Medial entrückt

Nicht in dem Sinne, wie man Entrückung spontan verstehen könnte, nicht ekstatisch oder anderweitig neben der Spur. Nein, ich gehe den vielfältigen Spuren bei Twitter nach, auf verschiedenen tragbaren Medien und entdecke Tag für Tag Neues. Natürlich ist es ein extrem ungehobeltes Medium, man muss sich darauf einlassen, um es mitzubekommen, um es zu erleben, denn die Nachrichten sind ungeordnet und man nähert sich einer Linie nur nach und nach an. Es gibt die Privaten, die manchmal unterhaltsam sind und einer sehr kurzen möglichen Zeichenfolge einen heiteren, tiefsinnigen oder poetischen Inhalt verpassen wollen. Es gibt die Nachrichten vieler Sender, Zeitschriften, Verlage. Es gibt die Prominenten und Politiker, die mehr oder weniger aktiv sind, aber meist selbst persönlich twittern und nicht - wie bei Facebook- Parteiangestellte oder professionelle Dienste vorschicken.

Und es gibt die vielen Dinge dazwischen. Nehmen wir z.B. den Livebericht des Literaturcafes von der Ingeborg-Bachmann-Preis- Verleigung in Klagenfurt. Es ist angenehm, von der Ansprache und Hommage Ruth Klügers zu lesen, diese Rede im Manuskript aber gleichzeitig lesen, ihre Gehbewegungen auf Bachmann zu und ihre Ironie Grass gegenüber verfolgen zu können. Da kommt einem Ingeborg Bachmann wieder nah, ihr Verzweifeln an der Wahrheit der Worte, das Ende ihres Dichtens und das trostlose Ende in Rom.

Ein wunderbares "zwitscherndes" Medium, dieses Twitter. Wenn man sich einmal einen Weg durch das informelle Gestrüpp gebahnt hat (möglichst mit mobilen Geräten), erlebt man zweifellos entrückende Momente.

Kommentare

Egoistisch am meisten gelesen: