Egoisten

Jahrtausende der Kultur haben Euch verdunkelt, was Ihr seid, haben Euch glauben gemacht, Ihr seiet keine Egoisten, sondern zu Idealisten (»guten Menschen«) berufen. Schüttelt das ab! Suchet nicht die Freiheit, die Euch gerade um Euch selbst bringt, in der »Selbstverleugnung«, sondern suchet EuchSelbst, werdet Egoisten, werde jeder von euch ein allmächtiges Ich. Oder deutlicher: Erkennet Euch nur wieder, erkennet nur, was Ihr wirklich seid, und lasst eure heuchlerischen Bestrebungen fahren, eure törichte Sucht, etwas Anderes zu sein, als Ihr seid. 


Heuchlerisch nenne Ich jene, weil Ihr doch alle diese Jahrtausende Egoisten geblieben seid, aber schlafende, sich selbst betrügende, verrückte Egoisten, Ihr Heautontimorumenen, Ihr Selbstpeiniger. Noch niemals hat eine Religion der Versprechungen und »Verheißungen« entraten können, mögen sie aufs Jenseits oder Diesseits verweisen (»langes Leben« usw.); denn lohnsüchtig ist der Mensch, und »umsonst« tut er nichts. Aber jenes »das Gute um des Guten willen tun« ohne Aussicht auf Belohnung? Als ob nicht auch hier in der Befriedigung, die es gewähren soll, der Lohn enthalten wäre. Also auch die Religion ist auf unsern Egoismus begründet, und sie - beutet ihn aus; berechnet auf unsere Begierden, erstickt sie viele andere um Einer willen. Dies gibt denn die Erscheinung des betrogenen Egoismus, wo Ich nicht Mich befriedige, sondern eine meiner Begierden, z. B. den Glückseligkeitstrieb.
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Max Stirner, Der Einzige und sein Eigentum, Quelle

Kommentare

  1. Dazu passt:

    Jesuit Friedhelm Hengsbach:

    "Unterwürfiges Warten auf Reforminitiativen, die von oben, von den Bischöfen oder der römischen Behörde zugestanden werden, ist für das Kirchenvolk und das Volk Gottes ebenso entwürdigend wie das kollektive Betteln um den Umbau eines autokratischen Kirchenregimes. Aufstehen und selbst den Weg einer Reform an Haupt und Gliedern gehen, das von den Kirchenleitungen auferlegte drückende Joch abschütteln und aufrecht gehen lernen - warum eigentlich nicht eine rebellische Situation in der Kirche? Zivilcourage, passiver Widerstand, offener Protest, Herstellen von Öffentlichkeit in kirchlichen und öffentlichen Medien, gezielte Verletzung jener kirchlichen Regeln, die Menschenrechte verletzen, sowie ziviler Ungehorsam sind seit kurzer Zeit sowohl national als auch international zu Formen friedlicher Rebellion geworden, deren Erfolg noch vor einigen Monaten niemand erwartet hätte. Feudale Strukturen sind brüchig geworden und sogar beseitigt worden. Warum nicht die in der katholischen Kirche? Der Papst kommt, aber niemand geht hin? Die Kommunion in der Papstmesse verweigern aus Solidarität mit denen, die davon ausgeschlossen worden sind? Was spricht dagegen, dass die kirchliche Basis sich selbst organisiert und eine Synode derer einberuft, die im Kirchenvolk, im Volk Gottes reformwillig sind?

    http://kath.net/detail.php?id=32617

    Offensichtlich hat Herr Hengsbach eine Wandlung durchgemacht. Im letzten Morgenmagazin von ARD vertrat er im Livegespräch noch die Ansicht, es gäbe nicht die "reine Bewegung". Er war ein intelligenter Gesprächspartner. Es war wohl ein Experiment des WDR, da weder er noch ich wußten, daß wir live vor der Kamera ein Gespräch führen sollten. Das Gute bei solchen Liveübertragungen ist, eine Zensur findet nicht statt :-)

    Sprach damals den Satz:

    "Die Religionen sind am Ende"

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  2. Lieber Ernst Seler,

    vor Kurzem habe ich erst gelesen, es sind ca 5 - 10 % innerhalb einer Gruppe, die fähig sind ein neues Bewusstsein zu tragen. Diese Anzahl reicht aber auch aus, um eine Gruppe zum "Umschwingen" zu bringen.
    Ich meine nur, ich hoffe du überschätzt nicht die Menschen

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  3. "vor Kurzem habe ich erst gelesen, es sind ca 5 - 10 % innerhalb einer Gruppe, die fähig sind ein neues Bewusstsein zu tragen."

