"Spektrum der Wissenschaft" über Zanders Steiner- Biografie

Die Rezension in Spektrum der Wissenschaft startet gleich mit der Feststellung, dass Zander "die Anthroposophen heraus (fordere)"- alleine schon deshalb, weil Steiners Autobiografie in Zanders Augen "eine rückblickende, große Spiritualitätserzählung, (..) eine kunstvoll arrangierte Partitur" sei, wogegen man in Zanders Biografie lesen könne, "wie es wirklich war".

Wie war es denn nun, dieses Leben Steiners?
"Bis dahin zeichnet Zander das Bild eines Mannes, der den Mund gerne zu voll nimmt und sich selbst überschätzt. Anscheinend ist Steiner unglücklich, raucht viel, trinkt und bekommt seinen Alltag nicht in den Griff. Zeitgenossen beschreiben ihn als unnahbar, sogar etwas unheimlich. Immer wieder weist Zander darauf hin, dass Steiner ein fachlicher Stümper sei, der polemische Halbwahrheiten verbreite. Bei seinen ständigen Geldsorgen kommt ihm das Angebot, Vorträge für die Theosophische Gesellschaft zu halten, gerade recht. Nach einer eher atheistischen und materialistischen Phase findet er nun zu einer spirituellen Weltanschauung. "

Das klingt nicht gerade nach einer fairen Einschätzung, noch nicht einmal nach wissenschaftlicher Redlichkeit. Aber auch die Zuhörer(innen) Steiners kommen bei Zander nicht gut weg: "Man erhält den Eindruck, dass Steiner seinen plötzlichen Aufstieg einer Schar gelangweilter Millionärsgattinnen verdanke, die das Geld ihrer Männer für Spinnereien verprassten."
Am Ende sei Steiner ein von den Erwartungen seiner Anhänger Getriebener gewesen. Selbst seine Todesursache sei verschleiert worden, um einen "Heiligen" zu konstituieren. Im Resümee stellt sich Steiner in Zanders Augen so dar: "Steiner habe von nichts eine Ahnung, stelle ohne fundiertes Wissen Behauptungen auf, die er als höhere Einsichten deklariere, und wische jegliche Diskussion mit der Autorität des Sehers als unerleuchtete Kleingeisterei vom Tisch. Seine Erkenntnisse habe er weder durch intensives Studium noch durch intuitive Versenkung gefunden, sondern häufig unvorbereitet aus dem Stegreif erfunden oder von anderen abgekupfert. Einige seiner Thesen habe er nachträglich ins Gegenteil verkehrt, womit er sich flexibler gezeigt habe als einige seiner heutigen Anhänger. Zanders hier und da eingestreute Anerkennung von Steiners Werk wirkt eher ironisch, seine mehrfach vorgetragene Erklärung, er wolle lediglich Steiners Leben aus wissenschaftlicher Sicht im Umfeld der damaligen Zeit analysieren, wie ein Beschwichtigungsversuch."

Der Versuch Zanders, Steiner zu diskreditieren und zu demontieren, sei im Grunde eine theologische Hetzschrift, "womit der Historiker Zander sich in den Dienst des Theologen Zander stellt". Damit diskreditiert sich Zander jedoch vor allem selbst: "Es will allerdings nicht zum historisch- wissenschaftlichen Anspruch des Autors passen, dass er ausgesprochen tendenziös schreibt und ein wenig objektives Bild liefert."

Kommentare

  1. Trotzdem reicht es aus, um als "Belohnung" eine Professur zu bekommen...

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  2. Der andere "große" Steiner bzw Anthroposophie- Kritiker, Peter Staudenmaier (USA) hat, wie ich gehört habe, eine Professur an einer jesuitischen Hochschule in den USA erhalten.

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  3. Herrn Zanders "Hochschule" ist doch auch eine jesuitische, oder habe ich die Sache mit dem Schwiizerkrütz falsch verstanden?

