Christian Morgenstern und der Nobelpreis an Rudolf Steiner

Michael Eggert:

An dieser Stelle ergibt sich die willkommene Gelegenheit, an die gerade verstorbene (13.12.2014) Hella Wiesberger zu erinnern, eine Rudolf- Steiner- Archivarin, Herausgeberin und Essayistin ersten Ranges. Genannt werden soll hier ihre Dokumentation über Marie Steiner von Sivers, die unerlässliche Dokumentation zu Rudolf Steiners esoterischer Lehrtätigkeit (auch die kurze Phase seiner quasi- freimaurerischen Tätigkeiten umfassend), und die Herausgabe der verstreuten, teilweise katastrophalen Nachschriften zu Steiners 1904- 1912 gehaltenen Esoterischen Stunden.

In der hier von Hella Wiesberger vorgestellten Chronik geht es um die Beziehung zwischen Christian Morgenstern und Rudolf Steiner. Das gewisse Epigonen- Hafte, das so viele Arbeiten von Albert Steffen innehatten, unterläuft Morgenstern nicht, aber in Bänden wie Wir fanden einen Pfad geht es doch ähnlich schwärmerisch- spiritualisiert zu wie in seinen in der Chronik gesammelten Briefen.

Morgenstern wollte sogar, wie ein Briefentwurf zeigt, Rudolf Steiner für den Nobelpreis vorschlagen: "Hochgeehrte Herrn des Comités! Angeregt durch eine Zeitungsnotiz des Inhalts: Frederic van Eeden wolle in irgend einer deutschen Stadt über Rabindranath Tagore sprechen, auf den Ihre Aufmerksamkeit zu lenken er sich lange bemüht habe, gebe ich einem längst gehegten inneren Triebe nach, von demselben schönen Rechte wie mein holländischer Bruder Gebrauch zu machen.

Der Mann, auf den ich in aller Bescheidenheit Ihren Sinn richten zu können wünschte, ist Dr. Rudolf Steiner, der Inaugurator der gegenwärtigen anthroposophischen Bewegung in Mitteleuropa.

Für den, welcher diese Bewegung aus eigenster Erfahrung seit Jahren kennt, entspricht Dr. Rudolf Steiner in dreifacher Beziehung den Bedingungen der Nobelpreise: als Wissenschafter, als Dichter und als Förderer des Friedens."

Wieso auch noch des Friedens? "Es ist aber nicht die Absicht des Unterzeichneten, an dieser Stelle von Rudolf Steiner als von einem Phänomen der Wissenschaft oder der Dichtung zu sprechen, sondern nur: ihn in seiner dritten Eigenschaft, als einen der größten Förderer des Weltfriedens zu kennzeichnen. In der Tat - wenn heute jemand für die brüderliche Annäherung der Menschen an einander wirkt, so ist es dieser Mann, der allein durch seine Persönlichkeit Angehörige der verschiedensten Nationalitäten in edelstem geistigen Streben vereinigt. Und mehr noch, dauernder noch, als er es durch seine Persönlichkeit irgend könnte, durch die Art und den Inhalt dessen, was er nun schon seit 10 Jahren unermüdlich als Lehrgut verbreitet, pflegt und ausbaut. Von diesem Lehrgut läßt sich ja bereits vieles aus den genannten Büchern entnehmen - die eigentliche im höchsten Menschheitssinn schöpferische Tätigkeit Rudolf Steiners jedoch wird erst der Historiker enthüllen, der die Geschichte dieses erhabenen Lebens zu schreiben berufen sein wird." Und so weiter.

Den Brief, der am Ende von der Furcht vor Verleumdung diktiert scheint, hat Morgenstern nicht abgeschickt.
______
Zur weiteren Vertiefung in dieses Thema ist gerade folgender Band erschienen: Archivmagazin (Beiträge zur Rudolf Steiner Gesamtausgabe): Nr. 3, Oktober 2014, Dokumente zu Christian Morgenstern. Broschiert – 30. September 2014, HRSG: David Marc Hoffmann

Kommentare

  1. Schwaermerisch - spiritualisiert. Weshalb dieser Wortwahl?

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Lieber Kees, wahrscheinlich ist das eine Frage des Geschmacks. Ich finde das hier kitschig und selbstgefällig: http://www.gedichte.eu/71/morgenstern/wir-fanden-einen-pfad/die-zur-wahrheit-wandern.php
      Und sprachlich- künstlerisch eine Katastrophe, auch wenn es sich reimt. "sein selbst Durchchrister", oh je.

      Löschen
  2. "In Deiner ungeheuren Wortgewalt entströmt die Andacht wie ein Donnerhall
    der tiefesten Seins-Ergebenheit, Du Oh, Du Ach!
    Erhabner Fluss der Herzensprache quillt in rosenzarten Sehnsuchtsfilden, suchend, wühlend auf
    und wendet ihren Strom in Andachts-Strudeln in der Herzenshalle dorten
    Wo vor dem Götterbild die Braue zuckt, in selbstbeherrschtem Ehrfurchts-Schauder
    Erbeben, innerliches, maßvoll eingeerdet Du meine Ruhe mich zur Herrschung zwingt der Fühlung!- allzutiefst gewagt zu öffnen in den gähnenden Erkenntnis-Schlund! ein Strudel wars alsbald!
    Da! erschien ein Friedensleuchten kühlend wie Gebirgeszinnen mahnend einen ganzen Erdenseelenkreis
    Oh sieh, oh schaue! So rufts, daß Dichterherz, in Schwellung, Bebung, Ehrfurchtsbeuge!
    Knatternd Blitzentladung, spreizt sich kosmisches Gefieder, hellauf zu Zuckermonden engelsblau!
    Oh! Horch, in das Hinaus der schwanken Türen Nebelschwellen! Die selbst das Aug der Blinden rühren im Dufte der Erhabenheit zu greifen in die Weiten tief! Ins Nachtende Woher-Wohin!?" usw.
    Sehr ernst und feierlich, mit bebender Stimme, circa nach Art des japanischen No-Theaters...
    Das haut rein!
    :-))
    m.butty

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Mensch Mischa, mit so was findest Du in Dornach einen Verlag!

      Löschen
    2. Ja, und manches früh und spät pubertierisch Herz wird gebrochen, wenn solch heilsamer Spott das poetische Katzengold entlarvt, und ein Rühren im Faß der Wortgewalt, ... ist nicht so schwer, .. daß ist reine Montage schwülstiger Wörter.. da ist doch der Strudel im Hornkieselfaß was ganz andres, auch da schäumt und schwallt es, aber man ist in der Früh heilsam allein mit sich und der Morgensonne,....
      m.butty

      Löschen
    3. "Heilsam" ist das richtige Kriterium. Ich weiß, was Du meinst.

      Löschen
    4. Ich mag sehr vieles von - und den - Christian Morgenstern sehr, auch von Steffen gibt es bestimmt einige schöne Sachen. Überhaupt ist die Grenze fließend, was Geschmack und Berechtigung von Kritik betrifft.. denn manches, was kein zeitloses Meisterwerk ist, ist dennoch genießbar, weil es etwas transportiert, was ein anderer dereinst vielleicht einmal besser artikuliert oder sogar in verdichteten sehr vollendeten.. wenigen und auch schönen Worten, Sätzen wird sagen können. Ganz, also 100% spotten kann ich nie über aufrichtige Versuche, was zu dichten, sich Selber oder ein Stück Welt zu erklären. Wenn das ganze sich bei unreflektierter Selbstgefälligkeit und gespreiztem Tinnef-Nippes einpendelt, und noch Fän-Gemeinden sich drumherumkristallisieren und sublimieren, wird es für außenstehende immer mehr ..komisch, und peinlich...
      Betreff: "heilsam" - Das drinhängen im Schwulst, im Kitsch bedeutet, finde ich, eben immer auch ein gutes Stück - Vitalitäts-Verlust- ! Nich einfach "Realitäts-Verlust" - sondern Vitalitätsverlust, und wir möchten doch im Grunde der Seele alle gesund und kräftig sein, so gut wir können! :-)
      m.butty

