Anthroposophische Höhlenlandschaften als paranoide Weltsicht

Betrachten wir, rein zur Anschauung, Leszek Kolakowskis allgemeinen Leitsatz: „Es gibt zwei Umstände, deren wir uns immer gleichzeitig erinnern sollen: Erstens, hätten nicht die neuen Generationen unaufhörlich gegen die ererbte Tradition revoltiert, würden wir noch heute in Höhlen leben; zweitens, wenn die Revolte gegen die ererbte Tradition einmal universell würde, werden wir uns wieder in den Höhlen befinden.“ (Kolakowski, nach Blumenberg, Höhlenausgänge, Frankfurt 1989, S. 55)

Nun war Rudolf Steiner, aus einer unaufhörlichen inspirierten Quelle schöpfend, sicher ein Pionier, der eine Revolte gegen verquaste Denkmodelle anführte. Er war vor allem der letzte Universalist, der sich um nahezu jede beliebige Fragestellung bemühte- dabei häufig nicht mehr als Anregungen anstossend, manchmal in seiner ständigen Fortbewegung nicht nur irritierend, sondern auch missverständlich. Missverständlich vor allem für diejenigen, die einen einzelnen Punkt seiner strömenden Quelle nicht dynamisch weiter entwickelten, sondern festnagelten und zum Fixpunkt einer sich daraus entwickelnden Ideologie machten, die dann für jede Situation, jedes Zeitalter, jedes Publikum, jede Generation, alle politischen und wirtschaftlichen Umstände universelle Bedeutung haben sollte.

Steiners Dynamik, seine beweglichen Begriffe werden zum ideologischen Skelett für einen Verein von - nach Hans Büchenbacher - „Verein von alten Tanten“. Schlimmer noch - dort, wo Rudolf Steiner nicht nur beweglich und ambivalent, sondern politisch dubios wurde, wo er sich zwischen Universalismus und Nationalismus verhaspelte, wurde er in der Folge immer wieder auch zum Bezugspunkt für politische Abenteurer und rechtslastige Apologeten. So schreibt Peter Staudenmaier im Waldorfblog: "Der Grundgedanke kann treffend mit dem Begriff „nationalist cosmopolitanism“ erklärt werden. Für Steiner bestand die deutsche Mission gerade darin, das Eng-Nationale zu überwinden und das Allgemein-Menschliche zu verkörpern. Dies bedeutete eine deutsche Vorreiterrolle in der Weltentwicklung. Anthroposophen begrüßten den Krieg als eine „Zeitenwende, die Deutschland und dem germanischen Volkstum die Führerschaft im Gesamtbereiche der menschlichen Geisteskultur bringen wird.“ (Das Reich April 1916, S. 1) Steiner zufolge war der Krieg „im Karma der Völker begründet.“ Es musste geschehen „zum Heile der Menschheit.“ (Steiner, Die geistigen Hintergründe des Ersten Weltkrieges, S. 19, 25) Als solche Standpunkte ab 1917 zunehmend unhaltbar wurden, kamen andere Töne zum Vorschein, und Steiner stellte die Mittelmächte als unschuldige Opfer eines lange vorbereiteten Planes vor, der Mitteleuropa zerstören und seine weltgeschichtlich entscheidende Aufgabe verhindern sollte. England, Frankreich, und Rußland wollten den Krieg und haben ihn geistig wie auch militärisch ausgelöst. Deutschland und Österreich wurde also ein Verteidigungskrieg aufgezwungen.“

Auch der negierten Kriegsschuld Deutschlands 1914 hat Steiner selbst widersprochen: "Die Welt will ein ehrliches Wahrheitsbekenntnis des deutschen Volkes … Und diese Wahrheit, sie ergibt, recht gelesen, die restlose Verurteilung der deutschen Politik. Eine Verurteilung, die schärfer nicht sein könnte.“ (Quelle Waldorfblog) Das ändert nichts daran, dass „Mitteleuropa“ als Konzept eines deutschen Pendels zwischen den politischen Großblöcken bis heute durch die anthroposophischen Köpfe wabert, wie Ansgar Martins im verlinkten Artikel reichlich belegt. Die fixierten Thesen vom kosmopolitischen deutschen Geist werden nahtlos in die heutige Zeit projiziert, der tiefe Fall dieses „deutschen Geistes“ im Nationalsozialismus möglichst ausgeblendet. Auch die Schuldzuschreibungen von 1914 werden durch weiter wuchernde Verschwörungstheorien endlos erweitert. Denn das Versagen des beschworenen „Mitteleuropas“ wird durch die von Steiner zeitweilig behauptete angloamerikanische Konspiration und die Pläne angeblicher Geheimbünde erklärt. Damit werden dann gleich der Zweite Weltkrieg, der Kalte Krieg, in schweren Fällen der Höhlenhaftigkeit auch der Anschlag auf die Twin Towers und der Krieg gegen den Kosovo und den Irak mit vom Tisch gewischt. Bedenklich, dass auch angesehene Herausgeber wie Stephan Stockmar einen Abenteurer wie Terry Boardman, der das Erklärungsmodell der angloamerikanischen Weltverschwörung bis ins Mittelalter zurück führt, durch Zitate und Tagungseinladungen hoffähig machen: "Terry Boardman, Autor und Dozent aus England, zeichnete in seinem Vortrag den Weg »Vom englischen zum amerikanischen Weltreich« nach. Auch er nahm im frühen Mittelalter seinen Ausgangspunkt, als England von Norden her dem Einfluss der rücksichtslos erobernden, seefahrenden Wikinger ausgesetzt war und von Süden her dem der arabischen Welt, der seinen Niederschlag in der Intellektualität von Oxford und Cambridge fand.“ (Stockmar nach Martins, dito)

Terry Boardman, der sich selbst als Anthroposophen bezeichnet, hängt der rechtslastigen These der „New World Order“ an, wobei er die Hegemonie der angloamerikanischen Welt als treibende „materialistische“ Kraft für sämtliche historischen Entwicklungen sieht - die Deutschen waren z.B. ausschließlich Opfer: „..an Anglo-American world hegemony that can be traced back to the activities of Cecil Rhodes in the 1890s. Behind this drive, I suggested, lies a spiritual purpose -  to create a uniform world state of unfreedom based on a philosophy of materialism, a state in which freedom would simply not arise, a Brave New World by stealth for which Hitler’s Third Reich was only a stammering and crude testbed.“

Auch der Kosovo- Krieg war danach ein anti- humanistischer, ahrimanischer Schlag der im Sinne der „New World Order“ agierenden NATO. In letzterer sieht Boardman damit eine Vertretung dessen, was er in Hitler repräsentiert sieht: "66 years after Hitler came to power, his spectre has been made much of by the  propaganda ministries and channels of the West.“ Das wirre, spirituell durchsetzte Traktat, das die gesamte moderne westliche Welt als faschistisch denunziert, entspringt einer nicht nur monokausalen, sondern paranoid- okkulten Sicht, die keinerlei Fakten oder Belege mehr benötigt. Paranoia kann man nicht widerlegen. Die Ideologie der „New World Order“ sieht sich in den Fängen einer weltweiten „Ultradikatatur“: "Die NWO ist das Endziel einer Verschwörung, die eine Ultradiktatur durch die Infiltrierung aller Systeme errichten will, auch bekannt unter dem harmlosen Begriff Globalisierung.“ Illuminaten, Templer und „Zionisten“ werden dabei als angebliche frühe treibende Kräfte ausgemacht, wodurch die antisemitische Grundtendenz des Ganzen ans Tageslicht tritt.

Somit befinden wir uns in der geistigen Höhle der paranoiden, monokausalen Verschwörungstheorien. Dass Vertreter solchen trüben Wassers heute auf anthroposophischen Tagungen auftreten und als Quellen benutzt werden, dass anthroposophische Verlage wie Die Europäer aktuell Boardmans wirre Thesen besprechen, dass Thomas Meyer tatsächlich nach Boardman die angebliche NATO-Aggression aufgreift, stimmt mehr als bedenklich: "Heute stehen wir vor einer neuen akuten Gefahr in dieser Richtung. Der 70 Jahre bolschewisierte Osten wurde nach 1989 überwiegend mit ökonomischen, militärischen und geopolitischen Interessen überschwemmt. Der Marsch der NATO nach Osten trägt neue Kriegsimpulse in die Ukraine und nach Russland.“ ("Die spirituelle Ur-Katastrophe, die Ziele der NATO und die Aufgabe Europas“)

Für diese Höhlenbewohner steht am Ende des Dunkels offenbar KGB- Mann Putin als Held gegen die vereinten ahrimanischen Kräfte. Man kann nur den Kopf schütteln.

Kommentare

  1. Michael, Du musst unbedingt Markus Osterrieder lesen! Jeder (kostspielige) Euro wert...

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  2. Wenn man sich zu sehr identifiziert mit dem Russizismus, dann wird das ‘Logentum‘ zum Verschwörung und basiert man sich auf Paranoia und Manichäismus. Mitteleuropa sei nach Steiner volksmäßig ein Wirbel von staatlich-organisierten Kirchenvölker, mit Ausläufer von einerseits Jesuitismus (Aufklärung, Logen) und andererseits Goethanismus (Russizismus, Gralsstimmung).

    ‘Für den östlichen Menschen ist es ganz selbstverständlich, indem er lebt, daß in seine Seele fortwährend etwas einfließt, was der Christus-Impuls ist. Für das Kirchenvolk der mittleren Länder hat sich das abgestumpft oder abgelähmt, indem der Christus-Impuls an den Anfang unserer Zeitrechnung verlegt worden ist und später an ihn angeschlossen wurde Dekretierung, staatliche Dekretierung und traditionelle und prinzipiengemäße Fortpflanzung. Im Westen, im Logensystem, wurde der Christus-Impuls überhaupt fraglich, zunächst ganz fraglich; da wurde er noch weiter abgelähmt.’ GA 185.209

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    1. Ich glaube, Kerstin, "Anthroposophen" bis hin zur "Anthroposophie" soll(en) runtergestutzt werden auf das/ein sogenanntes klares Denken, das sich lediglich auf sogenannte Fakten beruft, den modernen "Gott" aufgeklärter Menschen. Wenn man sich nämlich logische Scheuklappen aufsetzt, dann hat es den (scheinbaren) Effekt, gezielter und präziser beschreiben zu können, worum es heute geht, in deren so gesteuerten Ansichten ...

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    2. Genau, es geht um Mitteleuropa (sollte es gehen) und die geistige Macht, die darin liegt, das Wesen MITTE zu erfassen!! Das einzig wahre Heilwesen an sich.

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  3. "Der Marsch der NATO nach Osten trägt neue Kriegsimpulse in die Ukraine und nach Russland.“

    Das scheint mir dann doch der einzig richtige Satz zu sein, weil/der er alles Drumherum zu erklären vermag. Vielleicht hilft es ja wirklich, wenn Du Dir mal kräftig den Kopf schütteln würdest.

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  4. Ich stimme mit manroe überein. Fakten sind einfach nicht zu leugnen.

    Die hinterfotzige und aggressive Politik des Westens und der ukrainischen Regierung vor der Haustüre Russlands zu Lasten der völlig unschuldigen russischen Bevölkerung der Ostukraine gutzuheissen, sowie gleichzeitig die Vermittlungsversuche Russlands sowie selbst seine jüngsten humanitären Bemühungen noch als Affronte und Kriegstreiberei hinzustellen, wie es unser modernes "Dr. Goebbels-Ministerium", sprich gleichgeschaltete Presse doch tatsächlich fertig bringt, das ist es was in der Tat Kopfschütteln verursacht.

    Auch dürfte es schwierig sein zu leugnen, dass nicht nur "Verschwörungstheoretiker" , "Rechte" und sonstige Wirrköpfe von der NWO sprachen, sondern auch amerikanische Präsidenten. Und wohlgemerkt, nicht im Sinne von Kritik oder Ablehnung, sondern im Sinne ihrer eigenen politischen Zukunftsvision.

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    1. Diese Position hatte ich von Ihnen erwartet, Rudolf. Die neue Rechte winkt mit dem NATO- Zaunpfahl und steigt mit Putin ins Bett. Bizarr, aber in einer gewissen Szene momentan en vogue.

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    2. ...fragt sich doch eher, wer hier mit wem bereits im Bett gewesen ist, oder besser gleich weiter schlafend liegen bleibt !!

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    3. Nur weil die "Rechten" es tun, bzw. weil man sie es tun lässt, soll jeder der es auch tut, ebenfalls ein "Rechter" sein, oder zumindest sehr daneben liegen?

      Wobei alle anderen wie auch immer gearteten Argumente einfach diskussionslos vom Tisch gekehrt werden dürfen? Schöne neue Welt, kann ich da nur sagen!

      Dieser Zirkelschluss ist geradezu klassisch, klar, die Welt ist immer nur schwarz oder weiss, das Gute wie das Böse liegen immer nur, und zwar zur Gänze, auf der einen oder anderen ganz klar definierten Seite. Wie praktisch!

      Genau hier haben wir ein wieder mal ein typisches angewandtes Beispiel aus der Trickkiste der Meinungsmanipulation und -steuerung.

      Lasst uns doch dieses primitiv-lineare Denken hier mal überwinden, es ist einfach nur unwürdig, meine ich.

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    4. Fragen wir einfach Reporter ohne Grenzen über Feinde der Pressefreiheit in der Welt: https://www.reporter-ohne-grenzen.de/weltkarte/#feinde-der-pressefreiheit Keine Trickkiste. Aber ich nehme an, Argumente und Vernunft haben bei Ihnen und Ihresgleichen keine Chance, da Sie das "primitiv- lineare Denken" gänzlich überwunden haben und sich in einem surrealen Paralleluniversum befinden. Wer den Irrsinn gern in Eimern frisst, dem ist eben nicht zu helfen.

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    5. Oh oh, sehr geehrter Herr Eggert,

      warum denn gleich so persönlich? Dass in Russland offiziell keine Pressefreiheit herrscht, habe ich nie bestritten, bin sogar davon überzeugt.
      Aber wie dieses Argument denn dazu herhalten soll, zu beweisen, dass unsere "freie Presse" wahrheitsgemäßer berichtet, bzw. ihre Aufgabe und ihren Zweck besser erfüllt, dass bedarf schon einer näheren Erklärung.
      Unsere Presse mag ja "frei" von staatlichen Eingriffen, zumindest juristisch und offiziell) sein, aber worauf kommt es denn letztlich an?

      Ich denke nicht, dass eine öffentlich geäußerte Meinung, dass unsere Presse zuweilen nicht wahrheitsgemäß berichtet ausreicht, jemanden Weltfremdheit und Verharren in einem Paralleluniversum, Mangel an Vernunft oder gar "Irrsinn" vorzuwerfen. Das empfinde ich jetzt aber doch schon als persönliche Beleidigung und ein Anzeichen von Geringschätzung der freien Meinungsäußerung. Wie steht es denn damit?

      Einen wirklichen Irrsinn dürfte wohl eher die Speerspitze unserer ach so freien Presse in Form des Revolverjournalismus "Bild-Zeitung" geliefert haben , wo vor einigen Tagen oder Wochen mal auf der ersten Seite in riesengrossen Lettern Putin als Diktator vorgestellt wurde und ihm einzig und allein mit zwei riesengroß gedruckten Worten ("er wars") die bis heute nicht bewiesene Schuld am Flugzeugabschuss über der Ukraine in die Schuhe geschoben wurde.

      Für mich ist dieser Irrsinn mindestens genauso gross und besorgniserregend , wie die zugegebenermassen eventuellen realen gesetzlichen oder ungesetzlichne Beschränkungen der Pressefreiheit in Russland.

      Das Gute und Wahre kann sich niemals mit einem moralinsauren Fingerzeig auf das angeblich oder auch wirklich Böse und Unwahre selbst bestätigen und beweisen, das dürfte wohl jedem vernünftig denkenden Menschen klar sein.

      Lasst uns doch offene Diskussion am Leben erhalten und versuchen, manchmal auch dem journalistischen mainstream gegenüber kontroverse Argumente stehen zu lassen.
      Denn ob letzterer immer und überall die absolute Wahrheit wirklich für sich alleine gepachtet hat, das ist hier die grosse Frage. Immer mehr Menschen haben da, wie auch ich meine, mehr als berechtigte Zweifel.

      Oder wünschen wir uns eine Welt mit "verordneter Wahrheit"? An die wir dann nur noch zu glauben brauchen? Willkommen in der Zukunft?

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    6. Ja, tschuldigung, wenn ich mich hier einmische, aber gerade die "Reporter ohne Grenzen" sind nicht unumstritten. Siehe z.B. diesen Artikel: http://www.heise.de/tp/artikel/20/20052/1.html
      Alles nur Verschwörungstheorie?

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    7. Da gebe ich zu: Das klingt wirklich nicht besonders sauber.

