Gut gebrüllt & gebloggt

Jetzt möchte ich auf ein neues Blog eines alten Hasen aufmerksam machen, nämlich Ramon Brülls "Gut gebrüllt". Gut gelaunt, heiter und kenntnisreich wird allerlei aus dem anthroposophischen Raum an- und ausgesprochen. Ramon Brüll schreibt aus der Perspektive von Jemandem, der jahre- und jahrzehntealte Diskussionen in der anthroposophischen Szene sehr gut kennt und nicht vor hat, sich darüber aufzuregen. Die Position, nicht verwickelt, aber schon tangiert zu sein, ist für eine Berichterstattung denkbar günstig. Die Gelassenheit geht allerdings -verständlicherweise- bei Brüll nicht selten über in eine milde Ironie.

Schön z.B. der Beitrag über inner- anthroposophische Querelen in "STRÖMUNGEN IN DER ANTHROPOSOPHIE ODER: WORAN MAN DEN FISCHVERKÄUFER ERKENNT": "So bildeten sich die Fraktionen der „Marianer“ (nach Marie Steiner; pardon: nach „Frau Doktor“, damals bekam man den Titel nicht durch Plagiat, sondern durch Heirat), der „Wegmanianer“ (nach Ita Wegman) und der „Steffioten“ (nach Albert Steffen). Wobei die verwendeten Bezeichnungen eine gewisse Subjektivität in der Angelegenheit verraten. Die Fraktionsbildung spaltete die Bewegung, ein normales Funktionieren des Vorstandes der Allgemeinen Anthroposophischen Gesellschaft war nicht mehr möglich, ganze Landesgesellschaften klinkten sich aus (und fanden sich, teilweise, sehr viel später nach mühsamen Verhandlungen erst wieder zusammen). Von der Spaltung war auch meine eigene Verwandtschaft betroffen  in der Generation meiner Großeltern und Eltern lief die Bruchlinie teilweise quer durch die Familien."

Im Vergleich zu den damaligen Querelen erscheinen Brüll die heutigen Bruchlinien eher harmlos: "Ich kenne keine „Prokofieffianer“, „Bodoisten“ oder „Michaela-iten“, deren geistige oder „gesellschafts“-politische Zugehörigkeit man ihnen an der Nasenspitze ablesen könnte. Dafür gibt es bis heute handfeste Relikte aus der Zeit des Streites zwischen Marie Steiner und Albert Steffen, die nur mühsam überwunden werden. Jens Heisterkamp berichtet in der Märzausgabe von Info3 von neueren Entwicklungen bezüglich der Finanzierung des Rudolf Steiner Archivs, bei der diese alte Geschichte eine deutlich erkennbare Rolle spielt."

Kommentare

  1. Ich sehe und weiß, die Blogströmung hier, die hat inzwischen eine weitere Strömung: „Gut gebrüllt & gebloggt“, in sich ergriffen. Und, sie wird noch andere Themen ergreifen. Gerade daher, wie für noch Folgendes, erachte ich das vorherige Thema: „Vertrocknete Mitte, blühender Umkreis“, hier im Besonderen im Hinblick auf das in ihm auftauchende Wort „Karma“, wie im Hinblick auf das bei Ramon Brüll auftauchende Wort „Strömungen“, für
    ergänzungswürdig. Einfach von daher, das aus dem „Verständnis“, wie einer Zusammenschau der besagten Wörter sich das Wort „Karmaströmungen“ ergibt.

    Dessen „Verständnis“ wiederum, das kann, meiner Ansicht nach, ausschlaggebend dafür sein, wie jegliche andere Themen so bedacht wie ausgestaltet werden können, das sie in ihrer Gestalt dann als so ein Erzeugnis erscheinen, das denjenigen Handlungsstrom bezeugt, der aus dem „Ideal“ heraus seine Impulse selber zu setzen vermag.

    Das gleich noch Folgende hier, das will nicht mehr, aber auch nicht weniger sein, denn einer der Versuche, durch Selbstbesinnung, anhand meiner Wortgarderobe, Sätze in solche Wortfolgen zu kleiden, die bedenkbar machen können, wie das Wort „Karmaströmungen“ empfunden werden könnte.

    Es gibt eine „Instanz“. wie ich die benenne, das ist mir nicht ausschlaggebend beim Erwägen der Frage, woher dasjenige, das manche mit den Worten „Karmaströmungen“ benennen, herstammt. Es liegt im Wesen dieser Instanz, so ein Menschenideal in sich ausgebildet zu haben, das ihr im Gewichten jeglicher Handlungen dasjenige „Gegengewicht“ dafür sein kann, wie sie, Handlungen erwägend, sich dessen gewiss wird, in wieweit Handlungsströmungen in Folge so gewichtet wie ausrichtet werden können, dass sie sich, zunehmend hinstrebend zu ihrer Übereinstimmung mit ihrem Ideal, empfinden können.

    Es liegt zudem im Wesen dieser Instanz, für die noch „aus- wie abweichenden“ Handlungsströme solche Handlungsspielräume in den Weltenströmen zu eröffnen, in denen, aus veranlagter Freiheit, wiederum zunehmend, jegliche Handlungsströme, mehr und mehr, für den Zusammenklang sich einzustimmen streben können, der seiner Natur nach, zugleich mit dem Menschenideal, sich in einem Klangraum gewahren will.

    Aus Obigem ergibt sich mir, das es weltweit, in allen Weltenweiten, allein ein einiges Karma-strömen im Strom des Weltgeschehens ist, in dem diese „Instanz“ Spielräume eröffnet. Es ist diese „Instanz“, die an ihrem Ideal abliest, wo und wie „Karma“ waltet und im Kommenden noch weiterwalten muss. Das sagt mir, der Impulsgeber wie Träger jeglicher Tatenfolgen ist die „Instanz“.

    Als das ist sie zugleich das „Ideal“. Sie organisiert Handlungsströme in solche idealisierten Lebensfragen um, in denen das in diesen Strömen Tätige, so in Frage gestellt, zunehmend dafür sich so zu sehen wie betätigen erüben und lernen will, dass das „Ideal“, aus frei gesetzter „Mitverantwortung“, sich, in Folge, zunehmend in derjenigen Selbstverantwortung finden kann, die der Anerkenntnis des Ideals der „Instanz“ entspringt. Im Weiteren wandelt sich so ein Anerkennen können in das Selbsterkennen des Erkennens, das jegliches Strömen, im Strom des Weltgeschehens, durchströmt.







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    1. Danke erst einmal. Ich setze das in den nächsten Tagen mal in die alten Egoisten, falls Du nicht widersprichst. Das ist ja eine geschliffene, in sich weiter führende Denkgestalt.

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    2. Lieber Burghard,
      vielen Dank.
      Ich finde es bemerkenswert, daß ich selber diese „Instanz“, von der Du sprichst, für mich seit vielen Jahren mit ganz demselben Wort bezeichne: Instanz.

      Und lieber Michael,
      ich finde es auch bemerkenswert, daß sowohl hier wie dort von „Strömungen“ die Rede ist...

      Herzlichen Gruß,
      Ingrid

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    3. Na ja, in meinen Augen eine recht abstrakte, blutleere Denkgestalt diese da agierende "Instanz". Und, warum so herumeiern, statt dem "Kind" einen Namen zu geben?

      hr

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    4. ..."das es weltweit, in allen Weltenweiten, allein ein einiges Karma-strömen im Strom des Weltgeschehens ist"...

      Sorry, ich wollte eigentlich nicht mehr soviel meckern, aber ich finde diesen Kommentar vom sprachlichen Niveau her schon ziemlich bedenklich.

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  2. Also der (jeweilige) "Schöpfer" im Bewusstsein seiner Selbst erübt Handlungen Handlungen beizugeben, die im "Weltgeschehen" sich gegenseitig als harmonisch zueinander und miteinander sich verhalten. ? -- Im Ideal ?

