Fotowettbewerb Bild 7: Raymond Zoller

"Geboren wurde ich vor vielen Jahren in Luxemburg; wuchs auf im moselfränkischen Dialekt, aus dessen kärglichen Spröde ich mich, geographisch wie sprachlich, zunächst in das saftigere und ergiebigere Hochdeutsch hinüberrettete, und weiter dann in das noch kräftigere und lebendigere Russisch.
Zu jenen fernen Zeiten war ich nicht nur jünger als jetzt, sondern auch viel dümmer. Nicht dumm genug jedoch war ich, als dass ich nicht gemerkt hätte, wie dumm ich war. Ich zog durch die Welt und verstand kaum, was um mich herum vorging; das einzige, was ich verstand, war: dass ich nichts verstehe.


Die Fortbewegung in diesem Nebel war mehr ein ahnendes Tasten; und wo ich zu forsch voranstürmte, fand ich mich kurz darauf wieder in den Sackgassen irgendwelcher öder realitätsferner Theorien. - Die eigentliche Bewegung war begleitet von ahnendem Gespür: hier geht’s lang; oder, umgekehrt, von unbehaglichem Gefühl: hier stimmt was nicht; und im Weiteren dann klar zu verstehen und zu formulieren: warum hier gangbarer Weg ist, was dort genau nicht stimmt – war alles gar nicht so einfach und brauchte Zeit."

Zum ganzen biografischen Entwurf Raymond Zollers

Kommentare

  1. Ja, manchmal bringt einen nur das Bauchgefühl weiter. Wie bei den Tieren. Denn wir sind Menschentiere.

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  2. Das glaube ich nicht, dass wir Menschentiere sind. Da und dort ragt vielleicht ein Zipfel heraus, manchmal, in unglücklichen Fällen, läuft man auch gehörnt oder blindlings durch die Gegend. Aber wir kriegen es hin, die Richtung zu ändern.

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  3. Übrigens: Bisher nur Männer im Fotowettbewerb.

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  4. Diffuses Gespür spielen schon eine Rolle; sogar der Instinkt spielt eine Rolle; doch wenn man dabei stehen bleibt und das Gespür zusammen mit dem, worauf es sich bezieht, nicht nach und nach gedanklich durchdringt (ich meine: konkret gedanklich durchdringt, und nicht Theorien konstruiert) kommt man halt nicht weiter. Eben da ragen wir über das Tier hinaus.
    Bloß geht das Kapieren, wenn man redlich bleibt und nicht abstrakt herumkonstruiert, mitunter halt sehr langsam.

    Iss aber im Moment nicht so wichtig.
    In der tat schade, dass nur Männer im Fotowettbewerb sind. Reine Männergesellschaften sind langweilig.

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  5. Das Kapieren geht manchmal wirklich recht schwer und nur unter Widerständen und zeitweiligen Schmerzen, Theater und Gefühlsabstürzen usw., aber letztlich lernt man seine Lektionen. Sich in Abstraktionen zu verzetteln, oder in Aktionismus, oder in Gefühlsduseleien oder gar in völlig verdrehte Selbstbilder, kommt halt vor.

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  6. Richtig Denken benötigt Zeit. nur Zen-Meditation kann man in fünf Minuten erledigen, weil es darum geht, NICHTS mehr zu tun. Gut für so manchen Burnout Kandidaten!!! Gerade heutzutage! Aber die Hauptübung geht anders, wenn wir wirklich lenken wollen.
    Danke für das gute Bild von Raymond, und ober auch Freudean, und das Teilen von Biografischem! Ich bin hier in einem Haus mit (leerem) Swimmingpool und Sauna zum Benutzen. Werde ich sicher tun, zum Durchatmen abends! Aber dann kann man nicht mehr soviel Spiele machen sondern muss sich auf Bloglesen und sonstiges Lesen, Chat und Email rückbesinnen, also alles, wo mann/ frau wirklich mit Menschen zusammenkommt.

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