Die Lächerlichkeit der Macht

Ach, wie herrlich, sie machen immer noch weiter: "kim jong-il looking at things" bietet Ausblicke in die dümmlichen Blicke des glücklicherweise verblichenen Diktators, Generalsekretärs der Partei der Arbeit Koreas (PdAK), Vorsitzenden der Nationalen Verteidigungskommission der Demokratischen Volksrepublik Korea und Obersten Befehlshabers der Koreanischen Volksarmee (KVA). Man kann sich die Fotosammlung auch als Ganzes auf den Bildschirm holen

Es folgen lange, lange Reihen von Fotos, die diesen Blick des ehemals unfassbar Mächtigen, häufig durch schrille Kleidung und gewaltige Sonnenbrillen nahezu Entstellten und vermutlich meistens Sturzbetrunkenen beinahe einfangen. Er wirkt dabei in dieser Welt wie bestellt und nicht abgeholt.

Eigentlich weiß man, wenn man diese Bilder betrachtet, schon genügend Bescheid. Man kann ihn sich gut in einem Wachsfigurenkabinett neben dem Massenvergewaltiger Muammar Gaddafi und - sagen wir- Margot Honecker vorstellen. Letztere hat ja erst vorgestern im ERSTEN den Schießbefehl gegen die Mauerflüchtlinge der DDR nicht gerade verteidigt, aber doch darauf aufmerksam gemacht, dass letztere ja nicht hätten klettern müssen. Ja, diese prominenten Zeitgenossen können einem die Abendstunden beinahe versüssen. Leider sind sie trotz aller Gräuel immer so schnell vergessen. Was ist mit denn mit Idi Amin, dem fetten Schlächter von Uganda? Die Liste ist endlos, die unfassbare Gewaltbereitschaft, ja der Hunger danach, gepaart mit stupender Dummheit oder offener Geisteskrankheit, das hat man irgendwann fast überall auf diesem Planeten.

In einem weiteren Interview mit RTLs Rados leugnete Gaddafi vor seinem Ende in einem Kanalrohr alle Anschuldigungen- man fragt sich, ob er ganz klar in Kopf war: ""Was habe ich getan, um sie zu enttäuschen?", lautet die anklagende Frage Gaddafis auf Rücktrittsforderungen westlicher Politiker wie US-Präsident Barack Obama. Dass er friedliche Demonstrationen brutal niedergeschlagen habe, sei eine Lüge. Es habe nie Demonstrationen gegeben. "Absolut nicht", lautet die Antwort auf Antonia Rados Nachfrage. Wenn es während der Unruhen Demonstrationen gegeben habe, dann für ihn, niemals gegen ihn."

Aber die annähernde Schönheit reiner trunkseliger Blödheit findet man in solcher Komprimiertheit wohl nur bei Kim Jong Il. Nun ja, er soll ja auch nach angeblichen Volkslegenden (in Wahrheit wohl ein Produkt des nordkoreanischen Geheimdiensts) mit sehr gutem Omen auf die Welt gekommen sein: Laut offizieller Biografie wurde "Kim Jong-il am 16. Februar Juche 31 (1942) am Fuße des Bergs Paektu geboren. Der offiziellen Legende nach sollen nach seiner Geburt ein Stern und ein doppelter Regenbogen am Himmel erschienen sein."
Aha. Wahrscheinlich hieß das in Wahrheit auf Koreanisch: Alle Mann auf die Boote. Aber das verraten uns unsere Quellen leider nicht.

Kommentare

  1. Lieber Michael, meine vollständige Zustimmung.

    Allerdings, mit Blick auf die betroffenen Menschen, oder sollen wir sie Bürger nennen, da sehe ich dann deren Abhängigkeit von der Autorität, diesen Glauben an eine ausserhalb ihnen sich befindlichen Autorität, diese Projektion dessen, was als Licht in ihnen selbst zu bemerken wäre, nach draussen projiziert auf einen Macht-Haber, der es dann hat, was sie selbst zu haben hätten (können).

    HIER sehe ich das Heilbringende Licht durch die Anthroposophie und meinen starken Verteidigungswillen gegen jene, die sie verunglimpfen wollen, ebenfalls aus einer Dumpfheit heraus. Man zerschlüge mit einem durch Kopie erschlichenen "Licht", dem des Nur-Verstandes die eigentliche Lichtquelle der wahren "Autorität" in sich selbst. Ein geistiges Harakiri.

    "Nachtdunkel hätte ausgewaltet, taghelles Licht könnte in Menschenseelen erstrahlen..." GA 260 "Die Weihnachtstagung zur..." S. 195 (ein wenig umgestaltet durch meine Wenigkeit).

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  2. Vielleicht bin ich naiv, aber es kommt mir vor, wie wenn die Diktatoren auf der Welt weniger geworden wären, und die Wenigen sind weicher geworden. Der internationale Gerichtshof setzt sich besser durch als noch vor zehn Jahren. Trotzdem ist noch viel zu tun. Ich würde mir eine breite bürgerliche Schicht wünschen, die wieder lernt sich für Politik zu interessieren und in eifrigem Dialog steht. Auch wissenschaftliche Forschungsergebnisse werden in einer friedlicheren Welt, da die Kräfte frei werden, eine größere Rolle spielen...

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