    Oder ganz simpel, Ich weiss, was ich tue ?? In Gemeinschaft mit denen, die es auch wissen oder sich zumindest darum bemühen ? Halt im Gespräch bleiben ? Und nicht einschlafen dabei ? Mit einem umfassenden "Gedächtnis", das aus der Wahrnehmung dessen sich bildet was man tut, was getan wird ? Unter Umständen mitzubekommen versucht und sich bemüht zu bemerken, was man sonst noch so vor hat ?

    Gibt es in diesem Sinne ein "grosses Vorbild" oder schaffen wir sie alle einfach nur selbst ??

    Karma ist doch bereits. Ist doch schon längst vorbei, es war doch schon gewesen. Und Karmaströmung tut es gerade, da fliesst es dann, die geistige Lava und ich vermag daran zu erwachen, mich oder es zu verbessern. Das Karma? Nein, mich, den Schöpfer. Machen wir das lang genug, verstehen wir, dass Krishna spielt, aus reiner Freude am Tun.

    Mir wird jetzt auch klar, warum die "echte" Lava einen so fruchtbaren Boden abgibt. Für die nächsten nach mir.

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  3. Mittlerweile stelle ich sogar in Frage, Manroe, alles immer verbessern zu müssen, selbst das Karma. Kann man das überhaupt? Du bist doch immer du selbst. Und dann: wozu? Wenn man doch ohnehin glücklich sein muss... Wenn es doch vor allem um das Fortschreiten geht... also eher Veränderung, nicht so sehr Verbesserung. Vielleicht ist das ja auch schon ein großer Evolutionsschritt im Vergleich zu alten Religionen, dass es mehr um das gemeinsame Wachstum geht

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    1. Ich habe doch nicht gesagt, dass ich das Karma verbessern wolle, das geht doch gar nicht. Und natürlich bin ich Ich selbst, allerdings noch nicht vollkommen. Und ein gemeinsames Wachstum ist es doch eh, da wir als Mensch(en) - uns entfaltend - lernen oder umgekehrt. Und um einer wirklichen Gemeinschaft willen geht es doch NUR über den Einzelnen. Wir sollten uns auf unserem Weg mehr gegenseitig wahrnehmen, damit wir aus dem von Steiner prognostizierten Kampf Aller gegen Alle besser zum eigentlichen "Ziel" gelangen können.

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    2. (Da habe ich ja mal wieder was gesagt!!!!)
      Bin gespannt wie lange mir das nachhängt.

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    3. Kerstin, ich werde Dir gar nichts nachtragen, es mag sein, dass ich vielleicht mal dran erinnere, so im Kontext zu möglich Anderem in diesem Zusammenhang, aber dann lediglich als Erinnerung :-)

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  4. Wahrnehmung ist wichtig! Allerdings liegt hier auch eine kleine Herausforderung für diejenigen, die sehr vereinzelt leben. Weil: wie kann man sich das angewöhnen, wenn man es vorher nicht gemacht hat? Es ist ja niemand da. Ein Kampf ist es also gar nicht, da man den ja auch nicht in sich trägt, mit sich im Frieden ist.
    Was meinst du mit Ziel, was bedeutet das für dich?

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    1. "...um einer wirklichen Gemeinschaft willen geht es doch NUR über den Einzelnen."

      Und da wir eine solche Gemeinschaft noch nicht haben, liegt bereits darin ein Ziel, z.B. Und dann gibt es noch das ganz grosse Ziel, der Mensch, im Sinne von "Siehe, der Mensch..." Uns sehe ich bislang erst als mensch-LICH.

      Und der "Kampf Aller gegen Alle", das kommt von Steiner selbst und ich verstehe ihn da sehr gut, insbesondere wenn ich mir anschaue, wie man wegen der immer deutlicher hervortretenden Individualität mit den dann auch immer deutlicher hervortretenden Interessen, Veranlagungen, Ansichten, Willens... ineinander sich verkeilt und darum ringt wer denn nun oder was denn nun ... richtig, sinnvoll, förderlich... ist, sei.

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