Freimaurer, Templer und Rosenkreuzer

Einige grundsätzliche Anmerkungen von Wouter J. Hanegraaff, der ein anerkannter "niederländischer Kulturhistoriker und Religionswissenschaftler (ist). Er lehrt an der Universität von Amsterdam und gehört zu den führenden Esoterik-Forschern." (Wikipedia)

In "Western Esotericism: A Guide for the Perplexed (Guides for the Perplexed)" gibt er einen Überblick über die Entwicklung der gesamten westlichen Esoterik. Über die Rosenkreuzer- Schriften (wie etwa die Chymische Hochzeit) meint er, "The Manifestoes are now generally seen as a literary invention, attributed to the Lutheran theologian Johann Valentin Andreae (1586–1654) and his circle of friends in Tübingen. But they made a great impression on many readers, resulting in a stunning amount of public responses, whether from critics who denounced the brotherhood as a hoax or defenders and true believers who would like to contact its members. As one effect of this furore, important authors in the field of ancient wisdom and the ‘occult’ sciences, such as Robert Fludd (1574–1637) or Michael Maier (1569–1622), began to identify themselves as ‘Rosicrucians’, and authors claiming special esoteric knowledge have kept doing so ever since." Es ist also -was nicht erstaunlich ist- stets zwar fraglich geblieben, ob die Bruderschaft der Rosenkreuzer existiert, aber die Attraktivität darin, sich selbst als Esoteriker jeder Couleur damit zu identifizieren oder gar zu behaupten, Mitglied zu sein, ist von Anfang an da gewesen.

Dies betraf auch die Freimaurerei, von der stets angenommen worden ist, dass sie zumindest in Teilen esoterisches Wissen im Sinne oder in der Art des Rosenkreuzertums beinhalte: "Up to the first decades of the eighteenth century, Freemasons were widely perceived as Rosicrucians and practitioners of alchemy; and the brotherhood attracted much curiosity because of suspicions that it might have preserved the mysterious secrets of antiquity, including that of the philosophers’ stone." In Bezug auf "geheimes Wissen" entwickelten sich innerhalb der Freimaurer selbst höhere Grade, in denen solches Wissen vermittelt wurde: "But in other countries, notably France, the concern with alchemical and other ‘hermetic’ ideas and practices flourished as never before: after having been initiated into the three basic Masonic grades of ‘Apprentice’, ‘Fellowcraft’ and ‘Master Mason’, Masons could progress deeper into the masonic mysteries through elaborate systems of higher grades."

Es entwickelten sich aber auch neben der offiziellen Freimaurerei Orden und Kulte hermetischer Art, die zumindest behaupteten, Esoterik zu vermitteln, aber dabei die Maurerrituale beibehielten: "The ritual and organizational frameworks of such initiatic Orders have been inspired, in most cases, by models derived from Freemasonry". Eine besondere Variante entstand in Bezug auf die schottischen Freimaurer, von denen angenommen wurde, ihre Quellen bestünden nicht nur in Bezug auf die Rosenkreuzer, sondern auch durch das tradierte Wissen der Templer, die hier, in Schottland, einen Fluchtpunkt vor den Zugriffen Philipps des Schönen und der katholischen Kirche gefunden hatten: "After the dissolution of the Order in 1307, surviving Templars were believed to have brought it secrets to Scotland, often considered the homeland of Freemasonry."

In Bezug auf die illegitimen Kulte ergab sich im 19. Jahrhundert eine neue Art des Zugriffs auf esoterisches Wissen durch die Verbreitung des Mesmerismus und sich daraus entwickelnder Techniken einer Art von Trance: "One of Mesmer’s many followers, a Marquis de Puységur, discovered that mesmeric treatment could induce a strange condition of sleeplike trance, in which many patients displayed remarkable ‘paranormal’ abilities and entered visionary states in which they claimed to communicate with spiritual beings on other levels of reality. This phenomenon, known as artificial somnambulism, has exerted an incalculable influence on the history of Western esotericism during the nineteenth century." Das ist die Technik des 19. Jahrhunderts gewesen, die dazu führte, dass durch Mediumismus quasi durch die Hintertür ein Zugang in die geistige Welt gefunden wurde. Es ist dies damit gemeint, was auch Rudolf Steiner wieder und wieder als "somnambul" bezeichnete. Nicht unter diese Kategorie fiel eine lebhafte Hellsichtigkeit, wie sie z.B. bei Anna Katharina Emmerick vorlag.

Der Mediumismus wurde vielfach aufgegriffen, insbesondere auch in den angeblich rosenkreuzerischen spirituellen Kulten, die Ende des 19. Jahrhunderts logen-ähnlichen Charakter hatten, sich aber auch in den Randbereichen der Theosophie Helena Petrovna Blavatskys -wie etwa der Golden Dawn und seine Ableger- bewegten: "The technique of somnambulic trance induction now made it possible for any citizen to satisfy his or her curiosity about the ‘invisible world’ and survival after death without any need for mediation by the church."






Kommentare

  1. Wenn man das wieder einmal so vorgestellt bekommt, fragt man sich wie Steiner denn im theosophischen Milieu sich behaupten konnte, weil dort viel mit Spiritismus usw. getan wurde. Er selbst hat als ein Antwort geschrieben, dass die Anerkennung, die ihm seitens der Leitung der Englischen Theosophischen Gesellschaft entegengebracht wurde, für ihm entscheidend war um in diesen Rahmen überhaupt selbständig zu arbeiten.

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    1. In der Tat. Je mehr man sich in die theosophischen Milieus und Submilieus einliest, desto mehr weiß man seine Leistung, sich in diesem Milieu zu behaupten, zu schätzen.

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