    Liebe Individualität hinter AUI,

    danke für Deine Zeilen, den Hinweis.
    Wir sind hier eigentlich keine Gruppe. Nach Hinweisen des webmasters wird gelesen und besteht die Hoffnung, mancher Satz, manche Idee wird aufgegriffen. Gerade der gestern gefundene Hinweis zu Herrn Hengsbach, den ich 1995 traf, zeigt, wie auf Dauer sich Menschen in ihrem Bewußtsein ändern können und in diesem Fall auch tun.

    Natürlich wird die Mehrheit der "Gruppe" im Sinne von Menschen, die hier lesen, sich "feindlich" verhalten, wenn sie mit meiner Person in Kontakt kommen. Wohl nicht unbegründet hat einst der Schulrat gesagt, "vielleicht ist Herr Seler seiner Zeit voraus."

    Deine Intervention passt, da ich aus den Erlebnissen der letzten Nacht mich demnächst ganz auf das Werk Steiners konzentrieren werde, nachdem ich durch die Jahre hier so viele Anregungen erhielt. Erhalte diese Woche den e-book-reader, kann in Ruhe und ohne PC die Texte studieren.
    Es sind ja nun die äußeren Ereignisse, Norwegen, England usw., welche dramatisch "Bewußtsein" berühren.

    Liebe Belinda, dachte heute Morgen an Dich, da Du von der Schwingung her ein Mensch bist, der Jeden erst einmal gelten lässt, so wie er ist und nicht gleich mit einer Keule kommt, wie es in Anthroposophenkreisen meistens doch der Fall ist, sei es Ahriman, Luzifer oder Christus.

    Werde vorerst eine letzte Nachtgeschichte erzählen, einleitende Worte.
    Es rang durch die Monate der Rassevorwurf, aber auch die Hinweise Steiners zu Neger, Frankreich usw..
    Jetzt finden Unruhen in London statt, die Weltwirtschaft droht in sich zusammenzubrechen und Religionen geben keine Antworten für die Nöte der Zeit.
    Aus den Angriffen Dritter im Blog, die Alles und Nichts verdrehen wollen, weil sie Geistiges als feindlich erleben, aber auch weil es so viele Angsthasen des Bewußtseins gibt, formte sich in der Nacht eine Antwort.

    Übersetze es: Steiner warnte vor den Afrikanern, weil Stammesbewußtsein nach Europa versetzt Probleme mit sich bringt. Es ist auch das Begehren des Männlichen zur Weißen Frau beteiligt. Nur berühren wir Dinge, die elementare Reaktionen hervorrufen, wird darüber gesprochen. Die "Weiße Frau" erlebt sich angezogen vom männlichen Stammesbewußtsein. Verbindet sie sich, droht sie zu verschwinden, ihr Ich droht sich aufzulösen. Natürlich ist dies alles irgendwie auch geheimnisvoll, da das Männliche des Stammesbewußtseins soz. das Goldene Vlies trägt, als Schurz. Hier zeigten sich Fäden zu der grausamen Tat in Norwegen, den Freimaurern, Rückschlag zu den unterdrückten "Rassen" in London, von den Weißen, aufgestaute Wut durch übermäßige Polizeikontrollen usw..
    Das Weibliche, welches für das Aufwachsen der Kinder zuständig ist, es hat von Anfang an versagt, wurde unterdrückt, da wo der Schulbesuch der Kinder in Europa begann und die Kinder mit Wissen der Frauen, sich dem Symbol beugen mußten, das war ein gewisser Verrat des Weiblichen, welches gegen das Männliche hätte einschreiten müssen!!!

    Gerade der Bewußtseinsumschwung von Herrn Henbsbach, den ich persönlich traf und mit ihm im Fernsehen öffentlich zu dem Thema sprach, gibt mir nachhaltig, mit Freude dies gestern gelesen zu haben, die Gewissheit keine Bemühung ist umsonst, aber mittlerweile wird mir das Denken der meisten Teilnehmer hier zu eng, denn was Herr Niederhausen einst bemängelte, hatte einen berechtigten Aspekt: es wird nicht ernsthaft genug zu und mit den Ideen Steiners hier gerungen.

