Mindstyle- Magazine und eine angeblich neue "kreative Klasse" mit Ambitionen auf den "Neuen Spirit"

Bildschirmfoto vom letzten Probeheft
Vor annähernd zwei Jahren klangen die Herausgeber noch optimistisch. Jens Heisterkamp schrieb für Anthromedia- einem Portal, das sich inzwischen, so weit ich weiß, seiner Gründer und Initiatoren in einer Art feindlichen Übernahme entledigt hat und im Medien- Newsticker aktuell den Juni 2011 bearbeitet-, welche Zielgruppe die Zeitschrift Wir anvisierte:

"Es tut sich was! Social Entrepreneurship, regenerative Energien, Online-Petitionen, Grundeinkommen, Neue Arbeit, fairer Konsum, persönliche Entfaltung, geistige Entwicklung, bürgerschaftliches Engagement, gesundheitsorientierte Lebenspflege – immer mehr Menschen wollen etwas bewegen und die Welt lebenswert gestalten.

Der amerikanische Soziologe Paul Ray bezeichnet diese Aktivisten als "Kulturkreative", der Ökonom Richard Florida spricht vom Entstehen einer neuen "kreativen Klasse". Aktuellen Studien zufolge gehören bereits rund 25 Prozent der Bevölkerung in Europa und den Vereinigten Staaten dieser Bewegung an, je nach konkreter Thematik folgen sogar 60 bis 80 Prozent der Bevölkerung bereits in einzelnen Lebensbereichen dem neuen Spirit – der "Tipping Point", der Punkt der kritischen Masse, die Wandel möglich macht, ist also erreicht."

Ja, die "Aktuellen Studien", mit denen ist es so eine Sache, nicht nur in der Politik. Zumal dieses Gerede von einer "kritischen Masse, die Wandel möglich macht" so originalgetreu dem Geschwafel amerikanischer New- Age- Gurus ähnelt. Ob Gurus bessere Statistik- Kenntnisse aufweisen als Politiker und Wirtschaftsfachleute? Wenn man an so etwas glaubt, mag man eine Marktlücke wittern, vielleicht auch ein kreatives Feld, das über die engen Grenzen des in Anthroposophistan Möglichen - in diesem Fall die Zeitschrift Info3- hinaus geht. Aber Info3 ist eng an die Waldorfschulen, viele Arztpraxen usw. angebunden.

Glaubt man der Guru- Ideologie vom Neuen Spirit mit seinem "Tipping Point" eher nicht, recherchiert man mal bei der Konkurrenz, z.B. dem Esoterik- Lifestyle- Magazin Happinez. Dort werden dann gleich Esoterik- Waren zu überteuerten Preisen mit angeboten, das Heft ist deutlich schriller und zeitgeistiger aufgemacht als das unglaublich biedere Wir, vor allem aber sieht man über die Facebook- Links, dass genau die Esoteriker, Wandelgeister, Anthroposophen und vor allem "Integralen" diese Zeitschrift liken, womöglich auch lesen, die die Zielgruppe für Wir darstellen. Wir müsste also das Kunststück fertig bringen, Konkurrenz im eigenen Feld zu übertrumpfen.

Abbildung von Teilen der Website
Nun hat Wir auch noch die Bürde zu tragen, dass innerhalb der Anthroposophenschaft immer noch erhebliche Bedenken gegen die Verbrüderung von Info3 und dem auf Cohen zurück gehenden EnlightenNext bestehen- auch wenn es inzwischen friedliche gemeinsame Tagungen gibt. Tatsächlich wurde Wir auch bei EnlightenNext gebührend gefeiert.

Nun sieht es - zumindest auf der Website- nicht ganz so gut für das fleissige Wir aus. Manche Seiten werden gar nicht gepflegt, die Redaktion ist personell reduziert, die letzte annoncierte Ausgabe ist die vom Sommer.

Wie das seriöse Medien- Analyse- Portal Meedia berichtet, hatte Happinez rund 120000 Leser und wird vom Bauer- Verlag im Hintergrund finanziert: "Das Mindstyle-Magazin gehört zu den wenigen echten Print-Erfolgsgeschichten des Jahres. Vor zwei Jahren brachten die Hamburger die holländische Lizenz erst nach Deutschland. Seitdem klettert die Auflage. Ohne Werbung und nur durch Mundpropaganda-Effekte."

"Mindstyle- Magazin". Das Wort muss man sich auf der Zunge zergehen lassen.

Kommentare

  1. Was ist eigentlich einen ‘News Ticker’? Wenn man nach ‘Pressemeldungen und News’ geht, bekommt man aktuellere Nachrichten: http://www.anthromedia.net/fr/pressemeldungen-und-news/

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  2. Auf der verlinkten Seite geht es um anthroposophische Öffentlichkeitsarbeit. Bei Twitter ist das Portal auch schon lange angemeldet und hat dort, so weit ich sehe, eine Nachricht.

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  3. Happinez war übrigens in 2003 eine Initiative van Inez van Oord, eine ehemalige Vrije Hogeschool-Schülerin (um 1975), die Initiative von Bernard Lievegoed in Driebergen aus 1971 für Student(inn)en, jetzt Bernard Lievegoed College for Liberal Arts benannt: http://www.blcla.nl/

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  4. Noch eine kleine Anmerkung bei ‘die Redaktion ist personell reduziert’. Die Redaktion umfasste am Anfang nur diesen drei Personen: Dr. Christoph Quarch, Dr. Nadja Rosmann en Dr. Jens Heisterkamp. Quarch und Heisterkamp sind noch immer im Impressum vermerkt. Also ist nur Nadja Rosmann ausgeschieden. Ob das nun auch qualitativ sehr unterschiedlich ist, weiss ich nicht.

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  5. Verbesserung und Ergänzung: Inzwischen ist die September- Dezember Ausgabe von Wir verfügbar: http://www.wir-menschen-im-wandel.de/index.php/ausgaben/

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  6. Danke für den Hinweis.
    Zufällig bin ich heute durch einen Zeitungsartikel auf das neue Buch des einen der beiden Herausgeber, Dr. Christoph Quarch, aufmerksam geworden: Flirten mit Gott.

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