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  5. Hm...

    Steiner sah den ersten Weltkrieg als Resultat einer ganzen Reihe von Vorgängen. Tatsächlich hat er eine Art Verschwörung bestimmter nicht-deutscher Kreise behauptet. Er hat aber auch darauf hingewiesen, dass die Weltkriegskatastrophe das Ergebnis einer unterbliebenen geistig-kulturellen Entwicklung innerhalb Deutschlands gewesen ist. Man denke nur an die Reichsgründung, zu der ja das bekannte Nietzsche-Zitat von der "Exstirpation des deutschen Geistes zu Gunsten des deutschen Reiches" gehört. Gleichzeitig hat Steiner die deutsche Unschuld an der Auslösung des Krieges betont - und zwar der deutschen Politik! Die hielt er nämlich für völlig unfähig irgendwie aktiv auf die Verhältnisse einzuwirken. Das arbeitet er auch in seinen entsprechenden damaligen Veröffentlichungen heraus. Generalstabschef Moltke handelte nur noch aus militärisch-praktischen Überlegungen heraus. Die deutsche Diplomatie war implodiert. Siehe z.B. Steiners Aufsätze zum 1. Weltkrieg in GA 24, S.279ff. Es ist merkwürdig, wie im Waldorfblog Einzelaussagen Steiners irgendwie gedreht werden, so dass am Ende der Eindruck entsteht, was er gesagt habe, sei heute so und morgen so und letztlich inkonsistent gewesen. Tatsächlich passen sie alle zusammen und widersprechen sich auch nicht. Man muss sie nur unbefangen lesen und verstehen.

    Ach ja - und vom Karma der Völker hat er im Zsh. mit dem ersten Weltkrieg wirklich gesprochen. Aber wer Steiners Karma-Begriff kennt, weiß, dass er die Art wie sich das Karma ausgestaltet nicht als feststehend betrachtet. Selbstverständlich hat er den ersten Weltkrieg NICHT begrüßt. Karma wirkt sich eben tumultuarisch und chaotisch aus, wenn notwendige Entwicklungen auf anderen Wegen verpasst werden. Steiner bezeichnete den Weltkrieg daher auch als "Großen Lehrmeister". - Ach Gott! Ich kann mir schon vorstellen, wie herrlich sich das aus dem Zusammenhang gerissen zitieren lässt!

    Das ist eben das Problem, dass Leute Steiner lesen und nur Phrasen auffassen, aber keine Zusammenhänge. Gegen die Phrasen-Spezialisten hat man argumentativ auch kaum eine Chance. Denn welcher ernsthafte Steiner-Leser, der bei der Lektüre auf den Zusammenhang des Gelesenen aus war, hat irgendwelche Beleg-Zitate so leicht parat wie sie? Und da finden wir ihn dann wirklich, den Ahriman: wo auf Worte geschaut wird, aber nicht auf die Gedanken hinter den Worten!

    Ansonsten kann man Steiners politische Thesen, wenn man sie wenigstens richtig wiedergibt, natürlich anzweifeln und diskutieren. Viele glauben das ja heute unbedingt zu müssen, weil - o Gott - das anthroposophische Tantentum schon manchen an seine Brust drückte, der nicht vorsorglich alles ablehnend-skeptisch bezweifelte! Ist ja auch klar, dass wir hier alle den besseren Durchblick haben als so ein Eingeweihter.

    Autsch! Jetzt steht er wieder auf dem Sockel, der Rudolf. Schlimm?

    Ansonsten möchte ich, etwas versöhnlicher, ergänzen, dass ich das Berechtigte einzelner Aussagen des obigen Blog-Artikels schon sehe. Der anthroposophische Dogmatismus samt angehängtem Tantentum hat der Anthroposophie gewaltig geschadet. Als ideologisches Skelett ist sie ein hervorragendes Abschreckungsmittel für Interessierte und Neugierige. Wenn das aber die Skylla ist, dann liegt Charybdis hier: in der Oberflächlichkeit, die Steiners Gedanken zum Teil nicht einmal mehr versteht, aber schon mal weiß, was dubios ist und was nicht. Mein persönlicher Eindruck ist, dass, je genauer man bei Steiner mit-denken lernt, man ihn immer weniger dubios findet. Im Grunde ist er alles andere als ausgerechnet - dubios!

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  6. Lieber Stefan, "Mein persönlicher Eindruck ist, dass, je genauer man bei Steiner mit-denken lernt, man ihn immer weniger dubios findet." Ja, das ist ja auch in Ordnung, solange man ihn nicht zum Guru macht. Wenn man ihn nicht zum Guru macht, kann man auch zulassen, seine Einseitigkeiten zu sehen- das, dem man eben nicht folgen mag. Das muss jeder für sich entscheiden. Aber ich denke, dass es ein Fehler wäre, seine zeitgenössischen politischen Ansichten irgendwie ins Heute zu transkribieren.

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    1. Da liegt, unter anderem, noch ein Drittes Reich dazwischen.

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    2. Lieber Michael,
      ein Guru wäre einer, dem man blind und urteilslos folgt. Um das zu rechtfertigen, muss man ihn als unkritisierbar und fehlerlos hinstellen. Da wir Steiner nicht blind und urteilslos folgen wollen, müssen wir ihm nun also Fehler andichten, wo er gar keine hat? Denn dort, wo du sie siehst (ihn z.B. dubios findest), sehe ich sie auch bei genauerem Hinschauen nicht. Ich stimme dir also in deiner Abwehr des Gurutums ganz und gar zu, nicht aber in deiner Einschätzung Steiners. Das Ganze ist letzten Endes ein Wahrnehmungsproblem: warum schätzen wir ihn so verschieden ein? Und wo liegt die Wahrheit?

      Ich finde gerade die Frage nach dem Eingeweihtsein Steiners recht wichtig. In meiner Auseinandersetzung mit seinen Werken habe ich durch eigene Urteilskraft bestimmte Gedanken als groß und wegweisend erkennen können. Zu diesen Gedanken bin ich zwar durch Steiner gekommen, ich habe sie aber soweit durchschauen können, dass ich sie nun ganz ohne Berufung auf ihn vertreten kann. Was man selbst erkannt hat, kann man ja immer ohne Berufung auf eine Autorität rechtfertigen. Das Wegweisende und Einmalige der *Art* von Steiners Gedanken hat in mir aber außerdem das Vertrauen gegenüber ihm verstärkt. Dadurch kann ich mit der Vorstellung umgehen, dass er tatsächlich eine Art Eingeweihter war. Nun werde ich auch an seinen politischen Aussagen nicht mehr schulterzuckend vorübergehen. Freilich muss ich darauf achten lernen zu unterscheiden, was ich selbst weiß und was ich nur glaube, weil ich Steiner vertraue. Aber im Grunde hat man von der ganzen Anthroposophie nichts, wenn man nicht in irgendeinem Winkel seiner selbst das Vertrauen zu Steiner findet. - Wobei das in geringerem Maße immer gilt, wenn man sich mit einem Denker oder Philosophen auseinandersetzt: man muss sich zunächst wenigstens probehalber einlassen. Sonst geht es einem wie Ansgar Martins... (entschuldigung, ich kann mir den Seitenhieb nicht verkneifen).

      Zum Dritten Reich: Sicher hat der Nationalsozialismus unseren Blick verändert. Aber was hat das mit Steiner zu tun? Der "deutsche Geist" ist doch wohl aus anthroposophischer Sicht wesenhaft zu denken. Im Nationalsozialismus ist er nicht "gefallen", sondern war schlichtweg nicht vorhanden. Der Geist hat sich bei den Nazis allgemein verdünnisiert, um dem Anti-Geist Platz zu machen. Insofern kann ich den "deutschen Geist" auch heute noch unbefangen für gut halten.

      Wobei ich aber sagen muss, dass mir persönlich allzuviel Palaver von der Mission Mitteleuropas und der Deutschen auch wieder zuwider ist. Wer der Welt wirklich was zu geben hat, der muss nicht ständig von einer Mission reden, sondern er gibt einfach. Der Goetheanismus ist zukunftsweisend durch seinen Inhalt, nicht dadurch, dass er aus Mitteleuropa kommt. Also zurück an die Arbeit. :)

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    3. Ich denke - darin liegt vielleicht ein Missverständnis-, dass auch ein "Eingeweihter" (solch ein Rang wäre Steiner wohl selbst kaum angenehm gewesen) immer noch diese bestimmte provinzielle Person ist, mit in mancher Hinsicht schlichten Ansichten. Ich kannte einen (ein verstorbener verehrter anthroposophischer Arzt), der ganz rassistisches Zeug über Türken erzählte. Quasi direkt aus der geistigen Welt heraus.

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    4. Versteh' ich das richtig: der Arzt war ein Eingeweihter?

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    5. Ja, ein ganz hoch verehrter Lehrer nicht nur von mir, sondern auch von Einigen, die mit dem Blog verbunden sind. Ganz zufällig.

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    6. Ganz *zufällig*? Hehe...

      Na ja, weil man oft nicht wissen kann, ob einer wirklich eingeweiht ist bzw. in welchem Grade er es ist, und weil man letztlich gar nicht so wirklich einschätzen kann, was das eigentlich bedeutet: "eingeweiht sein", deshalb kann man auf den Gebrauch der eigenen Urteilskraft nie verzichten. Ich wollte auch mehr auf das entstehende Vertrauen hinaus. Durch dieses bin ich geneigt, auch fernerliegende Gedanken Steiners erst einmal ernsthaft zu durchdenken. Würde ich denselben Gedanken bei Karl Marx lesen, würde ich ihn eventuell schneller wieder zur Seite legen. Die Prüfung der Richtigkeit einer Behauptung steht auf einem ganz anderen Blatt.

      Mein ursprünglich Beitrag betraf ja mehr die Frage, was Steiner - unabhängig davon ob nun eingeweiht oder provinziell - politisch eigentlich gemeint habe. Will das nochmal sagen, damit nicht der Eindruck entsteht, ich habe die Richtigkeit von Steiners Ansichten mit seinem Eingeweihten-Status begründen wollen. Ich kam nur auf das Thema, weil ich unser unterschiedliches Vertrauensverhältnis ihm gegenüber wahrnahm.

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    7. Kleine Korrektur: ein wenig habe ich das schon gemacht, den Eingeweihten-Status Steiners als Argument benutzt. Das war die Stelle, wo ich vom Sockel sprach, auf den ich ihn gestellt habe. Mein Gefühl sagt mir: der bleibt da. Auf dem Sockel meine ich. So ein bisschen Sockel ist gut und richtig. Sonst schaut man nie nach oben.

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    8. Steiner hat der Ärzteschaft ganz klare Grenzen in ihrer Berufung als 'Leibarzt' zugewiesen - esoterischer Unterricht liegt strikt außerhalb dieser Grenzen.
      Aus meinen Erfahrungen kann ich nur sagen, dass das einen ausgesprochen guten Grund hat!

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    9. @Stefan Oe. Ich habe nichts gegen den Sockel und denke auch nicht, dass es mir an Vertrauen mangelt. Gegen die Vertiefung eines Themas - siehe Ton Majoors Arbeit über Kaspar Hauser- ist ja nichts zu sagen, ganz im Gegenteil- aber das können nur Leser/ Kommentatoren leisten, das Blog kann es nur anstossen.

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    10. Und das 'hochverehrt' schadet dem Lehrer ohnehin!
      Für den Schüler ist es gut, wenn er Verehrung gegenüber Höherem empfinden kann; das Prädikat 'HOCH' wird der Verehrung immer dann ex­pres­sis ver­bis voranngestellt, wenn das 'HOHE' am Verehrten keine andere Manifestation finden kann.

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    11. Sockel:
      //
      Wenn ich mich umschaue, was sich auf den Sockeln dieser Welt so alles tummelt, so suche ich mir für Rudolf Steiner lieber einen würdevolleren Ort.

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    12. Lieber Michael Eggert,
      ich möchte noch einmal auf deinen Blog-Beitrag zurückkommen. Ich verstehe ihn nun so: dort wo Steiner von der mitteleuropäischen Kultur als zukunftstragende Mitte zwischen zwei Blöcken spricht, sprach er das aus seinem Alltagsbewusstsein heraus, so wie du und ich auch politische Meinungen haben und äußern. Ebenso schätzt du seine Äußerungen zum ersten Weltkrieg ein. Der Eingeweihte Steiner tritt hier nicht auf oder wird überdeckt.

      Dazu möchte ich sagen, dass der Eindruck bei der Lektüre entsprechender Werke Steiners (z.B. die genannte GA 24 oder GA 174b) ein anderer ist. Ich spreche jetzt von dem Eindruck, den ich persönlich gewonnen habe. Auch die zeitgeschichtlichen und geschichtlichen Vortragszyklen Steiners sind gar nicht anders zu lesen, denn als anthroposophische Schriften im engeren Sinne. Steiner kommt auf sehr große, umfassende Zusammenhänge zu sprechen, verknüpft irdische mit spirituellen Geschehnissen und empfiehlt seinen Zuhörern sogar eine bestimmte Betrachtungsweise, um auf anthroposophische Weise auf Geschichte zu schauen (Vorträge über "Geschichtliche Symptomatologie"). Steiner zeitgeschichtliche und historische Betrachtungen und die Soziale Dreigliederung stehen in einer Beziehung und bauen aufeinander auf. Die Soziale Dreigliederung wiederum ist "anthroposophisch" im engen Sinne des Wortes. Ähnlich wie Steiners Interpretation von Goethes Metamorphosenlehre ist sie kein Gedankengebäude oder -schema, das bestimmte GedankenINHALTE erfordert, sondern sie verweist auf neue ARTEN zu denken. Steiners Darstellung des Weltkriegsgeschehens und Mitteleuropas fügt sich da nahtlos ein.

      Ich vermute, dass hinter der Skepsis gegenüber Steiners diesbezüglichen Meinungen etwas ganz Gerechtfertiges steht: die Sorge in eine Art mitteleuropäische Kulturarroganz zu verfallen. Ich gehe auch davon aus, dass es die unter Anthroposophen hier und da gibt. Deutschtümelei im üblen Sinne ist mir hingegen fast nie begegnet, mag es aber auch geben. Sind damit die Anschauungen Steiners als dubios abzuhaken und vom Tisch zu kehren? Es kommt doch darauf an, wie man sie auffasst. Gerade die Betrachtungen über Mitteleuropa zwischen Ost und West können einem Wahrnehmungen aufschließen. Wenn man sich von Steiners Texten dazu bringen lässt, auch in der großen Welt der Politik und der Völker mehr zu sehen, als nur äußere, physische Geschehnisse, wirken sie erweiternd. Wenn man hingegen nur Steiners Urteile übernimmt und nachquatscht, verschließt man sich der Wahrnehmung. Das ist aber bei den Texten über Schulungsweg, Karma usw. genau so. Nachquatscherei erzeugt Besserwisserei und letztlich Vorurteile.

      (Fortsetzung folgt...)

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    13. Als Beispiel kann ich meine eigenen Wahrnehmungen anderer Völker anführen. Steiner bescheinigt den Asiaten z.B. einen konservativen Zug. Vorurteil? Diskriminierung? Nun, meiner eigenen Faszination für z.B. Japan hat das Vertrauen in diese Aussage Steiners keinen Abbruch getan. Im Gegenteil: ich bemerke, dass er in gewissem Sinne Recht hat. Wer nun aber als Europäer meinte, sich über Asiaten stellen zu müssen, ist aus verschiedenen Gründen ein Blödmann. Ich bewundere klassische japanische Lebensart, Farbholzschnitte, kann sogar über die Art, wie die Japaner Filme und Computerspiele gestalten, staunen. Es spricht durch das alles eine uralte Geistigkeit, verbunden mit den Naturkräften eines vulkanischen Inselstaates. Und was haben wir hier in Deutschland zuwege gebracht? "Deutschland sucht den Superstar" und ähnliches! O Gott, wenn ich dagegen den Zauber der Bilder von Hiroshige oder einen japanischen Garten stelle! - Und dennoch, je mehr ich von der japanischen Kultur kennenlerne, desto mehr bemerke ich, dass sie aus sich selbst heraus nicht wandlungsfähig ist. Veränderungen werden von außen in sie hereingestoßen. Sie ist ein gewissem Sinne großartig und in einem gewissen Sinne verhärtet. Die Probleme der heutigen Welt lassen sich aus ihr heraus nicht lösen. Wohlgemerkt: ich spreche nicht über den einzelnen Japaner, sondern über die japanische Kultur im Allgemeinen. - Ist mein Standpunkt nun ein diskriminierender? Oder ist er nicht vielmehr einfach nur differenziert?

