Immer schön den Ball flach halten, Andrew

Im folgenden Video braucht der King of EnlightenNext, Andrew Cohen, etwa 6 Minuten, um der Aussage Rupert Sheldrakes, das Universum sei ein vollendetes Bewusstsein und brauche den Menschen zur Vollendung, der aber selbst noch nicht sehr weit gekommen sei, zuzustimmen. Er streckt diese Zustimmung durch allerlei Gebrabbel und einige unmotivierte Lacher (sein Hahahah erinnert mich an Baghwan/ Osho und seine ellenlangen Ansprachen, Gotthabihnselig), sagt aber inhaltlich rein gar nichts aus. Viel Gerede über Bewusstsein, keinerlei Idee, keinerlei Reflexion, keinerlei Perspektive außer der von Sheldrake vorgegebenen. Ach herrje, wenn der Drink so dünn ist, möchte man ihn für Waschwasser halten. Aber in der Huffington Post nennt sich das Waschwasser "Evolutionary Mysticism for Living in an Infinite Universe". Das ist Promotion.




"The universe is not a static, dead, place where nothing is happening. It's inherently creative. And that means that new and extraordinary things are happening all the time." Stimmt, Andrew. Irgendwie ist immer was los. Selbst in Syrien.

Kommentare

  1. "Im folgenden Video braucht der King of EnlightenNext, Andrew Cohen, etwa 6 Minuten, um der Aussage Rupert Sheldrakes, das Universum sei ein vollendetes Bewusstsein und brauche den Menschen zur Vollendung, der aber selbst noch nicht sehr weit gekommen sei, zuzustimmen."

    Das ist eine Fehlinterpretation. Hier geht es um den Konflikt zwischen einem christlich-teleologischen und einem spirituell-evolutionären Begriff von Entwicklung (und Erkenntnis, im Übrigen). Und Andrew Cohen kann Rupert Sheldrake in seiner Diagnose gar nicht vollständig zustimmen, weil es in der Richtung, die Cohen verfolgt, darum geht ein schöpferisches Selbstbewusstsein des gesamten Universums zu entwickeln - ohne ein bestimmtes Ziel; das Universum ist eben gerade (noch) kein vollendetes Bewusstsein. Der Mensch ist bislang das einzige Wesen, in dem sich das Bewusstsein des Universums manifestieren kann; er ist in der Lage vollständig Neues zu schaffen und es kommt bislang einzig auf ihn an, wohin die Reise geht.

    Herzlich,
    Felix

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    1. "Universum ist eben gerade (noch) kein vollendetes Bewusstsein."

      ...Bewusstsein kann auch nie vollendet sein, weil, wäre dem so, "alles" aufhören müsste. Ausserdem ist "Vollendung" ein Begriff aus und für Raum und Zeit.
      ----------------------------

      "Der Mensch ist bislang" ---

      BISLANG! ist ein Begriff aus und für den "Raum-Zeit"-Raum und somit von "Haus aus" begrenzt und dadurch unfähig jemals in/durch Selbsterkenntnis zu sein, was ein Schöpfer IST.
      ----------------------------

      "Der Mensch ist bislang -- "und davor??? " -- das einzige Wesen, in dem sich das Bewusstsein des Universums manifestieren kann; er ist in der Lage vollständig Neues zu schaffen und es kommt bislang einzig auf ihn an, wohin die Reise geht."

      Dazu müsste man wirklich wissen, was ein/der Mensch ist, wo er "beginnt" und wo er "endet" und vor allem, WAS er umfasst. Alles? wirklich alles???

      Ich denke der Mensch hat (lediglich) Anteil. Und ihm fehlt noch das erweiterte umsichtige (wortwörtlich) Bewusstsein, er ist noch fast total blind. Dieses ewige definierenwollende theoretische philosophische Bewusstsein ist der Auftraggeber jener Blindheit, der falsche "Herrscher" und niemals in der Lage zu erfassen, "wie es geht", es sei denn, er beginnt zu beschreiben, dann würde er das erste Mal vor die "Tür" getreten sein.

      Die Zeit wird demnächst kommen, da wird man den Theoretikern endlich den Laufpass geben, weil sie Steine statt Brot anliefern.

      Lieber Felix, lüfte doch endlich mal Dein "Geheimnis". Dann hätte man mal echte betrachtenkönnende "Objekte" vor sich und bräuchte nicht immer nur so herumzurudern, jeder für sich, statt miteinander ins Gespräch einzutauchen.

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    2. Auch wenn man Cohen zugesteht, dass er eine spirituelle Version des zeitgeistigen Konstruktivismus abliefert, ist das nicht unbedingt besonders originell. Er hängt sich da an einen Trend eben heran. Die *falschen* Selbstkonstrukte zu überwinden ist die eine Sache, aber das "Erwachen" ist zunächst auch nicht viel mehr als eine teleologische Hoffnung. Dass das attraktiv ist für Leute, die in Christentum und Anthroposophie ideologische/ inhaltliche/ religiöse/teleologische Implikationen verachten, ist verständlich. Ich finde die Suppe dennoch dünn, denn dann wird der Kontext bei Cohen eben durch eine Erleuchtungs- Emphase abgelöst.

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  2. Lustig ist allerdings, dass beide irgendwie davon ausgehen, dass Materie Bewusstsein (Sheldrake) bzw. die Anlagen zu Bewusstsein (Cohen) in sich trägt. Ich fände es wirklich spannend, dazu einen Kommentar von Steiner zu hören ... ;-)

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    1. Philosophie der Freiheit lesen

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    2. Lieber Felix,
      wie wäre es zum Beispiel damit (GA 31, S 498f):

      »Es hat lange gedauert, bis der Mensch sich gewöhnt hat, in den «ewigen, ehrnen und großen Gesetzen» [Goethe] die festen Grundsäulen seiner Welterkenntnis zu sehen. Der mittel­alterliche Mensch blickte zum Sternenhimmel empor und sah – nicht solche ewige, ehrne Gesetze, sondern men­schenähnliche Intelligenzen. Und bis ins achtzehnte Jahr­hundert hinein sah der Mensch in dem Bau seines Organis­mus und in dem der anderen Lebewesen nicht «ewige Ge­setze», sondern das Walten einer «ewigen Weisheit», die er nur nach Art der menschlichen Vernunft denken konnte. Das Christentum war ein mächtiger Förderer solcher Denk-Gesinnung. Es hatte die «bloße, grobe Materie» zu einem Wesen niederer Art herabgesetzt. Wie sollte es sich mit dieser Materie und ihren eingeborenen Gesetzen begnügen, wenn es auf die Erklärung der wunderbaren Bewegungen im Himmelsäther oder des zweckvollen Baues der organi­schen Wesen ankam! Die Wissenschaft mußte Stück für Stück von unserem Weltenbaue für die «ewigen, ehrnen Gesetze» erobern. Kopernikus tat das für den Sternenhimmel, Goethe, Lamarck, Darwin für das, was lebt auf der Erde. –
      [...]
      Das neunzehnte Jahrhundert hat Schritt für Schritt das Lebendige in das Netz der «ewigen, ehrnen Gesetze» eingesponnen. Kant erscheint uns heute wie ein neuer Luther, wie der letzte aus der Reihe derjenigen Geister, die noch irgend etwas, möglichst viel, für den der Wissenschaft un­zugänglichen Glauben retten wollten. Die Entwicklung schrei­tet über diese Geister hinweg. Die «natürliche Schöpfungs­geschichte» kann auch das Stück Glauben nicht mehr gelten lassen, das Kant noch retten wollte. Die wissenschaftliche Denkweise ist im Begriffe, vollends die christliche aufzulösen. Kant ist uns nur noch interessant als einer der letzten großen Vertreter des christlichen Geistes.«


      Ich frage mich ja, ob nicht in gewisser, wenn auch etwas paradoxer Weise heutzutage die Konstruktivisten solche „großen Vertreter des christlichen Geistes“ sind... :-)

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    3. Zum Thema Cohen möchte ich nur kurz anmerken, dass ich immer wieder einmal gerne Worte anderer Weisheitslehrer als nur Steiner lese, bei aller Verehrung. Es ist ein weites Feld. Indem man aber über den Tellerrand guckt, erhält man Vergleichsmöglichkeiten, wie weit die Welt inzwischen gekommen ist... Alles wird in Bewegung und Fortentwicklung gehalten.

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  3. Dank an Felix Hau für seinen Kommentar. Bitte mehr davon. Es ist schön, dass es hier immer mal wieder Kommentatoren gibt, die sich anscheinend wirklich einigermaßen auskennen mit den diversen zeitgenössischen spirituellen Lehrern; anstatt diese wie gewohnt pauschal und undifferenziert anthromäßig von oben herab zu beurteilen.