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  4. " es sind ca 5 - 10 % innerhalb einer Gruppe, die fähig sind ein neues Bewusstsein zu tragen."

    wie ein Nachklang, ein mutiger Lehrer in der Schweiz :-) :

    http://www.nachrichten.ch/detail/503287.htm

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  5. Lieber Ernst,

    deine Worte zu Afrikanern - die Gefahr der Stammes bzw. Gruppen-Ich-Überstülpung in Europa, kann man nachvollziehen, aber man darf sie auf keinen Fall verallgemeinern. Ich erlebe auch ganz Gegenteiliges in der PRAXIS, da ich viel mit afrikanischen Brüdern und Schwestern zu tun habe und hatte. Davon mal abgesehen - ich erlebe die Gruppenhaftigkeit (Stammesgebahren)auch bei den Deutschen, z.B. über Familienzwänge oder diverse Vereinsmeiereien etc. Wir Europäer sind ebenfalls noch längst nicht so frei wie wir es vielleicht gerne hätten, deswegen ist hier auch ein natürlicher Anziehungspunkt zu Gruppen anderer Nationen, es darf als Spiegel benutzt werden und als Ansporn gegenseitiger Hilfe und Befreiung.

    Ich erlebe auch, wie gerade Afrikaner sich teils viel intensiver von den Gruppen und Familienzwängen vereinnahmt fühlen ("Stämme" wie früher gibt es da gar nicht mehr) und damit zu kämpfen haben...Aber auch erlebt man, wie sie ihre Familien von Deutschland aus mit ihrem allerletzten Hemde versorgen, was ich sehr bewundernswert finde...

    Meine afrikanischen Bekannten und Freunde sind ansonsten ganz normale Mitbürger - wollen hier einfach nur leben und in Ruhe arbeiten (hergetrieben durch pure Not in Afrika). Z.B. mein Arbeitskollege Kassim aus Kenia oder Samuel aus Ghana, mit dem ich zusammenarbeite für das Projekt Ayalolo (Hilfe f. obdachlose Kinder in Ghana). Kassim erzählt mir hin und wieder, wie schwierig seine Familienverhältnisse in Kenia sind und wie auch dort alles am Gären und teils am Auseinanderbrechen ist. Oder wie gerade in Kenia teils noch mit heftigstem Voodoo-Zauber rumhantiert wird (in Ghana ist sowas z.B. kaum noch)und wie er sich losgerissen hat davon und hier nun in Deutschland eine neue Existenz aufbauen will (und das auch tatkräftig und fleißig in unserer Firma macht...lediglich seinen behinderten Bruder unterstützt er noch finanziell, über einen Freund vor Ort in Kenia). Er ist mit einer sehr lieben deutsch-kenianischen Frau verheiratet, die hier studiert hat und nun als Lehrerin tätig ist in einer Behindertenschule. Also, die Integration bzw. das Leben vieler Ausländer, findet hier in Deutschland auch noch ganz 'normal' statt...ich könnte dir noch viele weitere Beispiele nennen aus PERSÖNLICHER Erfahrung und Erlebnissen heraus, da ist null, nix von Theorie..

    Also, die Gefahr sehe ich darin, dass wir Schlüsse ziehen, die einfach pauschal sind. Dass wir nicht mehr unbefangen hinschauen, unbefangen an unsere Mitmenschen herangehen, menschlich in Kontakt bleiben eben...unsere Verantwortung ist diesbezügl. immens..

    LG

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  6. Kleiner Nachtrag: Und neben Unbefangenheit, sollte natürlich auch noch die Differenzierung hinzukommen.

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  7. Lieber Steffen,

    "Also, die Gefahr sehe ich darin, dass wir Schlüsse ziehen, die einfach pauschal sind. Dass wir nicht mehr unbefangen hinschauen, unbefangen an unsere Mitmenschen herangehen, menschlich in Kontakt bleiben eben...unsere Verantwortung ist diesbezügl. immens.."

    Selbstverständlich kann nicht "pauschal" das Einzelschicksal betrachtet werden.
    Das von mir Geschriebene sind "übersetzte" Bilder, wobei Schicksalszusammenhänge zu den Vorgängen in Norwegen, London sich zeigten. Mir persönlich wurde klar, welche "Gefahren" Steiner vor über 100 Jahren sah, wegen Frankreich.

