Dickes Michaeli

"Zu Beginn des Symposions begrüßte Bodo von Plato die Teilnehmer mit dem Hinweis, dass das Michælifest und „Eins-zueins“ zusammen gehören. Michæl sei die Macht, aus der die Gedanken der Dinge erfließen. Mit dem Sieg Michæls über den Drachen begannen andere Zeiten für den Menschen, die Kraft Michæls sei in den Menschen eingezogen. Das Goetheanum sei auch gebaut worden, um dieser Kraft einen Ort zu geben. Michæl warte nun auf Entscheidungen und Tätigkeiten des Menschen."
So berichtet die anthroposophische Nachrichtenagentur NNA von der diesjährigen Dornacher Michaeli- und Einszueins- Tagung- Titel "Das Goetheanum als Kraftort".

Ist das nicht alles ein wenig dick aufgetragen? Angesichts der realen Krisen wie Mitgliederschwund, Einnahmenloch, "Freisetzung" von Mitarbeitern quer durch die Sektionen und Aufgabengebiete des Goetheanums klingt das wie Pfeifen im Walde. Vor allem die Verknüpfung des Michaelischen mit dem Goetheanum als Bau kann doch etwas befremdlich wirken- so, als würde da eine Kathedrale eingeweiht. Gerade aus dem Mund des sonst so moderaten von Plato kommt mir das merkwürdig aus der Zeit gefallen vor. Man muss ja nun mal die Kirche im Dorf lassen. So ein unglaublicher, weit in die Gesellschaft hinein wirkender Thinktank ist das Goetheanum ja nun nicht. Hier entspringen nicht unentwegt Berater für drängende gesellschaftliche, politische und wirtschaftliche Ideen. Nicht einmal so unbedingt für neue spirituelle. Man kann natürlich mit Problemen wie wachsender Bedeutungslosigkeit auch so umgehen, dass man sie einfach überspringt und laut ins spirituelle Horn bläst. Dann sieht keiner so genau hin. Aber ich bezweifle, dass das ein besonders konstruktives Mittel wäre.

Kommentare

  1. Das Leben ist kompliziert.
    Als ich das von dir angeführte Zitat las, dachte ich, das sei ein Witz.
    Dann klickte ich das Link an, um zu den Quellen zu kommen; und wie ich den Text so quer las, dachte ich immer noch: das sei ein Witz.
    Und erst als ich mir das Impressum anschaute und sah, was da für gesetzte Leute damit zu tun haben, begann mir zu dämmern, dass das wohl ernst gemeint ist.
    Aber vielleicht habe ich was übersehen, und es ist doch ein Witz.
    Keine Ahnung.
    Im Boulevardstil klingen die Abenteuer des Michael schon recht eigenartig.... Erst mit dem Zwei zu Eins - Sieg unserer Fußballmannschaft über die Hinterupfinger begannen andere Zeiten usw....

    So isses
    Aber kompliziert isses
    echt!

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  2. Ich finde es nicht kompliziert. Frischer Wind in den Köpfen entsteht da, wo Menschen konstruktiv zusammen wirken. Das ist nicht an Orte gebunden. Alles andere ist PR bzw eine Form der Vereinnahmung. Tut mir leid, wenn dieser alte anthroposophische Dünkel hoch kocht, reagiere ich allergisch.

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  3. Ich hab schon lange nicht mehr in solchen Veröffentlichungen herumgelesen; und es hatte ja auch seine Gründe, dass ich aufgehört hatte, darin herumzulesen.

    War einfach perplex; sowas hätte ich nicht erwartet und dachte zunächst wirklich, det sei ein Witz.

    Wenn es wenigstens frisch aus dem Moment heraus geborener anthroposophischer Dünkel wäre. Doch nicht einmal das schaffen sie noch. Unbeholfes Nachahmen der erstarrten Formen einstigen lebendigen Dünkels; zu mehr reicht es nicht.

    Ob die wohl selbst daran glauben, mit solchem stickigem Gedünstel noch irgendwen vereinnahmen zu können?

    Natürlich entsteht frischer Wind in den Köpfen nur da, wo Menschen konstruktiv zusammenwirken; und deshalb hält, wer Ahnung hat von konstruktivem Zusammenwirken, sich von diesen Zirkeln fern.

    Doch die schaffen es ja nicht einmal mehr, ihr einstiges Nachahmen konstruktiven Zusammenwirkens halbwegs überzeugend nachzuahmen....

