozialistischen Systems im damaligen rumänischen Umkreis eine solche Dorfgemeinschaft mit ihm als unumstrittenen Bauern-Pfarrer installieren wollte.

Rudolf Steiners "Agrarier" findet sich in zwei Stellen in seinem Werk:

"Aus jenem theokratisch-patriarchalischen Element, das seine Wurzeln im Osten hat, kann eigentlich mit einer gewissen Richtigkeit sich nur das herausbilden, was für die Agrarorganisation passend ist. Und so sehen wir eine gewisse Zusammengehörigkeit des Agrarlebens mit dem theokratischen Element."

Rudolf Steiner, 83, S. 216

"Der Agrarier wird heute sehr leicht zum Hasser des Geistes. Weil man ja nicht stehen bleiben kann, ohne die Entwickelung mitzumachen, flieht man den Geist, bleibt man in der Natur drinnen, geht man unter die Natur herunter. Man kommt dann mit denjenigen Dämonen in Beziehung, welche einen wirklich zum Hasser des Geistes machen, und entwickelt dann Weltanschauungsbegriffe, die ganz von ahrimanischer Dämonologie durchzogen sind. Die Agrarier bekommen sehr leicht etwas Brutales."

Rudolf Steiner, GA 176, S. 221

Kommentare

  1. oh die mucken sind noch nicht raus:-( erst dachte ich, es gehörte ein bild zwischen titel udn text, weil da so viel weisser platz war und vorher der bildschimr mit roten kugeln voll, die aber wohl hintergrund sind

    AntwortenLöschen
  2. Blogger läuft wieder. Google hat hinter den Kulissen ziemlich gebastelt und das Blog hier lahm gelegt, aber jetzt sind alle Funktionen wieder verfügbar. Es gibt eine neue Bedieneroberfläche für den Blogger, aber mehr im Grunde auch nicht. Wahrscheinlich sind aber neue Funktionen wie die Verbindung zu Google+ eingebaut worden und werden demnächst frei geschaltet.

    AntwortenLöschen
  3. "Eine kanadische Studie geht dem medizinischen Fachblatt "The Lancet" zufolge davon aus, dass in den vergangenen zehn Jahren in Indien bis zu sechs Millionen weibliche Föten abgetrieben wurden. In Zukunft dürften es noch mehr werden. Indiens Premierminister Manmohan Singh spricht von einer "nationalen Schande" und fordert einen "Kreuzzug zur Rettung der Mädchen"."

    http://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/0,1518,772246,00.html

    Offensichtlich ändert sich die Welt im Osten für die Jugend noch drastischer, wie obiges Zitat verdeutlicht. Der Artikel zeigt, wie ein gewisser Fluch des technischen Fotschritts die Welt gestaltet, nicht nur durch die Zündung von hunderten von Atombomben in den Versuchswerkstätten der Vergangenheit.

    Vielleicht brechen tatsächlich die alten Schriften, wie die Bibel, Bhagavat-Gita usw. weg, auch Steiners schriftliches Werk mag der Vergangenheit angehören. Und doch verdeutlicht das Zitat über die Agrarier, Geisteswissenschaft vermag solche Fragen zu lösen.

    AntwortenLöschen
  4. Viele der Dämonen und Urteile leben bloss im eigenen Kopf

    AntwortenLöschen
  5. "Viele der Dämonen und Urteile leben bloss im eigenen Kopf"

    Lebt Christus "nur" im "Kopf"?!
    Ist er ein Wunschprodukt?! Gibt es "Dämonen"?! Nach Steiner ja, nach Daskalos sind die christlichen Höllenbilder selbstgebastelte "Elementale" und haben eigentlich keine Wirklichkeit, außer die im Kopf, jedoch mit dramatischen nachtodlichen Illusionen.
    Hallo, Individualität ZUL.
    Nachdem Du ein mächtiges Bild entworfen hast, staunte ich, über Deine Kraft. Las noch nie so etwas elementares, wie das Bild mit der Pyramide. Das Bild war nicht auf den Gegner gerichtet, sondern "Protest" gegen Steiner, den Folgen seiner Darstellungen, wie auch jetzt mit den Dämonen der Agrarier.
    Du bist Künstler, noch nie ein solch charakterisierendes Bild gelesen, das in seiner Wirkung eigentlich Gott selbst meint, irgendwie zu recht mit der Gottesvorstellung, welche wir kulturell eingeimpft bekamen.

    Das "Bild" hatte jedoch positive Auswirkung: zwei Nächte später stellte sich der "dekadente" östliche Strom dar, in seiner Lebendigkeit, Hoheit und Richtigkeit in sich. Das Erlebnis hatte zwei Stufen und im Nachtbereich erkannte das Ich-Denken, die Bilder, Emotionen, Erkenntnisse, hängen mit dem von Dir entworfenen Bild zusammen, ein "Fenster" wurde geöffnet.

    Tatsächlich, aus persönlichen Begegnungen, ist die östliche Mystik dekadent, bis in die Körperlichkeit hinein. Staunte nicht schlecht, welche körperliche Strahlkraft indische Gurus, Yogis usw. haben. Ein Sufimeister sagte (persönlich), Inder können leicht eine Erleuchtung erreichen, sie ist aber nicht so tief, wenn sie ein Europäer erzielt. Vorurteil?! Nein, entspricht Steiners Hinweisen und erst kürzlich waren im Fernsehen Bilder zu sehen, wie Westler einem indischen Guru unterwürfig, sich selbst verleugnend, bildlich gesprochen in den Allerwertesten... ...passend zu Deinem Bild.
    Danke für die Erkenntnis, denn so wie die Druiden nach Steiner sich opferten, um dem Christentum Platz zu machen, wird der Sinn der Dekadenz sich in der Zukunft zeigen.

    Es war herrlich anzuschauen, einige Sequenzen sah ich live, wie die Japaner mit ihrem Körperbewußtsein die kopflastigen deutschen Spielerinnen ausspielten, sich zufällig in der 108ten Minuten, der heiligen Zahl, das Tor sich ergab. Da half kein flennen, die "deutsche" Überheblichkeit bekamm "Gott-sei-Danke" eine auf die berühmte sprichwörtliche Schnauze.

    AntwortenLöschen

Kommentar veröffentlichen

Danke für Ihre Mitarbeit im Blog.

Egoistisch am meisten gelesen: