Beuys in Japan

Kommentare

  1. Ein ehrenwertes Ideal, das mir als junger Mensch auch vorschwebte. Im realen Leben mit niemandem durchführbar. Ich kann es selbst nicht erfüllen.

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    1. Liebe AUI,

      ich nehme an, Du meinst Beuys’ Aussage:
      »... „Jeder Mensch ist so gut wie Mozart“ - nein!
      Es wird gesagt, daß [unter dem Dach von solchen Ideenzusammenhängen] jeder Mensch in seinem jeweiligen Fähigkeitsbereich (das kann ein Zahnarzt sein, das kann eine Krankenpflegerin sein, ... Mutter, Gärtner, Mann von der Müllabfuhr, Ingenieur, Betriebsleiter, Manager ...), daß jeder Mensch in seinem Fach eine im höchsten Maß hochstehende Qualität im Sinne der Kreativität abgeben kann, die den Anspruch des Kunstwerkes... «


      Ich begreife das nicht so, daß ein solcher Anspruch in jedem Augenblick unseres Lebens „erfüllt“ werden müßte. Ich kenne niemanden, der das könnte, ich selber bin jedenfalls sehr weit entfernt davon, und es wäre seeehr frustrierend, wenn ich mir so etwas in der Weise „vornehmen“ wollte, daß ich mein Leben als „verfehlt“ empfände, wenn es mir nicht gelingt.

      Aber die Augenblicke, in denen ich gerade das dennoch versuche, erlebe ich als belebend, aus ihnen schöpfe ich Kraft, in diesen Augenblicken empfinde ich mich als unverzichtbaren Teil dessen, was Rilke die Melodie der Dinge nennt:

      »Sei es das Singen einer Lampe oder die Stimme des Sturms, sei es das Atmen des Abends oder das Stöhnen des Meeres, das dich umgiebt – immer wacht hinter dir eine breite Melodie, aus tausend Stimmen gewoben, in der nur da und dort dein Solo Raum hat. Zu wissen, wann Du einzufallen hast, das ist das Geheimnis deiner Einsamkeit: wie es die Kunst des wahren Verkehres ist: aus den hohen Worten sich fallen lassen in die eine gemeinsame Melodie.«

      In diesen Augenblicken begreife ich auch, was Hesse (in seinem Gedicht Stufen) sagt:

      »Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne,
      Der uns beschützt und der uns hilft, zu leben.«

      Oder Goethe (Vermächtnis):

      »Dann ist Vergangenheit beständig,
      Das Künftige voraus lebendig,
      Der Augenblick ist Ewigkeit.«

      Oder diese Stelle aus der Offenbarung des Johannes:

      »Siehe, ich mache alles neu.«

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    2. Liebe Ingrid,
      ja, du hast recht, diese Textstelle meine ich. Natürlich versucht jeder, seine Arbeit so gut zu erledigen, wie nur eben möglich. Aber ein Kunstwerk? Ich merke, dass ich hier auch ins Stocken gerate.
      In den letzten Jahren ist etwas verlorengegangen: die Unbeschwertheit. Es ging ständig darum, Arbeit zu haben, Arbeit, die geeigntet ist und zur Persönlichkeit passt, genug Geld zu haben, Umzüge zu bewältigen, noch mehr gratis arbeiten, und ausserdem noch arbeiten. Und wenn du fertig bist, dann kannst du ja beginnen: zu arbeiten. Wo kann es da ein Kunstwerk geben?
      Vielleicht hat er recht, der Herr Beuys. Aber was ist eigentlich ein Kunstwerk? Was versteht man heute darunter, was verstand man früher darunter, wie könnte man es verstehen, wenn man einen anthroposophischen Hintergrund und Kunstverständnis hat?
      Das ist eine grundlegende Frage, die man beantworten können muss, wenn man weiterkommen will.

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  2. Vielen Dank für dieses Video!
    Das finde ich wirklich ganz köstlich - vor allem deshalb, weil ich ja die japanische Sprache nicht verstehe und also ganz zurückgeworfen bin auf das Wahrnehmen der nonverbalen Kommunikation, die sich in Tonfall und Stimmklang und natürlich auch in der Körpersprache ausdrückt. Was läßt sich hier alles mitempfinden:
    Das Moderatorenpaar zu Beginn. Dann der Mann (etwa ab Minute 3.20), der offenbar viel mit dem anfangen kann, was Beuys vermitteln wollte. Und dann das Moderatorenpaar am Schluß. Welch eine Verwandlung!

    Mir fällt ein, was ich gestern bei Carly Fleischmann gelesen habe:
    »A wise person once told me that spoken words don’t always mean you are communicating. Real communication comes from the inside.«

    Ja. Dieses „Innere“ läßt sich natürlich auch dann wahrnehmen, wenn reale Worte ausgesprochen werden. Und wenn wir Menschen zuhören, die in einer uns vollkommen fremden Sprache sprechen, dann lenkt uns die Bedeutung der Worte nicht ab, und wir können uns ganz auf dieses „Innere“ konzentrieren.
    (Hier klingt übrigens etwas an, auf das ich schon im Zusammenhang mit Scaligero versucht habe, aufmerksam zu machen).

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    1. Für ein besseres Verständnis: Beuys wollte soweit mir bekannt, in der Woche seines Japanaufenthaltes am Aufbau eines "Eurasien" arbeiten, im Sinne eines Kulturraumes, der zusammenwächst. Er hat überhaupt Vieles in seinem Leben initiiert. Auch Kunst kann ja dem bewegten gesellschaftlichen Leben als Ruhepol gegenüberstehen, ähnlich wie in der Meditation des Einzelnen sich selbst gegenüber. Eine Erweiterung über sich selbst hinaus!

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