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  4. Materie ist immer Produkt. Und der schöpferische Geist arbeitet in (mit) eine(r) "Substanz" hinein, die, in dieser Phase, noch keine Materie (in unserem Sinne)IST.

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  5. Cohen ist bestimmt kein feinsinnger Philosophengeist, der ausziselierte Begriffe und brillante Inhalte präsentiert - nicht in 6 Minuten und nicht in 60. Seine Stärke ist, die Leute an der Stelle zu treffen, wo sie die Evolution fortsetzen - als eigenes Potential und eigene Erfahrung. Seine Methode dafür ist sowas wie ein Bohren ins Bewußtsein hinein - in ein Bewußtsein, das die Welt durchdringt und viel mehr ist als unser eingekästeltes Alltagsbewußtsein. Deshalb die vielen Wiederholungen, die großräumige begriffliche Grundlage, der Mangel an spektakulären Inhalten: die schnappt sich ja zunächst mal nur das Alltagsbewußtsein.
    Dieses Alltagsbewusstsein ist zunächst der Höhepunkt einer Evolution, deren Beginn heute zumeist materiell gedacht wird. Als solches ist das menschliche Bewußtsein aber nicht mehr als eine Erscheinung an der Peripherie eines viel umfassenderen Bewußtseins (bei Steiner heißt das: Denken). Von diesem umfassenden Bewußtsein würde auch Cohen nicht sagen, dass es aus der Materie entstanden ist. Ihm gegenüber ist sowohl die Materie wie unser alltägliches Bewußtsein sekundär.

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    1. Gut, die "Dekonstruktion" unserer Selbstbezüge kann man auch als notwendige "Reinigungsphase" jeder spirituellen Schulung- auch der anthroposophischen- betrachten. Damit auch die zeitweilige Überwindung des "Alltagsbewusstseins". Auch die Erfahrung der "Leere" ist als Phase geradezu universell. Aber wie geht es dann weiter bei Cohen?

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    2. Wie es dann weitergeht? Nach der Erfahrung der 'Leere' oder der 'Fülle' oder des seiner selbst (nämlich als Welttatsache) bewusst gewordenen Bewußtseins?
      Ja, dann geht's los bei Cohen. Mit dem evolutionären Impuls in jedem Einzelnen. Mit dem Voran und der Initiative und dem nächsten Schritt. Mit der Kulturwirksamkeit. Das ist die Tangente zwischen Steiner und Cohen. Cohen nennt das Becoming, oder - im Gegensatz zur alten - die neue Erleuchtung (alles nachzulesen in Cohens letztem Buch "Evolutionary Enlightenment"). Bei Steiner ist das der zweite Teil der "Philosophie der Freiheit" mit der moralischen Intuition.

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    3. In Deiner Formulierung klingt der Cohensche Impuls sehr vernünftig. Ich bin jetzt nur nicht sicher, ob er vernünftig ist oder Du :-)

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    4. :-) Vernünftig hin oder her – was ich bisher von Andrew Cohen und seinem „Destroying the Ego“ gehört und gelesen habe (unter anderem auch hier bei den Egoisten), konnte mich nicht von ihm und EnlightenNext überzeugen. „Ego-Destroying“ ist mir jedenfalls sehr viel unsympathischer als der Weg, den beispielsweise Peter Sellars weist – denn ich habe nunmal die Erfahrung gemacht, daß das Ego auf Angriffe von außen mit allem möglichen zu reagieren pflegt, nur nicht mit Loslassen...

      Im folgenden ein kleiner Ausschnitt aus dem Video mit Peter Sellars' „erster Lektion“, auf das Michael hier aufmerksam gemacht hat:

      »Lack of ability to notice another human being is a problem in life, let alone in art.
      And the abilily to be generous and let other people have the floor is our task.
      How do you make space for people who disagree with you, or are not quite as quick as you are, or, you know: haven’t arrived where you have arrived in your „brillance“... but actually, for some strange reason, God also created them and put them on the earth (who knows why – they are just in the way...) – – –
      How do you find out what every human being on this planet has to offer: the reason they are here, and what that person and only that person can see. And know.
      Because that is the task.

      It’s that none of us duplicate anyone else on the planet.
      Each individual is really powerful that way.
      So your task when you’re meeting or in a room with or working with any person is to find the place where that person begins to open.
      And you find out: Oh. This is a person. They are not imitating someone else. They are – themselves


      Übrigens wenn ich die Ausstrahlung der beiden Männer, Sellars und Cohen, auf diesen beiden kurzen Videos miteinander vergleiche, dann scheint mir Andrew Cohen's Ego um einiges größer zu sein als das von Peter Sellars...

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  6. Also, wenn ich nur dieses kurze Video hernehme (und ich habe mich ansonsten bisher weder mit Sheldrake noch mit Cohen beschäftigt), dann geht es zunächst nicht um eine „Diagnose“, sondern um die Frage Sheldrakes an Cohen:
    Gibt es ein „Ziel“ der gesamten kosmischen Evolution, oder geht sie einfach immer weiter, bis in alle Ewigkeit?

    Darauf antwortet Cohen (mit der Einräumung, daß er sich hier von seiner Phantasie leiten läßt, da er nicht sieht, was er sonst noch für eine Möglichkeit hätte):
    Wenn es so ist, daß die Entwicklung von Energie zu Licht zu Materie zu Leben zu Bewußtsein verläuft, dann sieht er als „Telos“ das Bewußtsein selbst. Als Bestätigung dieser Theorie gilt ihm seine eigene Motivation im Leben, „my urge towards consciousness“.
    Dieses „Ziel“ wäre, laut Cohen, wohl dann erreicht, wenn alle Materie im gesamten Kosmos „fully enlightened - which means: conscious“ wäre – ein „Ziel“ allerdings, daß er selbst unvorstellbar, „inconceivable“ nennt: „all the matter turns to light“ ...

    Sheldrake sagt nun, daß wir besser daran wären, zu denken („we’re better off thinking that...“), daß die Materie des Kosmos längst bewußt ist, daß der gesamte Kosmos bereits jetzt mit verschiedenen Graden von Bewußtsein erfüllt ist - auch wenn wir das (noch) nicht bemerken.
    Auch hier gibt es wieder viel „maybe“ und „perhaps“:
    Das Bewußtsein, das den Kosmos erfüllt, ist vielleicht kein Selbstbewußtsein, es ist noch nicht zur vollen „self-awareness“ gekommen. Das könnte (maybe!) von uns abhängen. Und dann wäre unsere Aufgabe nicht etwa, dem Universum überhaupt Bewußtsein zu „injizieren“, sondern es ginge dabei nur um diese „extra awareness“.
    Hier stimmt Cohen lebhaft zu:
    „When consciousness awakens to itself - that’s when everything comes alive.“


    So weit, so gut... wenn auch vielleicht nicht besonders atemberaubend neu und originell.
    Was für mich nicht aus diesem Video hervorgeht, ist der Unterschied zwischen den Positionen Sheldrakes und Cohens: weiß jemand, ob Sheldrake denn nun ein anderes „Ziel“ der Evolution sieht als das von Cohen formulierte „Erwachen des Bewußtseins zu sich selbst“?

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  7. Michaels Frage »Aber wie geht es dann weiter bei Cohen?« ist schon über ein Jahr her... am 26.Juni hat Cohen auf seinem Blog gewissermaßen geantwortet:

    »I’m fifty-seven years old and currently find myself facing the biggest challenge of my life. I’ve been a teacher of spiritual enlightenment for twenty-seven years. Enlightenment has always been and always will be about transcending the ego. Over the last several years, some of my closest students have tried to make it apparent to me that in spite of the depth of my awakening, my ego is still alive and well.
    I’ve understood this simple truth—that we all have egos no matter how enlightened we may be—and even taught it to thousands of people all over the world throughout my career. But when I was being asked to face my own ego by those who were nearest and dearest to me, I resisted. And I often made their lives difficult as a result.

    I’m aware that many of my students over the years have also been affected by my lack of awareness of this part of myself. And for those of you who are reading this, I apologize. […]«

    Hier geht’s zur deutschen Übersetzung.

    Herzlichen Gruß,
    Ingrid

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    1. Ist ja wirklich ein Ding. Respekt, Herr Cohen. Und Dank für den Hinweis, Ingrid.

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    2. Ich hab grad im FB etwas schockiert gelesen, Andrew Cohen sei aufgrund von selbst erkanntem Egoismus zurückgetreten.
      Was ist da dran, und was sind die Hintergründe?

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