Dorian Schmidt über Phasen von Konzentration und Hingabe

In einem zweiten Teil der Beschäftigung mit dem Thema Meditation in "Anthroposophie Weltweit • Mitteilungen Deutschland, April 2014" beschäftigt sich Dorian Schmidt mit den spezifischen Schritten einer anthroposophischen Meditation- zwischen Konzentration und Hingabe oder "gerichteter Aufmerksamkeit" und "offenem Gewahrsein". Der Grund für die in der Praxis wiederum möglicherweise willkürlich erscheinenden Systematik der Entfaltung meditativer Technik liegt für Schmidt nicht in "erkenntnistheoretischem Streben, sondern (in) dem Streben, die vielen kleinen Fallen zu iden­tifizieren, in die man hineingeraten kann und die letztlich eine ganze Meditation verunmöglichen können. In der Praxis gestaltet man viele der gefundenen kleinen Schritte teils bewusst, teils halb bewusst, teils schlafend. Erst, wenn man eine vernachlässigt, wird deutlich, wie notwendig es war, sie irgendwie zu berücksichtigen und sei es als bereits längst verinnerlichte und damit auch aus dem Bewusstsein entlassene, gut gehende Fertigkeit."

Im Folgenden beschreibt Schmidt Entschluss- und Entwicklungsphase, Sammlung, Wahl und Konzentration. Als sechste folgt eine "Phase des Ausharrens in der Konzentration: das Thema wird mit Spannung aufgeladen, mit Interesse oder Zuneigung durchkraftet." Damit ist die "gerichtete Aufmerksamkeit" aufgebaut, und es folgt das Sich- Zurücknehmen im "offenen Gewahrsein". Das bislang aufgebaute Thema wird darin "geopfert", eine Ebene der Leere ertragen und Devotion entfaltet. Eine reine Erwartung folgt, um dem Neuen, das eintreten möchte, Raum zu schaffen, es sich entfalten und aussprechen zu lassen. Dorian Schmidt betont, dass zu den grundsätzlichen Gebärden von Konzentration und Hingabe für ihn noch die Selbstgewahrwerdung des Meditierenden gehört; eine Bewusstwerdung der inneren Gestimmtheit bis hin zu Fragen wie "Wie ist mein Resonanzkörper beschaffen, ist er beweglich genug oder habe ich ihn durch Eigenwillig­keit zu sehr im Griff? Wie stark kann ich den Resonanzkörper fokussieren? Und wohin?" Solche Art des Nach-sich-selbst-Fragens ist Schmidt auch deshalb wesentlich, da darin für ihn ein zeitgenössischer "Fortschritt (von) der Verstandesseele zur Bewusstseinsseele" aufblitzt. Das Ziel ist es, eine "zukünftige Wissenschaft des Meditierens" zu entwickeln, "die der inneren Komplexität des Menschen und seiner inneren weitreichenden Gestaltungsfreiheit gerecht werden kann."

Der anregende und konkrete Beitrag von Dorian Schmidt wird auch im aktuellen Newsletter (April 2014) von Anna- Katharina Dehmelts* "Institut für anthroposophische Meditation" erwähnt.

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* Anna-Katharina Dehmelt in Kooperation mit Goetheanum Meditation Initiative Worldwide — Gesellschaft für Bildekräfteforschung — EnlightenNext — Public Meditation — Freies Bildungswerk Rheinland

Kommentare

  1. Ja, ganz interessant, danke für den Link (Ich habe lieber dort direkt etwas kommentiert, weil ernsthaftere Debatten hier meistens nicht richtig "funktionieren" :-)

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  2. Hm. Woran liegt das eigentlich? Früher mal war das nämlich anders

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