Mooji

Wenn ich mich zwischen den Satsang- Lehrern so umsehe, die sich alle mehr oder weniger auf den Höhlenheiligen (der 'Weise vom Arunachala') Sri Ramana Maharshi berufen, sonst aber oft wenig Gemeinsamkeiten haben, findet man doch ein paar richtig nette Kerle. Es muss einen nicht unbedingt interessieren, aber es ist doch aufschlussreich, in welcher Fülle "spirituelle" Quellen überall aufbrechen und ganz offensichtlich Bedürfnisse stillen, die mit der Elterngeneration, mit Love, Peace & Happiness einst aufgerührt wurden, aber bald weitgehend versandeten. Unter der Oberfläche der penetrant bürgerlichen Medien- und Konsumgesellschaft ist dieser Impuls offenbar weiter gewachsen.

Einer der richtig netten Kerle, die auch noch etwas mitzuteilen haben, ist sicherlich der ehemalige Straßenmaler Mooji. Aus Jamaika stammend, im proletarischen Brixton lebend, Jahre arbeitslos bei seiner Schwester lebend, muss seine Erweckung ziemlich im letzten Moment gekommen sein- sagen wir mal: Als willkommene Umschulungsmaßnahme: "Die folgenden sechs Jahre lebte Mooji in einem Zustand spontaner Meditation, in Vergessenheit gegenüber der äußeren Welt die er zuvor gekannt hatte. Während dieser Jahre lebte er fast ohne Geld, jedoch ständig in innerer Freude, Zufriedenheit und natürlicher Meditation vertieft. Gnade kam von seiner Schwester Julianne, die Mooji mit liebender Güte bei sich zu Hause willkommen hieß. Sie gab ihm den Raum und die Zeit, die er brauchte um seine Spiritualität zum Blühen zu bringen; ohne den gewöhnlichen Druck und den Anforderungen äußerlichen Lebens. Mooji bezeichnet diese Periode seines Lebens als seine „Wildnisjahre“, in der er auf den „Schoß Gottes gesetzt wurde“. In vielerlei Hinsicht war dies keine leichte Zeit für Mooji, und doch vernimmt man keinerlei Bedauern oder Reuegefühle in seiner Stimme, wenn er darüber erzählt."

Dieser bodenständige Mensch mit den so schönen Augen und der offensichtlichen Warmherzigkeit lehrt heute zwischen Indien und dem heimischen Brixton. Einer dieser Worteklingler ist er nicht, aber dafür um so mehr in kleinen Videos auf YouTube zu bewundern. Ich meine das keineswegs ironisch. In manchen Videos (hier einige mit deutscher Übersetzung) staunt er manchmal über die monotonen, auch blödsinnigen Fragen seiner z.T. enthusiasmierten und indisch verkleideten Jünger, so dass es ihm zwischendurch die Sprache verschlägt. Er selbst sieht meist auch, für einen so vernünftigen Menschen, ziemlich albern aus. Das ist offenbar den Erwartungen der Anhänger zuliebe getan. Und dann kommt tatsächlich bei ihm etwas zustande, das so direkt, schlicht und wahrhaftig ist, dass man erstaunt feststellen muss, dass dieser Mann trotz der bizarren Umstände, der misslungenen Post- Osho- Verkleidungen und des Advaita- Geklingels tatsächlich etwas zu sagen hat. Sein Thema ist das Beobachten des Denkens und das Erleben dessen, der diese Gedanken beobachtet- die Nicht- Identifikation mit dem Objekthaften.


Kommentare

  1. Danke für den Tipp, schön, dass man hier immer mal wieder den ein und anderen Lehrer aus der Advaita- oder Buddhismus-Ecke antrifft, Mooji kannte ich noch nicht (Sehr zu empfehlen ist übrigends "Das Wunder des Seins" von Jeff Foster, ein staunenswertes Buch, für mich ein wirkliches Highlight, sehr radikal, anders als alles bisherige, was ich aus der Advaita-Richtung kennengelernt habe). lg

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    1. Ja, man macht immer neue, anregende Erfahrungen mit einigen dieser Autoren.

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