The deep blue sky of direct knowing

Das Verhältnis von Ich und Selbst ist für den, den die Fragestellung nicht berührt, natürlich ein Abstraktum. Für den modernen, intellektuellen Mystiker dagegen ist das Verhältnis zwischen Ego, dem selbständigen Zeugen, der sich im 20. Jahrhundert heraus gebildet hat, und der Erfahrung der Gegenwärtigkeit, der geistigen Präsenz des Selbst selbst dann noch ein zu ergründendes Rätsel, wenn dieses Gralserlebnis eingetreten ist: Die Präsenz ist selbstverständlich und vertraut - keineswegs ein Abgrund oder eine jenseitige Erfahrung - es ist eher eine perlende, beglückende Ungeteiltheit, die Diesseitigkeit per se; in einer Kraft und Unmittelbarkeit, die nur dosiert erträglich ist, Mal um Mal neu errungen werden muss, und dennoch unermesslich bleibt.

In solchen Fragestellungen und Erfahrungsbereichen darf man sich auf A.H. Almaas verlassen, von dem in meinen Blogs schon oft die Rede war. Ich übersetze frei aus Almaas´s “Luminous Night´s Journey“ (S. 23): "Ich fühle mich zwar persönlich, aber unermesslich, eine Person eines solch dichten Seins, dass meine Substanz die des Körpers in den Schatten stellt. Das deutlichste Gefühl ist das der personellen Existenz. Ich fühle mich intensiv real, so grundsätzlich existentiell, dass der Verstand diese Realität nicht fassen kann. Ich erfahre mich selbst als Person, und diese Personalität besteht aus reiner Existenz. Existenz des Seins, essentiell und fundamental, unabhängig vom Verstand (mind), formt jedes Atom dessen, was ich bin. Ich bin Existenz, unabhängig von jeder Reflexion über Existenz. Die Wahrnehmung von Wahrheit und Wirklichkeit ist ungeheuer tiefgreifend (profound); es fühlt sich tiefer an als alles denkbare Sinnliche (the universe itself). Aber diese kaum vorstellbare existentielle Erfahrung beinhaltet  dennoch eine feinsinnige Wahrnehmung davon, dabei eine Person zu sein- eine Person, die nicht determiniert ist von Lebenserfahrung (history) oder Verstand, nicht begrenzt durch Charakterzüge oder Beziehungen, sondern eine Person, die einfach existent ist. Die Wahrnehmung des Existentiellen ist die einer nicht zu bezweifelnden Sicherheit, unabhängig von gedanklichen Konstrukten oder Erfahrungen. Ich bin an diesem Punkt völlig sicher, dass die Sorge, ein persönliches Leben könne, wenn ich nicht mehr (leiblich) verstrickt bin, beendet sein, unbegründet ist.“

Almaas versichert, dass diese einmal gemachte Erfahrung ins Leben ausstrahlt - schon weil die Verstrickung in diverse Rollen nicht mehr so zwingend ist. Er nennt diese existentielle Erfahrung des reinen Seins die „Perle“- etwas, in das er wieder und wieder eintaucht „like the deep blue sky of direct knowing, the emerald green of loving kindness, or the shiny gold of truth.“ (S. 24)

Kommentare

  1. "Die Präsenz ist selbstverständlich und vertraut - keineswegs ein Abgrund oder eine jenseitige Erfahrung - es ist eher eine perlende, beglückende Ungeteiltheit, die Diesseitigkeit per se; in einer Kraft und Unmittelbarkeit, die nur dosiert erträglich ist, Mal um Mal neu errungen werden muss, und dennoch unermesslich bleibt."

    "...die nur dosiert erträglich ist, ..." Da würde ich doch eher sagen, wenn überhaupt, eher umgekehrt, dass nämlich die sogenannte "normale Welt" nur dosiert erträglich ist, insbesondere die, wo der Mensch seine Finger so reinhält um Banalitäten zu zeugen. Wenngleich in beiden Fällen das Wirken einer Erträglichkeit gar nicht so sehr im Mittelpunkt steht, einerseits bekommt man es gar nicht so mit, was es alles so zu ertragen gilt, andererseits erhält man dann auch einen gewissen Schutz, wenn man es bemerkt und erlebt. Das einzige was bleibt, redet miteinander und nicht so sehr übereinander.

    AntwortenLöschen

Kommentar veröffentlichen

Danke für Ihre Mitarbeit im Blog.

Egoistisch am meisten gelesen: