Filterbubble

"Sie kennen das Problem der Filterbubble und der sozialen Homophilie, diese Gefahr immer nur denjenigen zuzuhören, die einem ähnlich sind. Zum Glück sind das Verhaltensmuster, die man ändern kann. Wir müssen nur aufpassen, nicht in die Falle zu tappen, und dagegen ankämpfen." -

..meint der Internet- Experte Ethan Zuckerman in einem Gespräch in The European. Er meint damit nicht nur die Probleme, die Facebook und Twitter hervor rufen. Diese Netzwerke filtern ja die Informationen je nachdem, welche Follower und Friends man wählt und hat. Dabei kann eine Art selektive Selbstbezüglichkeit heraus kommen- man bewegt sich im ewig gleichen semantischen Umfeld, durch das man in Meinungen bestätigt und verstärkt wird. Wer zu sehr heraus fällt, wird aus dem Informationsstream schnell heraus geklickt und ausgeschlossen. Aber Zuckerman zielt darüber hinaus auch auf die kulturellen und sprachlichen Barrieren. Wir kommen nicht einmal auf die Idee, gezielt nach Bloggern in Burma und Somalia zu suchen, und befinden uns in radikalen Vorurteilen, wenn wir meinen, so etwas gäbe es gar nicht. Gerade Afrika ist in dieser Hinsicht ausgezeichnet vernetzt- selbst dort, wo es an Straßen, Wasserversorgung und sonstiger Infrastruktur mangelt.

Die soziale Homophilie ist natürlich ein Phänomen, das es auch schon vor der Informationsgesellschaft gegeben hat. Heute sind die Möglichkeiten einer globalen Informationskultur technisch vorhanden. Die Schere im Kopf, die das Zulassen von Meinungsvielfalt, von kultur- und sprachüberschreitenden Diskursen verhindert, haben wir uns selbst zuzuschreiben.

Kommentare

  1. Vielen Dank für diesen Artikel!
    „Soziale Homophilie“, herrlich treffender Begriff.

    Ich halte es für sehr wichtig, daß man sich des Phänomens der „Filterbubble“ (das natürlich sehr viel älter ist als das Internet) bewußt ist.

    Sehr schön finde ich auch das Projekt der Global Voices, von dem ich bisher in meiner eigenen „Filterbubble“ noch nichts gehört hatte...

    Danke.
    Herzlich,
    Ingrid

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  2. Hier ein Projekt von dem gestern eine Tageszeitung berichtet hat, auf der Titelseite .

    http://digiweb.excite.de/israel-loves-iran-facebook-kampagne-gegen-den-krieg-N54023.html

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    1. Meistens werden Kriege nicht dadurch entschieden, wenn ein paar Hunderttausend oder auch Millionen Leute einen "gefällt mir" Button anklicken.

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    2. "Meistens werden Kriege nicht dadurch entschieden, wenn ein paar Hunderttausend oder auch Millionen Leute einen "gefällt mir" Button anklicken."

      Weiß ich nicht.
      Das sind recht neue Phänomene und Prozesse und es wird auch nicht nur ein Button angeklickt.
      ;-)
      Michael W.

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