Die Liebe zum Erfassen der Liebe

"Das Ereignis von Golgatha ist 
die freie kosmische Tat der Liebe 
innerhalb der Erdgeschichte; 
sie ist auch nur erfassbar für die Liebe, 
die der Mensch zu diesem Erfassen aufbringt."

(Rudolf Steiner, GA 26, S. 175)

Dieses (zumindest für den geneigten Leser) schöne Meditations- Thema ausspinnen:

Dass das, was wir an Liebe aufbringen, uns die Liebe erkennen lässt. Die Liebe erschafft sich in uns selbst. Das Erkennen ist eine Form von Liebe. Liebe ist Erkennen.

Man kann endlos damit umgehen- es ist, und sei es auch nur ein Zitat, zugleich ein sakraler Text. Man kann ihn in sich bewegen- er kann sich in einem selbst bewegen.

Die Tat der Liebe/ nur erfassbar für die Liebe
ist ein Grundtopos des Christentums. Er ist der Rahmen für Gebet, Hingabe, Kontinuität, Konkretisieren und Ankommen in dem, was zu tun ist. Rudolf Steiners „Erfassen“ meint ein aktives Verstehen, was jeden falschen Mystizismus ausschließt. „Erfassen“ meint vor allem die höchste innere Aktivität. Hingabe meint in diesem Zusammenhang, dass man in völliger Transparenz ins aktive Verstehen übergeht. Nur in dieser Durchsichtigkeit kann der tiefere Impuls der Gefühlswelt durchscheinen - ein reines, energisches Fühlen, ein Strom inmitten eines Bachbettes, der tiefere Strom, der nur die andere Seite des Verstehens ausmacht. Inmitten einer endlosen Trockenheit entspringt das helle Wasser. Und das ist immer nur der Anfang des „Erfassens“. Das ist ein immanenter Teil der Erfahrung: Dass es immer ein Beginnen ist.

Kommentare

  1. Vorab: Es ist eine Bemerkung wert, das diejenigen Beiträge, seitens Michael, die, meinem Empfinden nach, diesen Blog tragen, nahezu kommentarlos bleiben.

    Lieber Michael, schönen Dank für diesen Beitrag. Dem darin Bedachten nach - sinnend wie spinnend, ergaben sich die gleich folgenden Gedankenfäden, mit denen ich an dein Gewebe anzuknüpfen suche. Dein Beitrag mündet in die Worte: „Dass es immer ein Beginnen ist.“

    Zwischenbemerkung: Rudolf Steiner erwähnte beiläufig, dass er weiterhin rein philosophisch
    weiterhin gearbeitet hätte, so ihm ein „Meister“ nicht für Anderes „angehalten“ hätte. Dem Rücksicht tragend, werde ich philosophisch weiterspinnen.

    Im Anfang zu schaffen ist das Wesen des Widerspruches. Der Wille des Widerspruches ist es, sich stets als Anfang in die Erscheinung zu ringen. So ringend ist er stets der Eigner des Willens, der im Anfang schafft. Ein jegliches Anfangen ist der Beginn von Etwas. Der Eigenwille des Wider-spruches ist mithin, für etwas Anfang stiften zu wollen. Eben „vor“ allem Etwas, sich für Etwas hin-geben zu wollen. Folglich ist ein jegliches Etwas zugleich das sich Hingeben des Willens, der aus Eigenbegabung solche Gaben, also Güter erzeugt, die die Güte des Gebers bezeugen. Eben dessen guten Willen. Deutlich wird: Der „Eigenwille“ des Widerspruches ist, „gutwillig“ tätig sein zu wollen.

    Da der Widerspruch sowohl den Eigenwillen wie den guten Willen umfasst, daher ist dessen Wille der absolut gute Wille. Absolut bedeutet: Die Selbsterzeugung dieses Willens ist dasjenige Tun, bei dem der Erzeuger, durch Hingabe, im Erzeugnis verschwindet. Er ist nicht der Produzent der Dualität: Erzeuger – Erzeugnis, sondern er ist selbst das Erzeugnis. Da bei diesem Tun die ureigenste Substanz selbst hingegeben wird, anhand derer Andersheit sich entfaltet, daher ist eine jegliche, so erlangte Kenntnis, eine Selbsterkenntnis des Gebers.

    Im Bezug zur Christuswesenheit nennt man diese absolute Hingabe das Ereignis von Golgatha. Die gesamte Substanz der geschaffenen Welt ergibt sich dem Tode. Gibt also die Gaben des Widerspruches an den Geber freiwillig zurück. So erneuert und dabei in anderer Einheit mit sich selbst, kann im und allein aus dem Tode die Freiheit des Widerspruches in dessen Geschöpfen auferstehen. Kann! So denn so ein Geschöpft ebenso, aus dem Widerspruch der Freiheit, eigen- wie gutwillig sein zu können, seine Eigenheit hingibt, also sich ins Sterben begibt und in Folge, aus demselben Tode, in den zuvor die Christuswesenheit sich begab, freien Willen dafür stiftet, das noch nicht Befreites, in Freiheit, zur Entfaltung kommen kann.

    Absolut bedeutet also weiterhin: Verschwinden im anderen Menschen. Wie das? Indem „alles Besondere“ als der Eigenwille des absolut guten Willens erkannt wird. Alles Besondere umfassend ist das reine Wahrnehmen. Alles so Gewahrte umfassend erkennend ist das reine Denken. Im Reinen Bedachtes ist lebendig bedacht. Denn das reine ist das eine Leben. Und das eine Leben ist das stirb und werde.

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    1. Wieder ein schönes Beispiel für zeitgenössisches mantrisches Schreiben, Dank an Burghard.

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