Die anthroposophische Phrasendreschmaschine

In den "Mitteilungen aus der anthroposophischen Arbeit in Deutschland" lässt Andreas Neider unter "Ätherisches Erwachen?" auf der Frontseite wieder die anthroposophische Phrasendreschmaschine los. Es geht um eine Untersuchung (allerdings nur vage gestreift), die die Gedächtnisbildung im Schlaf bestätigt- ein allerdings schon älterer Hut der Hirnforschung; schon lange von Manfred Spitzer dokumentiert. Aber das Thema ist ja nur der Aufhänger für Andreas Neider, der im Anschluss wild zusammen assoziiert:

"Gleichzeitig wird heute sichtbar, dass der Bereich elektronischer Gedächtnisbildung durch digitale Speichermedien massiv im Vormarsch ist. Die Nutzung dieser Geräte erscheint mithin als Gegenbild ätherischer Gedächtniskräfte. Der mit ihrer Nutzung einhergehende Verlust ätherischer Kräfte führt 
wiederum zu einer immer stärkeren Präsenz rein materialistischer Vorstellungen und Wünsche, wie sie durch die Medien erzeugt werden. 
Besonders die junge Generation, die mit diesen Medien aufwächst, muss auf pädagogischem Gebiet daher zu einer Verstärkung von Willenskräften angeregt werden, damit ein Erwachen für die im Ätherischen wirksamen Kräfte erreicht werden kann. Nachlassendes Interesse der jüngeren Generation an Anthroposophie hat möglicherweise auch in diesen Zusammenhängen seine Ursache."

Die Analogie von digitalen Speichermedien und Gedächtnis kenne ich von Geschäftsleuten in den 80ern, die sich gerne an die Stirn klopften und dabei sprachen: Habe alles im Computer. Es ist eine Analogie, mehr nicht. Es gibt keine elektronische "Gedächtnisbildung". Speicher "bilden" nichts. Sie speichern. Der Mensch bildet dagegen schon. Er kontextualisiert die Dinge, die er später erinnern kann, bildet Zusammenhänge und hängt Assoziationen daran- auch vage Stimmungen und sogar Gerüche. Er unterdrückt auch Vieles, was er einfach auszusondern gezwungen ist, aus welchen Gründen auch immer.

Welche "Geräte" Neider wohl meint? Monitore, Mäuse und Tastaturen speichern allenfalls Fingerabdrücke. Die Verbindung zum "Ätherischen" besteht erst mal im Text nur darin, dass Neider sie behauptet und durch die Wahl des Fantasiebegriffs "elektronische Gedächtnisbildung" suggeriert. Die ebenso behauptete "Präsenz rein materialistischer Vorstellungen und Wünsche" belegt er natürlich auch nicht. Aber dafür passt diese Behauptung in die Erwartungshaltung mancher anthroposophischer Omis, die den Computer nur von den Enkeln kennen, und die ein vager Verdacht beschleicht, das sei deshalb ein Hort ahrimanischer Umtriebe, weil sie selbst nichts davon verstehen.

Dann, selbstverständlich, die Phrase vom "Erwachen". Die mögen alle gerne, selbst die Zeugen Jehovas, allerdings nicht in Zusammenhang mit "Ätherischem". Ansonsten erscheinen die Unterschiede marginal. Das "nachlassende Interesse der jüngeren Generation an Anthroposophie"wird nun auch noch an die Kette von Mutmassungen und Suggestionen heran gehängt. So hat man eine Erklärung für die Verkalkung der Anthroposophischen Gesellschaft, und die Schuldfrage ist auch geklärt: Die Jungen sind es selber schuld. Wir stehen hier, wir Anthroposophen, haben Phrasenberge bis zum Horizont, und die wollen sie nicht mit uns teilen! Das Weltbild fest geschnürt, stehen wir und warten, bis wir ausgestorben sind. Sich selber bewegen? Die Medien nutzen?

Jein. Immerhin steht der Artikel im verfemten Internet.

Kommentare

  1. Da fragt man sich doch, WER die "anthroposophische Phrasendreschmaschine" hier incl. "Memorandum" fleissigst UND jahrzehntelang UND aus welchen ganz und gar ichlosen Gründen - trotz mit oder ohne Mitgliedsausweis(en) - bedient(e):

    "
    „ .... Und schließlich erscheint der Rassismus als der Sonderfall eines allgemeineren Verhaltens: Die Verwendung tatsächlicher oder fiktiver biologischer Unterschiede, die aber auch psychologischer oder kultureller Art sein können. Der Rassismus erfüllt demnach eine bestimmte Funktion. Aus dem Gesagten ergibt sich, daß der Rassismus die verallgemeinerte und verabsolutierte Wertung tatsächlicher oder fiktiver biologischer Unterschiede zum Nutzen des Anklägers und zum Schaden seines Opfers ist, mit der eine Aggression gerechtfertigt werden soll.
    aus: Memmi: "Rassismus", Hamburg 1992, S. 151“

    Es sind in Steiners Fall weder Opfer eines angeblichen steinerchen Rassismus oder Antisemitismus bekannt, noch hat der Schaden irgendeines angeblichen „Opfers“ in der Intention Steiners gelegen. Aber vor allen sind keine Aggressionen (Taten, Handlungen) Steiners bekannt, die er hätte rechtfertigen müssen.

    Die ganze Diskussion ist einfach eine Farce und konstruiert – Vorsicht(!!!)"

    Zitat siehe hier weiter unten ...

    Shame on you!

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    1. Welcher Anonym bist du denn jetzt? Name wäre schön ;-)

      Meinst du also die wissenschaftlich anerkannte Definition Memmis ist Phrasendrescherei?

      „ .... Und schließlich erscheint der Rassismus als der Sonderfall eines allgemeineren Verhaltens: Die Verwendung tatsächlicher oder fiktiver biologischer Unterschiede, die aber auch psychologischer oder kultureller Art sein können. Der Rassismus erfüllt demnach eine bestimmte Funktion. Aus dem Gesagten ergibt sich, daß der Rassismus die verallgemeinerte und verabsolutierte Wertung tatsächlicher oder fiktiver biologischer Unterschiede zum Nutzen des Anklägers und zum Schaden seines Opfers ist, mit der eine Aggression gerechtfertigt werden soll.
      aus: Memmi: "Rassismus", Hamburg 1992, S. 151“


      Oder hältst du meine darauffolgende Behauptung/ Interpretation für falsch?
      "Es sind in Steiners Fall weder Opfer eines angeblichen steinerchen Rassismus oder Antisemitismus bekannt, noch hat der Schaden irgendeines angeblichen „Opfers“ in der Intention Steiners gelegen. Aber vor allen sind keine Aggressionen (Taten, Handlungen) Steiners bekannt, die er hätte rechtfertigen müssen."
      -
      Dann bring doch bitte Gegenbeweise. Wohlmöglich bleibt sonst deine Kritik eine Farce!


      Anonym / Matthias

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    2. Erinnerung!!!
      Manchmal muss man nachhaken :-)


      Welcher Anonym bist du denn jetzt? Name wäre schön ;-)

      Meinst du also die wissenschaftlich anerkannte Definition Memmis ist Phrasendrescherei?

      „ .... Und schließlich erscheint der Rassismus als der Sonderfall eines allgemeineren Verhaltens: Die Verwendung tatsächlicher oder fiktiver biologischer Unterschiede, die aber auch psychologischer oder kultureller Art sein können. Der Rassismus erfüllt demnach eine bestimmte Funktion. Aus dem Gesagten ergibt sich, daß der Rassismus die verallgemeinerte und verabsolutierte Wertung tatsächlicher oder fiktiver biologischer Unterschiede zum Nutzen des Anklägers und zum Schaden seines Opfers ist, mit der eine Aggression gerechtfertigt werden soll.
      aus: Memmi: "Rassismus", Hamburg 1992, S. 151“


      Oder hältst du meine darauffolgende Behauptung/ Interpretation für falsch?
      "Es sind in Steiners Fall weder Opfer eines angeblichen steinerchen Rassismus oder Antisemitismus bekannt, noch hat der Schaden irgendeines angeblichen „Opfers“ in der Intention Steiners gelegen. Aber vor allen sind keine Aggressionen (Taten, Handlungen) Steiners bekannt, die er hätte rechtfertigen müssen."
      -
      Dann bring doch bitte Gegenbeweise. Wohlmöglich bleibt sonst deine Kritik eine Farce!


      Anonym alias Matthias

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  2. Weder noch ...

    ..., aber dass die nahezu gesamte Anthroposophenschaft sich in der völlig unsinnigen Rassismus-Debatte - eben diese Farce nicht durchschauen wollend - wie der Stier am Nasenring jahrelang (vor-)führen lässt, ist doch symptomatisch ...

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    1. @ Anonym ohne weitere Bezeichnung

      "weder noch" Aha, da atme ich dann aber auf :-)


      Bist du denn in der Lage, das "Shame on you" zu erklären? Oder hast du das gar nicht geschrieben?
      Logischerweise könntest du das nicht sein!

      _


      "..., aber dass die nahezu gesamte Anthroposophenschaft sich in der völlig unsinnigen Rassismus-Debatte - eben diese Farce nicht durchschauen wollend - wie der Stier am Nasenring jahrelang (vor-)führen lässt, ist doch symptomatisch ..."

      Ich kann nur von mir sprechen als Freund der Anthroposophie und das ich mich keinesfalls am Nasenring herumführen lasse!
      Aber gegen Zensur und Löschen von Kommentaren bei den Ruhrbaronen bin ich dann zunächst einmal machtlos. Aber allein das ich diese Wahrheit hier äußern kann, wird sicherlich seine Wirkung entfalten.

      Anonym als Matthias

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  3. Das mit den ganzen "Anonymen" verwirrt zunehmends. Wer ist denn auf einmal "Matthias"? Und wo bleibt Wolfgang?

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    1. Wer bist du denn ;-)

      Fang doch mal an, und "weis" dich aus!

      :-)
      Matthias

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    2. Na, ich bin halt "Anonym" aber eben nicht der mit dem leicht peinlichen "shame on you", eher einer von den netteren, gebildeteren Anonymen.

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  4. Stellungnahme von Peter Staudenmaier zur Diskussion bei _Ansgar Martins praktiziert "das leidige Differenzieren" in Bezug auf Anthroposophie und Faschismus_

    http://groups.yahoo.com/group/waldorf-critics/message/23276

    "Part of the thread consists of angry denials that Steiner said the various things he said about Jews. This is very common among Steiner's followers, who often have a hard time believing that Steiner's texts actually contain passages like this -- even after they've read the passages. Every once in a while I get an indignant message from an anthroposophist insisting that Steiner couldn't possibly have said those things about Jews (or about 'Negroes' or Asians or indigenous peoples and so forth). In the thread above, another outraged anthroposophist named Wolfgang expresses considerable consternation about two passages in particular, where Steiner says that the Jews killed Christ and where Steiner attributes to the Jews a wish that all other peoples would die out.

    Steiner did in fact make both of these claims. According to Steiner, the ancient Hebrews believed "that the earth could only become happy if everything else would die off and only the members of this people would fill the whole world." (Rudolf Steiner, Der innere Aspekt des sozialen Rätsels, 56) Here is how the sentence reads in the original: ..."

    für den Rest der Stellungnahme: http://groups.yahoo.com/group/waldorf-critics/message/23276

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    1. Lieber Herr Staudenmaier,

      Sie schrieben:

      "Steiner blamed the Jews for Christ's death, for example; see Steiner, "Die Völkerseelen und das Mysterium von Golgatha" (1918), in Rudolf Steiner, Erdensterben und Weltenleben (Dornach 1967), pp. 158/159."

      Dann hab ich nachgeschlagen - und da steht etwas anderes: Steiner hat eben auf genau diesen Seiten den Juden NICHT vorgeworfen für den Tod Christi verantwortlich zu sein!
      Hier steht - S.159 - Folgendes von R.Steiner:

      „Denn weder hat dieses Ereignis es zu tun mit dem jüdischen Volkscharakter, noch mit dem auf dem gleichen Gebiete wirkenden römischen Volkscharakter; denn die Juden rufen: Kreuzige ihn! - und der Römer kann keine Schuld an ihm finden, das heißt, er weiß nichts mit dem anzufangen, was da vor sich geht. Es hebt sich das ganze heraus aus dem, was durch den Volkscharakter geschehen kann. Dadurch wird das Mysterium von Golgatha ein solches Ereignis, das Sie, wenn Sie es genau studieren, mit keinem andern vergleichen können. Märtyrer hat es selbstverständlich auch anderswo gegeben; aber nicht aus diesen Gründen, die für das Mysterium von Golgatha gelten, sind Märtyrer erstanden. Je mehr Sie das Mysterium von Golgatha studieren, desto mehr werden Sie finden, daß es gerade deshalb eintrat, weil es nichts zu tun hat mit einem einzelnen Volkscharakter, sondern weil es in Verbindung steht mit der ganzen Menschheit.“

      Das Ereignis von Golatha hat also NICHTS zu tun mit einem Volkscharakter - weder dem jüdischen, noch dem römischen. Es sind also nicht die Juden "verantwortlich" -Steiner hat sie dafür eben NICHT angeklagt! Es hat eben NICHTS mit dem Volkscharakter zu tun - sondern mit der Menschheit.
      Jesus Christus würde von der Menschheit ans Kreuz genagelt - sie ist dafür verantwortlich - und nicht "das Volk der Juden". DAS ist das Fazit des Textes - das Fazit: "die Juden sind die verantwortlichen für den Tod des Jesus Christus" wäre das allergrößte Mißverstehen dieses Textes!

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    2. Lieber Herr Staudenmaier,

      sie meinen auch:

      "Steiner also entertained a variety of conspiracy theories about Jews, including the standard antisemitic notions that Jews are to blame for wars and that Jews are striving for world supremacy."

      Bitte können Sie mir dafür Literaturangaben aus dem Gesamtwerk von R.Steiner machen? Vielen Dank und viele Grüsse
      Wolfgang

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  5. Lieber Michael,

    also, ich finde Andreas Neiders kleinen Artikel eigentlich nicht so schlimm.
    Du hast natürlich recht damit, daß „Gedächtnisbildung“ nicht ganz der richtige Ausdruck ist für all die elektronischen Massenspeicher.
    Andererseits ist es aber doch wirklich so, daß durch die „Auslagerung“ von Inhalten, die man sich früher gemerkt hat, das eigene Gedächtnis nicht mehr in derselben Weise geübt wird wie früher und daher zu gewissen Dingen kaum mehr in der Lage ist, die früher selbstverständlich waren.
    Wer lernt heute noch ellenlange Gedichte auswendig? Ich kenne zwei reizende alte Damen, die offenbar eine ganze Menge davon abrufbar haben und oft mitten in einem Gespräch ein passendes „hervorholen“...
    Und meine Tante (damals fast neunzig) konnte unzählige Telefonnummern auswendig und sich auch jederzeit neue merken – sie wußte sogar noch, welche Nummer meine Schwester vor zehn Jahren gehabt hatte.

    Wirken wir nicht dadurch, daß wir solche Dinge heute von elektronischen Speichermedien für uns erledigen lassen, mit an einer „Bildung“, nämlich an der Verwandlung dessen, was „menschliches Gedächtnis“, was „Gedächtniskräfte“ für uns bedeuten? Ich habe den Eindruck, wir setzen heute sehr viel mehr als früher auf die Verknüpfung von und den Umgang mit Inhalten statt auf die Fähigkeit, sie detailgetreu wiedergeben zu können, ohne irgendwo nachschlagen zu müssen... (was ich keineswegs als „Fehler“ beklagen möchte!!! Ganz im Gegenteil.)

    Zudem finde ich schon, daß es heutzutage sowohl durch die Medien erzeugte „materialistische Vorstellungen und Wünsche“ gibt als auch „Bildungen“, nämlich Assoziationen, Kontextualisierungen, Erzeugung von Zusammenhängen, die von Maschinen bestimmt werden – wenn auch nach ganz anderen Gesetzen, als der Mensch es tun würde. Ich denke dabei vor allem an die diversen Suchmaschinen; ich möchte die Kriterien, nach denen sich maschinell suchen läßt, allerdings nicht gern „ahrimanische“ nennen – denn ich mag das „Verteufelnde“ an diesem Wort nicht. Aber es sind doch häufig andere Kriterien als die, nach denen ein Mensch Dinge als „zusammengehörig“ empfinden würde.

    Ich finde es auch nicht etwa „schlecht“, daß die Maschinen uns in vielerlei Hinsicht die Arbeit erleichtern und uns auf diese Weise frei machen für anderes...

    Naja.
    Und für welches „andere“?
    Warum schließlich nicht auch für ein „Erwachen für die im Ätherischen wirksamen Kräfte“?