    Allgemein ergänzend:

    "Rosa Mira - Die Weltrose" von Daniil Andrejew 1 u. 2 ermöglichen Hintergründe der Geschichte noch umfassender, persönlicher wahrzunehmen, als es Rudolf Steiner tat. Die Dramatik, Leidenschaft, die Suche der Menschen wird plastisch dargestellt, vor allem unter dem Gesichtspunkte des russischen Volkes. Es geht aber um die Geschichte Europas, Schicksale von Staatsmännern, des Adels, der Künstler.

    Mir ging es darum, nach einem mail-Kontakt mit Herrn Zander, dessen Bemühen Rudolf Steiner öffentlich als bloßen Phantasten hinzustellen, zu begegnen. Er hat letztlich als katholischer Theologe seine Schriften verfasst und ist, was er zugibt, gar nicht umfassend in das schriftliche Werk Steiners eingetreten. Wenn nun sogar Anthroposophen (Holland) glauben, Steiner sei rassistischen Gedankengutes überführt, gilt es Steiners Gedanken in der Akasha-Ebene zu erkennen.
    Das Erlebnis mit dem Stammes-Bewußtsein als Gefahr für Europa, das verbirgt sich hinter der ehemaligen Muslimin, sie lebt in Frankreich, die den Begriff "Eurabia" prägte. Herr Breiwik hat viele fremde Texte in seine Declaration übernommen.

    "Rosa Mira" ermöglicht umfassend das Wirken der Völker zu erkennen, mehr noch als bei Rudolf Steiner. Man/Frau kann den Inhalt der zwei Bücher auch bloß als Phantasterei lesen, es liegt am Individuum, wie es mit solchen Inhalten, wie der Geisteswissenschaft umgeht.

    Für mich persönlich entstand Erstaunen, wie das "Weibliche" eigentlich Schuld der Versäumnis auf sich lud, weil es das "Männliche" in der Erziehung in den Schulen nicht einschränkte. Es sind solch "geschenkte" Hintergrundwahrheiten, welche das Leben erst wertvoll machen. Natürlich sind die ganz normalen Lebensbeziehungen für Jeden ebenso wertvoll und erstrebenswert.... .

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  8. "Dies gibt denn die Erscheinung des betrogenen Egoismus, wo Ich nicht Mich befriedige, sondern eine meiner Begierden, z. B. den Glückseligkeitstrieb."

    Und wenn der "Egoist" sich im Sinne Stirners befriedigt, ist er ebenfalls ein Betrogener, nämlich vor sich Selbst. Ein Ich braucht sich nicht zu befriedigen, es ist befriedet durch sich selbst. Es handelt und schaut sich dabei zu - und es ist gut so!!

    Also ALLE, die auf etwas sich berufen, auch auf sich selbst, wären demgemäss ebenfalls Heuchler in Stirners Sinne und erst recht dann, wenn eine Individualität sich auf Äusserungen einer anderen beruft, z.B. die Stirners. Da befriedigt man nämlich sein kleines Wünschen und Streben.

    Egoist ist in meinen Augen für jenen Sinn, auf den man sich hier beruft, eine fast 100%ig falsche Bezeichnung, allerdings die, für die sie normalerweise genutzt wird, wäre schon die richtige.

    Und was man damit meinen möchte ist ja klar, der Begriff aber ist falsch b(g)esetzt. Wenn man wirklich einen Wert besitzt, Wert ist, machen Setzungen keinen Sinn mehr, bzw. deuten daraufhin, dass man ihn noch nicht erreicht hat.

    Und nur weil Stirner das sagt und Steiner ihn..., man bedenke die Zeit, aus der es stammt, die sollte auch mitreden s(w)ollen. --- !!

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  9. Lieber Manroe,
    danke für diese Erklärung. Ja, man kann schon auf die Welt und sich selbst blicken. Stirner beginnt beim Egoismus, und blickt in seinem Buch dann auf die gesellschaftlichen Phämomene oder die Gesellschaft selbst. Dadurch ist er ja da, wo Steiner in seinem Buch "Die Metamorphosen des Seelenleben" andeutet, dejenige Egoist sei ihm der wünschenswerteste, der seine Glücksseligkeit daraus bezieht, andere glücklich zu machen.

