Freundschaft schließen mit der Welt

Hier kommt Wolfgang nochmals zu Wort, nämlich mit einem Zitat Steiners im unteren, ausufernden Thread. Ich nehme dieses besonders schöne Textstück, das er vorgebracht hat, heraus:

"Und so ist der Beginn anthroposophischer Betrachtung der: Freundschaft zu schließen mit der Welt, Bekanntschaft zu schließen mit der Welt, die uns zunächst abgestoßen hat. Ein Menschlicherwerden ist die anthroposophische Erkenntnis. Und wer diese Gefühls-, diese Herzensnuance nicht aufnehmen kann in die anthroposophische Erkenntnis, der hat von der Anthroposophie nicht das Rechte. Anthroposophie will nicht nur Erkenntnisse vermitteln, sie will Leben erwecken. Allerdings, um Leben zu fühlen, muß man selber Leben entgegenbringen." (Rudolf Steiner, GA 234, Seite 114f)

"Freundschaft schließen mit der Welt" - was für ein wunderbares, schlichtes, aber zugleich anspruchsvolles Ziel! Es hat etwas von einem inneren Frieden, aber vor allem ("um Leben zu fühlen, muss man selber Leben entgegen bringen") auch etwas sehr Konkretes. Und natürlich ist es etwas, was erst nach einem voran gehenden Prozess einer Entfremdung (die "Welt, die uns zunächst abgestoßen hat") angegangen werden kann. Wenn man das existentielle Geworfensein in die Welt empfunden und erlitten hat, die Ausgangslage aller Sinnsucher. Wer diese Entfremdung nicht erlitten, diese Fragestellung nicht als zentral erlebt hat, "hat von der Anthroposophie nicht das Rechte". Nicht Höheres Wissen" ist das Ziel, nicht eine exklusive Spritualität, sondern konkretes Tun und Schaffen, ein "Leben", das nur erleben kann, wer ganz in die Gegenwärtigkeit gehen kann, um sich und "Welt" nicht dualistisch, sondern in unmittelbarer Konkretheit, in einem spirituellen Existentialismus erfahren kann. 

Gerade in der schwierigen Zeit des Advent, wenn manche Deiche brechen, wenn die Hektik und Irrealität der Zeit seltsame Konstellation gebiert, ist diese "Freundschaft" noch wünschenswerter als sonst im Jahr. 


Kommentare

  1. Danke Michael für die versöhnlichen Mitteilungen, danke Wolfgang, danke R. Steiner, that's it :-)

    L.Gr.
    Steffen

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  2. Das wirklich friedvolle allerdings ist und wird nicht sein, dass wir wieder ganz lieb zueinander sind, oder lediglich versöhnlich, sondern dass wir es gewagt haben und durchgestanden haben, eine Strecke lang und hoffentlich noch viel weiter, so derartig uns aufeinander einzulassen wie hier geschehen. Ich erlebe es, ganz persönlich als sehr friedebringend durch das oder in das hineinzugehen, in das wir miteinander hier hineingegangen sind. Friede schaffen in einer solchen Gesinnung statt einen solchen, alten, zu erhalten. Und diese neue Vokabel von freudean, statt Auseinandersetzung die Zueinandersetzung aufzusuchen und zu wagen und vor allem ganz persönlich zu bleiben dabei, ich denke DAS sind und werden die tragenden Keime sein, die uns wirklich und freiheitlich zusammenleben lassen. "Wenn zwei oder drei in meinem Namen zusammen sind, dann werde ich mitten unter ihnen sein." Ein völlig neues Erleben dessen erfahren und tragen zu können von dem, was man in der Regel als Streit erlebt und ihn möglichst schnell zu schlichten versucht, DAS wäre in meinen Augen das eigentliche "Gift". Ein guter Streit wird uns einander zeigen, wir werden dadurch füreinander wirklich sichtbar und uns füreinander öffnen und völlig neue Inhalte hervorbringen können, die, um die es gehen wird.

    Es hat mich wirklich tief erfreut, was hier in den letzten Tagen geschehen ist, ich danke allen Beteiligten und freue mich, dass es euch gibt, eine gute Nacht wünsche ich euch.

    Manfred

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  3. Es ist so, als hätten wir miteinander in unser Karma geblasen, dann fliegen deren Teilchen hoch und, wenn sie sich wieder setzen, dann in einer anderen Zusammensetzung, neu geordnet durch die Kräfte, die das vermögen, weil ich ganz fest davon überzeugt bin, dass selbige dabei sind, wenn wirklich lebendig etwas geschieht.

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  4. Das Thema Kain und Abel macht ein neues Fass auf, das ich gerade nicht bei Steiner heraus suchen möchte. Sich etwas zu verständigen, ist dabei stets ein Fortschritt.

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    1. ... stünden sich die beiden gegenüber, heute, versuchend sich gegenseitig ihre Leitideen darlegend, sie wirklich betrachtend wahrnehmend, ineinander eintauchend, sollten sie sich einigen können auf ihre typischen Urteile zu verzichten.

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  5. Ich sag Dir auch "Danke", Michael, für die "Austausch-Möglichkeiten" in letzter Zeit!

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  6. Etwas verspätet (ich hab diesen Artikel gestern Nacht nicht mehr gesehen) auch von mir ganz herzlichen Dank an alle Gesprächsteilnehmer, und besonderen Dank an Michael als unseren „Gastgeber“.
    Der Austausch mit Euch allen ist mir eine große Freude – und ich bin sicher, wir werden miteinander noch so manches „Faß aufmachen“ :-) ...

    Herzlichen Gruß in die Runde,
    Ingrid

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  7. "Ich sag Dir auch "Danke", Michael, für die "Austausch-Möglichkeiten" in letzter Zeit!"

    "Das sollte ein Blog ab und zu leisten."

    Trotzdem Danke!
    Wolfgang

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