      Interessant ist demgegenüber, wie die europäische Kultur in aller Welt Wurzeln schlägt. Aufklärung, Demokratie, Individualismus, Technokratie verbreiten sich unaufhaltsam. Arme Afrikaner, Asiaten und viele Völker staunen das an, was wir haben, wollen es übernehmen. Allerorten wird um die Demokratie gekämpft, welche ursprünglich aus Europa kommt. Ich glaube zu erkennen, dass alle derartigen Werte mit ihren sehr guten und sehr schlechten Seiten kaum aus den Volkskulturen der Chinesen, Südamerikaner usw. heraus geboren werden konnten, sondern dass sie durch eine allgemeine Orientierung an der europäischen Kultur in die große Welt kamen. Diese Orientierung wurde den Völkern ja bereits mit der Kolonisation aufgezwungen. Es sei also nicht behauptet, dass die wirksamen Mittel immer die besten waren. Aber zurück in die Welt alter Stammeshierarchien oder Theokratien können wir weltweit auch nicht mehr. Der europäische Individualismus samt Egoismus hat überall seinen Stachel gesetzt. Da müssen wir als Menschheit durch.

      Steiner selbst betont gelegentlich, wenn er von Völkern (z.B. Russen) *im Allgemeinen* spricht, dass die Individuen diesem Allgemeinen des Volkes nicht entsprechen müssen. Das ist der nächste wesentliche Punkt. Gerade die Anthroposophie stellt ja die Individualität des Menschen in den Mittelpunkt. Volkskultur, Rasse, Geschlecht sind nur Kleider, die sie sich anzieht. Ebenso sind Krankheiten, Schicksalsschläge und Ähnliches Dinge, die zwar mit ihr zusammenhängen, auf die sie sich aber nicht reduzieren lässt. Wenn ich also als Anthroposoph einem Individuum begegne, darf ich mir kein Vorurteil leisten, dass sich aus Volkskultur, Rasse, Geschlecht usw. ergibt. Ich muss mit der Individualität rechnen, die in den Kleidern die sie trägt, alles, was sich durch diese Kleider ergibt, über den Haufen werfen kann. Wenn ich das aber ganz ernst nehme, erscheint es mir plötzlich gar nicht mehr so wild, dass sich Steiner mal herzig, mal kernig, mal heftig über Kulturen, Rassen und auch Geschlechter äußert. So wie jedes Kleid gewisse Einseitigkeiten, Vor- und Nachteile hat, so haben es auch Völker, Rassen usw. Deshalb die angeblichen Widersprüche bei Steiner. Je nach Situation spricht er mal kernig gegen die Deutschen, mal stellt er sie in den Mittelpunkt. Mal kriegen die Asiaten als Rasse eine für moderne Ohren ungebührliche Abwatsche, mal werden ihre gewaltigen Kulturleistungen gelobt. Die Dinge haben immer viele Seiten.

      (Fortsetzung folgt...)

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    14. Das Problem der Politisch-Korrekten ist, dass sie die Individualität nicht denken können oder wollen. Steiner diskriminiert in ihren Augen Menschen, wenn er pauschal etwas über ein Volk oder eine Rasse sagt, das negativ klingt. Er kritisiert aber letztlich nur - ein Kleidungsstück! Das ist eben heutzutage das Problem, dass die Menschen mit den Eigenschaften, die sie haben in eins gesetzt werden. Sie sind aber nicht ihre Eigenschaften, sondern Ich-Wesen. Und so wie ich unbefangen etwas über die Kleider meines Nachbarn sagen darf, sollte ich auch unbefangen etwas über Völker, Rassen usw. sagen dürfen. Ich weiß, das geht heute nicht ohne weiteres. Nach dem Dritten Reich und angesichts des wieder aufbrechenden Nationalismus weltweit ist eine solche Lockerheit geradezu verdächtig. Steiner hat sie meiner Meinung nach bisweilen gehabt. Und nur, wenn man sie sich als Anthroposoph selbst ein wenig erarbeitet, versteht man ihn an den entsprechenden "Stellen" richtig.

      Ich muss als Anthro in der Lage sein, einen Asiaten, dem ich begegne, nicht automatisch "konservativ" zu finden. Ich muss offenbleiben. Mehr noch: wenn er sich wirklich als konservativ herausstellt, muss ich in der Lage sein auch darin das Positive und die Stärke zu sehen. Dann muss ich prüfen, ob die Konservativität wirklich, wie Steiner sagt, ein Zug seines Volkes ist oder in seinem Falle nicht. Dadurch lerne ich ihn entweder als Individualität oder aber auch als Mitglied eines Volkes, einer Rasse besser kennen. *Dieses* Kennenlernen wird am Ende erst Verständigung zwischen den Menschen und Völkern ermöglichen. Wenn ich das Fremde mit seinen Stärken UND Schwächen begreifen lerne, kann ich es überhaupt erst verstehen und mit ihm umgehen. Ich werde dann nicht mehr blind, wie es heute getan wird, westliche Werte auf Länder wie Russland projezieren und dann darüber meckern, dass sie dort missachtet werden. Nicht die westlichen Werte sind schlecht. Aber man muss erst begreifen lernen, auf welchem Kanal z.B. innerhalb des russischen Volkes bestimmte Dinge erhört werden können und auf welchem nicht. Die Kulturen sind nicht gleich.

      Steiners Lehre von den Völkern ist kein dubioses Versehen, sondern der Versuch dieses Kennenlernen zu ermöglichen. Der Zyklus "Die Mission einzelner Volksseelen", den einige Krieger des Angeblich-Guten sogar indizieren lassen wollten, läuft übrigens gerade *darauf* hinaus. Steiner kann dort herbe Einseitigkeiten über Völker sagen und am Ende behaupten, er habe zur Völkerverständigung beitragen wollen. Versteht man die oben von mir dargelegten Gedanken, wird einem klar, wie er dazu kommt. Es macht ja auch Sinn und steht im Einklang mit der Anthroposophie.

      (Fortsetzung folgt...)

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    15. Ich habe jetzt sehr viel geschrieben und will zum Thema Erster Weltkrieg nicht ebenso ins Detail gehen. Das wäre auch schwierig, weil ich Quellen zitieren müsste, um nachzuweisen, dass Steiner hier mMn als Geistesforscher und nicht als Privatperson spricht. Die Zeit habe ich nicht und es würde auch den Rahmen sprengen.

      Mir war es aber wichtig, dir noch einmal zu schreiben, nachdem ich den ganzen Tag über deine Äußerungen nachgedacht habe. Mir ist ja klar, dass Leute wie Martins oder Zander in jeder Äußerung Steiners, die Politik oder Völker betrifft, etwas sehen müssen, was Ressentiments als mystische Forschung verpackt. Kann gar nicht anders sein, denn sie halten die Geistesforschung ja für unmöglich. Wenn Steiner nun also über Verschwörungen vor dem 1. WK spricht, muss er sich das ausgedacht haben, denn woher sollte er es wissen? Wenn er es sich ausgedacht hat, muss er damit ein Ziel verfolgen. Dieses Ziel kann nur die Reinwaschung der Deutschen, die er für besser hält als die anderen Völker, sein. Der Gedankengang ist vollkommen logisch und im Prinzip der Einzigmögliche, wenn man Steiners Geistesforschung leugnet. Deshalb kommt soviel darauf an, ob man sie für möglich hält. Und irgendwie finde ich, dass wir uns als Anthroposophen, respektive solche, die sich so nennen oder so genannt werden, fragen müssen, ob wir der Zander-Martinsschen Logik folgen wollen.
      Viele Grüße - Stefan Oertel

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    16. Entscheidend ist doch nicht die Frage, ob Steiner Recht hat oder nicht, sondern ob ein bestimmter Aspekt der Geisteswissenschaft in einer bestimmten Situation zielführend und realistisch ist oder ob man sich daran lediglich zu tode erörtert.

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    17. Und was Verschwörungen betrifft:
      Jedes Volk und jeder Mensch lebt in dem selbstverständlichen Bewußtsein, auf einem rechtmäßigen Weg, in einer rechtmäßigen Mission unterwegs zu sein.
      Dabei ist es ein völlig instinktiver Reflex, alles was die eigenen Wege kreuzt als 'Verschwörung' zu empfinden.
      Und wenn man mal das Gefühl hat, nicht auf einer integren Bahn zu sein, dann ist der Reflext eben der, dass man NUR durch Verschwörung anderer von seiner rechtmäßigen Bahn gedrängt wurde.
      Nun kann man politisch-diplomatische Zusammenhänge natürlich 'objektiv' beschreiben (wenn man die notwendigen Informationen dazu hat) - dabei vergeht einem dann erst mal Hören und Sehen.
      Die INSTINKTIVE EMPÖRUNG über die Machenschaften anderer metamorphosiert sich dann völlig INSTINKTIV zu der vermeintlich genialen Idee, 'NUR DAS OPFER' einer Verschwörung und damit von aller Eigenverantwortlichkeit entbunden zu sein.
      //
      Phänomenologisch sind Verschwörungstheorien/-gedanken auch nicht systematisch entwickelte Gedanken, sondern bilden sich wie von Geisterhand aus (eben vermeintlich) genialen Einfällen (wer wirft sie uns wohl ins Gehirn?).
      Sie haben eher den Charakter eines Puzzles, wo gaaaanz plötzlich ein Teil zum anderen passt und mir eeeendlich die Erklärung aller Dinge gegeben ist.
      Das zusammengesetzte Puzzle brauche ich nun nur noch auf eine Platte zu kleben und über mein Wohnzimmersofa zu hängen.
      Endlich bin ich der Saubermann (mit dem ordentlich und lückenlos aufgeklebten Puzzle über dem Sofa), der ich schon immer sein wollte!

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    18. Lieber Stefan Oe: "Steiner diskriminiert in ihren Augen Menschen, wenn er pauschal etwas über ein Volk oder eine Rasse sagt, das negativ klingt. Er kritisiert aber letztlich nur - ein Kleidungsstück! Das ist eben heutzutage das Problem, dass die Menschen mit den Eigenschaften, die sie haben in eins gesetzt werden. Sie sind aber nicht ihre Eigenschaften, sondern Ich-Wesen. Und so wie ich unbefangen etwas über die Kleider meines Nachbarn sagen darf, sollte ich auch unbefangen etwas über Völker, Rassen usw. sagen dürfen." Das ist sicherlich wahr, relativiert sich allerdings bis zur Bedeutungslosigkeit, wenn man heute, im 21. Jahrhundert, den ganzen Umfang der "Eigenschaften" ins Auge fasst, statt den Blick auf eine "Volkszugehörigkeit" zu reduzieren: Der Hipster in Kreuzberg hat mehr mit dem Tokio zu tun als mit "Deutschsein" und "Japanersein", Berufsgruppen, Geschlechterrollen, Netzidentität, Skater, Rentner, Mac-User, Online-Spieler, FAZ- Leser, Kommentatoren in Blogs - es gibt endlos viele selbst gewählte Zuschreibungen, die Gruppenmerkmale induzieren. Insofern ist der Blick auf derart tradierte, überlebte Rollen doch sehr konservativ. Der Individualismus ist insofern auch schon lange nicht mehr europäisch geprägt, ebenso wenig wie der "Kapitalismus" amerikanisch geprägt ist.

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    19. Und wenn ich jemandem eine Ohrfeige gebe, dann sage ich ihm: "Ich habe Sie gar nicht geschlagen, ich habe nur Ihren physischen Leib geschlagen, weil er mir nicht gefällt und ich ihn zum 'REINSCHLAGEN' finde - aber das hat mit Ihnen persönlich nicht das geringste zu tun".
      Der Deutsche (manche) ist ja beispielsweise schon durch alle Wesensglieder hindurch tödlich verwundet wenn ich ihm sage: *"Dein Auto sieht scheiße aus". Und dabei geht es nur um den Blechleib, nicht mal um den physischen Leib.
      //
      Die Differenzierung zwischen persönlichen und nicht-persönlichen Merkmalen ist hier in emotionaler Hinsicht nahezu unmöglich (im Hinblick auf die Vermeidung von Getroffenheit).
      //
      *oder auch nur "Dein Fußballverein gefällt mir nicht"

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    20. Ich stimme Stefan Oertel zu und danke von Herzen für die ausführliche Darstellung dieser Gedanken!

      Lieber Michael: freilich gibt es heute eine Fülle neuer Gruppierungen, die einen sehr viel größeren Einfluß auf ihre „Angehörigen“ ausüben als jeglicher „Volkscharakter“ es tun könnte.
      Aber es geht ja auch nicht darum, einem einzelnen Menschen bis in alle Ewigkeit die „alten Kleider“ seines „Volkscharakters“ umzuhängen, und es geht schon gar nicht darum, festzustellen, welches „Volk“ (;-) man traut sich kaum mehr, diesen Begriff ohne Gänsefüßchen zu gebrauchen) die „schönsten“ oder „besten“ oder „fortschrittlichsten“ oder „kulturell bedeutsamsten“ Gewänder hat.
      Sondern es geht darum, die Existenz solcher „Kleider“ anzuerkennen, ihre Eigenart wahrzunehmen, und auch zu sehen, daß ihr Einfluß heute zwar deutlich geringer ist als vor hundert Jahren, daß er aber noch längst nicht in allen derzeit gelebten Gesellschaftssystemen vollständig geschwunden ist.
      Obendrein hat heute jeder die Gelegenheit, zu testen, inwieweit er selbst diese „alten Kleider“ tatsächlich abgelegt hat, zum Beispiel, in dem er Urlaub macht in einem fremden Land mit einer gänzlich anderen Kultur, und sich dabei aus den bereitgestellten „Touristenenklaven“ für länger als nur für einen Nachmittagsausflug herauswagt...

      Einfach zu leugnen, daß es derartige „Kleider“ gegeben hat und auch immer noch gibt, wird wohl zuwenig sein, wenn auf der anderen Seite Menschen ziemlich souverän auf ebendieser Klaviatur spielen - Menschen, die an der Spitze von Gruppierungen stehen, deren Angehörige noch mehr oder weniger tief (und gern und stolz!) in diesen „alten Kleidern“ drinstecken...

      Herzlichen Gruß in die Runde,
      Ingrid

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    21. Ich habe auch Zweifel ob es angebracht ist, sich möglichst schnell aus allem Gruppenseelenhaften herauszuziehen, um nur noch individuell-persönlich zu sein.
      Es gibt schließlich auch noch segensreiche Gruppenseeleneigenschaften - dort, wo man gemeinsam für eine Idee entflammt ist, die der einzelne alleine gar nicht bewältigen könnte.

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    22. Lieber Herr Oertel, da ich Herrn Steiner seit 38 Jahren lese und zu verstehen versuche, darf ich mich wohl als Schüler bezeichnen. Es liegt gerade an der Ernsthaftigkeit des Anliegens, Steiner in jeder Hinsicht zu verstehen- ein Media- Life- Erlebnis, da fast jedes Wort von ihm mitgeschrieben worden ist. Das über 20 Jahre. Da kommt eben auch öfter einmal etwas vor, das dann eher provinziellen Charakter hat, manchmal auch etwas größenwahnsinnig. Er, der doch so nah an den kreativsten Künstlern lebte, hat dann gedacht, die Kunst zu revolutionieren. Herr Steffen hat dann so rassistische Dinge über Rilke geschrieben. Das ist alles sehr peinlich.

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    23. @Ingrid: Ich freue mich über die Zustimmung! Man kann ja immer nicht ganz sicher sein, wie Ausführungen über solche Themen aufgenommen werden. Zumal, wenn sie ein wenig lang geraten sind... ;)

      @Stephan Birkholz: "Die Differenzierung zwischen persönlichen und nicht-persönlichen Merkmalen ist hier in emotionaler Hinsicht nahezu unmöglich." - Sie ist jedenfalls schwierig und wird von den meisten Menschen nicht geleistet. Ist auch ok so. Ich will ja auch nicht dazu einladen über Völker und Rassen herzuziehen mit der Begründung, dass sie eh nur "Kleider" der Individualitäten seien. Ich will nur begründen, warum nicht jede lapsige Bemerkung Steiners über Rassen oder Völker gleich Rassismus oder ähnliches ist. Ansonsten ist alles eine Frage der Kritikfähigkeit. Wenn einer sagt, die Deutschen seien Pedanten, kann ich tödlich beleidigt sein oder ich schlucke und überlege, ob da vielleicht was dran ist.

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    24. @Michael Eggert: Lieber Herr Eggert, du schaust mit den obigen Beispielen (Berufsgruppen, Netzidentität) hauptsächlich auf das, was den Menschen bewusst ist. "Volksgeistigkeit" und "Rasse" sind auf tieferen Ebenen zu suchen. So wie bspw. das Temperament und das Geschlecht auch, deren Prägungen wir nur durch Selbsterkenntnis und Übung beeinflussen können. Daher darf Volksgeistigkeit auch nicht mit den Vorstellungen gleichgesetzt werden, die sich irgendwelche Nationalisten von den "Werten" ihres Volkes im Oberstübchen zurechtgemacht haben.

      Ansonsten: was der Herr Steffen über Rilke geschrieben hat, weiß ich leider nicht. Ich bin aber auch dafür Steiner dort provinziell und größenwahnsinnig zu nennen, wo er es sein sollte. Mir kam er nur eben bisher nirgendwo so vor. Ich finde, du verkennst seine politischen Ansichten und seine Ansichten über Völker, wenn du sie für provinziell erklärst. Ich habe versucht Argumente beizutragen, die eine andere Sichtweise darstellen.

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    25. Wir Deutschen sind systematisch, nicht pedantisch, Herr Oertel! Auf den Unterschied muss ich pedantisch bestehen!

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    26. @Ingrid:
      Ja, das sehe ich auch so!
      Ich persönlich habe auch keinerlei Probleme mit Steiners Äußerungen, der Ton war damals so und jede Zeitung (oder so) hieß Nationalzeitung (bzw. eben National-soundso...).
      //
      Mein Hinweis auf die 'Empfindlichkeiten' bezog sich ausschließlich auf unser heutiges Weiterspinnen der Gedanken und das dazugehörige Taktgefühl.
      //
      Und mit 'unmöglich' meine ich, dass es kaum möglich ist, im Voraus die Wirkungen von Aussagen abzuschätzen.

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    27. Ich denke, dass wir sehr weitgehend mit unseren Rollen/ Aufgaben identifiziert sind- womit denn sonst. Wir erleben uns ja im Spiegel unserer Tätigkeiten. Ansonsten begrüße ich ja Ihre andere Meinung.

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    28. @Michael Eggert
      Mich würde auch sehr interessieren, was Steffen über Rilke geschrieben hat!

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    29. @Stefan Oe

      Es geht wohl nicht so sehr um niedliche Schrulligkeiten wie Pedanterie!
      //
      Wenn da aber jemand behaupten würde, die Deutschen (oder die Weißen) haben nur noch ein triebgesteuertes Drüsengehirn in dem irgendwelche Saturnkräfte übermächtig wirken und der Deutsche oder der Europäer oder der Weiße darum zum Aussterben bestimmt sei(
      oder so ähnlich) - die Reaktion darauf würde mich schon interessieren!

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    30. Sind ‘Weißen‘ oder ‘Deutschen‘ nach Steiner nicht schon gemischte Gruppen (Patchwork)? Im Zitat hat er die Evolution der Menschheit nach dem Eiszeitalter dargestellt. Die große Völkerwanderung die er beschreibt war eine spätere, eine post-glaziale (nach-atlantische) Entwicklung. Die ganze Menschheit hatte sich aber vorher schon in verschiedenfarbigen Bevölkerungen (ethnische Gruppen) verteilt. Im vorhergehenden Vortrag hieß es zum Schluß: ‘Alle Menschen stammen nämlich von alten Hirtenvölkern ab.‘.

      Die ethnische Gruppen sind Völkergruppen, und umgekehrt sind Völker Abspaltungen von größeren, ethnischen Gruppen. Alle seien, laut Steiner, durch vorgeschichtliche Migration, Völkermischung und Anpassung an anderen Gegenden entwickelt (Neo-Lamarckismus, Epigenetik). Gibt es daher im Steiner‘schen Bild (siehe Zitat) nicht diese zwei Aspekte: abgespaltene, farbige Bevölkerungen (ethnische Gruppen) die von innen durch das Blut gefärbt seien (nacheiszeitliche Völkerwanderung)? Auch die Merkmale dieser verschiedenen evolutionären Gruppen sind prinzipiell ein Mix.

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    31. Stephan: Den Text über Steffen, der Rilke als "islamisch" determiniert (im Gegensatz zu karmisch strammen Christen) beschrieben hat, finde ich gerade nicht. Wird nachgereicht.

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    32. (teil eins) Alle diese Rassen-Betrachtungen Steiners "gehören", so finde ich, auf einen ganz anderen "Index": Nicht auf den Index des Verbotenen, sondern auf den Index des Noch Nicht Verstandenen. Denn, in dem Augenblick, wo ich kein Rassist bin, kann ich das sogar auf dem Bauch liegend beim Picknick mit einem schwarzen Freund lesen, und überlegen, was da überhaupt gemeint ist... Weil das irgendwie schon erstmal als Fantasy einen Unterhaltungswert hat. Bis auf die inzwischen indizierten problematischen Zitate haben diese Vorträge nichts bösartiges. Bösartig sind immer nur die die Menschen, die nach Instrumenten der Tortur, nach Untermauerung ihrer Grausamkeiten, aufgrund innerer Ungelöstheiten suchen, Menschen, die die Vorträge instrumentalisieren. Stefan Oe. hat beschrieben, daß es Eigenarten gibt.
      Witzig finde ich, daß inzwischen der Schwarze, der im Rheinland aufgewachsen ist, eine Mentalität aufweisen kann, die ihn kompletter unterscheiden kann vom Schwarzen, der in Hamburg aufwuchs, als sich der "Weiße" vom "Schwarzen" unterscheidet... die Merkmale- die Individuen voneinander unterscheiden, um den Gedanken zu finalisieren, sind zahlreicher, als die wenigen Merkmale, die Menschen unterschiedlicher Haar- oder Hautfarbe unterscheiden... Es gibt Leute, die im Urlaub am Strand z.B. übersäät mit "Sommersprossen" sind, und rothaarig sind. Was hätte Steiner über diese Vorgänge gesagt, die sich im Stoffwechsel und im ätherischen Rhythmus des Sommersprossigen vollziehn?
      Es ist auf jeden Fall grundlegend, sich immer bewußt zu sein, daß "das ganze Theater" mit den "Rassen" ein ideologischer Baustein in der Selbstüberschätzung des europäischen Kolonialismus war, der einerseits eine wirtschaftliche Gemeinheit war, und daher eine Lebenslüge brauchte. Als Feigenblatt. Und andererseits eine menschliche Katastrophe, denn wenn das Leben denn einen Sinn haben sollte, und jede Begegnung auch ein karmischer Auftrag ist, dann hat man nicht nur die anderen Kulturen vollkommen ignoriert. Das in einem Maße, welches die Ethnologie, wo sie Erkenntnislehre sein will, und nicht eine höhere "Zoologie" "primtiver Völker"nämlich, bis heute behindern kann. Man hat die anderen Kulturen zerstört, unter dem Alibi, andere Kontinente... auch zugunsten deren "Urbevölkerung" ..zu infrastrukturieren und so den "Segnungen der Zivilisation" aufzuschließen...

      Diese Dinge haben aber erst Klüfte zwischen "Rassen", anderen Ethnien und anderen Kulturkreisen in einem Maße erschaffen, der vorher nicht so tief angelegt gewesen wäre, hätte der Europäer, explizit der "Weiße Mann" nur einen Funken Geist, statt eine eiskalte industrielle Intelligenz gehabt... Die industrielle Intelligenz, inklusive der Techniken des Militarismus, daß haben die anderen Kulturkreise ..besonders nach der weitgehenden Erodierung und fast Zerstörung der organischen kulturellen Strukturen.. vom" Weißen Manne" förmlich aufgesogen..
      m.butty

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    33. (teil zwo) Steiner lebte in wohl der letzten der hohen Blütezeiten (Blüte ist ja immer am höchsten vor dem Welken ;-) ) dieses Imperialismus, mit seinen Rassenlehren, statt, wie früher noch das meist oberflächlich und mißbräuchlich intrumentalisierte AT und NT..

      Lehren welche dem seltsamen "Überlegensheitsgefühl" der Ausbeuter ganzer Kontinente einen Anstrich verleihen sollten. War in diesem "Überlegenheitsgefühl" schon der Keim eines ganz natürlichen humanen schlechten Gewissens verdrängt? Was dann durch das Pflaster einer Lehre "unten" gehalten werden sollte?

      Was bei Steiner ..nervt.. finde ich, sind die Wertungen, die sich im Verweis auf das "Zugrundegehn" der und der Eigenschaft arikulieren... Natürlich ruft Steiner nicht dazu auf, dem Nachzuhelfen, was eh geschieht... aber er verfestigt eine Haltung in manchen seiner Artikulationen, die zur Apathie ermuntert, was das humanitäre Unrecht betraf, betrifft, welches an ..nunja.. "Nicht-Weißen" geschieht.

      Trotzdem sind weite Passagen dieser Vorträge spannend zu lesen, und können, wie es Stefan Oe. sagt, zur Sensibilisierung anregen, und zum Vergleich mit Eigenen Erfahrungen! Aber das ist das eben... der eine ist "immun" und profitiert davon, in dem er dem Eigenen Erleben und Empfinden einen wichtigen Platz einräumt, diesem oft den Vorzug gibt. Ein anderer läßt sich erstmal indoktrinieren, um seine Instinkte mit Argumenten anzureichern, um Zwietracht und Paranoia zu säen...

      Darum sollte, wie auch immer, ein "magischer Bannkreis" um diese Vorträge gelegt werden, ein Marker. Da sehe ich kein Problem. Es geht nicht um Verbote. Es geht um den Appell, sich selbst eine Weltsicht zu gestatten, die nicht illussionär ist, in der aber auch Feindseligkeit überwunden wird, die durch verkehrte Rezeption solcher Dinge Hindernisse erschafft, wo keine sind, und welche vertieft, die längst bröckeln könnten, da oder dort...
      m.butty

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    34. Und dennoch, es geht eben auch um Be-/Getroffenheit:

      "Denn, in dem Augenblick, wo ich kein Rassist bin, kann ich das sogar auf dem Bauch liegend beim Picknick mit einem schwarzen Freund lesen, und überlegen, was da überhaupt gemeint ist..."
      //
      Stell Dir nur vor, Du liegst mit einem WEISSEN Freund (sagen wir ein Arbeitskollege gleicher Bildungsstufe) im Gras bei einem schönen Picknick.
      Plötzlich erzählt Dir der Arbeitskollege (der ein guter Freund von Dir ist), dass man ihn jetzt ins höhere Management befördert hat und dass er schon erfahren habe, dass man Dich bis zur Rente auf ein Abstellgleis parken würde, weil man im Unternehmen nichts mehr mit Dir anzufangen wisse - Du nicht mehr entwicklungsfähig seist.
      //
      Hand auf' s Herz: Meinst Du, das Picknick würde so lustig und schön weiter gehen?
      //
      Und wie gesagt:
      Das Porzellan von damals ist eben zerbrochen; "Das haben wir/hat er doch gar nicht so gemeint" hilft da nicht viel. Aber haben unseren heutigen Umgang mit Anthroposophie selbst in der Hand...

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    35. Aber ich stimme Dir schon zu:
      Geisteswissenschaft ist ja nicht die Wahrheit, sonden der VERSUCH, geistig-kosmische Prinzipien skizzenhaft für die physische Begriffswelt zu beschreiben.
      Im Hinblick auf die manigfaltigsten Unterschiede der Menschen (betrifft ja auch Mann/Frau, Krankheiten etc.) ist das eben besonders heikel und wie Du schon geschrieben hast, durch die Kollonialzusammenthänge (etc.) auch ein Unternehmen auf extrem vulnerablem Boden.
      Man kann durchaus auch erwarten, dass Menschen mit bestimmten 'Behinderungen' oder Krankheiten eine Diskriminierungsdebatte beginnen, weil sie sich durch Steiners Beschreibungen zum Zustandekommen, zum Karma oder zur Persönlichkeitsstruktur einer bestimmten Erkrankung diskriminiert fühlen.

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    36. Oh, mir wurde tatsächlich mal,vor langer Zeit, in einem Beratungs-Gespräch in Dornach angedeutet, daß ich aufgrund meiner biographischen Situation, nicht aufgrund meiner Rasse, für das spirituellere Leben nichts mehr tauge, um mein Leben aktiv in anthroposophische Zusammenhänge zu stellen. Ich sei eben ein Mensch, der hinnehmen müsse, für andere hart zu arbeiten und zu gehorchen, sinngemäß. Wenn ich das natürlich multipliziere mit dem Rassismus, den mancher erfährt, dann kann ich mir manches vorstellen.

      Die Frage ist eben, ob ich es rückwärts gewandt und pessimistisch betrachte, und dann als "Nigger" mir den Schuh anziehe, um den Rassismus zu vertiefen... (..das notorische "Bäumchen wechsel dich" der "Täter / Opfer - Dualität")

      ..oder ob ich wage, zu hoffen, und mir einen gewissen Idealismus zu gestatten, und unter "vorwärts" auch vorsichtig ein kulturelles Fortschreiten zulasse, was nicht bloß ein "voran" des Karussels der Mühle der "Ewigen Wdh des Gleichen" beinhaltet, wo jede schöne Epoche gleichförmig von einer schauerlichen abgelöst wird..

      ..man kann, glaube ich, trotzdem illussionslos sein, wenn man "das Gute" sucht, oder zu verwirklichen sucht, wo es eben möglich ist...

      Was Porzellan ist, gehört in den Bannkreis... eines Museums, wo es, wieder zusammengesetzt Stoff für Welt-Erklärer, für Psychologen und für Künstler hergibt. Vor dem Museum mag dann eine Wiese sein... wo man auch picknicken kann...

      ..man sollte die Hoffnung nie aufgeben, auch wenn wir jetzt gerade in Zeiten leben, wo sie tatsächlich -immer- als erstes stirbt, um etwa der Karriere Platz zu machen, der Selbstversorgung, der Abkapselung und Über-Vorsicht....und viel schlimmen Dingen..die auch mit einer Identifikation mit Rassismus etc. zu tun haben können.

      Es gibt Zeiten in der Weltgeschichte, da stirbt zuerst mal die Hoffnung, dann geht es erst richtig los...daher ist es gut, schon heute zu bedenken, was mal ins Museum sollte, wenn es vielleicht doch mal wieder besser geht. Egal ob es "gut gemeint" war, das ..."falsche" ..
      m.butty

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    37. Esoterische Strömungen sind eben immer stark auf hart arbeitende Eso-Taugenichtse mit chronisch schlechtem Gewissen und einem Selbstwertgefühl von minus Fünfhundert angewiesen. Vielleicht dienen solche Beratungsgespräche der Rekrutierung solcher Eso-Sklaven.
      //
      Bei all den ausnahmslos unerbetenen 'Beratungsgesprächen' die ich in dieser Hinsicht bisher erfahren habe, hatte ich allerdings immer den bestimmten Eindruck, dass im Gehirn meines Beraters nicht nur abnorme Drüsentätigkeiten vorgehen, sondern dass da schlicht irgend ein elementarischer Kobold ins Gehirn geschissen hat.
      In einigen Fällen hatte ich sogar die Gelegenheit, die (esoterischen) Werdegänge meiner 'Berater' weiter zu verfolgen und die Bestätigung dafür zu finden, dass sie für das esoterische Leben noch nie etwas getaugt haben (vermutlich, weil sie noch nie wirklich hart gearbeitet haben).

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    38. Die wirklich für mein Leben richtungsweisenden 'Beratungen', waren plötzliche, erwartet-unerwartete, gesucht-ungesuchte Begegnungen mit vollkommen unscheinbaren Personen - in der Strassenbahn, im einsamen Wald, im Beruf...
      Sie bestanden aus einem vollkommen unangebahnten kurzen, konzentrierten Austausch aus höchstens zehn Sätzen.
      Ihnen allen gemein war: Sie waren richtungsweisend und vollkommen freilassend - kein 'Du musst', 'Du sollst', 'Du bist', 'Du hast', 'Du taugst/Du taugst nicht'...
      //
      Die Aussage 'Du taugst nichts mehr für das spirituellere Leben' ist ein Paradebeispiel für die
      Arbeitsweise eines Scharlatans.

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    39. Stephan Birkholz, ich habe expliziert, was "man" mir implizit durch feinere Worte sagte. Solches Beraten muß nicht allein in esoterischen Sphären stattfinden.Solche inneren Prüfungen gibt es überall. Klar steigt mancher Chef, Psychotherapeut, Lehrer oder Berater beim Bewerbungs-Gespräch o. ä. in das mangelnde Selbstwertgefühl des Bewerbers, Ratsuchenden, Suchenden ein, wenn es dumm läuft. Leider. Gerade wenn es um die Wurst geht, auch wenn es eine vegane Wurst sein mag. :-))
      m.butty

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    40. Es spielt keine Rolle, in wie feine Worte etwas gekleidet ist - entscheidend ist die Botschaft und die ist in diesem Fall ultimativ.
      In ernstzunehmender spiritueller Entwicklung geht es NIEMALS um die WURST!
      Und wer statt Wurst vegane Wurst isst, ist desshalb noch lange kein esoterisch Eingeweihter der anderen sagen kann wo' s lang geht und wozu sie taugen - vieleicht ist er sogar nur das, was er isst, nämlich eine Wurst (selbstverständlich eine vegane).
      //
      Aber vielleicht war' s ja tatsächlich auch nur eine Prüfung auf Standhaftigkeit in deinen Bestrebungen...

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    41. Bei solchen Beratungsgesprächen sollte man nach den ersten beratenden Worten an den Berater die unausgesprochene Frage stellen:
      "Durch wessen Vollmacht sprichst Du?"

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    42. Du kannst alternativ natürlich auch fragen:
      "Aus welcher Wurstpelle sprichst Du?"

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    43. Wenn da aber jemand behaupten würde, die Deutschen (oder die Weißen) haben nur noch ein triebgesteuertes Drüsengehirn in dem irgendwelche Saturnkräfte übermächtig wirken und der Deutsche oder der Europäer oder der Weiße darum zum Aussterben bestimmt sei (oder so ähnlich) - die Reaktion darauf würde mich schon interessieren!

      Mich auch. Einzelne Aussagen Steiners sind tatsächlich ein Affront. Ich finde das gar nicht mal schlecht, auch wenn ich sie selbst nie unrelativiert wiederholen würde. Der Tonfall der Aussagen gehört zu einer bestimmten Zeit (wie schon gesagt wurde) und einem bestimmten Publikum. Bei anderer Gelegenheit hätte Steiner die Sache vielleicht anders dargestellt. Das ist ohnehin typisch für ihn. Ich erinnere mich an irgendeinen Vortrag, wo er den Afrikanern ein ganzheitlicheres Menschentum als den abstrakt-intellektualistischen Europäern bescheinigt. Er ist innerlich so beweglich, dass er seine moralinsauren Kritiker von heute einfach überfordert.

      Denen fällt aber andererseits nicht auf, wie rassistisch sie dadurch handeln, dass sie den Kaffee beim REWE und die Kleider beim C&A kaufen. Denn in unserem Wirtschaftssystem steckt der ganze Kolonialismus drinnen. Die Menschen in Afrika, Bangladesh usw. müssen fürchterlich leiden, weil bis heute nicht begriffen wird, dass man Wirtschaft nicht so treiben kann wie man es tut. Ins Wirtschaftsleben gehört nicht die Konkurrenz und der blinde Markt, sondern Brüderlichkeit und gegenseitige Wahrnehmung. Und Grund & Boden dürften, ebenso wie Produktionsmittel, niemals Gegenstand des Handels sein, weil hier mit Rechten statt mit Waren gehandelt wird. Man überlege, was das für den "Finanzmarkt" bedeuten würde - es dürfte ihn, wenn Recht Recht und nicht Ware wäre, eigentlich gar nicht geben. (Dazu mal wieder ein Artikel von Johannes Mosmann, für alle, die es interessiert.)

      Solche Gedanken hat ein Rudolf Steiner mit bemerkenswerter Klarheit herausgearbeitet und begründet. Er hat auch gangbare Lösungsansätze vorgeschlagen. Aber unsere Helden der politischen Korrektheit trinken weiter ihren kolonialen Eduscho und suchen den rassistischen Fliegenschiss in GA zweihundertsowieso. Toll, die Menschheit wird ihnen ewig dankbar sein. Es ist schon ärgerlich, dass man soviel schreiben muss, um diesem Unsinn wenigstens eine Relativierung gegenüberzustellen. :(

      Alle diese Rassen-Betrachtungen Steiners "gehören", so finde ich, auf einen ganz anderen "Index": Nicht auf den Index des Verbotenen, sondern auf den Index des Noch Nicht Verstandenen. Denn, in dem Augenblick, wo ich kein Rassist bin, kann ich das sogar auf dem Bauch liegend beim Picknick mit einem schwarzen Freund lesen, und überlegen, was da überhaupt gemeint ist...

      Das ist sehr pointiert ausgedrückt und trifft es auf den Punkt. Es ist nämlich keineswegs so leicht verständlich, was da eigentlich gemeint ist.

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    44. Ja, aber dieses 'das hat er eigentlich anders gemeint' stinkt halt auch irgendwo.
      //
      Mein Ansatz ist es eher, auf die andere Waagschale zu schauen - beispielsweise auf all die Waldorfschulen weltweit, wo Kinder unterschiedlichster Abstammungen gemeinsam den Weg in ein menschenwürdiges Leben finden dürfen, wo ihnen echte Sozialkompetenz ermöglicht wird; wo nicht nach der vierten Klasse in intellekt-rassistischer Weise
      eine Schlau-Doof-Apartheid installiert ist.
      //
      PS: Gibt es denn schon Verbote (indizierungen) von Steiner-Passagen (ich hab da nichts mitbekommen).

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    45. ...wo nicht der eine Schüler auf dem sonnigen Schulhof zu seinem besten Freund sagen muss:
      'ich werde versetzt, Du nicht - weil Du nicht dazu taugst'

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    46. In Holland hat ein Kommision erfunden (1998) das man (der Verein in NL) Abstand zu nehmen hat von bestimmte Aussagen von Steiner. Oder durch diese bestimmte Passagen begleitet werden zu lassen von ein Kommentar wobei man das Abstandnehmn veroeffentlicht.

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    47. Mit Index des Noch Nicht Verstandenen meine ich eben auch die Frage nach der Einordnung eines Vortrag-Inhaltes. Es gab Zeiten, da waren Schwarze in den Straßen europäischer Städte eine Seltenheit und wurden als bedrohlich empfunden. Wenn ich lange in der Sonne war in hellen Sommern, erscheinen meine Zähne heller, und das weiße in meinen Augen kontrastiert stärker :-))
      Josefine Baker spielte mit diesem Effekt, in dem sie beim Tanzen im Takt umherschielte und die Augen rollte.
      Das mit der Ganzheitlichkeit ist auch was bescheuertes. "Dir ist die Poesie, aber ein Literat bist du nicht!" sagte mal jemand zu mir. Übersetzt, zu gut deutsch hieß das nämlich: "Denken kannst du nicht, differenzieren auch nicht, aber du hast sicher intensive Gefühle!" Haha! :-))
      Es gab auch so Gedanken, das Schwarze Akademiker aufgrund einer fabelhaften Gabe, den Intellekt des weißen Mannes nachzuäffen, ihren Doktor machen täten, ähnlich sagte man von Blaustrümpfen, von gebildeten Frauns! Haha: Der Mensch ist kreativ, wenn es ums Diskriminieren geht nicht minder! :-)) Echt erheiternd, wenn es nicht so schmerzend wäre...
      Also, was kann man da aussortieren, weil es wohl der Angst vor dem Schwarzen, oder dem Mißtrauen gegenüber der Haartracht und Kleidung folgend vor anderen Randgruppen vertiefend geschuldet ist... eine sehr peinliche Sache, sowohl für Steiner, als auch für Steinerfans... und was ist ... so eine Art imaginatives Einfühlungs-Vermögen in tatsächliche Eigenartigkeiten von "Rassen" und von "Kulturkreisen". Immerhin gab es Zeiten in meinem Leben, da konnte ich einen Schweizer als Silhouette fast am Gang erkennen, sowas z.B.
      Wie ein durchschnittlicher Schweizer sitzt und im Gegensatz zum Westdeutschen den Kopf hält, sein Besteck ordnet, die Beine beim schneller gehn "in die Hand nimmt", da gab es öfter typische Unterschiede... das sind Dinge.. die kann man von sich weisen, oder kommunizieren, teilen, festhalten... ohne sie deshalb zum Kultivieren tiefer Apathie zu mißbrauchen, ohne sie überzubewerten!
      m.butty

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    48. ich meinte natürlich: "Antipathie"...zum Kultivieren von...
      Rassismen und ähnliche Dinge halten antipathische Seelenregungen fest. Die Seele atmet beim freien Erkennen und Empfinden, Urteilsfinden. Atmet in Wechseln zwischen den Polen Antipathie und Sympathie, und erweitert sich entweder in die Empathie, oder ..guter Schreibfehler.. genau :-))... verkapselt sich in Apathie, die mittels verfestigter Antipathie (so fette Vorverurteilungen) verteidigt wird..
      m.butty

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    49. http://www.ida-nrw.de/cms/upload/PDF/Vortrag_Mecheril.pdf
      Ein Hand-Out, welches im Schnell-Durchlauf den Begriff "Rassismus" abhandelt...
      Mmmmja, letztlich geht der Autor auch "von der Wurst" her an die Sache: Wo es um die Wurst geht, geht es immer um Privilegien. Gruppen-Zugehörigkeit. "Was können -wir- gegen Rassismus tun?" :-))... "Wir", für "die"!
      "Mein Mann und ich sind sehr für die Schwarzen!" ein typischer Spruch aus den 60ern.
      Wo wir beim "Ich" sind, bei der befreienden, und der ebenso sehr schmerzvollen Individualisation, ein Abenteuer, und eine Isolation zugleich, je nachdem. Da, wo wir "Iche" sind, und nur "Iche".. ist vielleicht das "Nadelöhrchen", der "Flaschenhals"... der Rest ist stets vergängliche, temporär begrenzte Identifikation... also "Wurst"! ? ?
      Privileg und Status, da geht es um die Wurst. In dem, was man "Liebe" nennt, ist idealerweise exakt das "Bewerten" und das Schielen nach den Privilegien eine ..Sünde..ein sich abwenden und absondern vom Geschehen der Liebe, vom Geliebten.
      m.butty

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    50. Ich denke, dass man mit dem Begriff 'Rassismus' nicht wirklich weiter kommt.
      //
      Für wesentlich zentraler halte ich die Frage, was zum Gefühl der Diskriminierung führt oder auch, wann jemand 'objektiv' diskriminiert ist.
      [Die Rassismusfrage behandelt diese Frage eben im Hinblick auf Rassenmerkmale...]

      Ich hatte schon angedeutet, dass noch viele Gruppierungen/Menschen erwartet werden können, die sich durch irgend eine Weltanschauung diskriminiert fühlen...

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    53. Lieber Stefan Oe.,
      wie schade, daß Du Deine Kommentare wieder gelöscht hast.
      Ich wollte Dir grad in allem zustimmen, und noch etwas ergänzen...
      Nun, ich werde das, was ich zu alledem sagen will, neu formulieren, und lasse es einstweilen bei dieser Anmerkung.

      Herzlichen Gruß,
      Ingrid

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    54. Hätte mich jetzt auch interessiert, ... habe ich "Haue gekriegt", weil ich wirr formuliert habe? Denn ich bin etwas aus der Übung...
      m.butty

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    55. Nein,Butty, keine Haue, Ich fand deine Kommentare sehr gut, gar nicht wirr, und ich hab sie interessiert gelesen. Auch die Kommentare von Stefan Oe und Stephan fand ich sehr konstruktiv.
      Ich habe mich gefreut zu sehen, wie sehr sich das Niveau der Aus/Zueinandersetzung in Bezug auf dieses sicherlich schwierige Thema verbessert hat.
      Ich konnte von allen Kommentaren etwas mitnehmen oder erkennen. Danke.

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    56. Den ersten gelöschten Kommentar habe ich noch gelesen.
      Da ging es u.a. drum, dass man Völker doch auch charakterisieren können muss, ohne gleich als rassistisch eingestuft zu werden. Als Beispiel diente der typische Schweizer Gang.
      //
      Ich will es mal so formulieren:

      a) Die Deutschen sind pedantisch: Ist OK!

      b) Die Deutschen dürfen nicht ins Europaparlament, weil sie zu pedantisch sind: Ist Diskriminierung!
      //
      Und wenn Steiner Rassenmerkmale beschreibt, dann ist das wie a); wenn er daraus aber ableitet, dass die entsprechende 'Rasse' wegen dieser Eigenschaften nicht mehr an der fortschreitenden Menschheitsentwicklung teilnehmen könne, dann sind wir bei b).
      //
      Die Diskriminierung liegt nicht in den Beschriebenen Eigenschaften, sondern in den daraus gefolgerten Einschränkungen/Konsequenzen.

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    57. Lieber Stephan B.,
      ich würde sogar noch weitergehen:
      wenn man etwas wie in Deinem Beispiel b) aufgrund von beschriebenen Eigenschaften festlegen wollte, wäre das nicht nur Diskriminierung im pejorativen Sinn, sondern auch insgesamt kontraproduktiv. Denn die unterschiedlichen „Rassen“ haben sich ja nicht deshalb entwickelt, damit einige „minderwertige“ andere „höherwertige“ behindern bzw sich einige „höherwertige“ gegen andere „minderwertige“ (oder umgekehrt) zur Wehr zu setzen haben. Sondern sie haben sich entwickelt, damit unterschiedliche Eigenschaften ausgebildet werden können. Eigenschaften, die wir alle brauchen werden für die „fortschreitende Menschheitsentwicklung“.
      In diesem Zusammenhang möchte ich nochmal an die sehr interessante Darstellung Johannes Mosmanns erinnern, die Stefan Oe. vor einiger Zeit verlinkt hat.

      Und lieber Mischa,
      auch ich finde es keineswegs „wirr“, was Du geschrieben hast, und stimme Dir von Herzen zu:
      »Alle diese Rassen-Betrachtungen Steiners "gehören", so finde ich, auf einen ganz anderen "Index": Nicht auf den Index des Verbotenen, sondern auf den Index des Noch Nicht Verstandenen.«

      Herzlichen Gruß,
      Ingrid

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    58. Gut, wenn ich verstehbar bin. Es ist oft so, daß man einen klaren Gedanken vor sich sieht. Den sieht man immer noch vor sich, wenn man davon etwas niedergeschrieben hat. Doch in einer Distanz merkt man, wenn überhaupt, daß man zwar scharf und klar gedacht hat, aber lauter Unsinn geschrieben hat, (geredet hat) ... Unfug, der sogar geeignet sein kann, exakt diametral gegenteilig verstanden worden zu sein...(ich lese auch Euere Kommentare immer mehrmals, bevor ich drauf antworte, misch druntermische, ..ziemlich doch immer..!)
      Herzliche,.. und so! :-))
      mischa butty

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    59. Hallo Ingrid & Mischa & Stephan,
      meine Kommentare standen da nur wenige Minuten, ihr habt sie wirklich schnell gefunden... Ich merke leider, dass es in mir ziemlich brodelt, wenn das Thema Rassismus bei Steiner besprochen wird, auch die Sache mit den sogenannten Verschwörungstheorien lässt mich nicht ruhig. Ich sagte mir: Stefan, komm erst mal runter und warte. Daher die Löschung.

      Ich will's nochmal versuchen:

      Mischa äußerte: "Das mit der Ganzheitlichkeit ist auch was bescheuertes." - Und ich verstehe das als Äußerung mit Bezug auf die von mir frei wiedergegebene Steiner-Aussage von der "Ganzheitlichkeit" der Afrikaner.

      Ich finde die Aussage ehrlich gesagt nicht bescheuert. Hätte Steiner das Gegenteil gesagt (der Europäer als ganzheitlich und die Afrikaner als intellektualistisch), gäb's wohl auch was daran zu kritisieren. Man kann, wenn man will, jede Aussage so nehmen, dass man sie als Diskriminierung auffasst. Wenn man aber mit solchen Empfindlichkeiten an die Sache herangeht, wird man nie zu Erkenntnissen kommen. Es wird dann immer Dinge geben, die nicht gedacht werden dürfen, weil sie schonmal von irgendwelchen blöden Rassisten absichtsvoll verletzend geäußert wurden. Letzten Ende interessiert doch keinen Menschen, was man Nettes über Afrikaner, Europäer, Chinesen usw. sagen darf, um sie nicht zu verletzen. Als interessierte Erdenbürger wollen wir wissen, wie die anderen wirklich sind. Und sie sind eben so, wie sie sind. Und ich glaube, dass Steiner sehr gute Hinweise zu den Eigenarten der verschiedenen Völker gegeben hat, weil er - so mein Eindruck - gerade nicht aus irgendwelchen Ressentiments heraus sprach. Die Formulierungen hätte ich mir aus heutiger Sicht auch manchmal anders gewünscht, aber gut - dass der Ton dazumal anders war, ist schon gesagt worden.

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    60. Aaaaaalso mir sind ganzheitliche Menschen viel zu undifferenziert und differenzierte Menschen haben mir zu wenig Ganzheitliches.
      //
      Und Manches ist halt einfach etwas schräg...

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    61. Lieber Stefan Oe.,
      :-) zur Erklärung: ich lasse mich über neue Kommentare in diesem thread benachrichtigen und kriege sie dann per mail; nachträgliches Löschen ändert nix daran, daß ich sie also auf meinem Computer habe…

      Ich begreife gut Dein „Brodeln“, da es mir ganz ähnlich geht.
      Und ich habe mir angewöhnt, hier immer erst dann zu kommentieren, wenn es in mir nicht mehr „brodelt“ --- ;-) sonst erreiche ich nur, daß jemand „zurückbrodelt“, und damit wäre nichts gewonnen.

