Gardinenpredigt von Doktor Steiner

"Und das eigentliche Übel unserer Zeit liegt nicht darin, dass die Menschen nicht übersinnliche Erfahrungen haben. Übersinnliche Erfahrungen könnten die Menschen genug haben, wenn sie sie nur haben wollten; die sind da.

Man wendet nur den gesunden Menschenverstand nicht an, um zu ihnen zu kommen. Was heute fehlt, das ist gerade die Anwendung des gesunden Menschenverstandes. Womit es am schlechtesten bestellt ist in der Gegenwart, das ist nicht etwa die übersinnliche Erfahrung, womit es am schlechtesten in der Gegenwart bestellt ist, das ist die gesunde Logik, das ist wirklich gesundes Denken, das ist vor allen Dingen auch die Kraft der Wahrhaftigkeit.

In dem Augenblick, wo Unwahrhaftigkeit sich geltend macht, schmelzen die übersinnlichen Erfahrungen ab, da kommen die Menschen nicht zu einem Verständnis der übersinnlichen Erfahrungen. Das wollen die Menschen nur immer nicht glauben. Es ist aber doch so.

Die erste Anforderung, um überhaupt mit der übersinnlichen Welt zurecht zu kommen, ist die, daß man die peinlichste Wahrhaftigkeit mit Bezug auf die sinnlichen Erfahrungen anwendet. Wer es mit den sinnlichen Erfahrungen nicht genau nimmt, der kann nie zur richtigen Erfassung der übersinnlichen Welt kommen. Wer aber die Menschheit heute beobachtet, wie sie umgeht mit der sinnenfälligen Wahrheit, der wird natürlich zu dem allertrübsten Bilde kommen.

Denn eigentlich handelt es sich den meisten Menschen heute gar nicht darum, irgend etwas, was sie erlebt haben, so zu formulieren, daß die Formulierung ein Abbild desjenigen ist, was sie erlebt haben, sondern es handelt sich für die Menschen darum, die Dinge so zu formulieren, wie sie sie haben wollen, wie es ihnen bequem ist. Man kann nicht auf der einen Seite die Wahrheit «frisieren» und auf der anderen Seite übersinnliche Angelegenheiten verstehen wollen."

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Rudolf Steiner, GA 196, S.92f

Kommentare

  1. Mein Reden ;-) dennoch sollte man sich nicht von vornherein davor verschließen, auch von anderen Menschen...Auch gibt es im Menschen durchaus einen intuitiven Wahrheitssinn, geschärfte Sinne usw. - das kann man üben bzw. es fällt einem irgendwann zu, durch Erfahrung und Menschenkenntnis....Ansonsten - da haben wirs wieder mit dem Prüfen ;-))

    LG

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  2. Lieber Steffen,

    "... dennoch sollte man sich nicht von vornherein davor verschließen, auch von anderen Menschen..."

    Ich muß gestehen, das wird mir nicht recht klar. Wovor, meinst Du, "sollte man sich nicht von vornherein verschließen"?

    Herzlichen Gruß,
    Ingrid

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  3. Liebe Ingrid, entschuldige, das kann man auch gar nicht verstehen, ist totaler Blödsinn geworden...ich habe nämlich den Beitrag VOR der Durchsicht aus Versehen abgeschickt, wollte eigentlich 'Vorschau' anklicken ;-))

    Es sollte heißen:

    "Dennoch sollte man nicht von vornherein hellsichtige oder sensitive Menschen ablehnen oder ausschließen"

    Ich persönlich behalte diese für mich sehr wichtigen Sätze Steiners, immer im Hintergrund, möchte aber nun nicht in eine Art Voreingenommenheits-Falle tappsen...ich kenne einige Hellsichtige und feinfühlige Menschen (Nicht-Anthroposophen meine ich jetzt), die ganz normal im Alltag stehen und nicht den Eindruck erwecken, als seien sie nun irgendwie überdreht usw. (finde es auch hochinteressant, so etwas zu erleben) ... Trotzdem hab ich immer so ein Hab-acht - vor allem dann, wenn es um persönliche Beratung oder Heilungen geht ...

    LG

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  4. Übrigens, ich sage auch Danke! :-)

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  5. Hab noch einen von mir gespeicherten Beitrag gefunden, ein Gespräch mit dem ehemals hellsichtigen Anthroposophen, Herbert Vetter. Leider kann ich seine Biografie nicht wiederfinden, wo Erlebnisse seines Schulungsweges bzw. das 'Verlernen' seiner alten Hellsicht geschildert werden - ganz interessant, finde ich:

    http://www.wahrheitssuche.org/geistheilen.html

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  6. Steffen! Du bist ein Chaot! Herrjee! :-))
    LG; mischa butty

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  7. Micha, ja! :-)

    Herr(Jee), ich gelobe Besserung! LGrrrrrr ;-))

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  8. Schöne Gardinenpredigt.
    Ich finde, da ist für jede/n von uns etwas drinnen.

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