Krähen & andere anthroposophische Vögel

Wolfgang Stadler hatte das Bedürfnis, zwei Zitate zu teilen, die mit der Lust an der Kritik in "diesen Kreisen" zu tun haben, eines von Judith von Halle, eines von Michaela Glöckler. So wahr, berechtigt und verständlich die Appelle (darum handelt es sich doch wohl) sind, möchte ich mir schon erlauben, dagegen zu stellen, dass es sich in manchen Auseinandersetzungen doch um Fragen der geistigen Positionierung handelt. Das, was man heute in der anthroposophischen Gesellschaft und in ihrem Vorfeld vorfindet, sind vielfältige Modelle- etwa in Fragen der geistigen Entwicklung des Individuums. Es ist ja auch ein Zeichen des lebendigen Diskurses, dass es derartig differente Ansätze gibt, und nicht etwa ein einheitliches Vorstellungsbild. Dennoch, da stimme ich zu, wird in den Auseinandersetzungen nicht immer pfleglich mit den Vorstellungen Anderer umgegangen. Neuerdings wird - so hörte ich über Mieke Mosmuller- sogar per Anwalt gegen Kritiker vorgegangen. Nun aber die angekündigten Zitate:

Zitat von Judith von Halle:
"Es ist notwendig, dass es sie gibt, die Einzelkämpfer. Aber wie weit sind wir davon entfernt, auch nur annähernd das zu leben oder auch nur dasjenige zu sehen, was lebendige anthroposophische Gemeinschaft sein könnte und sollte - wo doch viele Einzelkämpfer, ob gewollt oder ungewollt, dazu tendieren, eine mögliche gemeinschaftliche Bewegung dadurch zu verhindern, dass sie einander wie die Krähen das eine oder andere Auge aushacken?! Mit mahnenden Appellen, und seien sie noch so geistreich, wird der Einzelne wenig bewirken. Dass an dieser Stelle viele Einzelkämpfer selbst genau das tun, was sie am Establishment bemängeln, wird eine gemeinsame Erkenntnisaufgabe sein, um wirklich weiterzukommen."

Zitat von Michaela Glöckler:
"Positive Arbeit für die Substanzbildung geistiger Erfahrung und Liebe zum Leben und den Menschen, auch wenn sie nicht immer das sagen und wollen was uns wichtig ist, tragen zur Inkarnation des Wesen Anthroposophie in uns und den Zivilisationsverhältnissen bei - 
Warum muss immer so viel Kritik an anderen mit an Bord sein?"

Kommentare

  1. Ich würde mal sagen, dass eine christliche Form der Kritik darin bestünde miteinander sich gegenseitig dazu zu verhelfen sehen und erleben zu können, wo, warum und wie/wodurch der andere steht. Schlaues (")Belehren(") entstünde ganz von allein, spräche man mit-ein-ander.

    Kritik heute erscheint mir wie Blümchenschiessen auf dem Jahrmarkt nebst gleichzeitigem Versuch seinen individuellen Code autoritär neu zu verpflanzen (hirniger Darwinismus). Man hat "Vernunft" irgendwie noch nicht richtig erfasst. Der Ratgeber durch sie flüstert immer noch aus dem hirnigen Wissenschatz heraus in das ebenfalls beim Anderen vermutete Arsenal hinein. Selbst Überzeugungstäter würden nicht einfach nur aussäen wollen, sondern den anderen zu erreichen suchen.

    Sich füreinander transparent zu machen. AUFRICHTIG!!, wäre ein gesunder Weg nebst fragender und wirklich interessierter Grundhaltung. Man würde dann eher Hüllen statt der Inhalte benennen und beschreiben wollen, um sie aufzulösen, um sich entpuppen zu können.

    Freiheit wird es nur geben können, wenn man füreinander sichtbar ist, seelisch-geistig natürlich und zuerst geistig, das Seelische wird sich im Schlepptau dieser Transparenz von allein dann läutern. Jegliche Selbst-"Behauptung" durch welche Form von Autorität auch immer ist ein Gift auf dieser Ebene. "Unsere Leidenschaft für die Freiheit ist stärker als jegliche Autorität". (Das Foto von Dir, Michael, hier drunter) Das beruhigt mich bis in meinen Kern hinein, dass das lebt. Das Bekenntnis allerdings ist NOCH handgemalt :-)

    Und diese beiden Apelle da oben erlebe ich ebenfalls als ein Gift, weil es die Inkarnation der Sichtbarkeit behindert und man immer noch daran appelliert autistisch um sich "selbst" zu kreisen. Und so behutsam pflegend, ja was denn eigentlich??!!? Was man wird sehen können bedürfte einer Pflege, hier wird immer noch die Sonnenbrille geputzt. Kritik heute müsste metamorphosiert werden, die Quelle der sogenannten "Vernunft", wäre sie wirklich lebendig, hiesse dann "erlebte Sichtbarkeit".