    :-)
    Lieber Michael – nach dieser meiner kleinen „Apologie Andreas Neiders“ möchte ich hinzufügen, daß ich Dir dennoch in einem uneingeschränkt zustimme:
    Auch ich halte nichts davon, die Ursachen für das mangelnde Anthroposophie-Interesse der Jugend aus der AAG bzw der anthroposophischen Bewegung auszulagern.

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  6. Vor 3000 Jahren hatte jeder Mensch noch eine "Erinnerung" an die Erlebnisse seiner verstorbenen Ahnen. Man "erzählte" sich gegenseitig nicht irgend etwas, sondern pflegte in endlosen Erzählreihen eben diese mystische Erinnerungen. Ein Stamm oder Clan speiste den ganzen Zusammenhalt und die "Identität" im Clan durch diese Erinnerungen, Kulte und Erzählungen. Das schwindet seitdem und ist ein Grund für die Individualisierung. Was stattdessen wächst, ist nicht nur ein Gegenwartsbewusstsein, sondern auch eine geistige Präsenz in der Gegenwärtigkeit (s. Ph.d.Freiheit). Diese Entwicklung der Kultur zu leugnen und die Gegenwartskultur zu schmähen, ist schon deshalb phrasenhaft, weil noch nicht einmal diese kulturelle Grundtatsachen begriffen werden. Die Erinnerungen werden schwächer werden. Wir erinnern zunehmend nur noch das, was wir mit liebevoller Gegenwärtigkeit und Genauigkeit wirklich durchdenken. Dafür gewinnen wir "Präsenz".

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    1. Die Auslagerung des Gedächtnisses findet seit der Erfindung der Keilschrift statt. Man kann Neiders Textlein daher auch als warnendes Pamphlet aus der mesopotamischen Zeit lesen- würde genauso funktionieren, wenn man nur "elektronische Speichermedien" durch "feuchten Ton" ersetzt.

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    2. Lieber Michael,

      selbstverständlich hast Du recht, und ich stimme Dir natürlich zu!
      Ein sehr gut zu lesendes Buch mit einer Fülle von Informationen zu diesem Thema (inklusive der Auswirkungen der Erfindung der Schrift, der Buchstabenschrift, des Buchdrucks...) ist (wie ich ja schon öfter erwähnt habe) "The Shallows. What the Internet is Doing to our Brains von Nicholas Carr (auf Deutsch unter dem seltsamen Titel Wer bin ich, wenn ich online bin, und was macht mein Gehirn solange?).

      Nun wird selbstverständlich immer, wenn etwas "verlorengeht", etwas anderes hinzugewonnen bzw dafür "eingetauscht" – und wir können das entweder unbewußt geschehen lassen oder bewußt daran mitarbeiten, und damit (mit-)entscheiden, was wir "eintauschen" bzw hinzugewinnen wollen.

      Andreas Neider ist sich dessen bewußt – das weiß ich aus seinem Buch Die Evolution von Gedächtnis und Erinnerung: Lesen in der Akasha-Chronik, das ich vor einiger Zeit mit großem Interesse gelesen habe (und in dem ich vieles in noch etwas anderer Beleuchtung wiedergefunden habe, das ich zuvor bei Carr gelesen hatte).

      Ich lese Andreas Neiders kleinen Artikel also nicht als "Schmähung", sondern eher als einen Aufruf, diese Entwicklungen bewußt zu erleben und zu "ergreifen"... und er macht deutlich, was er hier für wünschenswert hält.

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    3. Ich lese gerade mal im Carr nach, und dort steht wahrhaftig einer der platonischen Dialoge: "Sollten die Ägypter zu schreiben lernen, fährt Thamus fort, werde die Schrift "vergessenheit schaffen in den Seelen derer, die sie erlernen, aus Achtlosigkeit gegen das Gedächtnis, da die Leute im Vertrauen auf das Schriftstück von außen sich werden erinnern lassen durch fremde Zeichen, nicht von innen heraus durch Selbstbesinnen.." Also ist Neiders Abkupfern einer Sonntagspredigt nicht 3000 Jahre alt, sondern nur 2400. "Antrhroposophisch" ist sie jedenfalls nicht, sondern das Immerwährende Jammern einer alten Generation gegenüber den Medien der nachfolgenden. Es ist halt reaktionäres Gewäsch.

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  7. Es gibt eine Macht, die ALLES VERGESSEN MACHEN KANN UND WILL: Rudolf Steiner erinnerte z.B. daran, dass sie die Entdeckung Amerikas durch die Wikinger vergessen machte. Sie machte auch Zander zum Prof. in der durchaus nicht ganz unkatholischen Schweiz.
    Für uns Deutsche und/oder Österreicher ist geschichtlich interessanter, dass sie erreichte, dass man sich nicht erst nach 1933ff. als Mensch allzuoft vergass - und bewusst oder unbewusst massenhaft dem Bösen diente.

    Da gibt es noch ein bißchen Arbeit ...

    http://www.gralsmacht.com/wp-content/uploads/2012/02/848-artikel.pdf

    Ebenda ff.

    ... jedenfalls für 'Glühwürmchen' ... *zwinker*

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    1. Ich liebe Caspar David Friedrich! Ein Ritter des Idealismus! Aber was sind Ideale? Mensch sein zu können eben.
      Na ja, es gibt auch Ideale, die man lassen muss wenn man älter wird. Man ist halt nicht mehr der oder diejenige wie vor Jahren. Das ist auch eine Kunst: Standortbestimmung. Glühwürmchen können an vielen Orten gedeihen.

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  8. Drei Phänomene werden hier verkettet: Speichertechnologie Materialismus Gedächtnisschwund. Und Speichertechnologie wird als Ursache bewertet. Die Phänomene könnten allerdings auch ganz anders kontextualisiert werden: Durch den Schwellenübertritt der Menschheit lockerte sich das Wesensgefüge der Menschen. Wir und besonders die jungen Menschen sind viel schlechter inkarniert als füher. Wir leben gewissermaßen zunehmend in einer autistischen Gesellschaft. Wir sind für Kommunikation und Gedächtnis auf Technik angewiesen und schaffen uns diese Krücken. Sie sind die Folge des Rückzugs aud dem Körper, nicht die Ursache. Die Sehnsucht nach dem verlorenen (Erden-)Körper drückt sich im Materialismus aus.

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    1. So käme man aus den Zeitphänomenen zu einer Forderung einer Re-inkarnierenden Spiritualität. In der nächsten Inkarnation wird Neider das so denken können. Er blickt noch in Einklang mit Steiners Zeitgenossen von der anderen Seite der Schwelle her...

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    2. Lieber popeye, "Die Phänomene könnten allerdings auch ganz anders kontextualisiert werden: Durch den Schwellenübertritt der Menschheit lockerte sich das Wesensgefüge der Menschen. Wir und besonders die jungen Menschen sind viel schlechter inkarniert als füher." Ja, das denke ich auch. Das hat sicher schon im letzten Jahrhundert angefangen. Wir haben heute sehr früh Persönlichkeiten in der Schule sitzen, häufig mit großen Problemen in der Integration von Fühlen, Denken, Wollen. Aber ich würde die Technik nicht verteufeln. Das ist nur ein erneutes Heraustreten von menschlichen Fähigkeiten, ein Prozess dauernder Häutung.

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  9. Ja, die Technik ist ein Hoffnungsschimmer für viele Autisten (gestützte Kommunikation), und für viele "normale" Jugendliche, da sie völlig selbstlos ist. Viele Jugendliche finden dort die Selbstlosigkeit, die die erwachsenen Menschen in sozialen Zusammenhänge noch nicht verwirklicht haben (z.B. Schulen, Fussballverein, AAG etc.). Technik ist nur ein selbstloses Werkzeug, wie ein Messer, dass zum Brotschneiden oder als Waffe benutzt werden kann...

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    1. @popeye und Michael
      Danke für eure Gedanken zu dem Thema, das empfinde ich als sehr hilfreich bzw. nachdenkenswert! - zumal - als betroffener Familienvater...schwer genug ;-)

      lg

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  10. @Michael:
    Könntest Du mir einen Gefallen tun? Ich wollte das Folgende einfach als Antwort auf Staudenmaier in den Link unten reinkopieren - und kann das nicht.
    Wenn Du (oder ein anderer, der das liest und machen kann...) mir das, was hier unten steht - einfach als Antwort auf Staudenmaiers Bemerkung - dort reinkopieren würdest, wäre ich Dir ehrlich dankbar!

    Und zwar könntest Du hier meine Antwort auf Staudenmaier reinkopieren:

    http://groups.yahoo.com/group/waldorf-critics/message/23276

    Das Folgende ist zum dort Reinkopieren:
    ------------------
    Lieber Herr Staudenmaier,

    Sie schrieben:

    "Steiner blamed the Jews for Christ's death, for example; see Steiner, "Die Völkerseelen und das Mysterium von Golgatha" (1918), in Rudolf Steiner, Erdensterben und Weltenleben (Dornach 1967), pp. 158/159."

    Da hab ich nachgeschlagen, Herr Staudenmaier - und da steht etwas ziemlich anderes! Steiner hat auf genau diesen Seiten den Juden NICHT vorgeworfen für den Tod Christi verantwortlich zu sein!
    Hier steht - S.159 - Folgendes von R.Steiner:

    „Denn weder hat dieses Ereignis es zu tun mit dem jüdischen Volkscharakter, noch mit dem auf dem gleichen Gebiete wirkenden römischen Volkscharakter; denn die Juden rufen: Kreuzige ihn! - und der Römer kann keine Schuld an ihm finden, das heißt, er weiß nichts mit dem anzufangen, was da vor sich geht. Es hebt sich das ganze heraus aus dem, was durch den Volkscharakter geschehen kann. Dadurch wird das Mysterium von Golgatha ein solches Ereignis, das Sie, wenn Sie es genau studieren, mit keinem andern vergleichen können. Märtyrer hat es selbstverständlich auch anderswo gegeben; aber nicht aus diesen Gründen, die für das Mysterium von Golgatha gelten, sind Märtyrer erstanden. Je mehr Sie das Mysterium von Golgatha studieren, desto mehr werden Sie finden, daß es gerade deshalb eintrat, weil es nichts zu tun hat mit einem einzelnen Volkscharakter, sondern weil es in Verbindung steht mit der ganzen Menschheit.“

    Das Ereignis von Golatha hat also NICHTS zu tun mit einem Volkscharakter - weder dem jüdischen, noch dem römischen. Es ist also nicht das jüdische Volk "verantwortlich" -Steiner hat sie dafür eben NICHT angeklagt! Es hat eben NICHTS mit dem Volkscharakter zu tun - sondern mit der Menschheit.
    Jesus Christus würde von der Menschheit ans Kreuz genagelt - sie ist dafür verantwortlich - und nicht "das Volk der Juden". DAS ist das Fazit des Textes: IHR Fazit: "die Juden sind die verantwortlichen für den Tod des Jesus Christus" wäre das allergrößte Mißverstehen dieses Textes! (Daß die praktische Ausführung des Todes Jesu' im Zusammenhang mit Juden und Römern geschah - das wissen wir schon aus der Bibel, das kann man schwerlich R.Steiner anlasten...)
    Ihre Interpretation(en) sind einfach nicht richtig - Sie haben in diesem Falle einfach nicht verstanden, was. R.Steiner sagen wollte! Prüfen Sie das doch bitte gewissenhaft nach - anstatt über Leute wie mich zu lästern...- und unverantwortliche Dinge über R.Steiner zu verbreiten, die ihre Ursachen in Ihrem mangelnden Verständnis dieses Vortrages haben.
    Sie meinen auch:
    "Steiner also entertained a variety of conspiracy theories about Jews, including the standard antisemitic notions that Jews are to blame for wars and that Jews are striving for world supremacy." Ich bin auch hier davon überzeugt, daß Sie die Quellen nicht ganz richtig interpretieren. Aber sicherheitshalber wäre es nett von Ihnen, wenn Sie mir dafür alle konkreten Stellen im Gesamtwerk von R.Steiner angeben könnten! Und zwar hierzu:
    1.Wo sagte Steiner "the Jews are to blame for wars"
    2. Wo sagte Steiner (wenn auch nur sinngemäß) "Jews are striving for world supremacy"?
    Vielen Dank für Ihre Angaben und viele Grüsse
    Wolfgang Stadler

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    1. @Michael und alle andern: bitte doch nicht dort reinkopieren- habs nun doch selber gemacht - und ging...

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    2. Hoffe ich jedenfalls...- leider seh ich dort nirgends, daß es irgendwo erscheint. Aber hoffentlich hat es Staudenmaier bekommen...Wolfgang

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    3. @Alle


      Hat Staudenmaier sich jetzt mal in der Sache geäußert, vielleicht hab ich ja was übersehen?