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  4. Wie groß muß die Sehnsucht in den Massen sein, die verlorengegangene Religion zu ersetzen! Welche Zeit –!Mittwoch, 7. September 2011 um 20:07:00 MESZ

    dumm gelaufen, wenn "Menschen, die bereit waren, sich verzaubern zu lasse" "einem Betrüger aufgesessen" sind ...

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  5. @ Wie groß muß die Sehnsucht in den Massen sein, die verlorengegangene Religion zu ersetzen! Welche Zeit –!

    GENAU DA bleibt jeder hängen, der nicht wirklich denken kann - und der erst recht der, der es gar nicht lernen will.

    Wie z.B. ein Zander.

    Nüscht für unjuuht, waaah ...

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  6. Rudolf Steiner, der Jesus Christus des kleinen MannesDonnerstag, 8. September 2011 um 14:38:00 MESZ

    @ Anonym

    wie schön, daß Anthroposoph "denken" kann, aber haben Sie auch "gedacht", daß das Kurt Tucholsky sagt:

    http://www.textlog.de/tucholsky-rudolf-steiner.html

    "Rudolf Steiner in Paris

    »Abrakadabra kadibar kadabra –
    Palle – palle! Muff! Muff! Muff!«
    Zauberer in einem Kindertheater

    Rudolf Steiner, der Jesus Christus des kleinen Mannes, ist in Paris gewesen und hat hier einen Vortrag gehalten. Es war eine streng geschlossene Gesellschaft, man hatte mich nicht eingeladen, und so hatte ich Gelegenheit, den Ausführungen Herrn Steiners zu lauschen.
    Mit Paris hatte die Veranstaltung nicht allzuviel zu tun. Sie fand im Saal einer hiesigen wissenschaftlichen Gesellschaft statt, die nur die Räume, nicht die Wissenschaftlichkeit dazu gegeben hatte, und sie war in der Hauptsache von jenem ein wenig internationalen Mischmasch verbogener Menschen besucht, die ihr Manko auf Steiner abgewälzt haben: wenn aber eine den Geliebten nicht bekommen kann, einer gekündigt, einer überhaupt unbefriedigt ist, so ist das noch kein Grund, in der Philosophie umherzuschludern.

    Steiner trat auf. Der erste Eindruck: Klöpfer als Tartuffe. Auch eine gewisse Ähnlichkeit mit Alfred Abel ist da – aber ohne dessen schönes Auge. Im ganzen sieht Steiner aus wie ein aus den Werken Wilhelm Buschs entlaufener Jesuit: Bauernschädel, gefalteter Komödiantenmund, Augen, die sich beim Sprechen nervös schließen und nur manchmal – in ff. Dämonie – die Zuschauer ansehen. Man hatte mir gesagt, dass ganze Nationen diesem Zauber unterliegen.

    Ich habe so etwas von einem unüberzeugten Menschen überhaupt noch nicht gesehen. Die ganze Dauer des Vortrages hindurch ging mir das nicht aus dem Kopf: Aber der glaubt sich ja kein Wort von dem, was er da spricht! (Und da tut er auch recht daran.) ..."

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  7. Nuja, der herumtheoretisierende Tucholsky - muss ja auch mal was sagen dürfen:

    http://www.ktg-minden.de/biographisches/83-tucholskys-kampf-gegen-die-nazis.html

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  8. das Fühlen, das Denken, das Wollen – das »Seelisch-Geistige«, das Sein.Donnerstag, 8. September 2011 um 15:18:00 MESZ

    "Nuja, der herumtheoretisierende Tucholsky ..."

    Aua. Und Anthroposoph redet von "Denken".

    Tucholsky – "Rudolf Steiner in Paris

    ... Wenns mulmig wurde, rettete sich Steiner in diese unendlichen Kopula, über die schon Schopenhauer so wettern konnte: das Fühlen, das Denken, das Wollen – das »Seelisch-Geistige«, das Sein. Je größer der Begriff, desto kleiner bekanntlich sein Inhalt – und er hantierte mit Riesenbegriffen. Man sagt, Herr Steiner sei Autodidakt. Als man dem sehr witzigen Professor Bonhoeffer in Berlin das einmal von einem Kollegen berichtete, sagte er: »Dann hat er einen sehr schlechten Lehrer gehabt –!« ..."