      Ich habe schon früher, wenn dieses Thema aufkam, auf das Kapitel XIV der „Philosophie der Freiheit“ hingewiesen - es trägt den Titel Individualität und Gattung, und ich finde, deutlicher kann man es nicht sagen, als Steiner es hier tut: »Es ist unmöglich, einen Menschen ganz zu verstehen, wenn man seiner Beurteilung einen Gattungsbegriff zugrunde legt.«

      Was ich zu den bisherigen Ausführungen gern noch ergänzen möchte:
      Auch auf der von Stephan B. hier verlinkten Seite aus einem häufig inkriminierten Vortrag sagt Rudolf Steiner ausdrücklich:
      »Sehen Sie, meine Herren, alles dasjenige, was ich Ihnen jetzt geschildert habe, das sind ja die Dinge, die im Leibe des Menschen vor sich gehen. Die Seele und der Geist sind mehr oder weniger unabhängig davon.«
      Es fällt vielen von uns offensichtlich auch heute noch schwer, das wirklich im Bewußtsein zu halten.
      Daher kommen dann Assoziationen und Vergleiche, die sich auf einzelne, individuelle Menschen („bestehend“ aus Leib, Seele und Geist) beziehen – wie zum Beispiel Stephan B.s Picknick - - - ganz so, als hätte Rudolf Steiner einzelne Menschen auf ihre Zugehörigkeit zu einer bestimmten „Rasse“ reduzieren oder sie gar von der „fortschreitenden Menschheitsentwicklung“ ausschließen wollen.

      Ich bin davon überzeugt: das ist ein verhängnisvoller Irrtum, der ein Verständnis der Ausführungen Rudolf Steiners unmöglich macht.

      Gute Nacht!
      Ingrid

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    62. Meine andere Äußerung nahm Bezug auf folgenden Kommentar Stephans, den er oben selbst verlinkt hat:

      "Man kann durchaus auch erwarten, dass Menschen mit bestimmten 'Behinderungen' oder Krankheiten eine Diskriminierungsdebatte beginnen, weil sie sich durch Steiners Beschreibungen zum Zustandekommen, zum Karma oder zur Persönlichkeitsstruktur einer bestimmten Erkrankung diskriminiert fühlen."

      Tatsächlich gibt es solche Debatten schon. Es gibt Professoren, die wollen bestimmte (vor allen Dingen angeborene) Behinderungen nicht mehr als "Krankheit" verstanden wissen, sondern als "Variation" menschlichen Daseins. Es gibt Autisten, die sich angegriffen fühlen, wenn man Autismus als Krankheit bezeichnet.

      Es besteht immer die Gefahr in Bezug auf diese Dinge in die Euphemismus-Tretmühle zu geraten. Früher sagte man "Idiot", dann "Behinderter", heute darf es nur noch der "Mensch mit Behinderung" sein. Ändert das etwas an den Realitäten? Ich denke, man muss darauf achten, Menschen und Menschengruppen nicht unnötig zu verletzen. Die Empfindlichkeiten auf diesem Gebiete haben aber längst Züge von Koketterie angenommen. Kennt ihr die Hintergründe der Ächtung des Begriffs Zigeuner? Siehe hier. Mit solchem Begriffsschiebereien kann man sich herrlich beschäftigen, auf Politiker zeigen, wenn sie das falsche Wort verwendet haben, und überhaupt ganz wichtig tun.

      Das gilt auch für Empfindlichkeiten, die z.B. in Bezug auf Steiners Karma-Schilderungen zu Krankheiten auftreten könnten. Ich will nicht leicht nehmen, dass sich Menschen getroffen fühlen. Aber wesentlich ist doch nicht, ob eine Aussage nett klingt, sondern ob sie wahr ist. In der Welt der Political Correctness läuft man Gefahr Plattheiten auszutauschen. Wahrheit schmerzt manchmal.

      Natürlich meinen Steiners Kritiker, dass er seine Standpunkte aus Ressentiments heraus entwickelt und die sogenannte Geistesforschung nur als Vorwand benutzt, um seinen Äußerungen Geltung zu verschaffen. Aber von der Realität einer Geistesforschung gehen wir ja zumindest unter Anthros irgendwie aus, nicht? Da müssen wir uns eben mühen, selbst zu verstehen und anderen verstehbar zu machen, was Steiner meint. Wenn man Betroffenen mit Verständnis begegnet, werden sie auch nicht empfindlich und zickig reagieren, wenn sie mit Steiners Aussagen konfrontiert werden.

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    63. @Ingrid: Und herzlichen Dank für die Klarstellungen! Es freut mich, so etwas zu lesen.

      Hm, dann hätt ich ja meine Kommentare (die ich selbst nicht mehr auf dem Computer hatte) gar nicht zu rekonstruieren brauchen... Na ja, nun sind sie für alle sichtbar. :)

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    64. Es geht nicht um PC!, es geht heute immer mehr darum, dem einzelnen Menschen in seiner individuellen Situation gerecht zu werden.
      Und es geht eigentlich auch nicht um brodeln oder nicht brodeln, weil man für Steiner entflammt ist oder ihn hasst; es geht um unseren heutigen Umgang mit der Anthroposophie.
      Und dabei muss man sich in einer Welt voller Kriege und der Perspektive eines Krieges aller gegen alle ja nicht unbedingt aufführen wie der Elefant im Porzelanladen (und das sage gerade ich).
      Unsere Weltanschauung wird glücklicherweise immer differenzierter und irgend wann hat der Begriff 'Idiot' eben ausgedient.
      In der Medizin wechseln die Bezeichnungen in sehr kurzen Intervallen; was früher die Blutvergiftung war ist heute die Sepsis, weil mit dem Begriff Sepsis auch eine ganz andere Anschauung der Vorgänge verbunden ist.

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    65. Ein noch besseres Beispiel ist 'Krebs'.
      Früher sagte man: "Der hat Krebs" (und damit war er dem Tod geweiht)
      Therapeutisch hat es heute überhaupt keinen Sinn mehr von Krebs zu reden, da es so viele unterschiedliche Formen mit entsprechend unterschiedlichen Therapieoptionen und unterschiedlichen Malignitätsausprägungen gibt.

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    66. "Da wird später das englisch-amerikanische Volk als etwas Starres hineinragen in die sechste Wurzelrasse, wie heute die Chinesen ein starrer Rest sind der atlantischen Zeit, der vierten Wurzelrasse. Von der anglo-amerikanischen Rasse geht der Weltegoismus aus. Von jener Seite her wird die ganze Erde überzogen werden von Egoismus. Aus England und Amerika kommen alle die Erfindungen, die die Erde überziehen wie ein Netz des Egoistischen. So wird von dorther die ganze Erde überzogen werden von einem Netz des Egoistisch-Bösen. Aber von einer kleinen Kolonie im Osten wird wie von einem Samen das neue Leben für die Zukunft ausgebildet." GA 093 a), S. 232
      - Wir schreiben das Jahr 14 050 nach Chritus! Die ganze Welt ist von einem Spinnennetz aus Trübsal und Bosheit umhüllt. Die Menschheit front in Schnellimbissen, gewaltigen Treibhaus-Tomaten-Fabriken, in riesigen Kunstfleischereien und schlecht gebauten Massenbekleidungsfabriken. Niemand spricht mehr mit dem Anderen, gesenkten Hauptes gehen die Massen wie einst in der alten Kino-Wahr-Sage "Metropolis" aus ferner Vorzeit. Es ist nun wahr! Wenige böse Reiche schlafen und sitzen auf Würsten aus purem Gold oder Platin, Würste, die angebetet werden. Gott, Götter, gar Liebe? Vergessen, seit Jahrhunderten schon! Die ganze Menschheit ist verloren...
      Die ganze? Nein!,.. eine kleine Kolonie, irgendwo im Osten des Planetenrunds hört nicht auf, den arimanischen Einflüssen Widerstand zu leisten. Dort wendet man geheimnisvolle Präparate an, um echte Pflanzen auf Ackerboden mit Beikräutern zu ziehn, man hält lebendige Tiere, es herrscht Wahlverwandtschaft und Freie Liebe (nicht zu verwechseln mit barbarischer "Sexueller Befreiung"!), schlimme Krankheiten werden durch alchymische Präparate aus allen Planetensphären heilbar, es gibt regelmäßige große Eurythmie-Happenings, Feiern, durch die man magische Kräfte freisetzt für den Kampf gegen das gewaltige Reich des Bösen..-
      Nicht böse sein, das Zitat lud mich einfach dazu ein.
      mischa butty

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    67. Aaaaber, im selben Vortrags-Buch:
      "Nehmen wir als Beispiel einen speziellen Fall: die Mongolenstürme des Mittelalters, als die Mongolen mit den europäischen Völkerschaften zusammenstoßen und innerhalb dieser Völkerschaften Furcht und Schrecken verbreiten. Solche Furcht und solcher Schrecken
      sind dann in den Völkern vorhanden. Wenn man diese Völkermassen ansieht, die da heranstürmten, von denen die Mongolenstürme die letzten sind, und sich in die Stimmung der ganzen mittelalterlichen Völkerschaften versetzt, so sieht man, wie sich aus den unter-gehenden, sich ihrer Haut wehrenden letzten Stämmen der vierten Wurzelrasse und den in Furcht und Schrecken versetzten Europäern, geistige Gebilde formten. Man nehme an, einem solchen Ansturm würde mit Kühnheit und Liebe begegnet, so würden die Verwesungsstoffe aufgelöst. Aber Furcht, Haß und Schrecken konservieren solche verwesenden Gebilde, und Wesen wie Bazillen finden daher einen Nährboden. Sie inkarnieren sich später in denjenigen materiellen Gebilden, die für ihre Inkarnation geeignet sind. So haben sich in die Furcht und den Schrecken der europäischen Völker die Verwesungsstoffe als Verwesungssamen eingebettet. Und das sind kleine Lebewesen. So entstand der mittelalterliche Aussatz, die Miselsucht. Das waren Verwesungsstoffe der untergehenden Mongolenvölker." GA 093 a), S. 234
      Nun weiß ich gar nicht, da die Mongolen immer noch da sind (und einige Indianer ja auch), was denn da untergegangen ist! Eine alte -schamanische- Spiritualität und Weltempfindung, denn viele Mongolen sind zum Islam konvertiert am Zenit ihrer Dominanz über Asien. Sind die am "schamanischsten" empfindenden Familienmitglieder ausgestorben? Und diejenigen, die in ihrer Leibes-Organisation neuzeitkompatibel waren, haben sich weiter fortgepflanzt..?
      Und, was heißt, statt Furcht und Haß, Schrecken...plündernden und mordenden Scharen mit Liebe entgegentreten? Sich ohne Notwehr ...lassen? Angesichts aktueller Ereignisse eine "Wie?"-Frage... Was ist das, was Steiner da mitteilt: Fantasy? Hellsicht und Beispiele für analoge Geschivchts-Situationen? Medizinische Anregung?.. aber für wen? Oder von allem ein bißchen? Sowas frägt sich doch von selber, in jedem, der das hört, liest! Der spießige "Anthro" aber selektiert doch dann seine Fragen in sich: Welche Fragen an den Text sind gestattet, welche Fragen tabu? Oder? Skepsis ist sowieso verboten, Schauder immer erlaubt ("Moral"!)
      m.butty

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    68. Und - noch - eine Frage, die sich mir aufdrängt, auf der selben Seite des Dokuments:
      "In allen Geheimschulen Europas spricht man davon, daß die ganzen Bakterienkrankheiten der modernen Zeit einen ähnlichen Ursprung haben. Die Bazillenkrankheiten werden auf ihren geistigen Ursprung zurückgeführt. Das ist eine esoterische Tradition bei den Rosen-kreuzern und in anderen Geheimschulen, wo diese Dinge gelehrt werden. Eine Grundlehre gibt es in kleinen Kreisen von Geheimschulen, die besteht darin, daß in den siebziger Jahren ganz bestimmte Kämpfe.." GA 093 a), S. 234 .. ja, und dann kommt das mit den Scharen meines Namenspatrons, die gegen Gott Mammon (Guru Wurst?, und so..) kämpfen!
      Jetzt sagte meine Mutti auch immer "überall sprechen die Leute davon", wenn sie einer Forderung mehr Nachdruck verleihn wollte... Ich frage mich, wenn Herr Steiner sagt "in allen Geheimschulen Europas spricht man davon..." ..die fliegenden Zauberer, mit fliegenden Mänteln und Zylindern pfeifen es von allen Dächern..verzeiht, wenn ich einen spielerisch ironischen Ton wähle.. sind diese Schulen so geheim, daß "wir" halt da nichts von wissen (nicht jedermanns Karma), - also, klar, der Verschwörungs-"Theoretiker", der auch immer bißchen Prahl-Hansel ist, der wird sagen "klar, überall alles voller Logen, Geheimzirkel, nur du Feiffe ahnst nix von! Iiich aber lange schon..."..und zieht cool an der Schulhof-Zigarette, kann schon auf Lunge rauchen!
      Was für Schulen meinte Steiner? Denn "überall spricht man davon".. der Satz impliziert eine Szene, die nicht allzu klein wäre, wenn es die gegeben hätte. Und dann ein hellseherisches Niveau haben müßte, hätte haben müssen! (Weil Möchtegerne und Prahl-Hansels zu jederzeit und Laune alles sein können. Die aber, ..kann Herr Steiner ja nicht gemeint haben!)
      m.butty

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    69. @ Stephan B.:

      »Und dabei muss man sich in einer Welt voller Kriege und der Perspektive eines Krieges aller gegen alle ja nicht unbedingt aufführen wie der Elefant im Porzelanladen (und das sage gerade ich).«
      Da hast Du natürlich recht.
      Allerdings: als Porzellanladenelefanten gebärden sich in meinen Augen vor allem diejenigen, die einzelne drastisch klingende Sätze aus dem Zusammenhang reißen, um in der Öffentlichkeit (der dieser Gesamtzusammenhang unbekannt ist) damit Ball zu spielen.

      »Und es geht eigentlich auch nicht um brodeln oder nicht brodeln, weil man für Steiner entflammt ist oder ihn hasst«
      :-) In mir brodelt es ja auch nicht, wenn ich für jemanden „entflammt“ bin oder ihn „hasse“, sondern es brodelt in mir jedesmal dann, wenn etwas, das jemand (wer es auch sei!) gesagt oder geschrieben hat, nicht ordentlich verstanden und daher ungenau zitiert wird, oder auch zerbröckelt und die einzelnen Brocken in niemals gemeinte Zusammenhänge gestellt, die den Assoziationen eines heutigen Lesers auf den ersten Blick grob „plausibel“ erscheinen … etc etc etc.

      Denn auf diese Weise wird vieles zerstört oder zumindest für unbestimmte Zeit unbrauchbar gemacht, das wir alle (ich meine damit, auch wenn es für Euch vielleicht etwas pathetisch klingt: die gesamte Menschheit – siehe M. Buttys jüngste postings) doch sehr dringend brauchen würden...

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    70. Nicht wahr? Ballspielen mit Steiner-Zitaten, das kann ich auch ganz gut!? :-))
      Aber ich leg die Zitate dann auch gern wieder zurück zum Kontext. Der mir durch viel Steinerlektüre in meiner Jugend, wo ich manchen Zyklus mehrmals las, mich durch die -Schriften- Steiners quälte doch bekannt ist. "Steiner vorstellen" für Nicht-Steinerianer... da würde ich nicht "Ballspielen", da käm ich mir als Verräter vor, denn Steiner wollte "was"! Irgendwas mit.. Menschenliebe... etwas, was mich immer noch berührt, nur daß ich mich in meiner Jugend weniger ... fast geschämt, geschützt und weniger an mir und der Welt gezweifelt habe. An Steiner weniger gezweifelt.. aber eben, es hat gebrannt, in Dornach. Es brennt immer, wenn jemand was schönes machen will, oder? :-(( ..irgendwie..
      ("Nächtens will ich mit dem Engel reden,
      ob er meine Augen anerkennt.
      Wenn er plötzlich fragte: Schaust du Eden?
      Und ich müsste sagen: Eden brennt..."
      Rilke)
      Na gut, lassen wir den Mut nicht sinken !!! :-))
      Aber es ist schwieriger geworden, Steiner zu kommunizieren, und auch schwieriger, sich manchen Dingen, die er erzählte oder lehrte, anzunähern. In den 80ern schien alles einfacher: Ich mußte wieder schmunzeln, als ich Steffen und Rilke "beobachtete".. wie sagte Michael Eggert: "Steffens Hunger nach Selbsterklärung"..sinngemäß..
      Das ist das mit dem "Albert Steffen", er ist geradezu Archetypos des Idealisten, der gerade erst einmal Steiner.. für sich selbst entdeckt hat, und das, was Steiner ..."meint" .. meinen könnte.. noch lange nicht zu sehen wagt, aus Angst, vielleicht, "seinen Steiner" da draußen, in der weiten .."geistigen Welt" .. wieder zu verlieren... ? ? ?
      m.butty

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    71. Lieber Mischa,

      ich mag Deine poetische Prosa sehr, gerade weil ich finde, dass sie Dinge anspricht und doch frei lässt. Ich finde auch, dass es vieles bei Steiner gibt, das ich nicht verstehe, ich hab aber auch immer wieder den Eindruck, dass einiges zusmmengewürfelt oder irgendwie nach Belieben......

      Einerseits lese ich:
      »Sehen Sie, meine Herren, alles dasjenige, was ich Ihnen jetzt geschildert habe (in Bezug auf die Rassen. A. Friederike), das sind ja die Dinge, die im Leibe des Menschen vor sich gehen. Die Seele und der Geist sind mehr oder weniger unabhängig davon.« 

      … schon der anthrop.Anfänger efährt wie sehr die Wesensglieder ineinander verwoben sind.

      Andererseits:
      "Nehmen wir als Beispiel einen speziellen Fall: die Mongolenstürme des Mittelalters, als die Mongolen mit den europäischen Völkerschaften zusammenstoßen und innerhalb dieser Völkerschaften Furcht und Schrecken verbreiten......Furcht, Haß und Schrecken konservieren solche verwesenden Gebilde, und Wesen wie Bazillen finden daher einen Nährboden. Sie inkarnieren sich später in denjenigen materiellen Gebilden, die für ihre Inkarnation geeignet sind. So haben sich in die Furcht und den Schrecken der europäischen Völker die Verwesungsstoffe als Verwesungssamen eingebettet. Und das sind kleine Lebewesen. So entstand der mittelalterliche Aussatz, die Miselsucht.....“

      Also was jetzt? Einmal sind Seele und Geist unabhängig vom Physischen und dann wieder nicht. Weil es sich eben nicht so linear verhält, die Dinge viel komplexer sind – oder weil eine bestimmte Version gerade besser „passt“?

      Warum lodert es bei dem Thema im Einzelnen so sehr? Ich denke, weil es im Menschen so etwas wie ein intuitives Gerechtigkeitsempfinden gibt, das sich empört. Nicht bei Beschreibungen von Unterschieden, sondern wenn diese Unterschiede bewertet werden und jemandem das Recht auf Existenz abgesprochen wird, weil EINER meint, die von ihm bewertete Eigenschaft diene der Evolution nicht mehr.
      Oder ist es nicht EINER, ist es die Evolution selbst, die aussortiert, was irgendwie "behindert" und nicht mehr dienlich ist? Ist der EINE bloss derjenige, der diesen Prozess beschreibt?

      Die Natur hat etwas Erbarmungsloses, sie lässt einem behinderten Tier wenig Chance zu überleben, ein behinderter Mensch hätte vielleicht noch geringere Chancen, würde die Menschheit ihn nicht stützen. .. und warum stützt die Menschheit und pfeift auf die Evolution? - aus Liebe.

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    72. 'Also was jetzt? Einmal sind Seele und Geist unabhängig vom Physischen und dann wieder nicht.'

      Danke Friederike!
      Das frage ich mich auch schon lange - aber dieses Faß wollte ich nicht auch noch aufmachen.
      //
      Die Natur ist eben die Natur, aber richtig ekelhaft sind eben die (hinlänglich bekannten) vielen EINER, die Rassentheorien erfinden/benutzen (und verdrehen) um selbst Selektion spielen zu können...

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    73. "Welten"/ "Wesen"/ "Weben" waren die Lieblings-Alliterationen von Steiner, da sind die Wesensglieder immer verwoben, und spiegeln im Wesens-Weben das Weltenall im Weisheits-Wirken, was wehet das draußen im Wolkenwesen? Das Weltenweben der Wirke-Wesen!
      Das ist aber alles nicht gehässig gemeint. Friederike sagt, das schon" där ahnthroposoophische Ahn-Fänger" (Steiner war quasi Österreicher, ich versuche mir immer anhand der Photos seine Stimme vorzustellen, nicht absichtlich, ich tu es halt..) erfährt, wie sehr die Wesensglieder verwoben sind... :-) ... Ihr kennt sicher das wogende eurythmische "wwwww", eine Geste des Eintauchens ist da dabei..ein delphinisches Wesen...das "ffffff" und das "wwwww" haben mir immer großen Spaß gemacht...
      mischa butty

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    74. Wir gehen durch das Leben hindurch, oft erschrecken wir, wie rasch wir älter, dann alt geworden sind. Das "körperliche" ist nur das Ufer, auch das Ufer aber ist: Der Strom. Der Fluß. Steht bei "Siddharta" von Hermann Hesse, der ähnlich Rilke, keine Lust hatte, auf Steiner und Dornach..
      Ja, ... mit der Eurythmie, und mit Übungen... der/die eine...
      ..mit seinem "Geistes-Ringen" (Schicksal...), welches der Anthroposophie und ihren Übungen nicht immer, oder gar nicht bedarf, ...die/der andere...
      ..arbeitet das "Ich" in die Wesensglieder, und bildet um und um, also... es ist ja Ansicht der Anthroposophischen Medizin auch, daß wir uns den Physischen Leib, den wir aus dem Erbstrom, und womöglich dem Karma einer dooofen Familie ..ererbt haben, über nommen haben, daß wir uns den erst über kürzere, mancher über längere Zeit "zubereiten" ..müssen.
      Das tut auch mancher ganz ohne Anthroposophie, auch ohne von ihr je etwas zu erfahren! Könnte doch sein? Dann kommen die Wahlverwandtschaften (-nicht- dabei an Goethes tragischen Roman da jetzt denken!) ... das eigene individuelle Schicksals-Gefüge finden, nich bloß bei Hotel Mama, oder in der Firma Papa arbeiten und logieren, oder sich verheurathen lassen, hier! Wenn man mal VW Piesch Senior und VW Pisch Junior von Bilder gesehn hat, ahnt man, was Erbstrom sein könnte.... ich dachte "sieht der heute immer noch so aus wie damals".. dabei war's der Sohn. Bleib ich in der Familie, .. das gibt es auch Bibelstellen im NT, bei Mutti, und erfülle die Erwartungen der Erbengemeinschaften, der ..Clans! .. oder folge ich dem Herzen? Selten nämlich sind Familien das, was eine Seele, ein "Ich" auf seinem Erdenweg sich ersehnt. Nicht jeder ist ein Sohn einer großen Matriarchin wie Isabell Allende, wo er oder sie Unterstützung erhält bei seinen existenziellen Abenteuern und Erkenntnis-Suchen, aber sogar daaa... ;-)
      m. butty

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    75. Liebe Friederike, lieber Stephan B.,
      freilich sind Seele und Geist nicht unabhängig vom Physischen. Steiner sagt ja auch »mehr oder weniger unabhängig«, und nicht etwa »vollständig unabhängig«. Selbstverständlich gibt es Wechselwirkungen – von denen Steiner eben auch ziemlich deutlich spricht.
      Denn je besser man diese Wechselwirkungen kennt, desto größer wird die Freiheit im Umgang mit ihnen, und damit die Unabhängigkeit vom Leiblichen… und desto besser kann man, wie Mischa sagt, seinen Leib „zubereiten“ für das, was der Geist will (die Seele beschreibt Rudolf Steiner in seiner „Theosophie“ als eine Art „Vermittler“ zwischen Geist und Leib).

      Und gerade weil ich dem von Herzen zustimme, was Friederike sagt:
      »Die Natur hat etwas Erbarmungsloses, sie lässt einem behinderten Tier wenig Chance zu überleben, ein behinderter Mensch hätte vielleicht noch geringere Chancen, würde die Menschheit ihn nicht stützen. .. und warum stützt die Menschheit und pfeift auf die Evolution? - aus Liebe.«
      - - - gerade deshalb finde ich es nicht nur sehr begreiflich, sondern auch immens wichtig, daß Steiner schildert, wie sich »in die Furcht und den Schrecken der europäischen Völker die Verwesungsstoffe als Verwesungssamen eingebettet« haben – denn damit macht er aufmerksam auf die verheerenden Auswirkungen, die Furcht und Schrecken haben können.
      Und andererseits macht er auch darauf aufmerksam: »Man nehme an, einem solchen Ansturm würde mit Kühnheit und Liebe begegnet, so würden die Verwesungsstoffe aufgelöst.« - und ruft damit, ebenso wie vorhin Friederike, auf zum Handeln aus Liebe (wozu es freilich in vielen Situationen auch sehr viel Kühnheit braucht…).

      Lieber Mischa, danke für Deine Ausführungen, die ich auch jetzt wieder gar nicht wirr, sondern sehr erhellend finde. :-)
      Ja, klar bereitet so mancher seinen Leib in der ganz „richtigen“ Weise zu, ohne je etwas von Anthroposophie gehört zu haben. Warum auch nicht? Bei Steiner jedenfalls habe ich noch nie gelesen, daß jeder Mensch Anthroposoph sein „müßte“ oder auch nur „sollte“…

      Herzlichen Gruß in die Runde,
      Ingrid

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    76. Liebe Ingrid

      es läßt sich"mehr oder weniger" so ziemlich alles relativieren. Für mich bleibt ein Geschmack der Beliebigkeit in der Suppe.

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    77. ... im "mehr oder weniger" sind wir Österreicher ja auch sehr gut - die Lederhosen, in die wir steigen sind vermutlich auch mehr oder weniger unabhängig von der österreichischen Geist/Seele.

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    78. Liebe Friederike,
      muss Steiner nicht, wenn er vor Leuten in Ideen und Gedanken spricht, notwendig mehr oder weniger allgemein und abstrakt sprechen? Wenn du genau wissen willst, wie diese Wechselwirkungen zwischen Geist/Seele und Leib stattfinden und inwiefern sie nicht stattfinden, musst du dich ans Beobachten machen. Ist nicht letztlich alles was Steiner sagt, dazu da, eigene Wahrnehmungen zu entwickeln? Die Beliebigkeit ist ein Problem des Intellekts, wenn er Ideen und Gedanken sehr allgemein aufeinander bezieht. Konkrete Wahrnehmungen und die daraus entwickelten Gedanken sind nie beliebig, sondern immer konkret. Vorausgesetzt man schaut genau genug und denkt klar, was ja auch erst mal erübt werden will... - Da haben wir ihn dann wieder, den Goetheanismus. :)

      Und lieber Mischa:
      ich weiß gerade nicht, ob manche deine Fragen mehr rhetorisch gemeint sind bzw. aus der Freuden am gewitzten Sprechen entstehen. Über die Asterix-Analogie musste ich jedenfalls kichern. Und zu der Sache mit den Bazillen, die durch Kühnheit und Liebe hätten an ihrer Wirksamkeit gehindert werden können, fiele mir tatsächlich sowas wie der Ansatz zu einer Erklärung ein... :)

      Steiner hat sicher nicht gemeint, dass man den anbrandenden Horden einfach mit liebender Umarmung hätte begegnen können. Darum nennt er ja wohl auch die Kühnheit, die, im rechten Maße, wirklich eine hervorragende Eigenschaft ist. Es gab, nach meinem Eindruck, gerade in den Kriegen der Vergangenheit (bevor Kriege technisiert wurden) so etwas wie eine Achtung für den Gegner. Ich habe neulich Plutarch gelesen und wenn man so einen alten Geschichtsschreiber mal ernst nimmt, nicht einfach denkt, ach, was die damals geschrieben haben, war ja irgendwie verbrämt - nein, wenn man wirklich mal davon ausgeht, solche Schreiberlinge haben, was sie schrieben auch so gemeint, wie sie es schrieben, und die Menschen waren damals wirklich (der Art nach) so, wie sie da in den Büchern steht... nun, dann geht einem ein Licht auf, wie vielleicht in alten Zeiten Krieg geführt wurde und warum in sehr alten Zeiten, der Krieg sogar etwas war, das die Entwicklung der Menschheit voranbrachte. Immerhin, in den Mythen der Vorzeit führen die Götter selbst Krieg (Troja). Die Liebe zum Feldherrn, die selbst noch ein Römer haben konnte, ist mit irgendetwas, was wir heutigen abgeklärten Menschen so als Liebe noch erleben, kaum vergleichbar. Das war Hingabe ohne Ende. Und es gab auch eine Art Liebe zum Feind - eine Art Achtung zwischen Mann und Mann (entschuldigung, die Frauen waren damals außen vor), die sehr tief gehen konnte. Nachdem seine Feind Antonius Selbstmord begangen hatte, brach sein Gegner Oktavian in Tränen aus, holte die Briefe des Antonius hervor und las allen seinen Mitstreitern von den großen Taten und Worten seines Feindes hervor. Der Feind, wohlgemerkt, den er die ganze Zeit bekriegt und auf dessen Untergang er die ganze Zeit aus gewesen war! In der selben Biographie beschreibt Plutarch die Hingabe der Untergebenen des Antonius. Unglaublich. So etwa ist heute nicht mehr denkbar, es bringt aber eine andere Nuance in das, was kriegerische Auseinandersetzungen waren.

      Die Schilderungen der Hunnenstürme legen nun nicht nahe, dass man diese Angreifer in der gleichen Art hätten ehren und würdigen können, jedenfalls nicht leicht. Vielleicht wäre die Liebe, die bei den Römern noch auf den Gegner gerichtet sein konnte, hier in einer Art Hingabe an das höhere, von dem man ja weiß, dass es in gewissem Sinne auch die Hunnen leitet, egal wie grausam sie sind, zu finden gewesen. Denn dass Gott auch die Mongolen geschaffen hat, das hätte man damals vielleicht schon wissen und sicher auch empfinden können. Hätte das nicht wieder (im großen gedacht) der Auseinandersetzung eine vollkommen andere seelische Nuance gegeben, etwas ganz anderes, als es gerade in tiefem Angst und tiefem Hass liegt?

      Also nur eine Art Erklärungsversuch ist das. Ich kann es nicht belegen, bin auch nicht sicher, habe aber das Gefühl, das die Richtung stimmt...
      Besten Gruß Stefan Oertel

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    79. Besten Gruß auch an Dich Stefan und danke für Deine Ausführungen. Bei der Richtung geht auch etwas in Resonanz in mir.
      Ich werde morgen wieder einmal verreisen und daher in der nächsten Zeit nicht mehr on-line hier im blog sein.

      An alle, habt noch viel Freude an Rilke, Steffen und dem Menschen, der frei wird, weil er seine Abhängigkeiten annehmen kann.

      Bis demnächst...

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    80. 'dem Menschen, der frei wird, weil er seine Abhängigkeiten annehmen kann'

      Das ist mal eine schöne Formulierung - Danke!

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    81. Lieben Gruß an Dich, Stephan!

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    82. Lieber Stefan Oe.
      Nein, die Freude am Wortspiel ist ein Abfallprodukt, oft auch schmerzstillender Humor.
      Krieg, Liebe zum Gegner, Treue, Blut und Ehre, Florett, Duell und Schießgewehr- alles Romantik. Sterben bedeutet nunmal Sterben, und Grausamkeiten bleiben grausam.
      Ich denke, wir sollten erstmal dankbar sein, daß wir (oder?) noch nicht in kriegerisches Geschehn bislang verwickelt sind und waren... Ob die Sache mit der kühnen Feindesliebe und der Vergebung und all das .. sooo "einfach" ist, wie ...usw.
      Es gibt Dinge, da kann ich nicht so einfach "verzeihn", oder "machen lassen" ... usw.
      In den Versuchungen (!) von Haß und Furcht und Panik erstmal ..Ruhe.. zu bewahren, und sich nicht ununterbrochen zu ärgern oder zu sorgen, ist schwer genug. "Liebe und Kühnheit"? Ja, wenn denn der "Vorhang aufgeht" und man "auf der Bühne" steht ...
      Aber meistens steht man auf keiner Bühne, im Krieg eh nicht, liegt vielleicht in nem dunklen Keller als Gefangener, mit schlimmsten neuesten Erinnerungen... nee, neee, nee
      m.butty

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    83. Also ja, äh... na klar. Auf der Bühne des Krieges (oder in dessen Keller) ist die Sache überhaupt nicht einfach. Wirklich überhaupt nicht. Ich habe nichts für einfach erklärt! - Aber das finde ich jetzt typisch Bewusstseinsseelenmensch anno 2014: "alles Romantik". Da hat er also doch die Geschehnisse verbrämt der Plutarch! Klar, wir modernen Online-Philister schauen die Historie gemäß unserem Bewusstseinszustand anno 2014 an. Da scheint uns das alles irgendwie fern. Aber sollte man sich nicht in diese Ferne begeben, wenn man die Geschichte und die Menschen der Vergangenheit verstehen will? - Grausamkeit war auch bei den Römern grausam, Sterben bedeutete auch Sterben, aber insbesondere zu Zweiterem hatte man damals vielleicht doch ein ganz anderes Verhältnis. Und das macht dann doch einen Unterschied... könnte jedenfalls sein... - Übertragen auf heute kann man das nicht. Aus der Geschichte lernt man auch nicht, in dem man 1:1 überträgt!

