"Man kann Europa nicht einfach beschließen"

Kurt Scheel, ehemaliger Redakteur und Herausgeber des "Merkur" in einem Interview bei der TAZ:
"Die offizielle Politik aller Bundesregierungen war immer: Wir brauchen mehr Europa. Ich halte das für totalen Quatsch. Der Merkur hat in dieser Hinsicht eine sehr kluge Position vertreten. Wir waren ja nie Fahnenschwenker für irgendeine Sache, auch nicht für die der EU. Unser großer Helfer und Berater war Ralf Dahrendorf, der zu Zeiten, als europakritische Töne von Linken, auch von unserem früheren Autor Jürgen Habermas, als nationalistisch denunziert werden konnten, genau diese vertrat.
(...)
Das zentrale intellektuelle Monitum von Dahrendorf war: Die EU ist keine demokratische Institution. Brüssel ist hauptsächlich ein Verwaltungsapparat. Das könnte man nur ändern, wenn man die Vereinigten Staaten von Europa herstellt.
(...)
Wenn in einem Nationalstaat wie Deutschland der Länderfinanzausgleich zwischen Baden-Württemberg und Bremen nicht funktioniert, sozusagen kriegerische Emotionen hervorruft - wie kann das dann zwischen Finnland und Portugal funktionieren? Die Rhetorik zu Europa serviert dauernd Sollens-, keine Seinsvorstellungen. Diese verzweifelte, unpolitische Rede im Stil von Seien-wir-alle-lieb-rücken-wir-alle-enger-zusammen, ist Unfug. Man kann Europa nicht einfach beschließen."

Kommentare

  1. Doch Ihr seid Europa! Rudi Carell sang am Grenzbaum und auf den europäischen Camingplätzen wurde intereuropäisch geschnakselt. Und man war heilfroh als man nicht alle paar Kilometer Geld wechseln musste, wenn man in den Urlaub fuhr. Jetzt gehts weiter Europa wird die Vereinigte Staaten Europas. Der Unterschied zwischen Österreich und Djermanistan ist doch auch nicht viel grösser als der zwischen Iowa und Idaho. Und das bisschen Geld was Euch Djermanistanis für die Griechenlandhilfe abgezwackt wird, dafür gibt Euch Kostas einen extra Ouso im Restaurant Akropolis.
    Ihr habt Europa schon längst beschlossen gelebt und verwaltet jetzt nicht kneifen. Das schafft Ihr schon!
    Und wenn nicht kommt zu uns nach Uribistan hier wohnen die letzten liberalen Bärentöter der Menschheit!
    Euer
    Herrmann Finkelsteen

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  2. Echt, Ihr habt die letzten Liberalen aufgenommen, die ganze Schrumpf-FDP? Das wird aber anstrengend bei Euch.

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  3. Die FDP sind keine Liberale. Das ist eine Spasspartei. Ein Abgeordneter der Piratenpartei meinte in einem Interview:
    http://youtu.be/BcS3tPrU9kE
    " Wir haben Spass aber wir sind keine Spasspartei wie die FDP."
    Und wir in Uribistan sind wahre vielleicht die letzten wahren Liberalen.
    Einen Gruss an Euch schwer gebeutelten Europäer!
    Herrmann Finkelsteen

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  4. Man kann Europa nicht einfach beschließen. Als junger Mensch las ich gene Roth, Schnitzler, Stefan Zweig, “Erasmus von Rotterdam” fällt mir da spontan ein. Vor allem Stefan Zweigs Traum von Humanismus und Kosmopolitismus ist mir bis heute tief in Erinnerung geblieben.
    Was kam dann? Menschenverachtender Kommunismus und ebensolcher Kapitalismus. Einer im Kleid von “Sozialismus” der andere im Kleide der “Demokratie”. Der eine klar gescheitert (es gibt Quellen, die sprechen von 80 Mio Ermordeten), der andere losgelöst von aller Vernunft, egoistische Ziele vefolgend und Demokratie unterhöhlend, hinterläßt weltweit seine Metastasen.
    Kapitalismus, finde ich, ist einfach schwerer zu entlarven, weil er auch positive Elemente mit sich bringt und es uns “scheinbar” so gut geht.
    EU war für mich eine Enttäuschung, weil ich erkannt habe, dass es hierbei nicht um die Umsetzung eines humanistischen Gedankens ging, sondern primär um die Schaffung neuer Märkte.
    Humanismus und Kosmopolitismus wären für mich das Herzstück eines Vereinten Europas. Das kann man nicht beschließen, das müßte auch innerlich mitwachsen.