      Dissertation hin oder her. - Erst mitlesen und kommentieren und dann die anschließenden Fragen nicht beantworten. *zwinker*

      Nicht das der auch noch " lichteähnliche" Marotten an den Tag legt.

      Der Stänkernde Matthias

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    4. Hätte mir auch gewünscht, daß er seine angegebenen Seiten noch einmal durchliest - und prüft, ob er immer noch tatsächlich glaubt, daß darin R.Steiner sagt, daß das jüdische Volk für den Tod des J.Chr. verantwortlich sei...

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    5. Ich lese zZ bei waldorf-critics nicht mit und bin auch nicht eingetragen. Peter ist häufig für einige Zeit nicht erreichbar oder im Ausland unterwegs oder beschäftigt- er antwortet aber fast immer sehr sorgfältig und bemüht, auch wenn er Standpunkte nicht teilt. So kenne ich ihn seit Jahren. Kann aber dauern.

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    6. @ Michael

      Danke für die Info. Da schwingt eine respektvolle Haltung mit. Die kann grundsätzlich nicht schaden, um miteinander ins Gespräch zu kommen. Dann könnte man auch die weit greifenden Erwiderungen A. Martins mit in den Diskurs bringen.

      Ich bin so lange ungeübt in der englischen Sprache, so dass ich sehr zeitaufwendig und ständig mit dem Dictionary in der Hand arbeiten müsste. Daher verkneif ich mir zurzeit die "waldorf-critics", aber eigentlich wäre es ja auch eine schöne Herausforderung....


      Matthias Anonym

      mit einem musikalischen Feierabendgruß

      http://www.youtube.com/watch?v=jfwFgALp38g&feature=related

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  11. Liebe AUI,

    ich bin etwas langsam aber ich wollte Dir gerne antworten...:)
    Du fragtest am 27. Februar: „Was genau ist bitte ein Anthroposoph? Der Begriff erschliesst sich mir nicht. Kann man das festnageln?“
    Ja, man kann…:):):)

    1. Anthroposophie ist ein Erkenntnisweg, der das Geistige im Menschenwesen zum Geistigen im Weltenall führen möchte. Sie tritt im Menschen als Herzens- und Gefühlsbedürfnis auf. Sie muß ihre Rechtfertigung dadurch finden, daß sie diesem Bedürfnisse Befriedigung gewähren kann. Anerkennen kann Anthroposophie nur derjenige, der in ihr findet, was er aus seinem Gemüte heraus suchen muß.
    Anthroposophen können daher nur Menschen sein, die gewisse Fragen über das Wesen des Menschen und die Welt so als Lebensnotwendigkeit empfinden, wie man Hunger und Durst empfindet.

    Aus „Anthroposophische Leitsätze“

    Herzliche Grüße aus Hamburg

    Belinda

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    1. Das stimmt! Den Leitsatz kenne ich! Und er ist auch wahr. In Zeiten, wo man gewisse Bedürfnisse nicht erfüllt bekommt oder selbst erfüllen kann wie auch immer, fühlt man sich dann vollkommen burned out, auch wenn man äusserlich alles hat.
      Ja, das kann man deutlich spüren, aber geht das denn nicht jedem Menschen so, oder nur Anthroposophen?

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  12. Passend zu unseren Diskussionsthemen:

    "Ich sagte Ihnen, wer meine «Geheimwissenschaft im Umriß», liest, so wie man heute einen Roman liest oder ein anderes Buch, wer nur passiv sich hingeben will, für den ist diese «Geheimwissenschaft» ein Gestrüpp von Worten, sind es im Grunde genommen auch meine anderen Bücher. Nur demjenigen, der weiß, daß in jedem Augenblick, wo er sich der Lektüre hingibt, er aus seinen eigenen Seelentiefen heraus durch sein intimstes Wollen etwas schaffen muß, wozu die Bücher der anregende Impuls sein wollen, nur dem gelingt es, diese Bücher wie Partituren zu betrachten und das eigentliche Musikstück aus ihnen erst zu gewinnen im eigenen Erleben der Seele. Dieses eigene aktive Erleben der Seele aber brauchen wir.

    Rudolf Steiner, GA 198, Ende 9.Vortrag (Juli 1920)

    :-) Wolfgang

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    1. Lieber Wolfgang,

      hinter dieses Zitat sollte man mindestens 10 Ausrufungszeichen setzen.

      anonym1

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