    Nee, ich hätte es nicht für möglich gehalten, dass die inzwischen so tief abgesackt sind.

    Mir persönlich kann es ja egal sein, da sie mich auch bei weniger tiefem Abgesacktsein schon nicht mehr interessierten.

    War einfach eine verrückte Überraschung, mit diesem Stand der Dinge konfrontiert zu werden

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  4. … vielleicht doch ein trauriger witz gepaart mit resignation, wenn man bedenkt, dass michael in anthrokreisen als ein bedeutender geist gewürdigt wird, dann kann man bvp auch so verstehen, dass er feststellt: auf uns wartet er, auf uns! aber, warum, wenn es überhaupt so ist, tragen anthros sooft hundert-lagige samthandschuhe im umgang miteinander, oder blanke fäuste? ich werds wohl nie verstehen.

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  5. Ich glaube besagte Anthros leiden darunter alles gut und richtig machen zu wollen.

    Weiterhin scheint ihnen die Vorstellung die sie sich von Michael machen im Wege zu stehen, einem selbstgesetzten Bilde von ihm, dem sie natürlich nie recht werden können. Alles wird falsch und fehlerhaft sein und darüber dann kommt man zu nichts. Sie kennen ihn nicht, aber machen sich dennoch Vorstellungen und setzen jene dann um in dieses bleierne, träge Miteinander, wo man sich kaum zu atmen wagt.

    "...die Kraft Michaels sei in den Menschen eingezogen..."

    Ja nehmt es doch bitte mal ernst und probiert diese Möglichkeiten aus, stellt die Vorstellungen hinter euch, damit ihr freie Sicht habt und euch mal traut.

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  6. Lieber Michael, es ist dick aufgetragen, da stimme ich dir zu. Er war aber noch nie wirklich moderat. Man muss ein wenig bei ihm "zwischen den Zeilen hören". Es bleibt vieles vordergründig.

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  7. Es fällt momentan ziemlich schwer (jedenfalls mir), die Vorgänge im Goetheanum zu verstehen. Vielleicht ist es falsch, einzelne Vorgänge (zum Beispiel den Exodus bzw Rauswurf der erfolgreichen Öffentlichkeitsarbeiter im Archiv durch den Vorstand der Nachlassgesellschaft) im Zusammenhang mit anderen wie diese Worte von Platos zu sehen. Was soll dieses Hauen und Stechen? Ist das ein Ruck zurück in den Elfenbeinturm?

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  8. Also eher Michelin-Männchen statt Michaeli-Kraftort ? ;-))

    Zu erfragen wäre dann ja: Wie könnte denn eine zeitgemäße (oder über-zeitgemäße) Spiritualität und Umgangsart im Goetheanum aussehen ?

    Ich kann aus meiner Findhorn-erfahrung folgendes, positives mitteilen. Dort hat man, neben der vielen praktischen und kreativen Arbeit an und in den Häusern, den Gärten bzw. in der Landwirtschaft sowie den unterschiedlichsten Vortragstätigkeiten und Veranstaltungen, immer den letztendlichen Zusammenhalt und Kraftquell in der Meditationsarbeit, in der Stille gesucht - und meist auch gefunden.

    Gemeinsame Meditationen wurden meines Erachtens klar dem Satz Christi und der spirituellen Welt 'geschuldet': "Wo zwei oder drei in meinem Namen zusammen sind, da bin ich (sind wir) mitten unter euch!"

    Übrigens, in Findhorn lernt man die unterschiedlichsten Leute und 'Ausrichtungen' kennen (unorganisiert): Buddhisten, Hinduisten, Anthroposophen, Heilpraktiker, Homöopathen und Bachblütler, New Age-Leute, Rosenkreuzer, Handwerker, Therapeuten und Psychologen oder einfach nur - Sucher...

    Es ist der Versuch sich in der Gemeinschaft, aber auch individuell, zu unterstützen (einer trage des anderen Last), zu bereichern und vor allem zu respektieren. Der Ausgangspunkt der Gründer hieß, spirituell und praktisch: Liebe, Schönheit, Kreativität. Leider spielt bei aller Liebe auch das Geld immer eine Rolle; was dann auch eine große Herausforderung darstellt, auch nach weiteren Modellen zu suchen..

    Vielleicht könnte man ja auch im Goetheanum die/eine gemeinsame Meditation mehr in den Mittelpunkt rücken, z.B. vor Beginn jeder Tätigkeit und Zusammenkunft (ohne Kitsch und Guru-Allüren), um dann vielleicht doch zu einem lebendigen Kraft -und Erfrischungsort zu werden.

    LG

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  9. Wie gesagt: Dies nur als Frage oder Anregung in den Raum gestellt :-)

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  10. Für Steffen: Wer ist "man", der oder die am Goetheanum eine gemeinsame Meditation in den Mittelpunkt rücken könnte? Das kann dann - wo auch immer - funktionieren unter Menschen, die sich gegenseitig in ihrem Bemühen interessieren und einander wahrnehmen (als solches war das ja auch vom Begründer gemeint: als freie Gemeinschaft frei sich befreiender); ja nu, vielleicht unter helfender Anleitung von Menschen, die sie wahrnehmen und genügend durchblicken, um helfen zu können); aber doch nicht in einem vorgegebenen, programm- und funktionärsgesteuerten System, wo die Menschen nur Füllmaterial sind (als was diese Gesellschaft meines Wissens nicht konzipiert war, zu dem sie aber worden ist).

    Selbst wenn "man" unter den gegebenen Umständen sowas programmatisch organisieren würde (und warum sollte "man" es, des besseren Eindruck halber, nicht machen?) wäre es immer noch gekünstelt.

    Dieses programmatische Desinteresse am eigenen geistigen Bemühen und am Bemühen seiner Mitmenschen färbt ja auch ab. Meiner Erfahrung nach kann man mit Anthropsophen sehr gut "über" Geist reden; aber für konkretes geistiges Bemühen Verständnis oder auch nur Interesse zu finden ist nahezu ausgeschlossen.

    Persönlich, aufgrund gemachter Erfahrungen, betrachte ich das, was sich heute "Anthroposophie" nennt, eher als eine Krankheit, die vom realen Wehen des Geistes abschottet.
    Und der Geist weht, wo er will; nicht nur - bzw. am allerwenigsten - am Goetheanum.

    (wohl gemerkt: ich sag damit nichts gegen Steiner; von dem halte ich im Gegenteil sehr viel. Ich meine nur: dass man das, was der Steiner einem geben könnte, in diesem Wust erst mal wiederfinden muss. Und besser ganz ohne Steiner, als in diesem Wust steckenbleiben.)

    Eigentlich hatte ich zu diesem Thema nix mehr sagen wollen; wollte det aber noch los werden.

    so isses

    Raymond

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  11. Man sollte nicht verallgemeinern, Raymond. Mir scheint es so, dass der ganze Quark in Big G (dem Goetheanum) aus Finanznot in Bewegung geraten ist. Jetzt haben wir anscheinend etwas wie eine Intrigenwirtschaft auf verschiedenen Ebenen, mit verschiedenen Interessengruppen. Es geht auch darum, eine jüngere Generation in die Führungsaufgaben zu bekommen, aber offenbar auch darum, sehr exponierte und engagierte Leute los zu werden. Die Meister der Intrige sind ja oft nicht gerade die, die Qualität garantieren, im Gegenteil. Es geht zu wie am Hofe, und es ist keinesfalls zentral gesteuert. Das Archiv, aus dem in den letzten 10 Jahren die meisten Initiativen entstanden, wird offenbar komplett kalt gestellt. Stattdessen drängen neue Interessengruppen in den Mittelpunkt. Weitere Gruppierungen sind in den Startlöchern, obwohl man außen da gerade weniger hört. Man kann nur froh sein, auf diesem chaotischen Dampfer mit drin zu stecken, vor allem nicht in finanzieller Abhängigkeit. Aber man kann auch sehen, dass sich wenig ändert und der Haufen, so sehr er gärt, vor allem mit sich selbst beschäftigt ist. Schade um die sehr guten Leute, die gerade über Bord gehen, teilweise gnadenlos abgeschossen und mit zynischen Kommentaren begleitet, die ihnen hinterher geworfen werden.

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  12. Lieber Raymond, wer weiss, vielleicht wäre der Vorschlag ja gar nicht sooo schlecht von mir. Dann nämlich, wenn eine wirkliche Erneuerung ganz dringend wird und somit auch gewollt wird, eben auch von den Funktionären ...

    Oder alles wird sich selbst zerstören und auflösen in einigen Jahren, wenn es ganz dumm läuft...Dann verkauft man das Goetheanum womöglich und es wird ein Schullandheim oder ein Hotel daraus, immerhin noch Begegnungsstätten, irgendwie...

    LG

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