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  5. Liebes Europa Ihr müsst jetzt zusammenstehen so wie die Vereinigten Staaten von America nach dem 11. September 2011, sonst verkaufen die Griechen ihr gesamtes Land an China und machen gemeinsame Sache mit den Chinesen und kaufen bald den Kölner Dom auf!
    Passt auf Helft Griechenland uneingeschränkt. Europa lebt noch!
    Euer mitfühlender
    herrmann Finkelsteen

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  6. Erst kam Afrika, dann Amerika nun kommt Europa dran und dann kann endlich auch unser Marktamt nix mehr gegen chinesische 100jährige Enteneier, die ich bisher vermissen mußte, einwenden.
    Kennt wer eine böse Stelle über die Chinesen bei Steiner?
    Liesel

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  7. Kein Humanismus – dann wenigstens Enteneier.
    Eine böse Stelle über die Chinesen bei Steiner? (etwas überzeichnet von mir) : Die fahren
    dann alle im Kreis, im Mittelmeer - mit den Schiffen natürlich. Autos können sie sicherlich nicht bauen. ;-)
    Gestern habe ich einen Dokumentarfilm vom - persönlich anwesenden - tunesischen Regisseur Maurad Ben Chek über die Revolution in Tunesien gesehen. Titel: No more fear. Er hat viele Szenen des Aufstandes mitgefilmt. Die Aufnahmen gingen sehr unter die Haut. Begriffe wie “Jasminrevolution” oder “Arabischer Frühlung”, meint der Regisseur, seien Bezeichnungen der westlichen Welt, kein Araber wolle das hören. Diese Bezeichnungen würden als nicht adäquat für den enormen, existenziellen Kampf um das Recht von Freiheit und Individualität empfunden.
    Die große Aufgabe sei nun, eine wirkliche Demokratie aufzubauen. Am europäischen Modell möchte man/frau sich nicht orientieren, da laufe viel zu viel schief.

    Liesl, hättest Du nicht ein gutes Omlett-Rezept (Eierspeis) für Hermann?

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  8. Das 100-jährige Entenei (es gibt auch euopäische Techniken der Konservierung, aber in China werden die Eier in Stroh und Lehm eingepackt, so halten sie jahrelang, das Eiweiß geliert dann, der Dotter verfärbt sich dunkel, das ganze riecht streng) hackt man fein und gibt es auf Glalnudeln mit Butter und etwas Sojasauce. Enteneier enthalten manchmal Tuberkel, deswegen sind sie bei uns nicht im Verkauf.
    Einfache Chinesen sind sehr selbstkritisch, zu großer Introspektion befähigt und auch sehr humorvoll. Insofern sind chinoiserien nicht zu fürchten :--)
    Liesel

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  9. Zu der Situation in den arabischen Ländern habe ich vor kurzem auf der GLOBArt Academy in Krems eine sehr interessante Stunde mit dem deutsch-ägyptischen ORF-Korrespondenten Karim Al-Gawhary erlebt. Vor kurzem ist sein Tagebuch der Arabischen Reolution erschienen.
    Sowohl seinen Vortrag als auch das Interview mit Michael Kerbler, und zusätzlich noch ein Interview mit der Korrespondentin des mongolischen Rundfunks in Österreich, kann man inzwischen online ansehen.
    Al-Gawhary stellt durchaus die interessante Frage, ob sich das "Arabische Modell" auch in Europa anwenden ließe...