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  10. Und hier noch ein Text, der zu den Zeilen Max Stirners paßt:

    »Wer nach Idealen von hehrer Größe strebt, der tut es, weil sie der Inhalt seines Wesens sind, und die Verwirklichung wird ihm ein Genuß sein, gegen den die Lust, welche die Armseligkeit aus der Befriedigung der alltäglichen Triebe zieht, eine Kleinigkeit ist. Idealisten schwelgen geistig bei der Umsetzung ihrer Ideale in Wirklichkeit.
    Wer die Lust an der Befriedigung des menschlichen Begehrens ausrotten will, muß den Menschen erst zum Sklaven machen, der nicht handelt, weil er will, sondern nur, weil er soll. Denn die Erreichung des Gewollten macht Lust. Was man das Gute nennt, ist nicht das, was der Mensch soll, sondern das, was er will, wenn er die volle wahre Menschennatur zur Entfaltung bringt. Wer dies nicht anerkennt, der muß dem Menschen erst das austreiben, was er will, und ihm dann von außen das vorschreiben lassen, was er seinem Wollen zum Inhalt zu geben hat.«


    Rudolf Steiner: Philosophie der Freiheit, Kapitel XIII: Der Wert des Lebens (Optimismus und Pessimismus)

    Herzlichen Gruß!
    Ingrid

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  11. Die Stelle von Steiner beglückt mich und ich unterschreibe sie aus tiefstem Herzen und tiefster Überzeugung. Aber steht da nicht, fasste man es zusammen, dass man in seinem Handeln sich selbst treu sein sollte und es auch bleiben sollte, also WIRKLICHES Selbstbewusstsein sein und vertreten, dem folgen, was in mir pulst, mich, mein Selbst begleitend in möglichst permanenter Selbstbeobachtung von sich selbst lernend, an sich selbst wachsend durch sich selbst, im Austausch mit anderen in diesem Sinne?

    Wäre Egoist hier wirklich der passende Ausdruck? Der läuft doch in die genau entgegengesetzte Richtung! Also ich habe zumindest besagten Begriff immer in diesem Sinne verstanden. Den Begriff, so wie er da steht und nicht das, was man da gerne mit verbunden wissen will.

    Wenn ich anwendend denke, was Stirner da sagt, unter diesem Begriff, dann läuft er in die falsche Richtung, wenn ich mal hinwegnehme, dass er es als eine große "Kampfansage" meint, die wachrütteln will, aber folgen würde ich ihm nicht, sondern Steiner -- in dem in mir in diesem Sinne als anwesend und vorhanden zu Bemerkendem -- und DER, hat was anderes gesagt. Seine diesbezügliche Schrift lautet doch entsprechend.
    Stirner appelliert ans Befreiende, Steiner ans aus Umsicht und Erkenntnis erworbene Befreite, das ist der gewaltige Unterschied.
    ----

    "Schüttelt das ab! Suchet nicht die Freiheit, die Euch gerade um Euch selbst bringt, in der »Selbstverleugnung«, sondern suchet Euch Selbst, werdet Egoisten, werde jeder von euch ein allmächtiges Ich."

    "Sucht Euch selbst, werdet Egoisten".

    Werdet Egoisten steht da.

    Ich stell mir vor, ich könntest wie auf dem Jahrmarkt (Autoscooter) in einen anderen Körper schlüpfen, ausgestattet mit der Energie und dem "Programm" oder der Gesinnung eines "Egoisten" und vier solcher just bestiegenen "Körper" würden gleichzeitig aktiviert. Schau ich mir das mal von Aussen an, ich würde da möglichst schnell eingreifen wollen, "Heyhey, SO war das nicht gemeint!!!" oder so ähnlich. Aber vielleicht reicht es ja auch aus, die aktuellen Nachrichten sich anzuschauen mit der sogenannten Finanzkrise. Die "Finanzkrise" ist doch komplett unschuldig, sie führt doch lediglich aus, was man in sie hineinlegt, hineingelegt hat, DA wirkt Egoismus!

    Egoisten tragen Scheuklappen, um das Gefühl einer konzentrierteren Ausrichtung ihres Willens zu spüren, die, im Sinne Steiners wären umsichtig, weil sie wissen, dass sie nicht allein sind.

