Karma ernst nehmen oder "Unfold my life"

Bei manchen Steinerianern kommt in regelmäßigen Abständen die laut verkündete Forderung auf, Anthroposophen mögen sich mehr und ernsthaft mit "dem Karma" beschäftigen, sonst werde Anthroposophie verwässert, man dringe nicht in den Kern vor und die Weihnachtstagung werde, wenn nicht schon geschehen, bald verpufft sein. Allerdings werden in Sachen Karma dabei meist das Vergangene ins Auge gefasst, okkulte Unterströmungen des Selbstkonzepts, historische Figuren und Personen, bestimmte zeitliche Rhythmen und Daten. Nicht selten wird bei dem Fordernden damit auch eine besondere Qualifikation verbunden sein, eben an diese Informationen, Verbindungen, Bezüge erkenntnismäßig heran zu reichen- es wird wie eine bestimmte Sonderbegabung behandelt.

Im Sinne von historischen Bezügen, Verläufen und Entwicklungen hat es manchmal auch Rudolf Steiner behandelt, allerdings auch als etwas, was mit "Information" nichts zu tun hat, sondern mit einer inneren Haltung zum Leben selbst:

"Wenn man Gelassenheit entfaltet hat gegenüber dem, was die Zukunft uns bringt, das heißt, was das fortwährende Erleben uns entgegen bringt. Wenn wir noch stark mit Sympathie und Antipathie entgegen gehen unserem Erleben, wenn wir noch nicht gelernt haben, Karma ernst zu nehmen, das heißt dasjenige, was uns trifft, in gelassener Ertragung des Karmas hinzunehmen gelernt haben, dann können wir noch nicht jene eigentümliche Empfindung der uns entgegen strömenden Weisheit haben; denn nur aus einem gelassen empfundenen Erleben differenzieren sich heraus die in unsere Wesenheit lichtvoll einströmenden Ströme der Weisheit." (GA 145, S. 79)

Das, diese konkrete und intime Lebenshaltung, bezeichnet Steiner nicht nur als das Ernstnehmen des Karma, sondern als "bestimmten Punkt des esoterischen Erlebens", der mit tiefen inneren Wandlungen einhergeht.

Übrigens ist er auch in diesem Punkt einig mit dem von mir so geschätzten zeitgenössischen Mystiker A. H. Almaas, der im letzten Teil deiner "Luminous Night´s Journey", kurz vor etwas, was er selbst als "Mystische Hochzeit" bezeichnet (man denkt natürlich an Christian Rosenkreutz), seine persönlich- unpersönliche Lebenshaltung zu diesem Zeitpunkt so bezeichnet:

"I decide not to try to determine what should happen next, not even to figure out what it might be, but to allow the guidance of Being to unfold my life." (S. 87)

Sich ganz einer inneren Führung überlassen zu können, ohne jede Erwartung, Hoffnung, Angst, Ambition usw, sondern in "gelassener Ertragung" ist eben ein Schritt, der bedeutet, nicht mehr in die eigene Selbstkonstruktion verwickelt zu sein. Im Gegensatz zu den Pharisäern, Wortgläubigen und Traditionalisten setzen sowohl Almaas wie auch Steiner ganz auf die reine Gegenwärtigkeit des emanzipierten Zeitgenossen. Es ist der freie Geist, der gerade unbelastet ist von Vergangenem, Allzu- Persönlichem und der eigenen Geschichte. Es geht um gelebte Präsenz, um Ent- Faltung. Ob man es, wie Almaas, "Lebensführung" oder wie Steiner "Karma" nennt, ist relativ gleichgültig.

Kommentare

  1. Es hat doch auch bisher niemand vom krampfhaft-ängstlichen Versuch geredet, in Zukunft Unliebsames zu vermeiden. Es würde nicht gelingen, und am Ende würde man von den Schicksalskräften regiert, anstatt sie, wie ich es für sinnvoll halte, zu ergreifen.
    Ich kann mich noch erinnern, wie vor Jahren in diesem Blog darauf hingewiesen wurde, dass der westliche Mensch besonders darauf zu achten hat, wobei es sich bei dieser "Inneren Führung" handelt. Das ist mir beim Lesen aufgefallen, danke für den Artikel. Aber die Gefahr scheint groß, dass esoterisch Unerfahrene diese Innere Führung verwechseln mit der Angst des Ego, seine Macht zu verlieren.
    Gerade das scheint mir aber besonders wichtig zu sein, denn die Eingeweihten früherer Epochen haben es auch ohne spezielle Schulung verstanden was gemeint ist, der heutige gegenwärtige und emanzipierte Mensch braucht aber dieses Training, weil es die Aufgabe der heutigen Zeitepoche ist.
    Was also ist: Innere Führung, die nicht vom Ego geleitet ist?

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Liebe Kerstin .......................... es ist eine Frage die mich auch schon lange beschäftigt weil es ja auch etwas mit Sicherheit zu tun hat sich selbst sicher sein , mit geführt werden , mit wahr nehmung, mit selbst vertrauen - dahin kommen bedeutet sich treiben lassen , loslassen , wir trennen uns vom allgemeinen Gedankenfluss und verbinden uns mit einem anderen Fluss mit etwas wesenlicherem und da spüre ich den Unterschied zum Ego denn Ego ist nichts wesentliches - es ist geschnatter geplapper - wollen ! Es besinnt nicht.
      Und wie geschieht das ? Indem wir nichts wollen - uns hingeben . Wir besinnen uns wir kommen in die Tiefe da ist kein Geschrei mehr . Wie soll ich diesen Zustand beschreiben, ich möchte es gerne .........
      Es ist wie träumen , aber wir sind wach . Wir schauen ins leere ins nichts und da ist etwas . Ein Fluss oder Wolken die vorüberziehen die etwas in sich tragen - sie bringen etwas ganz speziell für uns ganz speziell für dich , für mich und im Unterschied zum Ego nähren Sie uns, geben uns etwas wesentliches und berühren was dem Ego unmöglich ist unser Herz und unsere Seele.

      Löschen
  2. Ich finde, das ist eine sehr komplexe Angelegenheit mit diesem Sich-Aufeben und Hinnehmen in Schickslasfragen. Sehe hier eigentlich immer mehr Gefahren lauern, da muss man schon auch wach bleiben, finde ich...

    Denn, die große Frage ist doch: Wie steht eigentlich ein Hinnehmen des Schicksals im Verhältnis zu blindem Fatalismus sowie einer Haltungslosigkeit im ethisch, moralischem Sinne und Kontext etc? Und selbst Almaas hat doch z.B. beklagt, dass viele Sucher nicht wirklich zur Erfüllung gekommen sind bei den meisten spirituellen Lehrern, sich abgewendet haben usw. D.h. - er hat eine eigene Meinung gehabt und darauf seine Arbeit gegründet und nimmt SO schon mal gar nichts hin. Sollen W I R nun aber alles so hinnehmen was das Schicksal so bringt und zudem was uns Lehrer, Autoritäten und Gurus, auch einer wie Almaas, einfach so vorsetzen?

    Ich finde dass ein Mensch zunächst eine feste und selbst-bewußte Persönlichkeit sein sollte, natürlich auch mit Selbst-Konstrukt bzw. Eigengedanken und Empfindungen, eben als ein selbstbewußter und freier Mensch auftritt in heutiger Zeit. Sonst kann es gut passieren, dass man allzu schnell fremdgesteuert oder gar gnadenlos untergebuttert wird und zwar bis ins Alltägliche hinein - man wird also zum Spielball von sonstwas und sonstwem...

    Ich persönlich muss mir z.B. bewußt Ruheräume und Erholungszeiten schaffen und so äußeren Einflüssen, der Welt Grenzen setzen, im hektischen Alltag. Auch sollte man so viel Selbstbewußtsein und Verbindung zu sich selbst haben, dass z.B. ein Arbeitgeber oder andere Mitmenschen nicht alles mit mir machen dürfen wie ihnen beliebt, da verkennt man aber das Raubtier - Mensch ;-)

    Also, ich kann dieser Art - fast schon mystischer Schicksalsverklärung - nicht mehr so viel abgewinnen, sorry...

    Aber vielleicht ist es ja auch eine Altersfrage, wenn also später mal das ganze - auch äußere - Leben, ein wenig ruhiger geworden ist und man in dieser Haltung eher aufgehen kann ;-)

    lg,
    steffen

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. "Denn, die große Frage ist doch: Wie steht eigentlich ein Hinnehmen des Schicksals im Verhältnis zu blindem Fatalismus sowie einer Haltungslosigkeit im ethisch, moralischem Sinne und Kontext etc?"

      Hallo Steffen, eigentlich hat das eine nichts mit dem anderen zu tun. Jeder halbwegs anspruchsvolle spirituelle Lehrer (Almaas sowieso) sagt natürlich, dass man erst einmal gründlich
      "eine feste und selbst-bewußte Persönlichkeit sein sollte, natürlich auch mit Selbst-Konstrukt bzw. Eigengedanken und Empfindungen" - wenn das nicht oder zu wenig der Fall ist, bringt das ganze "annehmen wollen des Schicksals" herzlich wenig.

      Man kann nur das loslassen, was man vollständig ergriffen hat. Ich glaube, die diesbezüglichen Mißverständnisse oder Vorurteile entstehen durch die übliche entweder/oder - Schwarz/Weiß-Haltung; diese Haltung ist aber nur in mir und nicht der Sache innewohnend. Man ist ja auch als Erwachter nicht immer durchgehend im Modus des "Schicksal annehmens", manchmal muss man ganz schlicht "nein" sagen oder sonstwie aktiv agieren (wobei in diesem Falle das "Schicksal annehmen" eben auch bedeuten kann, dass ich aktiv auf eine Situation reagiere, so wie die Situation es will/erfordert) lg

      Löschen
    2. Lieber Rainer,

      vielleicht habe ichs oben etwas auf die Spitze getrieben, ich erwähnte allerdings auch, dass dies eine komplexe Angelegenheit ist. Und nichts gegen Almaas, überhaupt nicht, er hat gute Ansätze und macht halt sein Ding...Aber, machst du auch DEIN Ding? ... Es ist mir persönlich einfach zu leicht irgendwie ALLES so hinzunehmen, auch was andere meinen was ich hinzunehmen hätte, auch wenns noch so bedeutungsschwanger daherkommt aus dem Munde eines populären Lehrers - zumal - man es bitte schön auch etwas genauer und lebensnaher erklären könnte, denn so einfach ist das alles nicht.

      Ich sehe zudem für mich persönlich eine ganz natürliche Synthese des Persönlichen mit dem Spirituellen, das schließt eben Selbstbewußtsein überhaupt nicht aus, quasi ein Miteinander aller Anteile des Menschen und nicht etwa - da das Spirituelle und hier die mickrige Persönlichkeit, die man dann auch noch ordentlich zerbrechen müßte, u.a. durch eine Schicksalduldung, nee nee, dazu passiert einfach zu viel Mieses und Missbrauch von sogenannten Autoritäten ...(verweise i.d.Z. gerne auch nochmals auf den Vortrag von Steiner "vom Persönlichen zum Überpersönlichen" wo ansatzweise erklärt wird, was Persönlichkeit auch bedeuten kann, eben auch eine Persönlichkeit zu sein und nicht sie schon gar nicht zerbrechen oder gar auflösen wollen, das klingt mir jedenfalls logischer).

      Aber klar ist natürlich, jeder soll so leben wie er möchte...jeder soll dann auch meditativ-schicksalsertragend sein Leben leben. Aber für mich klingt das erstmal nach Flucht und Verklärung, wenn eben nicht gleichzeitig gesagt wird: Hey, pass auf dich auf, das Leben ist nicht nur Picknick, zur Not wehre dich auch und schütze dein Leben usw.

      Oder nimm mal ein anderes Thema - z. B. das mit den Chakras, die so vor einen Sucher als Tatsache hingestellt werden, alles gut, es wird ja auch dankbar aufgegriffen und jeder glaubt es, aber - weiss mans denn? Nimm hierzu mal den Leadbeater, der hat ja Chakras sogar malen lassen und veröffentlicht, ja, na und? Wer ist denn Leadbeater eigentlich so als Mensch? - das interessiert mich und nicht ob er hochgradig hellsichtig war...vielleicht war er ja nur psychotisch und hatte Wahnvorstellungen? Vielleicht war er auch nur ein Menschenfänger und wollte beeindrucken oder hatte einfach keinen Bock zu arbeiten, ließ sich lieber finanziell aushalten von hörigen Mitgliedern und Schülern, die er eben beeindruckt hatte.