    Der von mir angegebene link führt unter anderem auch noch zum Festvortrag von Auma Obama, einem Vortrag des Zen-Lehrers und "Leadership-Trainers" Marc Lesser, einem Interview mit Götz Werner und (sehr zu empfehlen!) einem Vortrag des Anthroposophen und EU-Abgeordneten der deutschen Grünen, Gerald Häfner.
    Es kommen laufend neue Videos der mitgefilmten Veranstaltungen dazu.

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  10. Tagebuch der Arabischen Revolution, muß es natürlich heißen. Da ist mir ein v verlorengegangen.
    i.

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  11. Liebe Liesel, ja, es gibt solche negativen Bemerkungen über Chinesen, vor allem über deren (europäische) Reinkarnationen.

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  12. Liebe Liesel,
    danke für deinen kosmopolitischen Beitrag!
    Kommst du aus dem Schwarzwald, dem bayerischem- oder dem Wienerwald?

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  13. ..und auch Dank dir, Ingrid, du bist wirklich ein Vernetzungsgenie, versorgst uns immer wieder mit interessanten links. Ich wüßte nicht einmal wie das geht.

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  14. Chinesen und europäische Reinkarnation?
    Du meinst, dass die Politik die Werte der Demokratie in den Rachen der Finanz- und Bankwelt geworfen hat, ist die Schuld der in Europa reinkarnierten Chinesen?
    Bitte um Aufklärung!

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  15. "Du meinst, dass die Politik die Werte der Demokratie in den Rachen der Finanz- und Bankwelt geworfen hat, ist die Schuld der in Europa reinkarnierten Chinesen?"

    Auf jeden Fall ist das so, die Chinesen sind selbstverständlich zu einem großen Teil an der Finanzkrise schuld (nicht, wie bisher gedacht, neoliberale Politiker, Hedgefonds und Investmentbanker) allerdings darf man die Rolle bzw. Verstrickung des jetzigen Papstes in diese Geschichte auch nicht ganz unterschätzen (Ich forsche gerade mit Hilfe von diversen geisteswissenschaftlichen Methoden, ob das Auftreten J.v. Halles auch zu diesen Ursachen gehört, ich tippe mal ja, genaueres später).lg

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  16. Liebe Freudean, nein, die Finanzkrise kommt natürlich bei Steiner noch nicht vor. Zitate suchen mag ich heute nicht mehr, nur eines hat mir gefallen: "Entweder wird die heutige zivilisierte Menschheit sich dazu bequemen müssen, ein solches selbständiges Geistesleben hinzunehmen, oder die gegenwärtige Zivilisation muß ihrem Untergang entgegengehen und aus den asiatischen Kulturen muß sich etwas Zukünftiges für die Menschheit ergeben." GA 191 S. 211f

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  17. Ich habe jetzt 6500 Seiten Steiner- Lexikon durchsuchen lassen und finde eine (!) kritische Stelle, die ich oben erwähnt hatte- die Sache mit den Reinkarnationen: "Dadurch, daß man die chinesi- schen Leiber «veropiumt» und Generationen erzeugt hat, welche unter dem Einfluß der Opiumkräfte entstanden sind, hat man die Chinesen dazu verurteilt, zum Teil sehr unreife, sehr untergeordnete Seelen, über deren Qualitäten ich nicht sprechen will, in sich aufzunehmen. Dafür aber wurden diejenigen Seelen, die sich selber für chinesische Leiber bestimmt hatten, verhindert, in diese veropiumten Leiber zu ge- hen. Diese wurden nach Europa abgeleitet. Sie sehen daher: ein solches Ereignis auf dem physischen Plan wie der Opiumkrieg, hat sehr wohl seinen geistigen Hintergrund. Er ist nicht nur für das da, wozu er zunächst da war, nämlich, daß sich Leute um Millionen bereichert haben, sondern er ist auch da, um gewisse Seelen, die sonst aus der geistigen Welt zur Verstärkung der europäischen Kulturkräfte in der jetzigen Zeit herabgekommen wären, zu verhindern, sich schon jetzt zu inkarnieren, und dafür chinesische Seelen in europäische Leiber zu praktizieren." GA 173, S. 352f

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  18. lieber Michael,
    danke für das Zitat (wegen der Sucherei fühl ich mich ein bißchen schuldig) das ich (wie meist) nicht recht verstehe.
    liebe(r) freudean,
    Wienerwald (fühle mich ein wenig schuldig wegen meiner Tippfehler)

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  19. Liebe Liesel, ich bin eine liebE (ja natürlich -nicht immer), geboren im Steirerwald.