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    1. Manroe, Du sagst: "Und diese beiden Apelle da oben erlebe ich ebenfalls als ein Gift, weil es die Inkarnation der Sichtbarkeit behindert und man immer noch daran appelliert autistisch um sich "selbst" zu kreisen."
      Also das halte ich für das allergrößte Mißverständnis überhaupt! Ausgerechnet Michaela Glöckler und JvH...- Hier mal das Zitat von JvH im Zusammenhang: "...scheint mir zuänchst das Wichtigste, dass sich möglichst viele Anthroposophen endlich bewusst werden, dass es ohne die rückhaltlose Betrachtung der karmischen Zusammenhänge keine AAG mehr geben wird. (Und man darf wohl fragen: Gibt es sie in Wahrheit noch?)
      Der Zustand ist aufgrund des Nicht-Aufgreifens dieser ersten Forderung an das Verantwortungsbewusstsein derart katastrophal, dass es mir nicht einmal mehr die Seelenregung der Wut abringen kann, sondern nur noch die der unendlich tiefen Traurigkeit. Und so lange dieser Zustand anhält, scheint es ein Fatum, dass auch die Arbeit der "Aufklärer" eine einsame bleibt, dass eine gesunde, organisch soziale Struktur in der Bewegung nicht leben kann (man kann ja deshalb auch kaum noch von einer "Bewegung" sprechen, denn die würde sich ja in eine bestimmte Richtung begeben). D.h. es gibt hier und da die Einzelkämpfer, aber noch keine Bewegung an sich. - Es ist notwendig, dass es sie gibt, die Einzelkämpfer. Aber wie weit sind wir davon entfernt, auch nur annähernd das zu leben oder auch nur dasjenige zu sehen, was lebendige anthroposophische Gemeinschaft sein könnte und sollte - wo doch viele Einzelkämpfer, ob gewollt oder ungewollt, dazu tendieren, eine mögliche gemeinschaftliche Bewegung dadurch zu verhindern, dass sie einander wie die Krähen das eine oder andere Auge aushacken?! Mit mahnenden Apellen, und seien sie noch so geistreich, wird der Einzelne wenig bewirken. Dass an dieser Stelle viele Einzelkämpfer selbst genau das tun, was sie am Establishment bemängeln, wird eine gemeinsame Erkenntnisaufgabe sein, um wirklich weiterzukommen."

      Und hier das Zitat von Frau Glöckler im Zusammenhang:
      "Meine Erfahrung als Zeitgenossin und der Anthroposophie vorgeburtlich verbundene ist, dass die Anthroposophie dann am besten gedeiht, wenn jeder das tut, was ihm von Herzen kommt und Respekt entwickelt vor dem, was andere tun, zu deren Richter wir nicht ausersehen sind. Positive Arbeit für die Substanzbildung geistiger Erfahrung und Liebe zum Leben und den Menschen, auch wenn sie nicht immer das sagen und wollen was uns wichtig ist, tragen zur Inkarnation des Wesen Anthroposophie in uns und den Zivilisationsverhältnissen bei -
      Warum muss immer so viel Kritik an anderen mit an Bord sein?
      Jeder kann doch einen Zweig, eine Institution gründen und genau das tun was er möchte -"

      Ernst Seler hat wohl auch noch nichts bei R.Steiner über das Wesen der Anthroposophie gelesen - und nicht über die Art seiner Inkarnation... :-(
      Grüsse an alle
      Wolfgang Stadler

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    2. "Meine Erfahrung als Zeitgenossin und der Anthroposophie vorgeburtlich verbundene ist,...."

      Der Hinweis auf das Vorgeburtliche ist interessant und ich nehme an, nicht nur so dahin gesprochen. An der Stelle wirkt die Aussage dann aber doch als "Gewicht", als esoterisches Gewicht für die nachfolgende Aussage, auch eine gewisse Moralpredigt (als Vorstandsmitglied). Es sind solche Feinheiten, welche erkennen lassen, letztlich wird doch keine echte Freiheit angestrebt. Denn mit einer Zweiggründung, oder Gründung eines Instituts wird doch immer nur der Wille einer Person vervielfältigt, mehr nicht. Zweige und Institute sind nicht mehr zeitgemäß. Der ewige Wunsch, das Hinhecheln zur mißglückten Weinachtstagung, "Anthroposophie" als Zauberwort, ein Begriff, den Steiner nicht wollte, das wirkt austauschbar. "Dornach" mutiert zu "Rom" zum Dogma.

