Lochmanns Niedergang

Buchangebot Lochmann- Verlag
Früher, vor nahezu 15 Jahren, konnte man den "Symptomatischen Illustrationen" und anderen Publikationen Willi Lochmanns zumindest nicht absprechen, dass es sich um ein boshaftes, aber scharfsinniges Klatschheft über die anthroposophische Szene handelte. Im hier verlinkten Beitrag Lochmanns aus dem Jahr 2001 geht es vor allem um die Berufung Sergej Prokofieffs in den Vorstand der Allgemeinen Anthroposophischen Gesellschaft. Lochmann nimmt eine Art Rolle des Hof- Berichterstatters ein, übergießt aber jeden einzelnen der Beteiligten (bis auf den hinaus geworfenen Bondarew) mit Kübeln von Unrat. Er ist dabei klug genug, sich auf Steiner selbst zu berufen: "..dass Rudolf Steiner seinerzeit äusserte, dass man ihn, wenn er am Jahrhundertende wiederkommen würde, nicht mehr ins Goetheanum liesse"- angeblich eine Äußerung Steiners gegenüber Günther Wachsmuth. Den ihm verhassten Sergej Prokofieff, der jüngst verstorben ist, bedenkt er in epischer Breite mit Häme- an manchen Stellen sicherlich nicht ganz unberechtigt: "In seinem ersten Buch schrieb Sergej O. Prokofieff vorwurfsvoll: Ein trauriges Symptom für das mangelnde Vorbereitetsein einiger Anthroposophen auf das kommende Wirken Rudolf Steiners ist das heute verbreitete „Suchen“ nach seiner neuen Inkarnation. Diese Tatsache spricht von einem wesentlichen Unverständnis des wirklichen Tatbestandes und weist auch auf eine noch nicht ganz ausgelebte Neigung zu bestimmten Formen des Materialismus hin (1982, Anm. 150, S. 421). Die in diesem Vorwurf enthaltene Allusion besteht in der Frage: Wer nur könnte zu solch einen Vorwurf „legitimiert“ sein?!" Die Selbstvergottung Prokofieffs hat an diesem Punkt vielleicht ihren Anfang genommen und letztlich, wie Lochmann richtig schreibt, in den Fan- Kreisen dazu geführt, dann man Prokofieff als die Reinkarnation Rudolf Steiners wahrnahm. Wen die heftige Form des internen anthroposophischen Klatsches in seiner klassischen Form interessiert, der sollte den Beitrag lesen.

Im Pelagius- Kosmos ist die Geschichte Lochmanns selbst - als eines ebenso wie Bondarew Geächteten - in einer Buchreferenz einen Bericht wert: "Im Lochmann Verlag erschienen Schriften von Gennadij Bondarew und Irina Gordienko. In einer damals in Russland gratis verteilten Kampfschrift gegen die beiden Autoren, wurde der Lochmann Verlag als Beispiel für die schwarze Magie des Journalismus angeführt." Nun ja, man schaltete in anthroposophischen Zeitschriften damals keine Anzeigen für so etwas. Das war auch sicherlich gut so. Der einstmals so quicke, scharfzüngige Lochmann ist inzwischen, in seinem selbst gewählten Ketzer- Exil, zu einem der heute zum Mainstream zählenden Verschwörungstheoretiker geworden. Nach einer eingehenden Würdigung des anthroposophischen Aktivisten und bipolaren Faschisten Roman Boos geht es ziemlich nahtlos über in die Behauptung, die Anthroposophische Gesellschaft sei von (nicht genannten) Logen unterwandert. Auch Überlegungen zur zeitlichen Relativität von politischen Aussagen Steiners durch Rudi Lissau werden als "Logengeschwätz" bezeichnet. Höhnisch muss auch das Vorstandsmitglied "Bodo v. Plato erwähnt werden, der ganz offen seine Mission darin sieht, an der Überwindung von Rudolf Steiner und der Anthroposophie zu arbeiten." Lochmanns ätzendes Urteil liegt darin begründet, dass Bodo von Plato die Arbeit von Markus Osterrieder "Welt im Umbruch" anfangs mit Enthusiasmus begleitet haben soll, dann aber, als klar wurde, dass Osterrieder sich vor allem darauf konzentrieren würde, die Äußerungen Rudolf Steiners zu den Ursachen des 1. Weltkriegs historisch akzeptabel zu schreiben, schwieg: "Dazu der Kommentar von Lochmann: „Nach vertraulichen Informationen konnte Markus Osterrieder die von Bodo von Plato erhofften Ergebnisse nicht liefern, sondern kam zum Schluss, dass die Aussagen Rudolf Steiners nach wie vor Gültigkeit besassen! Das macht auch verständlich, dass Bodo von Plato über diese Untersuchung nie mehr berichtet hat“" Heute zieht Osterrieder mit einem "New- World- Order"- Anhänger wie Terry Boardman von Tagung zu Tagung. Es ist sicher nicht zufällig so, dass Boardman seine hier verlinkte NWO- Seite mit einem Zitat aus dem "Herrn der Ringe" einleitet und die westliche Zivilisation dabei offensichtlich als "Land of Mordor// Where the shadows lie" ansieht.

Lochmann bezieht seine Verschwörungstheorie nun nicht auf die demokratische Staatengemeinschft, sondern lediglich auf die Anthroposophische Gesellschaft, deren Vorstand er als "Politbüro" bezeichnet: "Die bei vielen potentiellen Geistsuchern latent vorhandene Sehnsucht nach dem Geistigen wird vom »anthroposophischen Politbüro« hemmungslos ausgenutzt". Neben allerlei wirren Anwürfen kommt Lochmann dann wieder zum Klatsch- diesmal über Rudolf Steiner, der in seiner ersten Nacht in Dornach schlecht geschlafen haben soll: "Am 2. Oktober 1912 übernachtete Rudolf Steiner erstmals auf dem späteren Goetheanum-Gelände, in Dr. Grossheintz’ Landhaus in Dornach. Am nächsten Morgen soll er wie zerstört aus seinem Zimmer getreten sein und es schien klar, dass er Schweres in dieser Nacht erlebt hatte. Er meinte, er fühle sich »wie zerhacktes Fleisch«. Der bedeutendste Eingeweihte unserer Epoche scheint in jener Nacht die künftigen Ereignisse auf dem Dornacher »Bluthügel« vorauserlebt zu haben. Doch dessen ungeachtet liess er seinen Bau in Dornach erstellen und nicht wie ursprünglich geplant in München." Was soll uns das jetzt sagen? Nichts außer Lochmanns Aversion gegen Dornach. Am Ende kommt er, wiederum unvermittelt, auf die zunehmende Irrationalität innerhalb der Anthroposophischen Gesellschaft. Er selbst wirkt in diesem über fast 15 Jahren währenden Feldzug allerdings selbst irrational, denn er hätte die seiner Meinung nach bürokratisierte, verblödete, von allen guten Geistern verlassene, von Logen unterwanderte und dem Irrsinn auf- und absteigender interner Gurus hingegebene Gesellschaft doch längst verlassen und sich seinem Garten widmen können. In all der Wut trifft Lochmann immer wieder auch einen Punkt, arrangiert die Kritikpunkte jedoch suggestiv so, dass sie zu seiner These einer systematischen bewussten Zerstörung passend sind.

Kommentare

  1. Lochmann führt diesen Kampf nicht erst seit 15 Jahren... sondern mindestens seit 20 Jahren, was davor war, kann ich nicht sagen... 1995 brachte er Bondarews umstrittenes Buch "Anthroposophie auf der Kreuzung..." heraus, was zu einer heftigen inneranthroposophischen Kontroverse führte (Holocaustleugnung oder nicht?): mit dem Ergebnis des Ausschlusses von Bondarew aus der AAG. ein Bondarew-Interview von L.Ravagli u. Rud. Saacke aus dem Jahre 1996, das von der Zeitschrift Novalis nicht abgedruckt wurde, war der Anlass für das erste Heft von Lochmanns "Illustrationen".

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  2. Lochmann sounds more sincere than Eggert.

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  3. Hat Lochmann sich eigentlich auch ueber den Egoisten geaussert? Interessanterweise war Lochmann
    Positiv ueber Prokofieff im Beziehung zu dessen Buch Zeitreisen ueber Judith on Halle.

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