    Liebe Ingrid,
    ich hab bisher die 2 ersten Videos angeschaut und sag dir nochmals ganz herzlich Dank, dass du diese links gepostet hast.
    Ich finde die Beiträge von Auma Obama und Gerald Häfner über Freiheit und Individualität so bereichernd und erweiternd, dass ich jetzt, hier Aussagen, die wieder ins Beschränkte zurückführen, zur Seite stelle.
    Es bereitet mir Freude und Hoffnung, solche Menschen zu erleben.

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  20. liebe freudean,
    ist für Steirerinnen der Wienerwald nicht so eine Art schütterer Beserlpark, ohne Nadelwald, ohne Farne, ohne Fliegenpilze ?
    Liesel

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  21. Liebe freudean,

    es freut mich sehr, daß diese Videos Dir etwas sagen können. Auch mir ist das Herz aufgegangen und hat sich mit Freude und Hoffnung erfüllt bei manchen der Vorträge in Krems.
    Herzlichen Gruß,
    Ingrid

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  22. Liebe Liesel, Deine Frage kann ich nicht beantworten, ich hab mein Dirndl schon seit einiger Zeit ausgezogen.

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  23. Klare, anthroposophische Gedanken, mit konkretem Bezug zur Wirklichkeit finden sich nicht nur bei Auma Obama, bei Werner Götz sowieso, sie finden sich ganz beeindruckend bei Gerald Häfner.
    Für mich ist der Vortrag angewandte Anthroposophie. Die Herausarbeitung des ökonomisch, sozialen und politischen status quo, die Klarlegung, wie Politik (somit wir) sich in Abhängigkeit eines entkoppelten und entmenschlichten “Geldsystems” befindet - wovon sie sich sMn gar nicht mehr befreien kann, weil ihr dazu im Moment die geistige Kraft fehlt - ist beeindruckend, klar.
    Bei mir kommt an: solange wir die Fakten nicht klar haben, ”hat“ uns das verselbstständigte System, das wir selbst in die Welt gesetzt haben. Wenn wir weiterdämmern, die Fakten nicht klar kriegen und uns von sekundären Ängsten vereinnahmen lassen, fehlt uns die geistige Kraft, um adäquat antworten zu können. Was Häfner hier macht, finde ich, ist, die Voraussetzung schaffen, dass antworten möglich wird.
    Wenn der Gedanke klar wird, wird auch das Gefühl klar und ich hoffe, dass wir da heraus immer fähiger werden zu handeln.
    Was für ein Glück, dass dieser Mensch in der Politik ist.

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  24. Liebe freudean,

    „Was für ein Glück, dass dieser Mensch in der Politik ist.“
    Ja - ganz genau so habe auch ich es empfunden. :-)

    Ich ergreife die Gelegenheit, den link zu korrigieren, den ich weiter oben angegeben habe. Wie ich vorhin gesehen habe, wurde die Adresse inzwischen geringfügig verändert und lautet jetzt:

    http://academy11.globart.at/GlobArt_Academy_2011/Videos.html

    Herzlichen Gruß,
    Ingrid

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  25. Liebe Ingrid,
    ein kleines Detail am Rand: ich habe mich sehr gefreut, bei den Interview-Videos Michael Kerbler zu sehen. Ich mag ihn sehr gerne und kannte ihn bisher nur vom Radio, also vom Hören. Jetzt hab ich ihn auch gesehen und mag ihn gleich noch lieber. Ich weiß eigentlich gar nicht so genau warum, aber ich empfinde für diesen Menschen eine große Sympathie.

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