      Steiner sprach sich dahingehend aus, er wolle den Begriff "Anthroposophie" nicht, er solle eigentlich alle 14 Tage ausgewechselt werden (Aussage Steiners ist belegbar) Ich habe immer noch den Brief von Michaela Glöckler, wo sie uns 1994 vorschreiben wollte, geistig vorschreiben wollte, wie wir uns zu verhalten hätten... ...also ich kann das belegen. Aber vielleicht hat Frau Glöckler sich ja geändert, wir reifen ja alle, oder?! Nun, für 14 Tage mag sich Anthroposophie inkarnieren, ist ja - hoffentlich - ein freies geistiges Wesen, wird schon seine Mitarbeiter, Glieder finden.

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    3. @Ernst Seler: so ein Quatsch - lohnt nicht, sich auf sowas einzulassen!
      Wolfgang

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    4. Grüß Dich Wolfgang,

      ...die mich zitierende Stelle musst Du aber immer im Zusammenhange dessen sehen, was ich sonst noch gesagt habe. Könntest Du mir eher zustimmen oder mich besser verstehen, wenn ich gesagt hätte, dass ich beide Apelle da oben richtig und gut finde aber sie für falsch halte? Es ist ja doch eigentlich alles gut, was geschieht, allerdings das meiste wohl falsch. Und um das zusammen zu bekommen, müsste man mit den Menschen ander(e)s sprechen, insbesondere dann, wenn es von "oben" kommt, wie z.B. aus Dornach. In diesem Sinne mein obiger Text, den ich übrigens ebenfalls wie Frau Glöckler meiner Erfahrung entnommen habe, auch aus meinen Erfahrungen in Zweigen etc. .

      Ich persönlich würde mich nicht auf die Seite der ewig kritisierenden stellen wollen und können, wenngleich ich sie verstehe, sie sich als Einzelkämpfer aber absondern und anscheinend wirklich ganz allein bleiben wollen, weil sie meinen es eh zu sein, aber das mit dem "Egoismus" (in meinen Augen) nicht richtig zu sich zuordnen können.

      Was nützt es mir, WAS sollte das sein, eine Individualität, wenn ich allein bin?!? Oder noch intensiver, wie sollte das gehen?

      Man stelle sich vor, Du bist wirklich einzig, so richtig wirklich und wohlfundiert begründet und erlebt. WOZU??? Ich würde gern im Chor mit wirklichen Individualisten singen :-) Ich könnte mir momentan nichts Grösseres vorstellen als ein aus sich in gegenseitig sehender und wahrnehmender Gemeinschaft Handelndes, voll bewusst. Allein würde ich nicht sein wollen, das wäre abstrus. Hier auf Erden z.B. ein Streichquartett in vollstmöglicher Hingabe an das Gespielte bei völliger Wachheit für- und zueinander, am besten aus einer spontan sich ergebenden und entfaltenden Komposition aufgrund gegenwärtig sich einstellender Inspirationen, weil er nicht abreisst, der Faden zueinander im Aufmerksamkeitskosmos dessen, was gerade geschieht.

      Zusammenfassend, die Quelle der Kritik sollte mal in Augenschein genommen werden, schon allein dann müsste man erleben können, täte man dies, dass man nicht allein ist, man ist immer im Gespräch in sich, jenseits der umherfliegenden Objekte aus vergangenen (")Tagen(").

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  2. "tragen zur Inkarnation des Wesen Anthroposophie" von Michaela Glöckler.

    Gibt es denn ein solches "Wesen"?!

    Wenn ja, warum sollte es je "inkarnieren", das tun doch nur wir Menschen.

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    1. Lieber Ernst,

      ich denke es inkarniert sich über/durch uns, jenes Wesen, wie immer man sich das auch vorstellt, möglichst wesen--haft allerdings :-)
      Die Vor-Stellung eines Wesens jener Art würde ich zunächst einmal hintanstellen wollen, um unvoreingenommener erfahren zu können wo und wie die Quelle eines sich einfindenden Staunens ersteht, lässt man sich spürend ein auf das ---,--- dass das wirklich geht, all das ... ---

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  3. Hallo Ihr, interessante Gedankengänge!

    Mir fallen dazu ein, immwieder, die 12 Weltanschauungen R. Steiners, die man als Ausgangspunkt nehmen könnte, zu mehr Freiheit, innerem Abstand zum Nächsten und Toleranz.

    Ich denke, wenn jemand das mal als Übung nimmt, vielleicht auch so 14 Tage lang ;-) - dann käme vielleicht etwas heraus, was bedeutend und doch so einfach ist: Man macht zunächst einmal - ganz und gar - SELBST - einen Sprung zu mehr geistiger Flexibilität (hin zu mehr Menschenkenntnis, nebenbei) in aller Ruhe. Man wäre auch gar nicht 'angewiesen' (z.B. mit Vertreidigungshaltungen, Dauerkritik und Anklammern) auf EINE Weltanschauung oder gar auf Einseitigkeiten im Denken und Tun anderer (und die gibt es nun mal in jedem, zumindest muss man stark damit rechnen) - und man würde Anthroposophie in seiner reinen Wortbedeutung zunächst einmal be-greifen. - Man wäre sozusagen selbst Institution, aber eine äußerst bewegliche und zudem eine sehr gütige.

    Geht das nun wiederum innerhalb einer äußeren Institution?
    Vielleicht...wenn die Voraussetzung einer Flexibilität in der Anschauung, gegeben ist. Einseitigkeiten würden sich im Idealfall so dann gar nicht verfestigen (und sie würden offen besprochen, weil man eben auch Abstand zu sich selber hätte) - nicht zu dauernden Aus-ein-ander-setzungenen führen.
    Wie gesagt - wenn man vornherein absieht vom eigenen Status der EINEN Seite. Goetheanisches, schöpferisches Denken würde dann vielleicht aufleuchten und Freiheit wäre nicht nur ein farbiges, schönes Bekenntnis, sondern allmähliche Realität. Vielleicht würde sich dann wieder Weisheit, also Sophie im Menschen inkarnieren und Anthro, also Mensch, wundert sich aufs Schönste, er kann wieder Staunen ;-)

    Oder wie Goethe einst sagte:

    "Durch nichts bezeichnen die Menschen mehr ihren Charakter als durch das, was sie lächerlich finden."

    oder ...:

    "Ernst in beschränkter Sphäre, auf kleine enge Gegenstände gerichtet, ist Fanatismus oder Pedanrismus. In einer gewissen Höhe angesehen, erscheint er uns lächerlich, und dies ist in der Tat das beste Mittel, uns davon herzustellen.

    lg

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  4. Lieber Steffen,

    wahrlich ist der Hinweis mit den 12 Weltanschauungen usw. ein sehr hilfreiches Mittel sich selbst zu bescheiden, weil Bildung, das Wissen Vorraussetzung ist.
    Verständigung kann ja nur auf gleicher Ebene stattfinden, diese fehlt eigentlich fast immer, weil das Interesse zur erlebten, nicht nur gedachten Wahrheit fehlt. In all den vielen Vorträgen, Werken Steiners, ist dieser Wille zur wahren Erfassung der Weltenrätsel spürbar, ist Grundton.

    Hörte gestern zufällig einen Beitrag im Radio, wesentliche Gedanken von chilenischen Indianern. Ungefähr so, das Problem ist, wenn die Welt in gut und böse sich aufteilt, weil dann natürlich der Mensch das Gute anstrebt und automatisch das Böse ausschließt. Wird die Welt, wie dies im Radiobeitrag vorgestellt wurde, mit positiven auch notwendigen negativen Kräfen erfasst, im Sinne der Mathematik, dann weiß der Mensch, zum Positiven gehört das Negative, es wird die Welt als Einheit erlebt. Vielleicht haben wir uns in Europa einen vollkommen falschen Christus moralisch gebastelt, sogar im Weltbild der "Anthroposophie", damit unser Denken institutionalisiert, das ist die Crux.

    Befasste mich dieser Tage mit einem kürzlich erfolgten Beschluß des BVerfG zum bewaffneten Einsatz der Bundeswehr im Inneren. Ein Plenums-Beschluß mit 16 Stimmen. Es gab zu einem Punkt ein Sondervotum. Der Verfassungsrichter Geier zeigt auf, wie der Beschluß in seiner Wirkung einer Verfassungsänderung gleichkommt, die aber nur dem Bundestag zusteht. Es sind aufrüttelnde Worte, da klammheimlich sich dieser Tage im Ergebnis ein politischer Putsch durch das Bundesverfassungsgericht vollzog. Las nur einen Kommentar von Herrn Prantl von der SZ. Ansonsten interessierte sich die Öffentlichkeit nicht für das schwerwiegende Ereignis. Echtes Interesse füreinander fehlt.
    Deine Charakterisierung von Instutition ist lebendig. Vor vielen Jahren sagte mir ein Priester der Christentgemeinschaft, er besuchte mich hier, sie wüßten, alle Institutionen würden zusammenbrechen, in den kommenden Ereignissen. Es hat etwas Befreiendes, diese Aussicht....

    Hier der link zur Sendung:
    http://www.dradio.de/dlf/sendungen/dasfeature/1806626/

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  5. Lieber Ernst, vielen Dank.

    Werde deine Gedanken nachklingen lassen. Die Indianergedanken klingen ja so ganz nach Ying und Yang, sehr schön.

    Herzl. Grüße
    Steffen

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  6. Lieber Ernst,

    habe schnell noch einen Artikel/Vortrag herausgesucht(Paracelsus-Zweig/Basel) zu den 12 Weltanschauungen R. Steiners, finde das ganz passend. Ob es nur etwas mit Bildung und Kopf zu tun hat, glaube ich nicht unbedingt. Es kann doch einfach dazu anregen, ein wenig seinen Horizont zu erweitern ;-)

    Dennoch, da stimme ich dir zu, es ist irgendwie ein Hilfsmittel, ein Anfang vielleicht nur. Spirituelle Werte und Wahrheitswerte, entstehen doch meist aus den tieferen und meditativen Schichten, wo manchmal ZU viele Worte und lange Ausführungen, durchaus störend wirken können, jedenfalls für mich.

    Hier mal der Text/Vortrag, eingeleitet mit einem Zitat von Friedell:

    «Bei einem Denker sollte man nicht fra-

    gen, welchen Standpunkt nimmt er ein, sondern: Wie viele

    Standpunkte nimmt er ein? Mit anderen Worten: Hat er ei-

    nen geräumigen Denkapparat oder leidet er an Platzman-

    gel, das heißt an einem System?»

    So Friedell in dem Buch

    Steinbruch, im Kapitel «Was ist Wahrheit?»


    Dann weiter der Vortragende:

    "Damit stehen wir vor einer Grundforderung aller Welt-

    anschauung: Ein Denker sollte nicht nur einen bestimmten

    Standpunkt ausbilden und vertreten, sondern nach Viel-

    seitigkeit der Weltanschauungen streben.

    Jeder Denkende, und das sind wir ja alle, will eine Welt-

    anschauung finden. Nun zeigte Rudolf Steiner, dass es im

    Prinzip zwölf typische Weltanschauungsstandpunkte gibt,

    zwölf Tore gleichsam in die Wirklichkeit. Jeder dieser

    Standpunkte sucht nach dem, was von ihm aus gesehen,

    das Wirkliche oder das Wahre ist.

    Die grundlegenden geisteswissenschaftlichen Ausfüh-

    rungen dazu machte Rudolf Steiner in dem Zyklus, der für

    dieses Thema eine unabdingbare Grundlage darstellt: Der

    menschliche und der kosmische Gedanke – vier Vorträge, ge-

    halten in Berlin, im Januar 1914 (GA 151), ein halbes Jahr

    also vor Ausbruch des Ersten Weltkriegs. Dieser Zyklus ist

    neben dem Volksseelenzyklus von 1910 ein weiterer Ver-

    such, in ganz anderer Weise, zur Befriedung unter den

    Menschen beizutragen. Das Sich-Beschäftigen mit den

    zwölf Weltanschauungen, ein Beweglichwerden in ihnen,

    das Verlassen der Sehnsucht, einen bestimmten Stand-

    punkt als den ausschließlich richtigen immer und überall

    zu vertreten – das sind Dinge, die mit der Frage, wie ist

    Frieden unter Menschen möglich, eng zusammenhängen.

    Es liegt jedoch zunächst offenbar in der menschlichen Na-

    tur, einseitige Anschauungen zu vertreten, über die dann

    gestritten wird, obwohl es manchmal genügen würde, klar

    zu machen, von welchem Standpunkt der andere die Sache

    betrachtet. Es hat im Grunde keinen Sinn, über einen

    Standpunkt zu streiten. Sinnvoller ist es, zu fragen, ob er

    der für eine bestimmte Sache fruchtbarste ist. Solche Welt-

    anschauungs-Einseitigkeiten führen zu Routine im Han-

    deln."

    etc. ... der ganze Vortrag ist hier zu finden:

    http://www.perseus.ch/PDF-Date...

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