      Deshalb ist mir zunächst und zunehmend nur der Mensch wichtig und ob er integer, menschlich, freilassend ist und auch noch Fragen stellt, mit mir gemeinsam, also offen ist.

      lg, Steffen

      Löschen
    3. "...da das Spirituelle und hier die mickrige Persönlichkeit, die man dann auch noch ordentlich zerbrechen müßte, u.a. durch eine Schicksalduldung, nee nee, dazu passiert einfach zu viel Mieses und Missbrauch von sogenannten Autoritäten..."

      Lieber Steffen, Deine sehr harten und drastischen Worte und Beschreibungen verweisen auf Dich und eventuell auf die Erfahrungen die Du gemacht hast, aber, wie oben schon gesagt, sie sind eigentlich ein Zerrbild der ursprünglichen Idee des "Annehmens von Schicksal", ihr keineswegs inhärent.

      Ganz allgemein kann man m.E. auf einer Website wie dieser eh nicht von diesen Dingen sprechen, dann kann der eine etwas in Richtung pro sagen und der andere etwas in Richtung contra und viel klüger ist man danach nicht.

      Ich persönlich gehe z.B. so mit dieser Thematik um, dass ich versuche, mir meines Widerstandes gegen das, was ist (nennnen wir es meinetwegen das "Schicksal", obwohl mir das etwas zu pathetisch klingt) gewahr zu werden. Dann mache ich die Erfahrung, dass dieser Widerstand auf subtile Weise fast ständig da ist, wie eine Art Hintergrundrauschen, manchmal eben nur sehr leise, eine Art Hadern mit meiner gegenwärtigen Erfahrung: "Es sollte anders sein" oder auch (häufig): "Die andere Person sollte anders sein".
      Die "Übung" heisst dann für mich, dass ich mir diesen Widerstand bewusst mache und nicht etwa "Ich muss das jetzt annehmen", man kann damit spielerisch-experimentell umgehen.lg

      Löschen
    4. Toll beschrieben, das mit dem Hintergrundrauschen. Ich denke, das ist die Essenz des Sich Fühlenden Selbst, des Ego. Aber das Hadern über das eigene Ego, der Wunsch nach einem generellen Überwinden im Sinne von Enlightenment ist eben auch wieder das hadernde Ego- man erzeugt leicht einen Dualismus nach dem anderen. Daher ist das spielerisch- tastende Vorgehen sicher sinnvoll.

      Löschen
    5. Lieber Steffen, von mir aus möchte ich von gar nichts überzeugen. Ich finde den Zweifel absolut grundlegend, auch wenn man einem Lehrer wie Almaas lesend folgt. Man kann ihn gar nicht verhindern, wenn man heute Zeitgenosse ist. Die Frage ist, ob und wenn ja, an welchem Punkt man sich angesprochen fühlt. Wenn nicht, ist das eben gerade nicht auf der inneren individuellen Agenda. Dann sollte man es lassen.

      Löschen
    6. Lieber Rainer,

      natürlich ist das Annehmen wichtig, das ist mir natürlich nicht fremd und auch eine Grundhaltung. Aber nimm mal den Fall - es kommt zu einer eher unangenehmen Schicksalsbegegnung, sagen wir mit einem rigorosen Machtmenschen. Dann kommt man ja gar nicht umhin zu denken, zunächst: Ich nehme das jetzt an. Aber was dann? welche Konsequenzen ziehe ich daraus? Ok, meinetwegen erkenne mich darin selbst, wie es einige gerne sagen oder denke an Karma - oder das - ich lerne jetzt Härte und Machtgehabe durch den anderen kennen. Ja, vielleicht bin ich ja einfach zu gutmütig und harmoniebedürftigt gewesen all die Jahre und mein Gegenüber zeigt mir nun was Härte bedeutet. Nehmen wir aber weiter an, dass ich nach einer gewissen Zeit einsichtig geworden bin, wie Macht und Dominanz funktioniert und wie es sich anfühlt - aber der andere absolut nicht, selbst nach tausenden von Gesprächen, freundlichen Hinweisen usw. es wird also höchst unangenehm...Na, dann muss man halt auch Tschüß sagen können zu dem was einem da geschickt worden ist, es ist dann nicht mehr meines. Wenn man das nämlich nicht praktiziert, was passiert dann? Frust ohne Ende, der auch krank machen kann...Es gibt tausend solcher Beispiele aus dem Leben, aber natürlich auch schönere Dinge...

      Oder nimm i.d.Z. mal den Mauerfall und die friedliche Revulotion der Menschen in der ehem. DDR, grandios was da passiert ist. Die waren Jahrzehnte Gefangene in Stasiterror, eingeschlossen durch eine Mauer, Todesstreifen und Stacheldraht. Was ist nun fruchtbarer: Geduldiges Hinnehmen des Fatums vielleicht aus Furcht und Autoritätshörigkeit - oder ein mutiges Aufbegehren gegen Tyrannei und Unfreiheit?

      Aber es stimmt, Rainer, es ist immer ein für und wieder in diesen Debatten zu finden. Ich sgas mal so: Es kommt mir persönlich darauf an, was man zu lernen hat in/aus bestimmten Situationen, aber bestimmt nicht im Sinne von einfach alles hinnehmen was da so kommt, sich quasi ein Leben lang im Ertragen und Buckeln zu erüben.

      Damit solls denn auch erstmal gut sein für mich, das Thema ist einfach zu umfangreich, als das es mit einigen wenigen Sätzen in einem Blog besprochen werden könnte.

      lg

      Löschen
    7. Lieber Michael, ich hab ja nichts gegen Almaas, vieles finde ich sehr gut von ihm. Ich mag halt nur nicht so pauschale Sätze, die SO einzelnd hingestellt - ohne nähere Beleuchtung - auch missverstehen könnte (auch nicht den einzelnen Satz von Steiner)...
      Zudem - in Wahrheit ist doch alles sehr komplex und natürlich auch individuell...

      Und mein Ego, was immer das auch sein mag, es soll mir ruhig irgendwie Werkzeug oder auch vertraut sein, ich trenne da nicht so...höchstens da wo es überschwappt, da lerne ich halt oder verlerne ...

      lg

      Löschen
    8. sorry, das 'man' fehlt oben vor "SO einzelnd hingestellt"...

      Löschen
    9. Lieber Steffen, liebe Kerstin,

      ...wie oft habe ich genau über derlei Fragen/Probleme nachgesonnen. Ich kann sehr sehr gut nachvollziehen, was Du, Steffen hier schilderst.

      Es muss ja auch völlig neue Begebenheiten geben, habe ich mir gesagt, also solche, die komplett frei sind von jeglicher Schicksalsanhaftung, es kann doch hier nicht alles komplett damit angefüllt sein -- und weiterhin, wenn es Freiheit gibt --- ? UND, "was ich nicht weiss, macht mich nicht heiss." Das waren und sind auch heute noch mir zwei Wegmarken, die meinem Wesen beratend zur Seite stehen, wenn ich mal nicht weiterweiss. Und, ZUfälle, sogenannte..(?). -- Ich lasse dann solche Bilder in mir stehen, in einer gewissen Warteposition, schon allein deshalb, weil ich mit derlei was anfangen kann und auch glaube, dass da was dran ist / sein kann. Wenn man unterscheiden gelernt hat das von so normalen Gedanken und sonstigem phantasievoll in mir sich Zeigendem.

      Zumeist im Nachhinein, rückwärtsschauend, ergab sich doch häufig ein Verlauf, der mir in diesem Sinne Erlebtes dann doch einleuchtete, es als irgendwie karmisch bezeichnen zu dürfen/können. Ich versuche dann jenes in eine Empfindung zu verwandeln, ähnlich der durch die man spürt, "dass hier eine bestimmte Schwingung im Raum ist"... Und mir ist es schon etwas mehr als das, was man so Erfahrung nennen würde, wenngleich es aus der gleichen Richtung kommt. Es hat auch was von der "inneren Stimme", aber die zeigt sich ein wenig anders, etwas aktiver, "Schicksal" ist mir mehr so wie eine Kulisse auf der Bühne des Lebens.

      Und dann gibt es ja auch ganz konkrete direkt bei mir seiende Ereignisse, bis hin zu ganzen Themen, meine "Geschwister" irgendwie. Und wenn die anfangen zu reden, mir dazwischenquatschen :-), dann, wird es recht ernst oder aktuell, oder ist irgendwie dran. Und ich meine hier nicht jene Gedanken, die ich in einer Meditation zur Ruhe zu bringen mich übe, die wiederum sind auch aktiver denn das, um was es hier geht. Da verdichtet sich was zu einem Problem, das mir vorgeworfen wird, eine Behinderung, ein Schatten... Und DA und DANN habe ich eigentlich immer erlebt, dass sich da was löst erst, wenn ich das Problem angenommen habe, geradezu in der Hochzeit eines solchen Problems total da reingegangen bin, es zugelassen habe, mich ergeben habe und und und -- und dann löste es sich auf! Aber genau das geht nur dann - irgendwie leider - wenn alles wirklich "stimmt", also ganz wahrhaftig ist, sich belügen geht hier nicht.

      Und nach meiner Erfahrung bräuchte man Karma, Schicksal und das Leben an sich erst dann an sich ranlassen, wenn man etwas bemerkt oder es intensiver befragt hat und nicht ganz generell einfach nur annehmen, so wie man "GutenTag" sagt und dabei lächelt, in den seltensten Fällen total überzeugt davon. Ich glaube auch, Schicksal klopft bei mir an, damit ich auch noch genügend Zeit habe für meine Freiheit :-), oder es berät mich einfach nur ---

      Löschen
    10. "...es kommt zu einer eher unangenehmen Schicksalsbegegnung, sagen wir mit einem rigorosen Machtmenschen..."

      Lieber Steffen, gerade dieses Beispiel zeigt eigentlich ganz klar, ob oder wie man aktiv agieren oder passiv reagieren kann. Wenn man einen solchen rigorosen Machtmenschen plötzlich um sich hat, ist es eigentlich angebracht contra zu geben, sich zu wehren oder mutig seine Meinung zu vertreten; wenn man das nicht macht, ist man in seiner Abwehr, seiner Angst gefangen. Diese Angst kann natürlich jetzt sagen, das ist eine "Schicksalsbegegnung"...das soll so sein...ein höherer Sinn...blabla
      Dann verkleidet sich die nicht klar erkannte Angst mit einem esoterischen-unwahrhaftigen Getue, mehr ist das meistens nicht. Wenn man gar nicht in der Lage ist, sich zu wehren, kann man natürlich überlegen, die Situation zu verlassen, das kann ja auch "richtig" sein.lg

      Löschen
    11. Was auch immer mir „schicksalhaft“ begegnet, sei es etwas Schönes oder etwas Unangenehmes, etwas Bedrohliches oder etwas Beruhigendes, etwas, womit ich gerechnet habe, oder etwas vollkommen Unerwartetes: meine Freiheit liegt darin, wie ich damit umgehe.

      Mit Goethe: Das Was bedenke. Mehr bedenke: Wie...
      Oder auch einfach: Love it, change it or leave it...

      Was aber gar nichts nützt, das ist, so zu tun, als wäre dieses „Was“ oder „it“ gar nicht da, und sich stattdessen ein anderes zu wünschen. Es ist im Grunde die alte Auseinandersetzung zwischen Form und Stoff. Und wenn wir nicht zuallererst einmal den „Stoff“ annehmen, den das Schicksal uns beschert, dann werden wir nicht weit kommen mit unserer Freiheit.

      Löschen
    12. Hallo Ihr, "Love it, change it or leave it" - so einfach kann man es auf den Nenner bringen, danke liebe Ingrid.
      Ich danke euch ALLEN herzlichst für eure Gedanken zu diesem komplexen und hochinteressanten Thema. Und sorry noch mal dafür, dass ich am Anfang etwas losgepoltert habe, hat wohl einen Nerv getroffen.. - ich bin Michael sehr sehr dankbar, dass er dieses mir so wichtige Thema in den Blog gestellt hat. Ich finde, man sollte dieses Thema immer mal wieder aufgreifen oder dass man es privat weiterführt.

      An Rainer noch: Danke, dass du bei mir die Geduld behalten hast :-) Und genauso sehe ich es auch mit dem Sichwehren-Können und Dürfen etc. (auch wenn ich eigentlich überhaupt keine Lust dazu habe, auf Streit, Disharmonien und Abwehr ;-) Ist also durchaus keine leichte Übung, auch wenn es so scheint).

      Dank auch an Manfred, folge dir hier sehr gern bei deinen Schick-Sal-Fragen (im Sal oder Saal - im großen Raum - mit dem Sal, wie das Salz der Erde ;-) Es taucht bei mir immer mal der Wunsch auf, gerade bei so interessanten Themen und Gedanken, ein privates Gespräch mit dir zu führen.

      Bis dann und einen schönen Tag Euch!

      Löschen
    13. Für Ingrid, fällt mir gerade so ein, Dein - "Love it, change it or leave it" - wäre ein sehr guter Titel für einen song ;-) ich bastel ja immer mal an sowas herum für meine Liedersammlung ;-)

      Löschen
    14. Nur so - Schaute eben noch mal nach woher eigentlich das Wort Schicksal stammt bzw. wie es unsere Vorfahren so sahen und empfanden. Ins Auge fiel mir dabei sofort das hier:
      "Geschick" (zu schicken "machen, dass etwas geschieht"...)

      Das trifft es doch auch irgendwie ;-)

      Das Schicksal(von altniederländisch schicksel, "Fakt"), auch Geschick (zu schicken "machen, dass etwas geschieht", "Faktum"), lat. fatum, griech. moira, oder das Los (ahd., mhd. (h)lôჳ "Omen", "Orakel") umfasst ein weites Begriffsfeld dessen, was den Lebenslauf des Menschen darstellt

      Löschen
    15. Schicksal - bei diesem Thema sollte auch Rilke nicht fehlen:
      »Man hat schon so viele Bewegungs-Begriffe umdenken müssen, man wird auch allmählich erkennen lernen, daß das, was wir Schicksal nennen, aus den Menschen heraustritt, nicht von außen her in sie hinein. Nur weil so viele ihre Schicksale, solange sie in ihnen lebten, nicht aufsaugten und in sich selbst verwandelten, erkannten sie nicht, was aus ihnen trat; es war ihnen so fremd, daß sie, in ihrem wirren Schrecken, meinten, es müsse gerade jetzt in sie eingegangen sein, denn sie beschworen, vorher nie Ähnliches in sich gefunden zu haben. Wie man sich lange über die Bewegung der Sonne getäuscht hat, so täuscht man sich immer noch über die Bewegung des Kommenden.«
      (aus einem Brief an den jungen Dichter Franz Xaver Kappus)

      Löschen
    16. Vielen Dank, Ingrid. Schöner Brief, tolle Gedanken von Rilke!

      lg

      Löschen
    17. Lieber Steffen,
      freut mich, daß Du etwas anfängst mit Rilkes Gedanken.
      Allerdings "love it, change it or leave it" ist nicht von mir, es ist mehr sowas wie ein geflügeltes Wort, ich habe keine Ahnung, wer diese prägnante Zusammenfassung unserer gesunden Freiheitsmöglichkeiten als erste(r) ausgesprochen hat.
      Wenn Du also wirklich einen Song daraus machen willst, mußt Du anderswo anklopfen wegen eines eventuellen Copyrights... ;-)
      LG, Ingrid

      Löschen
    18. Lieber Steffen,

      "...gerade bei so interessanten Themen und Gedanken, ein privates Gespräch mit dir zu führen."

      Schreib mich doch dann persönlich mal an, dann können wir etwas umfassender uns austauschen :-)

      Löschen
    19. Liebe Ingrid, ja das ist doch okay. Ich würd mich dann gegef. schlau machen, wegen der Copyrights ;-)

      Lieber Manfred, das können wir sehr gerne mal machen :-)

      lg

      Löschen
    20. "Love it, leave it or change it" - stammt wohl von Henry Ford...

      Löschen
  3. Danke, Steffen.
    Ich sehe es ganz ähnlich. Darf ich in diesem Zusammenhang auf den Blogbeitrag im Blog B hinweisen: http://www-blog-b.blogspot.de/2013/01/der-wert-der-kunstlerischen-handlung.html "Die gut gemalte Rübe ist besser als die schlecht gemalte Madonna" -Max Liebermann. Den Artikel fand ich sehr aufschlussreich.
    Vielleicht sollte man den eigenen Lebenslauf betrachten wie ein Kunstwerk, sich selbst als den Künstler, dann lässt sich mehr Staunenswertes und Gutes als bisher darin finden. Auch im Zusammenhang mit Reinkarnation und Karma und der eigenen Funktion als Lenker darin. Das ist ja nichts Statisches, immer Gleiches, sondern in jeder Zeit wird es angeglichen nach den entsprechenden Massstäben

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Ich danke dir auch, den Artikel von Burghard schaue ich mir demnächst nochmals an.

      lg

      Löschen
  4. ... wenn ich auch mal was sagen darf :-)

    Es geht ja hier doch nicht darum, wie man etwas findet oder wie etwas in mir auf was reagiert, sondern wie es halt wirklich ist. Jenes "Hinnehmen" wäre ja als der andere mir begegnende "Gesprächspartner" zu sehen, um den es ja schliesslich geht mit ihm in Kontakt zu treten, treten zu können, statt dem von mir bislang so und so Gesehenem weiterhin zu glauben und zu vertrauen.... Das Eine ist die Vorstufe, das Andere der Erwerb einer Eintrittskarte in meine Heimat - - -

    AntwortenLöschen
  5. Lieber Michael,
    „Ernstnehmen des Karma“ nicht als eine Art Auftrag, möglichst bald alles über frühere Erdenleben (seien es nun die eigenen oder auch die anderer Menschen) zu erfahren, sondern als eine, wie Du sagst, „konkrete und intime Lebenshaltung“ – ganz genau so empfinde ich es auch.
    Ich lese die „Karmavorträge“ daher nicht wegen des Who was Who, das man darin natürlich auch finden kann (ich staune immer wieder, wie selbstverständlich manche Menschen das alles jederzeit präsent haben) – sondern ich empfinde die konkreten Beispiele, die Rudolf Steiner da in vielen Details schildert, so ähnlich wie die Geschichten in einer Schulfibel: es geht nicht darum, sich diese Geschichten möglichst genau zu merken, sondern es geht darum, mithilfe dieser Geschichten lesen zu lernen.

    Diese „konkrete, intime Lebenshaltung“ ist mir jedenfalls sehr viel wichtiger, als möglichst viele Einzelheiten über meine eigenen früheren Erdenleben zu erfahren.
    Ich habe auch den Eindruck, ein zu früh erfolgter Blick in das Leben einer früheren Inkarnation (mit „zu früh“ meine ich: noch bevor man zu einer Lebenshaltung gekommen ist, die Karma gelassen ernstnimmt und der eigenen inneren Führung vertraut) – ein solcher verfrühter Blick richtet manchmal mehr Schaden an, als Nutzen zu stiften (ich denke dabei nicht nur, aber auch an die Teile der Geschichte der AAG, die mit Alexander dem Großen zusammenhängen...).

    Liebe Kerstin,
    »Vielleicht sollte man den eigenen Lebenslauf betrachten wie ein Kunstwerk, sich selbst als den Künstler, dann lässt sich mehr Staunenswertes und Gutes als bisher darin finden.«
    Abgesehen von dem „sollte man“ (denn da kriegt es leicht etwas „Pflichtgemäßes“, und das, finde ich, würde gar nicht zu diesem Thema passen) stimme ich Dir zu – was niemanden wundern wird, der meinen Aufsatz zum Thema „Schicksal“ gelesen hat.
    »Wir sind die Sklaven der Vergangenheit, aber die Herren der Zukunft« - ich finde, in diesem Satz macht Rudolf Steiner sehr schön deutlich, was der Unterschied ist zwischen einem blinden Fatalismus und einem akzeptierenden Ernstnehmen all dessen, was das „Schicksal“ uns beschert in diesem Erdenleben.
    (Fortsetzung folgt)

    AntwortenLöschen
  6. Ich empfehle dazu auch die Lektüre der beiden Wiener Vorträge aus GA 130, „Grundstimmung dem menschlichen Karma gegenüber“ und „Intimitäten des Karma“.
    Rudolf Steiner schlägt darin eine schöne Übung vor:
    »Merkwürdige Sachen wollen wir machen. Wir wollen für alles, was uns getroffen hat, probeweise einmal uns vorstellen, daß wir es doch selbst gewollt hätten, daß wir geradezu den Willen dazu entfaltet hätten. … Also die Dinge, die wir sonst als zufällige erkennen, wollen wir in eine Gedankenfassung bringen, als ob wir sie sorgsam vorbereitet hätten, derart, daß sie uns dann betroffen hätten. … Wenn man das macht, kommt man dazu, nach und nach aus diesen Gedanken heraus eine Art Menschen erphantasieren zu können. Es würde das ein sonderbarer Mensch sein, den wir uns da zusammenphantasieren, ein Mensch, der dies alles getan hätte: daß uns ein Stein auf die Schulter fällt, daß wir diese oder jene Krankheit bekommen und so weiter. … Da werden wir eine recht eigentümliche Erfahrung machen an einem solchen Menschen. Wir werden nämlich nach einiger Zeit merken: das hast du natürlich nicht getan, und der Mensch ist ein erträumter. Aber wir können von diesem Menschen nicht mehr loskommen. Wir bringen den Gedanken nicht mehr los. Und merkwürdigerweise bleibt er nicht so, wie er ist. Er wird lebendig in uns, verwandelt sich in uns. Und dann, wenn er sich verwandelt hat, bekommen wir den Eindruck, als ob er doch in uns stecken würde, dieser Mensch. Und wir erhalten dadurch merkwürdigerweise immer mehr und mehr die Gewißheit: wir selbst haben doch in einer gewissen Weise vorbereitet, was wir uns hier ausgemalt haben. Das heißt, es ist dies keineswegs das Gefühl, daß wir das einmal wirklich getan hätten, aber es sind Gedanken, die doch dem entsprechen, was wir in einer gewissen Weise getan haben. Man wird sich sagen: du hast da und da etwas gemacht, was du jetzt erleidest, es ist für das oder jenes. Es ist eine sehr gute Übung, um eine Art Gemütsgedächtnis herauszubringen für unsere früheren Inkarnationen. Es legt sich dadurch etwas über unsere Seele, aus dem wir fühlen können: Du warst da und hast dir das vorbereitet.«

    Ein solches Gemütsgedächtnis für unsere früheren Inkarnationen – ganz ohne „wissen“ zu müssen, welchen Namen wir damals getragen haben und wie unsere sonstigen Lebensumstände waren – hindert uns nicht, dem zu entsprechen, was Michael zum Schluß formuliert. Es läßt uns »unbelastet von Vergangenem, Allzu-Persönlichem und der eigenen Geschichte«, und es läßt Raum für »gelebte Präsenz und Ent-Faltung.«

    AntwortenLöschen
  7. :-) Na da drüben im Egoblog schaut's ja super aus :-)
    Aber da geh ich lieber nicht hin, sonst wird Michael wieder so ätterig.

    AntwortenLöschen
  8. Vielleicht hat jemand es parat,den bedeutende Unterschied die Steiner macht zwischen Mondenkarma und Sonnenkarma?

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Grüß Dich Kees, habe mal in meiner GA-Platte nachgesehen und keine Einträge gefunden, gäbe es für Deine gesuchten Begriffe vielleicht noch anders bezeichnete Hinweise?

      Löschen
    2. Ich hab im Forum für Anthroposophie geguckt, von Keimeyer. Da gibt es auch keine Einträge. Nur Karma allgemein.

      Löschen
    3. Oh, erst jetzt sehe ich das reagiert wurde, Ich war beschaeftigt aber werde spaeter die Stellen selbst suchen die ich meinte , wo Steiner sprach vom Karma was zu tun hatte mit der Vergangenheit (Mondkarma-unfrei) und wo er sprach vom Sonnenkarma (Frei) wo zB die Folgen im Heute sind aber die Ursachen im Zukunft statt im Vergangenheit sich befinden.

      Löschen
    4. Fein. Dann buche ich schonmal vor, dass alles Schlechte aus der Vergangenheit kommt, und alles Schöne Zukunft ist.

      Löschen
    5. Ich gehe davon aus, das was Jostein schrieb schon genug war und das ich treffende Passagen wo es genau bei Steiner steht nicht mehr zu suchen brauche? Ob hat Jostein als Karmaforscher das Parat? (die Quellen)

      Löschen
  9. Darf ich mal??

    http://www.swr.de/nachrichten/rp/-/id=1682/nid=1682/did=10884750/pu8l1b/index.html

    Irgendwie indirekt ist das ja auch eine vielleicht karmische Geschichte, vielleicht die Sichtbarwerdung des 4. Reichs??

    AntwortenLöschen
  10. Der Begriff „Schicksal“ heißt in der norwegischen Sprache „skjebne“ (etwa: Geschehen). Die drei Schicksalsgottheiten – die Nornen – in der altnordischen Mythologie heißen Urd, Verdandi und Skuld. Urd geht auf „urdr“ zurück – „das, was geschieht“; aus dem Zeitwort „verda“ – „werden“. Urd ist die Göttin für das, was geschehen ist. Verdandi steht für die Gegenwart, für das, was im Werden ist. Skuld weist auf die Zukunft hin, was der Mensch zu verantworten, zu „schulden“ hat. Es könnte sicherlich fruchtbar sein, diese alte Dreiteilung des Schicksalsbegriffs auf moderner Weise neu zu konstituieren aus individueller Sicht heraus. Die anthroposophische Zweiteilung in Monden- und Sonnenkarma lässt etwa den Teil des Karmas weg, das gerade im Geschehen sich befindet. Hier könnte jedoch die Frage der Freiheit in den Mittelpunkt kommen.

    In Schweden wird für Schicksal das Wort „öde“ benutzt, das von „ödhin“ stammt – etwa „abgeschnitten“ oder „bestimmt“. Eine ältere Form „ödhnolagh“ gleicht dem isländischen Wort „auðna“ – Glück. Eine direkte Übersetzung vom Schwedischen „öde“ ergibt auch „auðið“. Ein anderer norwegischer Begriff für Schicksal ist „lagnad“, das benutzt wird in Verbindung mit Ereignissen in der Zeit und in der Geschichte. Das Wort bedeutet, dass die Ereignisse „gemacht“ (laga) sind, oder von einem steuernedem Willen (etwa Gott) gemeint oder bestimmt sind. Ein isländisches Wort unter mehreren für „lagnad“ ist „örlög“, worin eventuell das niederländische Wort für Krieg „oorlog“ wiedergefunden werden kann.

    Ein schnelles Nachschauen im Anthroposophie-Lexikon von Urs Schwendener gab keinen Ausschlag für die Begriffe Monden- und Sonnenkarma. Im Glossar in meinem Buch „Einstimmen aufs Karma“ ist die folgende Beschreibung zu finden:

    „Rudolf Steiner sprach von Mondenkarma und Sonnenkarma. Alles Karma, das in der Gegenwart durch Menschentaten neu entsteht, gilt als Sonnenkarma. Es wird in der Zukunft geerntet. Alles Karma, das aus früheren Leben herüber kommt in die jetzige Inkarnation und auf eine Aufarbeitung wartet, bedeutet Mondenkarma, gewissermaßen der ‚Schatten’ des Sonnenkarmas aus der Vergangenheit.“

    Ralf und Corinna Gleide bieten im Rudolf Steiner Haus in Heidelberg ein Kurs (das gerade am 10. Januar angefangen hat / http://www.dndunlop-institut.de/Veranstaltungen.htm) an mit dem Titel „Mondenkarma und Sonnenkarma in der Biografie des Menschen“. Im einführenden Text heißt es: „Die menschliche Biografie bildet sich einerseits aus karmischen Vergangenheitskräften, die vom Mond regiert werden. Andererseits enthält sie Raum für Zukunftsimpulse, die von den Geistern der Sonne impulsiert werden. Die ersteren wirken mit Notwendigkeit, die letzteren hängen von seiner freien Initiative ab. Ausgehend von verschiedenen Biografien in den Karmavorträgen Rudolf Steiners wollen wir uns diese Kräfte bewusst machen. Im Zentrum steht die Frage, wie Mondenkräfte und Sonnenkräfte im menschlichen Schicksal ineinander übergehen."

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Vielen Dank!

      Mich interessiert in diesem Zusammenhang
      auch noch, wie es gekommen sein mag, daß in der deutschen Sprache die Geschlechter von „Sonne“ und „Mond“ gerade umgekehrt sind wie in den meisten anderen Sprachen (la lune, le soleil... Brother Sun and Sister Moon...)
      Weiß jemand etwas darüber?
      Und @ Jostein und Kees: wie sind die Geschlechter von „Sonne“ und „Mond“ im Norwegischen bzw Niederländischen?

      Löschen
    2. Da kann ich ein kurzes Antwort geben. Wir in Holland haben die Geschlechter abgeschaft und sind nun Gleichberechtigt ;) in das Altthollaendisch hatte man auch noch wie jetzt noch im Deutsch da s Mannlich Weiblich. Wir haben doch noch mehr als die englishen,zu Zb the boyfriend and the girlfriend sagen wir de vriend en de vriendin wie auf deutsch der Freund und die Freundin,allerdings das Wort der und die ist bei uns nicht mehr,was wir da noch haben ist alles ererbt einer frueheren Zustand der Sprache.

