The EpochTimes über Alnatura

Im Gegensatz zur Selbstdemontage am Goetheanum und den schief gelaufenen Kampagnen von Weleda, die einem Schuss ins eigene Knie ähneln, gibt es auch noch anthroposophische Unternehmen, die eine gute Presse haben. In diesem Fall geht es um Alnatura, worüber The EpochTimes berichtet:

"„Unser Denken bestimmt unser Handeln. Nur wer ganzheitlich denkt, kann die Welt nachhaltig gestalten. Diese Sinnbestimmung ist für uns die vierte Dimension der Nachhaltigkeit." Das ist das Credo von Alnatura-Gründer Götz Rehn, geschäftsführender Alleingesellschafter der Firma, promovierter Diplom-Volkswirt und Anthroposoph. Sein Erfolg gibt ihm Recht, so erhielt er Anfang November für das innovativste Unternehmen 2011 den Deutschen Nachhaltigkeitspreis, überreicht von Bundesverbraucherministerin Ilse Aigner."

Hier, bei Alnatura, wird auch besonderer Wert auf die Motivation und langfristige Bindung der Mitarbeiter an das Unternehmen gelegt: "Beim wöchentlichen Einkauf erfuhren wir im Gespräch mit Mitarbeitern und Auszubildenden einer Alnatura-Filiale, dass die Firma mit diesem Kreativkonzept sehr zur Mitarbeiterzufriedenheit und Mitarbeiterbindung beiträgt. Fachkräfte auszubilden ist das eine, sie an die Firma zu binden das andere. Das ist eben in zunehmendem Maße von den Softskills abhängig. Und das bedeutet hier, dass sich die Mitarbeiter von Herzen für die Aktionen „ihrer" Firma einsetzen, da sie sich wertgeschätzt, gewürdigt, respektiert und gefördert fühlen und dafür gerne bereit sind, diese positiven Gefühle an die Kunden weiterzugeben."

Dazu noch ein Foto vom strahlenden Firmenchef (man beachte die farblich auf das Firmenlogo abgestimmte Krawatte), und die Idylle ist perfekt:
Fotoquelle: siehe Artikellink oben

Warum jetzt wieder diese sanfte Ironie, die wie so oft und oft beklagt bei den Egoisten durchscheint? Na weil der Artikel klingt als wäre er direkt der Feder der Presseabteilung von Alnatura entsprungen oder einer dieser ominösen PR- Agenturen, auf die die Anthro- Szene heutzutage offensichtlich setzt. Die Realität chronisch unterbezahlter Mitarbeiter wird (Dank an den aufmerksamen Leser) wird in einem Artikel der TAZ aufgezeigt. In realistischer Sicht erscheint Vieles aus dem oberen Jubelartikel allerdings wie Hohn.

Kommentare

  1. "Mitarbeiterzufriedenheit und Mitarbeiterbindung!"
    "...dass sich die Mitarbeiter von Herzen für die Aktionen „ihrer" Firma einsetzen, da sie sich wertgeschätzt, gewürdigt, respektiert und gefördert fühlen und dafür gerne bereit sind, diese positiven Gefühle an die Kunden weiterzugeben." Köstlich. Wunderbar zu hören, ohne Sch.., ohne Ironie!
    Auch wenn man jetzt nicht Mitarbeiter ist, solches in unseren Tagen zu hören, tut gut, wie ein warmer, weicher Wollpullover gegen die Kälte-, oder ein dicker bunter Shawl gegen die Grauheit- ..dieses elend kalt tristen "Profit- und Angst-um-den-Job-Zeitalters".... (oh, wie lange noch..)
    Das nehm ich heute nacht mit in meinen Schlummer!
    m.butty

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  2. Lieber Michael,

    :-) ich begreife sehr gut Deine „sanfte Ironie“ - ganz ähnlich erging es mir vor einigen Jahren, als ich gemeinsam mit einigen Kollegen eine Sonderführung in der Schokoladen.Manufaktur Zotter mitmachte (hat, soviel ich weiß, überhaupt nichts mit Anthroposophie zu tun).
    Der Mitarbeiter, der uns führte, erzählte unter anderem davon, daß Josef Zotter Kakao-Produzenten aus verschiedenen sogenannten Entwicklungsländern für drei Wochen eingeladen hatte, damit sie sehen (und schmecken) können, was hier aus ihren Rohstoffen wird - einige dieser Kakao-Bauern aßen bei dieser Gelegenheit das allererste Mal in ihrem Leben Schokolade...
    Dieser Mitarbeiter sprach dabei immer wieder in solcher Verehrung von seinem Chef, daß sich in mir unwillkürlich ein Gefühl zwischen „amüsiert“ und „peinlich berührt“ einstellte.
    Und ich erinnere mich noch gut, wie einer aus unserer Gruppe irgendwann ironisch meinte „Grad, daß Sie nicht vom Heiligen Zotter sprechen...“
    Da sah der Mitarbeiter ihm ruhig und frei in die Augen und sagte in etwa: „Josef Zotter schafft 100% unserer Arbeitsplätze, in einer Region, in der sonst nichts wäre; er kann etwas, er hat sowohl einen Sinn für Schokolade als auch einen Sinn fürs Geschäft, und er bringt uns allen Wertschätzung entgegen. Ohne Josef Zotter könnten wir hier lange nicht so gut leben, wie wir mit ihm leben können. Und deshalb stehen wir alle hundertprozentig hinter ihm.“

    Natürlich kann ich nicht im geringsten beurteilen, ob in dieser Manufaktur tatsächlich alles „eitel Wonne“ ist.
    Aber das, was dieser Mitarbeiter sagte, und auch: wie er es sagte - das fand ich wirklich sehr beeindruckend - :-) auch wenn ich natürlich sehe, daß es erst recht wie aus einem Werbefilm klingt, vor allem, wenn man es nur liest, ohne diesem Mann dabei ins Gesicht geblickt zu haben...

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  3. Ich habe gewisse Erfahrungen mit einem ähnlichen Unternehmen und mit deren so viel gelobten Mitarbeitermaßnahmen. Das kann auch ziemlich schauerlich sein, so viel kann ich wohl sagen. Von Privatsphäre und Datenschutz ist dann keine Rede mehr.

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  4. Lieber Michael,
    ja, es klirrt besonders gut in meinen Ohren.
    Ich hatte doch da mal - ich weiß leider nicht mehr, wo ich es gelesen habe - einen Bericht über die Beschäftigungsverhältnisse und den Umgangston bei Alnatura gelesen: muss sich um eine andere Firma gehandelt haben, denn da wurde von Missständen gesprochen, Druck ausüben auf die Mitarbeiter, von Sanktionen gegen sogenanntes Fehlverhalten und lauter "gutes Zeug".
    Du liegst sicherlich absolut richtig, anzunehmen, dass der Artikel der Presseabteilung von Alnatura entspringt. Denke ich auch oder so etwas ähnliches.
    Elisabeth

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  5. http://www.taz.de/!50470/

    29.03.2010

    ARBEITSBEDINGUNGEN IN DER BIOBRANCHE

    Ein Ökokapitalist sahnt ab

    Alnatura hat seinen Umsatz um 18 Prozent gesteigert. Statt Tariflöhne bekommen die Mitarbeiter Yoga-Kurse. Der Chef meint, das genüge. Ver.di meint: "Fair" sieht anders aus. VON JOST MAURIN ...

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  6. Danke, das ist ein glasklarer Artikel: Die Mitarbeiter arbeiten "aus Idealismus", erhalten rund 20% unter Tarif, dürfen aber mit dem fehlenden Geld die kulturellen Beigaben des Unternehmens selbst bezahlen. Wenn man die Zusatzleistungen wie Warengutscheine und Weihnachtsgeld noch abzieht, liegen die ausbezahlten Löhne zT nur noch bei 2/3 des Tarifs.

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  7. Junge Mitarbeiter, die besonders schnell aufsteigen, wolle Alnatura höher entlohnen, als die Tarifkonditionen es vorsähen. "Wir haben ein Unternehmen mit einer sehr flachen Hierarchie", betont der Chef

    Mit ein bißchen Vorbehalt würde ich hier sagen: die Höherentwickelten haben halt die besseren Bedingungen, das sieht die Evolution so vor.

    „Wir haben Theatergruppen. Wir haben einen Chor. Wir haben die Yoga-Gruppe. Wir haben Winterseminare", zählt er auf. "Das bedeutet ja alles eine Erhöhung des Gehalts."
    Ich habe solche Strukturen einmal in jungen Jahren kennengelernt. Hier verbringt der Angestellte nicht nur die Arbeitszeit beim Arbeitgeber, sondern es wird von ihm auch erwartet, seine Freizeit in dem vom Chef „besinnten“ Rahmen zu verbringen. Brrrrrrrrrrr
    Das schafft Abhängigkeit; anstatt dem Angestellten das entsprechende Gehalt zu bezahlen, damit dieser sich seinen Qigong oder Karatekurs, den er eigentlich machen möchte, selbst bezahlen kann.

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  8. Ach, schade! Ich passe! Wieder! :-)
    Na klar, wer in einem Firmenteam arbeitet, oder in irgendeiner Truppe, die "Super-Arbeitsklima" für sich, als Kollektiv, proklamiert, der muß ein unkritischer Familien-Beta sein, aber besser kein Alpha. Sonst ist er/sie draußen, oder Sündenbock. Wird Eiterbeule, damit das Betriebsklima rein bleibt. Da kriegen dann die Omega-Tierchen mindestens Streit mit ihrer Frau, wenn der Chef geschieden wird. Und tragen die Krankheiten aus, die sonst der Chef kriegen würde, Nieren-oder Gallensteine, bzw. Kranzgefäß-Geschichten des Herzens. Denn "Resonanz" mit der Firmen-Leitung hat ihren Preis..
    Jeder innerlich etwas freie Mensch (darum schrieb ich oben "Alpha") wird in so einer kollektiven Resonanz und Uniformatierung zum "Omega". Das Mittelmaß, die Dumpferen, die fühlen sich wohl. Die tanzen die Hausordnung einfach nach, unbehelligt von eigener Individualität, die turnen die Firmenphilosophie, unbehelligt von Bewußtsein!
    Jetzt sag bloß keiner "Aber kein Mensch ist von Natur aus dumpf..." ! :-(
    Eigentlich schade! Eine Illussion weniger, plopp, plopp.
    Denn eine echte und gewachsene zwischenmenschliche Harmonie, ohne das Opfer der eigenen individuellen Neigungen, ohne den Verzicht auf das ureigene "Alphatum" der Mitarbeiter/innen, gibt es das wirklich nur im Traum? Oder als Schnapsidee zu vorgerückter Stunde? LG, m.butty

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  9. Fairerweise sollte man vielleicht auch diesen Kommentar erwähnen, der im Anschluss an den - von anonym - geposteten Beitrag in der taz erschien. http://www.taz.de/Kommentar-Alnatura--Tariflohn/!50633/

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  10. habe selbst in dem Unternehmen gearbeitet-funktioniert nach dem Prinzip Gehirnwäsche wir sind alle so glücklich.....trotzdem extreme Hierachie,Mobbing one Ende und die Gehälter wuden dem Tarif "angeglichen" ....Natürlich lasssen Sie die Artikel von MadameXXX(PR-Propaganda) schreiben...Eine unverschämtheit von Softskills zu sprechen denn bei Alnatura steht der Profit im Vordergrund mit den Mitarbeitern stehen dann "Motivationsgespräche" auf der Tagesordnung -ach ja deine Überstunden habe ich nicht erfasst -du willst doch den Umsatz stewigern und einen Job behalten

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