      Löschen
    5. Wie müssen ja Morgenstern nicht nicht mögen. Natürlich gibt es neben den ästhetischen und kritischen Anmerkungen sicherlich manche Perle zu finden. "Gesund und kräftig" mit voller Vitalität findet man auch im rein meditativen Gebiet. Es ist dann nur vorüberzieht reine Aktivität eines Willens, der empfänglich wird. Dann kommt die Wärme hinzu, die eine absolute Wesenserfahrung ist. Das ist das Wichtigste, denn hier entfaltet sich der Wesenskern in hingebender Entfaltung, in der Süße der Tiefen, denen die Quellen sprudelnd entspringen. Aber er ist dennoch gefesselt. Er kann verstehen und forschen-also fokussiert arbeiten. Es ist immer noch in eine Blase. Das Verstehen ist zu gering. Und es ist schwer, es zu "halten". Das ist einfach Arbeit, wie im Steinbruch. Und immer wieder neu (und was ganz anders als die Bild- Vorstellung des "Hüters" kommt die Selbstkonfrontation: Ein so intensives von Situationen, in denen man sich schuldig gemacht hat. Man versteht die Situation und erlebt in tiefster Scham. Das ist eine völlig andere Art des Erinnerns (in ihr zu leben) M.

      Löschen
    6. Mm mh. Habe heute noch etwas zu erledigen, und muß dazu ein weites Stück wandern, zu Fuß. Über die Scham, dieses "Hüter der Schwelle"- Erebnis, und wie man dennoch da nicht einknickt, nämlich resigniert, da kann man einiges dazu denken, zu sagen versuchen. Vielleicht kann ich beim Fußmarsch ein wenig darüber denken... oder es schöpferisch absinken lassen, um hernach "das Netz" mit Inspirationen gefüllt "wieder heraufziehen" .. Denn, es zuzulassen, sich zu Schämen, und zwar ohne Filter und Wut, das ist ja ein enormer Schritt, so empfinde ich. A-Bär: Dann dennoch sich nicht zu biegen bis zum einknicken, oder umknicken, sondern irgendwie in Würde, doch ohne erneuerten Dünkel weiterzumachen, zu ...helfen.. und zu schenken .. und so ... auch.. Darauf kommt viel an, so denk ich. Man darf nicht aufgeben, auch wenn so viel weiterhin danebengehn könnte, zu seiner Liebe zur Welt, zum Leben ..einzustehn..
      m.butty

      Löschen
    7. Im Grunde meiner Weltsicht und vielleicht auch aus meinen Lebenszusammenhängen (Biographie) heraus habe ich die Anthroposophie und das spirituelle Prinzip in allen Religionen da, wo Religionen nicht machtpolitische Klammer oder soziale Bündnisse gegen andere sozialen Blocks sind, als Heilungs-Institutionen erlebt und wahrgenommen.

      So folgerte ich, daß in dem Augenblick der Menschheits-Geschichte, in denen alle Religionen immer weniger ihren Ursprung und Zusammenhang zu den Quellen der Heilung verloren hatten, und auch Erneuerungs- und Erweckungsbewegungen nur noch Umgangsformen und Verhaltenscodices ändern konnten, solche Menschen wie Aurobindo, Steiner, ja sogar Krishnamurti geradezu not-wendig waren... auch ein Shree Rainesh ..der "Baghwan"..transportierte ja anfangs noch Gedanken, die eine Beruhigung und Ordnung von sehr beunruhigenden Zivilisationsfragen suchten, - in der Zeit von Imperialismus, Globalisierung, Technisation, bevor er, "Baghwan" abstürzte und sich zum Größenwahn bekehrte...

      Denn der Imperialismus, die erste Stufe der Globalisierung hatte die Welt kleiner gemacht, und der weltweite drahtlose Rundfunk war das erste "Internet" ... lies den Informationstransfer interkontinental bereits um 1910 in Lichtgeschwindigkeit abrufbar werden... und zwar für sehr viele Menschen, auch auf dem Lande!

      Das ist ja allgemeine "Anthro-Lesart": In dieser Zeit, als "unsere Epoche" schon vollständig angelegt war... "erschien" "unser" Steiner... mit Auto und Telefon..

      "Der Mensch als Krebs des Planeten"... sagt man öfter.. und meint dabei ja nur den rätselhaften Hauch des Mysteriums der Biosphäre. Denn in den Maßstäben des Alls betrachtet ist die Welt, in der sich "der Mensch" als Zerstörer dieser Biosphäre betätigt und als Zerstörer der Glücksmomente seiner eigenen Gattung im "Krieg aller gegen Alle" nur ein dünner Reif unter einer Gasatmosphäre...

      Heilung sollte Spiritualität, sollte Anthroposophie bringen.
      Wenn ich aus der Sicht eines mit dem Prinzip der Heilung beauftragten die Menschen betrachte, in ihren Identifikaten, mit ihren marktwirtschaftlichen Zertifikaten, ihren Verdienstkreuzen und Eitelkeiten, wie sie da voller Gebrechen sind, mit Verschleißkrankheiten kompensatorischen Ehrgeizes beladen, und überwuchert mit Versagensängsten das Innenleben, und wie ihre Fassaden mühsam möglichst "seriös" ehrfurchtsgebietende subtile Drohgebärden beinhalten - dann möchte ich sie nicht heilen. Dann hat sich jeder "selbst zuzuschreiben", in dieses Dilemma der Krankheit und der Zivilisation geraten zu sein. Auch mir hilft ja keiner! Menschen sind ekelhaft.

      Wenn ich mich mit dem Prinzip Heilung beauftragt empfinde, sei es als Arzt oder Seelen-Sorger oder Dichter oder Sprach-Gestalter usw. ..dann muß ich mich durch den Ekel, den der Schatten der Kränkung wirft, der auf die Menschenkinder durch ihr Schicksal gefallen ist, hindurchwagen.

      Das geht nur, wenn ich immer wieder neu selber solche "Hütererlebnisse" habe, wo ich mich vor mir selber ekele, und das nennt man dann eben Scham. Darum gibt es dieses Mantra in der kath. Liturgie: "Herr, ich bin nicht würdig, daß Du eingehst unter mein Dach, aber sprich (Du) nur ein Wort, so wird meine Seele gesund". Vor dem Meßopfer. (Das kann zur Schwülstigkeit entartet benützt werden, es kann aber auch in seinem ganzen tiefen Ernst, der hart wie ein Kinnhaken ist, erfaßt werden..) ...
      m.butty

      Löschen
    8. Auch wenn der Heilung-Suchende nicht dorthin gelangt, muß ich "das Kind" zu finden bemüht sein, welches versunken ist im Abrgrund während des Lebenskampfes. Im Lebenskampf, im Kampf um Erscheinung, um Reviere und Marktzugänge, im Kampf um Artikulation und Ausbreitung ("ich brauch Platz!") und Attraktivität wird jeder Mensch schuldig, ..oft bevor er/sie es überhaupt merken. Und wer Schuld vermeiden will, daher vielleicht "Erbsünde" .. wird schuldig aufgrund seines Nichts-Tuns und aufgrund selbstgefälliger Zurückhaltung..

      "Das Kind"... ist nicht das Ziel eines Heilungsprozesses, sondern es ist die Quelle, aus der der Lebens-Strom entspringt, der uns trägt, wie verschmutzt er uns auch geworden ist...
      Von diesem Ort aus läßt sich auch das .. Erwachsen-Sein .. und das Erwachsen-Werden neu bestimmen.

      Denn Kind und Erwachsener sind Aspekte menschlicher Gegenwart!
      Gegenwart, die nicht einfach in Vergangenheit und Zukunft zerbricht, nicht zerbrechen sollte.
      ----------------------------------
      Christian Morgenstern schrieb:

      Ich habe den MENSCHEN gesehn in seiner tiefsten Gestalt,
      ich kenne die Welt bis auf den Grundgehalt.

      Ich weiß, daß Liebe, Liebe ihr tiefster Sinn,
      und daß ich da, um immer mehr zu lieben, bin.

      Ich breite die Arme aus, wie ER getan,
      ich möchte die ganze Welt, wie ER, umfahn.

      http://de.wikisource.org/wiki/Ich_habe_den_MENSCHEN_gesehn_in_seiner_tiefsten_Gestalt
      -------------------------------------------
      Wenn wir im Alltag und bei guter Gesundheit sind, erscheinen uns auch recht einfache Verse und Gedanken wie geschwollen, und irgendwie auch düster, und mmmh...
      Wer in Krisen steckt, und Worte sucht, ist zwischendurch oft näher am Pathos...und dann auch wieder nicht, ist "himmelhoch jauchzend und zu Tode betrübt" ...

      Christian Morgenstern hatte extrem mit seiner Tuberkulose zu schaffen, er wäre so gerne ganz gesund gewesen, und hatte so viel vor...
      m.butty

      Löschen
    9. Vielen Dank für Eure Beiträge – sowohl für Michaels Hinweis auf das „Erinnern in Scham“ als auch für Mischas Plädoyer für im Alltag „geschwollen“ erscheinende Verse und Gedanken, die dennoch in extremen, aus dem Alltag herausgehobenen Situationen ehrlich empfunden sein (und dann sogar etwas „Schlichtes“ haben) können.

      Mit der letzten Strophe in Morgensterns Gedicht, insbesondere mit dem Reim „Durchchrister - Geschwister“ habe ich zwar so meine Schwierigkeiten...

      Aber für mich steckt eine große Wahrheit in
      »Die zur Wahrheit wandern,
      wandern allein«
      – und ich kann Morgenstern gut folgen bis zu
      »doch wer's ganz vollbringet,
      siegt sich zum Stern«.
      Dabei denke ich auch an seinen Zeitgenossen Rilke, an das Gedicht Abend, in dem „es“ nur teilweise vollbracht erscheint, sodaß es nicht nur das gibt, »was Stern wird jede Nacht und steigt«, sondern vor allem das, was »abwechselnd Stein in dir wird und Gestirn«.
      Ich finde, damit ist sehr stimmig sowohl das Erleben der Scham ausgedrückt, von dem Michael spricht, als auch Mischas »wie man dennoch da nicht einknickt«: sowohl den „Stern“ als auch den „Stein“ wahrnehmen, und ertragen/anerkennen, daß es beide gibt und wohl auch weiterhin geben wird... an jedem einzelnen Abend...

      Herzlich,
      Ingrid

      Löschen
  3. Ist es denn schlimm, dass Morgenstern den Brief nicht abgeschickt hat?
    Die Grundfrage ist natürlich, ob man das einfach so verallgemeindernd sagen kann, dass Nicht-Handeln negativ ausgerichtet ist, oder ev. weniger negativ ist als (verkehrt) Handeln.

    Im Weltmasstab wirkt sicht Nicht-Handelnh zwar zuweilen sehr negativ aus, viel negativer als vieles noch so zielgerichtete Handeln.

    Wenn allerdings diejenigen, welche einen der grössten Kriegstreiber der Gegenwart, in der Person des amerikanischen Präsidenten für den "Friedensnobelpreis" vorschlugen, ihren "Brief" nicht abgeschickt hätten, wäre das dann nicht negativ gewesen?

    Auch ob Steiner wirklich in die erlauchte Runde der Friedensnobelpreisträger gepasst hätte, ist zumindest zweifelhaft. Denn Steiner hat ja niemals nur eine Linie vertreten, weil er ja nicht als (zumindest vom Anspruch her widerspruchsfreier) Mensch wirkte, sondern sozusagen das postulierte "Universalwerkzeug" der Menschheit verkörperte oder zumindest heute verkörpert, alle Widersprüche in sich vereinend - wie der Weltengeist sozusagen.

    Weil man bei ihm alles finden kann, was auch immer man irgendwie irgendwo irgendwann für welchen Zweck und für welches Ziel auch immer brauchen könnte.

    Es kommt eben nicht auf Steiner an, sondern nur auf uns und auf das, was wir aufbauend auf dem, was sich heute "Steiner" nennt, wirklich machen wollen.

    Was wissen wir denn heute noch Wirkliches über den Menschen Steiner, mal ehrlich?
    Bei ihm findet sich alles, von feurigstem Eintreten für Völkerverständigung und Frieden bis zur dezidierten Rechtfertigung bis teilweise sogar Verherrlichung von Kriegshandlungen.

    Warum? Weil Steiner eben mehr als ein Mensch ist, weil zu uns nicht mehr der Mensch Steiner spricht, bzw. sprechen kann, sondern dasjenige, zu dem Steiner von anderen gemacht wurde.

    Die Gegenüberstellung Steiners und des amerikanischen Präsidenten verstehe ich also durchaus nicht als puren Sarkasmus.

    AntwortenLöschen

Kommentar veröffentlichen

Danke für Ihre Mitarbeit im Blog.

Egoistisch am meisten gelesen: