Netzkinder

Wahrscheinlich wird man erst mit einigem zeitlichen Abstand- vielleicht einem Jahrzehnt- verstehen, dass die Erfindung des Internet ein so wesentlicher evolutionärer Schritt war wie der Erwerb von Sprache oder Schrift. Nun ist die erste Generation da, die es nie anders gekannt hat, die von Anfang an mit dem Netz sozialisiert wurde. Sie sieht schon deshalb die Welt mit anderen Augen. Wir, die Alten, müssen schauen, dass wir uns nicht verrennen in überkommenen Vorstellungen über einen "Cyberspace". Es ist für die neue Generation nicht eine "andere" oder "künstliche" Welt. Es ist ganz einfach ihre Welt.

Zu dem Thema eine Stimme aus Polen, die das Ganze programmatisch im Namen der Jungen, der Netzkinder, ausbreitet, Piotr Czerski:

"Wir sind mit dem Internet und im Internet aufgewachsen. Darum sind wir anders; das ist der entscheidende, aus unserer Sicht allerdings überraschende Unterschied: Wir “surfen” nicht im Internet und das Internet ist für uns kein “Ort” und kein “virtueller Raum”. Für uns ist das Internet keine externe Erweiterung unserer Wirklichkeit, sondern ein Teil von ihr: eine unsichtbare, aber jederzeit präsente Schicht, die mit der körperlichen Umgebung verflochten ist.


Wir benutzen das Internet nicht, wir leben darin und damit. Wenn wir euch, den Analogen, unseren “Bildungsroman” erzählen müssten, dann würden wir sagen, dass an allen wesentlichen Erfahrungen, die wir gemacht haben, das Internet als organisches Element beteiligt war."

Kommentare

  1. Ich erlebe das Internet als ein oder gar DAS Abbild des menschlichen Miteinander. Völlig frei, noch, denn im Hintergrund lauern ja schon wieder die Aussauger und wollen die "Rechte" für IHRE Interessen. Und jene Rechte(?), basieren sie vielleicht doch auf einem falschen Gesellschaftsmodell? Hat irgendwie auch was mit Egoismus zu tun, mit Misstrauen aufgrund dessen, man sieht ja, wo das hinführt!!

    Dass sich das Internet so ziemlich selbst reguliert, hat es doch bislang hinlänglich bewiesen, wenn "man" (den "..." müsste man mal wirklich kennenlernen, der das so vermag) es lässt.

    Die Fähigkeiten, die das Internet angeblich verhindert oder vermurkst, das liegt doch nicht am Internet! Wer sich um sich kümmern gelernt hat, kommt auch mit dem Internet klar und erlebt es als eine erhebliche Bereicherung. Das Internet zeigt mir, wie eine Gesellschaft sein sollte, es ist die vorweggenommene virtuelle Projektion dessen, wie Menschen miteinander umgehen sollten.

    "Virtualität ist die Eigenschaft einer Sache, nicht in der Form zu existieren, in der sie zu existieren scheint,..."

    ...in der sie zu existieren SCHEINT. Und Gedanken, sind die nicht auch virtuell, es sei denn man lernt sie kennen?! Will sagen, gibt es eine Virtualität in Wirklichkeit? Gibt es etwas virtuelles, das man virtuell darstellt, darstellen kann? Sind Gefühle virtuell? Oder ist man bloss unfähig zu ergründen was es wie gibt?

    Ich erlebe es immer als sehr bedenk-lich, erstaunlich, wie viel der Mensch eigentlich schon weiss, es aber nicht so recht auf sich und den Anderen zu beziehen versteht. DA sollte man hinschauen lernen, z.B. auch in einem Schulfach, Meditation ---.

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  2. "Wahrscheinlich wird man erst mit einigem zeitlichen Abstand- vielleicht einem Jahrzehnt- verstehen, dass die Erfindung des Internet ein so wesentlicher evolutionärer Schritt war wie der Erwerb von Sprache oder Schrift"

    Naja, das halte ich für äußerst übertrieben. Schrift und vor allem Sprache sind eine existentielle Notwendigkeit und machen eigentlich den Menschen erst zum Menschen. Das Internet wird in seiner Bedeutung m.E. grundsätzlich überbewertet, für mich persönlich hat es eine ähnliche Bedeutung wie TV. Ich kann auf TV und auf das Netz verzichten; kenne selbst auch einige Menschen, die nie online waren. Das Internet hat vor allem eine unüberschaubare und endlose Bewegung in die Weite, es gibt dort aber keine Tiefe, keine Stille, kein Sein. Nur eine Information nach dem anderen. Viele Millionen Facebooksüchtiger Teenager mögen das anders sehen.

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    1. Darum ging es ja im verlinkten Aufsatz: Dass eine "analoge" Generation die Bedeutung des Internets unterschätzt. Dass es ein existentielles Ausdrucksmedium ist und weiter wird- für die, die es so auffassen, weil sie damit aufgewachsen sind.

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  3. Ich persönlich hätte das gern so gehabt, Real Life in einer Umgebung mit entsprechendem tiefgehenden Verständis von dem du schreibst, und das iNet obendrauf, sozusagen ein Dach zum beschirmen. Weil ich empfinde die Stärke zumindest unserer Kommunikation vor allem darin dass man Worte genau wählt, wie man es im Alltag nicht tun würde. Auch die Themenauswahl ist sehr breit gefächert und echt Slow Media - Qualität.
    Aber die nachhaltig denkenden Menschen verzichten oft leider auf das Netz, dann geht es nicht, oder das Netz besiert auf (zumindest bei mir) einer Tätigkeit eben ohne den Tiefgang den du verlangst. Oder es gibt eben zuviele Blockaden etc etc
    Ich könnte auf das Netz überhaupt nicht verzichten, im Dienst nicht, da brauch ich meine Spiele, andere lösen halt Kreuzworträtsel, ich mach das. Und in der Freizeit, ich muss sagen, ich hab von der Wohnungssuche über die Arbeitsstelle mit Abschluss per Fernfachakademie bis zur Kommunikation mit der Familie alles per Internet gemacht. Wo ist da die Sucht? Alles völlig normale Tätigkeiten. Seit vielen Jahrzehnten und seit sieben Jahren allemal.

    Ohne Netz stellt sich vor allem die Frage: welche andere Aktivität willst du jetzt tun? (Lesen tu ich auch manchmal noch, aber das finde ich ist fast dasselbe wie Blog lesen, nur einsamer.)

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    1. Mir ging es aber gar nicht um "Tiefgang". Mir ging es darum, dass Du Dich in diesem Medium ausdrücken kannst, als Person. Genau wie Du sagst: "Völlig normale Tätigkeit".

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