Romane der australischen anthroposophischen Autorin Adriana Koulias

Die Bestseller- Autorin Adriana Koulias habe ich erst vor kurzer Zeit in einer internationalen Facebook- Gruppe kennen gelernt, hatte aber schon einen ihrer früheren Romane, "THE SEAL (Rosicrucian Quartet)", in digitaler Form geladen. Es ist ein umfassender, von Sachkenntnis erfüllter, dennoch spannender Roman über das Ende des Templerordens. Ich werde gleich noch etwas darauf eingehen. Koulias´ Vorstellung links habe ich ihrem Blog entnommen, auf dem sie ihre Bücher selbst vorstellt.

Populär sind die Bücher sicherlich wegen der Thematik zwischen Gral, Fünftem Evangelium und Tempelrittern, wegen der gekonnten Schreibtechnik, die in wie in filmischen Schnitten zwischen Orten, Zeiten und Personen wechselt, aber auch wegen der Spannungsbögen. Natürlich wird an der einen oder anderen Stelle zugespitzt, romantisiert oder vielleicht auch etwas explizit auf Gewaltszenen gesetzt; das gehört zum Genre. Aber die Details sind in der Darstellung umfassend und präzise recherchiert - man lernt tatsächlich ständig dazu. Zudem gibt es das spezifisch anthroposophische Wissen, das Koulias immer wieder einfliessen lässt; sie ist intensiv mit dem verbunden, was Rudolf Steiner hinterlassen hat.

Nehmen wir als Beispiel "The Seal" heraus, das mit der Niederlage der Templer und dem Verlust von Akkon einsetzt: "And if leaving Acre had seemed to him the beginning of a devastation from which the Order would never recover, then this now was the end of that beginning."

Eine Reihe von Tempelrittern beraten in Zypern, wie es nach dem Rückzug weiter gehen soll; ihre Wege werden in der Folge beschrieben. Der Großmeister, der von Papst und König Philipp nach Frankreich beordert wird, ahnt, was auf ihn zukommen wird: "It was therefore only a matter of time, a matter of what day or hour, what weapon, lance or poison would find Jacques de Molay and kill the Order with him." Die Schicksale der Gefangenen und Flüchtigen, der Verfolger, Folterer, Zeugen werden entfaltet und über die Jahre bis zur Verbrennung und Auslöschung verfolgt. Seltsame Figuren wie der Hofastrologe mit magischen Ambitionen, Nogarets mörderische Vertreter, Hofdamen und jüdische Exilanten treten auf.

Aber Adriana Koulias ist nicht nur am spannenden - und tragischen - Ablauf der Handlung interessiert, sondern lässt die Täter über die Folgen der Folter zynisch philosophieren: "‘No? Well then, men who are possessed merely have the evil in their souls unchecked. They lose hold of it, Nogaret, and the evil becomes master . . . It is the same in torture, you see? When a man is in the deepest pain he loses mastery over himself and all that works and weaves within the dark corners of the soul is let loose and is given rein!’" Das Auftreten und die Ängste des schwächlichen Papstes Clemens werden betrachtet: "His philosophy may not have seemed to others entirely pious, but Clement knew that piety made short days for popes."

Aber auch der gepeinigte de Molay, in seinem nach Jahren scheinbar oder zeitweilig getrübten Bewusstsein, dem sein Folterer als das einzig Menschliche erscheint, kommt in inneren Monologen zu Wort: "In the inquisitor’s eyes he had seen hate but also a fleeting, paternal love. A part of him felt a need to please the love in those eyes, to be a good son, to do as was asked of him. But another knew that if he could last a little longer he would soon be free. But death had not visited him. Instead he had seen a familiar creature, a creature of satanic origins, whose odious enticements were the bane of all men whose meditations took them to spiritual heights. Pierre could not count how many times he had overcome this creature in his quiet moments, but on the bloodied rack it had gained the advantage and had overwhelmed his ailing, tortured body, speaking from his mouth vile temptations never committed but conquered time and time again through strength of soul. How had the inquisitors known of Baphomet – more potent than Lucifer, more dangerous than Satan?"

So zeigt Adriana Koulias sowohl die Außenseite der Ereignisse wie auch die Innenseite des Erlebens der Betroffenen und Handelnden. Dabei fließen "anthroposophische Kenntnisse" mit ein, bis hin zu Überlegungen zur Reinkarnation eines Sadisten wie Philipp den Schönen: "He could hear drums and chants and he held a dagger in his hands with a skull at its hilt. He was a priest. Beneath him a man lay on the killing stone. To look at him made the muscles of his arms tense to prepared the thrust. It came hard, down and upwards in the form of an angled snake. He held out a heart beating still in his hands. But the pain made his eyes open and he saw the stag had come at him and he felt the air pushed from his lungs then and his last thought was sucked from his head and into the darkness. Taotl!"

Auf deutsch ist bislang (2007) der "Tempel des Gral" erschienen.

Kommentare

  1. Lieber Michael,
    vielen Dank für diese Empfehlungen! Kommt gerade rechtzeitig vor Weihnachten...
    LG, Ingrid

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    1. Liebe Ingrid, es gab ja schon immer mal Versuche im Genre "anthroposophischer Roman". Frau Koulias macht es professionell, was die Technik betrifft, spannend und zugleich reflektierend. Ich werde mir jetzt mal "Fifth Gospel" zu Gemüte führen. Das sind im internationalen Raum Bestseller, aber bislang in Deutschland noch nicht richtig entdeckt.

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    2. Lieber Michael,
      Thomas Meyers „Unverbrüchlichen Vertrag“ habe ich mit seeehr gemischten Gefühlen gelesen - und mir gewünscht, daß möglichst bald jemand einen Roman schreibt, in dem alles ganz anders ist - und mindestens ebenso „plausibel“. Einfach, damit klar ist, daß es sich um einen Roman handelt und nicht um ... um einen „ungefähren Tatsachenbericht“.
      Nun bin ich wirklich gespannt auf Adriana Koulias.
      Das wird dann wohl endgültig mein Einstieg in das Templer-Thema...

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  2. Was ich nicht so recht verstehe, wie man einen gut recherchierten Roman akzeptiert, aber Aussagen von JvH nicht. Reicht es denn aus, Aussagen - im Wissen darum dass es sich "nur" um einen Roman handelt - anders in sich kreisen zu lassen denn jene einer JvH?

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    1. Die vorgestellten Romane geben nicht vor, etwas anderes zu sein. Das ist bei Frau von Halle anders. Sie schreibt schlecht recherchierte, äußerst dürftige, assoziative und wirre Romane, gibt aber vor, dass es sich dabei um "höhere Wahrnehmung" handelt. Das ist Betrug- oder Selbsttäuschung.

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