Nodobotoke

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Romane einer zen- buddhistischen Nonne- kann das gut gehen? Wird das nicht moralisierend, sauertöpfisch, karg? Nein, ganz im Gegenteil. Der Roman von Ruth Ozeki beispielsweise, "A Tale for the Time Being"(2013), beginnt mit den Nöten eines pubertierenden japanischen Mädchens, deren Vater nach den geschäftlichen Konsequenzen der internationalen Finanzkrisen am Abgrund - auch in akuter Suizidgefahr- steht. Versetzt liest ein auf einer kanadischen Insel lebendes Ehepaar die Geschichte des Mädchens, die nach dem Tsunami und der Fukushima- Atom- Katastrophe dort in einer Kiste angespült wurde- in der Annahme, dies sei Teil des Treibgutes, das über die pazifischen Drifts (mitsamt des atomaren Fallouts) bei ihnen angeschwemmt werde.

Es gibt aber auch noch die als über Hundertjährige in einem Zen- Kloster lebende Urgroßmutter des Mädchens, von der es heißt, sie habe auf Erleuchtung verzichtet: "One of her vows was to save all beings, which basically means that she agreed not to become enlightened until all the other beings in this world get enlightened first. It’s kind of like letting everybody else get into the elevator ahead of you." Wenn man alle in der Schlange vor lassen möchte- nicht nur alle Menschen, sondern auch Tiere und Pflanzen, damit sie alle ihre Erlösung finden, dann "you can see that enlightenment will take a very long time."

Das nun selbst depressive Mädchen verbringt schließlich die Sommerzeit im Kloster- ohne Medien, mit der Hand arbeitend, meditatives Sitzen lernend, den Berg herunter und heraus joggend- und lernt mit der Zeit, von sich selbst frei zu kommen. Ja, sie wird sogar gesegnet mit der Erfahrung einer Ruhe, eines Friedens und der Zeitlosigkeit: "And then she felt something, a feather-light touch, and she heard something that sounded like a chuckle and a snap, and in an instant, her dark terror vanished and was replaced by a sense of utter calm and well-being. Not that she had a body to feel, or eyes to see, or ears to hear, but somehow she experienced all these sensations, nevertheless. It was like being cradled in the arms of time itself, and she stayed suspended in this blissful state for an eternity or two."

Es ist keine wunderbare Heilung von den eigenen Wunden und Obsessionen; aber eine rationale, besonnene Art des Umgangs mit ihnen, so dass sie nicht mehr so beherrschend sind: "Jiko said that zazen meditation probably wouldn’t cure me of all my syndromes and tendencies but it would teach me how not to be so obsessed with them." Auch wenn im Buch Weisheiten wie "To study the Way is to study the self. To study the self is to forget the self. To forget the self is to be enlightened by all the myriad things" geäußert werden, bedeutet es nicht, dass es langweilig wäre- die Vielfalt der Geschichten, Bezüge, Personen (auch längst verstorbener) ist groß, bunt und reich. Auch die alte Dame öffnet sich und zeigt ihren Schmerz, der sie einst erst dazu gebracht hatte, Nonne zu werden.

Ich möchte noch auf den Aspekt besonderer buddhistischer Eigenheiten eingehen, die man kennen lernt. Nach dem Tod der Urgroßmutter, nachdem sie eingeäschert ist, spielt das Auffinden ihres Adamsapfels eine besondere Rolle, denn das ist die "Kehle Buddhas": "Everyone was superhappy because finding the nodobotoke is a good sign. Muji said it’s the most important bone, the one we call an Adam’s apple in English, but in Japanese it’s called the Throat Buddha, because it’s triangular and looks a little bit like the shape of a person sitting zazen. If you can find the Throat Buddha, then the dead person will enter nirvana and return to the ocean of eternal tranquillity. The Throat Buddha is the last bone that goes in, and you put it on the very top, and then they close the urn."
Das gibt vielleicht auch einen kleinen Hinweis auf das besondere Wirken des kommenden Maitreya Buddha, von dem Rudolf Steiner in der Hinsicht gesprochen hat, dass dieser insbesondere durch die Sprache lebensschaffend wirken werde.

Zum Schluss: Hier die korrekte Aussprache.

Kommentare

  1. So ist es genau richtig, Michael: Erst ein Buch (wenn möglich vollständig) lesen und DANN bitte erst posten, mit korrekten und nachprüfbaren Zitaten und entsprechend rezensieren. Es geht doch. Warum also diese Spielchen mit Deinen Lesern und Bücher zu rezensieren, die Du nicht einmal in die Hand genommen hast?

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  2. Als treuer Egoistenblogleser kommt man mal wieder an die Grenze der eigenen Aufnahmefähigkeit: Eben noch wurde die öffentliche Beschimpfung der Flensburger Hefte genüßlich zelebriert, dann muss/darf man sich mit "den Nöten eines pubertierenden japanischen Mädchens" auseinandersetzen um sich kurz darauf in einer Steinerzitate Maitreya Meditation zu befinden...Meine Güte, was ist da los in Korschenbroich...?

    Eine anthroposophische Freundin sagte mir letztens, dass es auf diesen Blogs manchmal gewisse Rhythmen zu geben scheint: Nach einer Phase der Spott/Lästerartikel (JvHalle,u.a.) kommen meistens "neutralere" Themen, wo sich die meisten User eher einig sind (Steiner) danach kommen häufig die, wie sie es nannte, "Jammerartikel", also, dass das Ego in seinen Unzulänglichkeiten und Schwächen in einem leicht selbstanklagenden Ton dargestellt wird (So dass "Der Mensch Eggert" wieder mehr sichtbar wird).

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  3. Der Mensch Rainer Herzog wird allerdings letzter Zeit auch sichtbar. ;) und nicht nur als frustrierte JvH-Follower.

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  4. Was mich an diesem Artikel am meisten irritiert, ist der fehlende und obligatorische Bezug zu Judith von Halle. Der Vergleich "japanisches Mdchen - JvHalle" drängt sich doch förmlich auf (Jap.Mädchen gut, JvH schlecht) zumal der Text von "Wunden" und eine "wunderbare Heilung" handelt.

    Wir möchten auch weiterhin bitte in jedem Artikel vor der "mystischen Wunderdame" gewarnt werden, auch wenn es um den 11. September, das Outing von Thomas Hitzlsperger oder um Rilke geht.

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  5. Hi, mir kommt es eher vor, als hätte die Erwähnung der Apfelblüteninsel einen gewissen Anklang gefunden. Zwischen den Jahren hatten wir hier Nebel, und es war tatsächlich wie im Roman... Auch sitz ich hier und les, anstatt einer Einweihung, Egoblog, denn das ist, was bleibt, im Moment. Die Konfitüre ist superb geworden, übrigens. Vielleicht erzähle ich es euch!
    Hab mal gehört, Zazen ist ähnlich wie Anthroposophie, nur dass es eben östlich-buddhistisch geprägt, und wir westlich-christlich geprägt sind.
    Und trotz allem Witzchen reissen merkt man doch bei Eggert ganz deutlich, denn es taucht als Thema wiederholt auf, dass Logen und Magie, wäre sie denn licht und freundlich, ihren Eindruck hinterlassen haben :-)

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  6. Mein Vorschlag:
    http://hobby-psychologe.blogspot.de (lässt sich kostenlos einrichten)

    Da würde Herr Eggerts BLOG in kürzester Zeit einfach eintrocknen, alle Leser und kommentatoren würden ihm davonlaufen.
    Wer würde da noch nach dem Egoistenblog krähen?

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  7. Ich verstehe nicht, worüber eigentlich noch geredet werden muss.

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