Mandala

Sie hockt zwischen den Kieseln auf dem feinen Sand. Sie schaut ins graue, widerstrebende Strömen des Flusses, der in seinem breiten Bett in flacheren Zonen des Wassers fast still steht, aber in den tieferen, dunklen Zonen gewaltsam drängt und pocht. Eine Trauerweide steht an ihrer Seite und reckt die unterspülten, frei liegenden Wurzeln, in ihrem Geäst angewehte weiße Plastiktüten, die wie tibetische Gebetsfahnen flattern.

Sie schreibt mit den Fingern in den Sand: Ich Du. Sie atmet den fischigen Duft des Stroms; schaut unverwandt ins strömende Grau, in dem sich alle Form verliert. Von ferne Gebell frei laufender Hunde, Kinderstimmen, ein Mann, der mahnend ruft, ein Geruch, der fein dosiert, kaum merkbar, an ihre sich ekelnden Sinne rührt; Verwesung.

Sie malt ein Kreuz in den Sand und setzte ein Kieselchen an jeden Endpunkt der Figur. Sie wartet auf nichts mehr. Ihre Gedanken flattern wie tibetische Gebetsfahnen in den Bergen des Hochlandes, sie geht auf in der Szenerie, als sei diese Landschaft, das Fühlen, Riechen, Schauen, Hören zu einem einzigen Da und Du zerschmolzen. Sie malt einen Kreis um die Form, die in den Sand geschrieben ist: Sonnenanbeterin.

Kommentare

  1. Werdet wie die Kindlein und es ist dann sehr erstaunlich, wie leicht man durch eine zeichnende Geste ein Fenster öffnet in und für die "andere" Welt.

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