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  9. Ich finde auch, dass Zanders Biografie eine Hetzschrift ist. Und wenn er Steiner einen Betrüger nennt, dann müßte er sich selbst bei der Nase nehmen, weil er durch seine unsachlichen Aussagen selbst zum Betrüger wird. Denn auf Grund seiner Position als Theologe und Historiker führt er Menschen, die sich vielleicht ganz unvoreingenommen über Steiner informieren möchte, durch diese emotionalen Verzerrungen in die Irre. Sachliche Kritik wäre etwas anderes. Tucholsky halte ich ja für weitaus intelligenter, auch wenn ich mit seiner Meinung nicht übereinstimme. Zum Schluß läßt er es wenigstens offen, indem er sagt „... ich weiß es nicht“
    Daß Steiner einen Vortrag in Paris hielt, wundert mich. Ist doch das französische Volk in seinen Augen ein Volk mit verdorbenem Blut und einer Kadaversprache. „Diese Anschauungen,“ meint er „die gehen natürlich aus einer spirituellen Betrachtung der europäischen Geschichte klar hervor.“
    Das ist natürlich auch Irreführung und liegt ganz daneben. Ich frag mich, ob er diese von Ressentiments getragene Aussage vor seinem Vortrag in Paris machte, oder danach.
    Das möchte ich klar kritisieren. Ich weiß auch, dass es viele Anthroposophen gibt, die soetwas glauben und sogar noch versuchen herauszufinden, was der Sinn in diesem Unsinn sein könnte.
    Deshalb find ich es gut, wenn man/frau sich in Dornach langsam von altem Glauben freimacht.
    Dann kann man/frau sich wieder mit Wesentlichem beschäftigen.

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  10. Ja, man sollte Steiner natürlich nicht vergöttern. Andererseits wäre er mir auch suspekt, wenn er nicht ein paar Schattenseiten zeigen würde. Ich weiß nicht, was manche Leute erwarten: Perfektionismus? Ein Leben ohne Schatten? Auf dem Wasser laufen? Ja, lass uns zum Wesentlichen gehen.

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  11. @ Michael Eggert

    "Ich weiß nicht, was manche Leute erwarten: Perfektionismus? ..."

    Ganz großes Textverständnis! Was sagt Kurt Tucholsky in seinem Bericht? Daß Steiner "nicht perfekt ist"? Oder vielleicht doch etwas anderes? Und wen meint er?

    kleine Hilfe - damit meint Tucholsky Sie und die anderen Herrschaften Anthroposophen: "Rudolf Steiner, der Jesus Christus des KLEINEN MANNES, ist in Paris gewesen ..."

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  12. Oh, der KLEINE MANN, und der auch noch GROSS geschrieben. Ja, vielen Dank, nehme ich als Kompliment.

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  13. @ Michael Eggert

    wunderbar, mit ein wenig Seelenpflege versteht Anthroposoph dann doch noch!

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  14. Ich hatte mich gar nicht auf Tucholsky bezogen, aber seis drum: Mein Platz ist bei den Zwergen.

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  15. "Mein Platz ist bei den Zwergen."

    ich habe gerade bei Ansgar Martins gelsen, daß Michael Eggerts Platz bei den "Faschisten" ist. Bei Ansgar Martins gibt es eine Bildunterschrift:

    "Andreas Lichte in "hoffnungsvoller Pose", hundsgemeine Karikatur von Hundsfaschist Michael Eggert."

    wirklich wahr, sehen SIe selbst: http://waldorfblog.wordpress.com/2011/09/09/ode-an-andreas-lichte-–-die-gute-fee-der-anthroposophie-kritik/

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