      Löschen
    3. Also zon en maan sind ohne geschlecht,vom Erde sagt man noch moeder aarde,mutter erde

      Löschen
    4. In Norwegen gibt es zwei Hauptsprachen – „nynorsk“ (Neu-Norwegisch) und „bokmål“ (etwa: Buch-Laut). Im „nynorsk“ gibt es wie im Deutschen drei „Geschlechter“, im „bokmål“ (die meist verbreitete der zwei Schriftsprachen; nun gibt es noch eine dritte Schriftsprache (riksmål), die näher dem Dänischen steht, die aber nicht mehr offiziell in den Schulen benutzt wird, wobei viele Autoren und einige Zeitungen sie benutzen) nur zwei, wo nicht mehr zwischen männlich und weiblich unterschieden wird. Es gibt hier aber auch bestimmte Substantive, die eine feminine Form beibehalten hat. In „nynorsk“ ist eine Sonne (ei sol), die Sonne (sola) weiblich, in „bokmål“ wird die männliche Form benutzt: „en sol“ und „solen“. Ein Mond (en måne), der Mond (månen) ist in beiden Sprachnormen männlich. – Übrigens sind in den nordischen Sprachen die weiblichen Formen für Berufe und ähnlich (fast) abgeschafft. Es gibt noch das Wort „lærerinne“ für Lehrerin, aber es wird nicht mehr benutzt. Auch weibliche Lehrer werden „lærere“ (nicht „lærerinner“) genannt.

      Löschen
    5. Lieber Kees, lieber Jostein,

      vielen Dank! Das interessiert mich sehr.

      Ihr sprecht beide von „abgeschafft“ (im Niederländischen alle Geschlechter, im Norwegischen die weiblichen Endungen) --- meint Ihr: vom Gesetzgeber abgeschafft? Wenn ja: gab es Schwierigkeiten mit der Akzeptanz?

      Und @ Jostein:
      Du sagst, in „bokmål“ gibt es zwei Geschlechter, »wo nicht mehr zwischen männlich und weiblich unterschieden wird.«
      Ist es dann etwas wie „belebt“ und „unbelebt“?

      Herzlichen Gruß,
      Ingrid

      Löschen
    6. Also wie ich es verstehe. Urspruenglich hat man in Holland noch das gute Gefuehl ob etwas m oder w war. Das Gefuehl ist allmaehlich erloschen. Die Sprachgelehrten und Wisenschaftler haben das natuelich bemerkt und im Laufe de Zeit hat man dann auch als Gesetzgeber in die Sprache, vornehmlich im Schreibweise eingegriffen. Da gibt es zum Gefuehl oben auch noch Unterschied zwischen Nord und Sued Holland. Ob das auch zu tun hat das das kontakt mit der Volksgeist geandert ist, der Erzengel oder Sprachgeist der Zniederlaende? Urspruenglich ist das Hollaendisch als germanische Sprache auf Altdeutsche Wurzel zurueckzufuehren. Da Holland sich davon abgespaltet hatte, bekam es auch ein nderer gruppnprachgeist und auch eine andere Mision innerhalb d Europaeischen Voelker. Wie gesagt die englander sind noch mehr witer entfernt einer einteilung in m und w. Was ich noch vergessen habe es gibt zwischen m und w auch noch das ungeschlechtliche das ES oder DAS in hollaenische worterbuecher steht hinter den worten manchmal noch m oder w,aber das muss auswendig gelent werden,das gefuehl ist schon grosenteils verschwunden."..

      Löschen
    7. Viel Spaß damit; hier gibt es schon sehr viel über die norwegischen Sprachen zu lesen:
      http://de.wikipedia.org/wiki/Norwegische_Sprache

      Löschen
    8. Wann immer man eine Frage gestellt hat, kommt sie auf einen selbst wieder zurück. Nun haben Jostein und Kees aber doch einiges weiterentwickelt, vermutlich gibt es einiges an gemeinsamem Interesse? Sicher auch in weitern Teilen gemeinsame Vergangenheiten. Hier in meinem Dörfchen haben wir als Wintergäste Wolken von echten nordischen Krähen jedes Jahr, manchmal auch Kolkraben. Die Natur sagt wohl: ja, so ist es! Aber aussprechen muss man es als Mensch auch können. Ausser den germanischen Sprachen mit der weiblich-männlcihen Zuordnung von Sonne und Mond wüsste ich nur noch von den indianischen Sprachen, soweit mir bekannt nur Apache oder Navajo Dialekte, wo die Sonne weiblich und der Mond männlich ist. Das sind aber eher keine winterlichen Typen, sondern sehr südliche Menschen. Womöglich stellt es sich der Naturmensch so vor, dass zuerst die Große Fahrt ansteht, der Mensch muss die Heldenreise antreten um danach mit dem Sonnenkarma beginnen zu dürfen und zu Hause anzukommen wo selbiges ja in eher weiblicher Form wirkt. So in etwa. Wer weiss genaueres? ;-)

      Löschen
  11. „Es ist der freie Geist, der gerade unbelastet ist von Vergangenem, Allzu- Persönlichem und der eigenen Geschichte.“ Physisch gesehen stehe ich bei jeder neuer Inkarnation quasi im Rückstand, ich bin da zunächst nur Vergangenheit oder Ergebnis meines Mondenkarmas. Eine Nasenkorrektur würde wenig an diesem „lagnad“ ändern. Wer weiß, welche Art von karmischen Wirkungen solche äußeren Korrekturen am gegebenen Leben geben werden? Was macht „Skuld“ daraus? In meinen Begegnungen bin ich zunächst auch ganz am gespendeten Schicksalsgefügen gelenkt, d. h. diejenigen Menschen tauchen meist rechtszeitig auf, die sich mit mir entschieden haben, mich wieder begegnen zu wollen. Wie eine Begegnung dann ausfällt, hat dann sehr viel damit zu tun, ob wir inzwischen im Laufe des Lebens genügend geübt haben, freilassend zu sein.

    Sehr oft geschieht es ja, dass Begegnungen nach den Mustern von Sympathie und Antipathie laufen, und deswegen nichts Neues in die Welt erlauben. Übrigens: Mir hat es nicht gestört oder belastet, sich in früheren Leben „zurückzuwandeln“ (Zurückwandlung = Steiners Begriff). Deshalb: individuell ist der Weg zum freien Geist. Und es gebe kein Geist, der nicht bewusst ist seinem Ursprung. Die Seele (das Ego) möchte gern in der bestehenden Inkarnation gut ohne Karmaerkenntnis in irgendeiner individuell angepassten, selbstgewählten Form auskommen, aber es ist fragwürdig, ob die Seele des nächsten Lebens es schaffen wird.

    AntwortenLöschen

Kommentar veröffentlichen

Danke für Ihre Mitarbeit im Blog.

Egoistisch am meisten gelesen: