Empfindlichkeiten

"Du empfindest um so zarter, je weniger du empfindlich bist."

Rudolf Steiner, Exegesen zu "Licht auf dem Weg" von Mabel Collins, GA 245, S. 137

Kommentare

  1. Zustimmung! Daher folgt als ein nächster Schritt, das Empfinden von jeweiligen Empfindlichkeiten unterscheiden zu lernen. Indem das geschieht, findet man sich in Übereinstimmung mit dem Satz :
    „Du empfindest um so zarter, je weniger Du empfindlich bist. “ Findet man sich so in Übereinstimmung, ist jegliches weiteres Empfinden zugleich Selbstempfindung. Sich selbst empfinden und dabei das Empfinden von jeweiligen Empfindlichkeiten unterscheiden zu lernen, ist einer der Wege, sich in sich selbst, mehr und mehr, unterscheiden zu können. Wem es gelingt, Wesen und Vorgänge des Empfindens zu unterscheiden von Empfindlichkeiten, der lebt dabei in solchen Regionen, in denen er in Verschiedenheit lebt. Das benennt Steiner so: „ Derjenige, welcher sich die Fähigkeit erworben hat, die Wesen und Vorgänge der höheren Welten zu unterscheiden voneinander, wird ein >Eingeweihter< genannt." ( S. 56 - Die geistige Führung des Menschen und der Menschheit -) Das besagt, man lebt in denjenigen Regionen, in denen man bereits solche Unterscheidungen empfinden wie fällen kann, also mitten im Empfindungsleben, zugleich ebenso das Leben so, wie nach dem Tode.

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  2. Sehr schönes Zitat, danke!

    Ich stimme Burghard in vielem zu – bis auf das „fällen“ (»... Unterscheidungen empfinden wie fällen kann...«), das für mich den Beigeschmack von „töten“ hat.

    Wir fällen nicht Unter-, sondern Entscheidungen, aufgrund derer wir schließlich handeln. Unsere Handlungen sind nicht reversibel – mit jeder aufgrund einer solchen gefällten Entscheidung erfolgten Handlung haben also alle nicht verwirk-lichten Alternativen ihre potentielle Existenz ver-wirkt und sind damit „getötet“.

    Unterscheidungen aber treffen wir meiner Ansicht nach nicht endgültig.
    Es reicht also auch nicht aus, ein einziges Mal das „Empfinden“ von „Empfindlichkeiten“ unterschieden zu haben. Das ist eine Aufgabe, die sich uns in jeden Augenblick neu stellt.

    Daher leben wir auch nicht ganz »ebenso das Leben so, wie nach dem Tode« – insofern nicht, als, solange wir „hier“ sind, jederzeit die Möglichkeit besteht, dennoch wieder bloß empfindlich zu sein.
    Dies zu bemerken, will ich wach bleiben.

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    1. Liebe Ingrid,
      danke, inzwischen war ich kurz am Strand. Dort habe ich mal unser Netz durchsucht. Dort findet sich tatsächlich nicht ein einziger Fisch namens „Unterscheidungen fällen“. Im Netz zappeln lediglich Fische namens „Entscheidungen fällen“. Scheint also ein einmaliger Fang meinerseits zu sein. Was habe ich mir da bloß eingefangen? Doch, was soll`s! Seit gestern können wir also Unterscheidungen ebenso fällen wie Entscheidungen. Gefällt werden dabei, wie gesagt, Empfindlichkeiten. Statt gefällt, sagst Du, „getötet“. Das Wort gefällt (!) mir noch besser! Das Empfindlichkeiten nach dem Tode wiederum auferstehen können, das sei ihnen gegönnt.

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  3. "Das Empfindlichkeiten nach dem Tode wiederum auferstehen können, das sei ihnen gegönnt." Die poltern dann vermutlich als Dämonen.

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  4. Vor meinem Fenster stand noch vor zwei Jahren ein Baum. Japanische Zierkirsche.
    Das Gartengrundstück wurde verkauft, der Baum zeitgenau vor der kommenden Blüte rasch von der Krone aus zersägt (die Knospen wollten gerade aufgegen) und Ast für Ast abgetragen, und schließlich der Stamm am Boden auch abgesägt. Dann kam der erste Bulldozer, um für das künftige Haus die Baugrube auszuheben, und riß schnell noch die Wurzel aus.( Als wie: Damit es denn Baum nie gegegen haben möge..)
    Ich klagte es einem Freund. Denn bald hätten wieder die Nachtigallen im Baum gesungen, am Ende des April... Der Freund sagte: "Hier gibt es nichts, hier ist alles vergänglich. Kümmer dich nicht mehr um den Baum. Der Baum gehört sich selbst, und seine Zeit war um. Denk an diejenige Welt, wo alle Bäume herkommen...!" / "Aber, aber mir -gefällt- ein Baum vor dem Fenster!" sagte ich, etwas schmollend.. "Du sagst es! Und bemerkst du deine Anmaßung darin!?" schmunzelte der Freund..
    m.butty

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