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  12. Lieber manroe,

    also, ich hab mich nicht näher mit Max Stirner beschäftigt, aber wenn ich das nehme, was er hier sagt:

    »suchet Euch Selbst, werdet Egoisten, werde jeder von euch ein allmächtiges Ich. Oder deutlicher: Erkennet Euch nur wieder, erkennet nur, was Ihr wirklich seid, ...«

    dann bin ich versucht, zu sagen:
    Aber steht da nicht, fasste man es zusammen, dass man in seinem Handeln sich selbst treu sein sollte und es auch bleiben sollte, also WIRKLICHES Selbstbewusstsein sein und vertreten, dem folgen, was in mir pulst, mich, mein Selbst begleitend in möglichst permanenter Selbstbeobachtung von sich selbst lernend, an sich selbst wachsend durch sich selbst, im Austausch mit anderen in diesem Sinne?

    Mir jedenfalls ist nicht recht klar, wieso Du das bei Steiner so ganz anders liest als bei Stirner.
    Nur wegen des Wortes „Egoisten“ und allem, was Du gewohnt bist, mit diesem Begriff zu verbinden? Du sprichst von dem „Begriff, so wie er da steht und nicht das, was man da gerne mit verbunden wissen will.“ --- nun, der Begriff steht ja bei Stirner nicht für sich allein, sondern in einem Zusammenhang. Und erst der kann verdeutlichen, was Stirner damit sagen will.

    Das lateinische Wörtlein ego bedeutet ja ursprünglich nichts anderes als ich.
    Die „Scheuklappen“, von denen Du sprichst, haben damit zunächst nicht das geringste zu tun.
    Und Stirner scheint, ebenso wie Steiner, Vertrauen zu haben zu dem sich selbst erkennenden »allmächtigen Ich« oder, wie es bei Steiner heißt, zu jedem Menschen, der »die volle wahre Menschennatur zur Entfaltung bringt«.

    In den Worten Rudolf Steiners:
    »Max Stirner ... hat mit einer hellen Fackel in ein Gebiet geleuchtet, ... wohin weder unsere Sinne noch unser abstraktes Denken dringen können. Er hat in ein Gebiet geleuchet, wo wir das Höchste, das es für den Menschen gibt, nicht bloß sinnlich wahrnehmen, nicht bloß begrifflich denken, wo wir es unmittelbar individuell erleben. In der Welt unseres Ich geht uns das Wesen der Dinge auf, weil wir hier in einer Sache darinnen stehen. ... Alles Denken führt nur bis zu dem Punkt, wo das Erleben des Innern anfangen muß. Es deutet auf das Ich; aber es drückt es nicht aus.« (GA 32)

    :-) Lieber manroe, wenn Du wirklich eine solche Aversion gegen „Egoisten“ hast, dann frage ich mich schon, warum Du immer wieder gerade auf dieser website hier zu finden bist (worüber ich mich freue; bitte nicht als „Vertreibungsversuch“ mißverstehen!!!)... :-)

    Herzlichen Gruß,

    Ingrid

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  13. Ich habe keine Aversion gegen "Egoisten", allerdings gegen Egoisten. Und wie hält man die auseinander? Mit dem gleichen Begrif? Und ich fühle mich hier wohl, ich denke das kann man merken. Ich habe nur gesagt, was ich hier gesagt habe und ich denke schon, dass es klar ist, was ich damit gesagt habe. Und ich will hier auch niemanden "anmachen" sondern einfach nur klar denken. Einen sehr schönen part Steiners hast Du da übrigens rausgefischt.

    Und um es abzukürzen, mir ist der Titel Steiners "Ph.d. Freiheit" passender gewählt denn jener, wie er heissen könnte: "Wege zum Egoisten". Und zuguterletzt, ich habe Deine Worte zur Kenntnis genommen, ich hoffe Du die meinen ebenfalls und dann sollte eigentlich alles klar sein. Deine letzten Worte erlebe ich nicht als Vertreibungsversuch.

    Einen ebenfalls herzlichen Gruß
    Manfred

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  14. Lieber Manfred,

    du unterscheidest zwischen "Egoisten" und Egoisten!
    Hihi!

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  15. Lieber manroe,
    „Und ich will hier auch niemanden "anmachen" sondern einfach nur klar denken.“
    :-) Danke - wie schön, daß wir uns da also einig sind.

    Also zuerst einmal: ich finde, wir sollten Max Stirner nicht einen anderen Titel unterstellen als den, den er gewählt hat - schon gar nicht, ohne die ganze Schrift gelesen zu haben, die da heißt: „Der Einzige und sein Eigentum“.

    Aber zu Deiner Frage: „Ich habe keine Aversion gegen "Egoisten", allerdings gegen Egoisten. Und wie hält man die auseinander? Mit dem gleichen Begriff?“
    Ich finde, es läßt sich sehr gut auseinanderhalten, was jeweils gemeint ist, wenn man den Zusammenhang mit-denkt.
    Begriffe sind ja nicht eingefrorene, bis in alle Ewigkeit unveränderliche Gebilde. Auch Rudolf Steiner spricht immer wieder davon, wie wichtig es ist, bewegliche, lebendige Begriffe zu haben und nicht starre, eingeschachtelte...

    Max Stirner geht es in diesem Text darum, sich nicht selbst zu verleugnen, nur weil man ein sogenannter „guter Mensch“ sein will und kein Egoist. Wenn man aus diesem Grund davor zurückscheut, seinen eigenen Willen aufzusuchen und in die Wirklichkeit umzusetzen, geht man in die Irre und wird ein „betrogener Egoist“.
    Denn (ich wiederhole aus meinem ersten Steinerzitat): »Was man das Gute nennt, ist nicht das, was der Mensch soll, sondern das, was er will, wenn er die volle wahre Menschennatur zur Entfaltung bringt.«

    Naja - und einen Menschen, der sich nicht darum kümmert, was er „soll“ bzw was andere von ihm fordern, sondern der das tut, was er selber will - den nennt man halt gemeinhin einen Egoisten. Und schreit dann gern „Pfui, Egoist!“ - und kommt so schließlich dazu, wovor sowohl Stirner als auch Steiner warnen, nämlich: »dem Menschen erst das aus[zu]treiben, was er will, und ihm dann von außen das vorschreiben [zu] lassen, was er seinem Wollen zum Inhalt zu geben hat.«

    So, nun aber genug der Exegese! :-)

    Herzlichen Gruß,
    Ingrid

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  16. Liebe Ingrid,
    so habe ich es an sich auch gemeint. Jeder Begriff hat eben auch seinen Schatten, eine Bedeutung, deren Inhalt nicht zur Ursprungsintention gehört, sich aber doch mitentwickelt hat.
    Nun kann man sich unterhalten, welches der wahre Egoist ist. Der Begriff ist ja an sich weder positiv noch negativ, man impliziert eben so vieles damit. Steiner und Stirner rufen dazu auf, davon Abstand zu nehmen, und ganz unbefangen zu sein. Ich verbinde den Begriff übrigens noch mit nichts Konkretem, wie einer Idee, wie Gemeinschaft dann aufgebaut sein sollte, oder wie ich mich der Schöpfung gegenüberstellen soll als jemand, der ganz aus sich handelt.

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  17. Der Einzige und sein Eigentum, das erinnert ein wenig an den biblischen Aufruf: macht euch die Schöpfung untertan... Was eher wörtlich denn herrschaftlich zu verstehen ist... Dazu braucht man aber das geistige Werkzeug, zu verstehen...

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  18. Lieber Ernst,

    „Liebe Belinda, dachte heute Morgen an Dich, da Du von der Schwingung her ein Mensch bist, der Jeden erst einmal gelten lässt, so wie er ist…“

    danke für Deine Einschätzung, Einfühlung meiner Person…:) Ich lege die Betonung auf: „erst einmal gelten lässt“…

    Ich habe das erst heute gelesen, weil ich voll berufstätig bin, oft 12 und mehr Stunden ausser Haus bin, ganzen Tag am PC arbeite (meine Augen leiden darunter aber ich mag meine Arbeit) und somit wenig Zeit habe und deshalb schaue ich in meinen privaten PC ca. einmal die Woche rein (ausser in Urlaub oder… ). Und das ist jetzt…:):):)
    Und ich freue mich immer bei Michael (Egoistenblog) rein zu schauen. Ich bin immer auf der Suche nach geisteswissenschaftlichen (ganzheitlichen) Erklärungen und Zusammenhängen, wenn z. B. so etwas passiert wie in London, Schweden oder Afrika.
    Denn die rein weltlich-intellektuelle (einseitige) Erklärungen höre und sehe ich ja dauernd im Radio und Fernsehen…
    Gelegentlich finde ich das was ich suche:):)

    Danke für Deine ausführlichen Kommentare…

    Herzliche Grüße aus Hamburg

    Belinda

    PS. Schlusslicht: Bis ich Zeit finde hier etwas zu schreiben, sind alle anderen schon weiter gegangen…:)

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