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    84. Ich ..mmmh.. ich weiß doch, glaub ich, worauf Du hinaus willst, lieber Stefan Oe. Und diese Gedanken, bzw. dieses Suchen, von dem weiß ich auch. Habe im forum info3 über ähnliche Ambitionen unter dem Thema "Respekt vor der Schuld eines Anderen" eine heftige Bauchlandung vollführt, auch weil das provokante Thema und die Provokation meiner Naivität keine experimetellen Gedanken und Diskussionen hervorlocken konnte. Nachher war es peinlich, aber warum denn auch mal nicht. Verbrechen ist der Einbruch des Krieges in die Friedenszeiten, und der Krieg ist dann oft nur noch ein einziges organisiertes Verbrechen. Scholl Latour, den ich sehr bewundere, leider jetzt hurtig verstorben, sagte, er glaube, das Krieg der Normalzustand der menschlichen Zivilisation sei. Laß uns jetzt nicht über pro und contra Scholl Latour und über seine Art zu sichten, zu beurteilen, ein Faß aufmachen. (Jemand bewundern kann man nur, wenn man bei sich bleibt.) Aber kuck, der sagte, wo ich hab es... wart..da: " Im 'Maschreq', im orientalischen Teil des Dar-ul-Islam' war als neue 'Geisel Gottes' der turanische 'Amir-el kabir'Tamerlan aufgetaucht. Dieser dem Stamm der Chagatai angehörige Eroberer sollte die Vernichtungswut Dschingis Khans oder Hülagüs noch übertreffen. In den Städten, die sich seiner Eroberung widersetzten, ließ er die Bevölkerung ausrotten und aus ihren Schädeln Pyramiden oder - wie im Fall des total verwüsteten Kalifensitzes Bagdad - ganze Moscheen zusammenfügen In Anatolien hatte er den osmanischen Sultan Bayazid besiegt und in einer endlosen Verfolgungsjagd den Großkhan der Goldenen Horde an der Wolga zur Strecke gebracht. Damit trug er ungewollt zur Widergeburt des christlich orthodoxen Rußlands bei." (...) "Es gehört zu den Torheiten der Europäer, die eigenen Kreuzzüge ins Heilige Land als einen Abgrund von Grausamkeiten und Zerstörungswut zu schildern. Gemessen an den Verbrechen Tamerlans nehmen sich die blutigen Exzesse, deren sich die christlichen Befreier des Heiligen Grabes schuldig machten, realitiv bescheiden aus. Sie blieben zudem auf einen engen geographischen Raum in der Levante beschränkt." Scholl-Latour "Die Welt aus den Fugen" Berlin 2013.Tasch.b.-Ausg. Seiten 80 und 81..Wer bleibt denn noch übrig, könnte man sich fragen, um Angst zu haben? Reflexhaft, mit dem Spott mancher russ. Fraktionen frägt man sich, ob man durch zu lange Friedenszeiten tatsächlich "nur dekadent" wird, ob Friedenszeiten, evolutionsbiologisch und geistig.."sinnvoll" sein sind. Was einmal "zynistisches Denken" hieß, rückt in den Fokus des Normalen. Wer da nicht in sich schon mit sich ringt, ist echt ein Apathiker...oder?
      m.butty

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    85. Laß uns nochmal Friederike winken! :-)
      m.butty

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    86. @mischa: Bin gerade etwas "lost". Wo ist der Zusammenhang des Latour-Zitates zum vorherigen Thema? (Außer, das es hier wie da um eine kriegerische Horde geht.)

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    87. Der Faden ging von der Frage aus, was Steinerzitate über Völker, "Rassen", Volksgeister hergeben, ob es nur zu vernachlässigende Skurriliäten sind, die der grundlegenden Intention Steiners - hinsichtlich dem Gesamtanliegen "Anthroposophie" - nur geschadet haben.
      Weil sie den Vorurteilen und Ängsten des endenden 19 JH geschuldet waren?
      Oder ob sie wenigstens teilweise fruchtbar inspirierend sind, hinsichtlich der Beobachtung und Einschätzungen der Grundierung, der Mentalität eines Vertreters der jeweiligen "Rasse", des jeweilige ethnischen Erb-Zusammernhangs,
      Dann ging es um das "Ich", welches den Erbstrom überwinden kann.
      Dann ging es um die Liebe, welche sowohl Vorurteile, als auch überholte Eigenartigkleiten zu überbrücken, gar aufzulösen imstande ist.
      Dann ging es um das Mongolenzitat, um mal daran zu prüfen, ob das, was Steiner an eventuellen skurrilen Äußerungen von sich gab, etwa die "Miselsucht", ich kenne das aus Gesprächen ..und halbvergessner Lektüre eher als "die Pest" des Mittelalters, die ja verheerend wirkte, als regelrechter Kulturgraben.
      Steiner sagt also, daß Völker (oder Mentalitäten?) die "untergehn", einen Aufbäumungskampf führen, der soviel Schrecken auslöst, daß andere Völker (oder Kulturzusammenhänge) resignativ erschrecken, und durch Furcht und Panik mit in den.. Abgrund.. gerissen werden können... Dann stellte sich die Frage.....und damit sind wir hier ... ob man überhaupt, egal, woher der Schrecken nun kommt.... egal, wie auch immer der Untergang geartet sei... so ohne weiteres dem Schrecken begegnen kann. Na gut, vielleicht führt das alles zu weit, und ist zu kompliziert, und vielleicht experimentierte Steiner da, wo er so verstanden wird, als könne er die Welt erklären, und er formuliert bloß Thesen.
      "Könnte es sein, daß Panik und Schrecken des Krieges Seuchen auslösen?" hätte Steiner vielleicht formulieren sollen! "Könnte es sein, daß evolutionär überholte kulturell/mentale Konzepte, deren Träger manchmal historisch schwerpunktmäßig bestimmte ethnische Gruppen waren, wenn sie sich in ihrer Destruktivität und Hinfälligkeit immer mehr offenbaren, eine Eigendynamik entwickeln, einen Todeskampf, der Kolllektive oder eben ethnische Gruppierungen zu unvorstellbaren Grausamkeiten aufstachelt?" hätte Steiner vielleicht formulieren müssen.... Was weiß man schon..?
      m.butty

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    88. Die unbezweifelbare Tatsache, dass heute Sprech- und Denkverbote von der PC und (sogar und vor allem in unseren "Demokratien") schon gesetzlich vorgeschrieben sind, ist weitaus bedenklicher, als konkrete Zitate und Meinungsäußerungen Steiners oder x-beliebiger anderer Menschen zu Themen wie z.B. Völker oder Rassen usw.....

      Die heutige Gängelung des Denkens und Sprechens ist das wahrhaft Erschreckende.

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    89. ...also, lassen wir es hiermit dabei bewenden, und schließen das Faß! ;-))
      m.butty

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    90. Lieber Mischa,

      »Dann stellte sich die Frage.....und damit sind wir hier ... ob man überhaupt, egal, woher der Schrecken nun kommt.... egal, wie auch immer der Untergang geartet sei... so ohne weiteres dem Schrecken begegnen kann.«
      Das ist für mich die allerwichtigste Frage.
      Ganz gleich, ob Schrecken und Furcht aus dem „Kampf untergehender Völker“ entstehen oder aus der Expansionslust noch lange nicht untergehender Völker, oder ob überhaupt keine Völker daran beteiligt sind, sondern Einzelmenschen: es geht immer darum, wie wir einem Schrecken begegnen.

      Freilich habe auch ich keine Ahnung, wie ich mich verhalten würde, wenn ich gefangen wäre und gefoltert würde (in solchen Situationen sind wir wohl eher mehr als weniger abhängig vom Leiblichen…).
      Aber es hat in meinem bisherigen Leben bereits (minder) schreck-liche Situationen gegeben — und im Rückblick kann ich nur sagen: die Ergebnisse sprechen für sich. Wann immer es mir gelungen ist, aus „Kühnheit und Liebe“ zu handeln, waren die Ergebnisse sehr viel tragfähiger als die meiner von „Furcht und Schrecken“ getriebenen Reaktionen.
      Ich bin eigentlich ziemlich sicher, daß es bei Dir nicht anders ist.

      Und einzelnen Menschen gelingt viel „Größeres“, sodaß wir alle davon erfahren – ich denke an Gandhi, Mandela, Martin Luther King... - - - wenn sie bloß romantische Sagenhelden wären, „Ritter ohne Fehl und Tadel“ oder „Zauberer“ mit besonderen übermenschlichen Fähigkeiten, dann hätten sie unsere Welt ein für allemal in ein Paradies ohne jeglichen Fehler verwandelt.
      Das ist ihnen nicht gelungen.
      Aber sie zeigten doch immerhin, was menschenmöglich ist, nicht wahr?
      Einmal abgesehen von den vielen ungenannten Helden des Alltags, die man nur deshalb nicht kennt, weil die Situationen, mit denen sie sich konfrontiert sahen, und in denen sie aus Kühnheit und Liebe handelten, eben „kleiner“ waren und eine sehr viel kleinere Anzahl von Menschen betrafen…


      :-) Oh – da sehe ich, daß Du das Faß inzwischen zugemacht hast.
      Nun, dann schreib ich's eben oben auf den Deckel…

      Herzlich,
      Ingrid

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  7. Kann man in Prinzip Wahrheit und Dichtung (Erscheinung) unterscheiden? Lässt ein fast zweihundert Jahre altes Rätsel und fortwährende Kontroverse, wie das um Kaspar Hauser, sich lösen?

    Die Müller’sche Adeliger-Theorie aus 1829/1830 („Es ist mir nur wie ein Traum, als wenn im Jahre 1813 … wäre gesagt worden, daß des Kindes Mutter eine reiche Engländerin gewesen sei.“) erklärt das Mysterium von Geburt (Lady Caroline Graham, Rittmeister von Wessenig, Gouvernante Dalbonne) und Tod (M.L.Ö, Aktuar Mayer, Kerkermeister Lampert, Herausgeber Öttinger, und Universitätsfreund Lord Stanhope) bei Kaspar Hauser aus den ältesten Quellen selbst, nicht aus einer unvolkommenen Gen-Analyse oder aus einer möglich gefälschten Steiner-Aussage, wie bei der ‚anthroposophischen‘ Erbprinz-von-Baden-Theorie.

    Mit allen Kaspar Hauser-Quellen und Forscher on line kann man heute innerhalb von wenigen Wochen neue Lösungen (Modelle) für das Rätsel finden, die mit den übrigen Fakten dieses Weltenkind-Lebens harmonieren.

    Dazu Lady Graham:
    „Einige Zeit darauf, als ich fast nicht mehr an die traurige Geschichte dachte, hatte ich eine Vision , worin mir Hauser erschien:
    Ich war in Ansbach, und kam zum Gottesacker; aus dem offenen Thore desselben traten zwei Herren in heftigem Gespräch miteinander begriffen. Ich ließ sie vorübergehen und trat in den Friedhof. Da sah ich Kaspar mit ausgebreiteten Armen den beiden Herren nacheilen, als wollte er sie aufhalten, doch über das Thor konnte er nicht hinaus und mußte stehen bleiben. Frappirt über diese Erscheinung fragte ich: Um Got¬teswillen Kaspar, ich glaubte sie waren todt? Worauf er tief seufzte und traurig mit der Rechten auf die blu¬tige Wunde deutete, wovon das Blut bis auf den Fuß niedertroff. So ist es doch wahr, sprach ich, man sagt, sie haben sich selbst entleibt, sagen Sie mir, Kaspar, ist das wahr? worauf er wehmüthig gen Himmel blickte und den Kopf schüttelte. Hierauf sagte ich zu ihm: Kaspar, ich bin von Ihrer Unschuld über¬ zeugt, und schwöre Ihnen bei Gott, Ihre Ehre nach Vermögen zu vertheidigen! nach welcher Versicherung sich sein Gesicht erheiterte, er die Hände dreimal bittend zusammenschlug und verschwand.“ (Caroline Albersdorf 2, 120 f.).

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    1. Lieber Ton, "Mit allen Kaspar Hauser-Quellen und Forscher on line kann man heute innerhalb von wenigen Wochen neue Lösungen (Modelle) für das Rätsel finden, die mit den übrigen Fakten dieses Weltenkind-Lebens harmonieren." So sieht es wirklich aus, und die von Ihnen gefundenen Ergebnisse erscheinen stimmig und vernünftig. Die mystische Luft verdunkelt den Blick und verfälscht die Quellenlage. Das ist nun überwunden. Vielen Dank für die Arbeit!

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    2. Lieber Michael, Danke für deine Bereitwilligkeit und Anregungen, und Entschuldigung an alle für die Überbürdung!

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  8. Wenn man die Sturz der Geister der Finsternis ernst nimmt, ist es nicht mehr so wichtig ob die um ihre Ziele zu erreichen gebrauch machen von Ost, West oder Mitte. Jedenfalls werden Menschen benutzr mit herabgesetztes Bewusstsein, und die gibt es allerwelt.

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  9. Zu einer Frage, die weiter oben gestellt wurde, möchte ich etwas ergänzen:
    Zwar weiß ich auch nicht, was Albert Steffen über Rainer Maria Rilke geschrieben haben mag (würde mich aber sehr interessieren...).
    Aber ich kann beisteuern, was Rilke über Steffen gesagt hat:
    1917 schrieb er, er lese Albert Steffen „mit Staunen und Überraschung“, und im November 1920 schrieb er (an Hans Reinhart) über ihn: »Seine Feder ist eine der wenigen ganz verantwortlichen und reinen, ich möchte nichts versäumen, was aus ihr hervorgeht«.

    Wer sich für Rilkes Verhältnis zu Rudolf Steiner interessiert: hier haben wir vor Jahren dazu einiges zusammengetragen...

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    1. Schon vieles ist daran gescheitert, dass hervorragende Persönlichkeiten zu hohe Erwartungen an ihr Umfeld gestellt haben...
      Wenn man zu viel Angst hat, dass eine hohe Idee verwässert wird und nur reinstes Wasser gelten lassen möchte, dann kann die hohe Sache u. U. auch durch mangelnde Bewässerung eintrocknen.

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    2. ?
      Offenbar stehe ich grad auf der Leitung: jedenfalls erschließt es sich mir noch nicht recht, wer hier Deiner Ansicht nach zu hohe Erwartungen an sein Umfeld hatte und aufgrunddessen eine „hohe Sache“ eintrocknen ließ... Rilke? Steffen? Steiner?
      Bitte um Nachhilfe!
      LG, i.

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    3. Ach so.
      Also, bevor ich dazu etwas sage (oder mir auch nur Gedanken dazu mache), warte ich doch lieber auf Michaels angekündigte Nachreichung.

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    4. :-) Ah, Gísli Magnusson!
      Ich erinnere mich gut an ihn, wir haben im Rilke-Forum damals, als er sein Buch schrieb, viel mit ihm diskutiert.
      Schön, jetzt wieder an ihn erinnert zu werden!

      Und ich habe mir also nochmal Gíslis „Rilke und der Okkultismus“ vorgenommen (er schickte mir damals eine pdf) und im Kapitel »4.1. Rilkes Anthroposophie-Kritik: Die Auseinandersetzung mit Albert Steffen« nachgelesen. Von „rassistischen“ oder als „islamisch“ einordnenden Äußerungen Albert Steffens über Rilke finde ich da allerdings nichts. Ganz im Gegenteil. Die beiden scheinen einander sehr geschätzt zu haben.
      Aber ich entdecke eine Fußnote, die mir damals nicht weiter aufgefallen ist (da ich Michael und seine „Egoisten“ noch nicht kannte):

      »286 Für eine äußerst amüsante und polemische Darstellung der Person Steffens und seiner Rilke-Begegnung möge man die Internetseite: „http://www.egoisten.de/diskussion/steffen/steffen.html“ besuchen. (Eggert, Michael: „Albert Steffen: Attitüden eines anthroposophischen Moralisten“.)«

      :-) Na sowas! Klein ist die Welt…

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    5. P.S.: Ah schön, ich sehe gerade, daß Michael die »Attitüden eines anthroposophischen Moralisten« wieder online gestellt hat... Vielen Dank!

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    6. Michael hat also, wie angekündigt, das Albert-Steffen-Zitat nachgereicht, und ich möchte auch hier auf meinen Kommentar dazu aufmerksam machen.

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