Nichts davon


Vielleicht bist du herum gesprungen wie ein junger Bock und hast dein Revier markiert. Du bist es wieder und wieder abgeschritten. Du hast es mit der Kraft des Horns verteidigt. Aber dir gehörte nichts davon. Himmel, Luft und Licht sind ganz an jedermann vergeben, und dieser Grund, der ist es auch.

Vielleicht hast du gefressen und vertilgt - eine Larve- , das ganze Grün, die Bäume, Büsche und das Gras. Du hast dich eingesponnen in das Land, so weit und breit es ist, hast dich verpuppt, verwandelt, bist entschlüpft. Aber dir gehörte nichts davon. Du hast es gefressen, du hast es verdaut, aber du hast es nie besessen.

Du hast gelesen und gelernt, seitdem du denken kannst. Du hast dir eine Weltanschauung aufgebaut, die alle Himmelsrichtungen umfasst. Du hast gelernt, das Wort zu spitzen und mit kleinen Tassen aus dem Grund zu schöpfen, der nicht versiegt. Man kann daraus ein Kartenhaus errichten oder einen Steuerberatervorstadtsäulenpalast in italienischem Stil. Darauf kommt es nicht an. Du kannst dir einen Bunker bauen, wenn du willst, zwölf Meter unter den grasenden Kühen. Aber dennoch, dir gehört nichts davon.

Du stehst im Fluss und schaust den fliegenden Fischen zu, die silbern schillernd knapp über dem Meeresspiegel gleiten. Du stehst mitten darinnen und weißt doch, dir gehört nichts davon.

Kommentare

  1. Es müsste ein Schulfach geben, in dem solche Wahrheiten angeschaut und bedacht würden, aber nein, alles ist auf Strategie und Kräftemessen angelegt. Ich ertappe mich hin und wieder bei dem Gedanken nur diejenigen als Mensch zu betrachten, die das begreifen, die anderen ... ? Ich weiss, ich weiss, ich arbeite ja dran, immer wieder --

    Vielleicht hat Steiner ja auch deshalb einen solchen Wert auf das Verstehen von Reinkarnation und Karma gelegt?

    Nach der Erkenntnis der durch den Einzelnen leb- und vor allem gestaltbaren Freiheit muss nun diejenige kommen die sich fragt, was denn nun geschieht, wenn der Andere auch ein freier Mensch ist und man sich begegnet? Aber auch dann, wenn man sich nicht direkt begegnet.

    Freiheit plus Freiheit, bleibt das Freiheit oder entsteht da(nn) ein neuer Begriff?

    Vielleicht ist Freiheit ja auch nur eine Voraussetzung, eine "Bedingung", eine Eintrittskarte? Welchen Raum betreten wir, wenn wir diese "Karte" nutzen? Sind wir bereits schon Mensch, wenn wir zu dieser Veranstaltung geladen wurden? Es gibt ja auch "Menschen", die gehen da einfach so rein! So ganz selbst-verstand-lich, das ist es ja, was dann wiederum auch hier wieder Keime legt, die eines guten Tages wieder zu Krankheiten sich wandeln.

    Was wird sein (ist) der Keim des "Kampfes Aller gegen Alle"? Oder sollte Steiner auch hier wieder geirrt haben?

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  2. Ich glaube du musst auch das Alter bedenken, in dem die Schüler sind. Ja, es geht da auch um die Inhalte, aber wenn ich an mein eigenes Erleben zurückdenke, war noch viel mehr als das wichtig. Es muss das Vertrauen da sein, dass die Personen die das alles vermitteln, eine lebendige Beziehung zur geistigen Welt pflegen, und dass das in Wort und Gestik erlebbar ist. Nicht nur im Lebensstil, denn einen guten Lebensstil kannst du auch als Materialist leben. Es gibt eine natürliche Autorität, die auch sehr leise Menschen haben können. Sowas mein ich.
    Aber ich kann nur für mich sprechen, ein anderer empfindet das bestimmt wieder ganz eigen.
    Die Mitgliedskarte der anthroposophischen Gesellschaft kriegst du ganz einfach hier: http://www.anthroposophische-gesellschaft.org/index.php?id=519
    Daran arbeiten musst du jeden Tag neu. Wodurch wird man zum Glied des Werkleibes von Rudolf Steiner? Der Beitrag ist freiwillig, wie alles eigentlich. Die aktive Arbeit.
    Manchmal gibt es Zeiten mit FLaute, manchmal passiert viel was vorwärts bringt. Alles fliesst.

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  3. Ich finde, die Kinder und Jugendlichen müssen das Gefühl haben, dass ihnen die Welt gehört, dass sie ihnen zu Füßen liegt und dass ihnen alle Wege offen stehen. Hoffentlich können sie Ideale entwickeln, hoffentlich versuchen sie, sie umzusetzen. Wenn man eine Biografie entfaltet hat, wenn man nicht verbittert oder klein gefaltet ist, wenn man seine Lektionen gelernt hat, dann kann man vielleicht sehen: Mir gehört eigentlich nichts. Das ist keine Resignation, ganz im Gegenteil; es ist der Beginn eines neuen Impulses, wenn auch nicht mehr so ungestüm und so naiv.

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  4. Wenn man das begreifen kann, das mit dem "nicht gehören", dann wird auch schon die Haltung, die man dadurch bekommt den Kindern in der Schule etwas vermitteln können, zunächst indirekt, was unenlich wird heilsam sich auswirken können. Denn die Kinder sind hierfür wie verständige "Schwämme" und können es direkt aufsaugen, lebendige heilsame Basis bildend. Sie "verstehen" das, direkt, weil es "noch" ihrer eignen Natur entspricht bevor es durch diese teilweise mörderischen Lehrpläne weggezüchtet wird. "Werdet wie die Kindlein" und um des Himmels willen nicht wie die (V)erwachsenen. Wirklich echter wahrhaftiger Respekt mit all seinen Auswirkungen und Fähigkeiten kann nur keimen auf jenem Boden des Nichtgehörens. Wenn man das einmal wirklich in sich selbst erfasst und erleben kann, ist alles andere krankhaft absurd, bis hinein in die feinsten Schichten.

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  5. Lieber Manfred,

    mir fällt zu deinem Wortspiel 'V-erwachsen' auch dieses ein:
    ER-wachsen...gedacht als: ER muss wachsen und ich muss weniger werden...kann man diese Lebenshaltung, diese Ideal des Verschenkens und des Schützens wortlos vorleben, dann schafft man Räume und Vertrauen, Urvertauen würd ich sagen - inmitten jeglicher kleinen oder großen Höllen auf Erden ...

    Meine Kinder gehen nicht auf die Waldorfschule weil es nicht machbar war...dennoch kann ich versuchen als Er -und Verwachsener (also Prozess-wachsender) den Kindern verlorene oder verwachsene Räume freizumachen, zu schenken, in dem Maße wie ich mich selber frei und zum Geschenk gemacht habe ...

    LG

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  6. ... ein verlorener Raum wäre z.B. - ein Leben ohne Kunst (jeglicher ART). Wenn Kinder ohne Kunst und Kunstschaffen groß werden müssten ...

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  7. Lieber Steffen,

    ich freue mich für Deine Kinder, die ganz offensichtlich einen "geöffneten" Papa an ihrer Seite haben der ihnen dadurch aus anderen Bereichen und Schichten etwas zukommen lassen kann, was ihnen sonst vielleicht verdorren würde, weil unbesehen.

    Jeglicher ART :-) --- genau!! Damit sie nicht un-art-ig werden --

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  8. Merci Manfred. Aber selbst für einen halbwegs offenen Papa ist das nicht immer so, denn auch die besten Absichten können mal nach hinten losgehen ;-))

    Ja, un-ART-ig ;-)

    Gerne dürfen Kinder auch unartig werden, dann nämlich, wenn V-erwachsene meinen, nur ihre Art dürfe gelten, als gäbe es nur diese eine ;-)

    H.Gr.

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